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Tag Archives: Leipzig

„… laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Das Denkmal erinnert an die Schlacht bei Möckern – eine Teilschlacht der Völkerschlacht bei Leipzig. Hierbei wurde am 16. Oktober 1813 das von französischen Elitetruppen unter Marschall Marmont zur Festung ausgebaute Dorf Möckern (im Nordwesten Leipzigs) von der Schlesischen Armee unter Führung ihres Oberbefehlshabers Gebhard Leberecht von Blücher („Marschall Vorwärts“) sowie vom Preußischen Armeecorps unter Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg erobert. Etwa 10.000 Franzosen und 5.000 Preußen ließen bei dem Gemetzel ihr Leben. Dieser Sieg trug dazu bei, dass Napoleon eine Verkürzung des durch seine Truppen gezogenen Schlachtbogens vornehmen musste. Am 19. Oktober wurde Napoleon endgültig von der Koalition besiegt.
Das Sächsische Königreich gehörte durch den 1806 mehr oder weniger zwangsweise erfolgten Beitritt zum Rheinbund (Confédération du Rhin) zu den Verbündeten Frankreichs und war somit verpflichtet, Napoleon große Militärkontingente zu stellen. Im Gegenzug war Kurfürst Friedrich August I. (der Gerechte) zum König erhoben worden. Sachsen diente den Franzosen nur unwillig und gezwungenermaßen, wurde aber nichtsdestotrotz von den Siegern als Kollaborateur angesehen und musste fürchten, als solcher vom Wiener Kongress abgestraft zu werden. Preußens Ziel war es dabei, im Zuge der Arrondierung seines Territoriums, sich das Königreich Sachsen als Ganzes einzuverleiben, was jedoch nicht gelang, da es nicht dem Interesse Österreichs bzw. Frankreichs (die Monarchie war wiederhergestellt) entsprach, Preußen mehr als nötig erstarken zu lassen. Das europäische Gleichgewicht stand auf dem Spiel.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007
Immerhin fielen Preußen aber doch etwa 57% des sächsischen Territoriums und 42% der sächsischen Bevölkerung zu, von zuvor etwa 2 Millionen Einwohnern verblieben nur noch 1,2 Millionen. Das somit gewonnene Gebiet wurde „Provinz Sachsen“ genannt und entspricht großen Teilen des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Nicht nur dort fühlten sich die Menschen als „Musspreußen“.
Wie zum Trost dafür, nicht ganz Sachsen bekommen zu haben, wurden Preußen im Westen Territorien erheblichen Ausmaßes zugestanden, nämlich die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz, mit dem Nebeneffekt, dass somit der katholische Bevölkerungsanteil im bis dahin fast ausschließlich protestantischen Preußen wesentlich zunahm.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Zu den von Sachsen an Preußen abgetretenen Gebieten gehörte neben Merseburg, Naumburg, Mansfeld und Querfurt auch Wittenberg, die alte Hauptstadt Kursachsens – also ursächsisches Gebiet. Bereits 1817 wurde die durch Luther und Melanchton weltberühmt gewordene – sächsische – Universität Leucorea („leukos“ = weiß in Anlehnung an „Wittenberg“ = weißer Berg) mit der preußischen Universität Halle zur Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg zusammengelegt.
Das Dorf Möckern nun, das mittlerweile längst ein Stadtteil Leipzigs ist (Eingemeindung 1. Oktober 1910), zählte 1813 gerade einmal 300 Einwohner und gehörte zum dort befindlichen Rittergut. Nach der Schlacht ist der Ort fast völlig zerstört (15 Häuser bzw. Güter, das Gemeindehaus, die Schule, das Hirtenhaus und wohl auch die Windmühle). Zudem hatte die Gemeinde im April 1813 einen Kredit von 300 Talern aufnehmen müssen, um die zu diesem Zeitpunkt noch einquartierten russischen Truppen unterhalten zu können.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Möglicherweise hatte das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung Möckerns noch in Erinnerung, dass es nicht einmal 200 Jahre her war, dass schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1637 Möckern in Brand steckten. Zuvor waren im Jahr 1631 Tillys Truppen vor der Belagerung Leipzigs an Möckern vorbeigezogen, wo sie ein Lager aufschlugen. Immerhin handelte es sich dabei um 21.000 Mann Fußvolk und 11.000 Reiter, deren Verpflegung Möckern sicher eine große wirtschaftliche Last auflud. Doch Möckern lebte auch später mit dem Militär, als nämlich 1877 nach zweijähriger Bauzeit die Infanteriekaserne fertiggestellt wurde und bald darauf das 7. Kgl. Sächsische Infanterie-Regiment „Prinz Georg“ Nr. 106 dort stationiert wurde. Nachdem auf dem Gelände nach dem Ersten Weltkrieg Sicherheitskompanien untergbracht waren, diente die Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1949 als Flüchtlings- und Umsiedlerlager sowie als Quarantänelager für zurückkehrende Soldaten. Von 1952-56 beherbergte die Kaserne Einheiten der Kasernierten Volkspolizei. Von 1956-90 schließlich waren Einheiten der NVA dort untergebracht.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ein Jahr lang nutzte die Bundeswehr noch die Kaserne, ehe sie einer zivilen Nutzung zugeführt wurde. Seit 1991 befindet sich auf dem ehemaligen Kasernenareal die Landesversicherungsanstalt Sachsen, seit 1997 der Neubau des Leipziger Arbeitsamts. Zusammen mit weiteren dort angesiedelten Institutionen bildet der Komplex heute das Sozialversicherungszentrum Leipzig.
Doch zurück zum eingangs erwähnten Denkmal. Dieses befindet sich heute vor der Auferstehungskirche, die am 10. November 1901 als Not- bzw. Interimslösung eingeweiht wurde, jedoch bis heute aufgrund zweier Weltkriege, Weltwirschaftskrise und Sozialismus nach wie vor unverändert als Fachwerkbau mit Ausfachung aus unverputzten gelben Ziegeln besteht. Von 1886 bis 1901 waren Gottesdienste in der Aula der 1884-86 gebauten „roten Schule“ abgehalten worden. Bis in das Jahr 1543 war Möckern nach der Thomaskirche in Leipzig gepfarrt, nach der Reformation nach Wahren sowie von 1544-1857 nach Eutritzsch und 1857 schließlich wieder nach Wahren. Im Jahr 1901 war also erstmals die Kirche im eigenen Dorf.
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Anton Philipp Reclam

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Der oben abgebildete Sarkophag befindet sich im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig. In ihm waren die Urnen der Familie Reclam beigesetzt, wie eine Informationstafel wissen lässt. Die dort verwendete Vergangenheitsform, weist darauf hin, dass sich die Urnen nicht mehr darin befinden, weshalb es sich bei dem Sarkophag überdies um ein Kenotaph handelt, das zwar nicht als solches errichtet wurde, aber der wörtlichen Bedeutung nach1 zu einem wurde.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Familie Reclam die Urnen mit sich nahm bzw. überführen ließ, als sie im Jahr 1947 nach Stuttgart übersiedelte, um dort zunächst eine Filiale des Leipziger Stammhauses zu gründen, die nach Teilenteignung und Demontage des Leipziger Verlages durch die Sowjetunion im Jahr 1950 schließlich aber zum neuen Stammsitz wurde, während das Leipziger Mutterhaus verstaatlicht wurde und unter DDR-Ägide parallel dazu fortbestand. Nach der Wiedervereinigung wurde die Leipziger Universalbibliothek zugunsten der Stuttgarter eingestellt bzw. z.T. als Reclam-Bibliothek weitergeführt. Nach der Reprivatisierung des Leipziger Zweigs wurde dieser 1992 unter dem Namen Reclam Leipzig zu einer Tochtergesellschaft von Reclam Stuttgart2. Diese Dependance konnte bereits in ihrem Gründungsjahr mit dem Titel „Schlafes Bruder“von Robert Schneider einen großen Erfolg verbuchen, der in 30 Auflagen erschien, in 24 Sprachen übersetzt und 1995 gar verfilmt wurde. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Nichtsdestotrotz entschied man sich in Ditzingen3 2005 gegen einen Fortbestand des Leipziger Tochterverlages, der 2006 seine Tore schloss. Von Reclam Leipzig ist somit nichts übriggeblieben als der Name, dessen sich der Stuttgarter Verlag noch als Imprint bedient4. Außerdem blieb der Buchstadt Leipzig noch ein leerer Sarkophag. Ein weiteres Trauerspiel, dessen Ursache sich in den Verbrechen der Nationalsozialisten findet.

Literatur:

  • Bode, Dietrich: Reclam – Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte 1828-2003. Stuttgart, 2003.
  1. Kenotaph, (auch:) Zenotaph, das; -s, -e [lat. cenotaphium < griech. kenotáphion, zu: kenós = leer u. táphos = Grab] []
  2. In ähnlicher Weise handhabte es übrigens auch der Frankfurter Suhrkamp-Verlag mit dem Leipziger Insel-Verlag []
  3. Im in der Nähe von Stuttgart gelegenen Ditzingen hat Reclam Stuttgart seit 1980 seinen Sitz. []
  4. z.B. für Titel aus den Bereichen Philosophie, Religion, Kulturgeschichte und Biographien sowie für die sog. „Reihe Mythos“ []
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F. A. Brockhaus – Gesprächsstoff …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Der Grabstein von Friedrich Arnold Brockhaus (*1772 in Dortmund – †1823 in Leipzig), dem Begründer des Brockhaus-Verlages und Herausgeber des ersten Brockhaus-Konversationslexikons, befindet sich im Lapidarium des Alten Johannisfriedhofs in Leipzig. Daneben stehen die Grabsteine sechs weiterer Mitglieder der Familie Brockhaus, nämlich von: Heinrich Brockhaus (*1804 in Amsterdam – †1874 in Leipzig), Doktor der Philosophie sowie Buchhändler und Druckereibesitzer, Hermann Brockhaus (*1772 in Dortmund – †1877 in Leipzig), Doktor und Professor der Philosophie sowie Königl. Sächs. Geheimer Hofrat, Friedrich Clemens Brockhaus (*1837 in Dresden – †1877 in Leipzig), Doktor und Professor der Philosophie sowie Pastor zu St. Johannis, Heinrich Rudolf Brockhaus (*1838 in Leipzig – †1898 in Leipzig), Verlagsbuchhändler, Rudolf Heinrich Brockhaus (*1864 – †1943), ebenfalls Verlagsbuchhändler sowie Erich Raphael Brockhaus (*1870 – †1945), Ingenieur.
Ganz ähnlich wie im Fall des Reclam-Verlages und des Insel-Verlages bestanden während der deutschen Teilung zwei Brockhausverlage. So setzte Eberhard Brockhaus im Jahr 1945 die Verlegertradition zunächst noch unter seinem Namen in Wiesbaden fort, wo der Verlag nach der Enteignung des Leipziger Stammhauses jedoch wieder als F. A. Brockhaus firmierte. Im Jahr 1984 fusionierte F. A. Brockhaus aus existenziellen Nöten1 mit seinem größten Kontrahenten – der Bibliographisches Institut AG2 zur Firma BIFAB (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG), deren gemeinsamer Sitz von 1985 an Mannheim war. Vier Jahre darauf stieg der Wörterbuchverlag Langenscheidt als Großaktionär in die Firma ein.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007In Leipzig hingegen wurde der Verlag 1953 enteignet und schließlich in einen Volkseigenen Betrieb, nämlich den VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig umgewandelt, der bis 1990 bestand. Dann folgte die Reprivatisierung. Im Jahr 1992 wurde der Leipziger Verlag zur Tochtergesellschaft der Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, mit dem Namen F. A. Brockhaus GmbH. Anders als im Fall des Reclam-Verlages, besann man sich in Mannheim offenbar auf die eigene Tradition und steht noch heute zu ihr. Ein Leipziger Zweig besteht fort und war 2005 mit daran beteiligt, die 21. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden und etwa 300.000 Stichworten herauszubringen. Hierbei handelt es sich um die letzte gedruckte Ausgabe der Enzyklopädie. Fortan wird sie ausschließlich in digitaler Form erscheinen. Die erste digitale Ausgabe erschien 2002 auf zwei CD-ROMs und einer DVD. Die aktuellste Version – die 21. Auflage – erschien sowohl in Buchform als auch digital auf zwei DVD-ROMs sowie auf einem USB-Stick.

  1. der Markt war gesättigt und Lexika verkauften sich daher nur schleppend []
  2. 1824 von Joseph Meyer in Gotha gegründet, zunächst nach Hildburghausen und 1874 nach Leipzig verlegt []
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ORIENTierungshilfe – Otto Harrassowitz

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Verglichen mit den Grabstätten von Campe und Meyer fällt die Harrassowitzsche geradezu bescheiden aus. Die vom Leipziger Bildhauer Adolf Lehnert geschaffene marmorne Kinderfigur befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof1. Nur etwa anderthalb Meter hoch2, steht sie etwas abseits der größeren Wege. Die auf der Vorderseite des Sockels befindliche Inschrift ist stark verwittert, doch bei näherem Hinsehen ist noch Folgendes zu entziffern: „Gisela Harrassowitz *28.VIII.1919 – †11.IV.1925″. Angesichts der Tatsache, dass diese Gisela nur sechs Jahre alt wurde, liegt es nahe, dass es sich bei der Skulptur um ein (betendes) Mädchen handelt. Die anderen Seiten des Sockels sind nicht mit Inschriften versehen, weshalb bei der Behauptung, dass es sich hierbei auch um die Grabstätte von Otto Harrassowitz handele, auf die Publikation „Der Leipziger Südfriedhof – Geschichte / Grabstätten / Grabdenkmäler“3 vertraut werden muss. Dort wird das Grab auf Seite 153 unter Verwendung eines Fotos oben abgebildeter Skulptur besprochen und ohne die Äußerung irgendeines Zweifels als die Grabstätte von Otto Harrassowitz bezeichnet. Bedauerlicherweise wird aber mit keinem einzigen Wort auf die so jung gestorbene Gisela Harrassowitz eingegangen, deren Name als einziger auf dem Grabmal verzeichnet ist. Wenn es sich hierbei um die Tochter von Otto Harrassowitz handeln sollte, hätte sie ihren Vater nur um fünf Jahre überlebt und er seine Tochter nur ein Jahr lang erlebt. Dass es sich um seine Tochter handelt, ist indes sehr unwahrscheinlich, da er dann im biblischen Alter von 74 Jahren Vater geworden wäre. Womöglich handelt es sich also um eine Enkelin, doch dies ist rein spekulativ. Abgesehen vom Nachnamen Harrassowitz findet sich also keinerlei Hinweis darauf, dass Otto Harrassowitz dort begraben liege.
Im Vertrauen auf die Richtigkeit der Angabe in o.g. Publikation wird hier also davon ausgegangen, dass es sich um die letzte Ruhestätte auch des Verlegers Harrassowitz handelt.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Dieser Otto (Wilhelm) Harrassowitz (*18. Dezember 1845 in Guayara, Venezuela – †24. Juni 1920 im südlich von Leipzig gelegenen Gaschwitz) nun kam im Alter von zehn Jahren aus Venezuela, wo sein Vater ein Handelsunternehmen aufgebaut hatte, nach Leipzig, um dort im Alter von neunzehn Jahren eine Buchhandelslehre aufzunehmen.
Die von ihm später gegründete Antiquariats- und Verlagsbuchhandlung erlangte unter ihm welweite Bekanntheit. Er gestaltete den Verlag zu einem Spezialantiquariat für Orientalistik, Bibliotheks- und Sprachwissenschaften, das fast 500 Antiquariatskataloge veröffentlichte. Die weitaus größte Zahl seiner Kataloge war dem Orient gewidmet. Harrassowitz wurde in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts der bedeutendste orientalistische Buchhändler des europäischen Kontinents. Weitere Kataloge, die in ihrer Qualität wissenschaftlichen Wert besaßen, waren der klassischen Philologie, der Altertumskunde, der Germanistik, Anglistik, Romanistik, Theologie, Kunst sowie den Americana gewidmet. Zudem gedieh der Exportbuchhandel mit den Vereinigten Staaten. So standen vierzig amerikanische Bibliotheken auf der wöchentlichen Versandliste.

  1. Abteilung XVII []
  2. einschließlich Podest []
  3. von Katrin Löffler, Iris Schöpa und Heidrun Sprinz. Herausgegeben im Auftrag des Leipziger Geschichtsvereins e.V. Leipzig, 2., veränderte Auflage 2004. []
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Bildung für alle – Herrmann Julius Meyer

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007An der Westmauer des Leipziger Südfriedhofs in Abteilung III befindet sich die Grabstätte von Herrmann Julius Meyer, des neben Friedrich Arnold Brockhaus bedeutendsten deutschen Lexikonverlegers. Meyer wurde am 4. April 1826 als Sohn des Verlegers Joseph Meyer in Gotha geboren. Sein Vater war es, der den Verlag namens „Bibliographisches Institut“ gründete, der sich unter Julius Meyer zu voller Blüte entwickelte. Ihn zu unterschlagen, würde bedeuten, nur die halbe Geschichte zu erzählen. So sei es gestattet, mit dem Vater zu beginnen.
Joseph Meyer wurde 1796 in Gotha geboren, wuchs dort auf, besuchte zunächst ein Gymnasium und dann ein von einem Pfarrer geleitetes Schulpensionat. Im Alter von dreizehn Jahren trat er eine vierjährige Lehre zum Kaufmann in einer Kolonialwarenhandlung in Frankfurt a.M. an und ging im Anschluss daran im Jahr 1817 nach London, um dort sein Glück als Kaufmann zu versuchen, verspekulierte sich nach zwischenzeitlichen Erfolgen jedoch 1820 in Kaffeegeschäften und trieb somit sein Geschäft in den Bankrott. Schließlich musste er London verlassen, um dem Schuldturm zu entkommen.
Ein Jahr später versuchte sich als Unternehmer einer Bleicherei und Färberei, verstrickte sich jedoch erneut in Spekulationsgeschäfte, die zu großen Verlusten führten und so auch dieses Unternehmen scheitern ließen. Nachdem er zwischenzeitlich in seiner ehemaligen Schule Sprachunterricht erteilt hatte sowie schriftstellerisch in Erscheinung getreten war, nahm Meyer im Jahr 1824 eine Stellung in der Henningschen Buchhandlung in Gotha an, wo man ihn auch mit der Herausgabe eines wöchentlich erscheinenden Korrespondenzblattes für Kaufleute beauftragte, das unter seiner Ägide ein großer Erfolg wurde. Darüber hinaus gab Meyer auch Shakespeare in deutscher Sprache heraus, was sich wegen Kritik an seiner Übersetzung jedoch weniger erfolgreich gestaltete.
Nach diesem Angestelltenverhältnis lockte ihn jedoch abermals die Unabhängigkeit, sodass er 1826 das eingangs erwähnte Bibliographisches Institut gründete. Beim dritten Versuch der Selbständigkeit hatte Meyer – wie sich bald erweisen sollte – seine Bestimmung gefunden. Bereits sein erstes Projekt als selbständiger Verlagskaufmann nämlich wurde ein durchschlagender Erfolg. Dieses Projekt bestand im Verlegen preiswerter Klassikerausgaben unter dem Namen „Cabinets-Bibliothek der Deutschen Classiker“. In dieser Reihe erschienen 150 Bändchen, von denen je 40.000 Exemplare verkauft wurden1, was ein enormer Erfolg war. Dabei verstieß er allerdings auch gegen Urheberrechte, was die Konkurrenz weniger störte, als seine offensiven und u.a. auch neuartigen Mittel und Wege der Werbung und des Vertriebs, mit denen er z.T. auch den etablierten Buchhandel umging. So warb Meyer in Zeitungen nicht mit einer einzelnen Anzeige für seine Publikationen, sondern gleich auf mehreren Seiten. Er ließ Werbeplakate auf Postämtern aufhängen und zu Millionen Prospekte verschicken. Der Effekt dieser Werbekampagnen blieb nicht aus. Interessenten suchten die Buchhandlungen zuhauf auf, um die beworbenen Titel zu kaufen, weshalb sich der Buchhandel genötigt sah, diese auf Lager zu haben. In Orten, die über keinen Buchhandel verfügten bzw. deren Buchhandel nicht mit Meyer kooperieren wollte, gewann er branchenfremde Händler als Handelsagenten, die wiederum zu Hunderten Kolporteure2, also Hausierer mit Bauchläden ins Land schickten.
Zudem brachte Meyer bei seinen Publikationen das Subskriptionsprinzip zur Anwendung. Gerade bei mehrbändigen oder anderweitig kostenintensiven Publikationen konnte mittels der Subskription, die dem Abonnement bei Zeitschriften ähnelt, vorab bestellt werden. Auf diese Weise konnte der Verleger zum einen die Auflagenhöhe ermitteln, die verkäuflich sein würde und zum anderen, ob diese mindestens die Herstellungskosten decken würde. Somit ließ sich das verlegerische Risiko reduzieren. Der Subskribent zahlte die gesamte Publikation im Voraus, wurde aber nur stückweise z.B. über den Zeitraum eines Jahres wöchentlich beliefert. Dies ging teilweise so weit, dass nicht nur einzelne Bände sukzessive geliefert wurden, sondern auch nur je zwei Bögen, was 32 Seiten entspricht. Hatte man alle Bögen vollständig beisammen, konnte man sie beim Buchbinder binden lassen. Auf die Weise ließen sich die Produktionsmengen für den Verlag überschaubar halten. Zugleich war dieser stückweise Erwerb auch für weniger betuchte Kunden finanzierbar, wodurch neue Käuferschichten erschlossen wurden. Somit handelte Meyer zudem ganz im Sinne der aus aufklärerischem Impetus entstandenen Firmendevise „Bildung für alle!“. Ein weiterer Grund für die niedrigen Preise von Meyers Büchern und deren sich daraus ergebender großen Verbreitung war aber auch die bereits oben erwähnte Tatsache, dass Meyer z.T. Werke illegal nachdruckte, also ohne die Lizenzen dafür erworben zu haben. Mit solchen Raubdrucken konnte er seine Produktionskosten senken und diesen Kostenvorteil an seine Kunden weitergeben. Erst etwa 40 Jahre später – nämlich am 9. November 1867 – wurde ein Gesetz erlassen, durch das all diejenigen literarischen Werke gemeinfrei wurden, deren Verfasser mindestens 30 Jahre zuvor verstorben waren. Traf dies auf ein Werk zu, musste fortan weder dem Verlag noch etwaigen Nachkommen des infrage kommenden Autors eine Vergütung gezahlt werden, womit ein wesentlicher Kostenfaktor in der Buchproduktion entfiel. Es ist daher nicht als Zufall zu betrachten, dass der Verlag Philipp Reclam jun. just im dem Jahr, in dem dieses Gesetz erlassen wurde, mit der Herausgabe seiner bis heute verkauften Universal-Bibliothek begann.

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  1. Quelle: Homepage des Verlags []
  2. aus frz. colporter bzw. aus der afrz. Wendung porter a col – auf den Schultern, dem Nacken tragen []
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Drei Lebensalter der Frau (Arthur Bock)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Dieses wandartige Grabmal befindet sich auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf auf der Grabstelle des Gynäkologen Dr. Richard Mond. Die Skulpturen schuf der Bildhauer Arthur Bock1 1920 oder 1926 aus Muschelkalk. Hier wurde das Motiv der Lebensalter in die drei Tageszeiten Morgen, Mittag und Abend umgesetzt, die als Begriffe unter den Skulpturen eingemeißelt sind.
Zur Rechten präsentiert sich lasziv dahingegossen das junge Mädchen („Morgen“), halb entblößt. Es hat einen Myrrhekranz im Haar sowie einen weiteren auf dem Schoß und wirkt verspielt und unbeschwert.
In der Mitte ist die verantwortungsvolle Mutter („Mittag“) zu sehen, wie sie einem Säugling die Brust gibt und wie sich ein Knabe mit dem Rücken an sie schmiegt.
Zur Linken schließlich sieht man die alte Frau („Abend“) , vom Alter gezeichnet, halb verschleiert, nicht, wie es den Anschein hat, abgewandt, sondern einem Enkel zugewandt, der halb von Buschwerk verdeckt ist. Die Züge der Greisin umspielen Altersgüte und Gram, Zuneigung aber auch Anstrengung. Sie ist in ihrer Haltung längst nicht so fließend, wie das Mädchen von einst. Sie wirkt hager und knochig, und das Aufstützen bereitet ihr sichtlich mehr Mühe.
Abgerundet wird die Skulptur durch die Tatsache, dass ihre Ausrichtung mit dem Lauf der Sonne korrespondiere2. Das Mädchen sehe nach Osten und die Greisin nach Westen. Über der Mutter steht die Sonne im Zenit.

Literatur:

  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.
  • Behrens, Christine: Der Bildhauer Arthur Bock (1875-1957) in Hamburg. In: OHLSDORF – Zeitschrift für Trauerkultur. Ausgabe: Nr. 99, IV, 2007 10.11.2007
  1. *1875 Leipzig – †1957 Hamburg []
  2. Behrens, Christine: Der Bildhauer Arthur Bock (1875-1957) in Hamburg. In: OHLSDORF – Zeitschrift für Trauerkultur. Ausgabe: Nr. 99, IV, 2007 10.11.2007 []
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Werden, sein, vergehen … (Arthur Bock)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Diese Skulptur schuf Arthur Bock1 wahrscheinlich im Jahr 1915 aus Marmor. Sie befindet sich auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf auf der Grabstätte des Fabrikbesitzers Dr. Max Albrecht.

Literatur:

  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.
  1. *1875 Leipzig – †1957 Hamburg []
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Familie Baedeker – Letzte Reise …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Während Karl Baedeker, Verlagsgründer und einer der Wegbereiter des Massentourismus, in Koblenz begraben liegt, wo er den Grundstein für den späteren Verlag legte, sind sein dritter Sohn Fritz und sein Enkel Ernst sowie andere Familienmitglieder auf dem Leipziger Südfriedhof (Abteilung VI) begraben. Die Firma Baedeker war 1872 von Koblenz nach Leipzig gezogen. Fritz Baedeker führte den Verlag zu seiner größten Blüte.
Dass Baedekers Reiseführer bald auch international ein Begriff waren, zeigt folgendes Zitat aus der englischen Übersetzung des Librettos zu Jacques Offenbachs Operette „La Vie Parisienne“:

Kings and governments may err but never Mr. Baedeker.

Dieser Ansicht war wohl auch Kaiser Wilhelm I., der sich pünktlich jeden Mittag zur Wachablösung der Garde in seinem Palast Unter den Linden präsentierte, denn, so soll er gesagt haben: „Es steht im Baedeker, dass ich den Wachwechsel vom Fenster aus betrachte, und die Leute sind dafür hergekommen.“
Bezüglich der sprichwörtlichen Akribie Karl Baedekers berichtet eine Anekdote vom Zusammentreffen des westfälischen Freiherrn Gisbert von Vincke mit Karl Baedeker im Jahr 1847, wie sie zufällig beide gleichzeitig den Mailänder Dom bestiegen, wobei der Freiherr ein merkwürdiges Treiben bei dem ihm noch unbekannten Herrn Baedeker bemerkte. Dieser griff häufig in seine Westentasche und danach sogleich in die Hosentasche. Nach dem Grund seines Tuns befragt, erklärte der Reiseführerautor, dass er damit die Stufen genau abzähle: Alle zwanzig Stufen stecke er eine Erbse von seiner Westen- in die Hosentasche, rechne oben die Endsumme aus, indem er die Erbsen mit zwanzig multipliziere und die Reststufen addiere und mache beim Hinabsteigen die Gegenprobe. Die sich daraus ergebende Zahl war die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Ob sich daher der sprichwörtliche Begriff des „Erbsenzählers“ herleitet? Dieser könnte jedoch genauso gut auf den Augustinermönch Gregor Mendel zurückzuführen sein, der ja bekanntermaßen die Regeln der Vererbung anhand von Merkmalen bei Erbsen untersuchte. Allerdings kam der Name „Baedeker“ während des Zweiten Weltkriegs auch zu zweifelhaften Ehren: Die deutschen Bombenangriffe auf die kulturhistorisch wichtigen Städte Bath, Canterbury, Exeter, Norwich und York vom April bis Juni 1942 wurden in England bald als „Baedeker raids“ bzw. „Baedeker Blitz“ bezeichnet, weil kolportiert wurde, dass die Nazis sich bei der Auswahl kulturhistorisch besonders bedeutsamer Orte an den im Baedeker üblichen Asterisken (Sternchen) orientiert hätten1. Ein Asterisk weist auf „besonders Beachtenswertes“ hin. Die Höchstzahl von zwei Asterisken markiert „einzigartige Sehenswürdigkeiten“.

  1. Quelle: Baedeker-Homepage, Rubrik: Verlagsgeschichte []
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Christian Fürchtegott Gellert – Ein FABELhaftes Grab …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Am 13. Dezember habe der Philosophieprofessor Gellert nach dreizehntägiger hartnäckiger Leibes-Obstruktion und innerlicher Entzündung die Zeitlichkeit verlassen, meldeten Leipziger Zeitungen.1 Mit ihm hätten Stadt und Universität Leipzig einen ihrer berühmtesten Männer verloren, hieß es dort weiter. In der Tat gingen die Menschen eines der bedeutendsten Vertreter der Leipziger Aufklärung verlustig, die sich auch solch bekannter Namen wie Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing rühmen kann. Mit seinen „Fabeln und Erzählungen“ (1746-48), die aus dem aufklärerischen Tugendideal heraus entstanden, wurde Gellert einer der meistgelesenen Autoren des 18. Jahrhunderts. Sein Briefroman „Das Leben der schwedischen Gräfin von G***“ begründete in Deutschland den bürgerlichen Roman. Seine Lustspiele führten das „Rührstück“ (Comédie larmoyante) aus dem Französischen in die deutsche Literatur ein. Auch als Professor genoss Gellert seitens seiner Studenten große Verehrung und Liebe, wie Goethe in „Dichtung und Wahrheit“ berichtet. Seine Vorlesungen über Moral, Poesie und Beredsamkeit seien gedrängt voll gewesen, so Goethe. Zu Goethes Studienzeit in Leipzig neigte sich das Leben Gellerts jedoch bereits seinem Ende zu. Mit seiner Beerdigung hatte Gellert jedoch mitnichten seine letzte Ruhestätte gefunden, wie im Folgenden beschrieben werden soll.
Nach dreifacher Umbettung befindet sich Gellerts letzte Ruhestätte nunmehr auf dem Leipziger Südfriedhof (Abteilung I). Seine erste Grabstätte jedoch befand sich auf dem Alten Johannisfriedhof. Als die heute nicht mehr existierende Johanniskirche 1894 bis auf den Turm abgebrochen wurde, um nach den Plänen des Architekten Hugo Licht im neobarocken Stil neu gebaut zu werden, fand man an der Südwand die Gebeine Johann Sebastian Bachs und diejenigen Gellerts. Man exhumierte sie und setzte sie 1897 in dem fertig gestellten Kirchenneubau in einer Gruft unter dem Altarraum erneut bei.
Nachdem das Kirchenschiff im Jahr 1943 bei Luftangriffen stark beschädigt worden war, wurden 1949 die Trümmer beseitigt und die verbliebenen Ruinen des Kirchenschiffs abgetragen. Im gleichen Jahr wurden die Gebeine Bachs in die Thomaskirche umgebettet, während die Gebeine Gellerts in die Universitätskirche St. Pauli überführt wurden. Der übriggebliebene Turm der Johanniskirche wurde 1956 saniert, was nichts daran änderte, dass das atheistische Regime der DDR ihn 1963 sprengen ließ, sodass an dieser Stelle heute nur noch der Name „Johannisplatz“ an die Kirche erinnert. Der weiter südöstlich, hinter dem Grassimuseum gelegene Alte Johannisfriedhof, der heute eine museale Parkanlage ist, ist ein weiterer Hinweis auf die frühere Existenz der Kirche. Der seit 1563 bestehende Alte Johannisfriedhof war 1883 wegen vollständiger Auslastung seiner Kapazitäten für Bestattungen geschlossen worden. Fortan wurde der 1846 eröffnete Neue Johannisfriedhof genutzt, der etwa einen Kilometer südöstlich vom Alten Johannisfriedhof gelegen war. Am 31.12.1950 wurde jedoch auch dieser Friedhof von der Stadtverwaltung für Bestattungen – und zwanzig Jahre später, am 31.12.1970, für die Öffentlichkeit geschlossen. Darauf folgte zunächst die Säkularisation des Gottesackers, in deren Zuge Gruftanlagen und Umfassungsmauern abgebrochen und Gräber eingeebnet wurden. Umbettungen fanden nur dann statt, wenn sie privat finanziert wurden. Nur etwa 120 Grabmale wurden gerettet und auf dem Alten Johannisfriedhof gelagert. Unsachgemäßer Transport dorthin führte jedoch zu starken Beschädigungen der historisch bedeutenden Objekte. Vandalismus und Diebstahl taten schließlich ihr Übriges, sodass nach dem Ende des Arbeiter- und Bauernstaates nur noch 58 Grabmale übrig waren, die saniert werden konnten und daraufhin im südöstlichen Teil des Alten Johannisfriedhofs im eigens für diese Objekte eingerichteten Lapidarium aufgestellt wurden. Im Jahr 1983 wurde der nunmehr säkularisierte Neue Johannisfriedhof der Bevölkerung unter dem neuen Namen „Friedenspark“ als städtisches Naherholungsgebiet zur Nutzung freigegeben. Somit fiel hier ein Name weg, der an die Existenz der Johanniskirche erinnerte. Die in nordöstlicher Richtung verlaufende Johannisallee ist jedoch ein heute noch existierender Hinweis auf diese Kirche. Die Johannisallee befindet sich zwischen Altem Johannisfriedhof und dem Friedenspark.
Doch zurück zum Schicksal von Gellerts Gebeinen. Ihnen war nur eine kurz Zeit der Ruhe vergönnt, denn die sie beherbergende Universitätskirche St. Pauli war den sozialistischen Bauplanern ein Dorn im Auge. Religion hatte in einer inzwischen in „Karl Marx“ umbenannten Universität, auf einem inzwischen auf den Namen „Karl Marx“ umgetauften Platz keine Daseinsberechtigung, hatte doch ausgerechnet dieser den von Lenin abgewandelten Auspruch geprägt, demzufolge Religion Opium für das Volk sei. Nun hatte aber der – seine späteren Jünger des DDR-Politbüros an Intelligenz wohl allesamt weit überlegene – Marx diesen Ausspruch in einer Zeit getätigt, als die christliche Konfession fast ausschließlich auf der Seite der „besitzenden Klassen“ stand. Das „Übel“ der Existenz dieser besitzenden Klassen hatte das SED-Regime im Jahr 1968 jedoch weitgehend beseitigt. Man war dem Ziel der „klassenlosen Gesellschaft“ also bedeutend nähergerückt. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein Marx diesem neuen Kontext Rechnung getragen hätte. Seine buchstabengläubigen und parolenverliebten Anhänger waren zu einer solchen geistigen Transferleistung offenbar nicht imstande. Das klerikale Übel musste allem Anschein in ihren ideologisch verblendeten Augen mit Stumpf und Stiel ausgemerzt werden. Weiterlesen ›

  1. Vgl. Löffler, Katrin; Schöpa, Iris u.a.: Der Leipziger Südfriedhof – Geschichte / Grabstätten / Grabdenkmäler. Leipzig, 20042, S. 46. []
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