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	<title>L’esprit d’escalier &#187; Literatur</title>
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		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Feb 2008 00:33:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-gross1.jpg" rel="lightbox[906]"><img class="alignleft size-full wp-image-1554" title="NDR-Logo am NDR-Gelände in Hamburg Lokstedt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-kleiner.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="164" height="134" /></a><span class="initial">Ä</span>hnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp&#8221; des NDR  scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.</p>
<p>In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_0_906" id="identifier_0_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Eigenwerbung, nat&uuml;rlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute &Uuml;berzeugung.">1</a></sup>, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch&#8221;, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz&#8221; (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen &#8211; gewohnt unbescheidenen &#8211; Auffassung zufolge, <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3692372,00.html" target="_blank" class="broken_link">vor fast genau einem Jahr „enthüllt&#8221;</a>, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_1_906" id="identifier_1_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war.">2</a></sup> &#8211; da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich <em>die</em> Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp  aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!</p>
<p>Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_2_906" id="identifier_2_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1. Wer im Glashaus ZAPPt &amp;#8211; 2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) &amp;#8211; 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)">3</a></sup>.</p>
<p>Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man  bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars&#8221; berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären.<span id="more-906"></span></p>
<p>Zapp zieht es vor, sich zum Sprachrohr einer Seite zu machen und machen zu lassen. Da es nun einmal ein Wesensmerkmal von Kampagnen ist, aus wiederholter Einseitigkeit bis hin zu Verleumdung zu bestehen, würde es nicht verwundern, wenn Zapp der Vorwurf gemacht würde, dass es eine Kampagne gegen Senait Mehari führe, also eine Art Kampagnenjournalismus zu betreibe, der eigentlich eher der ach so verpönten Bild gut zu Gesicht stünde. Anders als bei Zapp soll es hier gar nicht primär darum gehen, wer recht hat, sondern darum, dass man bei Zapp nicht beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen lässt.</p>
<p>Natürlich hat Zapp Mehari zu Wort kommen lassen, dann aber scheinbar genüsslich ihre an dieser Stelle holprigen Sätze gesendet, die man z.T. auch noch für sie beendete. Genauso, wie man besonders gerne Aussagen von Menschen zu senden scheint, die man überrumpelt und die daher alles andere als eine gute Figur machen, wie in vergangener Woche am Beispiel von Claudia Gladziejewski vom Bayrischen Rundfunk geschehen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_3_906" id="identifier_3_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="An dieser Stelle sei betont, dass Frau Gladziejewski keineswegs eine schlechte Figur machte, aber doch verunsichert wirkte. Die Aussage ist, dass Zapp offenbar das Ziel verfolgt, Vertreter ihm nicht genehmer Meinungen m&ouml;glichst zu verunsichern, um diese Verunsicherung f&uuml;r sich als Beweis zu verbuchen. Es gelingt ihm in verschiedenen Graden.">4</a></sup>. Man muss die Leute nur schön dämlich wirken lassen, dann glaubt ihnen keiner mehr. Ist dies das Kalkül von Zapp? Es ist eigentlich weniger peinlich, wie sich von Zapp überrumpelte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_4_906" id="identifier_4_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So jedenfalls wirken manche Interviewpartner.">5</a></sup> Personen blamieren, als vielmehr, wie Zapp den Zuschauer nachgerade einzuladen scheint, sich an der Blamage auch noch zu weiden, zusammen mit den Zapp-Mitarbeitern, die sich womöglich diebisch über ihren „Coup&#8221; freuen.</p>
<p>Viel schwerer aber wiegt, dass Zapp scheinbar versucht, die Verunsicherung seiner Interviewpartner zur Stützung der eigenen Thesen zu benutzen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_5_906" id="identifier_5_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieses Eindrucks jedenfalls kann sich manch Zuschauer nicht erwehren.">6</a></sup> Wenn die Sendung <a title="Link zur Seite von extra3" href="http://extra3.blog.ndr.de/2007/09/21/olivia-jones-bei-der-npd/" target="_blank">extra3 die blondbezopfte Olivia Jones &#8211; u.a. bekannt für ihre scharfsinnigen Kolumnen im Starmagazin „in&#8221; &#8211; im Trachtenminirock mit NPD-Mitgliedern auf ihrem Parteitag konfrontiert und überrumpelt</a>, entlarvt dies nicht nur die NPD, sondern ist auch einigermaßen unterhaltsam und vor allem dem Format angemessen. Wäre Zapp eine Satiresendung, könnte es auch seine Reporter auf diese Weise arbeiten lassen. Doch Zapp versteht sich ja als seriöses Medienmagazin. Als solches sollte es sich derartiger Methoden enthalten, um nicht an Glaubwürdigkeit einzubüßen und sich als ernstzunehmende Sendung nicht zu disqualifizieren. Insofern sollte Kuno Haberbusch als Chefredakteur sowohl von Zapp als auch von extra3 nicht beide Formate vermischen. Das ist ja auch in keiner Weise nötig, da er sich doch in beiden ausleben kann.</p>
<p>Anstatt also Fakten zu liefern, die man bei Mehari ja immer anmahnt, gibt man Interviewpartner einer herbeigeführten (?) Lächerlichkeit preis. Wie Zapp ja gerne aus zuverlässigen Quelle zitiert, die jedoch unbenannt bleiben, darf auch an dieser Stelle aus einer solchen zuverlässigen Quelle berichtet werden, dass Zapp mit Vorliebe allgemeine, informative Interviews anmelde, um dann stattdessen auf einmal abenteuerliche Vorwürfe zu erheben und damit die Gesprächspartner so perplex zu machen, dass sie zunächst gar nicht wüssten, wie ihnen geschehe, geschweige denn, wie sie darauf reagieren sollten. Die peinlichsten Ausschnitte schneide man zusammen und sende sie als  Beweis für die eigenen Thesen. Nachdem Zapp sich zuvor ja die Genehmigung für das Interview hat geben lassen, darf dann auch gesendet werden, was dabei so gesagt wird, wie auch immer gewisse Aussagen oder Unsicherheiten zustande gekommen sind, da ist man wohl skrupellos. Das klingt nicht nach seriösem Journalismus.</p>
<p>Um nun einem Aufschrei der großen Liebhaber der &#8211; in der Tat schützenswerten &#8211; Pressefreiheit in der Zapp-Redaktion vorzubeugen: niemand erwartet natürlich, dass Zapp etwa Fragen einschicken muss, die dann abgesegnet oder gestrichen werden. Es geht darum, dass Zapp offenbar vorgebe, lediglich eine Meinung einholen zu wollen aber eigentlich plane, den Interviewpartner massiv irgendeines Vergehens zu beschuldigen und somit zu überrumpeln. Böse Zungen könnten dies als Kolportage bezeichnen. Dabei handelt es sich mitnichten um die vornehmste Art des Journalismus, falls man Kolportage klaren Verstandes überhaupt dem Journalismus zurechnen kann bzw. darf. Man verbreitet also Gerüchte und konfrontiert Beschuldigte damit, um deren (hoffentlich für sie selbst unvorteilhafte) Reaktion als Beweis für das Gerücht zu verwenden. So absurd nimmt sich eine Beweiskette von Journalisten aus, denen es an echten Fakten mangelt und die aus ihrem einseitigen Gerechtigkeitsgefühl heraus journalistische Standards über Bord werfen. Jemanden lächerlich zu machen, ist jedoch kein Argument, sondern die zweifelhafte Methode derjenigen, die nichts Beweiskräftiges in der Hand haben.</p>
<p>Gleichzeitig nimmt sich Zapp der ja absurderweise von ihm „vertretenen&#8221; Partei<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_6_906" id="identifier_6_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp sollte den ber&uuml;hmten und gern zitierten Satz &uuml;ber gute Journalisten von Hans Joachim Friedrichs ruhig einmal auf sich selbst und nicht nur auf Andere anwenden. Den gleichnamigen Preis w&uuml;rde das Medienmagazin jedenfalls alles andere als verdienen.">7</a></sup> mit größter Einfühlsamkeit und einem hohen Maß an Verständnis an. Die von Zapp vertretene Partei macht immer einen sehr entspannten und gefassten Eindruck in ihrem Frankfurter Vereinsraum (?), zu Hause im Sessel oder, wie im Fall von Almaz Yohannes, vor der Kulisse eines malerischen Abendhimmels mit düster rührseliger Hintergrundmusik. Den Fürsprechern von Mehari gönnt man die schmeichelnden dramaturgischen Mittel nicht, weder Musik noch Deko. Der aufgebotene „Zeitzeuge&#8221; Elias Ghere Benifer wirkt irritierend süffisant und amüsiert, gar nicht als wäre er empört oder entrüstet über Meharis „Lügen&#8221;. Das ist sicherlich die reine Ironie, die ihn dazu veranlasst. Was sonst kann jemanden zu Süffisanz veranlassen? Benifer ist übrigens ein ehemaliger ELF-Kader, also ein verantwortliches Mitglied einer marxistischen Kampforganisation in Kriegszeiten. Das bedeutet keineswegs, dass er sich etwas hat zuschulden kommen lassen, ganz und gar nicht. Es ist nur interessant, dass Julia Salden in ihrem Beitrag bei der Präsentation des Zeugen Benifer dies mit keinem Wort erwähnte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_7_906" id="identifier_7_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sp&auml;ter r&auml;umt sie diese Tatsache in ihrer Stellungnahme auf der Zapp-Seite ein">8</a></sup> &#8211; ein Insert hätte keine Zeit gekostet, aber möglicherweise passte dieses Detail nicht so gut in die Argumentation? Dass Benifer Kader war, liest man dann im <a title="Link zum Tagesspiegel" href="http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Welt;art118,2099246" target="_blank">Tagesspiegel</a> bei Saldens Kollegen.</p>
<p>Nach dem Sieg der gegnerischen EPLF ist offenbar ein Großteil der ELF-Elite nach Europa, u.a. eben auch nach Deutschland emigriert, wohl um dort auf den Sturz der diktatorischen EPLF-Regierung zu warten bzw. ihn zu organisieren &#8211; das sei dahingestellt. Jedenfalls scheint in Deutschland eine beachtliche ELF-Exilgemeinschaft zu leben, zu der Mehari offenbar nie gehörte. Vielleicht hatte sie einfach keine guten Erinnerungen an die ELF. Jedenfalls ließe sich das Verhältnis der Aussage einer großen Gruppe gegen die Einzelperson Mehari auch leicht so deuten, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt und Mehari die ELF-Nestbeschmutzerin ist. Es muss keineswegs heißen, wie Zapp beständig zu insinuieren scheint, dass es ja schon seltsam sei, dass Mehari keine Zeugen für ihre Version finde und man wohl eher der Seite glaubt, die viele Fürsprecher hat. Absurd! Man fragt sich ja auch, warum Mehari geflüchtet und nach Deutschland emigriert ist, doch wohl eher nicht, weil ihr der Lehrplan der Lagerschule missfiel. Warum ELF-Kader spätestens 1991 die Flucht ergriffen, scheint klar, hat doch die EPLF die Macht errungen. Aber Hunger, Soldaten, Tote waren ja in der Lagerschule ein Fremdwort, wie man dank der „Zeitzeugen&#8221; weiß. Was aber hat Mehari bzw. ihre Verwandten dann dazu bewogen, ins Ausland zu fliehen? Krieg war es ja offenbar auch nicht, habe Elias Benifer doch vorgerechnet, dass in dem von ihm mitbegründeten und geleiteten Lager das Leben sehr „behütet&#8221; gewesen sei. Nur sieben Kinder hätten während der Existenz des Lagers ihr Leben verloren, drei davon bei Flugzeugbombardements, die anderen durch Krankheit, Hitzschlag, durch einen Autounfall und durch Ertrinken.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_8_906" id="identifier_8_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Peter Disch, Journalist f&uuml;r Popmusik,  Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008.">9</a></sup></p>
<p>Liegt man eigentlich  völlig daneben, wenn man vermutet, dass eine Vielzahl von Menschen eine geringfügig abweichende Meinung von einem behüteten Leben hat? Ist dies vielleicht ein kleiner Hinweis darauf, dass Begrifflichkeiten in dieser Diskussion auf den verschiedenen Seiten möglicherweise insgesamt völlig unterschiedliche Gewichtungen haben? Was die einen als gar nicht so schlimm darstellen, empfinden andere vielleicht längst als unzumutbar.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_9_906" id="identifier_9_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier soll um Gottes willen keine Wertung vorgenommen werden, derzufolge zivilisatorische Standards bei den einen h&ouml;her als bei den anderen seien. Sonst unterstellt Peter Disch, ein Journalist f&uuml;r Popmusik, wom&ouml;glich wieder das typische Afrikabild, das wahrscheinlich alle au&szlig;er ihm und wenigen anderen, mit gro&szlig;er Einsicht Gesegneten haben. Aber Standards sind verschieden. Nicht nur in unterschiedlichen Gesellschaften, sondern auch in unterschiedlichen Phasen ein und derselben Gesellschaft. So wurde in Nachkriegsdeutschland auch so einiges als normal empfunden, was man vor dem Krieg oder heute als barbarisch ansah bzw. ansieht, einfach weil es die Umst&auml;nde geboten.">10</a></sup> Kommunistische Regime und Gruppierungen haben ja immer eine besondere Affinität zum Militär und insbesondere auch zu paramilitärischen Übungen. Man erinnere sich nur an den Wehrunterricht in der DDR, wo bereits Schüler der neunten Klassen (!) &#8211; Mädchen wie Jungen &#8211; mit Uniform und Waffe zu Wehrübungen gezwungen wurden. Unhaltbar aus heutiger Sicht. Fast schon Kindersoldaten, könnte man meinen. Aber damals verantwortliche alte Genossen oder sonstige Liebhaber und Advokaten der DDR würden heute wahrscheinlich behaupten, dass dies eben zur Aufrechterhaltung der Wehrbereitschaft, angesichtes des lauernden Imperialismus nötig war, vielleicht nicht schön, aber nötig. Keiner würde doch behaupten, in der DDR habe es Kindersoldaten gegeben. Doch das Einzige, was dazu fehlte, war der Krieg. Die SED-Genossen haben den einige Jahrzehnte zuvor eingesetzten  Volkssturm offenbar gut studiert. In Eritrea aber fehlte der Krieg nicht. Die Bilder, die von Zapp gezeigt werden, lassen sehr wohl uniforme Kleidung erkennen. Es ist alles nicht ganz so absurd, wie manche glauben machen wollen.</p>
<p>Elias Benifer habe übrigens im Rahmen einer kürzlich in einem Berliner Café eröffneten Fotoausstellung, mit der die Zeitzeugen ihre Version zu beweisen hoffen, geäußert, dass die Wahrheit keinen Ghostwriter brauche.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_10_906" id="identifier_10_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Peter Disch, Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008">11</a></sup> So weit die Debatte vom Autor nachvollzogen wurde, hat auch niemand je die Behauptung aufgestellt, dass die Wahrheit einen Ghostwriter benötige. Genauso lässt sich im Umkehrschluss aber auch feststellen, dass niemand, der seine Geschichte von einem Ghostwriter schreiben lässt, automatisch lügt. Ebensowenig sagt derjenige, der sich ohne Ghostwriter äußert, deshalb nicht unbedingt die Wahrheit. Der Erkenntnisgewinn der Ursprungsaussage wie auch der Abwandlungen scheint jedoch insgesamt recht gering. Genausogut könnte man feststellen, dass die Wahrheit kein chlor- und säurefreies Papier benötige. Was also will Herr Benifer mit der Aussage insinuieren? Viel eher ist es wohl der Fall, dass Autoren mit Ghostwriter sich einfach eingestehen, dass ihr Ausdrucksvermögen womöglich nicht für ein Buch ausreicht und sie dennoch der Meinung sind, dass ihre Geschichte gehört werden sollte. Auch ist vorstellbar, dass eine Person vom Thema, über das sie schreiben will, emotional zu belastet ist und deshalb Hilfe benötigt. An und für sich ist dies überhaupt nichts Verwerfliches, im Gegenteil, etwas Aufrichtiges.</p>
<p>Ein weiteres interessantes Detail in Bezug auf den Charakter des Lagers liefert der Name der Gruppe, in der Mehari gewesen sei. Dieser laute ausgerechnet „Che Guevara&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_11_906" id="identifier_11_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Peter Disch: Zwei Leben in einem?, Der Tagesspiegel, 17.2.2007">12</a></sup>. Das wurde bislang eigentlich immer nur am Rande erwähnt. Doch genauso, wie Sprache einiges über denjenigen verrät, der sich ihrer bedient, sagen auch Namen durchaus etwas über die Einstellung der Eltern des Kindes aus. So ist Che Guevara ja als alles andere denn als Pazifist in die Geschichte eingegangen. Vielmehr gilt er als Mitbegründer des modernen Guerillakampfes. Wer also eine Kindergruppe nach ihm benennt, darf sich nicht wundern, wenn manche Menschen sich erlauben, gewisse Zweifel daran nicht recht unterdrücken zu können, ob es sich wirklich nur um eine von Pazifisten geleitete Schule handelte, in der die Kinder nur ihre Köpfe über Bücher beugten. Ist es denn völlig abwegig, zu vermuten, dass die Namensgeber der Gruppe eher Sympathie als Antipathie für Che Guevara und seine Methoden hegten? Natürlich wird deshalb in keiner Weise behauptet, dass es sich um ein Lager handelte, in dem Kindersoldaten gedrillt wurden. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass gewisse Details nicht ganz dazu geeignet scheinen, den astreinen pazifistischen Charakter dieses Lagers plausibel erscheinen zu lassen.</p>
<p>Auch Eyob Araya amüsiert sich augenscheinlich köstlich. Er thront in einem Lederfauteuil. Rechts neben ihm befindet sich ein edel wirkender Lampenschirm, der mit dem gedimmten Licht, das er abstrahlt, für eine heimelig gediegene Atmosphäre sorgt, abgerundet von einer Schale mit Früchten, die auf einem Beistelltisch platziert ist. Das macht schon fast einen (exil-)präsidialen Eindruck und verleiht der ganzen Situation daher eine geradezu staatsmännische Autorität. Es sind auch solche scheinbar kleinen dramaturgischen Kniffe, die bei Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mehari wird hingegen entweder gezeigt, wie sie holprige Sätze spricht oder im Mantel auf der Straße laufend, sodass man meinen könnte, sie sei auf der Flucht. Solche Details, ob bewusst oder unbewusst eingesetzt, scheinen Zapp als parteiisch oder zumindest tendenziös zu entlarven. Es würde nicht wunder nehmen, wenn Zapp vor den Gesprächen auch noch zum Tee geladen hätte, um mit der von ihm vertretenen Partei noch einmal in aller Ruhe die Argumente gegen Mehari durchzugehen.</p>
<p>Was nun Araya so lustig findet, ist die Tatsache, dass Mehari Löwen gesehen haben will, er diese jedoch nur aus dem Zoo kenne. Hierbei handelt es sich um das von Zapp verwendete Todschlagargument aus Expertenmund<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_12_906" id="identifier_12_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier wird auf den von Zapp pr&auml;sentierten &bdquo;Eritrea-Experten&amp;#8221; G&uuml;nter Schr&ouml;der Bezug genommen. Wo war eigentlich G&uuml;nter Schr&ouml;der in der letzten Zapp-Sendung?!">13</a></sup>, demzufolge es keine Löwen in Eritrea gebe. &#8211; Das Verbreitungsgebiet des Löwen erstreckt sich übrigens über einen Großteil Äthiopiens reicht bis nahe an die eritreische Grenze. Es sollte nicht verwundern, dass sich der eine oder andere Löwe nicht an politische Grenzen hält und diese ohne Kontrolle überschreitet &#8211; Grenzen zumal, die es zum in Rede stehenden Zeitpunkt noch gar nicht gab. Es ist also nicht völlig abwegig, dass sich Löwen in Eritrea aufhalten. &#8211; Und weil es keine Löwen in Eritrea gebe, könne Mehari keine Kindersoldatin gewesen sein. Es soll hier auch nicht um die absurde Wortklauberei gehen, bei der Zapp sich und das zahlende Fernsehpublikum damit aufhält, auseinanderzusetzen, dass Mehari Hyänen mit Kojoten verwechselte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_13_906" id="identifier_13_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es darf hier auf den Artikel Wer im Glashaus ZAPPt die Zweite verwiesen werden, wo am Beispiel von Aharon Appelfeld erl&auml;utert wird, wie absurd es ist, jemandem, der &uuml;ber eine Zeit schreibt, in der noch ein Kind war, das Recht abzusprechen zu wollen, trotz wom&ouml;glicher Fehler im Detail dar&uuml;ber zu schreiben.">14</a></sup>. Ein Vorwurf, den man eher dem Ghostwriter bzw. den Lektoren als einem damals sechsjährigen Mädchen machen kann, das sich in einer anderen Sprache zurückerinnert als ihrer Muttersprache, die sie zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit auch noch nicht in Gänze beherrschte, geschweige denn das gesamte Vokabular der Fauna Eritreas.</p>
<p>Immerhin merkt Zapp ja noch selbst, dass es sich bei diesen Dingen um „Nebensächlichkeiten&#8221; handelt. Aber Zapp wäre wohl nicht Zapp, wenn es nicht noch nicht im Nachsatz hinzuzufügen würde, dass sie dennoch entlarvend seien &#8211; dass man also eben doch recht habe. Angesichts des Irrtums mit den Löwen könnte Zapp nun aber  genauso gut in toto in Zweifel ziehen, dass Mehari überhaupt je in Eritrea war, denn schon allein deshalb müsste sie ja auch wissen, dass es dort keine Löwen gebe. Da ihre eritreische Herkunft aber selbst von Zapp nicht in Zweifel gezogen wird, aufgrund ihrer Behauptung, sie sei dort Löwen begegnet, taugt dies genauso wenig als Beweis dafür, dass sie keine Kindersoldatin gewesen sei. An dieser Stelle sind nun die Logiker in der Zapp-Redaktion gefragt.</p>
<p>Es wäre im Übrigen an Zapp, Mehari zu beweisen, dass sie lüge und nicht an Mehari zu beweisen, dass sie die Wahrheit sage. Zapp bleibt der Öffentlichkeit wahre Fakten aber nach wie vor schuldig,  bemängelt jedoch Gleiches bei Mehari. Doch, wie bereits andernorts notiert, die Wahrheit liegt womöglich irgendwo in der Mitte &#8211; auch so eine Weisheit, deren Kenntnis man bei halbwegs gebildeten Menschen voraussetzt und bei der man meint, dass sie zumindest theoretisch akzeptiert wird, insbesondere von Unbeteiligten wie Zapp. Das gilt natürlich nur, wenn man sich nicht zu Parteinahme entschließt, wie es bei Zapp der Fall zu sein scheint. Von beteiligten bzw. betroffenen Parteien, und seien diese noch so sehr von Intelligenz gesegnet, kann man dies offenbar nicht verlangen. Ein Blick in den Nahen Osten und in die Geschichte überhaupt zeigt, dass Neutralität in der Beurteilung von Konflikten bei daran Beteiligten offenbar eine übermenschliche Eigenschaft ist. Doch Zapp-Mitarbeiter sind wohl eher nicht vom Bürgerkrieg der Jahre 1960-1991 in Eritrea betroffen und überdies der Objektivität verpflichtete Journalisten. Wäre ein Mitarbeiter betroffen, wäre er eigentlich befangen und für eine Berichterstattung ungeeignet. Diese Prämisse aber, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, ist wohl im, womöglich von Grautönen freien, manichäistischen Weltbild der Zapp-Redaktion, nicht anwendbar oder nicht einmal vorhanden. Man scheint es förmlich auszukosten, dass Mehari auf ihrer Homepage schon so lange um Zeitzeugen werbe, die ihre Version bestätigten, sich aber bisher niemand gemeldet habe. Ein weiterer vermeintlicher Beweis übrigens in Zapps sprödem „Argumentationsstrang&#8221; dafür, dass Mehari lüge.</p>
<p>Nun gut. Zurück zur eingangs erwähnten Zapp-Sendung der letzten Woche und dem alten Zopf. Diesmal wurden <a title="Link zum Zapp-Beitrag ‚Alles gelogen? - Der Kinofilm über die angebliche Kindersoldatin Senait Mehari&#039;" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID4554882_VID4555940,00.html" target="_blank" class="broken_link">10:19 Minuten öffentlich-rechtliche Sendezeit</a> und damit ein reichliches Drittel der gesamten Sendung in Anspruch genommen, um &#8211; ja, um was eigentlich? Letztlich nur, um die Geduld der wenigen Zuschauer mit Aufgewärmtem des letzten Jahres auf die Probe zu stellen. Ausgestrahlt wurden eigentlich hauptsächlich Versatzstücke der beiden „Enthüllungssendungen&#8221; aus dem vergangenem Jahr. Gestreckt und aufgepeppt hat man die alte Suppe dann mit einer Prise Rechtswesen. Die einzig neue Entwicklung in dem Fall scheint es nämlich zu sein, dass die sich als falsch dargestellt fühlenden „Zeitzeugen&#8221; die Rechtsanwältin Julia Grißmer mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt haben. Diese habe nun „im Auftrag der ehemaligen Mitschüler von Senait Mehari&#8221; „Klage beim Hamburger Landgericht eingereicht&#8221;. Zum einen „gegen die Autorin auf Widerruf der unwahren Tatsachenbehauptungen&#8221; und zum anderen „gegen den Verlag auf Unterlassung und auf Zahlung einer Geldentschädigung&#8221;. Man darf gespannt sein, wie das Gericht entscheiden wird. Jede Entscheidung, die der Wahrheit zu ihrem Recht verhilft, ist willkommen, sei es zugunsten oder zuungunsten von Mehari. Die Tatsache allein jedoch, dass jemand eine Rechtsanwältin mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt, ist dankenswerterweise noch lange kein Beweis für die Wahrhaftigkeit von dessen Version. Das wäre ja auch zu schön. Zuweilen gilt ja auch Angriff als beste Verteidigung. Deshalb sollte auch Zapp vielleicht lieber diesen Prozess abwarten und seine permanenten Vorverurteilungen einfach unterlassen. Zapp hat seine Aufgabe als Medium mehr  als erledigt, was auch immer man von der Art und Weise halten mag. Das Urteilen und Richten fällt dann aber nicht mehr in seinen Aufgabenbereich des Informierens, das überlasse man doch bitte den zuständigen Stellen des Rechtsstaats und zügele seine Hybris.</p>
<p>Hier sei vermerkt, dass es dem Autor dieses Artikels völlig einerlei ist, welche von beiden Parteien im Recht ist. Es geht hier in erster Linie um die als unprofessionell empfundene Arbeit von Zapp, das eben scheinbar nicht zu Neutralität imstande ist. Da Zapp-Mitarbeiter keine Anwälte sind, müssen sie sich nicht für eine Seite entscheiden. Da sie Journalisten sind, dürfen sie es solange nicht, bis Beweise erbracht sind. Da Beweise die angenehme Eigenart haben, im Regelfall von keiner Seite mehr widerlegt werden zu können, weil sie Fakten widerspiegeln, hat Zapp angesichts der Zweifel und Proteste einer Vielzahl von einer Mehrheit der Bevölkerung als seriös anerkannten Medien, Institutionen und Einzelpersonen offenbar noch nicht den unwiderlegbaren Beweis erbracht. Deshalb sollte man sich bei Zapp eben auch zurückhalten und sich einfach nur, seiner Bedeutung angemessen, als eine von vielen Stimmen empfinden, aus denen der mündige Bürger sich selbst seine Meinung bilden kann. Zapp aber erweckt zuweilen den Eindruck, sich als eine Art Überbringer der einzigen Wahrheit zu empfinden, was vollkommen lächerlich wäre.</p>
<p>Es ist auch möglich, dass eine Vielzahl von Klagen auf Unterlassung, Zahlung von Geldentschädigungen und was nicht noch alles denkbar ist, dass also weder Prozesse noch weitere Recherchen jemals den endgültigen Beweis erbringen können. Das ist sogar gut vorstellbar, weil es auch heute noch durchaus vorkommt, dass auch UN-Beobachter oder ähnliche Unabhängige nicht in jedem Krisengebiet beobachten, sodass Konfliktparteien unter sich bleiben und jede ihre Wahrheit für sich beansprucht, ohne dass Außenstehende jemals eine Art objektive Wahrheit ermitteln können. Das wäre vielleicht eine schwer verkraftbare Situation für Zapp, aber man wird sich damit abfinden müssen, auch wenn man womöglich eine Schwarz-Weiß-Lösung bevorzugt.</p>
<p>Zum weiter oben bereits angeschnittenen Thema „ergebnisoffene Recherche bei Zapp&#8221; sei noch Folgendes in Bezug auf die Auswahl von Experten durch die Zapp-Redaktion erwähnt. Der von Zapp lange Zeit hofierte BILDblog-Gründer, Stefan Niggemeier, lässt sich, Zapps einstiger Bauchpinselei zum Trotz, offenbar nicht davon abhalten, es zu publizieren, wenn Zapp seiner Meinung nach publizistische Standards sehr flexibel zu seinen Gunsten interpretiert, um es zurückhaltend auszudrücken. In dem <a title="Link zum Weblog von Stefan Niggemeier" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/experten-casting-bei-zapp/" target="_blank">Artikel „Experten-Casting bei Zapp&#8221;</a> informiert Niggemeier, wie er lange Zeit von Zapp als Experte engagiert worden sei, so oft sogar, dass sich manch einer bereits darüber lustig gemacht habe. Eines Tages habe Zapp wieder einmal bei ihm in seiner Funktion als Experte angefragt und offenbar die suggestive Frage gestellt, ob er es nicht auch schlimm finde, dass die Fernsehshow „Extreme Activity&#8221; des Senders „ProSieben&#8221; mit Jürgen von der Lippe den Grimme-Preis erhalten solle. Abgesehen davon, dass Suggestivfragen an sich schon nicht der Inbegriff  von Seriösität im Journalismus sind, kommt das eigentlich Empörende ja noch. Niggemeier habe sich nämlich erlaubt, die Meinung der Zapp-Redaktion nicht zu teilen, und erwidert, dass er dies nicht schlimm finde. Daraufhin sei er prompt als Zapp-Experte ausgeschieden. Dreist mutet an, dass die Zapp-Kollegin Niggemeier aber noch gefragt habe, ob er denn aber vielleicht jemanden wisse, der dagegen sei. Wenn das keine lupenreine Recherche ist. Niggemeier habe dann, wahrscheinlich aus Mitleid oder Perplexität, auf eine mit Zapps Meinung konform gehende Person verwiesen &#8211; auf die Intimkennerin des linientreuen DDR-Milieus, Jana Hensel. Niggemeier informiert weiter, dass er von einem Kollegen wisse, den Zapp ebenfalls aufgrund seiner sich ebenfalls nicht mit Zapp im Einklang befindlichen Meinung als Experten verworfen habe. Der gesendete Zapp-Beitrag, so Niggemeier, habe dann gezeigt, dass Zapp ihn und seinen Kollegen nicht etwa deshalb verworfen hatte, weil man bereits zu viele Fürsprecher gefunden hatte, sondern weil man offenbar keinen Fürsprecher im Beitrag haben wollte. Projiziert man diese Zapp-Praxis der Expertenrekrutierung nun auf den „Fall&#8221; Mehari, gerät das Argumentationskartenhaus noch mehr ins Wanken. Niggemeier macht zwar deutlich, dass er dies nicht für einen Skandal halte, sagt aber gleichwohl, dass es sich hierbei um ein anschauliches Beispiel dafür handele, wie Journalisten arbeiteten &#8211; eben offenbar auch die Moralisten von Zapp mit dem immer auf andere gerichteten Zeigefinger. Das klingt doch sehr nach den Methoden derer, die sich ihre eigene Wahrheit zurechtbiegen. Monolineare Recherche wäre auch ein passender Ausdruck.</p>
<p>Nun war Frau Salden vom NDR ja nur <em>eine</em> Autorin des Zapp-Beitrags vom 14.02.2007 über den „fragwürdigen Medienstar&#8221; Senait Mehari. Der Koautor heißt Peter Disch und ist Journalist für Popmusik. In dieser Funktion ist er wohl auch auf die Popsängerin Senait Mehari aufmerksam geworden. Die seiner Auffassung zufolge in Meharis Feuerherz publizierten „Unwahrheiten&#8221; treiben ihn offensichtlich nach wie vor um. Er schreibt darüber in seinem Heimatblättle, der „Badischen Zeitung&#8221;, der „taz&#8221;  und wo man sonst noch Wert auf seine nicht gänzlich unparteiisch wirkende Meinung legt. Am 11. Januar dieses Jahres richtete er gar eigens zum Zweck der Aufklärung über seine (<em>die</em>) Wahrheit über Meharis „Feuerherz&#8221; sein Watchblog „Feuerherzblog&#8221; ein.</p>
<p>Damit begibt er sich auf ein höchst gefährliches Terrain. Schließlich haben zwei der Grand Seigneurs der deutschen Recherche-Szene, Hans Leyendecker und Thomas Leif nämlich, die Öffentlichkeit über das ihres Erachtens Problematische an diesen neumodischen Weblogs aufgeklärt, die da so mir nichts dir nichts wie Pilze aus dem Boden schießen. So setzte Thomas Leif die Leser von Spiegel-Online davon in Kenntnis, dass es sich bei Bloggern „oft um selbstverliebte Egozentriker&#8221; handele, „die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen&#8221; und den „Hype&#8221;, der um sie herum entstehe, genössen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_14_906" id="identifier_14_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Spiegel-Online-Interview mit Thomas Leif vom 03.02.2006">15</a></sup> „Dem Großteil der Blogger&#8221;, weiß Leif, „geht es eben nicht ernsthaft darum, einen Sachverhalt aufzuklären oder einen Vorgang zu analysieren. Die meisten präsentieren nur einen privaten Tabledance.&#8221; Nach dieser Hiobsbotschaft beruhigt Leif aber noch die Spiegel-Online-Gemeinde, indem er mithilfe blumiger Metaphern verrät, dass es aber auch „Mini-Inseln&#8221; gebe, „in einem Ozean von Inhalten&#8221;, für die journalistische Inhalte nicht gälten. Auf die Frage nach solch einer „Mini-Insel&#8221;, die Leifs Placet bekomme, fällt diesem ganz spontan BILDblog ein.</p>
<p>Der Kollege Leyendecker sieht Blogs ähnlich kritisch. Blogger, so Leyendecker, seien zum Teil antidemokratisch, zynisch, verachtend, böse, gegen jedermann und „vorverachtend&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_15_906" id="identifier_15_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leyendecker im Interview mit &bdquo;Das Literatur-Caf&eacute;&amp;#8221; auf  der Frankfurter Buchmesse 2007">16</a></sup>. Doch auch Leyendecker schert nicht alle Blogs über einen Kamm. Als rühmliche Ausnahme nennt er BILDblog. Um das Blog von Peter Disch muss man sich jedoch sicher keine Sorgen machen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um ein „Reservat für Authentizität&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_16_906" id="identifier_16_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leif im Interview mit Spiegel-Online">17</a></sup> und eine „Mini-Insel&#8221;. Um diesbezüglich keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, hat Disch auch in seinem Untertitel „Kritische Notizen über Senait Meharis ‚Feuerherz’&#8221; bereits angedeutet, dass er sich wohl an dem Blogger-Primus BILDblog orientiert, denn dessen Untertitel lautet: „Kritische Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung&#8221;. Sein Impetus ist wohl auch identisch: Lügen aufzudecken. Was die Umsetzung angeht, bilde sich jeder sein eigenes Urteil.</p>
<p>Auf diesem Blog nun dokumentiert Disch nicht nur vornehmlich das ihm genehme Medienecho zum Thema, sondern veröffentlicht Termine zu Fotoausstellungen, Demonstrationen, Fernsehsendungen, Youtube-Videos einer singenden Zeugin u.Ä., die sich gegen Meharis zur Debatte stehendes Buch richten.</p>
<p>Kurzum &#8211; Disch konzertiert den Widerstand gegen Mehari. An Einseitigkeit scheint dabei kein Mangel zu herrschen, an Beweisen für die vertretene These dagegen schon.  Entweder hat er schlagende Beweise, die er aber noch zurückhält, um die Premiere von „Feuerherz&#8221; platzen zu lassen oder er ist womöglich von einem Mitleidsgefühl in seiner Objektivität beeinträchtigt. Vielleicht durchläuft Disch ja auch den gleichen Betroffenheitsapparat, wie die ach so unkritischen Kollegen Beckmann und Giovanni di Lorenzo, bloß von der anderen Seite?</p>
<p>Jüngst veröffentlichte Disch in seinem Blog Bilder der angeblich verleumdeten Almaz Yohannes. Kann dieses süße Mädchen jemandem etwas zuleide tun? &#8211; scheint die Frage zu sein, die mit der Publikation der drei Fotos mitschwingen soll. Nur leider, Herr Disch, gewinnen die Fotos nicht an Beweiskraft, wenn sie vom Zapp-Bildschirm auf Ihr Blog verlegt werden. Darüber sind Sie sich ja offensichtlich selbst latent im Klaren, wie man lesen kann, dennoch zeigen Sie die Bilder. Auf dem untersten Bild weisen uniform gekleideten Kinder eher auf paramilitärischen Charakter ihres Lebensumfeldes als auf irgendetwas anderes hin. Ein paramilitärischer Charakter übrigens, wie er von marxistischen Organisationen und Staaten auf dem gesamten Erdball hinlänglich bekannt ist, und die ELF war und ist nun einmal marxistisch ausgerichtet. Was soll uns das Foto also mitteilen? Damit argumentieren Sie doch eher gegen sich selbst, Herr Disch. Manche der auch von Zapp als eine Art Beweis herangezogenen Fotos zeigen im Übrigen eine Almaz Yohannes, die durchaus einen burschikosen Eindruck hinterlässt, was natürlich nicht heißen soll, dass dies in irgendeiner Weise gegen sie spricht. Doch das ist ja auch gar nicht der Punkt. Trotzdem werden immer wieder Fotos gezeigt, auf denen man doch bitteschön erkennen soll, dass Almaz Yohannes ja so zierlich, sonnig und süß sei, also nie etwas Böses getan oder auch nur gedacht haben kann.</p>
<p>Um nicht missverstanden zu werden: sollte Almaz Yohannes in Feuerherz tatsächlich verleumdet worden sein, so wäre dies in der Tat nicht nur bedauerlich, sondern ungeheuerlich. Das Buch dürfte in seiner jetzigen Form natürlich nicht mehr ausgeliefert werden und Yohannes müsste, sofern dies überhaupt in vollem Umfang möglich wäre, vollständig rehabilitiert werden, sowohl mittels Unterlassung als auch mittels Schadensersatz und Gegendarstellung. Zu hören, Yohannes gehe es schlecht und sie könne ihrem Beruf nicht mehr nachgehen, ist traurig und wird hier ausdrücklich bedauert. Das kann niemand wollen.</p>
<p>Doch damit ist nichts bewiesen. Egon Krenz ging es auch schlecht, trotzdem hat er offenbar Mauertote zu verantworten. Herr Disch, und was ist, wenn Mehari tatsächlich vergewaltigt und schikaniert wurde, tatsächlich in einem Militärcamp lebte, statt in einem „Salem in der Wüste&#8221;, wie Frank Nordhausen in der Berliner Zeitung schrieb? Das wäre doch dann aber auch schrecklich? Oder sehen Sie dies anders, Herr Disch? Vergewaltigung wiegt möglicherweise schwerer als üble Nachrede. Das kann man zumindest hoffen. Solange jedoch nichts bewiesen ist, werden hier beide Versionen für gleichrangig erachtet und für keine Seite Partei ergriffen, auch wenn sicher unbestreitbar auf den ersten Blick etwas für die Partei zu sprechen scheint, deren Meinung von mehreren Menschen vertreten wird, als für die, welche nur eine Zeugin aufzubieten hat. Doch man hüte sich davor, die Version der zahlenmäßig überlegenen Partei für glaubwürdiger zu halten, weil sie eben mehrere Fürsprecher hat. Gerade in paramilitärischen Milieus gibt es Gruppendynamik, die zu Schlimmstem imstande ist. Man denke bitte an die perversen Exzesse in der Bundeswehr, wo „Kameraden&#8221; vergewaltigt und schikaniert werden und nachher ein Täter den anderen deckt. Damit sei den „Zeitzeugen&#8221; nichts Dahingehendes unterstellt. Es geht hier um das Aufzeigen von existenten Paradigmen, die man in seine Urteile mit einbeziehen sollte, bevor man sie fällt. Immerhin äußert sich Peter Disch in seinem Blog etwas dezenter und blendet aktuelle Gegenmeinungen nicht komplett aus, wie es bei Zapp der Fall zu sein scheint. So <a title="Link zu feuerherz.blog.de" href="http://feuerherz.blog.de/2008/01/30/programmhinweis_zapp_heute_uber_feuerher~3654482#comments" target="_blank">ließ er jüngst in seinen Kommentaren eine seiner Meinung entgegengesetzte Äußerung stehen</a> (und beantwortete sie auch). Es ist aber schon interessant, dass die bisher einzige Reaktion in diesem Thread ausgerechnet eine andere Meinung vertritt als die von Disch propagierte, etwas, wozu Zapp sich, wie gesehen, ja nicht so recht in der Lage sieht.</p>
<p>Interessant ist auch, dass Almaz Yohannes ja offenbar gar nicht gegen die Behauptung klagt, dass es in Eritrea Kindersoldaten gegeben habe, sondern dagegen, dass sie als Ungeheuer dargestellt worden sei. Auch Zapp gehe es dem Vernehmen nach immer nur um das eine Lager bzw. die eine Schule, die von Mehari in einem falschen Licht dargestellt worden sei. Trotzdem glauben so einige Zuschauer, bei Zapp von Beginn an einen Subtext zu erkennen, der immer wieder auch ganz generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea deutlich in Zweifel zu ziehen scheint. Auch Zapps Experte, Günter Schröder, äußerte sich in der <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3691026,00.html" target="_blank" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 14.02.2007</a> etwas nebulös, angesichts der Tatsache, dass er die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea nicht anzweifle:</p>
<blockquote><p>Sie [Mehari, d.V.] hat dieses Schicksal eines Kindersoldaten eigentlich nicht erlebt. Und es ist unfair auch gegenüber den Kindersoldaten in Liberia, in der Sierra Leone oder in Uganda. Also, wenn sie sich in diese Reihe einreiht und da einen Opferstatus reklamiert, den sie in diesem Sinne nicht gehabt hat.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_17_906" id="identifier_17_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="G&uuml;nter Schr&ouml;der in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007">18</a></sup></p></blockquote>
<p>Wieso sagt Günter Schröder nicht, dass es gegenüber den Kindersoldaten in Eritrea unfair sei? So aber kann sich der Zuschauer doch des Eindrucks kaum erwehren, dass hier gerade impliziert wurde, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, ohne dass dies explizit gesagt wurde. Wieso sagt Günter Schröder, Mehari habe das Schicksal eines Kindersoldaten <strong>„eigentlich&#8221;</strong> nicht erlebt. Und <strong>uneigentlich</strong>?</p>
<p>Eigentlich gehe es Zapp also nur um Almaz Yohannes und uneigentlich aber unterschwellig scheinbar doch auch um Eritrea insgesamt und dessen Image. Das alles macht einen etwas beliebigen und wirren Eindruck. Man ist eben wahrscheinlich etwas aufgeregt, weil man aufgrund der Berlinale die Augen der Welt auf sich gerichtet glaubt bzw. hofft.</p>
<p>Ach ja, am 31. Januar, also am Tag der letzten Zapp-Sendung lobt Peter Disch auf seinem Watchblog seinen Kollegen Hans Leyendecker (dessen Namen er zuvorkommenderweise auch noch mit dem gleichnamigen Wikipedia-Artikel verlinkt) über den grünen Klee („Schnell, schneller, Leyendecker&#8221;) dafür, dass er so schnell auf die Zapp-Vorabmeldung der letzten Woche reagiert habe &#8211; und inhaltlich natürlich ganz im Sinne von Zapp. Doch auch ohne den netten Link zu Wikipedia ist bekannt, dass Hans Leyendecker einem gewissen Verein namens Netzwerk Recherche e.V. angehört. Diesem Verein gehören, wie auf dieser Seite bereits mehrfach erwähnt, auch der Zapp-Chefredakteur Kuno Haberbusch an, die Zapp-Mitarbeiterin und Enthüllerin von Meharis angeblichen Lügen, Julia Salden, genauso wie Thomas Leif, der im Übrigen mit nicht gerade als gering zu bezeichnender Kritik an seiner journalistischen Arbeit konfrontiert zu sein scheint. Hierzu wird nochmals auf eine interessante <a title="Link zum Wikipedia-Artikel über Thomas Leif" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Leif" target="_blank">Quellensammlung bei Wikipedia</a> hingewiesen und insbesondere auf den Artikel <a title="Link zum Artikel That's Leif in konkret Heft 3/2006 von Jörg Jacobi" href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=thatsleif&amp;jahr=2006&amp;mon=03" target="_blank">That&#8217;s Leif in „konkret&#8221; &#8211; Heft 3/2006 von Jörg Jacobi</a>. Auf der <a title="Link zur Homepage von Netzwerk Recherche e.V." href="http://www.netzwerkrecherche.de/verein/index.php?pageid=33" target="_blank">Homepage von Netwerk Recherche e.V.</a> kann man sich ein Foto des Vereinsvorstandes anschauen, wo die oben genannten Akteure einträchtig nebeneinander stehen: Leyendecker, Haberbusch, Salden, Leif. Natürlich dient das Netzwerk einzig dem Ziel „die journalistische Recherche in der Medien-Praxis zu stärken&#8221; und nicht etwa, sich einen Pool von Claqueuren zu organisieren, die dann unkritisch dem eigenen Anliegen als Katalysator dienen, gegen die Bösen: Focus, Bild und wie sie alle heißen. Es wäre sympathischer, wenn man gute Kritik an Bild oder wer auch immer sie verdient, übte, die ganz aus sich selbst heraus einschlägt ohne diese peinlichen Verstärker. Es ist wirklich interessant, wie sich nach bestimmten Zapp-Sendungen immer wieder alte Bekannte, scheinbar außen stehende, vermeintlich neutrale Journalisten lobend über Zapp äußern oder ihm Preise verleihen.</p>
<p>Peter Disch weiß mit Sicherheit, dass Leyendecker und Haberbusch alte Bekannte sind und sich regelmäßig gegenseitig loben oder vor Dritten verteidigen, wenn Not am Mann ist. So bekam Leyendecker mehrmals in Haberbuschs Zapp Schützenhilfe in seinem Kampf gegen den Focus und dessen Chefredakteur Helmut Markwort. Thomas Leif sorgte wiederum in seiner Funktion als Jury-Mitglied des Otto-Brenner-Preises dafür, dass Zapp 2006 den dritten, mit 3.000 Euro dotierten Preis erhielt. Nun also lobt Hans Leyendecker ganz unabhängig und so unerhört schnell die Sendung Zapp für ihren aufgewärmten Kaffee der letzten Woche. Es ist aber auch wirklich großartig, wie er das gemacht hat. Peter Disch informiert zahleninteressierte Menschen darüber, dass Hans Leyendecker nur rekordverdächtige 3 Stunden und 28 Minuten  benötigt habe (das nächste Mal vielleicht noch die Sekundenangabe), um auf die von Zapp lancierte Vorabmeldung zu reagieren. Das ist nun aber wirklich mal erwähnenswert. Disch nennt dies „effizientes Arbeiten&#8221;. Gemeint hat er aber womöglich eher effizientes „Zuarbeiten&#8221;. Wollen Sie der Welt wirklich weismachen, Herr Disch, dass Hans Leyendecker auf eine offizielle Vorabmeldung von Zapp angewiesen war und nicht einfach regelmäßig mit seinem Netzwerk-Freund Kuno Haberbusch Kontakt hat? Diese Art von pflichtschuldiger Schützenhilfe gemahnt doch an den Hessen-Wahlkampf, wo Angela Merkel ihrem Parteigrobian &#8211; wie manche ihn nennen &#8211; Koch beistand, wobei man bei ihr noch den Eindruck hatte, dass sie eigentlich gar nicht so einverstanden mit ihm war, aber ihm wohl noch etwas schuldig war. Leyendecker, Haberbusch und Leif scheinen sich hingegen mit dem größten Vergnügen gegenseitig beizupflichten. Hier sei ein Stück aus einem früheren Artikel auf dieser Seite zitiert: „Es ist eben ein Wesensmerkmal von Netzwerken, dass man sich darin gegenseitig Honig ums Maul schmiert, um so künstliche, scheinbar unabhängige Publicity zu generieren, mit deren Hilfe man sein berufliches Fortkommen auf dubiose Weise befördert.&#8221; Also vor allem Netzwerk, dann Recherche?</p>
<p>Es scheint Disch und Salden mehr darum zu gehen, zu beweisen, dass es in einem einzelnen Flecken Afrikas keine Kindersoldaten gegeben habe, als darum, das selbst von Disch und Salden nicht geleugnete, in vielen Regionen Afrikas gegenwärtig existente Problem von  Kindersoldaten überhaupt zu thematisieren oder gar zu lösen. Man verbeißt sich in irgendeinen kleinen Fleck im Tischtuch und nimmt in Kauf, dass man bei seinem Gezerre das gesamte Gedeck dabei herunter wirft.</p>
<p>Wie lange werden Zapp, Disch und die „Zeitzeugen&#8221; den Kampf für ihre Wahrheit betreiben? Werden sie sich erst zufrieden geben, wenn sich das Orakel von Abraham Mehreteab erfüllt hat, wonach Mehari irgendwann zusammenbrechen müsse:</p>
<blockquote><p>Abraham Mehreteab: „Je länger das weitergeht, glaube ich nicht, das[sic!] sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Irgendwann bricht sie zusammen, glaube ich. Sagt lieber die Wahrheit, wie es war. Und erzähl das und denke ich auch, dass es besser ist.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_18_906" id="identifier_18_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Abraham Mehreteab in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007">19</a></sup></p></blockquote>
<p>Wenn man dank Zapp und Disch nicht inzwischen wüsste, dass die „Zeitzeugen&#8221; völlig harmlose, liebe und friedliebende Menschen sind, die als Krankenpfleger in München und bei Toll Collect am Potsdamer Platz arbeiten &#8211; also vollkommen harmlos sein müssen, könnte man obiges Zitat &#8211; insbesondere die letzten beiden Sätze &#8211; fast als eine nur gering verschlüsselte Drohung verstehen. Damit nun keine Anwälte aufwachen und Abmahnungen oder Unterlassungsforderungen eintüten: Auch hier wird keinem einzigen der „Zeitzeugen&#8221; irgend etwas auch nur im Entferntesten Negatives unterstellt. Wie gesagt, es ist dem Autor einerlei, wer hier recht hat. Es geht nur darum, wie die Wahrheit ans Licht kommt. Es geht darum, aufzuzeigen, was für ein doch nicht unbeträchtliches Loch zwischen Zapps Anspruch und der Realität zu klaffen scheint.</p>
<p>Dass Produzenten, Verlag und Mehari selbst offenbar kein gesteigertes Interesse mehr an Interviews mit Zapp haben, oder an von Zeitzeugen initiierten Podiumsdiskussionen, scheint dieses als ganz klaren als Beweis dafür zu deuten, dass es recht habe. Auf die Idee, dass man womöglich mit einem Magazin einfach nicht mehr reden möchte, weil es vielleicht bereits wie mit der Axt im Walde durch den Äther gezogen ist bzw. soviel Porzellan zerschlagen haben könnte, dass niemand außer das Netzwerk Recherche e.V. noch mit Zapp reden möchte, ist wahrscheinlich eher nicht Bestandteil von Zapps Kalkulation. Wenn Bild nicht mit einem reden will, ist es ja schon fast zu Recht der Ritterschlag, mit dem man sich brüsten kann, wie Zapp es ja auch in aller Ausgiebigkeit und Selbstgefälligkeit tut. Wenn der Focus nicht mehr mit einem redet, kann man das auch noch als schmeichelnd empfinden. Wenn man es sich aber nach und nach mit allen verscherzt, einschließlich der Kollegen aus dem eigenen Sender, dann wird die Luft doch ein bisschen dünn für ein Medienmagazin. Es ist letztlich auch für den Zuschauer nur bedingt glaubwürdig, dass nur Zapp den guten Journalismus für sich gepachtet haben soll, während alle anderen alles falsch machen. Diesen Eindruck aber vermittelt Zapp des öfteren.</p>
<p>All das hier Gesagte wird Zapp wohl in keiner Weise beirren, sondern an seiner Wachsschicht der Selbstgerechtigkeit abperlen, nicht zuletzt, weil man ja gestern mit dem Bert-Donnepp-Preis des Adolf-Grimme-Instituts ausgezeichnet wurde. Folglich muss man ja alles richtig machen. Diesmal scheint auch kein Vorstandsmitglied aus dem Netzwerk Recherche e.V. in der Jury gesessen zu haben. Ob Zapp wirklich so sehr für „praktizierte Medienethik&#8221; steht, wie es in der Begründung der Jury heißt, darf nach einigen hier genannten Gegenbeispielen zumindest teilweise und natürlich ganz vorsichtig angezweifelt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die 5.000 Euro Preisgeld nicht nur verprasst werden, sondern vielleicht zur Abwechslung einmal wieder objektiver Wahrheitsfindung dienen, an der allen gelegen sein sollte.</p>
<p>Nachtrag:</p>
<p>Peter Disch veröffentlichte soeben auf seinem Feuerherzblog, dass Meharis Manager ihm mitgeteilt habe, dass Mehari nicht an einer „Podiumsdiskussion mit ihren deutsch-eritreischen Kritikern&#8221; teilnehmen werde, weil der Termin zu kurzfristig angesetzt worden sei und Mehari deshalb bereits andere Verpflichtungen habe. „Man freue sich aber, dass die Zeitzeugen endlich bereit seien, Mehari zu treffen. Er hoffe, dass möglichst bald nach der Berlinale ein Termin gefunden werden könne. Voraussetzung für eine solche Diskussion seien ein neutraler Rahmen, ein unparteiischer Moderator und ein ausgewogen zusammen gesetztes Podium.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_19_906" id="identifier_19_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398">20</a></sup>  Das sind doch versöhnliche Töne. Mal sehen, ob Zapp diese Nachricht eine kurze Meldung wert ist.<span style="color: #ffffe0;"> Senait Mehari, Senait Ghebrehiwet Mehari, Senait G. Mehari, Mehari, Feuerherz, Eritrea, ELF, Eritrean Liberation Front, Eritrean People&#8217;s Liberation Front, EPLF, Almaz Yohannes, Agawegatha, Kuno Haberbusch, Bert Donnepp Preis, Zapp, NDR, Droemer Knaur, Droemer Knaur Verlag, Sven Burgemeister, Andreas Bareiss, Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyo, Heart of Fire </span></p>
<p>© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_906" class="footnote">Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung.</li><li id="footnote_1_906" class="footnote">Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war.</li><li id="footnote_2_906" class="footnote"><a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt" href="http://espritdescalier.de/blog/2006/11/30/wer-im-glashaus-zappt/" target="_blank">1. Wer im Glashaus ZAPPt</a> &#8211; <a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt (Die Zweite)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite-2/" target="_blank">2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)</a> &#8211; 3. <a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt (Die Dritte)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/" target="_blank">Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)</a></li><li id="footnote_3_906" class="footnote">An dieser Stelle sei betont, dass Frau Gladziejewski keineswegs eine schlechte Figur machte, aber doch verunsichert wirkte. Die Aussage ist, dass Zapp offenbar das Ziel verfolgt, Vertreter ihm nicht genehmer Meinungen möglichst zu verunsichern, um diese Verunsicherung für sich als Beweis zu verbuchen. Es gelingt ihm in verschiedenen Graden.</li><li id="footnote_4_906" class="footnote">So jedenfalls wirken manche Interviewpartner.</li><li id="footnote_5_906" class="footnote">Dieses Eindrucks jedenfalls kann sich manch Zuschauer nicht erwehren.</li><li id="footnote_6_906" class="footnote">Zapp sollte den berühmten und gern zitierten Satz über gute Journalisten von Hans Joachim Friedrichs ruhig einmal auf sich selbst und nicht nur auf Andere anwenden. Den gleichnamigen Preis würde das Medienmagazin jedenfalls alles andere als verdienen.</li><li id="footnote_7_906" class="footnote">Später räumt sie diese Tatsache <a title="Link zu den Stellungnahmen Frau Saldens zu den Reaktionen auf ihren Beitrag" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802_REF2488,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">in ihrer Stellungnahme auf der Zapp-Seite</a> ein</li><li id="footnote_8_906" class="footnote">Quelle: Peter Disch, Journalist für Popmusik,  Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008.</li><li id="footnote_9_906" class="footnote">Hier soll um Gottes willen keine Wertung vorgenommen werden, derzufolge zivilisatorische Standards bei den einen höher als bei den anderen seien. Sonst unterstellt Peter Disch, ein Journalist für Popmusik, womöglich wieder das typische Afrikabild, das wahrscheinlich alle außer ihm und wenigen anderen, mit großer Einsicht Gesegneten haben. Aber Standards sind verschieden. Nicht nur in unterschiedlichen Gesellschaften, sondern auch in unterschiedlichen Phasen ein und derselben Gesellschaft. So wurde in Nachkriegsdeutschland auch so einiges als normal empfunden, was man vor dem Krieg oder heute als barbarisch ansah bzw. ansieht, einfach weil es die Umstände geboten.</li><li id="footnote_10_906" class="footnote">Peter Disch, Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008</li><li id="footnote_11_906" class="footnote">Peter Disch: Zwei Leben in einem?, Der Tagesspiegel, 17.2.2007</li><li id="footnote_12_906" class="footnote">Hier wird auf den von Zapp präsentierten „Eritrea-Experten&#8221; Günter Schröder Bezug genommen. Wo war eigentlich Günter Schröder in der letzten Zapp-Sendung?!</li><li id="footnote_13_906" class="footnote">Es darf hier auf den <a title="Link zum Artikel Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite-2/" target="_blank">Artikel Wer im Glashaus ZAPPt die Zweite</a> verwiesen werden, wo am Beispiel von Aharon Appelfeld erläutert wird, wie absurd es ist, jemandem, der über eine Zeit schreibt, in der noch ein Kind war, das Recht abzusprechen zu wollen, trotz womöglicher Fehler im Detail darüber zu schreiben.</li><li id="footnote_14_906" class="footnote"><a title="Link zum Interview mit Thomas Leif auf Spiegel-Online" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,398523,00.html" target="_blank">Spiegel-Online-Interview mit Thomas Leif vom 03.02.2006</a></li><li id="footnote_15_906" class="footnote"><a title="Link zum Interview mit Hans Leyendecker auf der Seite von „Das Literatur-Café" href="http://www.literaturcafe.de/hans-leyendecker-gier-weblogs-journalismus-buchmesse-podcast/" target="_blank">Leyendecker im Interview mit „Das Literatur-Café&#8221; auf  der Frankfurter Buchmesse 2007</a></li><li id="footnote_16_906" class="footnote">Leif im Interview mit Spiegel-Online</li><li id="footnote_17_906" class="footnote">Günter Schröder in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007</li><li id="footnote_18_906" class="footnote"><a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3691026,00.html" target="_blank" class="broken_link">Abraham Mehreteab in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007</a></li><li id="footnote_19_906" class="footnote"><a title="Link zum Artikel  Diskussion: Senait Mehari kommt nicht auf Feuerherzblog" href="http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398" target="_blank">http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398</a></li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Dec 2007 15:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie soll das Denkmal für einen Dichter aussehen, der im Alter von nur achtzehn Jahren die Poesie verwarf und ihr den Rücken kehrte? Für einen Dichter, von dem Stefan Zweig sagte: „Sein Atem ging so heiß, daß das Wachs unter seinen Händen schmolz, statt sich der Form anzupassen. Die Literatur, die Kunst waren zu schwach, [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/' addthis:title='Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-1-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1563" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-1-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="183" /></a><span class="initial">W</span>ie soll das Denkmal für einen Dichter aussehen, der im Alter von nur achtzehn Jahren die Poesie verwarf und ihr den Rücken kehrte? Für einen Dichter, von dem Stefan Zweig sagte: „Sein Atem ging so heiß, daß das Wachs unter seinen Händen schmolz, statt sich der Form anzupassen. Die Literatur, die Kunst waren zu schwach, um das Unaussprechliche ganz sagen zu lassen. Und so warf er sie weg, mit achtzehn Jahren.&#8221; &#8211; „Die Poesie war ihm nichts; nur irgendein Befreiungsversuch, ein Ventil für die drängend-überschüssige Vitaltät; nur ein Versuch unter anderen, und der erste Versuch.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_0_254" id="identifier_0_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. &Uuml;bertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Leipzig, 1921, S. 18 u. 8.">1</a></sup> Wie also soll ein Denkmal aussehen für Arthur Rimbaud, der alle in seinem Besitz befindlichen Manuskripte seiner Dichtung auf einem Scheiterhaufen verbrannte, dessen Dichtung nur durch die posthume Initiative einstiger Freunde einer großen Öffentlichkeit bekannt wurden? Mit Sicherheit wäre ein auf einem Sockel stehender Mann mit zusammengerolltem Pergament oder einer Feder in der Hand sowie mit ins Gesicht modellierter demonstrativer Weitsicht dem rastlosen und getriebenen Rimbaud überhaupt nicht gerecht geworden. Eine Antwort auf die Frage, wie nun solch ein Denkmal aussehen könnte, findet sich im vierten Pariser Arrondissement im Quartier de l&#8217;Arsenal<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_1_254" id="identifier_1_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In diesem Viertel befand sich, wie der Name erahnen l&auml;sst, urspr&uuml;nglich das k&ouml;nigliche Waffen- und Munitionslager.">2</a></sup> auf der Place du Père-Teilhard-de-Chardin, schräg gegenüber dem Pavillon de l&#8217;Arsenal. Die dortige Plastik ist das Ergebnis der Auseinandersetzung des französischen Bildhauers Jean Ipoustéguy<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_2_254" id="identifier_2_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1920 &dagger;2006">3</a></sup> mit der Person und dem Werk Arthur Rimbauds. Nachdem die Stadt Paris Ipoustéguy mit der Schaffung eines Denkmals für Rimbaud beauftragt hatte, entwarf dieser Ende des Jahres 1983 zunächst eine Kleinplastik mit dem Arbeitstitel „Maquette Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_3_254" id="identifier_3_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Modell Rimbaud">4</a></sup> aus Gips und Pappe<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_4_254" id="identifier_4_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="30cm hoch und 50cm breit">5</a></sup>, aus der noch im gleichen Jahr die Kleinbronze mit dem Titel „Esquisse Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_5_254" id="identifier_5_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Entwurf Rimbaud, 29,5cm hoch, 49cm lang und 29cm breit">6</a></sup> hervorging. Ebenfalls Ende 1983 fertigte Ipoustéguy <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-rear-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1567" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-rear-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="160" /></a>eine Portätstudie mit dem Titel „Etude visage Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_6_254" id="identifier_6_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Studie &bdquo;Gesicht Rimbaud&amp;#8221;">7</a></sup> an. Aus diesen Vorarbeiten ging zu Beginn des Jahres 1984 die Großplastik hervor, die schließlich 1985 bei Blanchet in Paris gegossen wurde. Die Bronzeplastik ist 2,2m hoch, 4,6m lang sowie 1,8m breit<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_7_254" id="identifier_7_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lipp, Michael: Jean Ipoust&eacute;guy &amp;#8211; Das plastische Werk 1940-1992, S.537.">8</a></sup> und trägt den Titel: „L&#8217;homme aux semelles devant&#8221;, was zu übersetzen ist mit: „Der Mann mit den Sohlen voran&#8221; oder „Der Mann mit den Sohlen voraus&#8221;. Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die Bezeichnung, mit der Verlaine seinen Geliebten tituliert haben soll, nämlich: „L&#8217;homme aux semelles de vent&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_8_254" id="identifier_8_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&amp;#8220;Comme on sait, Rimbaud a &eacute;t&eacute; surnomm&eacute; &laquo; l&amp;#8217;homme aux semelles de vent &raquo;.&amp;#8221; Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXII.">9</a></sup>, was zu übersetzen ist mit: „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221; oder „Der Mann mit den Windsohlen&#8221; bzw. „Der Mann mit den vom Wind beflügelten Sohlen&#8221;. Offenbar scheinen einzelne Personen das Wesen einer Hommage nicht erfasst zu haben, wenn sie den Titel der Plastik für fehlerhaft befinden. Solche Zeitgenossen fühlen sich dann bemüßigt, der Welt mittels weißem Korrekturstift die vermeintlich korrekte Version mitteilen zu müssen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_9_254" id="identifier_9_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Abbildung">10</a></sup>. Offensichtlich halten diese Personen es tatsächlich für möglich, dass der Schöpfer der Plastik, der sich ja, wie noch zu sehen sein wird, intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben muss, ausgerechnet im Titel seines Werkes einen Verständnisfehler und einen daraus resultierenden Setzfehler leistet, der dann auch jahrzehntelang von offizieller Seite in Paris geduldet wird. Nicht in den Sinn kam den Korrektoren wohl, dass es sich hierbei um eine gewollte Modifikation handelt, eine Weiterentwicklung und Überspitzung, ein Wortspiel &#8211; eben eine Hommage.  Beim Anblick der Plastik fällt zunächst die Zweiteilung von Rimbauds <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/devant-de-vent-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1575" title="Inschrift am Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/devant-de-vent-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="151" /></a>Körper ins Auge. Mit dieser irritierenden Darstellung gelang Ipoustéguy eine markante Symbolisierung der Zerissenheit Rimbauds, seines ungestümen Wesens, seiner Rastlosigkeit und seines Getriebenseins. Und was liegt näher, als Symbolik zur Würdigung eines der Begründer des literarischen Symbolismus zu verwenden? Betrachtet man zudem die Etymologie des Wortes <em>Symbol</em>, erscheint die Verwendung dieses Stilmittels noch passender. Das griechische Ursprungswort sýmbolon (σύμβολον) mit der Bedeutung „Merkmal, Kenn-, Wahrzeichen&#8221; ist eine Bildung aus symbállein (συμβάλλειν), was „zusammenwerfen, -legen, -fügen&#8221; bedeutet. Sýmbolon war ursprünglich ein zwischen verschiedenen Personen vereinbartes Erkennungszeichen. Dabei handelte es sich um zerbrochene Ringe, Scherben und dergleichen. Durch die Passgenauigkeit der einzelnen Anfügestücke erkannten sich deren Besitzer wieder. Die Scherben verkörperten also die Zusammengehörigkeit. Deutlicher wird die Versinnbildlichung der Scherbenhälften daran, dass Freunde im antiken Griechenland bevor sie sich für längere Zeit trennten, ihre Namen in eine Scherbe ritzten und diese dann zerbrachen. Jeder trug eine Hälfte dann bei sich. Ein Symbol hat somit einen Hinweischarakter und weist über sich selbst hinaus. Die beiden Scherben sind zum einen natürlich nur Scherben, weisen jedoch über ihre Stofflichkeit bzw. ihr vordergründiges Erscheinungsbild hinaus aber „symbolisch&#8221; auf Freundschaft bzw. auch auf Trennung und Sehnsucht hin. Somit kann mittels des Symbols auf einfachste und abstrakte Weise ein komplexer Zustand auf den Punkt gebracht werden, der sonst eines längeren Textes oder einer expliziten Darstellung bedürfte, wenn er denn überhaupt so ohne weiteres realitätsnah darstellbar wäre. Derartig kann auf eine schwer zugängliche, verborgene und tiefer liegende Wirklichkeit verwiesen werden. So gesehen hat Ipoustéguy durch den Bruch von Rimbauds Körper ein <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1579" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="156" /></a>Symbol geschaffen, bei dem im ursprünglichen Sinn die Beine das Anfügestück zum Oberkörper darstellen. Fügte man Ober- und Unterkörper wieder zusammen, hätte man Rimbaud in seinem äußeren Zustand. Doch der Bruch des Körpers veranschaulicht hier seinen inneren Zustand und den daraus folgenden Lebenswandel, der ohne Symbolik ja gar nicht in statischer bildlicher Form darstellbar wäre. Ipoustéguy hat damit sowohl im ursprünglichen Sinn ein Symbolon als auch in der heutigen Bedeutung ein Symbol geschaffen.<span id="more-254"></span>Rimbaud scheint in einer wellenartigen Luftströmung zu schweben, die ihn zwar mit sich trägt, ihn jedoch zugleich völlig unberührt zu lassen scheint. Rimbauds Kopf ruht auf der Handfläche des linken angewinkelten Armes, der sich wiederum auf seiner rechten Ferse abstützt, der Ferse des Beins also, das ihm am 25. Mai 1891 im Alter von 37 Jahren aufgrund einer Knochenkrebserkrankung amputiert wurde, an der er ein halbes Jahr später sterben sollte. Es ist daher wohl nicht als Zufall zu betrachten, dass Ipoustéguy Rimbauds Arm auf dessen rechter Ferse positioniert, die somit auch als Rimbauds Achillesferse verstanden werden könnte, zudem es bei Achilleus auch die rechte Ferse war, die vom Wasser des Styx unbenetzt geblieben war und daher als einzige Stelle verletzlich blieb. Das Aufstützen des Kopfes bei liegender Körperhaltung evoziert beim Betrachter den Eindruck des Zustands der Langeweile. Unter ebendiesem Zustand litt Rimbaud zeitlebens und klagte immer wieder darüber, so auch im Alter von 16 Jahren in einem Brief vom 25. August 1870 an seinen früheren Rhetoriklehrer Georges Izambard noch aus seinem ardennischen Geburtsort Charleville, kurz bevor er das erste von drei Malen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_10_254" id="identifier_10_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="am 31. August 1870, also einen Tag vor der entscheidenden Niederlage des franz&ouml;sischen Kaiserreichs in Sedan">11</a></sup> nach Paris floh:  &#8220;Monsieur, Vous êtes hereux, vous, de ne plus habiter Charleville ! &#8211; Ma ville natale est supérieurement idiote entre les petites villes de province. Sur cela, voyez-vous, je n&#8217;ai plus d&#8217;illusions. [...] Je suis dépaysé, malade, furieux, bête, renversé ; j&#8217;espérais des bains de soleil, des promenades infinies, du repos, des voyages, des aventures, des bohémienneries enfin ; j&#8217;espérais surtout des journaux, des livres&#8230; Rien ! Rien ! Le courier n&#8217;envoie plus rien aux libraires ; Paris se moque de nous joliment : pas un seul livre nouveau ! c&#8217;est la mort ! Me voilà réduit, en fait de journaux, à l&#8217;honorable <em>Courrier des Ardennes,</em> &#8211; propriétaire, gérant, directeur, rédacteur en chef et rédacteurunique : A. Pouillard ! Ce journal résume les aspirations, les vœux et les opinions de la population : ainsi jugez ! c&#8217;est du propre !&#8230; On est exilé dans sa patrie !!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_11_254" id="identifier_11_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S. 219 f.">12</a></sup>  „Mein Herr, Sie haben Glück, Sie, daß Sie nicht mehr in Charleville sind! Meine Geburtsstadt ist den andern kleinen Provinzstädten an Idiotie klar überlegen. Darüber, sehen Sie, habe ich keine Illusionen mehr. [...] Ich bin ausgestoßen, krank, wütend, blöd, niedergeschlagen; ich hoffte auf Sonnenbäder, auf endlose Wanderungen, auf Ruhe, Reisen Abenteuer, auf Zigeunereien also; vor allem hoffte ich auf Zeitungen, auf Bücher &#8230; Nichts! Nichts! Die Post bringt den Buchhändlern nichts mehr; Paris macht sich munter über uns lustig; nicht ein einziges neues Buch! Es ist zum Sterben! Hinsichtlich der Zeitungen bin ich auf den ehrenwerten <em>Courrier des Ardennes</em> beschränkt, &#8211; Eigentümer, Geschäftsführer, Direktor, Chefredakteur und einziger Mitarbeiter: A. Pouillard! Dieses Blatt gibt die Bestrebungen, Wünsche und Meinungen der Bevölkerung wieder: danach urteilen Sie! Ein schöner Dreck! &#8230; Mitten in seinem Vaterland lebt man in der Verbannung!!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_12_254" id="identifier_12_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.9f.">13</a></sup>  Man darf hierbei natürlich nicht übersehen, dass im gerade einmal 25 km entfernten Sedan zu diesem Zeitpunkt der Preußisch-Französische Krieg gefochten wurde, worin sicher das Hauptproblem für Lieferengpässe auf dem Buchsektor zu sehen ist. Außerdem wird die Anwesenheit preußischer Soldaten und denjenigen mit Preußen verbündeter Mächte in der Region zu Rimbauds Gefühl beigetragen haben, ein Fremder im eigenen Land zu sein<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_13_254" id="identifier_13_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Am 1. Januar 1871 wurde Charleville selbst zudem von den Preu&szlig;en besetzt.">14</a></sup>. Trotzdem wird deutlich, dass Rimbaud auch in Friedenszeiten in der Provinz geistig zu verdursten drohte. Am 2. November 1870 klagte Rimbaud abermals sein Leid in einem Brief an Izambard:  &#8220;Je meurs, je me décompose dans la platitude, dans la mauvaiseté, dans la grisaille. Que voulez-vous, je m&#8217;entête affreusement à adorer la liberté libre [sic!], et&#8230; un tas de choses que « ça fait pitié », n&#8217;est-ce pas ? &#8211; Je devais repartir aujourd&#8217;hui même ; je le pouvais : j&#8217;étais vêtu de neuf, j&#8217;aurais vendu ma montre, et vive la liberté! &#8211; Donc je suis resté ! Je suis resté! &#8211; et je voudrai repartir encore bien des fois. &#8211; Allons, chapeau, capote, les deux poings dans les poches, et sortons !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_14_254" id="identifier_14_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S. 222">15</a></sup>  „Aber ich sterbe, ich löse mich fast auf in diesem Grau in Grau aus Stumpfsinn und Bosheit hier. Was wollen Sie machen, ich habe mir nun mal so schrecklich unbedingt in den Kopf gesetzt, die freie [sic!] Freiheit anzubeten und &#8230; überhaupt viele Dinge, die <em>›bemitleidenswert‹</em> sind, nicht wahr? Noch heute sollte ich wieder abrücken, und ich könnte es: ich bin neu eingekleidet, meine Uhr hätte ich verkauft &#8211; siehe da: es lebe die Freiheit! &#8211; Aber ich bin geblieben! ich bin geblieben! &#8211; und denke doch an nichts anderes als davonzulaufen. &#8211; Hut auf, den Mantel vom Haken, Fäuste in die Taschen, und fort.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_15_254" id="identifier_15_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.391">16</a></sup>  Doch auch 18 Jahre intensiven und wilden Lebens hatten den Zustand der Langeweile offenbar nicht beenden können. So ist in einem Brief vom 4. August 1888 an die Seinen aus dem abessinischen Harar, wo Rimbaud zuletzt eine eigene Faktorei betrieb, zu lesen:  &#8220;Je m&#8217;ennuie beaucoup, toujours ; je n&#8217;ai même jamais connu personne qui s&#8217;ennuyât autant que moi.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_16_254" id="identifier_16_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.">17</a></sup>  „Ich langweile mich viel, immer; ich habe sogar nie jemanden gekannt, der sich so gelangweilt hätte wie ich.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_17_254" id="identifier_17_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">18</a></sup>  Im gleichen Brief fährt Rimbaud wie folgt fort:  &#8220;Et puis, n&#8217;est-ce pas misérable, cette existence sans famille, sans occupation intellectuelle, perdu au milieu des nègres dont on voudrait améliorer le sort et qui, eux, cherchant à vous exploiter et vous mettent dans l&#8217;impossibilité de liquider des affaires à bref délai ? Obligé de parler leurs baragouins, de manger de leurs sales mets, de subir mille ennuis provenant de leur paresse, de leur trahison, de leur stupidité ! Le plus triste n&#8217;est pas encore là. Il est dans la crainte de devenir peu à peu abruti soi-même, isolé qu&#8217;on est eloigné de toute société intelligente.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_18_254" id="identifier_18_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.">19</a></sup>  „Und ist es denn nicht ein Elend, dieses Dasein ohne Familie, ohne geistige Beschäftigung, verloren inmitten von Negern [sic!], deren Los man verbessern möchte und die ihrerseits versuchen, einen auszubeuten und die es einem unmöglich machen, Geschäfte in kurzer Frist abzuwickeln? Genötigt, ihr Kauderwelsch zu reden, ihr dreckiges Essen zu nehmen, tausend Ärger über sich ergehen zu lassen, die von ihrer Faulheit, ihrer Verräterei, ihrer Stumpfsinnigkeit kommen! Darin liegt noch nicht einmal das Traurigste. Das liegt in der Befürchtung, nach und nach selbst vertiert zu werden, vereinsamt wie man ist und weit von aller vernünftigen Gesellschaft.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_19_254" id="identifier_19_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.118.">20</a></sup>  Am 25. Februar 1890 schreibt Rimbaud aus Harar an Mutter und Schwester wiederum von der Langeweile, unter der er leide:  &#8220;Ne vous étonnez pas que je n&#8217;écrive guère : le principal motif serait que je ne trouve jamais rien d&#8217;intéressant à dire. Car, lorsqu&#8217;on est dans des pays comme ceux-ci, on a plus à demander qu&#8217;à dire ! Des déserts peuplés de nègres [sic!] stupides, sans routes, sans courriers, sans voyageurs : que voulez-vouz qu&#8217;on vous écrive de là ? Qu&#8217;on s&#8217;ennuie, qu&#8217;on s&#8217;embête, qu&#8217;on s&#8217;abruit ; qu&#8217;on en a assez, mais qu&#8217;on ne peut pas en finir, etc., etc. ! Voilà tout, tout ce qu&#8217;on peut dire, par conséquent ; et, comme ça n&#8217;amuse pas non plus les autres, il faut se taire.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_20_254" id="identifier_20_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.351.">21</a></sup>  „Wundert Euch nicht, daß ich kaum schreibe: der Hauptgrund wäre, daß ich nie etwas Interessantes zu erzählen habe. Denn wenn man in einem Land wie dem hiesigen ist, hat man mehr zu fragen als zu sagen! Von stumpfsinnigen Negern [sic!] bevölkerte Wüsten ohne Straßen, ohne Kuriere, ohne Reisende, &#8211; was soll man Euch von da schreiben? Daß man sich langweilt, daß man verdummt, vertiert, daß man genug davon hat, aber nicht damit aufhören kann, usw., usw.! Das ist alles, folglich alles was man sagen kann, und da das die Anderen auch nicht erfreut, muß man schweigen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_21_254" id="identifier_21_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.125f.">22</a></sup>  Auch exakt ein Jahr vor seinem Tod äußert sich Rimbaud in einem Brief aus Harar an seine Mutter vom 10. November 1890 unzufrieden mit seiner Lebenssituation in Harar. Zwar hat er offenbar weder Glück noch Liebe oder Erfüllung gefunden aber wenigstens doch die Freiheit, wie er wie aus Trotz hinzufügt:  &#8220;Quant au Harar, il n&#8217;y a aucun consul, aucune poste, aucune route ; on y va à chameau, et on y vit avec des nègres [sic!] exclusivement. Mais enfin on y est libre, et le climat est bon. Telle est la situation.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_22_254" id="identifier_22_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.355.">23</a></sup>  „Was nun Harar anbelangt, da gibt es keinen Konsul, keine Post, keine Straße, man reist per Kamel hin und lebt da ausschließlich mit Negern [sic!]. Aber jedenfalls hat man hier seine Freiheit, und das Klima ist gut. So sind die Verhältnisse.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_23_254" id="identifier_23_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.128f.">24</a></sup>  Dabei war es Rimbauds eigene Entscheidung gewesen, der Zivilisation in Paris und Europa überhaupt den Rücken zu kehren, weil er von ihr gelangweilt und enttäuscht war. Bereits 1872, also nachdem er ein Jahr in Paris gewesen war, verwendete Rimbaud zu Beginn seiner Briefe nicht mehr den Namen &#8220;Paris&#8221; vor dem Datum, sondern &#8220;Parmerde&#8221; was mit &#8220;Parischeiße&#8221; seine adäquate deutsche Entsprechung findet. Sicher ist dies auch z.T. Rebellion und Provokation, doch immerhin handelt es sich hier um die Stadt, von der er ursprünglich glaubte, dass er in ihr dem Albtraum der Provinz entfliehen und seine Träume verwirklichen könnte. Doch bald musste er erkennen, dass die Pariser Künstlerszene zu großen Teilen borniert war und keineswegs rebellisch oder progressiv wie er selbst.  Obwohl also Europa Schauplatz seiner gescheiterten Suche nach einem Lebenssinn war,<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_24_254" id="identifier_24_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.242 u. 260.">25</a></sup> hatte er nun offenbar wieder Sehnsucht danach, weil er intellektuell unerfüllt war. Er befand sich also in einem Zwiespalt. In seinem Brief aus Harar vom 18. Mai 1889 an die Seinen teilte er diesbezüglich folgendes mit:  &#8220;Je regrette de ne pouvoir faire un tour à l&#8217;Exposition cette année, mais mes bénéfices sont loin de me le permettre, et d&#8217;ailleurs je suis absolument seul ici, et, moi partant, mon établissement disparaîtrait entièrement. Ce sera donc pour la prochaine ; et à la prochaine je pourrai exposer peut-êtreles produits de ce pays, et, peut-être, m&#8217;exposer moi-même, car je crois qu&#8217;on doit avoir l&#8217;air excessivement baroque après un long séjour dans des pays comme ceux-ci.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_25_254" id="identifier_25_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 348.">26</a></sup>  „Schade, dass ich dies Jahr keine Reise zur Weltausstellung machen kann, aber mein Gewinn ist längst nicht so hoch, als daß er mir das erlaubte, und außerdem bin ich hier vollkommen allein und wenn ich fortginge, würde meine Niederlassung gänzlich verschwinden. Also wird das auf die nächste Ausstellung verschoben, und bei der nächsten kann ich vielleicht die Produkte dieses Landes ausstellen und womöglich mich selbst, denn ich glaube, nach langem Aufenthalt in Ländern wie diesen dürfte man äußerst absonderlich aussehen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_26_254" id="identifier_26_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.123">27</a></sup>  Dabei hätte auf der 1889 in Paris stattfindenden Weltausstellung durchaus die Möglichkeit bestanden, dass Rimbauds Langeweile vorübergehend gelindert worden wäre, da er nämlich im Mai der Eröffnung des anlässlich der Weltausstellung und des hundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution erbauten Eiffelturms hätte teilhaftig werden können. Von ähnlich modernen und gigantischen Gebäuden, wie dem anlässlich der Weltausstellung 1851 in London errichteten Crystal Palace zeigte sich Rimbaud jedenfalls tief beeindruckt, als er ihn bei seinem ersten Londonaufenthalt sah.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_27_254" id="identifier_27_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.90.">28</a></sup> Gigantismus als Ausdruck avantgardistischer Modernität und übermenschlicher Träume, war es, der Rimbaud beim Anblick von Gebäuden wie dem Crystal Palace, Albert Hall, Brückenbauten oder aber auch die London Underground mit einem Tunnel unter der Themse hindurch faszinierte, zu einem Zeitpunkt, an dem es in Paris die Métro noch gar nicht gab. Diese Eindrücke fanden auch ihren Niederschlag in Rimbauds Dichtung, so z.B. in den <em>Illuminations</em>: „Himmel aus grauem Kristall. Ein bizarres Gebilde von Brücken, die eine gerade, jene gewölbt, andere fallen oder schneiden im Winkel die ersten, und diese Formen gespiegelt in anderen beleuchteten Bögen eines Kanals, aber sie alle so lang und leicht, daß die Ufer sich senken, mit Domen beladen, und langsam verflachen &#8230; (Brücken) &#8211; Ein sonderbarer Geschmack des Riesenhaften hat alle klassischen Wunder der Baukunst reproduziert. [...] Diese Kuppel besteht aus einem kunstvollen Stahlgeflecht von etwa fünfzehntausend Fuß im Durchmesser. An einigen Punkten der kupfernen Stege, der Plattformen und Eisenleitern, die um Hallen und Pfeiler gewunden sind, glaubte ich, die Tiefe der Stadt erfassen zu können!<em> (Akropolis)</em>&#8220;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_28_254" id="identifier_28_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.259, 261, 267.">29</a></sup>  Eines muss man Rimbaud in Bezug auf seine Langeweile lassen, er hat durchaus viel dagegen unternommen. Man kann ihm daher keineswegs vorwerfen, seine Langeweile etwa durch Faulheit oder Passivität selbst verschuldet zu haben und sich allein der Klage darüber hingegeben zu haben. Seine Ansprüche an das Leben waren womöglich einfach zu hoch.  Seinem Drang nach Abwechslung begegnete Rimbaud mit schier endloser Wanderschaft und Reiselust. Paris war ja nur die erste große Station &#8211; zuvor war er bereits im wallonischen Charleroi gewesen. Es folgten Douai, Fumay, Vireux, Givet, Arras (allesamt in Nordfrankreich), Brüssel, Mecheln, Gent, Brügge, Ostende, Dover, London, Lüttich, Antwerpen, Harwich, Reading, Scarborough<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_29_254" id="identifier_29_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="unsicher">30</a></sup> Stuttgart, Mailand, Livorno und Siena (jeweils Toskana), Marseille, München, Wien, Straßburg, Metz, Rotterdam, Harderwijk, Utrecht, Den Helder, Southhampton, Gibraltar, Neapel, Suez, Padang (auf Sumatra), Batavia (heute Jakarta), Semarang und Salatiga (beide auf Java), Kapstadt, Sankt Helena (im Südatlantik), die Azoren, Queenstown (heute Cobh an der Südküste Irlands), Liverpool, Le Havre, Köln, Bremen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_30_254" id="identifier_30_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="dort wollte Rimbaud in die US-amerikanische Marine eintreten, was jedoch nicht gelang. Sonst w&auml;re er wom&ouml;glich noch weiter in der Welt herumgekommen als ohnehin schon und so z.B. auch auf den amerikanischen Kontinent gelangt.">31</a></sup>, Rom, Stockholm, Kopenhagen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_31_254" id="identifier_31_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="unsicher">32</a></sup>, Norwegen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_32_254" id="identifier_32_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Taucht nur in manchen Werken als Station auf.">33</a></sup>, Hamburg, Dijon, Genua, Alexandria, Larnaka (Zypern), Hodeida, Aden, Harar, Kairo. Manche dieser Orte passierte er freilich nur auf der Durchreise bzw. legte dort nur auf Schiffspassagen an. Doch trotzdem ist seine Reisetätigkeit beachtlich, auch für die heutige Zeit. Hinzu kommt, dass er viele und vor allem lange Strecken auch zu Fuß zurücklegte. So z.B. mehrmals die etwa 230 Kilometer von Paris nach Charleville bzw. umgekehrt. Aber Rimbaud überquerte 1875 auch den Sankt-Gotthard-Pass zu Fuß von Altdorf im Kanton Uri bis nach Mailand, wo er nach etwa 220 Kilometern völlig erschöpft ankam. Von dort wanderte er an der ligurischen Küste entlang etwa 260 Kilometer bis nach Livorno.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/dargnieres-nouvelles-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1611" title="Dargnières nouvelles (Paul Verlaine, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/dargnieres-nouvelles-mini.jpg" alt="" width="314" height="247" /></a>Nachdem Rimbaud, vielleicht vom Alkohol umnebelt, in Wien in einem Fiaker eingeschlafen war und vom Kutscher ausgeplündert worden war, wurde er wegen seiner daraus folgenden Mittellosigkeit aufgegriffen und aus Österreich ausgewiesen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_33_254" id="identifier_33_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.152.">34</a></sup> Da er mittellos war, legte er den Heimweg über München, Straßburg und Metz zu Fuß zurück.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_34_254" id="identifier_34_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.202.">35</a></sup> Die Strecke von Passau nach Charleville beträgt immerhin etwa 800 Kilometer. Im Oktober 1878 reiste Rimbaud zu Fuß über die Vogesen durch die Schweiz bis nach Lugano, von wo er dann den Zug nach Genua nahm, um sich dort nach Alexandria einzuschiffen, von wo aus er nach Zypern fuhr, um dort eine geraume Zeit als Aufseher in einem Steinbruch zu arbeiten. Doch er unternahm auch viele Wanderungen ohne konkretes Ziel, außer dem, in der Natur und in Bewegung zu sein und womöglich auch, um sich von sich und seinen Problemen abzulenken. Solche Wanderungen machte er in den Ardennen, in England und überall dort, wo er sich für einen längeren Zeitraum niederließ.  Dass Rimbaud die letzten elf Jahre seines Lebens<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_35_254" id="identifier_35_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1880-91">36</a></sup> dann &#8211; mit wenigen Ausnahmen &#8211; „nur&#8221; in Abessinien zubrachte, lag nicht an einer geminderten Reiselust seinerseits, sondern vielmehr an seinen fehlenden finanziellen Möglichkeiten, wie er selbst in einem Brief aus Aden an die Seinen vom 15. Januar 1885 erklärt:  &#8220;En tous cas, ne comptez pas que mon humeur deviendrait moins vagabonde, au contraire, si j&#8217;avais le moyen de voyager sans être forcé de séjourner pour travailler et gagner l&#8217;existence, on ne me verrait pas deux mois à la même place. Le monde est très grand et plein de contrées magnifiques que l&#8217;existence de mille hommes ne suffirait pas à visiter. Mais d&#8217;un autre côté, je ne voudrais pas vagabonder dans la misère, je voudrais avoir quelques milliers de francs de rentes et pouvoir passer l&#8217;année dans deux ou trois contrées différentes, en vivant modestement et en faisant quelques petits trafic pour payer mes frais. Mais pour vivre toujours au même lieu, je trouverai toujours cela très malheureux. Enfin, le plus probable, c&#8217;est qu&#8217;on va plutôt où l&#8217;on ne veut pas, et que l&#8217;on fait plutôt ce qu&#8217;on ne voudrait pas faire, et qu&#8217;on vit et dédède tout autrement qu&#8217;on ne le voudrait jamais, sans espoir d&#8217;aucune espèce de compensation.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_36_254" id="identifier_36_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.308f.">37</a></sup>  „Denkt auf keinen Fall, ich hätte allmählich weniger Lust dazu, durch die Welt zu streifen. Im Gegenteil, wenn ich die Mittel zum Reisen hätte, ohne wegen Arbeit und Lebensunterhalt an einem bestimmten Ort leben zu müssen, würde man mich keine zwei Monate am selben Platz finden. Die Welt ist sehr groß und voll herrlicher Länder, das Dasein von tausend Menschen würde nicht genügen, um sie alle zu besuchen. Aber andererseits möchte ich nicht im Elend herumvagabundieren. Ich möchte ein paar tausend Franken Rente haben und das Jahr in zwei oder drei verschiedenen Ländern verbringen können, bei einem bescheidenen Leben und mit ein paar kleinen Geschäften, die ich machen würde, um meine Kosten zu decken. Aber ständig am selben Ort zu leben werde ich immer sehr jämmerlich finden. Zuletzt ist es am wahrscheinlichsten, daß man eher hinkommt, wo man nicht hinwill, und eher tut, was man nicht möchte, und daß man ganz anders lebt und stirbt, als man jemals wollte, ohne Hoffnung auf irgendeine Art von Ausgleich.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_37_254" id="identifier_37_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.90">38</a></sup>  In der Forschung wurde das zwanghafte Wandern Rimbauds auch pathologisiert, indem man bei ihm &#8220;Dromomanie&#8221; (bzw. &#8220;Poriomanie&#8221;) vermutete.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_38_254" id="identifier_38_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe: Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXIV">39</a></sup> Hierbei handelt es sich um einen Wanderdrang, der sich in impulsivem, unvermittelt auftretendem Weglaufen oder auch Umherirren manifestiert, z.B. bei endogener Depression, Epilepsie oder als Konfliktreaktion.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_39_254" id="identifier_39_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Pschyrembel &amp;#8211; Medizinisches W&ouml;rterbuch. 257. Auflage. Hamburg, 1994, S.1228.">40</a></sup> Da Rimbaud vor Exzessen bewusst nicht zurückgescheut sei<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_40_254" id="identifier_40_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.149.">41</a></sup>, blieben Folgen nicht aus. So brach er vor Erschöpfung auf dem Vorplatz des Mailänder Doms ohnmächtig zusammen, nachdem er in einem Gewaltmarsch die Alpen überquert hatte. Später erlitt er auf dem Weg nach Siena einen so schweren Sonnenstich, dass er in Livorno in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich musste er sich in Marseille weiter behandeln lassen. Im Jahr 1877 schiffte Rimbaud sich in Marseille ein, um den Orient zu bereisen. Doch er musste bereits im italienischen Civitavecchia wieder wegen quälender Bauchschmerzen von Bord gebracht werden. Der behandelnde Arzt habe eine innere Entzündung des Unterleibs als Folge der exzessiven Wanderungen diagnostiziert.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_41_254" id="identifier_41_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.181.">42</a></sup> Im Übrigen war Rimbaud in Abessinien ja keineswegs sesshaft. Da er regelmäßig Karawanen begleitete, wäre der Begriff „Halbnomade&#8221; wohl nicht unzutreffend. Auf diesen oft mehrwöchigen Karawanenreisen kam Rimbaud auch im Land herum und war zudem in Bewegung. Ugo Ferrandi, der Rimbaud 1886 in Tadjoura (im heutigen Dschibuti) am Golf von Aden begegnete, schrieb über diesen: „Obwohl er für die Tagemärsche ein Maultier hatte, bestieg er es nie; mit seinem zweischüssigen Gewehr begleitete er die Karawane immer zu Fuß.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_42_254" id="identifier_42_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.176.">43</a></sup> Ein anonymer französischer Staatsbeamter, der von 1906 bis 1925 an der französischen Somaliküste Dienst tat, brachte bei Rimbauds Wirtsleuten in Obock (im heutigen Dschibuti) Ähnliches in Erfahrung: „Obwohl beritten, machte er dreiviertel des Weges zu Fuß. Er war übrigens ein unermüdlicher Fußgänger, der Hunger und Durst aushalten konnte, wenn es nötig war.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_43_254" id="identifier_43_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.178.">44</a></sup>  Wahrscheinlich hat Rimbaud die „Euphorie der Flucht&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_44_254" id="identifier_44_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.146.">45</a></sup> genossen und gebraucht &#8211; der Flucht, die ihm Bilder unbekannter Landschaften vermittelte sowie fremde Sprachen vernehmen ließ. Die ständige Bewegung lenkte ihn ab, von sich selbst und den ungelösten oder auch unlösbaren Konflikten, die er in sich trug. „Diese lange, heilsame Wanderung wird zu einer Droge, die wie ein starkes Medikament zu Gewöhnung und Abhängigkeit führt.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_45_254" id="identifier_45_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.146.">46</a></sup> Er hat viel versucht, um sein Glück, seine Erfüllung, seine Bestimmung zu finden. Doch nie hat er aufgegeben und sich in ein konventionelles Leben gefügt. Zuerst war die Poesie, dann Absinth (den Rimbaud „Absomphe&#8221; nennt), Haschisch, die (Homo-)Erotik, das Reisen (im Unterschied zum getriebenen Wandern), dann Fremdspracherwerb und als das alles nicht zum Ziel führte, folgte das Wandern. Charakteristisch für Rimbaud ist der konsequente Bruch mit dem, was war und die darauf folgende Flucht nach vorn (fuite vers l&#8217;avant).<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_46_254" id="identifier_46_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.XVII.">47</a></sup> So ist auch sein Werk nichts als eine Folge von Befreiungen, Brüchen und Aufbrüchen ins Unbekannte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_47_254" id="identifier_47_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. ebd.">48</a></sup>. Rimbaud war der Überzeugung, dass die Freiheit eine Schöpferin sei (la liberté est créatrice)<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_48_254" id="identifier_48_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. ebd.">49</a></sup>, also tat er alles, um frei zu sein, jegliches bürgerliche Korsett zu sprengen, in dem nichts Höheres erlangt werden könne. In diesem Sinn schrieb Rimbaud im Juni 1872 auch an seinen Freund Ernest Delahay:  &#8220;Le sérieux, c&#8217;est qu&#8217;il faut que tu te tourmentes beaucoup, peut-être que tu aurais raison de beaucoup marcher et lire. Raison en tout cas de ne pas te confiner dans les bureaux et les maisons de famille. Les abrutissements doivent s&#8217;exécuter loin de ces lieux-là. Je suis loin de vendre du baume, mais je crois que les habitudes n&#8217;offrent pas des consolations, aux pitoyables jours.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_49_254" id="identifier_49_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.246.">50</a></sup>  „Das Wesentliche ist, daß Du Dich sehr quälen mußt. Vielleicht hast Du recht, viel zu laufen und zu lesen. Recht auf jeden Fall, Dich nicht aufs bürgerliche Milieu der Familie zu beschränken. Das Hart- und Unmenschlichwerden muß sich fern von diesen Orten vollziehen. Ich bin weit entfernt davon, billigen Trost an den Mann bringen zu wollen, aber ich glaube, daß das gewohnte Leben an den schlimmen Tagen keine Stärkungen bietet.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_50_254" id="identifier_50_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.42.">51</a></sup>  Eine z.T. etwas wörtlichere Übersetzung lautet:  „Eine ernste Sache, daß Du Dich so quälen mußt. Wahrscheinlich hast Du recht, viel zu wandern und zu lesen. Doch ganz bestimmt, Dich nicht in Büros oder Bürgerfamilien einsperren zu lassen: Wenn man schon Vieh werden soll, dann auf jeden Fall woanders. Ich bin weit davon entfernt, Balsam feilzubieten, der Wunder tun kann, aber ich glaube, daß nächtliche Gewohnheiten kein Trost für jammervolle Tage sind.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_51_254" id="identifier_51_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.404.">52</a></sup>  In den Brüchen und Aufbrüchen sieht Rimbaud für sich wohl auch etwas Programmatisches, sodass diese nicht allein als eine Folge des Getriebenseins zu verstehen sind, sondern womöglich auch als Teil eines ganz bewussten und gezielten Plans, mit dessen Hilfe er der Wahrheit näher kommen wollte. Diesen Anschein erweckt er zumindest in den &#8220;Illuminations&#8221; in dem Vers &#8220;Départ&#8221; / „Aufbruch&#8221; und insbesondere durch dessen abschließenden Imperativ:  &#8220;Assez vu. La vision s&#8217;est rencontrée à tous les airs. / Assez eu. Rumeur des villes, le soir, et au soleil, et toujours. / Assez connu. Les arrêts de la vie. &#8211; Ô Rumeurs et Visions ! / Départ dans l&#8217;affection et le bruit neufs !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_52_254" id="identifier_52_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.166.">53</a></sup>  „Genug gesehen. Gesichte trägt ein jeder Wind. /Genug besessen. Das Raunen der Städte am Abend, am hellen Tag, und immerzu. / Genug erkannt. Die Fermate des Lebens! &#8211; O Raunen und Gesicht! / Aufbruch zu neuem Aufruhr und Liebe!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_53_254" id="identifier_53_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992., S. 251.">54</a></sup>  Ebenfalls in den &#8220;Illuminations&#8221; findet sich bezeichnenderweise in dem Vers &#8220;Vagabonds&#8221; / „Vagabunden&#8221; folgendes in Bezug auf das Motiv des endlosen Wanderns:  &#8220;J&#8217;avais en effet, en toute sincérité d&#8217;esprit, pris l&#8217;engagement de le rendre à son état primitif de fils du soleil, &#8211; et nous errions, nourris du vin des cavernes et du biscuit de la route, moi pressé de trouver le lieu et la formule.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_54_254" id="identifier_54_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.171.">55</a></sup>  „Und ich glaubte, man könne ihm seine Kindheit zurückgeben, als eines Sohnes der Sonne &#8211; doch wir irrten umher, und nährten uns vom Wein der Höhlen, vom Zwieback der Straßen, und ich, immer getrieben, den Ort zu finden und die Formel.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_55_254" id="identifier_55_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.265f.">56</a></sup>  „Den Ort zu finden und die Formel&#8221; &#8211; das bringt wohl Rimbauds Leben und Streben, wie auch sein Scheitern auf den Punkt. Unter dem „vin des cavernes&#8221; bzw. dem „Wein der Höhlen&#8221; ist „Quellwasser&#8221; zu verstehen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_56_254" id="identifier_56_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.509.">57</a></sup> Unter &#8220;biscuit de la route&#8221; bzw. &#8220;Zwieback der Straßen&#8221; könnte demzufolge das verstanden werden, was die Natur unterwegs an Nahrung zu bieten hat oder dem, was man umsonst bekommt.  Etwas paradox mutet an, dass die große Anzahl an Brüchen in Rimbauds Leben ihm zugleich eine gewisse Kontinuität verleiht. Verlaine verarbeitete das Wesen seines früheren Geliebten und Weggefährten Rimbaud in seiner Dichtung. So ist beispielsweise in seiner &#8220;Sagesse&#8221; („Weisheit&#8221;) aus dem Jahr 1880 folgendes unter IV. zu lesen:  &#8220;La malédiction de n&#8217;être jamais las / Suit tes pas sur le monde où l&#8217;horizon t&#8217;attire, / L&#8217;enfant prodigue avec des gestes de satyre !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_57_254" id="identifier_57_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.190.">58</a></sup>  „Verfluchter! Ein niemals Ermüdeter, dich reißt es / mit jedem Ruck durch die Welt, einem Ziellosen zu. / Du Wunderkind mit Satyrtun: und stets ohne Ruh!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_58_254" id="identifier_58_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten &Uuml;bertragungen. Leipzig, 1922, S.123. [&uuml;bertragen von Theodor D&auml;ubler]">59</a></sup>  Dieses Gedicht sei an Rimbaud gerichtet, und Verlaine habe es ihm möglicherweise sogar zugeschickt.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_59_254" id="identifier_59_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.600.">60</a></sup> Liest man weiter, stellt man fest, dass Verlaine hart mit Rimbaud ins Gericht geht:  &#8220;Tu flânes à travers péril et ridicule, / [...] La patrie oubliée est dure au fils affreux, / Et le monde alentour dresse ses buisson creux / Où ton désir mauvais s&#8217;épuise en flèches mortes. / Maintenant il te faut passer devant les portes, / Hâtant le pas de peur qu&#8217;on ne lâche le chien, / Et si tu n&#8217;entends pas rire, c&#8217;est encor [sic!] bien. / Malheureux, toi Français, toi Chrétien, quel dommage ! / Mais tu vas, la pensée obscure de l&#8217;image / D&#8217;un bonheur qu&#8217;il te faut immédiat, étant / Athée (avec la foule !) et jaloux de l&#8217;instant, / Tout appétit parmi ces appétits féroces, / Épris de la fadaise actuelle, mots, noces / Et festins, la « Science », et «l&#8217;esprit de Paris », / Tu vas magnifiant ce par quoi tu péris, / Imbécile ! et niant le soleil qui t&#8217;aveugle ! / Tout ce que les temps ont de bête paît et beugle / Dans ta cervelle, ainsi qu&#8217;un troupeau dans un pré, / Et les vices de tout le monde ont émigré / Pour ton sang dont le fer lâchement s&#8217;étiole. / Tu n&#8217;es plus bon à rien de propre, ta parole / Est morte de l&#8217;argot et du ricanement, / Et d&#8217;avoir rabâché les bourdes du moment. / Ta mémoire, de tant d&#8217;obscénités bondée, / Ne saurait accueillir la plus petite idée, / Et patauge parmi l&#8217;égoïsme ambiant, / En quête d&#8217;on ne peut dire quel vil néant ! / Seul, entre les débris honnis de ton désastre, / L&#8217;Orgueil, qui met la flamme au front du poétastre / Et fait au criminel un prestige odieux, / Seul, l&#8217;Orgueil est vivant, il danse dans tes yeux, / Il regarde la Faute et rit de s&#8217;y complaire. / &#8211; Dieu des humbles, sauvez cet enfant de colère !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_60_254" id="identifier_60_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.191.">61</a></sup>  „Verantwortungsloser, du schlenderst zu kühn durch Gefahren. / [...] Ein Vaterland, das man vergaß, ist bösen Söhnen hart. / Die andre Welt erscheint von hohlem Strauchwerke umstarrt, / <span style="text-decoration: underline;">wo nun dein arges Wünschen nutzlos seinen Pfeil verschießt;</span> / und du mußt jetzt vor Türen treten, die man kühl verschließt, / die Schritte beflügeln, aus Furcht, daß man Hunde auf dich hetzt, / und schon ist es gut, wenn kein Gelächter dich verletzt. / Unseliger! Du Christ, du Franzose, wie schade! / Du schreitest hin, im Sinn eine dunkle Ballade, / voll plötzlichem Glück! das du, Ungläubiger, haben mußt: / so wie die Menge! <span style="text-decoration: underline;">denn du bist happig nach kurzer Lust,</span> / von der Begierde gereizt, zwischen reißenden Begierden: / <span style="text-decoration: underline;">verschwärmst dich in Lauheiten, Tand und Zierden</span>; / für Wissenschaft, Vergnügungen und den Geist von Paris; / du übersteigerst und lobst das, wofür man dich verließ. / Du Tropf! Verleugner der Sonne, die in Blindheit dich hüllt, / was jemals an Torheit geweidet hat oder gebrüllt, / geriet in dein Hirn wie die Herde, zerstreut übers Gras. / Und alle Laster der Welt gelangten in das Gelaß / des Blutes, in dem nun dein Eisen, aus Feigheit, verrostet. / Du taugst nichts! Dein Wort ist vom Tode durchfrostet. / Die Sprache der Gosse verriet es: der Spott, der dich freut, / denn du hast die Flausen des Tages wiedergekäut. / So ist dein Gedächtnis voll Unzucht und Zoten: / der kleinsten Idee wird der Eingang verboten. / Es schlammt durch der Ichsucht entsetzliches Kreisen / und sucht nur das Nichts vor sich selbst zu beweisen. / Es bleibt, unter schimpflichen Resten des Sturzes, / des Dichterlings Stirn bloß der Stolz für ein kurzes / und häßliches Ansehn: du gleichst dem Verbrecher. / Auch ihm schwirrt der Hochmut im Auge: stets frecher / belacht er den Fehltritt; begafft seine Wut. / &#8211; Errette, o Herr, dieses zürnende Blut.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_61_254" id="identifier_61_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten &Uuml;bertragungen. Leipzig, 1922, S.123ff. [&uuml;bertragen von Theodor D&auml;ubler]">62</a></sup> &#8211; (Die Hervorhebungen stammen vom Autor dieses Beitrages.)  Deutlich wird in diesen Zeilen Verlaines verstärkte Zuwendung zum christlichen Glauben, nach einer Abwendung während seiner Bekanntschaft mit Rimbaud. Aber auch vom nicht-religiösen Standpunkt aus hatte Verlaine genug vor Kritik triefender Pfeile für Rimbaud im Köcher. Verlaine hielt die Wanderungen Rimbauds für sinnlos und glaubte, dass er auf diese Weise die Kräfte seines Geistes zerstörte, sodass er keiner geistigen Anstrengung mehr fähig war.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_62_254" id="identifier_62_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.236.">63</a></sup>  Retrospektiv musste sich Verlaine in seinem Werk &#8220;Les poètes maudits&#8221; („Die verfemten Dichter&#8221;) aus dem Jahr 1884 aber Folgendes eingestehen:  &#8220;L&#8217;homme en Rimbaud est libre, cela est trop clair [...] Mais n&#8217;avons-nous pas eu raison, nous, fou du poète, de le prendre, cet aigle, et de le tenir dans cette cage-ci, sous cette étiquette-ci [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_63_254" id="identifier_63_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&OElig;uvres compl&egrave;tes de Paul Verlaine. (Tome quatri&egrave;me) &amp;#8211; Les po&egrave;tes maudits &amp;#8211; Louise Leclerq &amp;#8211; Les m&eacute;moires d&amp;#8217;un veuf &amp;#8211; Mes hopiteaux &amp;#8211; Mes prison. Paris, 1926, S.34.">64</a></sup>  „Der Mensch in Rimbaud ist frei, das ist vollkommen klar [...] wir törichte Dichter hatten nicht das Recht, diesen Adler zu nehmen und ihn in diesem Käfig zu halten, ihm diese Etikette aufzuzwingen [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_64_254" id="identifier_64_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">65</a></sup>  Zahlreiche Briefe zeugen davon, dass Verlaine immer wieder versuchte, Erkundigungen über Rimbaud sowie dessen Verbleib einzuholen, nach- und trotzdem dieser ihn am Neckar niedergeschlagen hatte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_65_254" id="identifier_65_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.240.">66</a></sup> und fortan verschollen schien. In diesen Briefen werden fast ausschließlich Spitznamen für Rimbaud verwendet, die einiges darüber aussagen, was man in Verlaines Kreisen von ihm hielt.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-nouveau-juif-errant-1876-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1614" title="Le nouveau juif-errant (Delahaye à Verlaine, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-nouveau-juif-errant-1876-mini.jpg" alt="" width="314" height="202" /></a>So schickte Ernest Delahaye am 25. April 1876 seinem Freund Verlaine eine Karikatur von Rimbaud, auf der er diesen als &#8220;Le nouveau juif-errant&#8221; &#8211; &#8220;Den neuen Ewigen Juden&#8221; also den zu ewiger Wanderschaft verdammten Ahasver<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_66_254" id="identifier_66_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Laut christlicher Legende ein Jude, der Jesus angeblich auf dessen Kreuzweg eine Rast vor seiner Haust&uuml;r verweigert habe, woraufhin Jesus zu ihm gesagt haben soll: &bdquo;Ich will allhier stehen und ruhen, du aber sollst gehen bis an den j&uuml;ngsten Tag.&amp;#8221; In generalisierender Form wurde diese Legende dann auch von Antisemiten f&uuml;r ihre Zwecke instrumentalisiert. In Bezug auf Rimbaud meint Delahaye nat&uuml;rlich &bdquo;den zu ewiger Wanderschaft Verdammten&amp;#8221;, ohne religi&ouml;se Konnotation.">67</a></sup> bezeichnete<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_67_254" id="identifier_67_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.507.">68</a></sup>. Zu sehen ist darauf Rimbaud mit eingerissenem und zerknittertem Zylinder, seiner typischen Hammerpfeife und knorrigem Wanderstock. Außerdem sieht man seinen Reisepass aus der Fracktasche heraushängen, der jedoch nicht etwa mit „passeport&#8221;, sondern mit „passe porc&#8221; beschriftet ist. Demnach passierte Rimbaud auf seinen Reisen keine Grenzbeamten, sondern Schweine. Denkt man an Rimbauds Widerwillen gegen Regeln und Gesetze, wäre es wohl durchaus treffend, zu behaupten, er glaube, dass er an Schweinen vorübergehe, wenn er Grenzbeamte passiert. Für diese Bedeutung spricht, dass er gerade an zwei ihm zum Abschied winkenden, wohl österreichischen Soldaten vorbeigeht, von denen jeder eine Porzellanpfeife raucht, und kurz darauf an zwei ihm zur Begrüßung zuwinkenden preußischen Soldaten, wobei der eine von beiden wohl den deutschen Michel darstellt, angetan mit einer Schlafmütze, die so lang ist, wie ihr Träger groß. Der andere trägt die preußische Pickelhaube. Rimbauds Beine sind etwa doppelt so lang wie sein Oberkörper, weshalb er Siebenmeilenschritte zu machen scheint. Gezeigt wird er auf dem Heimweg von Wien. Im Hintergrund ist das Straßburger Münster angedeutet und am linken Bildrand die Silhouette von Charleville.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/rimbaud-chez-les-cafres-1876-klein.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-200818" title="Rimbaud chez les Cafres (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/rimbaud-chez-les-cafres-1876-mini.jpg" alt="" width="160" height="243" /></a>In einem späteren Brief Delahayes an Verlaine aus dem Jahr 1876 findet sich eine weitere Karikatur Rimbauds<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_68_254" id="identifier_68_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.521.">69</a></sup>. Hier ist sein nackter Oberkörper dargestellt, der vollständig tätowiert zu sein scheint, unter anderem mit Darstellungen gekreuzter Tabakpfeifen sowie mit einer Absinthflasche und einem Absinthglas. Durch die Nase geht ein Pfeil, eine Pfeife hängt ihm im rechten Mundwinkel. Darüber hinaus ist er mit zwei Armreifen und einem Ohrring geschmückt. Überbleibsel der Zivilisation sind die um den Hals gewundene Krawatte mit darauf sitzendem Vatermörder sowie ein schief auf seinem Kopf sitzender Hut. Auf der rechten Bildhälfte ist ein Afrikaner dargestellt, der neben einem Ohrring auch einen großen Nasenring trägt. Mittels einer Sprechblase lässt Verlaine Rimbaud sagen: &#8220;Ces Cafres, encore de fameux bassin !&#8230;&#8221; &#8211; „Diese Kaffer<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_69_254" id="identifier_69_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Etymologie dieses Begriffs ist unsicher. Es spricht einiges daf&uuml;r, dass sich das franz&ouml;sische &amp;#8220;cafre&amp;#8221; aus dem Afrikaans ableitet, wo der Begriff &bdquo;Kaffer&amp;#8221; eine &auml;hnlich pejorative Bedeutung hat, wie in den USA und Europa das Wort &bdquo;Nigger&amp;#8221;. Dieses Schimpfwort bezieht sich auf die Bewohner der im Franz&ouml;sischen als &bdquo;Cafrerie&amp;#8221; bezeichneten Region im S&uuml;den des afrikanischen Kontinents. &amp;#8211; F&uuml;r m&ouml;glich wird aber auch gehalten, dass &bdquo;Kaffer&amp;#8221; sich von dem hebr&auml;ischen Begriff כפר [ḫefar] = Dorf ableitet. Eine andere Deutung leitet das Wort von dem arabischen Wort Kafir كافر [Kafir], was &bdquo;Ungl&auml;ubiger&amp;#8221; bedeutet. Da die Araber in Afrika Sklavenhandel betrieben und die schwarzafrikanischen Sklaven meist keine Muslime waren &amp;#8211; anders als die Nordafrikaner &amp;#8211; kann der Begriff &bdquo;Kafir&amp;#8221; im afrikanischen Kontext auch als Synonym f&uuml;r Schwarzafrikaner verstanden werden.">70</a></sup>, [haben] noch immer die berühmten Becken!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_70_254" id="identifier_70_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">71</a></sup>. Es ist anzunehmen, dass der Begriff „Becken&#8221; hier anatomisch zu verstehen ist und Verlaine womöglich durch den Mund Rimbauds das Klischee von den breiten Hüften der Schwarzafrikanerinnen bedient, für die sich Rimbaud in den Augen Verlaines neben Absinth und dem Rauchen aller möglichen Dinge auch noch interessiert haben mochte.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/un-missionnaire-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-200823" title="Un missionnaire qui vient de Charleville (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/un-missionnaire-mini.jpg" alt="" width="314" height="205" /></a>Eine weitere von Delahaye stammende Karikatur<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_71_254" id="identifier_71_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.522.">72</a></sup>, die in demselben Brief enthalten war wie die vorherige, zeigt Rimbaud beim Tanz mit sechs Afrikanern &#8211; zwei Frauen und vier Männern &#8211; allesamt Hand in Hand in einer Reihe. Drei der Afrikaner haben Pfeile in der Nase, während die drei anderen Nasenringe tragen. Allen voran tanzt Rimbaud mit einem Hut auf dem Kopf, in dem ein Pfeil steckt sowie mit einem Nasenring und mit seiner Rechten eine Flasche Absinth emporhebend. An der Hüftschnur seines Lendenschurzes hängt ein „DICTIONN. HOTTENTOT&#8221;, also ein Wörterbuch für „Hottentottisch&#8221;. Im Hintergrund sind Palmen und Kakteen (!) zu sehen. Der Titel der Karikatur lautet: &#8220;Un missionaire qui vient de Charleville&#8221; &#8211; „Ein aus Charleville stammender Missionar&#8221;. Offensichtlich macht sich Delahaye hier über Rimbaud lustig, indem er ihn als einen lächerlichen Missionar darstellt.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/le-roi-negre-1876-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-200826" title="Le roi nègre (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/le-roi-negre-1876-mini.jpg" alt="" width="314" height="246" /></a>Und es gibt noch eine weitere Karikatur Rimbauds aus der Feder Delahayes<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_72_254" id="identifier_72_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.">73</a></sup>. Diese trägt den Titel &#8220;Le roi nègre [sic!]&#8221; &#8211; „König der Neger [sic!]&#8220;. Zu sehen ist ein halbnackter, Pfeife rauchender Rimbaud mit einer Krone auf dem Haupt sowie mit angezogenen Knien auf einem Stuhl sitzend. Flankiert wird er von zwei mit Hellebarden (!) bewaffneten Afrikanern, die zu seiner Bewachung postiert zu sein scheinen, während zwei andere Afrikaner Rimbaud auf dem Bauch liegend huldigen. Alle vier haben die Gesichtszüge von Übergeschnappten, während Rimbaud einen bockigen und launischen Gesichtsausdruck hat. Die Eingangsnotiz des Briefes lautet: &#8220;Toujours pas de nouvelles du Sénegalais [...]<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_73_254" id="identifier_73_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.">74</a></sup> &#8211; „Nach wie vor keine Neuigkeiten vom Senegalesen.&#8221;  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Rimbaud-en-canaque-1876-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1996427" title="Rimbaud en canaque (Paul Verlaine, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Rimbaud-en-canaque-1876-mini.jpg" alt="" width="314" height="180" /></a> Verlaine stand Delahaye im Zeichnen von Rimbaud-Karikaturen keineswegs nach. Eine solche Zeichnung aus dem Jahr 1876 zeigt einen ganzkörpertätowierten Mann, auf dessen geschorenem Schädel nur noch ein kleines Haarbüschel senkrecht nach oben steht. Er hat eine Pfeife im Mundwinkel, in der Rechten ein Absinthglas und in der Linken einen Absinthlöffel<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_74_254" id="identifier_74_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.524.">75</a></sup>. Das Bild wird von folgendem Zehnzeiler umflossen: &#8220;O la la, j&#8217;ai rien fait du ch&#8217;min d&#8217;puis mon dergnier / Coppée! Il est vrai qu&#8217; j&#8217;en suis chauv&#8217; comme un pagnier / Percé, que j&#8217;sens quent&#8217; chos&#8217; dans l&#8217;gôsier qui m&#8217;ratisse, / Qu&#8217; j&#8217;ai dans l&#8217; dos comm&#8217; des avant gouts d&#8217;un rhumatisse / Et que j&#8217;emmerd&#8217; plus seuq&#8217; jamais. Mais <span style="text-decoration: underline;">c&#8217;est-n-égal</span> / J&#8217;aurai prom&#8217;né ma gueule infecte au Sénégal / Et vu Sainte Hélèn&#8217; (merde à Badingue !) un&#8217; rud&#8217; noce, / Quoi ! Mais tout çà c&#8217;est pas sérieux. J&#8217;rêve eud&#8217; négoce, / Maint&#8217;nant, et plein d&#8217;astuss&#8217;, j&#8217;baluchonn&#8217; des vieill&#8217;s plaqu&#8217;s / D&#8217;assuranc&#8217;, pour revend&#8217; cont&#8217; du rhum aux Kanaks !&#8221;  „Oje, ich bin kein Stück vorangekommen seit meinem letzten / Copée<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_75_254" id="identifier_75_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Fran&ccedil;ois &Eacute;douard Joachim Copp&eacute;e, franz&ouml;sischer Dichter, *1843 &dagger;1908">76</a></sup>! Es ist wahr, dass ich davon kahl bin wie ein löchriger Korb / dass ich etwas in der Kehle spüre, das mich kratzt, / dass ich in meinem Rücken einen Vorgeschmack von Rheuma habe / und dass ich zu Tode gelangweilt bin mehr denn je. Aber <span style="text-decoration: underline;">c&#8217;est-n-égal</span><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_76_254" id="identifier_76_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigentlich &ccedil;a m&amp;#8217;est &eacute;gal &amp;#8211; aber wohl um des Wortspiels willen verwendet Verlaine diese Schreibweise">77</a></sup> <span style="text-decoration: underline;">= SENEGAL = das ist mir egal</span> / Ich werde mein widerliches Maul in den Senegal spazieren führen / ich habe Sankt Helena gesehen (scheiß auf Badingue<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_77_254" id="identifier_77_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beiname Napol&eacute;ons III. &amp;#8211; 1852-70 Kaiser der Franzosen">78</a></sup> ) eine Mordshochzeit, / Wie! Aber all&#8217; das ist nicht ernst. Ich träume vom Handel / Jetzt, und voller Tricks klau&#8217; ich alte Versicherungsschilder, / um sie gegen Rum an die Kanaken [sic!] weiterzuverkaufen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_78_254" id="identifier_78_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene, sinngem&auml;&szlig;e &Uuml;bersetzung">79</a></sup>  Der Text mutet recht wirr an. Verlaine will damit wohl einen Rimbaud imitieren, der unter starkem Einfluss von Absinth Gedankenfetzen von sich gibt. Zugleich aber schimmert die Meinung durch, die er mittlerweile von Rimbaud hat und die nicht die beste ist. Seiner Ansicht nach zerstört sich Rimbaud auf seiner Sinnsuche selbst, ohne etwas zu erreichen, außer Krankheit und Entwürdigung. Anstatt also das Höhere, Erhabene zu schauen, wie beabsichtigt, tauscht er als Krüppel irgendwelchen auf dubiosen Wegen erworbenen Kram mit als primitiv angesehenen Eingeborenen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_79_254" id="identifier_79_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="so sieht es Verlaine wohl">80</a></sup> in Afrika.  Zunächst und überwiegend war es jedoch nicht sonderlich dubios, womit Rimbaud Handel trieb. So handelte er lange Zeit als Angestellter einer Faktorei in Aden mit Kaffee, der arabischen Karawanen aus dem Jemen in dicken Ballen abgekauft wurde, um dann von Hindufrauen sortiert und daraufhin nach Marseille exportiert zu werden.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_80_254" id="identifier_80_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992.">81</a></sup> Als er später in Harar in der Filiale der Adener Faktorei arbeitete, handelte er in deren Auftrag über den Kaffee hinaus auch mit Häuten und Gummi. Den sich vielleicht aufdrängenden Verdacht, er handele womöglich mit Sklaven, trat Rimbaud, bevor er geäußert wurde, vorsorglich in einem Brief an die Seinen vom 3. Dezember 1885 entgegen, nachdem ihm offenbar aufgegangen war, dass die vorherigen Schilderungen seiner gegenwärtigen Tätigkeit und der Siuation in Abessinien missverstanden werden konnten:  &#8220;Mes chers amis, Je suis ici en train de former ma caravane pour le Choa. Ça ne va pas vite, comme c&#8217;est l&#8217;habitude, mais, enfin, je compte me lever d&#8217;ici vers la fin de janvier 1886. Je vais bien. &#8211; Envoyez-moi le dictionnaire demandé, à l&#8217;adresse donnée. A cette même adresse, par la suite, toutes les communications pour moi. De là on me fera suivre. Ce Tadjoura-ci est annexé depuis un an à la colonie française d&#8217;Obock. C&#8217;est un petit village Dankali avec quelques mosquées et quelques palmiers. Il y a un fort, construit jadis par les Égyptiens, et où dorment à présent six soldats français sous les ordres d&#8217;un sergent, commandant le poste. On a laissé au pays son petit sultan et son administration indigène. C&#8217;est un protectorat. Le commerce du lieu est le trafic des esclaves. D&#8217;ici partent les caravanes des Européens pour le Choa, très peu de chose ; et on ne passe qu&#8217;avec des grandes difficultés, les indigènes de toutes ces côtes étant devenus ennemies des Européens, depuis que l&#8217;amiral anglais Hewett a fait signer à l&#8217;empereur Jean du Tigré un traité abolissant la traite des esclaves, le seul commerce indigène un peu florissant. Cependant, sous le protectorat français, on ne cherche pas à gêner la traite, et cela vaut mieux. <span style="text-decoration: underline;">N&#8217;allez pas croire que je sois devenu marchand d&#8217;esclaves</span>.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_81_254" id="identifier_81_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.">82</a></sup>  „Meine lieben Freunde, Ich bin hier gerade dabei, meine Karawane nach Schoa aufzustellen. Das geht wie gewöhnlich nicht schnell, doch ich rechne damit, gegen Ende Januar 1886 aufbrechen zu können. Mir geht es gut. &#8211; Schickt bitte das Wörterbuch, um das ich bat, an die angegebene Adresse. Sendet bitte alles an die gleiche Adresse, wie sie unten angegeben ist. Von dort wird man mir alles nachsenden. Dieses Tadjoura ist seit einem Jahr der französischen Kolonie Obock angegliedert. Es ist ein kleines Ankali<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_82_254" id="identifier_82_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="arabische Bezeichnung f&uuml;r das nomadische Volk der Afar, dessen Verbreitung sich &uuml;ber den S&uuml;den Eritreas, den Osten &Auml;thiopiens und Dschibuti erstreckt">83</a></sup>-Dorf mit einigen Moscheen und Palmen. Es gibt eine Befestigungsanlage, die einst von den Ägyptern erbaut wurde und wo momentan sechs französische Soldaten in Quartier liegen unter dem Befehl eines Unteroffiziers und Kommandanten des Postens. Man hat den Sultan des Landes und seine indigene Regierung im Land belassen. Es ist ein Protektorat. Das örtliche Gewerbe ist der Sklavenhandel.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_83_254" id="identifier_83_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="bis hierher eigene &Uuml;bersetzung">84</a></sup> Von hier gehen Karawanen der Europäer nach Schoa ab, damit ist wenig los, und man kommt nur mit großen Schwierigkeiten durch, da die Eingeborenen an allen diesen Küsten den Europäern feind geworden sind, seit der englische Admiral Hewett den Kaiser Johannes von Tigre einen Vertrag unterzeichnen ließ, der den Menschenhandel abschafft, das einzige ein bißchen florierende Geschäft der Eingeborenen. Unter dem französischen Protektorat allerdings sucht man den Handel nicht zu behelligen, und das ist besser so. <span style="text-decoration: underline;">Glaubt nun nicht, daß ich Sklavenhändler geworden wäre.</span>&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_84_254" id="identifier_84_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.">85</a></sup>  Im Folgenden kommt Rimbaud dann auf einen dubioseren Handel zu sprechen, den er erst kurz zuvor eingefädelt hatte und von dem er sich einen schnellen und großen Profit versprach: &#8220;Les m[archand]ises que nous importons sont des fusils (vieux fusils à piston réformés depuis 40 ans), qui valent chez les marchands de vieilles armes, à Liège ou en France, 7 ou 8 francs la pièce. Au roi du Choa, Ménélik II, on les vend une quarantaine de francs. Mais il y a dessus des frais énormes, sans parler ds dangers de la route, aller et retour. Les gens de la route sont les Dankalis, pasteurs bédouins, musulmans fanatiques : ils sont à craindre. Il est vrai que nous marchons avec des armes à feu et les bédouins n&#8217;ont que les lances : mais toutes les caravanes sont attaquées.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_85_254" id="identifier_85_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.">86</a></sup> &#8211; „Was wir an Waren importieren, sind Gewehre (alte Perkussionsgewehre, seit 40 Jahren überholt), die bei Altwaffenhändlern in Lüttich oder in Frankreich 7 oder 8 Franken das Stück kosten. An den König von Schoa, Menelik II., verkaufen wir sie für vierzig Franken. Darauf liegen aber große Unkosten, zu schweigen von den Gefahren beim Hin- und Rückmarsch. Die Leute auf dem Wege sind die Dankali, Beduinen und Herdenbesitzer, fanatische Muselmanen, sie sind zu fürchten. Freilich sind wir mit Feuerwaffen ausgerüstet[,] und die Beduinen haben nur Lanzen, &#8211; aber sämtliche Karawanen werden angegriffen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_86_254" id="identifier_86_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.">87</a></sup> Dubios bzw. moralisch fragwürdig und verwerflich allerdings war an diesem Handel genau genommen höchstens, dass Rimbaud offenbar plante, besagten König Menelik zu übervorteilen, da er ihn wohl für primitiv und leichtgläubig genug hielt, ausgemusterte Gewehre der französischen und belgischen Armee zu kaufen, in der etwas überheblichen und seinerzeit unter Europäern natürlich völlig üblichen Annahme, dass diese noch gut genug für Auseinandersetzungen zwischen „primitiven Völkern&#8221; waren. Doch dies sollte sich als Trugschluss erweisen. Rimbaud investierte seine gesamten Ersparnisse aus mehreren Arbeitsjahren in dieses Unternehmen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_87_254" id="identifier_87_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.271.">88</a></sup>, so sicher schien ihm der Gewinn. Etwas problematisch war Rimbauds Waffenhandel zudem, weil die Briten solcherlei Aktivitäten südlich ihres De-facto-Protektorats Ägypten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_88_254" id="identifier_88_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Auml;gypten wurde 1882 von den Briten besetzt und 1914 formell zum Protektorat der englischen Krone erkl&auml;rt">89</a></sup> mit Argwohn betrachteten und verhindern wollten, dass ihnen irgendeine Macht von Süden her gefährlich werden könnte. Um den Briten dahingehend entgegenzukommen, erließ Frankreich ein Verbot, wonach es Karawanen mit Ziel Schoa untersagt wurde, Waffen zu transportieren.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_89_254" id="identifier_89_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.278.">90</a></sup>  Mit Menelik II. aber sah sich Rimbaud einem Mann gegenüber, der sicher nicht durch Einfalt oder Primitivität drei Jahre nach seiner Handelsbeziehung mit Rimbaud Kaiser von Äthiopien wurde<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_90_254" id="identifier_90_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1889-1913">91</a></sup> und das Land in die Moderne führte. Nicht zuletzt Menelik II. war es, der 1896 durch einen Sieg gegen die italienische Armee in der Schlacht von Adwa dafür sorgte, dass Äthiopien das einzige afrikanische Land war, das niemals Kolonie eines europäischen Staates war<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_91_254" id="identifier_91_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="abgesehen von Liberia, das allerdings zu Beginn eine Art US-amerikanische Kolonie war und Marokko, das aber doch franz&ouml;sisches Protektorat war, ebenso wie &Auml;gypten britisches Protektorat war.">92</a></sup>. Eritrea wurde 1890 italienische Kolonie, nicht aber Äthiopien. Allerdings hatten die Italiener selbst, neben Anderen, zu denen auch in einem viel kleineren Maßstab Händler wie Rimbaud gehörten, Menelik II. zu seinem Sieg befähigt, als sie ihm nämlich zu einem früheren Zeitpunkt tausende moderne Gewehre geliefert hatten, um ihn gegen die sudanesischen Mahdisten sowie gegen anglo-ägyptische Ansprüche auf Äthiopien zu wappnen, natürlich mit Blick auf einen eigenen möglichen Einfluss in Äthiopien. Nun ging es aber den Italienern so, wie es heutzutage den US-Amerikanern geht, wenn sie die einst im Kampf gegen die Sowjetunion befindlichen Taliban massiv förderten und stark machten, sie nun aber nicht mehr unter Kontrolle bekommen, da sie von Verbündeten zu Gegnern geworden sind. Die Italiener verloren sicher auch, weil sie nur etwa 15.000 Mann hatten, wogegen die Äthiopier 120.000 Mann aufboten (wovon etwa 20.000 allerdings nur mit Speeren bewaffnet waren). Doch ungeachtet dessen wusste Menelik II. offenbar seine Interessen geschickt zu verfolgen und ließ sich nicht für europäische Interessen instrumentalisieren.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Sur-le-70e-parallèle-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-1996439" title="Sur le 70e parallèle (Ernest Delahaye, 1877)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Sur-le-70e-parallèle-mini.jpg" alt="" width="314" height="202" /></a>Ein Brief aus dem Jahr 1877 von Ernest Delahaye an Ernest Millot enthält ebenfalls eine Karikatur Rimbauds<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_92_254" id="identifier_92_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.576.">93</a></sup>. Der dort abgebildete Mann hat eine Hammerpfeife im Mund einen Wanderstock in der Rechten und trägt einen mit Fell gefütterten Mantel, dessen Kragen nach oben geschlagen ist, so dass sein Kopf nur gerade so sichtbar ist. Weiterhin trägt dieser Mann Schneeschuhe oder eher Schlittschuhe. Er stößt gerade mit einem aufrecht stehenden Eisbären an, der ebenfalls eine Hammerpfeife raucht. Der Bär hat ein Absinthglas in seiner rechten Tatze, während Rimbaud sein Glas in der linken Hand hält. Zwischen beiden steht eine große Absinthflasche. Diese an sich schon völlig absurde Situation wird von Delahaye in seinem Brief wie folgt kommentierend gesteigert: &#8220;[...] je te dis qu&#8217;IL a été signalé dernièrement à Stockholm, puis à Copenhague, et pas de nouvelles depuis. Les géographes les plus autorisés le supposent vers le 76<sup>e</sup> parallèle, ainsi me suis-je humblement [fait leur] interprète.&#8221; &#8211; „[...] ich sage Dir, dass ER in Stockholm und dann in Kopenhagen das letzte Mal etwas hat von sich hören lassen. Seitdem gibt es keine Neuigkeiten. Die berufensten Geographen wähnen ihn etwa auf dem 76. Breitengrad, meiner bescheidenen Interpretation zufolge.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_93_254" id="identifier_93_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">94</a></sup> Die Karikatur trägt den Titel &#8220;Sur le 70<sup>e</sup> parallèle&#8221;, also „Auf dem 70. Breitengrad&#8221;. Sowohl der 70. als auch der 76. Breitengrad verlaufen mitten durch Grönland. Delahaye insinuiert so auf ironische Weise, dass Rimbaud die Welt systematisch nach Längen- und Breitengraden bereise und erst irgendwann, in unabsehbarer Zukunft, wenn er auch noch mit dem letzten Säugetier und womöglich Insekt gezecht habe vielleicht einmal zur Ruhe kommen werde. Delahaye lässt Rimbaud zudem durch eine Sprechblase sagen: « Oh la la&#8230; C&#8217;est plus des Javanais qu&#8217;il me faut!&#8230; » &#8211; „Ach je, ich brauche mehr Javanesen!&#8221; Hiermit spielt Delahaye wohl darauf an, dass Rimbaud sich im Jahr zuvor für die niederländische Kolonialarmee verpflichtet hatte, um kostengünstig nach Asien zu gelangen. Letztlich kam er nach Java, wo er jedoch alsbald wieder desertierte. Java bot sich als <em>Pars pro toto</em> für Rimbauds Fernweh an, da es Rimbauds weiteste Reise war. Die Javanesen stehen daher stellvertretend für sämtliche Völkerschaften, die Rimbaud noch nicht besucht hat.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Une-aventure-de-Rimbaud-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1996444" title="Une aventure de Rimbaud (Ernest Delahaye)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Une-aventure-de-Rimbaud-mini.jpg" alt="" width="314" height="232" /></a>Eine weitere Karikatur aus der Feder Delahayes<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_94_254" id="identifier_94_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.931.">95</a></sup> zeigt Rimbaud offensichtlich sturzbetrunken in einem Weinkeller sitzend, hinter sich zwei Weinfässer und eine umgefallene, auslaufende Weinflasche. Rimbaud ist von oben bis unten mit Kellerasseln übersät. Die Bildinschrift lautet: &#8220;Scène d&#8217;intérieur &#8211; Une aventure de Rimbaud&#8221;. Die aus dem Zeitraum zwischen 1875 bis 1877 stammende Zeichnung ist sehr hämisch, macht sie sich doch über Rimbauds Abenteuer lustig und stellt sie letztlich als reine Besäufnisse hin.  Dann gibt es noch eine Skizze von Delahaye aus dem Jahr 1876, auf der Verlaine, Rimbaud, Germain Nouveau und er selbst zu sehen sind<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_95_254" id="identifier_95_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.539.">96</a></sup>. Verlaines Kopf ist riesig. Seine Konturen gehen fließend in die einer über Land und Wasser schwebenden Wolke über. In Verlaines &#8220;Wolkenmund&#8221; steckt der Hals einer riesigen Tabakpfeife (handschriftliche Notiz: « Toi, &amp; ta pipe » &#8211; „Du und Deine Pfeife.&#8221;), der ins Meer eintaucht, wo sich daher ihr Kopf befindet, deren Deckel ein kleines Dampfschiff ist (handschriftliche Notiz: « Un vapeur épatant qui l&#8217;emporte vers des horizons inconnus » &#8211; „Ein famoser Dampfer, der ihn zu unbekannten Horizonten fortträgt.&#8221;). <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/toi-et-ta-pipe-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-1996447" title="Toi, et ta pipe (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/toi-et-ta-pipe-mini.jpg" alt="" width="314" height="207" /></a>Auch Rimbauds Gesicht ist &#8211; gemessen am Dampfschiff &#8211; überdimensional und befindet sich ebenfalls unter Wasser. Die Wellen lassen seine Gesichtszüge verschwimmen. Wie fast immer trägt er einen Hut, dessen Krempe sich unter dem Wasserspiegel befindet. Der eigentliche Hut wird von einem lachenden Vollmond gebildet, der sich am Horizont abzeichnet (handschriftliche Notiz: « La lune qui rigole &amp; qui sert de chapeau à Rimbe » &#8211; „Der lachende Mond, der Rimbaud als Hut dient.&#8221;). Delahaye befindet sich an Land auf einem Fels und hält mit einem Fernrohr Ausschau nach dem Dampfschiff und Rimbaud (handschriftliche Notiz: « Moi » &#8211; „Ich&#8221;). Der Fels, auf dem Delahaye steht, könnte übrigens auch Verlaines Schulter sein, womit Delahaye sich selbstkritisch als Affe oder Papagei Verlaines darstellt. Von all dem nimmt Germain Nouveau keine Notiz. Er liegt abgewandt vom Bildzentrum auf dem Rücken mit dem Blick nach oben gerichtet, weg von den auf dem Bild dargestellten Ereignissen und raucht in Gedanken verloren eine Zigarette (handschriftliche Notiz: « Nouve qui s&#8217;en fiche » &#8211; „Germain Nouveau, der drauf pfeift&#8221;). Eine weitere Notiz auf der Skizze ähnelt einer Regieanweisung und lautet: « Le fond tout noir. la fumée bleu violet » &#8211; „Der Hintergrund ganz schwarz. Der Dampf blau-violett.&#8221; Genau genommen lässt diese Karikatur nicht Rimbaud schlecht aussehen, sondern vielmehr Verlaine und auch Delahaye, die beide nicht in der Lage zu sein scheinen, ein Leben nach Rimbaud zu leben, die ihm nachtrauern und nicht von ihm loskommen. Germain Nouveau wirkt mit seiner Indifferenz viel souveräner, allerdings war er auch nicht Rimbauds Geliebter, wie Verlaine. Insofern ist es vielleicht auch leichter weiterzuleben.  <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Il-en-devient-bassinant-à-la-fin-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1996453" title="Il en devient bassinant à la fin !" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Il-en-devient-bassinant-à-la-fin-mini.jpg" alt="" width="314" height="207" /></a>Ebenfalls aus dem Jahr 1876 datiert eine weitere von Delahaye stammende Karikatur. Auf ihr sind Verlaine, Delahaye und Rimbaud dargestellt. Verlaine und Delahaye tragen beide Mantel und Hut sowie jeweils einen sehr langen, geschlossenen Regenschirm unter dem Arm. Verlaine sagt im Davongehen: « Il en devient bassinant à la fin !&#8230; » &#8211; „Es ist ihm schließlich langweilig geworden.&#8221; Auf der linken Bildhälfte ist Rimbaud als schwarzer Engel dargestellt (der ganze Körper und die Flügel sind schwarz schraffiert), der &#8211; während er rücklings zu entschweben scheint &#8211; Verlaine und Delahaye eine lange Nase dreht. Von seinem rechten Bein hängt ein Schild herab mit der Aufschrift: « Bachot complet » &#8211; „Abitur vollständig&#8221;. Dazu muss gesagt werden, dass Rimbaud in der Schule zwar Bestleistungen erbrachte und in mehreren Wettbewerben zahlreiche Preise in Latein, Griechisch, Geschichte, Geographie, Gedichtrezitation, Rhetorik, Französisch sowie Religion einheimste, aber aufgrund seiner Flucht aus Charleville nach Paris nie das Abitur machte. Die Karikatur ist daher womöglich so zu deuten, dass Delahaye meinte, dass es Rimbaud vielleicht irgendwann doch zu dumm werden könnte mit dem rastlosen Reisen und er sich vielleicht wieder auf seine intellektuellen Fähigkeiten besänne. Die Darstellung als schwarzer Engel erweckt die Assoziation, dass Rimbaud ein gefallener Engel sei, ein Luzifer (aus lat. lūx, lūcis = Licht; ferrō, ferre, tulī, lātum = tragen, bringen). Dies würde mit Rimbauds einstiger Vorstellung korrespondieren, derzufolge ein Dichter ein „Dieb des Feuers&#8221; sein müsse: &#8220;Donc le poète est vraiment voleur de feu.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_96_254" id="identifier_96_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.229.">97</a></sup>. Der christliche Luzifer-Mythos hat sein Vorbild im antiken Prometheus-Mythos. Genauso wie Luzifer war auch Prometheus der Lichtbringer, allerdings bedeutet sein Name „der Vorausdenkende&#8221;. Er trug jedoch auch den Beinamen „Pyrphoros&#8221; (Feuerbringer). Lichtbringer oder Feuerbringer &#8211; beide Begriffe können auch als Metapher für Aufklärung verstanden werden. Solch ein Feuer bringender Dichter müsse ein „Seher&#8221; (&#8220;voyant&#8221;) sein und sich daher „sehend&#8221; machen, so Rimbaud in einem Brief vom 15. Mai 1871 an Paul Demeny<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_97_254" id="identifier_97_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.">98</a></sup>. Sehend mache er sich &#8220;durch eine lange, gewaltige und überlegte <em>Entregelung aller Sinne</em>. Alle Formen von Liebe, Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um nur den innersten Kern davon zu bewahren. Unsägliche Qual, wo er des vollen Vertrauens, der gesammelten übermenschlichen Kraft bedarf, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzbrecher, der große Verdammte wird, &#8211; und der höchste Wissende! &#8211; Denn er kommt an beim <em>Unbekannten!</em> Weil er seine schon reiche Seele weiter hinaus gebildet hat, weiter als irgend jemand sonst! Er kommt an beim Unbekannten, und wenn er, überwältigt, daran endete, daß er das Verständnis seiner Gesichte verliert, so hat er sie doch gesehen! Soll er nur zerbrechen in seinem riesigen Sprung durch die unerhörten und unnennbaren Dinge: kommen werden andere furchtbare Arbeiter; sie werden bei den Horizonten anfangen, wo der Vorgänger sich erschöpft hat!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_98_254" id="identifier_98_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Brief Rimbauds an Paul Demeny vom 15. Mai 1871. Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, 25.">99</a></sup> Im Original lautet die Passage wie folgt: &#8220;Le Poète se fait <em>voyant</em> par un long, immense et raisonné <em>dérèglement </em>de <em>tout les sens</em>. Toutes les formes d&#8217;amour, de souffrance, de folie ; il cherche lui-même, il épuise en lui tous les poisons, pour n&#8217;en garder que les quintessences. Ineffable torture où ila besoin de toute la foi, de toute la force surhumaine, où il devient entre tous le grand malade, le grand criminel, le grand maudit, &#8211; et le suprême Savant ! &#8211; Car il arrive à l&#8217;<em>inconnu !</em> Puisqu&#8217;il a cultivé son âme, déjà riche, plus qu&#8217;aucun ! Il arrive à l&#8217;inconnu, et quan, affolé, il finirait par perdre l&#8217;intelligence de ses visions, il les a vues ! Qu&#8217;il crève dans son bondissement par les choses inouïes et innommables : viendront d&#8217;autres horribles travailleurs ; ils commenceront par les horizons où l&#8217;autre s&#8217;est affaissé !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_99_254" id="identifier_99_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, 227.">100</a></sup>  Die Darstellung Rimbauds als schwarzer Engel erinnert an eine zeitgenössische Illustration von Gustave Doré<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_100_254" id="identifier_100_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1832 &dagger;1883">101</a></sup> für John Miltons<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_101_254" id="identifier_101_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1608 &dagger;1674">102</a></sup> „Paradise Lost&#8221;, die Delahaye bekannt gewesen sein dürfte. Genau genommen wirkt Delahayes Skizze wie eine Karikatur von Dorés schwarzem Engel beim Höllensturz. Die von Rimbaud geschilderte Programmatik, wonach der Dichter der „höchste Wissende&#8221; werden müsse, grenzt natürlich an genau jenes „Vergehen&#8221;, das Luzifer zum Verhängnis wurde, nämlich dem Schöpfer die Stirn zu bieten, sich über ihn überhöhen zu wollen, indem man versucht, die Schöpfungsgeheimnisse zu lüften, dem Schöpfer gleichsam auf die Spur zu kommen, eben „den Ort zu finden und die Formel&#8221;. In gewisser Weise lässt die Darstellung auch an den Ikarus-Mythos denken. Auch Ikarus wurde sein Übermut letztlich zum Verhängnis und ließ ihn abstürzen. Das Karikaturhafte nun ist die kindlich-naive Darstellung Rimbauds als schwarzer Engel, zu der es gehört, dass seine gefleckten Flügel eher denen eines Schmetterlings gleichen als denen eines Engels in den gängigen Darstellungen. Die Tatsache, dass ein Schild an Rimbauds Bein baumelt, lässt die Darstellung zusätzlich ironisch wirken. Dass Delahaye Rimbaud seinen alten Freunden eine lange Nase drehen lässt, zeugt von der möglichen Auffassung dieser, dass Rimbaud unbelehrbar sei und selbst bei seinem Höllensturz noch Spott für alles und jeden übrig haben würde.  Ein weiteres für Rimbaud gebrauchtes Synonym findet sich in einem Brief von Delahaye an Verlaine aus dem Jahr 1876: &#8220;toujours pas de nouvelles de l&#8217;Ho tt entot [sic!]. Quoi qu&#8217;il devient ? Peut-être que ses os blanchissent actuellement sur une pyramide acharnée. Enfin : pas ma faute !&#8230;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_102_254" id="identifier_102_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.535.">103</a></sup> &#8211; „noch immer keine Neuigkeiten vom Hottentotten. Was mag aus ihm geworden sein? Womöglich bleichen seine Knochen gerade auf einer verbitterten Pyramide (oder: in Form einer verbitterten Pyramide). Nun ja, meine Schuld ist (wäre) es nicht!&#8221;.((eigene Übersetzung))  In einem Brief Delahayes an Verlaine vom 16. Juni 1877, heißt es: &#8220;Du « Voyageur Toqué, » pas de nouvelles. Sans doute envolé bien loin, bien loin, car je ne l&#8217;ai pas aperçu depuis mon retour ici.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_103_254" id="identifier_103_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.568.">104</a></sup> &#8211; „Vom verrückten Reisenden gibt es keine Neuigkeiten. Ohne Zweifel ziemlich weit entflogen, ziemlich weit, denn ich habe ihn seit meiner Rückkunft hier nicht erspäht.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_104_254" id="identifier_104_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">105</a></sup>  Ein wenig schmeichelhafter Spitzname für Rimbaud findet sich unter anderem in einem Brief Paul Verlaines an Ernest Delahaye vom 3. September 1875. Darin erkundigt sich Verlaine folgendermaßen nach Rimbaud: &#8220;Quelle nouvelle (en tous cas) de l&#8217;Œstre ?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_105_254" id="identifier_105_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.427.">106</a></sup> &#8211; „Welche Neuigkeit gibt es (auf jeden Fall) von der Pferdebremse?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_106_254" id="identifier_106_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">107</a></sup> Am 26. Oktober 1875 fragt Verlaine wiederum in einem Brief an Delahaye nach Rimbaud: &#8220;Et quoi de l&#8217;Œstre ?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_107_254" id="identifier_107_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.443.">108</a></sup> &#8211; „Was gibt es (Neues) von der Pferdebremse?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_108_254" id="identifier_108_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">109</a></sup> Dass Verlaine ausgerechnet den Namen eines Blut saugenden Insekts als Spitznamen für Rimbaud wählte, steht offenbar im Zusammenhang mit Rimbauds Neigung, bei Freunden zu schnorren, insbesondere bei Verlaine und in starkem Maß im Jahr 1875.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_109_254" id="identifier_109_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.">110</a></sup> Enid Starkie schildert diese Situation so: „Rimbaud hatte wegen der beschränkten Verhältnisse, in denen er leben mußte, nicht mehr die geringsten Skrupel, was Geld anbetraf, und war nie darum verlegen, wie er es sich verschaffen sollte, wenn er Alkohol und Tabak brauchte. Wie Delahaye berichtet, schwindelte Rimbaud den paar ihm verbleibenden Freunden allerhand vor, um sie um kleine Summen anzupumpen. Sie pflegten ihn l&#8217;œstre, die Bremse, zu nennen. Die größte Hoffnung in dieser Beziehung setzte Rimbaud jedoch auf Verlaine. Er erinnerte sich an dessen frühere Schwäche und Leichtsinn im Geldausgeben. Er hatte überdies bemerkt, daß Verlaine noch immer an ihm hing, daß diese Freundschaft für Verlaine in dem Schiffbruch seines Lebens als das einzig Schöne und Kostbare übrig geblieben war. Rimbaud hoffte, Verlaine würde sich dieses Gefühl etwas kosten lassen. Er bat ihn in einem Brief um eine größere Summe und machte diese zum Preis seiner Freundschaft. Er scheint sogar zur Erpressung geschritten zu sein, wenn der Versuch auch ziemlich schwach war, indem er ihm drohte, alles zu enthüllen &#8211; was das nun eigentlich wäre, sagte er nicht -, wenn Verlaine das Geld nicht schickte.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_110_254" id="identifier_110_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.242f.">111</a></sup> Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte offenbar recht frei, da es im englischen Original nicht einfach heißt: „Rimbaud hatte wegen der beschränkten Verhältnisse, in denen er leben mußte, nicht mehr die geringsten Skrupel, was Geld anbetraf [...]&#8220;, sondern: &#8220;Rimbaud, like so many whose minds are occupied with cosmic visions, had no inhibitions where money was concerned and he saw no reason why he should not &#8216;sponge&#8217; on his friends when he was short of money for drinks or smokes.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_111_254" id="identifier_111_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.314.">112</a></sup> Starkie bringt offenbar etwas mehr Verständnis für Rimbauds Schnorrerei auf, als der Übersetzer seines Buches Hans B. Wagenseil, denn Starkie räumt ein, dass viele andere Menschen, deren Geist mit kosmischen Visionen beschäftigt sei, entweder gar kein Verhältnis zu Geld oder zumindest ein gestörtes Verhältnis dazu hatten. So gesehen wertet Starkie diese Haltung Rimbauds auf, indem er sie als Folge einer geistigen Beschäftigung darstellt. Oder Wagenseil wertet sie ab, indem er sie als direkte Folge materieller Engpässe deklariert. Diesen Punkt abschließend soll noch erwähnt werden, dass Michael Pakenham<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_112_254" id="identifier_112_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.">113</a></sup> in einer Fußnote erwähnt, dass Jean-Pierre Chambon<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_113_254" id="identifier_113_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Chambon, Jean-Pierre: Les mots de l&amp;#8217;autre. 1986">114</a></sup> darauf hinweist, dass der Begriff &#8220;l&#8217;œstre&#8221; im Lateinischen neben der Bedeutung „Pferdebremse&#8221; die zusätzliche Bedeutung &#8220;délire prophétique ou poétique&#8221; (prophetisches/poetisches Delirium, Wahn, Raserei, Begeisterung) in sich trage, was Verlaine und Delahaye womöglich nicht verborgen geblieben ist und sie daher &#8220;l&#8217;œstre&#8221; vielleicht ganz bewusst in seiner Doppeldeutigkeit verwendeten.  Ein weiteres Synonym für Rimbaud ist &#8220;l&#8217;Autre&#8221; &#8211; „der Andere&#8221;. Ein Beispiel dafür findet sich in einem Brief Verlaines an Charles und Emma de Sivry aus dem Jahr 1878<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_114_254" id="identifier_114_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.613.">115</a></sup>, wo er schreibt: &#8220;Ici « que de besogne, que de besogne ! » &#8211; comme pourrait dire <span style="text-decoration: underline;">Cet Autre</span>.&#8221; &#8211; „Hier ‚wie viel Arbeit, wie viel Arbeit!&#8217; &#8211; wie <span style="text-decoration: underline;">Dieser Andere</span> sagen könnte.&#8221; Diesen Spitznamen hat Rimbaud wohl selbst geprägt, wie ein poetologischer Brief von ihm an Georges Izambard vom 13. Mai 1871 zeigt: &#8220;Il s&#8217;agit d&#8217;arriver à l&#8217;inconnu par le dérèglement de <em>tous les sens</em>. Les souffrances sont énormes, mais il faut être fort, être né poète, et je me suis reconnu poète. Ce n&#8217;est pas du tout ma faute. C&#8217;est faux de dire : Je pense : on devrait dire on me pense. &#8211; Pardon du jeu de mots. JE est un autre. Tant pis pour le bois qui se trouve violon, et Nargue aux inconscient, qui ergotent sur ce qu&#8217;ils ignorent tout à fait !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_115_254" id="identifier_115_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.224.">116</a></sup> &#8211; „Es geht darum, durch die Entregelung <em>aller Sinne</em> beim Unbekannten anzukommen. Die Leiden sind ungeheuerlich, aber man muß stark sein, als Dichter geboren sein, und ich habe mich als Dichter erkannt. Nicht im geringsten ist das meine Schuld. Es ist falsch zu sagen: Ich denke. Man müßte sage: Es denkt mich. Entschuldigen Sie das Wortspiel. ICH ist ein Anderes. Um so schlimmer für das Holz, das sich als Geige vorfindet, und Hohn über die Ahnungslosen, die an dem herumkritteln, was sie überhaupt nicht kennen!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_116_254" id="identifier_116_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.19 u. 21.">117</a></sup> Nur zwei Tage später, am 15. Mai 1871, schrieb Rimbaud Ähnliches an Paul Demeny: &#8220;Car Je est un autre. Si le cuivre s&#8217;éveille clairon, il n&#8217;y arien de sa faute. Cela m&#8217;est évident : j&#8217;assiste à l&#8217;éclosion de ma pensée : je la regarde, je l&#8217;écoute : je lance un coup d&#8217;archet : la symphonie fait son remuement dans les profondeurs, ou vient d&#8217;un bond sur la scène.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_117_254" id="identifier_117_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.">118</a></sup> &#8211; „Denn ICH ist ein Anderes. Wenn das Blech als Trompete aufwacht, ist es nicht selbst daran schuld. Dies ist mir offensichtlich: helfend tätig habe ich an der Erschließung meines Gedankens teil: ich sehe und höre ihn: ich tue einen ersten Bogenstrich: in den Tiefen setzt sich der Zusammenklang in Bewegung oder er kommt jäh in einem Sprung auf die Bühne.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_118_254" id="identifier_118_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.23.">119</a></sup> Dazu erklärt Starkie: „Der einzige Weg, ein wirklicher Dichter zu werden, besteht nach Rimbaud darin, daß man ein <em>Seher</em> wird, daß man das himmlische Feuer raubt. Der Dichter muß ein Seher werden, dessen Geist ins Unendliche dringen kann, durch den Schleier der Wirklichkeit, der es vor unseren Augen verbirgt. Der Dichter kann aber unmöglich Seher werden, wenn er die alte Auffassung der individuellen menschlichen Persönlichkeit nicht aufgibt. ‚Wenn nicht alle die alten Tröpfe&#8217;, schreibt Rimbaud, ‚an der falschen Auffassung des Ichs festgehalten hätten, so müßten wir heute nicht die Millionen von Skeletten hinwegfegen, die seit undenklichen Zeiten die Erzeugnisse ihrer einäugigen Hirne angehäuft haben, auf die sie auch noch stolz sind.&#8217; Die alte Vorstellung, daß die Persönlichkeit des Dichters von Wichtigkeit sei und daß dieser sein Werk aus sich selbst heraus erzeuge, ist vollständig falsch. Der Dichter ist nur das Sprachrohr des Ewigen, er selbst zählt gar nicht, denn er gibt nur der Stimme eines anderen unbewußt Ausdruck. ‚Es ist falsch zu sage: <em>ich denke</em>, man sollte vielmehr sagen: <em>man denkt mich</em>.&#8217; Der Dichter kann nicht wissen, warum gerade er auserwählt ist. Er hat mit dem Vorgang gar nichts zu tun, dieser geht ohne sein Wollen vor sich. Genau so, fügt Rimbaud hinzu, wie das Blech nichts dazu kann, wenn es zu einer Trompete geformt wird, und das Holz nicht die Wahl hat, ob es eine Geige werden will oder nicht. ‚Ich ist ein anderer&#8217;, wiederholt Rimbaud mehrmals. Ein Strich des Bogens, und es entsteht ein Ton. Die Geige hat sich nicht gerührt und doch quillt Musik aus ihr. So ist es mit dem Dichter. Ein anderes Wesen spielt auf ihm, während er unbewußt und automatisch die Töne hervorbringt, die ihm eingeflößt werden. Dann lauscht er gebannt der Melodie, die er unbewußt geschaffen hat. &#8216;Ich bin bei der Geburt meines Gedankens zugegen, ich betrachte ihn und lausche.&#8217; Aber er weiß ebensowenig wie wir, woher dieser Gedanke kommt, noch was er wirklich ist. Der Dichter kann sich jedoch bemühen, ein richtiges Holz für die himmlische Geige zu werden. Zu diesem Zweck muß er alles zerstören, worauf sich die menschliche Persönlichkeit aufbaut, alles, was sie von anderen unterscheidet, den ganzen Egoismus, der ihr innewohnt. Er muß sie aufbrechen, wie der Boden durch den Pflug aufgebrochen wird, er muß das Unkraut der Gewohnheit und der Vorurteile ausreißen, denn nur in einem so vorbereiteten Boden werden die Samenkörner der unsichtbaren Welt keimen und blühen. Alle Mittel, die diesen Zustand der Auslöschung, des Ichs herbeiführen, sind recht: Alkohol, Rauschgift, alles, was die menschliche Seele aus ihrer sterblichen Hülle emporheben und in die Ewigkeit tragen kann. Alles ist gut, was die Herrschaft der Vernunft zerstört, alles wertvoll, was dazu dient, die Fähigkeiten des Menschen von ihren gewöhnlichen Hemmungen zu befreien. Was schadet es, wenn die Mittel giftig sind, wenn sie unvermeidlich die geistige Kraft ins Wanken bringen? Sie sind der Dünger, der den Boden vorbereitet. Aus dieser giftigen und verwesenden Masse werden die schönsten Blumen entsprießen. Daher muß nach Rimbaud der Dichter sich moralisch verderben und erniedrigen, um die natürlichen Hemmungen zu überwinden, die Deiche niederzureißen, die Ordnung und Gewohnheit um die menschliche Persönlichkeit aufgebaut haben. &#8216;Der Dichter wird Seher durch eine lange, ungeheure und absichtliche Verwirrung aller seiner Sinne.&#8217; Er muß alle Formen der Liebe und der Ausschweifung erleben, damit er das Wesentliche festhalten kann. Von Baudelaire lernte Rimbaud den Wert der durch solche Methoden angeregten Träume kennen; aber in einem Punkte trennt er sich von ihm. Baudelaire behielt inmitten seiner schlimmsten Verwirrungen immer ein Gefühl der Sünde. Rimbaud jedoch wollte nicht anerkennen, daß Ausschweifung ein Laster sei. Er war überzeugt, daß er außerhalb des Bereiches der Sünde stand. Als er später auf die Irrtümer dieser Zeit zurückblickte, sagte er: &#8216;Ich, der ich mich Magier oder Engel genannt und von jeder Moral freigemacht habe, ich bin der Erde zurückgegeben!&#8217;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_119_254" id="identifier_119_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.110f.">120</a></sup>  In einem ähnlichen Zusammenhang wie &#8220;l&#8217;Autre&#8221; kann wohl auch die Bezeichnung Rimbauds als &#8220;Chose&#8221; &#8211; &#8220;Sache&#8221; gesehen werden. Auch sie spielt vermutlich auf die Distanz Rimbauds zur eigenen Person an, die von Delahaye und Verlaine in ihrer Korrespondenz offenbar etwas auf die Schippe genommen wird. In einem Brief aus dem englischen Boston (Lincolnshire) an Delahaye vom 7. Mai 1875 schreibt Verlaine: &#8220;Avoir reçu, par des voies impossibles une lettre de [Germain] Nouveau qui paraît-il est à Londres. Par lui nouvelles de <span style="text-decoration: underline;">Chose</span> qui, à Milan, en attendant argent pour Espagne ?!!?!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_120_254" id="identifier_120_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.398.">121</a></sup> &#8211; &#8220;Habe auf unmöglichen Wegen einen Brief von [Germain] Nouveau erhalten, der, wie es den Anschein hat, in London ist. Durch ihn Neuigkeiten von der <span style="text-decoration: underline;">Sache</span>, die, in Mailand auf Geld für Spanien wartet?!!?!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_121_254" id="identifier_121_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">122</a></sup> Es heißt, Rimbaud habe sich als Söldner für die Karlisten rekrutieren lassen, um im dritten Karlistenkrieg (1872-76) auf Seiten der Karlisten um die spanische Thronfolge zu kämpfen. Rimbauds Verhältnis zum Geld ist ja bereits zur Sprache gekommen, auch wurde erwähnt, dass er auf Java aus der niederländischen Kolonialarmee desertierte. Und so verhielt es sich wohl auch mit den Karlisten. Es wird vermutet, dass er sich habe anwerben lassen, um den ersten Sold zu kassieren, sich aber umgehend nach Erhalt des Solds aus dem Staub gemacht und somit nie in Spanien gekämpft habe.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Karikatur-von-Verlaine-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-1996458" title="Karikatur von Verlaine" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Karikatur-von-Verlaine-mini.jpg" alt="" width="314" height="217" /></a>Der Brief Verlaines, aus dem obiges Zitat stammt, enthielt noch eine Karikatur, auf der Nouveau, Verlaine, Delahaye und Rimbaud zu sehen sind. Ganz links ist Nouveau als winzige Figur mit Doktorhut, Schirm und einem Dokument in der Hand dargestellt. Verlaine (&#8220;moi&#8221;) ist, wie die weiteren Figuren auch etwa vier Mal so groß wie Nouveau, aber trägt wie dieser auch einen Doktorhut (eine Anspielung auf die Tatsache, dass er in England unterrichtete) und hält einen Schirm sowie ein Dokument in den Händen. Daneben ist Delahaye (&#8220;toi&#8221;) in einer Robe mit Jabot abgebildet, mit einem Richterbarett als Kopfbedeckung und einem Dokument in beiden Händen, wohl, weil er Jurisprudenz zu studieren beabsichtigte. Schließlich sieht man &#8211; ganz rechts &#8211; Rimbaud. Neben ihm steht besagtes &#8220;Chose&#8221;. Als Kopfbedeckung trägt er einen sehr hohen, sich nach oben hin verjüngenden Hut, wie man ihn von Magiern oder Astrologen kennt sowie einen Umhang. Er hat die obligatorische Hammerpfeife im Mund, aus der Rauch steigt, und hält ein Blatt Papier in den Händen, auf dem das &#8211; fälschlicherweise mit doppeltem &#8220;d&#8221; geschriebene &#8211; italienische Wort &#8220;trad[d]uzione&#8221; zu entziffern ist, was als Hinweis auf Rimbauds Aufenthalt in Italien zu verstehen ist, wovon Verlaine in dem Brief ja auch schreibt. Während also Nouveau, Verlaine und Delahaye seriösen Berufen nachgehen bzw. darauf hinarbeiten, wird Rimbaud in der Bekleidung eines eher als unseriös angesehenen Berufsstandes dargestellt. Zumindest als unheimlich und absonderlich wird man Magier bzw. Astrologen empfunden haben. Rimbaud wird ähnliche Empfindungen bei Verlaine hervorgerufen haben. Abgesehen davon hat sich Rimbaud, wie Starkie sagt (siehe oben), selbst auch als Magier bezeichnet. Ein knappes Jahr später, im Februar 1876, schrieb Delahaye an Verlaine: &#8220;Je n&#8217;ai pas eu de nouvelles de <span style="text-decoration: underline;">Chose</span> depuis ma dernière : je vais lui écrire incessamment. Et tu sais sans doute qu&#8217;il pleut perpétuellm<sup>t</sup> ici depuis plus d&#8217;un moi. Est-ce la même chose chez toi ? Il est sûr au moins que la philomathie, par ce temps-là, est obligée de garder la chambre. Ainsi, rien de nouveau avant qu&#8217;il ne fasse sec. A bientôt / Ton fidèle / Delahaye&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_122_254" id="identifier_122_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.490.">123</a></sup> &#8211; &#8220;Ich habe keine Neuigkeiten von der <span style="text-decoration: underline;">Sache</span> seit meiner letzten: Ich werde ihr<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_123_254" id="identifier_123_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="- der Sache &amp;#8211; also ihm &amp;#8211; Rimbaud">124</a></sup> unverzüglich schreiben. Und weißt Du, dass es hier seit wahrscheinlich mehr als einem Monat ohne Unterlass regnet. Ist es bei Dir genauso? Es ist zumindest sicher, dass die Philomatie (der Wissensdrang) zu solchen Zeiten gezwungen ist, das Zimmer zu hüten. Folglich keine Neuigkeiten, bevor es trocken ist.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_124_254" id="identifier_124_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">125</a></sup></p>
<p>Eine weitere Bezeichnung für Rimbaud hat ihren Ursprung in einem konkreten, sehr traurigen Ereignis in seinem Leben, nämlich dem Tod seiner vier Jahre jüngeren Schwester Jeanne-Rosalie-<span style="text-decoration: underline;">Vitalie</span> am 18. Dezember 1875 im Alter von nur 17 Jahren. Sie starb qualvoll an einer Synovitiserkrankung, wobei es sich um eine Gelenkerkrankung handelt. Dies ist insofern interessant, weil Rimbaud selbst immer wieder an Gelenkschmerzen litt. Am 23. August 1887 schrieb er diesbezüglich beispielsweise an die Seinen in einem Brief aus Kairo: &#8220;Je me trouve tourmenté ces jours-ci par un rhumatisme dans les reins, qui me fait damner ; j&#8217;en ai un autre dans la cuisse gauche qui me paralyse de temps à autre, une douleur articulaire dans le genou gauche, un rhumatisme (déjà ancien) dans l&#8217;épaule droite ; j&#8217;ai les cheveux absolument gris. Je me figure que mon existence périclite. Figurez-vous comment on doit se porter, après des exploits du genre des suivants : traversées de mer et voyages de terre à cheval, en barque, sans vêtements, sans vivres, sans eau, etc., etc. Je suis excessivement fatigué.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_125_254" id="identifier_125_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.325.">126</a></sup> &#8211; „Dieser Tage quält mich ein Rheumatismus in den Hüften, der mich zum Fluchen bringt; außerdem habe ich einen im linken Oberschenkel, der mich von Zeit zu Zeit lähmt, einen Gelenkschmerz im linken Knie, einen (schon alten) Rheumatismus in der rechten Schulter. Meine Haare sind vollkommen grau. Ich denke mir, daß mein Leben in Gefahr ist. Stellt Euch vor, wie es einem gehen muß, wenn er mit seinen Kräften auf solche Art Raubbau getrieben hat: Seereisen im offenen Boot und Landreisen zu Pferd ohne richtige Kleidung, ohne Lebensmittel, ohne Wasser usw., usw.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_126_254" id="identifier_126_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.107.">127</a></sup> Rimbaud hört sich im Alter von nur 33 Jahren &#8211; vier Jahre vor seinem Tod 1891 im Alter von nur 37 Jahren &#8211; an, wie ein gebrechlicher Greis. Hüften, linker Oberschenkel, linkes Knie und rechte Schulter schmerzen und sind zeitweise gelähmt, später kam dann das rechte Knie dazu. Natürlich kann nicht gesagt werden, ob diese Gelenkschmerzen Folge genetischer Veranlagung waren oder des Raubbaus, den Rimbaud an seinem Körper trieb. Vielleicht war es eine Kombination aus beidem. Doch es ist schon bemerkenswert, dass sowohl Rimbaud als auch seine Schwester aufgrund einer Gelenkkrankheit frühzeitig verstarben. Der Tod der Schwester traf Rimbaud im Alter von 21 Jahren. Was genau er empfunden hat, lässt sich schwer feststellen, da zwischen seinem letzten Brief vor dem Tod seiner Schwester vom 14. Oktober 1875 und dem ersten Brief danach aus Genua vom 17. November 1878 drei Jahre Schweigen herrschte. Zumindest ist kein Brief aus dieser Zeit erhalten. Aber es sei durch Delahaye überliefert, dass Rimbaud kurz vor dem Tod seiner geliebten Schwester Vitalie über gewaltige Kopfschmerzen geklagt habe, die er auf seinen zu dichten Haarwuchs zurückgeführt habe.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_127_254" id="identifier_127_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.468.">128</a></sup> Rimbaud habe sich daraufhin den Schädel kahl geschoren, womit er mitten im Winter eine auffällige Erscheinung auf der Beerdigung seiner Schwester gewesen sei. In Delahayes Augen habe der Grund der Migräne in der schmerzhaften Erkrankung Vitalies gelegen, mehr noch als in Rimbauds verbissenen Studien. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass Rimbaud an einer Grindflechte litt, wobei es Delahaye wohl nicht gewagt hätte, eine solche banale Erkrankung als Ursache vorzuschlagen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_128_254" id="identifier_128_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">129</a></sup> Hier klingt leicht durch, dass Delahaye und wohl auch Verlaine dazu neigten, ihren Freund etwas zu überhöhen, selbst als der Kontakt abgerissen war und obwohl sie sich auch über ihn lustig machten. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/La-Tronche-à-Machin-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1996462" title="La Tronche à Machin" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/La-Tronche-à-Machin-mini.jpg" alt="" width="314" height="234" /></a>Jedenfalls fertigte Delahaye eine Zeichnung Rimbauds an, auf der dieser mit geschorenem Schädel zu sehen ist<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_129_254" id="identifier_129_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">130</a></sup>. Links daneben steht geschrieben: &#8220;La Tronche à Machin&#8221;, was übersetzt werden kann mit: „Die Visage vom Dingsbums&#8221;. Weder „Visage&#8221; noch „Dingsbums&#8221; sind besonders schmeichelhafte Bezeichnungen, und auch das Bild selbst zeigt einen Rimbaud mit ausdruckslosem, ja etwas einfältigem Gesichtsausdruck. Zugleich wirkt die durch das fehlende Haupthaar erst richtig zur Geltung kommende Kopfform (im Profil) doch sehr extrem geraten. Diese Zeichnung hat ansonsten aber weniger von einer Karikatur als viele andere Zeichnungen aus Delahayes Feder. Im Grunde genommen wirkt sie eher wie ein ernstgemeintes Porträt. Umso mehr irritiert, dass Rimbauds Profil nahezu so wirkt als sei sein Kopf mit einem gleichfarbigen Fez verwachsen. Man kennt einige Darstellungen Rimbauds, wo er eine enorm hohe Stirn hat. Doch auf keiner anderen Abbildung ist die obere Schädelpartie so ausgeprägt wie bei Delahayes Zeichnung aus dem Jahr 1875. Auf einer anderen Zeichnung Delahayes aus dem Jahr 1871 hat Rimbaud eine sehr hohe Stirn aber lange, nach hinten gekämmte Haare, die im Nacken wie die Stacheln eines Stachelschweins enden. Dieses Bild allerdings lässt auch schon diese seltsam hohe Schädelform erahnen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich nicht auszuschließen, nämlich die, dass die Schädelschur Rimbauds einfach eine Art <a title="Artikel Übersprungshandlung in Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbersprungshandlung" target="_blank">Übersprungshandlung</a> war, aus der Unfähigkeit heraus, mit der Situation der Krankheit seiner Schwester umzugehen, gewissermaßen eine Überforderung, die dann zu einer scheinbar irrelevanten, nicht zweckdienlichen Verhaltensweise führte. Soviel also zur „Visage vom Dingsbums&#8221;.</p>
<p>Ein weiterer Spitzname für Rimbaud lautet übrigens „Homais&#8221;. Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf den gleichnamigen Apotheker aus Flauberts Roman „Madame Bovary&#8221;. In einem Umfeld spießbürgerlicher Borniertheit stellt der Apotheker Homais mit seinem fortschrittlichen antiklerikalen Parolen als „Voltairianer&#8221; eine Ausnahme dar. Somit handelt es sich bei „Homais&#8221; um einen schmeichelnden Spitznamen für Rimbaud. Auch ansonsten findet sich einiges aus Rimbauds Lebenswelt in „Madame Bovary&#8221; wieder. Auch Madame Bovary leidet unter der Monotonie des Provinzalltags und der daraus folgenden Langeweile und ist „wie eine zarte Pflanze, die auf dem kargen Boden der Normandie nicht gedeihen kann&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_130_254" id="identifier_130_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kindlers neues Literaturlexikon &copy; CD-ROM 2000 Net World Vision GmbH. Artikel: Flaubert, Gustave: MADAME BOVARY. Ein Sittenbild aus der Provinz &amp;#8211; MADAME BOVARY. M&oelig;urs de province.">131</a></sup>, ganz so wie Rimbaud in den Ardennen oder letztlich gar auf dieser Welt.</p>
<p>Und nun zu dem Spitznamen für Rimbaud, der wieder zum Denkmal zurückführt, da er sozusagen sein Untertitel ist: &#8220;l&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; &#8211; „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;. In der Literatur ist allerorten davon die Rede, dass es sich hierbei um einen von Verlaine für Rimbaud geprägten Spitznamen handele, ohne dass je eine Quelle dafür angeführt wird. So liest man Folgendes beispielsweise bei Louis Forestier: &#8220;Pour les uns, il est le voyant ; ou l&#8217;impénitent voyageur, « l&#8217;homme aux semelles de vent » ; ou le trafiquant d&#8217;esclaves (métier qu&#8217;il n&#8217;a jamais exercé).&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_131_254" id="identifier_131_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.I.">132</a></sup> &#8211; &#8220;Für die einen ist er der Sehende; oder der unverbesserliche Reisende, ‚der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8217; ; oder der Sklavenhändler (ein Gewerbe, das er niemals betrieb).&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_132_254" id="identifier_132_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">133</a></sup> Eine Quellenangabe fehlt. Das ist verzeihlich, da es sich hier noch um das Vorwort handelt. Auf Seite CXXXII des gleichen Buches schreibt Forestier: &#8220;Comme on sait, Rimbaud a été surnommé « l&#8217;homme aux semelles de vent ». &#8211; &#8220;Wie man weiß, erhielt Rimbaud den Beinamen „der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_133_254" id="identifier_133_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">134</a></sup> Forestier zählt diese Kenntnis augenscheinlich zum Allgemeinwissen und weist wiederum nicht darauf hin, wer Rimbaud diesen Namen gab.  Bei Enid Starkie ist ein ganzes Kapitel mit „L&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; überschrieben. Darin heißt es: &#8220;For the next five years Rimbaud became a wanderer over the face of Europe, venturing even as far as Cairo and Alexandria. He was restless as the English occultist whose name is unknown but who called himself &#8216;the Wanderer on the face of the earth&#8217; and who could strike roots nowhere. [...] Now Rimbaud felt that all time which was spent inactively was time wasted. That is what gave the impression of restlessness. &#8216;Why must such precious time be lost?&#8217; he said to Delahaye. Verlaine called him »l&#8217;homme aux semelles de vent,« and in a poem written somewhat later he describes the &#8216;wanderlust&#8217; of his friend.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_134_254" id="identifier_134_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.309f.">135</a></sup> Starkie nennt also immerhin den Urheber, ohne jedoch zu verraten, wo und wann Verlaine seinen Freund so nannte. Auch in zahlreichen anderen Werken wird lediglich mitgeteilt, dass Rimbaud bekanntermaßen so genannt wurde. Bei Claude Jeancolas schließlich wird man nach langer Suche doch fündig, wenn man nicht das Glück hatte, sein Buch mit dieser einen Hinweiszeile als eines der ersten in die Hände zu bekommen. Dort also heißt es: „In diesem Winter wohnt die Familie in Roche, denn Madame Rimbaud hat nach dem Weggang ihrer Pächter selbst die Bewirtschaftung ihres Gutes übernehmen müssen. Der Winter ist trist. So läßt sich denken, daß Rimbaud im Frühjahr nach Paris fährt, um die Weltausstellung zu sehen. Fährt er erneut nach Hamburg? Delahaye weiß nichts, er schreibt im Juli [1878] an Verlaine: »Der Mann mit den Sohlen aus Wind ist absolut verschwunden. Überhaupt nichts.«&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_135_254" id="identifier_135_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.181.">136</a></sup> Im Original lautet diese Passage: &#8220;l&#8217;« homme aux semelles de vent » est décidément lavé. Rien de rien.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_136_254" id="identifier_136_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.614.">137</a></sup> Da also findet sich endlich der schriftliche Quellenbeweis für diesen Spitznamen. Doch bewiesen ist damit keineswegs, dass Verlaine ihn geprägt hat, schließlich war es Delahaye, der oben zitierte Zeilen schrieb &#8211; an Verlaine. Es bleibt also an dieser Stelle vorerst nur anzunehmen, dass all die Berichte, dass Verlaine seinen Freund „Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221; zu nennen pflegte, auf einer wahren oralen Tradierung beruhen.  Zusammenfassend können &#8211; ohne Anspruch auf Vollständigkeit &#8211; folgende für Rimbaud verwendete Synonyme bzw. Spitznamen genannt werden:</p>
<ol>
<li>&#8220;Le nouveau juif-errant&#8221; &#8211; „Der neue Ewige Jude&#8221;</li>
<li>&#8220;Le roi nègre [sic!]&#8221; &#8211; „König der Neger [sic!]&#8220;</li>
<li>&#8220;Sénegalais&#8221; &#8211; „Senegalese&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Hottentot&#8221; &#8211; „Der Hottentotte&#8221;</li>
<li>&#8220;Voyageur Toqué&#8221;</li>
<li>&#8220;Il&#8221; &#8211; „Er&#8221;</li>
<li>&#8220;Lui&#8221; &#8211; „Ihm&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Autre&#8221; &#8211; „der Andere&#8221;</li>
<li>&#8220;Chose&#8221; &#8211; „Sache&#8221;</li>
<li>&#8220;Rimbe&#8221;</li>
<li>&#8220;Rimbal&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Œstre&#8221; &#8211; „Die Bremse&#8221; (i.e. das Insekt)</li>
<li>&#8220;l&#8217;Être&#8221; &#8211; „Das Sein&#8221;</li>
<li>&#8220;La Tronche à Machin&#8221; &#8211; „Die Visage des Dingsda&#8221;</li>
<li>&#8220;Homais&#8221; &#8211; Name des Apothekers aus Flauberts Roman „Madame Bovary&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; &#8211; „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;</li>
</ol>
<p>Hier soll noch kurz auf die weiter oben zur Sprache gekommene Wut eingegangen werden, die in Rimbaud gärte, als er noch in Charleville lebte und Briefe an Verlaine schrieb, mit der Bitte, ihn aus der Provinz zu befreien und nach Paris zu holen. Verlaine hatte die Wut von Anfang an bemerkt. Schon in seiner ersten Antwort auf Rimbauds Briefe an ihn schrieb er diesbezüglich im September 1871:  &#8220;J&#8217;ai comme un relent de votre lycanthropie [...] Vous êtes prodigieusement armé en guerre [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_137_254" id="identifier_137_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.">138</a></sup>  „Ich habe etwas wie einen schweren Geschmack Ihrer Werwolfswut &#8230; Sie sind außerordentlich zum Kampf gerüstet &#8230;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_138_254" id="identifier_138_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.">139</a></sup>  Dies aber hinderte Verlaine freilich nicht daran, Rimbaud sozusagen im gleichen Atemzug zu sich nach Paris einzuladen:  &#8220;Venez, chère grande âme, on vous appelle, on vous attend.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_139_254" id="identifier_139_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.">140</a></sup>  „Kommen Sie, teure große Seele, wir rufen Sie, wir erwarten Sie.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_140_254" id="identifier_140_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.">141</a></sup>  Geknickt gestand Rimbaud sich und seiner Familie später ein, dass sein Umherirren keine Ergebnisse gezeitigt hat, jedenfalls nicht die, die er sich erhofft hatte. So ist beispielsweise in einem Brief an die Seinen aus Aden vom 5. Mai 1884 Folgendes zu lesen:  &#8220;Excusez-moi de vous détailler mes ennuis. Mais je vois que je vais atteindre les 30 ans (la moité de la vie !) et je me suis fort fatigué à rouler le monde, sans résultat.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_141_254" id="identifier_141_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.301.">142</a></sup>  „Entschuldigt, daß ich Euch meine Plagen so ausführlich erzähle. Aber ich sehe, daß ich die Dreißig erreiche (die Hälfte des Lebens!) [,] und ich habe mich sehr mühsam in der Welt herumgetrieben, ohne Ergebnis.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_142_254" id="identifier_142_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.84.">143</a></sup>  Auch der von Rimbaud intensiv betriebene Erwerb von Fremdsprachen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_143_254" id="identifier_143_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Englisch, Deutsch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Griechisch, Latein">144</a></sup> wurde von ihm bereits am 6. Mai 1883 in einem Brief aus Harar an die Seinen infrage gestellt, genauso wie die Ablehnung der bürgerliche Familie:  &#8220;Mais à présent, je suis condamné à errer, attaché à une entreprise lointaine, et tous les jours je perds le goût pour le climat et les manières de vivre et même la langue de l&#8217;Europe. Hélas ! à quoi servent ces allées et venues, et ces fatigues et ces aventures chez des races étranges, et ces langues dont on se remplit la mémoire, et ces peines sans nom, si je ne dois pas un jour, après quelques années, pouvoir me reposer dans un endroit qui me plaise `peu près et trouver une famille, et avoir au moins un fils que je passe le reste de ma vie à élever à mon idée, à orner et à armer de l&#8217;instruction la plus complète qu&#8217;on puisse atteindre à cette époque, et que je voie devenir un ingénieur renommé, un homme puissant et riche par la science ? Mais qui sait combien peuvent durer mes jours dans ces montagnes-ci ? Et je puis dispaître, au milieu de ces peuplades, sans que la nouvelle en ressorte jamais.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_144_254" id="identifier_144_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.293.">145</a></sup>  „Aber vorerst bin ich dazu verurteilt, herumzuirren, an ein weit in die Ferne gehendes Unternehmen gebunden, und täglich verliere ich mehr den Geschmack für das Klima und die Lebensweise und sogar für die Sprache Europas. Ach! was soll dieses Hin und Her, diese Anstrengungen und Abenteuer bei fremden Rassen, und diese Sprachen, mit denen man sich das Gedächtnis vollstopft, und die unbeschreiblichen Plackereien, wenn ich nicht nach ein paar Jahren mich eines Tages an einem Ort, der mir einigermaßen gefällt, niederlassen und eine Familie gründen und wenigstens einen Sohn haben kann, mit dessen Erziehung nach meinen Gedanken ich den Rest meines Lebens hinbringen würde, um ihn mit der vollkommensten Ausbildung auszustatten und zu rüsten, die in unserer Zeit zu erlangen wäre, und den ich einen berühmten Ingenieur werden sähe, einen Mann, den sein Wissen reich und mächtig machte? Aber wer weiß, wie lange ich in den Bergen hier aushalten soll? Und ich kann mitten unter diesen Völkerschaften verschwinden, ohne daß die Nachricht davon jemals nach außen dränge.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_145_254" id="identifier_145_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.79f.">146</a></sup>  Plötzlich träumte Rimbaud also auch von Familiengründung und einem Sohn, den er nach seinen Vorstellungen erziehen könnte. Was seine Beziehung zu Frauen angeht, so gibt es für Aden die Aussage des bereits oben erwähnten französischen Staatsbeamten:  &#8220;In bezug auf Frauen bediente [sic!] Rimbaud sich der Eingeborenen. In Aden hatte er 1884 eine abessinische Frau. Man wußte bei ihm von einer Argoba-Frau, von der er mehrere Kinder bekam, die aber alle verschwunden sind, ohne Spuren oder Erinnerungen zu hinterlassen. Nebenbei bemerkt, die Argobas gehören zum schönsten Eingeborenentyp der unmittelbaren Umgebung von Harar.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_146_254" id="identifier_146_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.179.">147</a></sup></p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Le-coin-de-table-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1996477" title="Le coin de table (Henri Fantin-Latour, 1872) - The compilation copyright is held by Zenodot Verlagsgesellschaft mbH and licensed under the GNU Free Documentation License." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/Le-coin-de-table-mini.jpg" alt="" width="314" height="228" /></a>Doch nach diesem Ausflug in Rimbauds Leben, soll nun wieder die Sprache auf Ipoustéguys Plastik kommen.  Es wurde eingangs bereits erwähnt, dass Rimbaud, wie aus Langeweile den Ellenbogen aufstützt und sein Gesicht in der Hand. Diese Geste findet sich genauso auf dem zeitgenössischen <a title="Link zum französischen Wikipedia-Artikel &quot;Coin de table&quot;" href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Coin_de_table" target="_blank">Gemälde &#8220;Le Coin de Table&#8221; von Henri Fantin-Latour</a> aus dem Jahr 1872 wieder, auf dem sich neben sechs anderen Schriftstellern auch der achtzehnjährige Rimbaud und Verlaine befinden (links im Bild). Lipp vertritt die Ansicht, dass Ipoustéguy sich bei seiner Darstellung unter anderem an diesem Gemälde orientiert habe<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_147_254" id="identifier_147_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lipp, Michael: Jean Ipoust&eacute;guy &amp;#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992, S.294.">148</a></sup>, und wenn man beide Darstellungen vergleicht, spricht vieles dafür, dass dem so war.  Weiterhin weist Lipp daraufhin, dass Rimbaud mit seiner rechten Hand „ohne jede Regung Buchstaben, die als plastische Metaphern für seine Dichtung stehen, in den Wind&#8221; streue.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_148_254" id="identifier_148_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">149</a></sup> Dies greift, mit Verlaub, zu kurz. Bei genauem Hinsehen zeigt sich nämlich, dass Rimbaud keineswegs einfach nur irgendwelche „Buchstaben&#8221; in den Wind streut, sondern auffälligerweise nur Vokale, und zwar sämtliche vorkommenden: A, E ,I, U, O. Schaut man nun in Rimbauds Dichtung, stellt man fest, dass es dort ein Gedicht gibt, das den Namen &#8220;Voyelles&#8221; also &#8220;Vokale&#8221; trägt. Bei der von Ipoustéguy modellierten Geste handelt es sich daher eindeutig um eine Reminiszenz an dieses Gedicht, das daher im Folgenden wiedergegeben werden soll:  A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu : voyelles, Je dirai quelque jour vos naissances latentes : A, noir corset velu des mouches éclatantes Qui bombinent autour des puanteurs cruelles,  Golfes d&#8217;ombre; E, candeurs des vapeurs et des tentes, Lances des glaciers fiers, rois blanc, frisson d&#8217;ombelles; I, pourpres, sang craché, rire des lèvres belles Dans la colère ou les ivresses pénitentes ;  U, cycles, vibrements divins des mers virides, Paix des pâtis semés d&#8217;animaux, paix des rides Que l&#8217;alchimie imprime aux grands fronts studieux ;  O, suprême Clairon plein des strideurs étranges, Silences traversés des Mondes et des Anges : &#8211; O l&#8217;Oméga, rayon violet de Ses Yeux !<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_149_254" id="identifier_149_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.86.">150</a></sup>  A schwarz, E weiß, I rot, U grün, O blau: Vokale, Einst spreche ich die Dinge aus, die in euch liegen: A, schwarzes, samtenes Korsett schillernder Fliegen, Die sich versammeln auf verfaultem, grausem Mahle,  Nachtgolf; E, Gletscherspeer hoch überm Alpentale, Achneefürsten, Weiß des Dampfs, der Zelte, Doldenwiegen; I, Purpurstoff, Blutsturz, Gelächter, aufgestiegen Aus schönem Mund in Zorn und Rausch am Büßerpfahle;  U, grüner Meeresflut göttliches Schwingen, Kreisen, Ruhe der Weiden und des Viehs, Ruhe der Weisen, In deren Stirn eingrub die Alchimie ihr Mal;  Oh, höchstes Horn, aus dem seltsame Schreie steigen, Vom Stern- und Engelchor durchzognes ewiges Schweigen, &#8211; Das Omega, o <em>ihrer Augen</em> Veilchenstrahl!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_150_254" id="identifier_150_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.111 u. 113.">151</a></sup>  Auch in den Délires II &#8211; Delierien II äußert sich Rimbaud unter der Überschrift &#8220;Alchimie du verbe&#8221; &#8211; &#8220;Alchemie des Wortes&#8221; zu Vokalen und auch zu Konsonanten:  &#8220;J&#8217;inventai la couleur des voyelles! &#8211; <em>A</em> noir, <em>E </em>blanc, <em>I </em>rouge, <em>O </em>bleu, <em>U </em>vert. &#8211; Je réglai la forme et le mouvement de chaque consonne, et , avec des rhythmes instinctifs, je me flattai d&#8217;inventer un verbe poétique accessibl, un jour ou l&#8217;autre, à tous les sens. Je réservais la traduction. Ce fut d&#8217;abord une étude. J&#8217;écrivais des silences, des nuits, je notais l&#8217;inexprimable. Je fixais des vertiges.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_151_254" id="identifier_151_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.332.">152</a></sup>  &#8220;Ich erfand die Farbe der Vokale! &#8211; A schwarz, E weiß, I rot, O blau, U grün. &#8211; Ich bestimmte die Form und Bewegung eines jeden Konsonanten, und ich traute mir zu, im Medium der natürlichen Rhythmen ein poetisches Wort zu erfinden, das eines Tages allen Sinnen zugänglich sei. Die Übertragung behielt ich mir vor. Es war zunächst ein Versuch. Ich schrieb am Schweigen der Nacht, nannte das Unsagbare. Ich formulierte den Rausch.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_152_254" id="identifier_152_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.333.">153</a></sup></p>
<p>Vokale Farben &#8211;&gt; Synästhesie  das fabelhafte Anderswo &#8211; Yves Bonnefoy, S. 36 oben  mir graut vor der Mauer die Europa umschnürt (le bateau ivre s. 143 insel vlg)  Pauvre Lélian _ Paul Verlain  Mann mit Sohlen aus Wind “L’Homme aux Semelles de Vent” est un voyageur qui ne trouve asile nul part, en permanence sur le départ, dans l’espoir qu’ailleurs sera toujours mieux…  <strong> </strong></p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<ul>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964.</li>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004.</li>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992.</li>
<li>Œuvres complètes de Paul Verlaine. (Tome quatrième) &#8211; Les poètes maudits &#8211; Louise Leclerq &#8211; Les mémoires d&#8217;un veuf &#8211; Mes hopiteaux &#8211; Mes prison. Paris, 1926.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995.</li>
</ul>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<ul>
<li>Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. Übertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Arthur Rimbauds Leben nach Berrichons &#8220;Vie de Rimbaud&#8221; und nach Rimbaudschen Briefen bearbeitet von K.L.Ammer. Leipzig, 1921.</li>
<li>Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992.</li>
<li>Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992.</li>
<li>Peyre, Henri: Rimbaud vu par Verlaine. Paris, 1975.</li>
<li>Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947.</li>
<li>Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948.</li>
</ul>
<p>© Stefan Fix, 2007. Wiedergabe, auch in Auszügen, nur mit Genehmigung des Verfassers.</p>
<p>(den-ort-zu-finden-und-die-formel)</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_254" class="footnote">Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. Übertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Leipzig, 1921, S. 18 u. 8.</li><li id="footnote_1_254" class="footnote">In diesem Viertel befand sich, wie der Name erahnen lässt, ursprünglich das königliche Waffen- und Munitionslager.</li><li id="footnote_2_254" class="footnote">*1920 †2006</li><li id="footnote_3_254" class="footnote">Modell Rimbaud</li><li id="footnote_4_254" class="footnote">30cm hoch und 50cm breit</li><li id="footnote_5_254" class="footnote">Entwurf Rimbaud, 29,5cm hoch, 49cm lang und 29cm breit</li><li id="footnote_6_254" class="footnote">Studie „Gesicht Rimbaud&#8221;</li><li id="footnote_7_254" class="footnote">Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992, S.537.</li><li id="footnote_8_254" class="footnote">&#8220;Comme on sait, Rimbaud a été surnommé « l&#8217;homme aux semelles de vent ».&#8221; Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXII.</li><li id="footnote_9_254" class="footnote">siehe Abbildung</li><li id="footnote_10_254" class="footnote">am 31. August 1870, also einen Tag vor der entscheidenden Niederlage des französischen Kaiserreichs in Sedan</li><li id="footnote_11_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S. 219 f.</li><li id="footnote_12_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.9f.</li><li id="footnote_13_254" class="footnote">Am 1. Januar 1871 wurde Charleville selbst zudem von den Preußen besetzt.</li><li id="footnote_14_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S. 222</li><li id="footnote_15_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.391</li><li id="footnote_16_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.</li><li id="footnote_17_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_18_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.</li><li id="footnote_19_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.118.</li><li id="footnote_20_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.351.</li><li id="footnote_21_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.125f.</li><li id="footnote_22_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.355.</li><li id="footnote_23_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.128f.</li><li id="footnote_24_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.242 u. 260.</li><li id="footnote_25_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 348.</li><li id="footnote_26_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.123</li><li id="footnote_27_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.90.</li><li id="footnote_28_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.259, 261, 267.</li><li id="footnote_29_254" class="footnote">unsicher</li><li id="footnote_30_254" class="footnote">dort wollte Rimbaud in die US-amerikanische Marine eintreten, was jedoch nicht gelang. Sonst wäre er womöglich noch weiter in der Welt herumgekommen als ohnehin schon und so z.B. auch auf den amerikanischen Kontinent gelangt.</li><li id="footnote_31_254" class="footnote">unsicher</li><li id="footnote_32_254" class="footnote">Taucht nur in manchen Werken als Station auf.</li><li id="footnote_33_254" class="footnote">siehe Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.152.</li><li id="footnote_34_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.202.</li><li id="footnote_35_254" class="footnote">1880-91</li><li id="footnote_36_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.308f.</li><li id="footnote_37_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.90</li><li id="footnote_38_254" class="footnote">siehe: Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXIV</li><li id="footnote_39_254" class="footnote">Pschyrembel &#8211; Medizinisches Wörterbuch. 257. Auflage. Hamburg, 1994, S.1228.</li><li id="footnote_40_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.149.</li><li id="footnote_41_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.181.</li><li id="footnote_42_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.176.</li><li id="footnote_43_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.178.</li><li id="footnote_44_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.146.</li><li id="footnote_45_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.146.</li><li id="footnote_46_254" class="footnote">siehe Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.XVII.</li><li id="footnote_47_254" class="footnote">vgl. ebd.</li><li id="footnote_48_254" class="footnote">vgl. ebd.</li><li id="footnote_49_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.246.</li><li id="footnote_50_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.42.</li><li id="footnote_51_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.404.</li><li id="footnote_52_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.166.</li><li id="footnote_53_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992., S. 251.</li><li id="footnote_54_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.171.</li><li id="footnote_55_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.265f.</li><li id="footnote_56_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.509.</li><li id="footnote_57_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.190.</li><li id="footnote_58_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922, S.123. [übertragen von Theodor Däubler]</li><li id="footnote_59_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.600.</li><li id="footnote_60_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.191.</li><li id="footnote_61_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922, S.123ff. [übertragen von Theodor Däubler]</li><li id="footnote_62_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.236.</li><li id="footnote_63_254" class="footnote">Œuvres complètes de Paul Verlaine. (Tome quatrième) &#8211; Les poètes maudits &#8211; Louise Leclerq &#8211; Les mémoires d&#8217;un veuf &#8211; Mes hopiteaux &#8211; Mes prison. Paris, 1926, S.34.</li><li id="footnote_64_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_65_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.240.</li><li id="footnote_66_254" class="footnote">Laut christlicher Legende ein Jude, der Jesus angeblich auf dessen Kreuzweg eine Rast vor seiner Haustür verweigert habe, woraufhin Jesus zu ihm gesagt haben soll: „Ich will allhier stehen und ruhen, du aber sollst gehen bis an den jüngsten Tag.&#8221; In generalisierender Form wurde diese Legende dann auch von Antisemiten für ihre Zwecke instrumentalisiert. In Bezug auf Rimbaud meint Delahaye natürlich „den zu ewiger Wanderschaft Verdammten&#8221;, ohne religiöse Konnotation.</li><li id="footnote_67_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.507.</li><li id="footnote_68_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.521.</li><li id="footnote_69_254" class="footnote">Die Etymologie dieses Begriffs ist unsicher. Es spricht einiges dafür, dass sich das französische &#8220;<a title="Definition des Begriffs in der französischen Wikipedia" href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Cafre#_ref-0">cafre</a>&#8221; aus dem Afrikaans ableitet, wo der Begriff „Kaffer&#8221; eine ähnlich pejorative Bedeutung hat, wie in den USA und Europa das Wort „Nigger&#8221;. Dieses Schimpfwort bezieht sich auf die Bewohner der im Französischen als „Cafrerie&#8221; bezeichneten Region im Süden des afrikanischen Kontinents. &#8211; Für möglich wird aber auch gehalten, dass „Kaffer&#8221; sich von dem hebräischen Begriff כפר [ḫefar] = Dorf ableitet. Eine andere Deutung leitet das Wort von dem arabischen Wort Kafir كافر [Kafir], was „Ungläubiger&#8221; bedeutet. Da die Araber in Afrika Sklavenhandel betrieben und die schwarzafrikanischen Sklaven meist keine Muslime waren &#8211; anders als die Nordafrikaner &#8211; kann der Begriff „Kafir&#8221; im afrikanischen Kontext auch als Synonym für Schwarzafrikaner verstanden werden.</li><li id="footnote_70_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_71_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.522.</li><li id="footnote_72_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.</li><li id="footnote_73_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.</li><li id="footnote_74_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.524.</li><li id="footnote_75_254" class="footnote">François Édouard Joachim Coppée, französischer Dichter, *1843 †1908</li><li id="footnote_76_254" class="footnote">eigentlich ça m&#8217;est égal &#8211; aber wohl um des Wortspiels willen verwendet Verlaine diese Schreibweise</li><li id="footnote_77_254" class="footnote">Beiname Napoléons III. &#8211; 1852-70 Kaiser der Franzosen</li><li id="footnote_78_254" class="footnote">eigene, sinngemäße Übersetzung</li><li id="footnote_79_254" class="footnote">so sieht es Verlaine wohl</li><li id="footnote_80_254" class="footnote">vgl. Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992.</li><li id="footnote_81_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.</li><li id="footnote_82_254" class="footnote">arabische Bezeichnung für das nomadische Volk der Afar, dessen Verbreitung sich über den Süden Eritreas, den Osten Äthiopiens und Dschibuti erstreckt</li><li id="footnote_83_254" class="footnote">bis hierher eigene Übersetzung</li><li id="footnote_84_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.</li><li id="footnote_85_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.</li><li id="footnote_86_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.</li><li id="footnote_87_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.271.</li><li id="footnote_88_254" class="footnote">Ägypten wurde 1882 von den Briten besetzt und 1914 formell zum Protektorat der englischen Krone erklärt</li><li id="footnote_89_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.278.</li><li id="footnote_90_254" class="footnote">1889-1913</li><li id="footnote_91_254" class="footnote">abgesehen von Liberia, das allerdings zu Beginn eine Art US-amerikanische Kolonie war und Marokko, das aber doch französisches Protektorat war, ebenso wie Ägypten britisches Protektorat war.</li><li id="footnote_92_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.576.</li><li id="footnote_93_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_94_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.931.</li><li id="footnote_95_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.539.</li><li id="footnote_96_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.229.</li><li id="footnote_97_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.</li><li id="footnote_98_254" class="footnote">Brief Rimbauds an Paul Demeny vom 15. Mai 1871. Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, 25.</li><li id="footnote_99_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, 227.</li><li id="footnote_100_254" class="footnote">*1832 †1883</li><li id="footnote_101_254" class="footnote">*1608 †1674</li><li id="footnote_102_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.535.</li><li id="footnote_103_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.568.</li><li id="footnote_104_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_105_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.427.</li><li id="footnote_106_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_107_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.443.</li><li id="footnote_108_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_109_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.</li><li id="footnote_110_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.242f.</li><li id="footnote_111_254" class="footnote">Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.314.</li><li id="footnote_112_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.</li><li id="footnote_113_254" class="footnote">Chambon, Jean-Pierre: Les mots de l&#8217;autre. 1986</li><li id="footnote_114_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.613.</li><li id="footnote_115_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.224.</li><li id="footnote_116_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.19 u. 21.</li><li id="footnote_117_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.</li><li id="footnote_118_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.23.</li><li id="footnote_119_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.110f.</li><li id="footnote_120_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.398.</li><li id="footnote_121_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_122_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.490.</li><li id="footnote_123_254" class="footnote">- der Sache &#8211; also ihm &#8211; Rimbaud</li><li id="footnote_124_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_125_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.325.</li><li id="footnote_126_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.107.</li><li id="footnote_127_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.468.</li><li id="footnote_128_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_129_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_130_254" class="footnote">Kindlers neues Literaturlexikon © CD-ROM 2000 Net World Vision GmbH. Artikel: Flaubert, Gustave: MADAME BOVARY. Ein Sittenbild aus der Provinz &#8211; MADAME BOVARY. Mœurs de province.</li><li id="footnote_131_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.I.</li><li id="footnote_132_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_133_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_134_254" class="footnote">Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.309f.</li><li id="footnote_135_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.181.</li><li id="footnote_136_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.614.</li><li id="footnote_137_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.</li><li id="footnote_138_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.</li><li id="footnote_139_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.</li><li id="footnote_140_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.</li><li id="footnote_141_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.301.</li><li id="footnote_142_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.84.</li><li id="footnote_143_254" class="footnote">Englisch, Deutsch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Griechisch, Latein</li><li id="footnote_144_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.293.</li><li id="footnote_145_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.79f.</li><li id="footnote_146_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.179.</li><li id="footnote_147_254" class="footnote">Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992, S.294.</li><li id="footnote_148_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_149_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.86.</li><li id="footnote_150_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.111 u. 113.</li><li id="footnote_151_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.332.</li><li id="footnote_152_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.333.</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/' addthis:title='Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Le Passe-muraille</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 19:44:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-passe-muraille-gross.jpg" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft size-full wp-image-1558" title="Le Passe-muraille (Plastik von Jean Marais)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-passe-muraille-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="200" height="299" /></a><span class="initial">A</span>bseits vom Trubel im Umkreis von Sacré-Cœur befindet sich etwa einen halben Kilometer nordwestlich davon, dort, wo sich die Rue Girardon und die Rue Norvins treffen, die Place Marcel Aymé, benannt nach dem französischen Erzähler und Dramatiker. Dieser lebte von seiner Geburt im Jahr 1902 an bis zu seinem Tod im Jahr 1967 auf dem Montmartre in der Rue Norvins Nummer 26. Ihm zu Ehren wurde aus dieser Hausnummer der Place Marcel Aymé Nummer 2. In seiner jetzigen baulichen Form bestand der Platz bereits zu seinen Lebzeiten als Einbuchtung der Rue Norvins. Er wurde also rein nominell für ihn geschaffen und besteht nur aus dieser Hausnummer. Dank dieser Einbuchtung konnte diese sehr elegante Lösung gelingen. Doch bei dieser Ehre allein ließ man es nicht bewenden. Der berühmte Schauspieler, Regisseur, Choreograph, Maler und Bildhauer Jean Marais schuf eine Bronzeplastik des Helden aus Aymés Novelle „Le passe-muraille&#8221; aus dem Jahr 1943<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_0_230" id="identifier_0_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In deutscher &Uuml;bersetzung erschien diese Novelle im Jahr 1949 bei Rowohlt Stuttgart/Hamburg/Baden-Baden unter dem Titel &bdquo;Der Mann, der durch die Wand gehen konnte und andere Pariserische Scheherezaden.&amp;#8221;">1</a></sup>, die im Jahr 1989 eingeweiht wurde.<br />
Dieser Held namens Dutilleul wohnte wie durch Zufall nur zwei Straßen von seinem Schöpfer entfernt im dritten Stockwerk der Rue d&#8217;Orchampt Nummer 75 und war Junggeselle sowie Beamter dritter Klasse im Finanzministerium. Aufgrund eines Stromausfalls fand er im Alter von 43 Jahren heraus, dass er über eine äußerst ungewöhnliche Fähigkeit verfügte. Bei diesem Stromausfall nämlich tappte er eine Weile im Dunkeln und fand sich unversehens im Treppenhaus wieder, ohne dass er jedoch eine Tür passiert hatte. Da die Wohnungstür von innen verschlossen war, sah sich Dutilleul gezwungen, auf dem Weg in seine Wohnung zurückzukehren, auf dem er sie offenbar verlassen hatte. Und siehe da, er gelangte tatsächlich durch die Wand hindurch in seine Wohnung zurück.<br />
<a title="Le Passe-muraille (rechte Seite)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-rechts-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-rechts-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Le Passe-muraille (linke Seite)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-links-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-links-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Nun war aber Dutilleul von seinem Naturell her so geartet, dass ihn diese Gabe eher befremdete als zu Abenteuern antrieb, weshalb er gleich am nächsten Tag in dieser Angelegenheit einen Arzt aufsuchte, der eine „schraubenförmige Verhärtung in der Drosselwand der Schilddrüse&#8221; diagnostizierte und ihm Tabletten verschrieb, die aus „tetravalentem Schafgarbenextrakt, vermischt mit Reismehl und Zentaurenhormon&#8221; bestanden und zweimal jährlich einzunehmen waren. Dutilleul nahm die erste Tablette ein, deponierte die übrigen in seinem Nachttisch und vergaß daraufhin diesen Vorfall und seine übermenschliche Fähigkeit für ein ganzes Jahr.</p>
<p>Doch eine Wendung in seinem Leben sollte sie ihm ins Gedächtnis zurückrufen, als er nämlich einen neuen Vorgesetzten mit Namen Lécuyer bekam, mit dem ein frischer Wind in die Abteilung einzog und der allerlei Dinge änderte, so z.B. auch Formulierungen, die seine Untergebenen in ihren Schreiben zu verwenden hatten. Dutilleul aber konnte sich partout nicht daran gewöhnen und verfiel immer wieder in die herkömmlichen, höflicheren Formulierungen zurück. <a title="Signatur von Jean Marais" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-signatur-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-signatur-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a> <a title="Neben der Skulptur in die Mauer eingelassene Gedenktafel" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-tafel-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-tafel-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Wegen dieser Renitenz wurde er von Lécuyer in einen kleinen Abstellraum strafversetzt, der direkt an dessen Büro grenzte. Weil Lécuyer Dutilleul fortgesetzt schikanierte, entsann dieser sich eines Tages seiner besonderen Gabe. Wiederholt steckte er fortan seinen Kopf durch die Wand seines Chefs und beschimpfte diesen. Immer aber wenn Lécuyer nach einer solchen Erscheinung Dutilleuls in dessen Kabuff hinübereilte, fand er diesen ordnungsgemäß an seinem Schreibtisch bei der Arbeit, sodass Lécuyer an seinem Verstand zweifeln musste. Dutilleul trieb dieses Spiel solange, bis Lécuyer schließlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde.<br />
Eigentlich hätte Dutilleul es ja dabei bewenden lassen können, war er seinen ungeliebten tyrannischen Vorgesetzten doch nun los. Aber Dutilleul hatte Blut geleckt und dachte bereits über weitere Einsatzmöglichkeiten seiner Fähigkeit nach. Er verlegte sich nun auf Bankraub und suchte eine Bank nach der anderen heim, füllte seine Taschen mit Geld und weiteren Wertgegenständen. Bald kannte ganz Paris diesen Einbrecher, den die Polizei einfach nicht zu fassen bekam. Der Ganove, der immer sein Werwolf-Pseudonym „Garou-Garou&#8221; schriftlich an den Tatorten hinterließ, wurde bald zum Stadt- und auch zum Bürogespräch. So musste Dutilleul mit ansehen, wie seine Kollegen sich voller Bewunderung über diesen „Garou-Garou&#8221; äußerten. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und brüstete sich vor den Kollegen damit, dass er selbst dieser „Garou-Garou&#8221; sei, was diese freilich nicht glaubten und Dutilleul stattdessen unentwegt hänselten.<br />
<a title="Straßenschild der Place Marcel Aymé" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Oben die Nummer 2 der Place Marcel Aymé und unten ein Schild zur Erinnerung, dass dies ursprünglich die Nummer 26 der Rue Norvins war" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-2-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-2-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>In der folgenden Nacht ließ Dutilleul sich deshalb absichtlich beim Einbbruch in ein Juweliergeschäft ertappen, um seinen Kollegen zu beweisen, dass er tatsächlich „Garou-Garou&#8221; sei. Am nächsten Morgen war sein Bild auf den Titelseiten der Zeitungen und er selbst im Gefängnis. Dort hielt er Wärter und Direktor immer wieder zum Narren, indem er einfach das Gefängnis verließ, wie es ihm beliebte und auswärts frühstückte oder aber sich im Gästezimmer der Wohnung des Gefängnisdirektors einquartierte. Irgendwann aber war er dessen müde und verließ das Gefängnis auf Dauer, legte sich ein anderes Äußeres zu und nahm sich eine neue Wohung in der Avenue Junot<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_1_230" id="identifier_1_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hierbei handelt es sich &uuml;brigens um die Fortsetzung der o.g. Rue Norvins, in der Marcel Aym&eacute; wohnte.">2</a></sup>, direkt um die Ecke seiner bisherigen Wohnung. Er suchte eine neue Herausforderung für seine Gabe, nachdem die dicken Gefängnismauern ja kein Hindernis dargestellt hatte. So schwebte ihm eine Reise nach Ägypten vor, wo er sich an den Mauern der Pyramiden zu versuchen gedachte. Zunächst aber brachte er einige Zeit unerkannt auf dem Montmartre zu.<span id="more-230"></span><a title="Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Marcel Aymé" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-ici-vecut-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-ici-vecut-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Hinweistafel der Stadt Paris" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-histoire-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-histoire-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a> Eines Tages wurde er auf der Rue de l&#8217;Abreuvoir von dem Maler Gen Paul<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_2_230" id="identifier_2_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1895-&dagger;1975">3</a></sup>, mit dem der Autor auch in Wirklichkeit bekannt und befreundet war, erkannt, weshalb er seine Reisepläne forcierte. Doch noch am gleichen Nachmittag verliebte er sich unsterblich in eine schöne Blonde, der er in der Rue Lepic über den Weg lief und die ihn auch bemerkte und ihm nicht abgeneigt zu sein schien. Doch Dutilleul musste von Gen Paul erfahren, dass diese Dame einen äußerst eifersüchtigen Gatten habe, der sie nur dann aus den Augen lasse, wenn er sich des Nachts amüsieren ging, sie dann aber einschloss. Als Dutilleul die Dame das nächste Mal traf, gestand er ihr seine Liebe und teilte ihr mit, sie in der kommenden Nacht zu besuchen. Diese entgegnete, dass dies unmöglich sei, doch am gleichen Aben, nachdem der eifersüchtige Ehegatte das Haus verlassen hatte, betrat Dutilleul das Haus seiner Geliebten in der Rue Norvins durch die Mauer und drang schließlich auch in ihr Zimmer vor, wo sich beide bis in die Nacht liebten. Anderntags litt Dutilleul unter Kopfschmerzen und nahm zwei von den Tabletten zu sich, die er im Nachttisch fand. Am folgenden Abend machte er sich wieder zu seiner Geliebten auf, wo sie sich abermals liebten. Als Dutilleul sie aber in der Nacht wieder verließ, war das Gefühl beim Hineintreten in die Mauer ein anderes als all die Male zuvor. Bisher war das Durchdringen von Mauern ohne Widerstand vonstatten gegangen, nun aber war ihm als ob er sich in einer zähflüssigen Masse bewegte. Je weiter er eindrang, desto schwerer wurde es. Als er schließlich vollständig in der Mauer war, konnte er sich mit einem Mal gar nicht mehr bewegen. Erst jetzt entsann er sich der vermeintlichen Kopfschmerztabletten, die er eingenommen hatte, bei denen es sich aber offensichtlich, wie ihm nun dämmerte, um die Tabletten handelte, die ihm der Arzt ein Jahr zuvor gegen seine übermenschliche Gabe verschrieben hatte und die er zweimal jährlich einzunehmen hatte. Offenbar entfaltete die zweite Dosis, die er zudem doppelt zu sich genommen hatte, ihre damals gewünschte Wirkung. Dutilleul blieb somit in der Mauer stecken und steckt dort bis zum heutigen Tag. Des Nachts lassen sich aus Richtung der Mauer gedämpfte Klagelaute vernehmen.<br />
Um dem in der Mauer steckenden Dutilleul ein Denkmal zu setzen, hätte es keines Bildhauers bedurft, man hätte einfach ein Hinweisschild an der Mauer anbringen können, mit der Aussage, dass sich darin Monsieur Dutilleul befinde. Aber man hat ihn stattdessen nur halb in der Mauer stecken gelassen, was eine großartige Plastik zur Folge hat. Vielleicht wird hier auch nur demonstriert, wie es ausgesehen haben muss, als Dutilleul noch Mauern passieren konnte. Wie auch immer, hier ist eine absolut sehenswerte Plastik gelungen, die noch dazu ein sehr würdiges Denkmal für Marcel Aymé darstellt.<br />
Welch&#8217; große Faszination von der Novelle und der ihr zugrunde liegenden Idee ausgeht, lässt sich nicht zuletzt daran ermessen, dass „Le passe-muraille&#8221; mehrmals verfilmt wurde. So bereits 1951 in einer französisch-italienischen Produktion unter der Regie von Jean Boyer. Im Jahr 1970 wurde die Novelle abermals filmisch adaptiert, diesmal in einer französischen Produktion unter der Regie von Pierre Tchernia. Im Jahr 1959 wurde die Geschichte von László Vajda auch in der Bundesrepublik verfilmt, mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Vajda und Rühmann erhielten dafür den Ernst-Lubitsch-Preis des Jahres 1959, der seit 1957 für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film verliehen wird.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_230" class="footnote">In deutscher Übersetzung erschien diese Novelle im Jahr 1949 bei Rowohlt Stuttgart/Hamburg/Baden-Baden unter dem Titel „Der Mann, der durch die Wand gehen konnte und andere Pariserische Scheherezaden.&#8221;</li><li id="footnote_1_230" class="footnote">Hierbei handelt es sich übrigens um die Fortsetzung der o.g. Rue Norvins, in der Marcel Aymé wohnte.</li><li id="footnote_2_230" class="footnote">*1895-<span style="font-size: 12pt; font-family: Georgia;">†</span>1975</li></ol>
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		<title>Wo trocknen die Deutschen ihre Wäsche?</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2007 13:17:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Solche und ähnliche Fragen stellen die Mitglieder einer chinesischen Delegation für Stadtentwicklung aus der ostchinesischen Hafenstadt Ningbo ihrer Reiseleiterin in Luo Lingyuans jüngst erschienenem Roman „Die chinesische Delegation&#8221;. Die Parallelen zwischen der Reiseleiterin Song Sanya und der Autorin sind unübersehbar. Beide sind gebürtige Chinesinnen, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben und nach Deutschland gegangen [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/05/11/wo-trocknen-die-deutschen-ihre-waesche/' addthis:title='Wo trocknen die Deutschen ihre Wäsche? '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a title="Cover des Titels ‚Die chinesische Delegation’ von Luo Lingyuan" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/ch-del.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/ch-del.thumbnail.jpg" alt="Cover des Titels ‚Die chinesische Delegation’ von Luo Lingyuan" /></a><span class="initial">S</span>olche und ähnliche Fragen stellen die Mitglieder einer chinesischen Delegation für Stadtentwicklung aus der ostchinesischen Hafenstadt Ningbo ihrer Reiseleiterin in Luo Lingyuans jüngst erschienenem Roman „Die chinesische Delegation&#8221;. Die Parallelen zwischen der Reiseleiterin Song Sanya und der Autorin sind unübersehbar. Beide sind gebürtige Chinesinnen, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben und nach Deutschland gegangen sind, wo sie seit mehreren Jahren mit einem deutschen Mann leben und ihren Lebensunterhalt als Reiseleiterin und Dolmetscherin verdien(t)en. In der Sendung <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/621853/">Büchermarkt im Deutschlandfunk</a> räumte Lingyuan auch völlig unumwunden ein, die ihr bei dieser Arbeit begegneten Charaktere in diesem Buch versammelt zu haben. Es handelt sich hier also um einen Roman mit autobiographischen Zügen, was ihn in diesem Fall nur noch reizvoller macht.<br />
Neunzehn Delegationsmitglieder wollen in ebenso vielen Tagen Europa bereisen, offiziell, um sich über europäische Architektur und europäischen Städtebau zu informieren, eigens für sie veranstaltete Fachvorträge zu besuchen, Fachkräfte zu akquirieren und Geschäfte einzufädeln, darüber hinaus jedoch auch, um zu „shoppen&#8221;, Casinos zu besuchen sowie anderen anrüchigen Vergnügungen nachzugehen. Die Route beginnt in Rom und führt über den Vatikan nach Pisa, Venedig, Wien, Salzburg, München, Leipzig, Berlin, Potsdam, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Trier, Luxemburg und endet schließlich in Paris.<br />
Als „disziplinierten Schnelltouristen&#8221; bereitet den Delegationsmitgliedern ein solches für europäische Reisegewohnheiten überbordendes Programm keine weiteren Schwierigkeiten, was nicht weiter überrascht, ist man doch hierzulande von Japanern schon so einiges gewöhnt. Man möchte meinen, dass derartig in Anspruch genommene Touristen abends direkt ins Bett fallen und schlafen. Doch die Geselligkeit kommt bei den Chinesen offenbar nicht zu kurz. Regelmäßig treffen sie sich in Hotelzimmern anderer Mitglieder, um dort gemeinsam Tee zu trinken und Karten zu spielen. Andere schleichen sich auch mal kurz aus dem Hotel, um Sehenswürdigkeiten des Tages noch einmal auf eigene Faust genauer unter die Lupe zu nehmen.<br />
Das Haupt der Delegation ist Wang Jian, da dieser als stellvertretender Parteisekretär, Vizebürgermeister und Stadtbaurat von Ningbo das ranghöchste Mitglied der Gruppe ist. Sein ziviler Name wird nur am Anfang kurz erwähnt, da er sowohl von den Mitreisenden als auch von der Reiseführerin ängstlich respektvoll mit Kommandant Wang angesprochen wird bzw. nur mit Kommandant. Er ist ein despotischer Mensch, von dessen Launen das Befinden der gesamten Gruppe beeinflusst wird, dem von Mitreisenden immer Honig ums Maul geschmiert wird, um ihn bei Laune zu halten, was insofern auch wichtig ist, weil er aufgrund seiner Position durch Auftragsvergabe oder eben Auftragsverweigerung das wirtschaftliche Wohl und Wehe seiner Mitreisenden in der Hand hat. Wang ist ein abstoßender Charakter, der die Reiseleiterin, die er ungeachtet ihrer Herkunft sowieso als Ausländerin (Dissidentin?) betrachtet, permanent tyrannisiert und schikaniert. Ein Mann voller Doppelmoral, der vor dem Betreten besonders anrüchiger und kapitalistischer Orte, wie der Reeperbahn moralinsaure Vorträge hält, in denen er die Gruppe daran erinnert, wen sie vertritt:</p>
<blockquote><p>„Genossen&#8221;, ruft er ins Mikrofon. „Wir werden ein Stadtviertel sehen, das korrupt und verkommen ist, und wo öffentlich Dinge stattfinden, die in China zu Recht verboten sind. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht den Abschaum des Kapitalismus mit seiner goldenen Seite verwechseln. Eine kritische und distanzierte Betrachtungsweise ist angebracht. Ich betone: <em>kritisch und distanziert!</em>&#8220;</p></blockquote>
<p>Was Kommandant Wang darunter versteht, kann man dann in Amsterdam beobachten.<span id="more-67"></span> Abgesehen davon, dass die Autorin ihre Charaktere fein beobachtet hat und mit z.T. spitzer Zunge, aber keineswegs frei von Sympathie (selbst für den Kommandanten scheint sie irgendwie zumindest so etwas wie Mitgefühl aufbringen zu können) beschreibt, ist doch das Interessanteste und Spannendste an diesem Buch, zu lesen, was Chinesen in Europa auffällt, was sie interessant, seltsam, überflüssig oder sinnvoll finden. Auf diese Weise wird nicht nur der eigene Blick auf sich selbst geschärft, sondern man erfährt gleichzeitig so einiges über China und die Denkart moderner Chinesen. Ein Phänomen, von dem wohl auch ein Autor wie Wladimir Kaminer profitiert, nur dass man in seinen Büchern Deutschland durch die russische Brille sieht. Wie bei Kaminer sind auch die Dinge, die Lingyuan beschreibt, allesamt nicht neu, werden von uns jedoch kaum wahrgenommen, schon gar nicht als etwas Besonderes. Die eingangs zitierte Frage gehört dazu. Offenbar kommt es Chinesen seltsam vor, dass an Deutschlands Fenstern (so gut wie) keine Wäsche zum Trocknen hängt, sodass man sich fragt, wie das denn hierzulande bewerkstelligt wird. Verwundert sind Chinesen offenbar auch darüber, dass deutsche Parks nicht von einer Mauer umgeben oder wenigstens umzäunt sind und warum man dort keinen Eintritt entrichten muss. Erstaunt sind sie zudem darüber, dass es auf deutschen Baustellen so wenige Arbeitsunfälle geben soll. Gleichzeitig wundert man sich, dass die Gerüste hier nicht aus wackeligem Bambusrohr, sondern aus Stahlrohr bestehen, das doch um so vieles teurer ist. Die Dinge, die in Deutschland besser gelöst zu sein scheinen, werden genauestens registriert. So auch Themen wie Umweltschutz, Denkmalschutz und die Förderung und Konservierung der Kultur. Über andere Dinge amüsiert man sich. Wieder andere Dinge werden dagegen nicht akzeptiert, wie das Kennzeichen des Busses, dessen Ziffernfolge im Chinesischen nichts Gutes verheißt oder aber Doppelbetten für Unverheiratete. Seltsam mutet auch an, dass die Chinesen bei aller Aufgeschlossenheit so gut wie immer in chinesischen Restaurants essen, selbst wenn es nur von Vietnamesen geführt wird, wie in Leipzig der Fall, was natürlich eine inakzeptable Qualität mit sich bringt. Die wenigen Ausnahmen bilden Venedig, wo die Delegation sehen will, was die Italiener aus den chinesischen Nudeln gemacht haben, die Marco Polo aus China mitgebracht hat, sowie das Hofbräuhaus, wo man „Wurstplatte, Eisbein, Schnitzel und Leberkäse&#8221; sowie einige Maß Bier zu sich nimmt, was offensichtlich gut ankommt, jedoch nicht dazu führt, dass man auf diese Erfahrung hin etwa dazu überginge, öfter die europäische Küche zu probieren.<br />
Die Chinesen wundern sich, dass die Geschäfte so früh schließen, dass Busfahrer nur eine begrenzte gesetzliche Lenkzeit haben, dass (fast) alle Bauarbeiter versichert sind und dass man sich über das Grundwasser Gedanken macht.<br />
Beim Lesen des Buches kommt es einem gar nicht so widersprüchlich vor, dass Kommandant Wang im Wohnhaus der Familie Marx in Trier ein Gesicht macht, „als hätte er durch jahrelanges Beten endlich Kontakt zu Buddha erhalten&#8221; und ein anderes Delegationsmitglied in Amsterdam einen Diamanten im Wert von 60.000 Dollar kauft. Denn solche scheinbaren Widersprüche werden anhand einzelner Biographien gleichzeitig aufgelöst. So werden von der Kulturrevolution deformierte und entwurzelte Menschen gezeigt, die dennoch dem Kommunismus nicht abhold sind, weil sie später von der Modernisierung Chinas unter Deng Xiaoping profitierten, die zwar keine politischen Freiheiten gewährte, aber einen wirtschaftlichen Pragmatismus mit sich brachte, der China zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und so manchen Chinesen zum Millionär machte. Nach der Lektüre dieses Buches wird sich wohl selbst die Ansicht des Busfahrers Frank Wagner ändern, derzufolge sich die Delegationsmitglieder „wie eine Horde frisch geschlüpfter Küken&#8221; ähneln, allesamt „gelbhäutig, schwarzäugig und von kleiner Statur&#8221;, die auch wie Küken piepsen.<br />
So plötzlich, wie sie auf dem Flughafen Rom-Fiumicino aufgetaucht ist, entschwebt „die chinesische Delegation&#8221; am neunzehnten Tag ihres Aufenthaltes von Paris aus in Richtung Heimat. Damit enden auch 258 absolut lesenswerte Seiten voller Humor und erfrischend blumiger Metaphern. Einzig die Berliner Episoden mit dem Freund der Reiseleiterin hätten gut und gerne weniger detailliert ausfallen können, um an deren Stelle weitere interessante interkulturelle Anekdoten von der Delegation zu setzen, an denen sicher kein Mangel war.<br />
Ein solches Buch würde man gerne auch über Delegationen vieler anderer Länder lesen. Da ist also noch genug Unterhaltungspotential.</p>
<p><em>Luo Lingyuan<br />
Die chinesische Delegation<br />
München, dtv premium, Februar 2007<br />
14,50 EUR<br />
ISBN: 978-3-423-24565-4</em></p>

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		<title>Christian Fürchtegott Gellert &#8211; Ein FABELhaftes Grab &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jan 2007 02:16:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 13. Dezember habe der Philosophieprofessor Gellert nach dreizehntägiger hartnäckiger Leibes-Obstruktion und innerlicher Entzündung die Zeitlichkeit verlassen, meldeten Leipziger Zeitungen.1 Mit ihm hätten Stadt und Universität Leipzig einen ihrer berühmtesten Männer verloren, hieß es dort weiter. In der Tat gingen die Menschen eines der bedeutendsten Vertreter der Leipziger Aufklärung verlustig, die sich auch solch bekannter [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/' addthis:title='Christian Fürchtegott Gellert &#8211; Ein FABELhaftes Grab &#8230; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/gellert-gross.jpg" rel="lightbox[253]"><img class="alignleft size-full wp-image-1641" title="Grabplatte von Christian Fürchtegott Gellert" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/gellert-klein.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="336" height="442" /></a><span class="initial">A</span>m 13. Dezember habe der Philosophieprofessor Gellert nach dreizehntägiger hartnäckiger Leibes-Obstruktion und innerlicher Entzündung die Zeitlichkeit verlassen, meldeten Leipziger Zeitungen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_0_253" id="identifier_0_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. L&ouml;ffler, Katrin; Sch&ouml;pa, Iris u.a.: Der Leipziger S&uuml;dfriedhof &amp;#8211; Geschichte / Grabst&auml;tten / Grabdenkm&auml;ler. Leipzig, 20042, S. 46.">1</a></sup> Mit ihm hätten Stadt und Universität Leipzig einen ihrer berühmtesten Männer verloren, hieß es dort weiter. In der Tat gingen die Menschen eines der bedeutendsten Vertreter der Leipziger Aufklärung verlustig, die sich auch solch bekannter Namen wie Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing rühmen kann. Mit seinen „Fabeln und Erzählungen&#8221; (1746-48), die aus dem aufklärerischen Tugendideal heraus entstanden, wurde Gellert einer der meistgelesenen Autoren des 18. Jahrhunderts. Sein Briefroman „Das Leben der schwedischen Gräfin von G***&#8221; begründete in Deutschland den bürgerlichen Roman. Seine Lustspiele führten das „Rührstück&#8221; (Comédie larmoyante) aus dem Französischen in die deutsche Literatur ein. Auch als Professor genoss Gellert seitens seiner Studenten große Verehrung und Liebe, wie Goethe in „Dichtung und Wahrheit&#8221; berichtet. Seine Vorlesungen über Moral, Poesie und Beredsamkeit seien gedrängt voll gewesen, so Goethe. Zu Goethes Studienzeit in Leipzig neigte sich das Leben Gellerts jedoch bereits seinem Ende zu. Mit seiner Beerdigung hatte Gellert jedoch mitnichten seine letzte Ruhestätte gefunden, wie im Folgenden beschrieben werden soll.<br />
Nach dreifacher Umbettung befindet sich Gellerts letzte Ruhestätte nunmehr auf dem Leipziger Südfriedhof (Abteilung I). Seine erste Grabstätte jedoch befand sich auf dem Alten Johannisfriedhof. Als die heute nicht mehr existierende Johanniskirche 1894 bis auf den Turm abgebrochen wurde, um nach den Plänen des Architekten Hugo Licht im neobarocken Stil neu gebaut zu werden, fand man an der Südwand die Gebeine Johann Sebastian Bachs und diejenigen Gellerts. Man exhumierte sie und setzte sie 1897 in dem fertig gestellten Kirchenneubau in einer Gruft unter dem Altarraum erneut bei.<br />
Nachdem das Kirchenschiff im Jahr 1943 bei Luftangriffen stark beschädigt worden war, wurden 1949 die Trümmer beseitigt und die verbliebenen Ruinen des Kirchenschiffs abgetragen. Im gleichen Jahr wurden die Gebeine Bachs in die Thomaskirche umgebettet, während die Gebeine Gellerts in die Universitätskirche St. Pauli überführt wurden. Der übriggebliebene Turm der Johanniskirche wurde 1956 saniert, was nichts daran änderte, dass das atheistische Regime der DDR ihn 1963 sprengen ließ, sodass an dieser Stelle heute nur noch der Name „Johannisplatz&#8221; an die Kirche erinnert. Der weiter südöstlich, hinter dem Grassimuseum gelegene Alte Johannisfriedhof, der heute eine museale Parkanlage ist, ist ein weiterer Hinweis auf die frühere Existenz der Kirche. Der seit 1563 bestehende Alte Johannisfriedhof war 1883 wegen vollständiger Auslastung seiner Kapazitäten für Bestattungen geschlossen worden. Fortan wurde der 1846 eröffnete Neue Johannisfriedhof genutzt, der etwa einen Kilometer südöstlich vom Alten Johannisfriedhof gelegen war. Am 31.12.1950 wurde jedoch auch dieser Friedhof von der Stadtverwaltung für Bestattungen &#8211; und zwanzig Jahre später, am 31.12.1970, für die Öffentlichkeit geschlossen. Darauf folgte zunächst die Säkularisation des Gottesackers, in deren Zuge Gruftanlagen und Umfassungsmauern abgebrochen und Gräber eingeebnet wurden. Umbettungen fanden nur dann statt, wenn sie privat finanziert wurden. Nur etwa 120 Grabmale wurden gerettet und auf dem Alten Johannisfriedhof gelagert. Unsachgemäßer Transport dorthin führte jedoch zu starken Beschädigungen der historisch bedeutenden Objekte. Vandalismus und Diebstahl taten schließlich ihr Übriges, sodass nach dem Ende des Arbeiter- und Bauernstaates nur noch 58 Grabmale übrig waren, die saniert werden konnten und daraufhin im südöstlichen Teil des Alten Johannisfriedhofs im eigens für diese Objekte eingerichteten Lapidarium aufgestellt wurden. Im Jahr 1983 wurde der nunmehr säkularisierte Neue Johannisfriedhof der Bevölkerung unter dem neuen Namen „Friedenspark&#8221; als städtisches Naherholungsgebiet zur Nutzung freigegeben. Somit fiel hier ein Name weg, der an die Existenz der Johanniskirche erinnerte. Die in nordöstlicher Richtung verlaufende Johannisallee ist jedoch ein heute noch existierender Hinweis auf diese Kirche. Die Johannisallee befindet sich zwischen Altem Johannisfriedhof und dem Friedenspark.<br />
Doch zurück zum Schicksal von Gellerts Gebeinen. Ihnen war nur eine kurz Zeit der Ruhe vergönnt, denn die sie beherbergende Universitätskirche St. Pauli war den sozialistischen Bauplanern ein Dorn im Auge. Religion hatte in einer inzwischen in „Karl Marx&#8221; umbenannten Universität, auf einem inzwischen auf den Namen „Karl Marx&#8221; umgetauften Platz keine Daseinsberechtigung, hatte doch ausgerechnet dieser den von Lenin abgewandelten Auspruch geprägt, demzufolge Religion Opium für das Volk sei. Nun hatte aber der &#8211; seine späteren Jünger des DDR-Politbüros an Intelligenz wohl allesamt weit überlegene &#8211; Marx diesen Ausspruch in einer Zeit getätigt, als die christliche Konfession fast ausschließlich auf der Seite der „besitzenden Klassen&#8221; stand. Das „Übel&#8221; der Existenz dieser besitzenden Klassen hatte das SED-Regime im Jahr 1968 jedoch weitgehend beseitigt. Man war dem Ziel der „klassenlosen Gesellschaft&#8221; also bedeutend nähergerückt. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein Marx diesem neuen Kontext Rechnung getragen hätte. Seine buchstabengläubigen und parolenverliebten Anhänger waren zu einer solchen geistigen Transferleistung offenbar nicht imstande. Das klerikale Übel musste allem Anschein in ihren ideologisch verblendeten Augen mit Stumpf und Stiel ausgemerzt werden. <span id="more-253"></span>Kurzum, im Mai 1968 beschloss das Politbüro des ZK der SED unter Vorsitz des gebürtigen Leipzigers Walter Ulbricht die Sprengung des 737 Jahre alten Gotteshauses<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_1_253" id="identifier_1_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieses Alter ergibt sich beim Zugrundelegen des Jahres des Baubeginns 1231. Legt man das Jahr der Weihung, n&auml;mlich 1240, zugrunde, wurde die Kirche dementsprechend im Alter von 728 Jahren zerst&ouml;rt.">2</a></sup>. Wäre man einigermaßen souverän gewesen, hätte man die Kirche auch einfach umwidmen also säkularisieren können, vielleicht hätte sie als Aula oder auch als Lesesaal dienen können, schließlich war die Universitätsbibliothek &#8211; die Bibliotheca Albertina &#8211; 1945 zu zwei Dritteln zerstört worden, im Gegensatz zur Universitätskirche St. Pauli, die bei einem Luftangriff im Jahr 1943 nur leicht beschädigt worden war. Doch die Sprengung der Kirche blieb unabwendbar und wurde am 30. Mai 1968 schließlich durchgeführt. Was das Schicksal der etwa 800 in der Universitätskirche begrabenen Persönlichkeiten betrifft, herrscht bis heute Unklarheit. Am 11. Oktober 2007 berichtete „artour&#8221; &#8211; das Kulturmagazin des Mitteldeutschen Rundfunks &#8211; unter dem Titel <a href="http://www.mdr.de/artour/4892035.html">„Wie die SED die Totenruhe störte&#8221;</a>, dass laut Aussage des Zeitzeugen Winfried Krause, entgegen der damaligen offiziellen Verlautbarung, die in der Universitätskirche begrabenen Persönlichkeiten keineswegs auf den Leipziger Südfriedhof umgebettet wurden. Auch der bei „artour&#8221; zitierte Leiter des Friedhofs teilte mit, dass bis auf eine einzige Ausnahme niemand aus der Universitätskirche dorthin umgebettet worden sei. Bei dieser Ausnahme handelt es sich im Übrigen um Christian Fürchtegott Gellert, der damit das dritte Mal umgebettet wurde, zwei Mal allein durch die SED-Verantwortlichen, die über ihren intoleranten Atheismus hinaus offensichtlich auch noch pietätlos waren. Von den Gebeinen der restlichen 799 Persönlichkeiten aber fehle bis heute jede Spur, so „artour&#8221;. Krause zufolge seien kurz vor der Sprengung der Universitätskirche zunächst alle auffindbaren wertvollen Grabbeigaben geplündert und dann die Gebeine in Kindersärgen „verstaut&#8221; worden. Was daraufhin mit den Toten geschah, ist, wie gesagt, unbekannt, was sehr dafür spricht, dass die SED-Funktionäre auch hier skrupellos vorgingen. Angesichts solch barbarisch handelnder Menschen stellt sich die Frage, ob man überhaupt sicher sein kann, dass unter der Grabplatte Gellerts tatsächlich auch Gellert liegt.<br />
Laut Krause hätten die Verantwortlichen in der Kirche sogar Bodenbohrungen vornehmen lassen, da unterirdische Grüfte vermutet worden seien<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_2_253" id="identifier_2_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2007, S.22">3</a></sup>, in denen die Leichenfledderer der SED wohl weitere Wertgegenstände vermuteten, die sich zur Sicherung ihrer Privilegien in klingende Münze des Klassenfeindes umwandeln ließen. Da heute keinerlei Informationen über den Verbleib von Kunstschätzen und Gebeinen existieren, kann davon ausgegangen werden, dass &#8211; so die Informationen Krauses zutreffend sind &#8211; diese Bohrungen nicht vorgenommen wurden, um Kulturgut für die Nachwelt zu sichern, sondern um sich an den Hinterlassenschaften der „Reaktionäre&#8221; von „Klerus&#8221; und „Bourgeoisie&#8221; zu bereichern. Dieses Feindbild vor Augen zu haben, half sicher dabei, das Aufkommen eines schlechten Gewissens angesichts dieses Kulturvandalismus zu verhindern.<br />
Abgesehen von dem, was die SED an Wertgegenständen aus der Kirche plündern ließ und womöglich zu Devisen machte, wurde aus der Universitätskirche nur der Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert gerettet, der noch heute als Dauerleihgabe der Universität im Chorraum der Thomaskirche zu besichtigen ist. Zudem sei es Kirchenvertretern in letzter Minute gelungen, einige der Wertgegenstände aus dem Gebäude zu holen sowie die wertvollsten Teile der beiden Orgeln auszubauen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_3_253" id="identifier_3_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Fritzsch, Harald: Flucht aus Leipzig. Eine Protestaktion und ihre Folgen. M&uuml;nchen, 2004, S.60.">4</a></sup> Die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Hütter berichtete von ihrer letzten Begehung der Paulinerkirche kurz vor deren Sprengung, dass sie dort abgeschlagene Hände und zertrümmerte Gesichter der Figuren an den Grabdenkmälern gesehen und sich an die barbarischen Akte der Bilderstürmerei erinnert gefühlt habe<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_4_253" id="identifier_4_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: MDR-Bericht vom 29.05.2003: &bdquo;Der Fall der Universit&auml;tskirche zu Leipzig&amp;#8221; ">5</a></sup>.<br />
Was der damals verantwortliche SED-Bezirkschef Paul Fröhlich unter Kunst, Demokratie und Humanismus verstand, lässt sich in erschreckend offener und entlarvender Weise in seinem damals unveröffentlichten, am 22. Mai 1968 vor der SED-Bezirksleitung <a href="http://www.mdr.de/kultur/744256-hintergrund-742032.html" class="broken_link">gehaltenen Referat nachlesen</a><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_5_253" id="identifier_5_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: MDR">6</a></sup>. Darüber, ob es sich bei dem, was die SED nach der Sprengung der Kirche und des Augusteums<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_6_253" id="identifier_6_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ehemaliges Hauptgeb&auml;ude der Universit&auml;t &amp;#8211; erbaut: 1831-36">7</a></sup> an deren Stelle plump in die Landschaft platzierte, um ein Kunstwerk handelte, wie Fröhlich in seinem Referat gänzlich unbescheiden behauptete, dürfte wohl sehr geteilte Meinung herrschen. Wen monotoner Plattenbau, kombiniert mit einer völlig überdimensionierten 33 Tonnen schweren, 14 Meter breiten, 7 Meter hohen und 3 Meter tiefen Bronzeplastik mit dem Titel „Karl Marx &#8211; das revolutionäre und weltverändernde Wesen seiner Lehre&#8221;, bekannter aber unter dem Namen „Aufbruch&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_7_253" id="identifier_7_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Geschaffen von den Leipziger K&uuml;nstlern Rolf Kuhrt, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe.">8</a></sup> anspricht, dem mag dieser Bau gefallen haben und der mag es im Sinne des sozialistischen Städtebaus gutgeheißen haben. Dass die Seele eines Menschen unter solch trister Monotonie leiden kann, sich von solch plumper Gigantomanie erdrückt fühlen kann, waren und sind sicher so manchem Verantwortlichen von damals völlig fremde Gedanken, ebenso wie die Tatsache, dass es ein Frevel ist, mutwillig Kulturgüter zu zerstören. Wer Kulturgüter zerstört, weil sie nicht identisch mit der eigenen Weltanschauung sind, ist religiös oder ideologisch fanatisch und daher gefährlich. Solche Menschen sollten nicht über das Schicksal anderer bestimmen dürfen. Ein solches Verhalten findet sich in den Bücherverbrennungen der nationalsozialistischen Massenmörder, in dem vom Massenmörder Mao angeordneten Bildersturm Ende der 1960er Jahre, als man u.a. buddhistische Tempel und christliche Kirchen zerstören ließ oder in dem Bildersturm des Massenmörders Stalin gegen die orthodoxe Kirche, aber auch in dem Bildersturm der barbarischen und jenseitigen Taliban gegen die Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan im März 2001.<br />
Betrachtet man also die Bilderstürmer des 20. Jahrhunderts, befindet sich die SED in entlarvender Gesellschaft von samt und sonders psychopathischen Persönlichkeiten, die aus einer Mischung aus Paranoia, Mangel an Kultur, aus ideologischem oder religiösem Fanatismus, aus rein egoistischem Machterhaltungstrieb oft gepaart mit einem Mangel an Bildung bzw. mit einseitiger Bildung Bilderstürme veranlassten.<br />
Der offensichtlich völlig übergeschnappte und größenwahnsinnige Paul Fröhlich hielt diesen Neubau für „die größte humanistische Tat der Arbeiter- und Bauern-Macht&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_8_253" id="identifier_8_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zitat aus dem oben erw&auml;hnten Referat.">9</a></sup>.<br />
Etwa vierzig Jahre nach diesem Ikonoklasmus, wurde nun das asbestverseuchte sozialistische Hauptgebäude, das die Stelle der Kirche und des Augusteums eingenommen hatte, abgerissen. Zuvor musste jedoch eine umfangreiche Gefahrstoffsanierung durchgeführt werden, wie auf der <a title="Link zur Website der Firma Reinwald-Entsorgung" href="http://www.reinwald.de/referenz_abbruch_uni_campus.html" target="_blank">Seite der mit dem Abriss beauftragten Firma</a> nachzulesen ist.<br />
Die Ironie der Geschichte ist es nun, dass sich ausgerechnet die Mitglieder der „Linksfraktion.PDS&#8221;, also der Nachfolgeorganisation der SED, zu Wort melden und darüber ereifern, dass der demontierte Bronzekoloss nicht in der Innenstadt aufgestellt werden soll, sondern auf dem Gelände einer weiter entfernten Fakultät. Dass das „herrschende kapitalistische Regime&#8221; niemals erwogen hat, das Marx-Relief zu sprengen oder einzuschmelzen, sondern lediglich darüber nachdenkt, wo der Koloss aufgestellt wird, übergehen die sozialistischen Kritiker geflissentlich. Der Kritik, die sie am heutigen System und dessen Umgang mit Denkmälern aus Unrechtsregimes üben, hätte ihre DDR nicht auch nur einen kurzen Moment standgehalten. Und weil sie sich dessen wohl durchaus bewusst sind, verschweigen sie in ihrer Apologetik, dass dieses Marx-Relief und das Gebäude an dem es befestigt war, auf nichts anderem als Unrecht erbaut war. Sie verschweigen überhaupt die Existenz einer Kirche und eines Augusteums an diesem Ort.<br />
Der Leipziger Stadtrat Volker Külow von der „Linkspartei.PDS&#8221;, der aus seiner IM-Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit keinen Hehl macht<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_9_253" id="identifier_9_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Gegenteil, bis heute w&uuml;rden ja &bdquo;alle ma&szlig;geblichen Staaten Nachrichtendienste unterhalten&amp;#8221; (Zitat K&uuml;low aus seiner Erkl&auml;rung 16.02.2007 zu den gegen ihn erhobenen Stasi-Vorw&uuml;rfen.) ">10</a></sup>, ist einer jener Apologeten, denen es gelegen kommt, dass ihnen so einiges nicht mehr „erinnerlich&#8221; sei. Seien es nun Details aus der Stasi-Akte oder offenbar auch der Abriss von Kirchen, von denen in ihren Plädoyers für den verantwortlichen Umgang mit Geschichte seltsamerweise keine Rede ist. So hielt Volker Külow, der im Übrigen von 1982-86 Marxismus-Leninismus und Geschichte der Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität studierte, am <a href="http://www.pds-fraktion-leipzig.de/stadtrat/redendetails.asp?LfdNr=250">15.11.2006 eine Rede vor dem Leipziger Stadtrat</a> mit dem Titel „Geschichte lässt sich nicht entsorgen&#8221;. Schon allein der Titel macht stutzig. War es nicht genau das, was die SED unzählige Male mit dem versuchte, was nicht in ihr sozialistisches Bild passte?<br />
In seiner Rede dozierte Külow, „dass unsere Stadt mit ihrer fast tausendjährigen Geschichte als epochaler Reinraum denkbar ungeeignet&#8221; sei. Eben so wenig ließen „sich Kunstwerke mit historischen Bezügen und einer besonderen Historie ihrer Entstehung entsorgen&#8221;. So so, hier setzt offenbar die Amnesie des Volker Külow ein, denn nichts anderes geschah doch mit der Paulinerkirche &#8211; sie wurde entsorgt, auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen, von der SED, der Partei, der Külow seit 1980 angehörte. Dann führt Külow Städte an, die einen souveränen und lockeren Umgang mit ihren Marx-Denkmälern pflegten. So London, Trier und Moskau oder &#8211; hier kommt der Kosmopolit Külow auch dem beschränkten Mitbürger entgegen &#8211; wem dies „zu weit&#8221; sei, seinetwegen auch Chemnitz. Eine SPD-geführte Stadt wie Chemnitz würde sogar für sich mit dem Slogan „Stadt mit Köpfchen&#8221; werben<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_10_253" id="identifier_10_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="womit auf die dortige Karl-Marx-B&uuml;ste angespielt wird">11</a></sup>, überdies gebe es sogar Karl-Marx-Trüffel mit dem Abbild der Chemnitzer Marx-Büste. Von der Begeisterung für dieses Zuckerwerk fast davongetragen, äußert Külow den Wunsch, dass doch auch Leipzig so souverän und locker mit „einem der größten Denker&#8221; umgehe. Es darf wiederum daran erinnert werden, wie „souverän&#8221; und „locker&#8221; die SED mit den Kulturgütern aus früheren Zeiten umging. Sprengung von Jahrhunderte alten Gebäuden, Plünderung von Kunstgegenständen, die zum Teil auf dubiosen Wegen zu Devisen gemacht wurden, Störung der Totenruhe, Inhaftierung von Bürgern, die es wagten, die Sprengung der Universitätskirche durch Foto oder Film zu dokumentieren oder einfach nur ihre Meinung zu äußern. Nicht unerwähnt bleiben darf die Zerstörung zehntausender Altbauten, deren sich die DDR durch Unterlassung schuldig gemacht hat. Allein in der Prager Straße, die zu DDR-Zeiten ausgerechnet Leninstraße hieß, musste die straßenbegleitende Gründerzeitbebauung zu Beginn der 1990er Jahre großflächig abgebrochen werden, weil die Bauten nach vierzig Jahren SED-Herrschaft völlig heruntergekommen waren, so dass eine Renovierung nicht mehr möglich war. So erging es ganzen Stadtvierteln überall in der DDR. Eine Nachfolgeorganisation, die noch immer große Teile des DDR-Systems gutheißt, bzw. sich nicht deutlich davon distanziert, sollte sich fragen, welches moralische Recht sie überhaupt noch hat, der heutigen Gesellschaft Lektionen im richtigen Umgang mit Geschichte und historischer Bausubstanz zu erteilen, einer Gesellschaft wohlgemerkt, in der Entscheidungsprozesse demokratisch herbeigeführt werden und nicht von einem Politbüro dem Volk aufgezwungen werden. Das Einfordern von Rechten für ein Marx-Relief, das seine Entstehung der vorherigen Zerstörung von Kulturgut verdankt unter gleichzeitigem Verschweigen dieser Kulturbarbarei, ist widerwärtig, zutiefst unredlich und verlogen. Es sei im Übrigen daran erinnert, dass selbst die Sowjetunion die Souveränität besaß, in ihrer Hauptstadt auf dem prominentesten Platz die Basilius-Kathedrale zu tolerieren. Ja auch den Kreml selbst ließ man stehen und machte ihn zum Sitz der regierenden KPdSU, obwohl er doch als frühere Zarenresidenz<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_11_253" id="identifier_11_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="bis 1712">12</a></sup> ideologisch gesehen problematisch war.<br />
Das Abgeordnetenbüro der Linkspartei in Leipzig zitiert auf seinen Internetseiten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_12_253" id="identifier_12_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://www.linke-bueros.de/index.html">13</a></sup> einen Artikel der linksextremen „Jungle World&#8221;, in dem berichtet wird, dass die „Kunde davon, wie es Marx erging, [...] selbst in den Abendnachrichten des bulgarischen Fernsehens für Aufsehen&#8221; gesorgt habe. Die Abendnachrichten des bulgarischen Fernsehens sind bekanntlich für die Bundesbürger eine wichtige Informationsquelle, da ja hierzulande keine Pressefreiheit herrscht. Millionen von Bundesbürgern orientieren sich aus diesem Grund zudem an den Nachrichten des albanischen Frühstücksfernsehens.<br />
Lieber Hannes Delto &#8211; Verfasser des „Jungle World&#8221;-Artikels &#8211; Ihr Hinweis auf die bulgarischen Fernsehnachrichten ist schon pure Realsatire, und wüsste man es nicht besser, hielte man ihn für eine Selbstparodie. Absurder geht&#8217;s wirklich nimmer &#8211; sollte man meinen, bzw. hoffen. Aber Hannes Delto hat noch etwas in der Hinterhand. Er zählt nämlich Objekte auf, bei denen es sich um erhaltenswerte Zeugnisse der Geschichte handele, die jedoch seit der Wende aus dem Stadtbild verschwunden seien, das sie über Jahrzehnte geprägt hätten. So vermisst Herr Delto z.B. die Fußgängerbrücke „Das Blaue Wunder&#8221; oder die Wasserspielanlage „Pusteblumen&#8221;. Die Zeit zwischen 1950 und 1990 sei mittlerweile weitgehend getilgt &#8211; auch baulich, so der offensichtlich in seiner Wahrnehmung stark beeinträchtigte Hannes Delto. Lieber Herr Delto, wenn es Sie so sehr nach baulichen Zeugnissen aus dieser Zeit gelüstet, warum statten Sie nicht Leipzig-Grünau, Halle-Neustadt, Berlin-Marzahn/Hellersdorf oder Eisenhüttenstadt einen Besuch ab, auch der ehemalige „Uniriese&#8221; steht noch, genauso wie das Messehochhaus. Besuchen Sie die Karl-Marx-Allee in Berlin und die Ringbebauung am Leipziger Roßplatz und in der Windmühlenstraße, wo Sie den sozialistischen Klassizismus genießen können. Auch in der Arthur-Hoffmann-Straße werden Sie auf der Suche nach sozialistischer Architektur fündig werden, genauso wie entlang der Straße des 18. Oktober. Dabei wird Ihnen nicht entgehen, dass die Arthur-Hoffmann-Straße immer noch nach einem KPD-Mitglied und antifaschistischem Widerstandskämpfer benannt ist, auch wenn das nicht in Ihr Feindbild passt. Oder sehen Sie sich die schönen Hochhäuser am Leipziger Brühl an. Und hören Sie vor allem damit auf, in die Welt zu setzen, dass die Zeit zwischen 1950 und 1990 weitgehend getilgt sei &#8211; das ist unwahr und völlig absurd. Mit einer solchen Behauptung disqualifizieren Sie sich als ernstzunehmender Diskussionspartner. Entweder mangelt es Ihnen in starkem Maß an Wissen oder Sie sind gezielt auf einem Auge blind, ganz im Sinne der Agitation Ihres manichäistischen Weltbildes, in dem Graustufen nicht vorkommen. Es wirkt zudem lächerlich, dass Sie einem Pusteblumen-Brunnen nachtrauern, ohne auch nur mit einem einzigen Ton zu erwähnen, dass die Universitätskirche von den von Ihnen bewunderten Sozialisten gesprengt wurde. Man könnte sagen, dass Sie sich in Ihrer Apologetik völlig asymmetrischer Argumentationsgrundlagen bedienen, bei der ein Pusteblumenbrunnen gegen die gesamte Altbausubstanz eines 17-Millionen-Volkes steht, die das SED-Regime bis hin zur Unkenntlichkeit hat verrotten lassen, wenn es die Häuser nicht vor ihrem Zusammenbruch einfach wegsprengen ließ. Es darf übrigens bezweifelt werden, dass die bulgarischen Abendnachrichten über die Sprengung der Universitätskirche berichtet haben.<br />
Und was DDR-Architektur und die Gestaltungsfreiheit ihrer Architekten betrifft, sei jedem, der noch Illusionen darüber hat, der DEFA-Film „Die Architekten&#8221; aus den Jahren 1989/90 empfohlen, wo sich zeigt, wie Phantasie und Gestaltungsdrang der DDR-Architekten auf ein Maß zurechtgestutzt wurden, das absolutes Mittelmaß war. Dort lässt sich auf traurige Weise beobachten, wie geplante menschenfreundliche Wohngegenden zu Betonwüsten rationalisiert wurden, weil quantitative Planerfüllung wichtiger war als der Mensch, solange nur der Funktionär seine Datsche hatte, war der Rest egal.<br />
Während nun Herr Delto also darüber klagt, dass die Stadt Leipzig kein Interesse an einer Aufstellung des Bronze-Monstrums auf einem ihrer Grundstücke habe (oder möglicherweise auch kein Interesse haben will), findet er aber im Rektor der Universität einen Gleichgesinnten. Nur leider habe die Universität kaum geeignete Grundstücke, sodass das Relief möglicherweise „nur&#8221; auf dem mehrere Kilometer entfernt liegenden Campus der sportwissenschaftlichen Fakultät aufgestellt werden kann. Angesichts der ungeklärten Frage des Verbleibs von hunderten Leichen und Kunstschätzen aus der Paulinerkirche mutet es schon unverschämt an, dass die Linke auch noch fordert, dass das Relief so prominent wie möglich aufgestellt werden solle. Angebrachter wäre es doch, sich klarzumachen, dass das Relief in dieser ach so schrecklichen gegenwärtigen Gesellschaft weder zerstört noch außerhalb der Stadtgrenzen aufgestellt werden soll. Wer einigermaßen klar bei Verstand ist, müsste erkennen, dass diese Gesellschaft zu mehr Toleranz und Souveränität imstande ist, als die DDR-Gesellschaft, in der es einer Riege von Privilegierten nur um Machterhalt ging und die in ihrer Paranoia ein halbes Volk bespitzeln ließ. Alles andere als diese Erkenntnis ist Augenwischerei, Geschichtsklitterung und Geschichtstrevisionismus, die sich nicht auf Fakten, sondern auf einer Wunschvorstellung gründen, die zwar ehrenwert ist, aber nie realisiert wurde. Man kann von Glück reden, dass die mit einem Mal so am Erhalt von Kulturgütern interessierten Mitglieder der Linkspartei noch nicht darauf verfallen sind, den Abriss der Alten Handelsbörse am Leipziger Naschmarkt zu fordern, die ja ein Hort des Kapitals war. Würde man sie wegsprengen, hätte man genug Platz für das Bronzemonstrum. Soweit ist es jedoch noch nicht, mit einem Zeh stehen die Eiferer von der Linkspartei dann doch noch in der Realität. Es ist jedoch äußerst bedauerlich zu erleben, dass sich das Hauptgut bzw. das Kapital der Linkspartei aus der Vergesslichkeit ihrer Mitglieder und Sympathisanten zu nähren scheint.<br />
Zum Abschluss soll noch einmal auf Gellerts Gräber-Odyssee eingegangen werden. Zunächst waren ihm 128 Jahre Ruhe auf dem Alten Johannisfriedhof vergönnt (1769-1897), seine nächste Ruhestätte &#8211; die Johanniskirche &#8211; beherbergte ihn nur noch 52 weitere Jahre. In der dritten Ruhestätte &#8211; der Universitätskirche St. Pauli &#8211; hatte er nur 19 Jahre Ruhe, bis man ihn (angeblich) auf den Südfriedhof umbettete, wo er nunmehr seit 39 Jahren ruht und hoffentlich für alle Ewigkeit in Ruhe gelassen wird. Es ist schon etwas unwürdig, wenn man innerhalb von 238 Jahren drei Mal exhumiert und umgebettet wird sowie in vier verschiedenen Grabstätten beerdigt wurde. Was von der Tatsache zu halten ist, dass in dem Buch „Der Leipziger Südfriedhof&#8221; von Löffler und Schöpa ein Grabstein Gellerts abgebildet ist, bei dem es sich eindeutig um einen anderen handelt, als um den oben abgebildeten, bleibt zu klären. Beim Grabstein in Löfflers Buch handelt es sich um polierten Granit mit der Aufschrift: „Christian Fürchtegott Gellert 1715-1769&#8243;. Der oben abgebildete Stein ist jedoch rau (wahrscheinlich Sandstein) und seine Inschrift lautet:</p>
<p>„HIER RUHEN / CHRISTIAN FÜRCHTEGOTT / GELLERT / PROFESSOR DER PHILOSOPHIE / GEB. D. 4. IUL 1715. / GEST. D. 13. DEC 1769 / UND / DESSEN BRUDER / FRIEDRICH LEBERECHT / GELLERT / OBERPOSTCOMMISSARIUS / GEB. D. 10. NOV 1711 / GEST. D. 8 IUN 1770&#8243;</p>
<p>Eine weitere Seltsamkeit besteht darin, dass Löffler schreibt, die Schrift auf der schlichten Granitplatte Gellerts sei kaum noch zu entziffern. Das trifft in keiner Weise auf die von ihr selbst verwendete Abbildung zu. Dort handelt es sich &#8211; wie beschrieben &#8211; um eine polierte Granitplatte, die aufgrund ihrer sehr intakten Politur sogar deutlich spiegelt. Die Schrift darauf ist einwandfrei ablesbar. Die Schrift ist aber auch auf der oben verwendeten Abbildung der Grabplatte noch relativ gut erkennbar. Bis auf die Lebensdaten lassen sich alle Zeichen sogar recht gut ablesen. Dies kann hier nicht geklärt werden und gehört damit zu den weiteren Seltsamkeiten in der Odyssee von Gellerts Gebeinen und der Sprengung der Universitätskirche Leipzig durch die Kulturbarbaren der SED.<br />
Zuallerletzt soll darauf hingewiesen werden, wie das DDR-Regime mit Menschen verfuhr, die sich erlaubten, Kritik an der willkürlichen Sprengung der Universitätskirche zu üben. Knapp zwei Monate nach der Sprengung kam es auf dem Abschlusskonzert des III. Internationalen Leipziger Bachwettbewerbes in der Kongresshalle zu einem Eklat. In Anwesenheit von etwa 1800 Konzertbesuchern, unter denen sich auch zwei DDR-Minister (nämlich der Minister für Kultur Klaus Gysi sowie der Minister für Hoch- und Fachschulwesen Ernst-Joachim Gießmann), Pressefotografen und Journalisten sowie ein japanisches und ein tschechisches Fernsehteam<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_13_253" id="identifier_13_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Fritzsch, Harald: Flucht aus Leipzig. Eine Protestaktion und ihre Folgen. M&uuml;nchen, 2004, S.85.">14</a></sup> befanden, die allesamt gerade die Auszeichnung der Preisträger des Wettbewerbs verfolgten, entrollte sich plötzlich von der Bühnendecke aus ein anderthalb mal drei Meter großes Transparent mit der Aufschrift: &#8220;1968 † WIR FORDERN WIEDERAUFBAU&#8221;. Etwa acht Minuten habe das Transparent herabgehangen und einen Teil der Besucher zu längerem Applaus veranlasst. Obwohl die Staatssicherheit selbstredend umgehend Ermittlungen einleitete, war sie zunächst nicht imstande, die Urheber dieser Aktion aufzuspüren. Erst zwei Jahre nach dem Ereignis gelang es dem MfS, einige der „Täter&#8221; ausfindig zu machen. Es handelte sich weder um Theologen noch um Studenten der Hochschule für Graphik und Buchkunst, wie man zuerst annahm, sondern um Physiker, die sich in einem Diskussionskreis politisch engagierten. Diese hatten unter Zuhilfenahme eines Weckers einen Zeitzünder konstruiert, der dafür sorgte, dass sich das Transparent à point publikumswirksam entrollen konnte. Zweien der an dieser Aktion Beteiligten, nämlich Stefan Welzk und Harald Fritzsch sollte kurze Zeit später die Flucht aus der DDR über Bulgarien und die Türkei in die Bundesrepublik gelingen. Fritzsch veröffentlichte 1990 darüber bei Piper ein Buch mit dem Titel „Flucht aus Leipzig. Eine Protestaktion und ihre Folgen&#8221;, das mittlerweile auch als Taschenbuch erhältlich ist.<br />
Dietrich Koch und Günter Fritzsch jedoch sowie weitere Mitglieder wurden von der Stasi verhaftet. Koch wurde nach dreiundzwanzigmonatiger Stasi-Untersuchungshaft im März 1972 wegen seiner Beteiligung an der Plakatprotestaktion sowie wegen staatsfeindlicher Hetze und Gruppenbildung zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft mit anschließender unbefristeter (!) Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt. Nachdem sich der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker auf die Bitte des geflohenen Welzks hin bei den DDR-Oberen für ihn eingesetzt hatte, wurde Koch im September 1972 freigekauft und aus dem psychiatrischen Haftkrankenhaus Waldheim in die Bundesrepublik abgeschoben.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/#footnote_14_253" id="identifier_14_253" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: http://www.paulinerkirche.de/inhalt11.htm">15</a></sup> Die Zwangseinweisung Kochs erfolgte, weil dieser nicht „kooperativ-geständig&#8221; war. Nach der Wende wurde Koch als Opfer politischen Psychiatriemissbrauchs anerkannt. Dietrich Koch verarbeitete seine Hafterfahrungen in dem dreibändigen Buch „Das Verhör. Zerstörung und Widerstand&#8221;, das im Oktober 2000 beim Verlag Christoph Hille in Dresden erschien und mittlerweile in einer durchgesehenen und leicht erweiterten zweiten Auflage vorliegt.</p>
<p>Zur Lektüre sei zusätzlich folgender sehr informativer Artikel in der Berliner Zeitung vom 29.09.2007 empfohlen:</p>
<p><a title="Link zum Artikel in der Berliner Zeitung" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0929/magazin/0001/index.html" target="_blank">http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0929/magazin/0001/index.html</a></p>
<p>Auch folgender Text des MDR-Fernsehbeitrag „Die Toten der Paulinerkirche &#8211; Spurensuche 40 Jahre danach&#8221; (ausgestrahlt am 01.05.2008) ist sehr lesenswert:</p>
<p><a title="Link zum MDR-Fernsehen" href="http://www.mdr.de/tv/5465376.html" target="_blank">http://www.mdr.de/tv/5465376.html</a></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_253" class="footnote">Vgl. Löffler, Katrin; Schöpa, Iris u.a.: Der Leipziger Südfriedhof &#8211; Geschichte / Grabstätten / Grabdenkmäler. Leipzig, 2004<sup>2</sup>, S. 46.</li><li id="footnote_1_253" class="footnote">Dieses Alter ergibt sich beim Zugrundelegen des Jahres des Baubeginns 1231. Legt man das Jahr der Weihung, nämlich 1240, zugrunde, wurde die Kirche dementsprechend im Alter von 728 Jahren zerstört.</li><li id="footnote_2_253" class="footnote">Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2007, S.22</li><li id="footnote_3_253" class="footnote">Fritzsch, Harald: Flucht aus Leipzig. Eine Protestaktion und ihre Folgen. München, 2004, S.60.</li><li id="footnote_4_253" class="footnote">Quelle: <a href="http://www.mdr.de/kultur/734291-hintergrund-742032.html" class="broken_link">MDR-Bericht vom 29.05.2003: „Der Fall der Universitätskirche zu Leipzig&#8221;</a> </li><li id="footnote_5_253" class="footnote">Quelle: MDR</li><li id="footnote_6_253" class="footnote">ehemaliges Hauptgebäude der Universität &#8211; erbaut: 1831-36</li><li id="footnote_7_253" class="footnote">Geschaffen von den Leipziger Künstlern Rolf Kuhrt, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe.</li><li id="footnote_8_253" class="footnote">Zitat aus dem oben erwähnten Referat.</li><li id="footnote_9_253" class="footnote">Im Gegenteil, bis heute würden ja „alle maßgeblichen Staaten Nachrichtendienste unterhalten&#8221; (Zitat Külow aus seiner Erklärung 16.02.2007 zu den gegen ihn erhobenen Stasi-Vorwürfen.) </li><li id="footnote_10_253" class="footnote">womit auf die dortige Karl-Marx-Büste angespielt wird</li><li id="footnote_11_253" class="footnote">bis 1712</li><li id="footnote_12_253" class="footnote"><a href="http://www.linke-bueros.de/wohin-mit-marx_3299,451.html#">http://www.linke-bueros.de/index.html</a></li><li id="footnote_13_253" class="footnote">Fritzsch, Harald: Flucht aus Leipzig. Eine Protestaktion und ihre Folgen. München, 2004, S.85.</li><li id="footnote_14_253" class="footnote">Quelle: <a href="http://www.paulinerkirche.de/inhalt11.htm">http://www.paulinerkirche.de/inhalt11.htm</a></li></ol>
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		<title>Julius Campe</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2006/12/23/julius-campe/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Dec 2006 05:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Nekropolis]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht gerade ein Grabmal, bei dem man geneigt ist, es als unprätentiös zu bezeichnen &#8211; schön ist es allemal. Man muss also „nur&#8221; jemanden wie Heine verlegen und schon können die Hinterbliebenen einen solchen Tempel finanzieren. Heine äußerte sich über seinen Verleger übrigens wie folgt: „Als Republik war Hamburg nie / So groß wie Venedig [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/23/julius-campe/' addthis:title='Julius Campe '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/campe-gross-fit-in.jpg" rel="lightbox[135]"><img class="alignleft size-medium wp-image-1702" title="Ruhestätte der Familie Julius Campe" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/campe-gross-fit-in-193x300.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006" width="193" height="300" /></a><span class="initial">N</span>icht gerade ein Grabmal, bei dem man geneigt ist, es als unprätentiös zu bezeichnen &#8211; schön ist es allemal. Man muss also „nur&#8221; jemanden wie Heine verlegen und schon können die Hinterbliebenen einen solchen Tempel finanzieren.</p>
<p>Heine äußerte sich über seinen Verleger übrigens wie folgt:</p>
<p>„Als Republik war Hamburg nie / So groß wie Venedig und Florenz, / Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist / Die besten im Keller von Lorenz. // Es war ein schöner Abend, als ich / Mich hinbegab mit Campen; / Wir wollten miteinander dort / In Rheinwein und Austern schlampampen. [...] Ich aß und trank, mit gutem App&#8217;tit, / Und dachte in meinem Gemüte: / &#8216;Der Campe ist wirklich ein großer Mann, / Ist aller Verleger Blüte. / Ein andrer Verleger hätte mich / Vielleicht verhungern lassen, / Der aber gibt mir zu trinken sogar; / Werde ihn niemals verlassen. // Ich danke dem Schöpfer in der Höh&#8217;, / Der diesen Saft der Reben / Erschuf, und zum Verleger mir / Den Julius Campe gegeben!&#8217;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/12/23/julius-campe/#footnote_0_135" id="identifier_0_135" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Heinrich Heine: Deutschland &amp;#8211; Ein Winterm&auml;rchen, Caput XXIII">1</a></sup></p>
<p>Der turmartige Rundbau befindet sich auf dem Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf und wurde 1915 von Alexander Rudeloff aus Muschelkalk und Bronze geschaffen. Die Kuppel sitzt auf dorisierenden Säulen. Unter dem Bau befinden sich vier Gruftzellen. Der Eingang ist nach Westen ausgerichtet. Die Tür besteht aus genietetem Bronzeblech und ist mit einem „maskaronähnlichem&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/12/23/julius-campe/#footnote_1_135" id="identifier_1_135" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabm&auml;ler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990, S.117.">2</a></sup> Türklopfer versehen.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li><em>Heine, Heinrich: Deutschland &#8211; Ein Wintermärchen. Zürich, 2005.</em></li>
<li><em></em><em>Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.</em></li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_135" class="footnote">Heinrich Heine: Deutschland &#8211; Ein Wintermärchen, Caput XXIII</li><li id="footnote_1_135" class="footnote">Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990, S.117.</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/23/julius-campe/' addthis:title='Julius Campe '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Alfred Kerr &#8211; Tod auf der Durchreise</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2006/12/19/alfred-kerr/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Dec 2006 17:47:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Nekropolis]]></category>

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		<description><![CDATA[„Hab Dank. &#8211; Ich harre unbeirrt Auf manches, was jetzt kommen wird. Man stirbt einen Tod; man weiß nur nicht welchen; Vielleicht ein schmuckes Schlaganfällchen.&#8221;1 Haarmann, Hermann; Siebenhaar, Klaus; Wölk, Thomas (Hrsg.): Alfred Kerr &#8211; Lesebuch zu Leben und Werk. Berlin, 1987, S.35.<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/19/alfred-kerr/' addthis:title='Alfred Kerr &#8211; Tod auf der Durchreise '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p><a title="Grabmal Alfred Kerr" href="http://espritdescalier.free.fr/blog/wp-content/uploads/2006/12/kerr-f.JPG" rel="lightbox[651]"><img id="image1275" src="http://espritdescalier.free.fr/blog/wp-content/uploads/2006/12/kopie-von-kerr.JPG" alt="Grabmal Alfred Kerr" /></a></p>
<p>„Hab Dank. &#8211; Ich harre unbeirrt<br />
Auf manches, was jetzt kommen wird.<br />
Man stirbt einen Tod; man weiß nur nicht welchen;<br />
Vielleicht ein schmuckes  Schlaganfällchen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/12/19/alfred-kerr/#footnote_0_651" id="identifier_0_651" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Haarmann, Hermann; Siebenhaar, Klaus; W&ouml;lk, Thomas (Hrsg.): Alfred Kerr &amp;#8211; Lesebuch zu Leben und Werk. Berlin, 1987, S.35.">1</a></sup></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_651" class="footnote">Haarmann, Hermann; Siebenhaar, Klaus; Wölk, Thomas (Hrsg.): Alfred Kerr &#8211; Lesebuch zu Leben und Werk. Berlin, 1987, S.35.</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/19/alfred-kerr/' addthis:title='Alfred Kerr &#8211; Tod auf der Durchreise '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wolfgang Borchert</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2006/12/18/wolfgang-borchert/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Dec 2006 03:34:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Nekropolis]]></category>

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		<description><![CDATA[Die bescheidene Grabstätte Wolfgang Borcherts und seiner Eltern auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/18/wolfgang-borchert/' addthis:title='Wolfgang Borchert '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/borchert.jpg" rel="lightbox[155]"><img class="alignnone size-medium wp-image-1717" title="Die bescheidene Grabstätte Wolfgang Borcherts und seiner Eltern auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/borchert-222x300.jpg" alt="" width="222" height="300" /></a><br />
Die bescheidene Grabstätte Wolfgang Borcherts und seiner Eltern auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf</p>

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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/18/wolfgang-borchert/' addthis:title='Wolfgang Borchert '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<title>al-Ahram über Nagib Mahfuz &#8211; الأهرام عن نجيب محفوظ</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Nov 2006 17:24:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Mubarak: „Nagib Mahfuz gehört zu den unsterblichen Symbolen &#8230; er hat die Früchte seiner Gaben für Ägypten geerntet.&#8221; Der Präsident in öffentlichen Erklärungen an Usama Saraya, Chefredakteur von al-Ahram: „Ägypten wird nicht vergessen, was einer seiner hervorragendsten Söhne dem menschlichen Denken zum Geschenk gemacht hat.&#8221;1 Ägypten hat allen Grund, auf diesen großartigen Literaten und wirklich [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/11/03/al-ahram-ueber-nagib-mahfuz-%d8%a7%d9%84%d8%a3%d9%87%d8%b1%d8%a7%d9%85-%d8%b9%d9%86-%d9%86%d8%ac%d9%8a%d8%a8-%d9%85%d8%ad%d9%81%d9%88%d8%b8/' addthis:title='al-Ahram über Nagib Mahfuz &#8211; الأهرام عن نجيب محفوظ '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/al-ahram.jpg" rel="lightbox[227]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1587" title="al-Ahram über Nagib Mahfuz - الأهرام عن نجيب محفوظ" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/al-ahram-281x140.jpg" alt="" width="281" height="140" /></a>Mubarak: „Nagib Mahfuz gehört zu den unsterblichen Symbolen &#8230; er hat die Früchte seiner Gaben für Ägypten geerntet.&#8221; Der Präsident in öffentlichen Erklärungen an Usama Saraya, Chefredakteur von al-Ahram: „Ägypten wird nicht vergessen, was einer seiner hervorragendsten Söhne dem menschlichen Denken zum Geschenk gemacht hat.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/11/03/al-ahram-ueber-nagib-mahfuz-%d8%a7%d9%84%d8%a3%d9%87%d8%b1%d8%a7%d9%85-%d8%b9%d9%86-%d9%86%d8%ac%d9%8a%d8%a8-%d9%85%d8%ad%d9%81%d9%88%d8%b8/#footnote_0_227" id="identifier_0_227" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zitat von der Titelseite der internationalen Ausgabe der &auml;gyptischen Tageszeitung al-Ahram vom 01.09.2006">1</a></sup><br />
<a title="al-Ahram über Nagib Mahfuz - الأهرام عن نجيب محفوظ" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/pyramiden-xy.jpg" rel="lightbox[227]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/pyramiden-xy.thumbnail.jpg" alt="al-Ahram über Nagib Mahfuz - الأهرام عن نجيب محفوظ" /></a>Ägypten hat allen Grund, auf diesen großartigen Literaten und wirklich autochtonen Nobelpreisträger stolz zu sein. Bedauerlich ist nur, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der ägyptischen Bevölkerung diesen Mann am liebsten vor seinem natürlichen Tod ins Jenseits befördert hätte. Es sei nur an das von einem Islamisten verübte Attentat auf Mahfuz im Jahr 1994 erinnert. Das gehört leider zu den Wahrheiten, die man im offiziellen Ägypten wohl nicht so gerne hört.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_227" class="footnote">Zitat von der Titelseite der internationalen Ausgabe der ägyptischen Tageszeitung al-Ahram vom 01.09.2006</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/11/03/al-ahram-ueber-nagib-mahfuz-%d8%a7%d9%84%d8%a3%d9%87%d8%b1%d8%a7%d9%85-%d8%b9%d9%86-%d9%86%d8%ac%d9%8a%d8%a8-%d9%85%d8%ad%d9%81%d9%88%d8%b8/' addthis:title='al-Ahram über Nagib Mahfuz &#8211; الأهرام عن نجيب محفوظ '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<title>A propos Parallelwelten</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2006 15:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Was die Vereinnahmung Bertolt Brechts durch Sozialisten angeht, soll an dieser Stelle auf folgende Einschätzung Marcel Reich-Ranickis verwiesen werden: „[…] Bertolt Brechts Anhänger wollten ein Theater, das die kommunistische Gesellschaft ermöglichen sollte. Brecht hingegen wollte die kommunistische Gesellschaft, damit sie sein Theater ermögliche. Ungleich skeptischer, ungleich klüger als viele seiner Schüler und Nachfolger war er [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/' addthis:title='A propos Parallelwelten '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a title="Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006)" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/slobo-gross.jpg"><img class="alignnone" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/slobo-klein.jpg" alt="Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006)" width="448" height="331" /></a></p>
<p>Was die Vereinnahmung Bertolt Brechts durch Sozialisten angeht, soll an dieser Stelle auf folgende Einschätzung Marcel Reich-Ranickis verwiesen werden:</p>
<p>„[…] Bertolt Brechts Anhänger wollten ein Theater, das die kommunistische Gesellschaft ermöglichen sollte. Brecht hingegen wollte die kommunistische Gesellschaft, damit sie sein Theater ermögliche. Ungleich skeptischer, ungleich klüger als viele seiner Schüler und Nachfolger war er sich sehr wohl darüber im Klaren, dass die Politik das Theater verderben könne, doch niemals das Theater die Politik zu verbessern imstande sei. Die von ihm gelegentlich beschworene ‚Versammlung von Weltänderern&#8217; – so stellte er sich 1943 das künftige Theaterpublikum vor – war nichts anderes, als eine Fiktion. Natürlich hat er es gewusst. Indes wollte er sich von ihr auf keinen Fall trennen. Was seine Bewunderer oft für bare Münze nahmen und auch nehmen sollten, war für ihn selber nicht mehr und nicht weniger als ein Hilfsmittel für seine literarische Produktion, als eine generelle Arbeitshypothese.<br />
Nicht deshalb bemühte sich Brecht ein Leben lang um das Theater, weil es ihm um den Klassenkampf ging. Wohl aber beschäftigte er sich immer wieder mit dem Klassenkampf, weil er ihn als Impuls und Thema für sein Werk benötigte.<br />
Nicht der Weltveränderer Brecht brauchte also das Theater und die Dichtung. Wohl aber benötigte der Theatermann, der Dichter Brecht die angestrebte Weltveränderung oder den Marxismus als ideelles Fundament und als Zielvorstellung. […]<br />
Nicht der Dichter, nicht der große Verführer hat sich überlebt, wohl aber der unermüdliche Lehrmeister, der uns den revolutionären Weg zur Erlösung führen wollte oder dies zumindest vorgab. In einem seiner großen Gedichte finden sich die viel zitierten Worte: ‚Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?’. Doch um die eigenen Mahnungen kümmerte sich Brecht selten. Man hat schon oft darauf hingewiesen, aber man muss es dennoch wiederholen: Er, Brecht, der die Sowjetunion besungen und gepriesen und das kapitalistische Amerika verhöhnt und attackiert hat, wollte in den Jahren des Exils um keinen Preis der Welt in der Sowjetunion leben. Er zog – glücklicherweise – die Vereinigten Staaten vor. So warnte er auch vor Gesprächen über Bäume. In seinem Werk jedoch spricht er oft – wiederum glücklicherweise – eben von Bäumen und auch von Blumen, von der Anmut und der Freundlichkeit, vom Reiz des Lebens und von der Liebe.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/#footnote_0_97" id="identifier_0_97" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Marcel Reich-Ranicki: Texte von und &uuml;ber Bertolt Brecht. Erschienen 1998 bei eastwest records GmbH.">1</a></sup><br />
Also, liebe Genossinnen und Genossen des sozialistischen Komitees: Ihr seid nur Handpuppen in einem Brechtschen Drama, es gibt Euch gar nicht wirklich.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_97" class="footnote">Marcel Reich-Ranicki: Texte von und über Bertolt Brecht. Erschienen 1998 bei eastwest records GmbH.</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/' addthis:title='A propos Parallelwelten '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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