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Tag Archives: Verleger

Anton Philipp Reclam

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Der oben abgebildete Sarkophag befindet sich im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig. In ihm waren die Urnen der Familie Reclam beigesetzt, wie eine Informationstafel wissen lässt. Die dort verwendete Vergangenheitsform, weist darauf hin, dass sich die Urnen nicht mehr darin befinden, weshalb es sich bei dem Sarkophag überdies um ein Kenotaph handelt, das zwar nicht als solches errichtet wurde, aber der wörtlichen Bedeutung nach1 zu einem wurde.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Familie Reclam die Urnen mit sich nahm bzw. überführen ließ, als sie im Jahr 1947 nach Stuttgart übersiedelte, um dort zunächst eine Filiale des Leipziger Stammhauses zu gründen, die nach Teilenteignung und Demontage des Leipziger Verlages durch die Sowjetunion im Jahr 1950 schließlich aber zum neuen Stammsitz wurde, während das Leipziger Mutterhaus verstaatlicht wurde und unter DDR-Ägide parallel dazu fortbestand. Nach der Wiedervereinigung wurde die Leipziger Universalbibliothek zugunsten der Stuttgarter eingestellt bzw. z.T. als Reclam-Bibliothek weitergeführt. Nach der Reprivatisierung des Leipziger Zweigs wurde dieser 1992 unter dem Namen Reclam Leipzig zu einer Tochtergesellschaft von Reclam Stuttgart2. Diese Dependance konnte bereits in ihrem Gründungsjahr mit dem Titel „Schlafes Bruder“von Robert Schneider einen großen Erfolg verbuchen, der in 30 Auflagen erschien, in 24 Sprachen übersetzt und 1995 gar verfilmt wurde. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Nichtsdestotrotz entschied man sich in Ditzingen3 2005 gegen einen Fortbestand des Leipziger Tochterverlages, der 2006 seine Tore schloss. Von Reclam Leipzig ist somit nichts übriggeblieben als der Name, dessen sich der Stuttgarter Verlag noch als Imprint bedient4. Außerdem blieb der Buchstadt Leipzig noch ein leerer Sarkophag. Ein weiteres Trauerspiel, dessen Ursache sich in den Verbrechen der Nationalsozialisten findet.

Literatur:

  • Bode, Dietrich: Reclam – Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte 1828-2003. Stuttgart, 2003.
  1. Kenotaph, (auch:) Zenotaph, das; -s, -e [lat. cenotaphium < griech. kenotáphion, zu: kenós = leer u. táphos = Grab] []
  2. In ähnlicher Weise handhabte es übrigens auch der Frankfurter Suhrkamp-Verlag mit dem Leipziger Insel-Verlag []
  3. Im in der Nähe von Stuttgart gelegenen Ditzingen hat Reclam Stuttgart seit 1980 seinen Sitz. []
  4. z.B. für Titel aus den Bereichen Philosophie, Religion, Kulturgeschichte und Biographien sowie für die sog. „Reihe Mythos“ []
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F. A. Brockhaus – Gesprächsstoff …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Der Grabstein von Friedrich Arnold Brockhaus (*1772 in Dortmund – †1823 in Leipzig), dem Begründer des Brockhaus-Verlages und Herausgeber des ersten Brockhaus-Konversationslexikons, befindet sich im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig. Daneben stehen die Grabsteine sechs weiterer Mitglieder der Familie Brockhaus, nämlich von: Heinrich Brockhaus (*1804 in Amsterdam – †1874 in Leipzig), Doktor der Philosophie sowie Buchhändler und Druckereibesitzer, Hermann Brockhaus (*1772 in Dortmund – †1877 in Leipzig), Doktor und Professor der Philosophie sowie Königl. Sächs. Geheimer Hofrat, Friedrich Clemens Brockhaus (*1837 in Dresden – †1877 in Leipzig), Doktor und Professor der Philosophie sowie Pastor zu St. Johannis, Heinrich Rudolf Brockhaus (*1838 in Leipzig – †1898 in Leipzig), Verlagsbuchhändler, Rudolf Heinrich Brockhaus (*1864 – †1943), ebenfalls Verlagsbuchhändler sowie Erich Raphael Brockhaus (*1870 – †1945), Ingenieur.
Ganz ähnlich wie im Fall des Reclam-Verlages und des Insel-Verlages bestanden während der deutschen Teilung zwei Brockhausverlage. So setzte Eberhard Brockhaus im Jahr 1945 die Verlegertradition zunächst noch unter seinem Namen in Wiesbaden fort, wo der Verlag nach der Enteignung des Leipziger Stammhauses jedoch wieder als F. A. Brockhaus firmierte. Im Jahr 1984 fusionierte F. A. Brockhaus aus existenziellen Nöten1 mit seinem größten Kontrahenten – der Bibliographisches Institut AG2 zur Firma BIFAB (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG), deren gemeinsamer Sitz von 1985 an Mannheim war. Vier Jahre darauf stieg der Wörterbuchverlag Langenscheidt als Großaktionär in die Firma ein.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007In Leipzig hingegen wurde der Verlag 1953 enteignet und schließlich in einen Volkseigenen Betrieb, nämlich den VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig umgewandelt, der bis 1990 bestand. Dann folgte die Reprivatisierung. Im Jahr 1992 wurde der Leipziger Verlag zur Tochtergesellschaft der Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, mit dem Namen F. A. Brockhaus GmbH. Anders als im Fall des Reclam-Verlages, besann man sich in Mannheim offenbar auf die eigene Tradition und steht noch heute zu ihr. Ein Leipziger Zweig besteht fort und war 2005 mit daran beteiligt, die 21. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden und etwa 300.000 Stichworten herauszubringen. Hierbei handelt es sich um die letzte gedruckte Ausgabe der Enzyklopädie. Fortan wird sie ausschließlich in digitaler Form erscheinen. Die erste digitale Ausgabe erschien 2002 auf zwei CD-ROMs und einer DVD. Die aktuellste Version – die 21. Auflage – erschien sowohl in Buchform als auch digital auf zwei DVD-ROMs sowie auf einem USB-Stick.

  1. der Markt war gesättigt und Lexika verkauften sich daher nur schleppend []
  2. 1824 von Joseph Meyer in Gotha gegründet, zunächst nach Hildburghausen und 1874 nach Leipzig verlegt []
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ORIENTierungshilfe – Otto Harrassowitz

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Verglichen mit den Grabstätten von Campe und Meyer fällt die Harrassowitzsche geradezu bescheiden aus. Die vom Leipziger Bildhauer Adolf Lehnert geschaffene marmorne Kinderfigur befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof1. Nur etwa anderthalb Meter hoch2, steht sie etwas abseits der größeren Wege. Die auf der Vorderseite des Sockels befindliche Inschrift ist stark verwittert, doch bei näherem Hinsehen ist noch Folgendes zu entziffern: „Gisela Harrassowitz *28.VIII.1919 – †11.IV.1925″. Angesichts der Tatsache, dass diese Gisela nur sechs Jahre alt wurde, liegt es nahe, dass es sich bei der Skulptur um ein (betendes) Mädchen handelt. Die anderen Seiten des Sockels sind nicht mit Inschriften versehen, weshalb bei der Behauptung, dass es sich hierbei auch um die Grabstätte von Otto Harrassowitz handele, auf die Publikation „Der Leipziger Südfriedhof – Geschichte / Grabstätten / Grabdenkmäler“3 vertraut werden muss. Dort wird das Grab auf Seite 153 unter Verwendung eines Fotos oben abgebildeter Skulptur besprochen und ohne die Äußerung irgendeines Zweifels als die Grabstätte von Otto Harrassowitz bezeichnet. Bedauerlicherweise wird aber mit keinem einzigen Wort auf die so jung gestorbene Gisela Harrassowitz eingegangen, deren Name als einziger auf dem Grabmal verzeichnet ist. Wenn es sich hierbei um die Tochter von Otto Harrassowitz handeln sollte, hätte sie ihren Vater nur um fünf Jahre überlebt und er seine Tochter nur ein Jahr lang erlebt. Dass es sich um seine Tochter handelt, ist indes sehr unwahrscheinlich, da er dann im biblischen Alter von 74 Jahren Vater geworden wäre. Womöglich handelt es sich also um eine Enkelin, doch dies ist rein spekulativ. Abgesehen vom Nachnamen Harrassowitz findet sich also keinerlei Hinweis darauf, dass Otto Harrassowitz dort begraben liege.
Im Vertrauen auf die Richtigkeit der Angabe in o.g. Publikation wird hier also davon ausgegangen, dass es sich um die letzte Ruhestätte auch des Verlegers Harrassowitz handelt.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Dieser Otto (Wilhelm) Harrassowitz (*18. Dezember 1845 in Guayara, Venezuela – †24. Juni 1920 im südlich von Leipzig gelegenen Gaschwitz) nun kam im Alter von zehn Jahren aus Venezuela, wo sein Vater ein Handelsunternehmen aufgebaut hatte, nach Leipzig, um dort im Alter von neunzehn Jahren eine Buchhandelslehre aufzunehmen.
Die von ihm später gegründete Antiquariats- und Verlagsbuchhandlung erlangte unter ihm welweite Bekanntheit. Er gestaltete den Verlag zu einem Spezialantiquariat für Orientalistik, Bibliotheks- und Sprachwissenschaften, das fast 500 Antiquariatskataloge veröffentlichte. Die weitaus größte Zahl seiner Kataloge war dem Orient gewidmet. Harrassowitz wurde in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts der bedeutendste orientalistische Buchhändler des europäischen Kontinents. Weitere Kataloge, die in ihrer Qualität wissenschaftlichen Wert besaßen, waren der klassischen Philologie, der Altertumskunde, der Germanistik, Anglistik, Romanistik, Theologie, Kunst sowie den Americana gewidmet. Zudem gedieh der Exportbuchhandel mit den Vereinigten Staaten. So standen vierzig amerikanische Bibliotheken auf der wöchentlichen Versandliste.

  1. Abteilung XVII []
  2. einschließlich Podest []
  3. von Katrin Löffler, Iris Schöpa und Heidrun Sprinz. Herausgegeben im Auftrag des Leipziger Geschichtsvereins e.V. Leipzig, 2., veränderte Auflage 2004. []
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Bildung für alle – Herrmann Julius Meyer

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007An der Westmauer des Leipziger Südfriedhofs in Abteilung III befindet sich die Grabstätte von Herrmann Julius Meyer, des neben Friedrich Arnold Brockhaus bedeutendsten deutschen Lexikonverlegers. Meyer wurde am 4. April 1826 als Sohn des Verlegers Joseph Meyer in Gotha geboren. Sein Vater war es, der den Verlag namens „Bibliographisches Institut“ gründete, der sich unter Julius Meyer zu voller Blüte entwickelte. Ihn zu unterschlagen, würde bedeuten, nur die halbe Geschichte zu erzählen. So sei es gestattet, mit dem Vater zu beginnen.
Joseph Meyer wurde 1796 in Gotha geboren, wuchs dort auf, besuchte zunächst ein Gymnasium und dann ein von einem Pfarrer geleitetes Schulpensionat. Im Alter von dreizehn Jahren trat er eine vierjährige Lehre zum Kaufmann in einer Kolonialwarenhandlung in Frankfurt a.M. an und ging im Anschluss daran im Jahr 1817 nach London, um dort sein Glück als Kaufmann zu versuchen, verspekulierte sich nach zwischenzeitlichen Erfolgen jedoch 1820 in Kaffeegeschäften und trieb somit sein Geschäft in den Bankrott. Schließlich musste er London verlassen, um dem Schuldturm zu entkommen.
Ein Jahr später versuchte sich als Unternehmer einer Bleicherei und Färberei, verstrickte sich jedoch erneut in Spekulationsgeschäfte, die zu großen Verlusten führten und so auch dieses Unternehmen scheitern ließen. Nachdem er zwischenzeitlich in seiner ehemaligen Schule Sprachunterricht erteilt hatte sowie schriftstellerisch in Erscheinung getreten war, nahm Meyer im Jahr 1824 eine Stellung in der Henningschen Buchhandlung in Gotha an, wo man ihn auch mit der Herausgabe eines wöchentlich erscheinenden Korrespondenzblattes für Kaufleute beauftragte, das unter seiner Ägide ein großer Erfolg wurde. Darüber hinaus gab Meyer auch Shakespeare in deutscher Sprache heraus, was sich wegen Kritik an seiner Übersetzung jedoch weniger erfolgreich gestaltete.
Nach diesem Angestelltenverhältnis lockte ihn jedoch abermals die Unabhängigkeit, sodass er 1826 das eingangs erwähnte Bibliographisches Institut gründete. Beim dritten Versuch der Selbständigkeit hatte Meyer – wie sich bald erweisen sollte – seine Bestimmung gefunden. Bereits sein erstes Projekt als selbständiger Verlagskaufmann nämlich wurde ein durchschlagender Erfolg. Dieses Projekt bestand im Verlegen preiswerter Klassikerausgaben unter dem Namen „Cabinets-Bibliothek der Deutschen Classiker“. In dieser Reihe erschienen 150 Bändchen, von denen je 40.000 Exemplare verkauft wurden1, was ein enormer Erfolg war. Dabei verstieß er allerdings auch gegen Urheberrechte, was die Konkurrenz weniger störte, als seine offensiven und u.a. auch neuartigen Mittel und Wege der Werbung und des Vertriebs, mit denen er z.T. auch den etablierten Buchhandel umging. So warb Meyer in Zeitungen nicht mit einer einzelnen Anzeige für seine Publikationen, sondern gleich auf mehreren Seiten. Er ließ Werbeplakate auf Postämtern aufhängen und zu Millionen Prospekte verschicken. Der Effekt dieser Werbekampagnen blieb nicht aus. Interessenten suchten die Buchhandlungen zuhauf auf, um die beworbenen Titel zu kaufen, weshalb sich der Buchhandel genötigt sah, diese auf Lager zu haben. In Orten, die über keinen Buchhandel verfügten bzw. deren Buchhandel nicht mit Meyer kooperieren wollte, gewann er branchenfremde Händler als Handelsagenten, die wiederum zu Hunderten Kolporteure2, also Hausierer mit Bauchläden ins Land schickten.
Zudem brachte Meyer bei seinen Publikationen das Subskriptionsprinzip zur Anwendung. Gerade bei mehrbändigen oder anderweitig kostenintensiven Publikationen konnte mittels der Subskription, die dem Abonnement bei Zeitschriften ähnelt, vorab bestellt werden. Auf diese Weise konnte der Verleger zum einen die Auflagenhöhe ermitteln, die verkäuflich sein würde und zum anderen, ob diese mindestens die Herstellungskosten decken würde. Somit ließ sich das verlegerische Risiko reduzieren. Der Subskribent zahlte die gesamte Publikation im Voraus, wurde aber nur stückweise z.B. über den Zeitraum eines Jahres wöchentlich beliefert. Dies ging teilweise so weit, dass nicht nur einzelne Bände sukzessive geliefert wurden, sondern auch nur je zwei Bögen, was 32 Seiten entspricht. Hatte man alle Bögen vollständig beisammen, konnte man sie beim Buchbinder binden lassen. Auf die Weise ließen sich die Produktionsmengen für den Verlag überschaubar halten. Zugleich war dieser stückweise Erwerb auch für weniger betuchte Kunden finanzierbar, wodurch neue Käuferschichten erschlossen wurden. Somit handelte Meyer zudem ganz im Sinne der aus aufklärerischem Impetus entstandenen Firmendevise „Bildung für alle!“. Ein weiterer Grund für die niedrigen Preise von Meyers Büchern und deren sich daraus ergebender großen Verbreitung war aber auch die bereits oben erwähnte Tatsache, dass Meyer z.T. Werke illegal nachdruckte, also ohne die Lizenzen dafür erworben zu haben. Mit solchen Raubdrucken konnte er seine Produktionskosten senken und diesen Kostenvorteil an seine Kunden weitergeben. Erst etwa 40 Jahre später – nämlich am 9. November 1867 – wurde ein Gesetz erlassen, durch das all diejenigen literarischen Werke gemeinfrei wurden, deren Verfasser mindestens 30 Jahre zuvor verstorben waren. Traf dies auf ein Werk zu, musste fortan weder dem Verlag noch etwaigen Nachkommen des infrage kommenden Autors eine Vergütung gezahlt werden, womit ein wesentlicher Kostenfaktor in der Buchproduktion entfiel. Es ist daher nicht als Zufall zu betrachten, dass der Verlag Philipp Reclam jun. just im dem Jahr, in dem dieses Gesetz erlassen wurde, mit der Herausgabe seiner bis heute verkauften Universal-Bibliothek begann.

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  1. Quelle: Homepage des Verlags []
  2. aus frz. colporter bzw. aus der afrz. Wendung porter a col – auf den Schultern, dem Nacken tragen []
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Familie Baedeker – Letzte Reise …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Während Karl Baedeker, Verlagsgründer und einer der Wegbereiter des Massentourismus, in Koblenz begraben liegt, wo er den Grundstein für den späteren Verlag legte, sind sein dritter Sohn Fritz und sein Enkel Ernst sowie andere Familienmitglieder auf dem Leipziger Südfriedhof (Abteilung VI) begraben. Die Firma Baedeker war 1872 von Koblenz nach Leipzig gezogen. Fritz Baedeker führte den Verlag zu seiner größten Blüte.
Dass Baedekers Reiseführer bald auch international ein Begriff waren, zeigt folgendes Zitat aus der englischen Übersetzung des Librettos zu Jacques Offenbachs Operette „La Vie Parisienne“:

Kings and governments may err but never Mr. Baedeker.

Dieser Ansicht war wohl auch Kaiser Wilhelm I., der sich pünktlich jeden Mittag zur Wachablösung der Garde in seinem Palast Unter den Linden präsentierte, denn, so soll er gesagt haben: „Es steht im Baedeker, dass ich den Wachwechsel vom Fenster aus betrachte, und die Leute sind dafür hergekommen.“
Bezüglich der sprichwörtlichen Akribie Karl Baedekers berichtet eine Anekdote vom Zusammentreffen des westfälischen Freiherrn Gisbert von Vincke mit Karl Baedeker im Jahr 1847, wie sie zufällig beide gleichzeitig den Mailänder Dom bestiegen, wobei der Freiherr ein merkwürdiges Treiben bei dem ihm noch unbekannten Herrn Baedeker bemerkte. Dieser griff häufig in seine Westentasche und danach sogleich in die Hosentasche. Nach dem Grund seines Tuns befragt, erklärte der Reiseführerautor, dass er damit die Stufen genau abzähle: Alle zwanzig Stufen stecke er eine Erbse von seiner Westen- in die Hosentasche, rechne oben die Endsumme aus, indem er die Erbsen mit zwanzig multipliziere und die Reststufen addiere und mache beim Hinabsteigen die Gegenprobe. Die sich daraus ergebende Zahl war die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Ob sich daher der sprichwörtliche Begriff des „Erbsenzählers“ herleitet? Dieser könnte jedoch genauso gut auf den Augustinermönch Gregor Mendel zurückzuführen sein, der ja bekanntermaßen die Regeln der Vererbung anhand von Merkmalen bei Erbsen untersuchte. Allerdings kam der Name „Baedeker“ während des Zweiten Weltkriegs auch zu zweifelhaften Ehren: Die deutschen Bombenangriffe auf die kulturhistorisch wichtigen Städte Bath, Canterbury, Exeter, Norwich und York vom April bis Juni 1942 wurden in England bald als „Baedeker raids“ bzw. „Baedeker Blitz“ bezeichnet, weil kolportiert wurde, dass die Nazis sich bei der Auswahl kulturhistorisch besonders bedeutsamer Orte an den im Baedeker üblichen Asterisken (Sternchen) orientiert hätten1. Ein Asterisk weist auf „besonders Beachtenswertes“ hin. Die Höchstzahl von zwei Asterisken markiert „einzigartige Sehenswürdigkeiten“.

  1. Quelle: Baedeker-Homepage, Rubrik: Verlagsgeschichte []
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Julius Campe

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006Nicht gerade ein Grabmal, bei dem man geneigt ist, es als unprätentiös zu bezeichnen – schön ist es allemal. Man muss also „nur“ jemanden wie Heine verlegen und schon können die Hinterbliebenen einen solchen Tempel finanzieren.

Heine äußerte sich über seinen Verleger übrigens wie folgt:

„Als Republik war Hamburg nie / So groß wie Venedig und Florenz, / Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist / Die besten im Keller von Lorenz. // Es war ein schöner Abend, als ich / Mich hinbegab mit Campen; / Wir wollten miteinander dort / In Rheinwein und Austern schlampampen. […] Ich aß und trank, mit gutem App’tit, / Und dachte in meinem Gemüte: / ‚Der Campe ist wirklich ein großer Mann, / Ist aller Verleger Blüte. / Ein andrer Verleger hätte mich / Vielleicht verhungern lassen, / Der aber gibt mir zu trinken sogar; / Werde ihn niemals verlassen. // Ich danke dem Schöpfer in der Höh‘, / Der diesen Saft der Reben / Erschuf, und zum Verleger mir / Den Julius Campe gegeben!'“1

Der turmartige Rundbau befindet sich auf dem Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf und wurde 1915 von Alexander Rudeloff aus Muschelkalk und Bronze geschaffen. Die Kuppel sitzt auf dorisierenden Säulen. Unter dem Bau befinden sich vier Gruftzellen. Der Eingang ist nach Westen ausgerichtet. Die Tür besteht aus genietetem Bronzeblech und ist mit einem „maskaronähnlichem“2 Türklopfer versehen.

Literatur:

  • Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich, 2005.
  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.
  1. Heinrich Heine: Deutschland – Ein Wintermärchen, Caput XXIII []
  2. Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990, S.117. []
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