Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp” des NDR scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.
In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche”1, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch”, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz” (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen – gewohnt unbescheidenen – Auffassung zufolge, vor fast genau einem Jahr „enthüllt”, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge”2 – da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich die Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!
Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen3.
Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars” berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären. Weiterlesen ›
- Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung. [←]
- Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war. [←]
- 1. Wer im Glashaus ZAPPt – 2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) – 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) [←]


















