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Tag Archives: Parallelwelten

Am 1. Mai hat die Post geschlossen

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles fing damit an, dass der NPD-Politiker Thomas Wulff ein Paket zur Post bringen wollte. Offenbar hat niemand seiner zahlreichen Begleiter ihn darauf hingewiesen, dass der 1. Mai ein Feiertag und das Postamt somit geschlossen ist. Man fragt sich, warum er sich zu diesem Zweck auf den über 100 Kilometer langen Weg aus dem mecklenburgischen Ludwigslust nach Hamburg begab. Aber gut, das ist seine Privatangelegenheit. Vielleicht wollte er den Gang zur Post mit einem Besuch bei Freunden in Hamburg verbinden. Vielen Freunden begegnete er dort dem Anschein nach aber nicht. Im Gegenteil. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Hamburgern schien vorab über die Ankunft von Herrn Wulff informiert gewesen zu sein, da sie ihn mit Sprechchören empfing. Niemand aber klärte ihn und seine Reisegefährten darüber auf, dass die Postämter heute geschlossen waren. Stattdessen skandierte man Sätze wie: „Ihr habt den Krieg verlor’n!“ Dies ist nun wirklich alles andere als hilfreich für einen Menschen, der auf der Suche nach einem Postamt ist. Man hätte ihn wenigstens darauf hinweisen können, dass es Packstationen gibt, an denen man zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Feiertagen seine Pakete aufgeben kann. So aber irrte Wulff zusammen mit seinen Kameraden stundenlang mit seinem Paket unter dem Arm durch Hamburgs Norden. Die Menge schien ob des Missverständnisses von Wulff höchst erbost. Warum eigentlich? Das kann doch jedem einmal passieren. Angesichts dieser lautstark geäußerten Wut echauffierten sich auch Wulffs Begleiter zunehmend und begannen, Transparente zu entfalten. Langsam drängte sich der Verdacht auf, dass es hier um mehr als nur um das Verschicken eines Pakets ging. Auf den Transparenten nun fanden sich Aussagen wie: „International ist nur das Kapital – Freie Nationalisten Mecklenburg Süd-West“. Aha. Ein weiteres Transparent war beschriftet mit: „Deutsche Intifada“. Passend dazu trug ein anderer Reisegefährte eine Palästina-Flagge. Auch die mittlerweile obligatorische Flagge des Iran ließ man im Maiwind flattern. Ahmadinedschad, der große Freund des jüdischen Volkes, konnte selbst nicht kommen, um für die Tilgung Israels von der Landkarte zu plädieren. Er bereitet womöglich gerade eine Rede zum bevorstehenden 60. Jahrestag der Gründung Israels vor oder inspiziert die Bahnlinie, auf welcher der Mahdi dereinst nach Teheran reisen soll. Die US-amerikanische Flagge reckte man verkehrt herum empor. Also wirklich, die NPD-Anhänger werden immer einfallsreicher und subtiler. Auch die Kameradschaft Northeim hatte ein eigenes Transparent dabei mit einem Bertolt Brecht zugeschriebenen Ausspruch: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Der NPD-Kreisverband Kiel-Plön war ebenfalls mit einem Transparent vertreten. Dieses trug die Aufschrift: „Widerstand läßt sich nicht verbieten!“ Was sind da schon die Transparente der Gegner: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ Dort hielt man u.a. auch die Flagge der Sowjetunion empor, die ja nun nicht gerade Sinnbild für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft ist. Die Angelegenheit wurde zunehmend unerquicklich, so dass den NPD-Anhängern der Weg mit Wasserwerfern frei gespritzt wurde, damit sie ihren Weg in Richtung Stadtpark fortsetzen konnten. Dabei verloren sie viele kleine Zettelchen, auf denen die freundliche Einladung: „komm & mach mit bei den autonomen nationalisten!“ zu lesen war, inklusive Deppenapostroph bei „Info’s unter http://www…“. Also wirklich, diese Nazi’s aber auch! Später dann waren die NPD-Anhänger mehrere Stunden in der Straße „Alte Wöhr“ eingekesselt.

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Irgendwann ging völlig überflüssigerweise ein Polizeiauto in Flammen auf, später dann sechs Privatfahrzeuge. Neben diesen Fahrzeugen lagen CDs mit Titeln wie „RMK Waffen SS“. Ein Fahrzeug aus Hessen hatte rein zufällig die „1488” als Bestandteil des Kennzeichens. Natürlich stand die „14” nicht für die „Fourteen Words” des US-amerikanischen Neonazis David Lane, die da besagen: „We must secure the existence of our people and a future for White children.“ Ebenso wenig stand die „88” im Kennzeichen für den achten Buchstaben im Alphabet, sodass „HH” also „Heil Hitler” gemeint ist. Das zusätzliche „N“ im Kennzeichen sollte höchstwahrscheinlich auch nicht für „national“ stehen. Das ist den hessischen Touristen bisher womöglich noch gar nicht aufgefallen. Möglicherweise war diese Kombination ja tatsächlich der blanke Zufall, und die Fahrzeugbesitzer sonnten sich gerade im Stadtpark, ohne etwas mit der Demonstration zu tun zu haben. Vielleicht aber auch nicht. Ungeachtet dessen ist solcher Vandalismus natürlich nicht gerechtfertigt und trägt alles andere als dazu bei, etwas in den Köpfen von Rechtsradikalen zu verändern. Nachdem die NPD nach vielen Stunden noch immer kein Postamt gefunden hatte, wo man Wulffs Paket hätte aufgeben können, beschimpfte man kurz vor der Heimfahrt den Hamburger Senat als „schwule Regierung“, als ob er für die Öffnungszeiten von Postämtern zuständig sei. Hätte die NPD Wulffs Paket doch einfach morgen in Ludwigslust zur Post gebracht. All das hätte vermieden werden können!

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Verrat am Verräter

Wie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt“ ihre marxistisch orientierte1 Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können.

Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um in einer ruhigen Minute, wenn es einen mal wieder nach Realsatire gelüstet, darin schmökern zu können. Ist es dann soweit, tut sich eine Parallelwelt auf, bei der man zwischen Lachen und Entsetzen schwankt. Ein Beispiel, bei dem diese beiden Gefühlsregungen heftig miteinander konkurrieren, wurde hier bereits 2006 anhand einer in der „jungen Welt“ abgedruckten Traueranzeige für Slobodan Milosevič dokumentiert. Darin würdigte man den als Kriegsverbrecher angeklagten Milosevič als „heldenhaften Verteidiger Jugoslawiens und des Völkerrechts“ sowie als „Internationalisten, Antiimperialisten und Sozialisten“.2

In der diesjährigen Gratisausgabe nun fällt einem zunächst die zwölfseitige Beilage „marxismus“ entgegen, schließlich jährt sich Marx‘ Todestag 2008 zum 125. Mal, sein Geburtstag gar zum 190. Mal. So, nun hält man die Rumpfausgabe in den Händen und beginnt nach alter Gewohnheit, von hinten zu blättern.

Zunächst liest man da, dass Bernd Stange, der einstige Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft3, gerade 60 Jahre alt geworden sei und dass es ihn nunmehr nach Belorussland verschlagen habe. Ganz richtig, die DSFler der „jungen Welt“ sagen nicht „Weißrussland“, sondern in alter DDR-Manier „Belorussland“, was natürlich der Originalbezeichnung näher kommt und somit korrekter ist. Inkonsequent ist es allemal. Konsequenterweise müsste man sagen „Bielarus“4 oder eben „Weißrussland“. Aber solche Überlegungen spielen im Sprachgebrauch der „jungen Welt“ wohl eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger scheint die Identifikation mit der Sprache des untergegangenen Idealstaates DDR zu sein.

In gewisser, etwas eindimensionaler Weise ist der „jungen Welt“ Sprache nämlich gar nicht einerlei. Ganz genau schaut man bei den bürgerlichen Medien hin. So findet sich auf Seite 13 der Ausgabe vom 14. März 2008 ein Artikelchen mit der Überschrift „LTI aktuell“. Darin weist man anhand entsprechender Beispiele darauf hin, dass der Programmdirektor des Deutschlandfunks, Günter Müchler, in einem Interview in nur drei Minuten vier Mal Lingua Tertii Imperii verwendet habe (siehe screen capture). In der Tat verwendet Müchler da ein etwas merkwürdiges und durchaus nach LTI klingendes Vokabular.5 Insbesondere die Tatsache, dass Müchler über Lyrik spricht, lässt es seltsam erscheinen, dass Begriffe wie „reingeschossen“, „eingeschlagen“ und „Offensive“ fallen. Gut, da hat die „junge Welt“ offenbar einen Vogel „abgeschossen“ (LTI?!).
Den Sprachliebhabern von der „jungen Welt“ ist ja aber wohl hoffentlich nicht entgangen, dass Victor Klemperer nach 1945 nicht aufgehört hat zu schreiben. Deswegen wird man bei der „jungen Welt“ sicher auch schon von der sogenannten „LQI“ gehört oder gelesen haben. Hinsichtlich dieser Lingua Quartii Imperii notiert Klemperer:

„Ich muß allmählich anfangen, systematisch auf die Sprache des vierten Reiches zu achten. Sie scheint mir manchmal weniger von der des dritten unterschieden als etwa das Dresdener Sächsische vom Leipziger6. Wenn etwa Marschall Stalin der Grösste der derzeit Lebenden ist, der genialste Stratege usw. Oder wenn Stalin in einer Rede aus dem Anfang des Krieges von Hitler, natürlich mit allergrößtem Recht, als von dem »Kannibalen Hitler« spricht. Jedenfalls will ich unser Nachrichtenblatt und die Deutsche Volkszeitung, die mir jetzt zugestellt wird, genau sub specie LQI studieren.“7

„Jeden Tag beobachte ich von neuem die Fortdauer von LTI in LQI.“8

„LTI = LQI!!“9

„LQI übernimmt LTI mit Haut und Haaren. Sogar Becher – höher geht’s nimmer – schreibt andauernd kämpferisch. Frau Kreisler erstaunt, als ich »charakterlich« beanstande. In einem Aufsatz, der die Humanität der jetzigen Straflager (Kommandohaft) rühmt, werden die Häftlinge zu »einsatzfreudigen« Menschen erzogen.“10

„[…] und dieses Ganze concentriert sich immer mehr auf den einen Ulbricht, unterscheidet sich immer weniger von nazistischer Gesinnung u. Methode. Sag Arbeiterklasse statt Rasse, u. beide Bewegungen sind identisch. Tyrannei u. Enge nehmen täglich zu. Glaubenshetze, Jugendweihe, Kampf gegen »ideologische Coëxistenz« gegen »Fraktionismus«, gegen »kleinbürgerliche Überheblichkeit« – all das ist LQI.11

Wie wäre es, liebe „junge Welt“, wenn Du der Rubrik „LTI aktuell“ noch eine weitere mit dem Titel „LQI aktuell“ hinzufügtest? Deine eigenen Seiten dürften vorerst ausreichend Stoff dafür bieten.

Was Klemperers Verhältnis zum Kommunismus angeht, sei zudem abermals aus seinem Tagebuch zitiert:

„Es ist mir an diesem Nachmittag klar geworden, daß der Kommunismus gleicherweise geeignet ist, primitive Völker aus dem Urschlamm zu ziehen und civilisierte in den Urschlamm zurückzutauchen. Im zweiten Fall geht er verlogener zu Werk und wirkt nicht nur verdummend sondern entsittlichend, indem er durchweg zur Heuchelei erzieht. Ich bin gerade durch meine Chinareise u. bei Anerkennung der gewaltigen Leistungen hier zum endgiltigen Antikommunisten geworden. Das kann nicht Marx‘ Idealzustand gewesen sein.“12

Doch zurück zum Fußballtrainer Bernd Stange. Nun erfährt man, dass Stange seinen Geburtstag bei einem Schnittchenbüffet in Minsk begehe, um dann im Sommer in Jena mit einem Grillfest nachzufeiern. Irgendwie erinnert diese Passage an Loriots Lottogewinner Lindemann: „Ich … heiße … Erwin … Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre … mit meinem Lottogewinn von 500.000 D-Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island … dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz … und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique“.13 – Schließlich liest man, dass es Stanges Ziel sei, sich mit der weißrussischen Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren.

Nun schweift der bereits amüsierte Blick weiter nach unten und bleibt an folgender erschreckenden Überschrift hängen: „Kuba verraten“. Ein Schauder ergreift sogleich den Leser, der sich alsdann bange fragt, wer in aller Welt Kuba verraten habe? Der erste Verdacht geht dahin, dass der gesamte einstige Ostblock – ausgenommen natürlich der „geliebte Führer“ Kim Jong-il – gemeint sei. Doch dieser Verdacht zerschlägt sich sogleich, ist die Seite 16 der „jungen Welt“ doch dem Sport vorbehalten. Also liest man weiter. Nach einem Qualifikationsspiel der kubanischen Olympiaauswahl, heißt es da, seien fünf kubanische Spieler nicht in ihr Quartier zurückgekehrt. Unter ihnen befänden sich sowohl der Torwart als auch der Kapitän.

Da hat die „junge Welt“ ja ein glückliches Händchen bewiesen, dass sie diesen Kuba-Artikel direkt unter denjenigen über den ehemaligen Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft platzierte. Damit erleichtert sie es dem Leser, sich zu erinnern, dass die Staatssicherheit der DDR sehr viel besser zu verhindern wusste, dass DDR-Athleten Fahnenflucht begingen. In der DDR wurden Republikflüchtige schon mal durch Erschießen zum Bleiben im lebenswerten Sozialismus überredet. Diese Karibik-Bewohner sind da offenbar etwas nachlässiger, so dass eben fünf Leute auf einmal durchs Netz gehen können. Gut, die Sache verkompliziert sich, wenn man sich mitten im Land des imperialistischen Feindes aufhält. Dafür hat Kuba aber durch seine Insellage wiederum einen Heimvorteil bei der Verhinderung von Republikflucht.

In den verklärten Augen der „jungen Welt“ haben die kubanischen Sportler also Verrat an Kuba und höchstwahrscheinlich am Sozialismus insgesamt begangen. Per definitionem bedeutet Verrat „Bruch eines Vertrauensverhältnisses“14 Hat man diese fünf bzw. all die anderen Kubaner je gefragt, ob das Kuba des Máximo Líder, ob der Sozialismus und alles, was mit ihm einhergeht, das ist, was sie wollen? Oder wird nicht vielmehr das Volk zu seinem „Glück“ gezwungen? Besteht zwischen Volk und Regierung Kubas, Nordkoreas oder auch Weißrusslands tatsächlich ein Vertrauensverhältnis, das gebrochen werden kann? Oder handelt es sich nicht vielmehr um ein Abhängigkeitsverhältnis, in das man hineingeraten ist oder hineingeboren wurde und aus dem man ausbrechen möchte, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt? Wie lebenswert muss ein Land sein, dem selbst privilegierte Reisekader wie eben Sportler den Rücken kehren? Weiterlesen ›

  1. Eigenangabe auf der Internetpräsenz des Blattes []
  2. Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006) []
  3. bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004 []
  4. Transkription von weißruss. Беларусь []
  5. Man könnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schließlich geht es in dem Interview um den Schülerwettbewerb „lyrix“. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch älterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die „junge Welt“ will es nicht zu Müchlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist. []
  6. Für Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des Sächsischen nur schwer zu unterscheiden. []
  7. Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tagebücher 1945 – 1949, S.24. []
  8. Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126. []
  9. Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133. []
  10. Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127. []
  11. Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tagebücher 1950-1959, S.673. []
  12. Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723. []
  13. Loriot: Das Frühstücksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Zürich, 2003, S. 269. []
  14. Duden – Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001. []
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Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea

Da diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall“ Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea“ widmet:

http://textquellenzueritrea.wordpress.com/

Dort kann sich auch die letzte Zapp-Mitarbeiterin und der letzte „Zeitzeuge“ von der Tatsache überzeugen, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab. Belegt wird dies nicht etwa von dubiosen und sinistren Gestalten oder etwa von „Kommerz-Medien“1 und schon gar nicht von auf ihr Image bedachten, sich der modernen Mediengesellschaft bedienenden Hilfsorganisationen2, sondern vor allem von einem Freund des von Julia Salden als Experte herangezogenen Günter Schröder, dem Wissenschaftler Hartmut Quehl nämlich.

Warum nun wurde dieses Quellenblog ins Netz gestellt, wo doch der Journalist für Popmusik, Peter Disch, der die ganze Debatte um Mehari losgetreten hat, niemals in Abrede gestellt habe, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab? Das wird eigentlich in der Rubrik „Anliegen“ des oben verlinkten Quellenblogs klipp und klar dargelegt, allerdings erst nach mehreren Absätzen, so dass man sich erst bis dahin durchkämpfen muss. Deshalb die Erklärung hier noch einmal an früherer Stelle und lesefreundlich gegliedert.

Die Quellen, welche die generelle Existenz von Kindersoldaten in Eritrea belegen, wurden aus folgenden Gründen online gestellt:

1.

weil das TV-Magazin Zapp am 14.02.2008 Abraham Mehreteab, den Sprecher der Mehari-Kritiker, zeigte, wie er vor dem Berlinale-Palast laut und deutlich skandierte:

„Es gibt keine sogenannten Kindersoldaten in Eritrea.“3

Das ist deshalb von Belang, weil sowohl Julia Salden als auch Peter Disch regelmäßig Abraham Mehreteab als Zeugen für ihre reine Detailkritik an Meharis Darstellung eines einzigen Lagers in Eritrea heranziehen. Wieso ruft der Zeuge dann aber nicht: „Es gab keine sogenannten Kindersoldaten an der Tsebah-Schule.“, wenn es doch nur um diese eine Schule gehe?

2.

weil Julia Salden zudem diese falsche, ganz und gar generalisierende Aussage eines ihrer Zeugen nicht kommentierte, geschweige denn, dass sie sich etwa davon distanzierte.

3.

weil Julia Salden vielmehr nahtlos ihre eigene Aussage daran anschloss:

„Im Film gibt es Kindersoldaten in Eritrea. Er spielt Anfang der achtziger Jahre. Die zehnjährige Awet kommt zu den eritreischen Rebellen. Dort wird sie zu einer Soldatin ausgebildet. Ein Spielfilm – eigentlich fiktional, aber die Produzenten behaupten […]: Wir sind ganz nah an der Wahrheit. Das ist eine wahre Geschichte.’”4

Durch diese Art des Zusammenschneidens der unwidersprochen gelassenen, falschen Behauptung eines ihrer Zeugen mit ihrer eigenen Aussage insinuiert Salden, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe und verlagert die Debatte höchstselbst auf die allgemeine Ebene, um die es ihr – wie Peter Disch ihr beständig sekundiert – angeblich nicht gehe.

4.

weil Julia Salden in ebendiesem Beitrag an späterer Stelle Folgendes sagte:

„Trotzdem erinnert der Film stark an die Buchvorlage. Kinder erhalten Waffen, lernen schießen und töten. […] Hat es das in Eritrea wirklich gegeben?“5

Wieso stellt Julia Salden diese Frage, wenn sie – laut Peter Disch – die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea überhaupt nicht leugne? Wenn es Julia Salden zudem doch gar nicht um Eritrea, sondern nur um eine Schule gehe, warum fragt sie dann nicht: „Hat es das an der Tsebah-Schule wirklich gegeben?“ Diese Frage stellt Julia Salden womöglich deshalb nicht, weil es in dem Film überhaupt nicht um die Tsebah-Schule geht.

5.

weil Julia Salden im Kontext von Kindersoldaten in Eritrea von „angeblich historische[n] Wahrheiten“6 sprach.

6.

weil die von Zapp und Disch immer herangezogenen „Zeitzeugen“ auf ihrer Homepage eine „Grußbotschaft“ veröffentlichten7, in der expressis verbis generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea in Gegenwart und Vergangenheit in Abrede gestellt wird:

„In Eritrea gab es nie Kindersoldaten, bis heute gibt es das nicht.“

Aufgrund der Tatsache, dass diese Botschaft unkommentiert und ohne jegliche Distanzierung veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass die als „GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule“ firmierenden „Zeitzeugen“ die in der „Grußbotschaft“ geäußerte Auffassung, derzufolge es nie Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, in vollem Umfang teilen.

In dieser „Grußbotschaft“ ist überdies an keiner einzigen Stelle von der „Tsebah-Schule“ die Rede, um die es doch dem Vernehmen nach ausschließlich gehe. Im Gegenteil, die Urheberin dieser Botschaft äußert vielmehr gleich zu Beginn, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei. Stattdessen negiert sie aber pauschal die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea. Diese Solidaritätsadresse wird nun von den „Zeitzeugen“ ohne jeglichen Kommentar online gestellt. Tanzen da die „Zeitzeugen“ etwa aus der Reihe?

Dischs Aussage zufolge gehe es ihm im Grunde genommen nur um Almaz Yohannes, die sich in Meharis Buch diffamiert fühle und darum, dass die „Tsebah-Schule“ eine reine Schule gewesen sei, ohne militärischen Charakter. Worum aber geht es den „Zeitzeugen“, mit denen sich Disch umgibt? Offenbar in starkem Maß um Eritrea im Allgemeinen. Diese allgemeine Diskussion bemängelt Disch aber nur bei seinen Kritikern, nicht bei seinen Zeugen. Hätte es zudem eine Person wie die Urheberin der „Grußbotschaft“ gewagt, sich zugunsten von Mehari zu äußern, bei gleichzeitigem Eingeständis, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei, hätte Herr Disch ihr längst einen belehrenden Eintrag in seinem Feuerherz-Organ gewidmet, wo er der Person nach Strich und Faden auseinandergesetzt hätte, dass sie nur „ventiliere“, „in Augenschein“ nehme und auf allgemeiner Ebene diskutiere, kurzum: in der Diskussion gar nichts verloren habe und es gar nicht wert sei, dass man überhaupt auf sie eingehe.

Diese sich wesentlich widersprechenden Aussagen von Peter Disch, Julia Salden und Abraham Mehreteab hinsichtlich der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea waren also der Anlass, die Quellen online zu stellen.

An dieser Stelle darf noch einmal der stellvertretende Leiter der Programmgruppe Ausland des Westdeutschen Rundfunks, Arnd Henze, zitiert werden, auch wenn Herr Disch bemängelt, dass dessen Kritik bereits ein Jahr alt sei. Doch inzwischen hat Disch sich das wieder anders überlegt und seine Mitmenschen informiert, dass es keine Rolle spiele, wie alt ein Text sei, sondern dass es auf die Qualität des Textes ankomme. Angesichts solcher Weisheit, bleibt einem schier der Mund offen stehen. Wie auch immer, dass Herr Henze mittlerweile anderer Ansicht sei, war bislang noch nicht zu lesen.8 Außerdem hat seine Kritik weder an Aktualität noch an Relevanz oder Signifikanz eingebüßt:

Geht es darum, das Selbstbild vom legitimen Befreiungskampf nicht durch das Eingeständnis völkerrechtswidriger Kriegsmethoden zu relativieren […] Hat sich Zapp möglicherweise für einen zynischen Geschichts-Revisionismus einspannen lassen?9

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  1. Diktion der „Zeitzeugen“ auf ihrer Homepage []
  2. Vgl. Peter Disch, Journalist für Popmusik, Eintrag in seinem „Feuerherzblog“ vom 21.02.2008 []
  3. Den Beitrag kann man sich auf der Homepage von Zapp anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 geäußert. []
  4. Zapp-Sendung vom 20.02.2008 []
  5. ebd. []
  6. ebd. []
  7. Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer „Grußbotschaft“ die Rede, als darüber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe beglückwünschte und sich mit kommunistischem Gruß verabschiedete. Dies möge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Grußbotschaften und Solidaritätsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED „Neues Deutschland“ war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften. []
  8. Wäre das der Fall, hätte Zapp doch keine Sekunde gezögert und die neue, anderslautende Stellungnahme längst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser würde dann dort in schönster Zapp-Diktion stehen: „Rückzieher: Kritiker hat Einsehen!“ []
  9. Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007 []
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Parallelwelten VII – Suche Skinhead zum Plaudern

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Von 14 Inserenten sitzen drei im Knast – ein interessanter Schnitt für die Rubrik „Er sucht sie“, wahrscheinlich unübertroffen. Ticken Nazi-Frauen anders, abgesehen davon, dass sie sowie nicht richtig ticken? Stehen sie auf so etwas? Natürlich handelt es sich bei Mike, Frank und dem naturverbundenen Germanen nicht um Kriminelle, sondern um politische Häftlinge, ach was: um Märtyrer für die nationale Sache. Der verrückte Bursche trägt also AMS 700, nicht gerade zu beneiden, handelt es sich doch hierbei um eine hydraulische Penisprothese. Diese wird offenbar bei Frauen implantiert, die zum Mann werden wollen. Hier wird sich doch nicht eine Transsexuelle auf eine Naziseite verirrt haben? Ah, AMS 700 wird auch bei Erektionsproblemen eingesetzt. Tja, das in der zweiten Anzeige geforderte „unbedingte Wollen“ hilft eben nicht immer … aber es wird sich schon eine Germanin finden, die sich damit anfreunden kann – Germaninnen sind bestimmt hart im Nehmen.

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Sämtliche Anzeigen entstammen dem Kleinanzeigenmarkt des Online-Angebots der „Deutschen Stimme“ (screen captures vom 02.12.2006)

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Aus: KGS – Körper Geist & Seele, Hamburg, Oktober 2005, S.8

Wenn man das dauerhafte Glück und die Freiheit von Leiden im Zustand des Tiefschlafs erlebt, jedoch schon zahlreiche Menschen in der Umgebung von Premananda erwacht sind, warum soll man dann das Risiko eingehen und möglicherweise 50 Euro für den Intensivtag in den Sand setzen? Da empfiehlt sich doch der erholsame und vor allem kostenlose Tiefschlaf zu Hause.

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Aus: KGS – Körper Geist & Seele, Hamburg, Oktober 2005, S.21

Sananda selbst ist anwesend? Ist Sananda der Minischnauzer? Ach nein, Sananda ist Jesus! Soso, und der Erzengel Michael und Metatron haben „Magnified Healing III Phase“ empfangen. Wer aber ist Metatron? Jedenfalls kein Engel im herkömmlichen Sinn, sondern dem Vernehmen nach die sichtbare Manifestation Gottes. Also hat Gott „Magnified Healing III Phase“ empfangen. Von wem empfängt Gott? Und hatte Gott vorher nur Version II von MH? Grenzt es nicht an Blasphemie, Gott nur als Mittelsmann darzustellen. Ist nicht vielmehr Er es, von Dem alles seinen Anfang nimmt?

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Aus: KGS Körper Geist & Seele, Hamburg, Oktober 2005, S.10

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Aus: KGS Körper Geist & Seele, Hamburg, Oktober 2005, S.55

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Aus: KGS – Körper Geist & Seele, Hamburg, Dezember 2006, S.47

… oder äh also – Frau? Ja? Öhem … Starwars Pop Fernsehen – Schwimmbad Jens.

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KDVR jetzt auch Atommacht

KDVR jetzt auch Atommacht - Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.8)

Es stellt sich die Frage, warum sich das Satiremagazin „Eulenspiegel“ jedes Jahr aufs Neue die Mühe macht, eine satirische Version von „Neues Deutschland“ auf den Markt zu bringen, gibt es doch die realexistierende „Die Rote Fahne“, die öfter erscheint und pro Nummer auch noch günstiger ist. Auch hier erweist sich, wie so oft, dass Realsatire immer noch die beste Satire ist …

Grußbotschaft - Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.6)

Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.8)

So wie die Sozialisten in der Traueranzeige für Milosevič Bertolt Brecht für ihre Zwecke vereinnahmen (siehe dort), so tun dies hier nun die Kommunisten mit Schillers Wallenstein in ihrem verbitterten Rückblick auf die Zeit nach dem Zusammenbruch ihres Traumstaates. Was eignet sich auch besser als die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges, um die Zeit nach 1989 einigermaßen angemessen darzustellen? Bezeichnend ist die – immerhin kenntlich gemachte – Auslassung. Schaut man in den Prolog von Wallenstein, woher das Zitat stammt, findet sich an der Stelle der Auslassung u.a.: „Verödet sind die Städte, Magdeburg / Ist Schutt, […].“ Mal ehrlich, liebe „Die Rote Fahne“, erinnert dies nicht an die Zustände, die herrschten, als Euereins an der Macht war? Schillers Verse billig zurechtgestutzt und so hingebogen, dass sie passen. Eine Quellenangabe scheint auch zuviel verlangt. Oder wussten die Blattmacher selbst nicht, woher genau diese Zeilen stammen, weil dies auf dem Blatt vom Abreißkalender nicht dabei stand? Obwohl – Wallenstein war Schullektüre in der DDR …

Lesen Sie hier noch die Solidaritätsadresse an den Genossen Hong sowie spannende Ansichten über Israel und die Wahrheit über das MfS …

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Der Rechtsextremist Thomas Wulff „Steiner” hat schon frappierende phänotypische Ähnlichkeit mit Ernst „Teddy” Thälmann (beide Hamburger Gewächse) … während Letzterer aber in Buchenwald ermordet wurde, dürfen T.W. und seine Kameraden, dank der ihnen ach so verhassten Demokratie („Demokröten“, „Grundgeschwätz“, „Verfassungsschmutz“) öffentlich und ungehindert ihre armseligen Ungereimtheiten in die Welt posaunen – geschützt von einer Polizei, deren Angehörige mitunter nicht wissen, wer Anne Frank war.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006

Kleiner Kontrapunkt:

„Kein Sex mit Nazis!”

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Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006)

Was die Vereinnahmung Bertolt Brechts durch Sozialisten angeht, soll an dieser Stelle auf folgende Einschätzung Marcel Reich-Ranickis verwiesen werden:

„[…] Bertolt Brechts Anhänger wollten ein Theater, das die kommunistische Gesellschaft ermöglichen sollte. Brecht hingegen wollte die kommunistische Gesellschaft, damit sie sein Theater ermögliche. Ungleich skeptischer, ungleich klüger als viele seiner Schüler und Nachfolger war er sich sehr wohl darüber im Klaren, dass die Politik das Theater verderben könne, doch niemals das Theater die Politik zu verbessern imstande sei. Die von ihm gelegentlich beschworene ‚Versammlung von Weltänderern‘ – so stellte er sich 1943 das künftige Theaterpublikum vor – war nichts anderes, als eine Fiktion. Natürlich hat er es gewusst. Indes wollte er sich von ihr auf keinen Fall trennen. Was seine Bewunderer oft für bare Münze nahmen und auch nehmen sollten, war für ihn selber nicht mehr und nicht weniger als ein Hilfsmittel für seine literarische Produktion, als eine generelle Arbeitshypothese.
Nicht deshalb bemühte sich Brecht ein Leben lang um das Theater, weil es ihm um den Klassenkampf ging. Wohl aber beschäftigte er sich immer wieder mit dem Klassenkampf, weil er ihn als Impuls und Thema für sein Werk benötigte.
Nicht der Weltveränderer Brecht brauchte also das Theater und die Dichtung. Wohl aber benötigte der Theatermann, der Dichter Brecht die angestrebte Weltveränderung oder den Marxismus als ideelles Fundament und als Zielvorstellung. […]
Nicht der Dichter, nicht der große Verführer hat sich überlebt, wohl aber der unermüdliche Lehrmeister, der uns den revolutionären Weg zur Erlösung führen wollte oder dies zumindest vorgab. In einem seiner großen Gedichte finden sich die viel zitierten Worte: ‚Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?’. Doch um die eigenen Mahnungen kümmerte sich Brecht selten. Man hat schon oft darauf hingewiesen, aber man muss es dennoch wiederholen: Er, Brecht, der die Sowjetunion besungen und gepriesen und das kapitalistische Amerika verhöhnt und attackiert hat, wollte in den Jahren des Exils um keinen Preis der Welt in der Sowjetunion leben. Er zog – glücklicherweise – die Vereinigten Staaten vor. So warnte er auch vor Gesprächen über Bäume. In seinem Werk jedoch spricht er oft – wiederum glücklicherweise – eben von Bäumen und auch von Blumen, von der Anmut und der Freundlichkeit, vom Reiz des Lebens und von der Liebe.“1
Also, liebe Genossinnen und Genossen des sozialistischen Komitees: Ihr seid nur Handpuppen in einem Brechtschen Drama, es gibt Euch gar nicht wirklich.

  1. Marcel Reich-Ranicki: Texte von und über Bertolt Brecht. Erschienen 1998 bei eastwest records GmbH. []
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