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Tag Archives: Trompe-l’œil

Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen.
Es handelt sich hierbei um ein denkbar schlichtes Trompe-l’œil, das es weniger darauf anlegt, dem kritischen Blick sein wahres Wesen ernsthaft und lange zu verschleiern als vielmehr darauf, dem schweifenden Blick allzu schmerzhafte Hässlichkeit zu ersparen. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Die rote Farbe gibt der vormals grauen Fassade nicht nur ein wärmeres Aussehen, sondern integriert sie gut in die Reihe der benachbarten, aus rotem Backstein errichteten Häuser. Die angetäuschten Fenster verleihen ihr Offenheit und Helligkeit und sorgen dafür, dass der Klotz weniger monolithisch wirkt. Die zahlreichen runden Lüftungsöffnungen wurden dabei geometrisch gut integriert. Die Details zweier menschlicher Gesichter sowie einer schwarzen Katze, die drei der vermeintlichen Fenster zieren, vermögen gar, etwas Lebendigkeit zu erzeugen. Wie die meisten anderen Hamburger Bunker, wird auch dieser als Werbefläche genutzt. Im Moment sind dies zwei Tafeln mit wechselnder Werbung sowie eine dauerhaft vermietete Fläche. Außerdem befindet sich auf dem Dach des Bunkers ein monströser Sende- oder/und Empfangsmast, der über eine fest installierte Leiter im Hinterhof erreicht werden kann. Die vom Hinterhof zu sehende Fassade ist üppig und flächendeckend begrünt. Ob und wenn ja, wie das Bunkerinnere genutzt wird, ist dem Verfasser nicht bekannt.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles in allem handelt es sich hier um eine simple aber ihren Zweck hervorragend erfüllende Illusionsmalerei. Warum sind dann noch so viele Bunker grau? Die Schrecken des Krieges lassen sich nur bedingt durch die Hässlichkeit unserer Alltagsumgebung begreiflicher machen. Was also spricht dagegen, die Fassaden wenigstens wärmer zu gestalten? Es ist kaum anzunehmen, dass auch nur ein Nazi weniger der Verdummung anheim fällt, wenn Bunkerfassaden grau bleiben. Im Gegenteil. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Graue Bunker dienen Nazis mit Sicherheit eher als gute Vorlage für ihre selbstmitleidige und dreiste These des „Bomben-Holocaust“. Die heutige Hässlichkeit vieler deutscher Städte führen sie nicht etwa auf die Nazis zurück, sondern auf die Alliierten und solche Feindbilder wie den Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Airforce, Arthur Harris, der dann gerne als „Bomber Harris“ bezeichnet wird. Doch Harris hatte ja nun nicht so ganz unrecht damit, dass es das Deutsche Reich war, das damit begonnen habe, die Zivilbevölkerung zum Ziel von Terrorangriffen zu machen. Diese Tatsache macht die Flächenbombardements der Alliierten zwar nicht humaner, stellt aber doch massiv das Recht derjenigen Deutschen infrage, welche die alliierten Luftangriffe, aus dem Kontext gelöst, als unmoralisch anprangern ohne eben zu erwähnen, dass es Nazis und nicht Briten waren, die Gernika zu 80 Prozent zerstörten, gezielt auf flüchtende Zivilbevölkerung schossen und somit diese Unmoral im noch jungen Phänomen des Luftkrieges überhaupt erst einführten. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das vorgebliche strategische Ziel hingegen – ein Brücke nämlich – wurde nicht von einer einzigen Bombe getroffen. Auch wird gerne unterschlagen, dass es Nazis waren, die Coventry, Rotterdam, Warschau, London und Belgrad bombardierten.
Inwiefern man angesichts deutscher Vernichtungs- und Konzentrationslager und der darin getöteten mehreren Millionen Menschen ausgerechnet den Alliierten ein unmoralisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung vorwerfen kann, ist sowieso fragwürdig. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Alliierten nicht durch gezielte Bombardements der Infrastruktur der Vernichtungslager das industrielle Morden der Nazis hätten aufhalten können. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Schließlich war den Alliierten durch die Entschlüsselung von Enigma-Nachrichten seit 1943 bekannt, was in den Todeslagern vor sich ging.
Insbesondere zu den Vernichtungslagern führende Bahnlinien hätten bombardiert werden können. Während eines Treffens mit dem britischen Außenminister Anthony Eden am 6. Juli 1944 schlug Chaim Weizmann als Vertreter der Jewish Agency die Bombardierung der Eisenbahnstrecke Budapest-Auschwitz und der Vernichtungsanlagen innerhalb des Lagers vor. Doch die Alliierten waren der Ansicht, dass ein schneller Sieg über das Dritte Reich die effektivste Hilfe für KZ-Häftlinge sei, weshalb man trotz anfänglicher Aufgeschlossenheit gegenüber einer Bombardierung von KZ-Infrastruktur letztlich davon absah.

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Bunker Eimsbütteler, Ecke Glücksburger Straße (Hamburg Eimsbüttel)

Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Eimsbütteler Straße zwischen der Hausnummer 129 zur Linken und der 137 zur Rechten und beansprucht somit also drei Hausnummern für sich. Das Gebäude dient als Träger von Mobilfunknetzantennen sowie als Werbeträger. Außerdem dient es als Rankgrundlage für Efeu. Wobei hier die Frage ist, wer eigentlich wem dient. Eigentlich dient doch der Efeu wohl dazu, der Umwelt den Anblick dieses Bunkers von ausgesuchter Hässlichkeit zu erparen. Die blinde Fassade bietet einen äußerst tristen Anblick. Wenn für die Stadt Hamburg, aus welchen Gründen auch immer, ein Abriss dieses hässlichen Klotzes nicht infrage kommt, fragt man sich doch, warum man seinen Bürgern nicht wenigstens ein wie auch immer geartetes Trompe-l’œil gönnt.

Dass solche Fassadenmalerei bzw. Illusionsmalerei keineswegs nur eine Notlösung zur Kaschierung architektonischer Mängel sein muss, zeigt das Beispiel der Stadt Lyon, die es wohl im Großen und Ganzen weniger nötig hat als Hamburg, architektonische Schandflecken zu beseitigen. Dortige Fassaden-Trompe-l’œils sind mittlerweile weit über Lyons Grenzen hinaus bekannt und über ihren ursprünglichen Zweck hinaus gar zu einer Touristenattraktion avanciert. Zudem wurden die Lyoner Fassadenmalereien auch zum Postkartenmotiv und mithin zu einem Aushängeschild der Stadt. Verantwortlich für diese erfrischende Stadtaufwertung ist die zwölfköpfige Lyoner Künstlergruppe „La Cité de la Création“, die seit mehr als 25 Jahren Fassaden künstlerisch verschönert und weltweit zu einer Referenz der Trompe-l’œil-Malerei auf Fassaden geworden ist. Auf einer „La Cité de la Création“ gewidmeten Website ist zu lesen, dass die Gruppe bisher 139 Projekte mit mehr als 1000 Wandbildern realisiert habe. Auch findet sich dort eine Vielzahl prächtiger Bilder, die das Werk der Muralisten-Gruppe eindrucksvoll dokumentieren. Eine große Zahl von Vorher- und Nachherbildern zeigt, was für unglaubliche Effekte erzielt werden können, welche phantastischen Illusionen von Dreidimensionalität, welche farbliche Vielfalt und Lebendigkeit. Auf der Homepage von „La Cité de la Création“ findet sich eine Vielzahl weiter Bilder und Informationen in französischer und englischer Sprache. Weiterlesen ›

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