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Tag Archives: Religion

Luther und die Reformation

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Anlässlich des heutigen Reformationstages soll an dieser Stelle ein Aphorismus des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner zitiert werden:

„Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch, am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.“1

Wenn das keine Gründe zum Feiern sind …
Die abgebildete, den Reformator Martin Luther darstellende Plastik stammt von Otto Lessing2. Sie befindet sich auf der nördlichen Seite der Hauptkirche St. Michaelis bzw. – mit anderen Worten – auf der vom Haupteingang aus gesehen linken Gebäudeseite. Lessing schuf die Plastik 1912 – in seinem letzten Lebensjahr. Den Guss besorgte die „Aktien-Gesellschaft Gladenbeck“ aus Berlin Friedrichshagen.
Als Urgroßneffe Gotthold Ephraim Lessings bot es sich natürlich an, dass man Otto Lessing seinem Urgroßonkel ein Denkmal setzen ließ, insbesondere, da ein weiterer Verwandter Lessings dem Komittee vorstand, das 1886 einen Wettbewerb für ein Lessing-Denkmal ausgerufen hatte. Von 1887-90 schuf Otto Lessing eine Marmorskulptur des großen Dichters und dazu zwei allegorische Figuren aus Bronze: einmal den Genius der Humanität und zum anderen die Allegorie der Kritik. Das Denkmal wurde 1890 im Großen Tiergarten in Berlin eingeweiht, wo es heute noch steht. Viele der von Otto Lessing geschaffenen Plastiken und Skulpturen sind während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, so Bauplastiken am zweiten Gewandhaus in Leipzig oder Reliefs am Berliner Stadtschloss sowie der Rolandbrunnen in Berlin-Tiergarten. Ein von ihm geschaffenes Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I., wurde zudem eingeschmolzen. Eine weitere Figur Martin Luthers sowie auch eine Philipp Melanchtons hatte Lessing in den 1890er Jahren für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geschaffen, wo sie bei einem Luftangriff zerstört wurden.

  1. Deschner, Karlheinz: Ärgernisse – Aphorismen. Reinbek, 1994, S. 74. []
  2. *1846 †1912 []
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Ex septentrione lux …

tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPGtn_rettete-bei-breitenfeld.JPGtn_gustav-adolph.JPGtn_am-7-september-1631.JPGTotale des Denkmals mit Umzäunung
Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held

Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi mögte straffn / Mit Gott und ritterlichen Waffn / Und das bedrengte Häufflein rettn / In äußerster gefahr und Nöthn. O Bete nun wer beten kan / Der Löw getrost den Feind greiff an / Gott der alte Kirchen Patron / Kan uns durch diesen Gedeon / Eretten auß der Feinde Hand / Und sie stürzen mit Spott und Schand / Daß unser Mund voll lachens frey / Und unser Zung voll rühmens sey/ Weil durch den Helden in höchster Noth / Uns hat erlöst der treue Gott.1

Der „Löw von Mitternacht“ ist der Löwe aus dem Norden (Gustav Adolf), da der Osten für Morgen, der Süden für Mittag und der Westen für Abend steht. Bei dem lateinischen Ausdruck septem triones handelt es sich um die Bezeichnung des Siebengestirns. Die wörtliche Übersetzung jedoch lautet: die sieben Dreschochsen. Die Römer nannten das Sternbild deshalb so, weil sich die sieben hellsten Sterne des Sternbilds um den Polarstern bewegen, wie Ochsen um den Göpel einer Dreschmaschine. Diese Ochsen zu hüten, ist im Übrigen die Aufgabe des benachbarten Sternbilds Bärenhüter, der auch Ochsentreiber genannt wird.2 Plejaden lautet die griechische Bezeichnung für das Siebengestirn, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet. Plejaden hießen nämlich die sieben Töchter des Atlas und der Okeanide Pleione. Aufgrund ihrer Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Dem Mythos zufolge wurden die Plejaden von Zeus als Siebengestirn an den Himmel versetzt, um sie vor den Nachstellungen des Jägers Orion zu retten, doch auch dort werden sie noch immer von Orion verfolgt, dessen Sternbild sich etwa 30° südwestlich der Plejaden befindet. Die Plejaden sind etwa von Mitte September bis Ende April am nördlichen Sternenhimmel sichtbar, daher stehen sie als Synonym für die Himmelsrichtung Norden. Weiterlesen ›

  1. Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt. []
  2. Das Schlagwort ex septentrione lux (aus dem Norden [kommt] das Licht) geht ursprünglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zurück. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch während der Völkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor Körners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst später wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleuropäischer Länder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These ex oriente lux benutzt. Der Meinung dieser Anhänger völkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach Süden hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es völkischen Forschern nie, überzeugende Beweise für diese archäologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser „Ariosophie“ war u.a. die berüchtigte Thule-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des „Dritten Reiches“, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung „nordischer“ bzw. „germanischer“ Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter) betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von Ex septentrione lux wird Jürgen Spanuth gezählt, der 1953 in seiner Veröffentlichung Das enträtselte Atlantis das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeuropäischer Völker in den Mittelmeerraum postulierte. Als früher Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.Ä. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte. []
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Anton Philipp Reclam

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Der oben abgebildete Sarkophag befindet sich im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig. In ihm waren die Urnen der Familie Reclam beigesetzt, wie eine Informationstafel wissen lässt. Die dort verwendete Vergangenheitsform, weist darauf hin, dass sich die Urnen nicht mehr darin befinden, weshalb es sich bei dem Sarkophag überdies um ein Kenotaph handelt, das zwar nicht als solches errichtet wurde, aber der wörtlichen Bedeutung nach1 zu einem wurde.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Familie Reclam die Urnen mit sich nahm bzw. überführen ließ, als sie im Jahr 1947 nach Stuttgart übersiedelte, um dort zunächst eine Filiale des Leipziger Stammhauses zu gründen, die nach Teilenteignung und Demontage des Leipziger Verlages durch die Sowjetunion im Jahr 1950 schließlich aber zum neuen Stammsitz wurde, während das Leipziger Mutterhaus verstaatlicht wurde und unter DDR-Ägide parallel dazu fortbestand. Nach der Wiedervereinigung wurde die Leipziger Universalbibliothek zugunsten der Stuttgarter eingestellt bzw. z.T. als Reclam-Bibliothek weitergeführt. Nach der Reprivatisierung des Leipziger Zweigs wurde dieser 1992 unter dem Namen Reclam Leipzig zu einer Tochtergesellschaft von Reclam Stuttgart2. Diese Dependance konnte bereits in ihrem Gründungsjahr mit dem Titel „Schlafes Bruder“von Robert Schneider einen großen Erfolg verbuchen, der in 30 Auflagen erschien, in 24 Sprachen übersetzt und 1995 gar verfilmt wurde. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Nichtsdestotrotz entschied man sich in Ditzingen3 2005 gegen einen Fortbestand des Leipziger Tochterverlages, der 2006 seine Tore schloss. Von Reclam Leipzig ist somit nichts übriggeblieben als der Name, dessen sich der Stuttgarter Verlag noch als Imprint bedient4. Außerdem blieb der Buchstadt Leipzig noch ein leerer Sarkophag. Ein weiteres Trauerspiel, dessen Ursache sich in den Verbrechen der Nationalsozialisten findet.

Literatur:

  • Bode, Dietrich: Reclam – Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte 1828-2003. Stuttgart, 2003.
  1. Kenotaph, (auch:) Zenotaph, das; -s, -e [lat. cenotaphium < griech. kenotáphion, zu: kenós = leer u. táphos = Grab] []
  2. In ähnlicher Weise handhabte es übrigens auch der Frankfurter Suhrkamp-Verlag mit dem Leipziger Insel-Verlag []
  3. Im in der Nähe von Stuttgart gelegenen Ditzingen hat Reclam Stuttgart seit 1980 seinen Sitz. []
  4. z.B. für Titel aus den Bereichen Philosophie, Religion, Kulturgeschichte und Biographien sowie für die sog. „Reihe Mythos“ []
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Flucht zu Ostern …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Das Bild zeigt die Ruine des Zisterzienserklosters in Nimbschen bei Grimma in Sachsen von Nordwesten aus gesehen. Zu sehen sind die Außenmauern des Kapitelsaals und des Konventgebäudes. Im ersten Stockwerk befand sich der Schlafsaal. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1243 vom Wettiner Markgrafen Heinrich dem Erlauchten (1221-88) zunächst in der Nähe von Torgau. Das Nonnenkloster zog zweimal um, 1250 nach Grimma und um 1291 schließlich nach Nimbschen, unmittelbar an die Mulde, wo die Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Zur rechtlichen Absicherung war das Kloster bereits 1244 in den Zisterzienserorden inkorporiert worden. Sechs Jahre später erhielt das Nonnenkloster in Nimbschen das „privilegium commune“ des Zisterzienserordens von Papst Innozenz dem IV. verliehen. Ungeachtet dessen unterstanden die Nonnen dem Bischof der Merseburger Diözese.
Die Nonne Katharina von Bora war im Jahr 1510 von ihrem Vater nach Nimbschen ins Kloster gegeben worden, wo sie Lesen, Schreiben und Latein lernte. Die reformatorischen Gedanken gingen auch an diesem Kloster nicht spurlos vorüber und beeinflussten die dort lebenden Nonnen. Zusammen mit anderen Nonnen beschloss Katharina von Bora die Flucht. Sie baten Luther selbst um Hilfe, der zu Ostern 1523 einen Wagen schickte, in dem die fluchtwilligen Nonnen schließlich unter Mithilfe des Torgauer Ratsherren Leonhard Koppe entkamen.

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Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Das Haupt des Krakauer Königs ziert – im Gegensatz zu seinem Pendant aus damaszener Produktion – ein Kreuz. In vielen abendländischen Schachspielen hat auch der Läufer ein Kreuz eingearbeitet, der nicht umsonst im Englischen „bishop“ heißt. Im Arabischen und Türkischen wird der Läufer im Schach فيل „fīl“ genannt, was Elefant bedeutet. Im Russischen heißt der Läufer „слон“, was ebenfalls mit Elefant zu übersetzen ist. Im Französischen wiederum heißt er „fou“, was bekanntermaßen Narr, Wahnsinniger bzw. Irrer bedeutet.

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