<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>L’esprit d’escalier &#187; Geschichte</title>
	<atom:link href="http://espritdescalier.de/blog/tag/geschichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://espritdescalier.de/blog</link>
	<description>Thinker’s Digest</description>
	<lastBuildDate>Fri, 24 Jun 2011 21:30:34 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2008 21:38:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschutzbunker]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmale]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=1208</guid>
		<description><![CDATA[Nun steht „Radio Hamburg&#8221; ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der „schönsten Stadt der Welt&#8221; nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg&#8221; mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/' addthis:title='Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/wasserturm-radio-hamburg.jpg" rel="lightbox[120808]"><img class="alignleft size-full wp-image-200311" title="screen capture von der Radio-Hamburg-Homepage" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/wasserturm-radio-hamburg-thumbnail.jpg" alt="" width="175" height="140" /></a><span class="initial">N</span>un steht „Radio Hamburg&#8221; ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der  „schönsten Stadt der Welt&#8221; nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg&#8221; mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht unwesentliche Wissenslücke offenbart.</p>
<p>So geschehen am dritten August dieses Jahres. In Geschäften oder bei der Sendersuche kommt man bisweilen nicht umhin, diesem Sender zu begegnen. Da der dritte August ein Sonntag war, war es also auf der Suche nach einem Sender, als der Auto-Scan innehielt und plötzlich der gute alte „Lotto King Karl&#8221; in die heimischen vier Wände hinein tönte. In gewohntem Barmbek-Ba(r)sch-Tonfall moderierte der Musiker auf durchaus nicht unsympathische Weise seine offenbar neue Sendung „Radio Hamburg rockt&#8221;, die immer sonntags von 18 bis 20 Uhr ihren Lauf nimmt.<br />
Es muss gegen 19:10 Uhr gewesen sein, als „Lotto&#8221; begann, einen Text vorzulesen, in dem auf die Happy Hour in einer Hamburger Cocktail-Bar hingewiesen wurde, denn diese Zeit ist laut Programmschema für „unsere Tipps für Ihre Freizeit&#8221; reserviert. Ob es sich hierbei um reine  Veranstaltungshinweise handelt oder womöglich um als Veranstaltungshinweise getarnte Werbung, sei dahin gestellt. Nun also O-Ton „Lotto&#8221;:</p>
<blockquote><p>Und wenn ihr euch das lieber ein bisschen gemütlich machen wollt heute Abend, dann geht am besten in die »Turm Bar«.</p></blockquote>
<p>Bis hierhin ist nichts einzuwenden. Doch jetzt folgte ein Satz, der schon fast wie eine historische Hintergrundinformation anmutet:</p>
<blockquote><p>Früher floss hier das Wasser, heute sind es Bier und Cocktails.</p></blockquote>
<p>Bevor „Lotto&#8221; nun explizit zur &#8211; sicher unbewussten &#8211; Umdeutung historischer Fakten anhub, präzisierte er noch die Vorzüge der Bar:</p>
<blockquote><p>Macht es euch auf den Rattanmöbeln zwischen Palmen gemütlich und noch bis 20:30 Uhr ist Happy Hour, das heißt, alles [sic] Cocktails gibt&#8217;s zum halben Preis wie zum Beispiel eine Strawberry Daiquiri für 3,75 Euro.</p></blockquote>
<p>Abschließend informierte „Lotto&#8221; die Hörer, wo genau die Sause steige und versorgte sie dabei zugleich mit einer Desinformation:</p>
<blockquote><p>Die Bar findet ihr im ehemaligen Wasserturm auf der Moorweide in der Rothenbaumchaussee 2.</p></blockquote>
<p>Unter dieser Adresse findet sich tatsächlich und bekanntermaßen die „Turm-Bar&#8221;. Was also ist nun das Problem? Dieses besteht darin, dass es sich bei dem Gemäuer, in welchem sich diese Bar befindet, mitnichten um einen „ehemaligen Wasserturm&#8221;, sondern vielmehr um einen einstigen Luftschutzbunker handelt &#8211; ein nicht gänzlich unbedeutender Unterschied immerhin. Wenn also darin Wasser floss, dann vielleicht in Form von Angstschweiß und Tränen, aber gewiss nicht zum Zweck der Wasserbevorratung und Wasserdruckerzeugung.<span id="more-120808"></span><br />
Jener Bunker ist einer von elf in Hamburg errichteten Rundturmbunkern vom Typ Zombeck. Der Zombeck-Bunker in Altona wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, ebenso wie derjenige am ZOB<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_0_120808" id="identifier_0_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="im Jahr 2002">1</a></sup>, so dass heute noch neun Türme dieser Art in Hamburg existieren. Der am zentralsten gelegene dieser zehn Türme, wenn nicht gar sämtlicher Hamburger Luftschutzbauten ist nun eben jener auf der Moorweide. Seine Entfernung zur Binnenalster beträgt gerade einmal 600 Meter Luftlinie, zum Bahnhof Dammtor gar nur 150 Meter. Errichtet wurde er im Jahr 1940 nach Entwürfen des Bauassesors Rudhard.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_1_120808" id="identifier_1_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &amp;#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse R&uuml;ttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbeh&ouml;rde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 80.">2</a></sup> Die Zombeck-Türme waren &#8211; anders als die Bunkerhäuser &#8211; nur für einen kurzen Aufenthalt konzipiert, nämlich, um Passanten Schutz zu gewähren.  Deshalb wurden sie an besonders stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten errichtet, so z.B. an den U- und S-Bahnhöfen Barmbek und Sternschanze, zwischen den U-, bzw. U- und S-Bahnhöfen Baumwall und Landungsbrücken, am  S- und Fernbahnhof Hasselbrook und eben auch am U-, S- und Fernbahnhof Dammtor an der Moorweide.<br />
Im Vergleich zu den anderen Hamburger Zombeck-Bunkern ist jener auf der Moorweide aufwändiger, im Stil des nationalsozialistischen Staatsklassizismus gestaltet. So ist der Sockel bis über die Eingänge mit Werkstein verkleidet. Der Fries besteht aus Kassetten, die ebenfalls aus Werkstein gefertigt wurden und detaillierter gearbeitet sind als diejenigen anderer Türme, sofern sie überhaupt über welche verfügen. Die Lüftungsstutzen am Sockel sind als gerahmte Okkuli ausgebildet, die Beschläge der Flügeltüren des Haupteingangs sind aufwändiger gestaltet, als es ihre Funktion erfordert. Schließlich verfügte der Turm ursprünglich gar über einen Balkon, der mittlerweile demontiert wurde und von dem heute nur noch die Armierungen übrig geblieben sind.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_2_120808" id="identifier_2_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. ebd.">3</a></sup><br />
Dieser größere Gestaltungsaufwand kam nicht von ungefähr. Die Moorweide diente den Nationalsozialisten nämlich als Aufmarschplatz. Dessen eingedenk überrascht es nicht sonderlich, dass der dort befindliche Bunker auch repräsentative Zwecke zu erfüllen hatte. Der Balkon schließlich war auf jener der Moorweide zugewandten Seite angebracht und trug offenbar den Namen „Führerbalkon&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_3_120808" id="identifier_3_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., S.81.">4</a></sup> Ob Hitler je von dort oben zu einer seiner demagogisierten und fanatisierten Gruppen von Uniformfetischisten und Rassenhassern gesprochen hat, ist dem Verfasser nicht bekannt, doch ist es durchaus vorstellbar, dass der Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann oder ein anderer NS-Funktionär solches getan haben. Jedenfalls habe Kaufmann sich nach Luftangriffen auf Hamburg im September 1941 mit der Bitte an Hitler gewandt, die Juden deportieren lassen zu dürfen, um Wohnraum für Ausgebombte zu schaffen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_4_120808" id="identifier_4_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Bajohr, Frank: Die Deportation der Juden &amp;#8211; Initiativen und Reaktionen aus Hamburg. In: Beate Meyer (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933-1945. Hamburg 2006, S. 33.">5</a></sup><br />
Nicht lange danach, im Oktober 1941 nämlich, wurde dann mit der Umsetzung genau dieses menschenverachtenden Vorhabens in Hamburg und im gesamten Deutschen Reich sowie darüber hinaus begonnen. Der nordwestliche Bereich der Moorweide, der von der Edmund-Siemers-Allee und der Moorweidenstraße begrenzt wird, war ein Sammelpunkt für die Deportationen Hamburger Juden, wohl weil das Grindel-Viertel, welches das Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg war, unmittelbar an die Moorweide grenzt.<br />
Der Zombeck-Turm ließe sich zusammen mit dem ebenfalls auf der Moorweide befindlichen Mahnmal für die jüdische Deportierten als zwei korrespondierende Denkmalhälften vestehen, an denen sich Ursache und Wirkung ablesen lassen: keine Luftangriffe, ohne ein voran gegangenes unmenschliches Unrechtsregime. Die Deportationen stehen für unendliches Leid und die Absicht der gezielten Vernichtung eines ganzen Volkes und schließlich für millionenfachen Mord. Die Luftangriffe stellen eine Reaktion der Alliierten auf ein menschenverachtendes, totalitäres und brutales Regime dar, das nicht nur große Teile der eigenen Bevölkerung sondern auch derer vieler anderer Länder massakrierte und mittels einer perversen Vernichtungsindustrie massenhaft umbrachte. Auch die Luftangriffe haben menschliches Leid verursacht. Damit sollte aber nicht ein ganzes Volk ausgelöscht werden, sondern ein Volk demoralisiert werden, damit es sein Mitwirken an diesem von Fanatismus und Hass motivierten Treiben beende und sich besinne. Offenbar bewirkten die Luftangriffe aber das Gegenteil. Hier wie da war menschliches Leid die Folge, doch darf das von den Luftangriffen verursachte Leid nicht aus dem Kontext heraus gelöst werden. Genau für einen solchen Umgang mit der Geschichte bietet die Moorweide eine gute Voraussetzung.<br />
Die Geschichte der Moorweide geht freilich weiter zurück, doch war der Ausgangspunkt für diesen Exkurs ja der vermeintliche Wasserturm und mithin das Jahr 1940. Nicht nur, aber auch in diesem Kontext sollte man den Turm sehen. Es spricht nichts dagegen, dass der Turm heute als Bar genutzt wird. Im Gegenteil. Dies ist eine schöne Weise, Geschichte in die Gegenwart zu integrieren, ohne sie zu verleugnen. Wie aber soll man aus Geschichte lernen, wenn man einen ehemaligen Luftschutzbunker für einen einstigen Wasserturm hält? Wie zudem, wenn ein Radiosender diese Mär verbreitet. Vielleicht würde die eine oder andere dezente Hinweistafel dabei behilflich sein, die wahre Vergangenheit dieses Gemäuers zu vermitteln. Es muss ja nicht gleich aus jedem Turm ein Museum gemacht werden. Die Kenntnis davon, dass es sich bei einem Gebäude um einen ehemaligen Luftschutzbunker handelt, hält ja zudem offenbar kaum davon ab, dass darin Partys gefeiert werden, wie man am ehemaligen Gefechtsturm auf dem Heiligengeistfeld sehen kann.</p>
<p>Die Autoren des von der Hamburger Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt herausgegebenen Bandes „Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_5_120808" id="identifier_5_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &amp;#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse R&uuml;ttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbeh&ouml;rde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 81.">6</a></sup> erachten den Erhalt des Bunkers auf der Moorweide für wichtig, denn er:</p>
<blockquote><p>„[...] vermittelt deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit der katastrophalen Kulmination im Nationalsozialismus &#8211; hier die Aspekte Bombenkrieg und Zerstörung. Damit stellt der Turm ein Mahnmal dar, als anschaulicher Sachzeuge unübersehbar und von großer Präsenz auf einer viel besuchten historischen Grünanlage, an viel befahrenen Straßen und einer wichtigen Bahnstrecke. Die Erhaltung des Bauwerks liegt daher wegen der historischen Bedeutung als bauliches Dokument des Dritten Reiches, der baugeschichtlichen Bedeutung als Beispiel einer für den Luftkrieg kreierten zeittypischen Bauaufgabe, der Bedeutung als authentisches Mahnmal gegen Krieg und Faschismus sowie zur Bewahrung charakteristischer, historisch aussagekräftiger Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_6_120808" id="identifier_6_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">7</a></sup></p></blockquote>
<p>Die Voraussetzung dafür, dass der Bunker diese Aufgabe als Mahnmal erfüllen kann, ist aber eben die Kenntnis davon, dass es sich um einen Bunker handelt und nicht um einen Wasserturm &#8230;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_120808" class="footnote">im Jahr 2002</li><li id="footnote_1_120808" class="footnote">Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 80.</li><li id="footnote_2_120808" class="footnote">Vgl. ebd.</li><li id="footnote_3_120808" class="footnote">Ebd., S.81.</li><li id="footnote_4_120808" class="footnote">Vgl. Bajohr, Frank: Die Deportation der Juden &#8211; Initiativen und Reaktionen aus Hamburg. In: Beate Meyer (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933-1945. Hamburg 2006, S. 33.</li><li id="footnote_5_120808" class="footnote">Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 81.</li><li id="footnote_6_120808" class="footnote">Ebd.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/' addthis:title='Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»einestages« testet Printausgabe</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2008 17:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=2748</guid>
		<description><![CDATA[»Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/' addthis:title='»einestages« testet Printausgabe '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug1.jpg" rel="lightbox[2748]"><img class="alignleft size-full wp-image-200406" title="SPIEGEL-ONLINE-Schriftzug (Foto vom Schild am Eingang des Redaktionsgebäudes in der Willy-Brandt-Straße 20 in Hamburg)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug-thumb1.jpg" alt="" width="200" height="102" /></a><span class="initial">»</span>Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher an einem Magazin wie »Die Zeit &#8211; Zeitgeschichte« (meist 4,50 EUR) und sehr populärwissenschaftlichen Magazinen wie »P.M. History« (4,50 EUR) oder »G Geschichte« (4,30 EUR).</p>
<p>Abgesehen davon, dass es angesichts des bestehenden Negativtrends in der Presselandschaft bereits bemerkenswert ist, dass überhaupt noch ein Verlag den Versuch unternimmt, einen neuen Titel am Markt zu platzieren, scheint ein weiterer Punkt fast noch erstaunlicher. Während die meisten heutzutage online präsenten Presseerzeugnisse nämlich zuerst als Printausgabe existierten und sich dann &#8211; den Zeichen des Internetzeitalters früher oder später Rechnung tragend &#8211; eine Internetpräsenz zulegten, ist bei »einestages« genau das Gegenteil der Fall. Im Oktober 2007 auf den Seiten von »Spiegel-Online« gelauncht, hat »einestages« offenbar eine so große Resonanz bei den Lesern hervorgerufen, dass man nun den Testballon einer Printversion startet.</p>
<p>Ein ähnliches Phänomen ließ sich zuvor schon beim »ebay-Magazin« beobachten, das die Stern-Verlagsgruppe im Jahr 2007 herausbrachte, wenngleich sich die Parallelen zwischen »ebay-Magazin« und der Printversion von »einestages« darin erschöpfen dürften, dass beide aus einem Internet-Projekt hervorgingen. Abgesehen davon ging ja nicht »ebay.de« in Druck, sondern Geschichten und Erlebnisse rund um die Auktionsplattform.</p>
<p>Eine weitere Besonderheit von »einestages« ist, dass es zu einem großen Teil aus »User Generated Content« besteht. Das ist nicht zuletzt wirtschaftlich sehr vorteilhaft für den Verlag. Man lässt einfach die Leser ihre persönliche Geschichte bzw. Erinnerung schreiben, bebildern und sich dann zuschicken. Man selbst überprüft und redigiert sie schließlich »nur« noch, bündelt und präsentiert sie und setzt die Themen. Die Gesamtheit dieser Geschichten solle nicht weniger als ein »kollektives Gedächtnis unserer Geschichte« bilden, so ist bei »einestages« zu lesen. Das klingt nach einem hehren Vorhaben und ist es womöglich auch. Doch auch bei »einestages« ist Werbung geschaltet, wenn auch wenig aufdringlich. Letztlich geht es mit Sicherheit auch darum, Geld zu verdienen, schließlich ist der »Spiegel« kein Verein von Altruisten. Von der Printausgabe wird man sich erhoffen, mit »User Generated Content« Gewinn zu erwirtschaften. Was mit Talkshows seinen unheilvollen Anfang nahm, könnte somit eine glückliche Wende nehmen. Die User steuern ihre Geschichten bei, können sie dann als Leser in einer Printausgabe lesen, ein Pool der Geschichte des Privaten Lebens wird geschaffen, und »Der Spiegel« verdient daran, ohne viel investieren zu müssen. Die Liste der Partner von »einestages« stimmt zudem optimistisch hinsichtlich der Qualität des Inhalts. So finden sich dort u.a. das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die defa-spektrum GmbH, das Deutsche Auswandererhaus sowie der Progress Film-Verleih. Man setzt also nicht allein auf »User Generated Content«, sondern favorisiert eine Mischung.</p>
<p>Bemerkenswert ist, diese Spitze sei erlaubt, dass »Der Spiegel« hier auf das Wissen der Massen vertraut, wo er viele Phänomene des »Web 2.0«, wie z.B. Blogs doch meist äußerst skeptisch kommentiert, belächelt und klein zu reden versucht. Vielleicht muss das Wissen der Massen eben nur von hoch qualifizierten Spiegel-Redakteuren kontrolliert, kanalisiert und veredelt werden sowie dem »Spiegel« zu Profit verhelfen, um als gut befunden zu werden.</p>
<p>Letzten Endes scheint »einestages« ein interessantes und viel versprechendes Projekt zu sein. Ein Projekt zudem, von dem alle profitieren und das es verdiente, in den Zeitschriftenkiosken Fuß zu fassen. Geschichte ist wichtig und ihre Kenntnis noch viel mehr. Und wenn »Der Spiegel« obendrein noch Geld damit verdient, ist das auch nicht von Schaden, es gibt weiß Gott Schlimmeres. Endlich einmal kein weiterer Lifestyle-Magazin-Klon oder Frauen-Magazin-Abklatsch, dafür gönnt man dem »Spiegel« auch ein kleines bisschen Gewinn. Es ist übrigens als gutes Zeichen im Sinne des Kampfes gegen die Verdummung zu werten, dass »einestages« am 5. März den goldenen LeadAward 2008 in der Kategorie »Webmagazin des Jahres« erhielt und nicht irgendein Lifestyle-Webmagazin. Muss es da weiter stutzig machen, dass »Der Spiegel« in der Sponsorenliste des LeadAward auftaucht? Es bleibt abzuwarten, ob der Printausgabe der gleiche Erfolg beschieden sein wird wie der Online-Version.</p>

<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/' addthis:title='»einestages« testet Printausgabe '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld)</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 May 2008 00:41:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschutzbunker]]></category>
		<category><![CDATA[Trompe-l’œil]]></category>
		<category><![CDATA[Trompe-l'œil]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=1065</guid>
		<description><![CDATA[Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen. Es handelt sich [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/' addthis:title='Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-1.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1430" title="Bunker Von-Sauer-Straße 1" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-1-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="225" height="150" /></a><span class="initial">D</span>ieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen.<br />
Es handelt sich hierbei um ein denkbar schlichtes Trompe-l&#8217;œil, das es weniger darauf anlegt, dem kritischen Blick sein wahres Wesen ernsthaft und lange zu verschleiern als vielmehr darauf, dem schweifenden Blick allzu schmerzhafte Hässlichkeit zu ersparen. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-2.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-medium wp-image-1435" title="Bunker Von-Sauer-Straße 2" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-2-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="221" height="150" /></a>Die rote Farbe gibt der vormals grauen Fassade nicht nur ein wärmeres Aussehen, sondern integriert sie gut in die Reihe der benachbarten, aus rotem Backstein errichteten Häuser. Die angetäuschten Fenster verleihen ihr Offenheit und Helligkeit und sorgen dafür, dass der Klotz weniger monolithisch wirkt. Die zahlreichen runden Lüftungsöffnungen wurden dabei geometrisch gut integriert. Die Details zweier menschlicher Gesichter sowie einer schwarzen Katze, die drei der vermeintlichen Fenster zieren, vermögen gar, etwas Lebendigkeit zu erzeugen. Wie die meisten anderen Hamburger Bunker, wird auch dieser als Werbefläche genutzt. Im Moment sind dies zwei Tafeln mit wechselnder  Werbung sowie eine dauerhaft vermietete Fläche. Außerdem befindet sich auf dem Dach des Bunkers ein monströser Sende- oder/und Empfangsmast, der über eine fest installierte Leiter im Hinterhof erreicht werden kann. Die vom Hinterhof zu sehende Fassade ist üppig und flächendeckend begrünt. Ob und wenn ja, wie das Bunkerinnere genutzt wird, ist dem Verfasser nicht bekannt.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-3.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1441" title="Bunker Von-Sauer-Straße 3" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-3-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="231" height="150" /></a>Alles in allem handelt es sich hier um eine simple aber ihren Zweck hervorragend erfüllende Illusionsmalerei. Warum sind dann noch so viele Bunker grau? Die Schrecken des Krieges lassen sich nur bedingt durch die Hässlichkeit unserer Alltagsumgebung begreiflicher machen. Was also spricht dagegen, die Fassaden wenigstens wärmer zu gestalten? Es ist kaum anzunehmen, dass auch nur ein Nazi weniger der Verdummung anheim fällt, wenn Bunkerfassaden grau bleiben. Im Gegenteil. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-4.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-full wp-image-1445" title="Bunker Von-Sauer-Straße 4" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-4-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="212" height="150" /></a>Graue Bunker dienen Nazis mit Sicherheit eher als gute Vorlage für ihre selbstmitleidige und dreiste These des „Bomben-Holocaust&#8221;. Die heutige Hässlichkeit vieler deutscher Städte führen sie nicht etwa auf die Nazis zurück, sondern auf die Alliierten und solche Feindbilder wie den Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Airforce, Arthur Harris, der dann gerne als „Bomber Harris&#8221; bezeichnet wird. Doch Harris hatte ja nun nicht so ganz unrecht damit, dass es das Deutsche Reich war, das damit begonnen habe, die Zivilbevölkerung zum Ziel von Terrorangriffen zu machen. Diese Tatsache macht die Flächenbombardements der Alliierten zwar nicht humaner, stellt aber doch massiv das Recht derjenigen Deutschen infrage, welche die alliierten Luftangriffe, aus dem Kontext gelöst, als unmoralisch anprangern ohne eben zu erwähnen, dass es Nazis und nicht Briten waren, die Gernika zu 80 Prozent zerstörten, gezielt auf flüchtende Zivilbevölkerung schossen und somit diese Unmoral im noch jungen Phänomen des Luftkrieges überhaupt erst einführten. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-5.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="Bunker Von-Sauer-Straße 5" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-5-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="225" height="150" /></a>Das vorgebliche strategische Ziel hingegen &#8211; ein Brücke nämlich &#8211; wurde nicht von einer einzigen Bombe getroffen. Auch wird gerne unterschlagen, dass es Nazis waren, die Coventry, Rotterdam, Warschau, London und Belgrad bombardierten.<br />
Inwiefern man angesichts deutscher Vernichtungs- und Konzentrationslager und der darin getöteten mehreren Millionen Menschen ausgerechnet den Alliierten ein unmoralisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung vorwerfen kann, ist sowieso fragwürdig. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Alliierten nicht durch gezielte Bombardements der Infrastruktur der Vernichtungslager das industrielle Morden der Nazis hätten aufhalten können. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-6.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-full wp-image-1453" title="Bunker Von-Sauer-Straße 6" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-6-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="113" height="150" /></a>Schließlich war den Alliierten durch die Entschlüsselung von Enigma-Nachrichten seit 1943 bekannt, was in den Todeslagern vor sich ging.<br />
Insbesondere zu den Vernichtungslagern führende Bahnlinien hätten bombardiert werden können. Während eines Treffens mit dem britischen Außenminister Anthony Eden am 6. Juli 1944 schlug Chaim Weizmann als Vertreter der Jewish Agency die Bombardierung der Eisenbahnstrecke Budapest-Auschwitz und der Vernichtungsanlagen innerhalb des Lagers vor. Doch die Alliierten waren der Ansicht, dass ein schneller Sieg über das Dritte Reich die effektivste Hilfe für KZ-Häftlinge sei, weshalb man trotz anfänglicher Aufgeschlossenheit gegenüber einer Bombardierung von KZ-Infrastruktur letztlich davon absah.</p>

<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/' addthis:title='Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Golo Mann über Karl Marx</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 22:20:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=960</guid>
		<description><![CDATA[Da sich am 5. Mai dieses Jahres der Geburtstag von Karl Marx zum 190. Mal jährt, sei an dieser Stelle eine kleine, den Trierer Philosophen betreffende, Lesefrucht aus Golo Manns »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« zum Besten gegeben: Heine spricht einmal von seinen deutschen Landsleuten in Paris, »darunter der entschiedenste und geistreichste, Dr. [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/' addthis:title='Golo Mann über Karl Marx '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><span class="initial">D</span>a sich am 5. Mai dieses Jahres der Geburtstag von Karl Marx zum 190. Mal jährt, sei an dieser Stelle eine kleine, den Trierer Philosophen betreffende, Lesefrucht aus Golo Manns »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« zum Besten gegeben:</p>
<blockquote><p>Heine spricht einmal von seinen deutschen Landsleuten in Paris, »darunter der entschiedenste und geistreichste, Dr. Marx«. Der war entschieden und hat entschieden. Er war so geistreich wie Heine und, obgleich kein Dichter, doch ein Schriftsteller von hohem Rang. Aber er zwang seinen Geist auf eine einzige Bahn. Er nahm Partei. Er schuf eine Partei. Er wollte die Weltgeschichte mit seinem Geist bezwingen, sie auf die Bahn zwingen, die sein eigener Geist nahm. Gewirkt hat Marx und wirkt noch heute, aber nicht das, was er erwartete, errechnete, ist aus seinem Werk herausgekommen. [...]</p>
<p>Ein Russe, der ihn auf einer Sozialistenversammlung in Brüssel traf, schildert ihn: »Eine dichte, schwarze Mähne auf dem Kopf, die Hände mit Haaren bedeckt, den Rock schief zusammengeknöpft, hatte er dennoch das Aussehen eines Mannes, der das Recht und die Macht hat, Achtung zu fordern &#8230; Seine Bewegungen waren eckig, aber kühn und selbstbewußt. Seine Manieren liefen geradezu allen gesellschaftlichen Umgangsformen zuwider. Aber sie waren stolz, mit einem Anflug von Verachtung, und seine scharfe Stimme, die wie Metall klang, stimmte merkwürdig überein mit den radikalen Urteilen über Menschen und Dinge, die er fällte. Er sprach nicht anders als in imperativen, keinen Widerstand duldenden Worten, die übrigens noch durch einen mich fast schmerzlich berührenden Ton, welcher alles, was er sprach, durchdrang, verschärft wurden.« Ähnlich sah ihn ein paar Jahre später ein deutscher Student, dem seinerseits gute Augen, heller Verstand und kräftige Gesinnung eigen waren, Carl Schurz: »Was Marx sagte, war in der Tat gehaltreich, logisch und klar. Aber niemals habe ich einen Menschen gesehen von so verletzender, unerträglicher Arroganz des Auftretens. Keiner Meinung, die von der seinigen wesentlich abwich, gewährte er die Ehre einer einigermaßen respektvollen Erwägung. Jeden, der ihm widersprach, behandelte er mit kaum verhüllter Verachtung. Jedes ihm mißliebige Argument beantwortete er entweder mit beißendem Spott über die bemitleidenswerte Unwissenheit oder mit ehrenrühriger Verdächtigung der Motive dessen, der es vorgebracht. Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones, mit welchem er das Wort ›Bourgeois‹ aussprach; und als ›Bourgeois‹, das heißt, als ein unverkennbares Beispiel einer tiefen geistlichen und sittlichen Versumpfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu widersprechen wagte.« Es ist kein Zweifel, daß er den Leuten so erschien, die Zeugen sind gar zu zahlreich, gar zu übereinstimmend; und ist wohl kein Zweifel, daß er so war. Er war gesegnet und geschlagen mit einem ungeheuren Verstand, der ihn vereinsamte und ihn hochfahrend machte. Liebe hatte er wohl, für seine Frau, seine Kinder, auch Mitleid; es empörte ihn das Elend, das mit der Industrie hereingebrochen war. Sein Charakter war unbeugsam in der Not, vollständig die Treue zu der titanischen Arbeit, die er sich selber auferlegt hatte. Das sind preisenswerte Tugenden. Sie wurden überwuchert von einem furchtbaren Willen zur Macht; von dem Willen recht zu behalten und allein recht zu behalten. Die Gegner, die Kritiker, die Andersdenkenden wollte er vernichten, mit dem Schwert oder, solange das noch nicht anging, mit der Feder, die in Gift getaucht war. Ein solcher kann die Welt nicht besser machen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/#footnote_0_960" id="identifier_0_960" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1996, S.176f. &amp;#8211; Zuerst erschienen im Jahr 1958.">1</a></sup></p></blockquote>
<p>Solchen Menschen, die ihren &#8211; mitunter auch sehr kümmerlichen &#8211; Geist auf eine einzige Bahn zwingen, begegnet man auch im 21. Jahrhundert noch zuhauf. Man muss kein Marxist sein, um Andersdenkende zu denunzieren und vernichten zu wollen sowie ihre Motive in ehrenrühriger Weise infrage zu stellen. Menschen mit einem furchtbaren Willen zur Macht sowie dem Willen, recht zu behalten und allein recht zu behalten, finden sich auch heute in der Politik, an Stammtischen, in Medienredaktionen sowie in Kleingartenvereinen. Sie alle eint ein Hang zur Borniertheit. Bei den wenigsten jedoch ist diese Eigenschaft gepaart mit einem hellen Verstand wie zweifellos bei Marx.</p>
<p>Meist sind es wohl eher Bequemlichkeit, Eitelkeit, Selbstsucht, Ruhmsucht und &#8211; ja, geistige Trägheit, die zu solchem Schwarz-Weiß-Denken führen, zur Unfähigkeit, von einmal bezogenen Positionen auch nur einen Millimeter abzurücken. Man konstruiert sich ein paar Feindbilder und kann fortan in der geistigen Hängematte baumeln. Gefährlich wird es, wenn solch rechthaberischer Kleingeist Einfluss gewinnt auf die Öffentlichkeit, auf Meinungsbildung und auf Politik. Wahrlich, mit einer derartigen Einstellung kann man die Welt schwerlich besser machen. Aber das ist wohl auch nicht unbedingt das Streben solch intransigenter Menschen.</p>
<p>Man sieht, auch in dieser eher menschlichen Hinsicht ist Marx aktueller denn je.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_960" class="footnote">Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1996, S.176f. &#8211; Zuerst erschienen im Jahr 1958.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/' addthis:title='Golo Mann über Karl Marx '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Feb 2008 17:44:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/</guid>
		<description><![CDATA[Da diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall&#8221; Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea&#8221; widmet: [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/' addthis:title='Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><span class="initial">D</span>a diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall&#8221; Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea&#8221; widmet:</p>
<p style="text-align: center;"><a title="Link zum Quellen-Blog" href="http://textquellenzueritrea.wordpress.com/">http://textquellenzueritrea.wordpress.com/</a></p>
<p>Dort kann sich auch die letzte Zapp-Mitarbeiterin und der letzte „Zeitzeuge&#8221; von der Tatsache überzeugen, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab. Belegt wird dies nicht etwa von dubiosen und sinistren Gestalten oder etwa von „Kommerz-Medien&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_0_934" id="identifier_0_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Diktion der &bdquo;Zeitzeugen&amp;#8221; auf ihrer Homepage">1</a></sup> und schon gar nicht von auf ihr Image bedachten, sich der modernen Mediengesellschaft bedienenden Hilfsorganisationen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_1_934" id="identifier_1_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Peter Disch, Journalist f&uuml;r Popmusik, Eintrag  in seinem &bdquo;Feuerherzblog&amp;#8221; vom 21.02.2008">2</a></sup>, sondern vor allem von einem Freund des von Julia Salden als Experte herangezogenen Günter Schröder, dem Wissenschaftler Hartmut Quehl nämlich.</p>
<p>Warum nun wurde dieses Quellenblog ins Netz gestellt, wo doch der Journalist für Popmusik, Peter Disch, der die ganze Debatte um Mehari losgetreten hat, niemals in Abrede gestellt habe, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab? Das wird eigentlich in der Rubrik „Anliegen&#8221; des oben verlinkten Quellenblogs klipp und klar dargelegt, allerdings erst nach mehreren Absätzen, so dass man sich erst bis dahin durchkämpfen muss. Deshalb die Erklärung hier noch einmal an früherer Stelle und lesefreundlich gegliedert.</p>
<p>Die Quellen, welche die generelle Existenz von Kindersoldaten in Eritrea belegen, wurden aus folgenden Gründen online gestellt:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>1.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil das <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2008" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4599014_REF2488,00.html" target="_blank" class="broken_link">TV-Magazin Zapp am 14.02.2008</a> Abraham Mehreteab, den Sprecher der Mehari-Kritiker, zeigte, wie er vor dem Berlinale-Palast laut und deutlich skandierte:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Es gibt keine sogenannten Kindersoldaten in Eritrea.&#8221;</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_2_934" id="identifier_2_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Den Beitrag kann man sich auf der Homepage von Zapp anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 ge&auml;u&szlig;ert.">3</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Das ist deshalb von Belang, weil sowohl Julia Salden als auch Peter Disch regelmäßig Abraham Mehreteab als Zeugen für ihre reine Detailkritik an Meharis Darstellung eines einzigen Lagers in Eritrea heranziehen. Wieso ruft der Zeuge dann aber nicht: „Es gab keine sogenannten Kindersoldaten an der Tsebah-Schule.&#8221;, wenn es doch nur um diese eine Schule gehe?</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>2.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden zudem diese falsche, ganz und gar generalisierende Aussage eines ihrer Zeugen nicht kommentierte, geschweige denn, dass sie sich etwa davon distanzierte.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>3.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden vielmehr nahtlos ihre eigene Aussage daran anschloss:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Im Film gibt es Kindersoldaten in Eritrea. Er spielt Anfang der achtziger Jahre. Die zehnjährige Awet kommt zu den eritreischen Rebellen. Dort wird sie zu einer Soldatin ausgebildet. Ein Spielfilm &#8211; eigentlich fiktional, aber die Produzenten behaupten [...]: Wir sind ganz nah an der Wahrheit. Das ist eine wahre Geschichte.’”</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_3_934" id="identifier_3_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Sendung vom 20.02.2008">4</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Durch diese Art des Zusammenschneidens der unwidersprochen gelassenen, falschen Behauptung eines ihrer Zeugen mit ihrer eigenen Aussage insinuiert Salden, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe und verlagert die Debatte höchstselbst auf die allgemeine Ebene, um die es ihr &#8211; wie Peter Disch ihr beständig sekundiert &#8211; angeblich nicht gehe.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>4.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden in ebendiesem Beitrag an späterer Stelle Folgendes sagte:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Trotzdem erinnert der Film stark an die Buchvorlage. Kinder erhalten Waffen, lernen schießen und töten. […] Hat es das in Eritrea wirklich gegeben?&#8221;</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_4_934" id="identifier_4_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">5</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Wieso stellt Julia Salden diese Frage, wenn sie &#8211; laut Peter Disch &#8211; die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea überhaupt nicht leugne? Wenn es Julia Salden zudem doch gar nicht um Eritrea, sondern nur um eine Schule gehe, warum fragt sie dann nicht: „Hat es das an der Tsebah-Schule wirklich gegeben?&#8221; Diese Frage stellt Julia Salden womöglich deshalb nicht, weil es in dem Film überhaupt nicht um die Tsebah-Schule geht.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>5.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden im Kontext von Kindersoldaten in Eritrea von „angeblich historische[n] Wahrheiten&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_5_934" id="identifier_5_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">6</a></sup> sprach.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>6.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil die von Zapp und Disch immer herangezogenen „Zeitzeugen&#8221; auf ihrer <a title="Link zu http://tsebah.com/" href="http://tsebah.com/" target="_blank">Homepage</a> eine „Grußbotschaft&#8221; veröffentlichten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_6_934" id="identifier_6_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer &bdquo;Gru&szlig;botschaft&amp;#8221; die Rede, als dar&uuml;ber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekret&auml;r der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe begl&uuml;ckw&uuml;nschte und sich mit kommunistischem Gru&szlig; verabschiedete. Dies m&ouml;ge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Gru&szlig;botschaften und Solidarit&auml;tsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED &bdquo;Neues Deutschland&amp;#8221; war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften.">7</a></sup>, in der expressis verbis generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea in Gegenwart und Vergangenheit in Abrede gestellt wird:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„In Eritrea gab es nie Kindersoldaten, bis heute gibt es das nicht.&#8221;</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">Aufgrund der Tatsache, dass diese Botschaft unkommentiert und ohne jegliche Distanzierung veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass die als „GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule&#8221; firmierenden „Zeitzeugen&#8221; die in der „Grußbotschaft&#8221; geäußerte Auffassung, derzufolge es nie Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, in vollem Umfang teilen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">In dieser „Grußbotschaft&#8221; ist überdies an keiner einzigen Stelle von der „Tsebah-Schule&#8221; die Rede, um die es doch dem Vernehmen nach ausschließlich gehe. Im Gegenteil, die Urheberin dieser Botschaft äußert vielmehr gleich zu Beginn, dass sie <strong>nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei</strong>. Stattdessen negiert sie aber pauschal die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea. Diese Solidaritätsadresse wird nun von den „Zeitzeugen&#8221; ohne jeglichen Kommentar online gestellt. Tanzen da die „Zeitzeugen&#8221; etwa aus der Reihe?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dischs Aussage zufolge gehe es ihm im Grunde genommen nur um Almaz Yohannes, die sich in Meharis Buch diffamiert fühle und darum, dass die „Tsebah-Schule&#8221; eine reine Schule gewesen sei, ohne militärischen Charakter. Worum aber geht es den „Zeitzeugen&#8221;, mit denen sich Disch umgibt? Offenbar in starkem Maß um Eritrea im Allgemeinen. Diese allgemeine Diskussion bemängelt Disch aber nur bei seinen Kritikern, nicht bei seinen Zeugen. Hätte es zudem eine Person wie die Urheberin der „Grußbotschaft&#8221; gewagt, sich zugunsten von Mehari zu äußern, bei gleichzeitigem Eingeständis, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei, hätte Herr Disch ihr längst einen belehrenden Eintrag in seinem Feuerherz-Organ gewidmet, wo er der Person nach Strich und Faden auseinandergesetzt hätte, dass sie nur „ventiliere&#8221;, „in Augenschein&#8221; nehme und auf allgemeiner Ebene diskutiere, kurzum: in der Diskussion gar nichts verloren habe und es gar nicht wert sei, dass man überhaupt auf sie eingehe.</p>
<p>Diese sich wesentlich widersprechenden Aussagen von Peter Disch, Julia Salden und Abraham Mehreteab hinsichtlich der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea waren also der Anlass, die Quellen online zu stellen.</p>
<p>An dieser Stelle darf noch einmal der stellvertretende Leiter der Programmgruppe Ausland des Westdeutschen Rundfunks, Arnd Henze, zitiert werden, auch wenn Herr Disch bemängelt, dass dessen Kritik bereits ein Jahr alt sei. Doch inzwischen hat Disch sich das wieder anders überlegt und seine Mitmenschen informiert, dass es keine Rolle spiele, wie alt ein Text sei, sondern dass es auf die Qualität des Textes ankomme. Angesichts solcher Weisheit, bleibt einem schier der Mund offen stehen. Wie auch immer, dass Herr Henze mittlerweile anderer Ansicht sei, war bislang noch nicht zu lesen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_7_934" id="identifier_7_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="W&auml;re das der Fall, h&auml;tte Zapp doch keine Sekunde gez&ouml;gert und die neue, anderslautende Stellungnahme l&auml;ngst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser w&uuml;rde dann dort in sch&ouml;nster Zapp-Diktion stehen: &bdquo;R&uuml;ckzieher: Kritiker hat Einsehen!&amp;#8221;">8</a></sup> Außerdem hat seine Kritik weder an Aktualität noch an Relevanz oder Signifikanz eingebüßt:</p>
<blockquote><p>Geht es darum, das Selbstbild vom legitimen Befreiungskampf nicht durch das Eingeständnis völkerrechtswidriger Kriegsmethoden zu relativieren [...] Hat sich Zapp möglicherweise für einen zynischen Geschichts-Revisionismus einspannen lassen?<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_8_934" id="identifier_8_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007">9</a></sup></p></blockquote>
<p><span id="more-934"></span><br />
Peter Disch indes beliebt, abermals zu unterstellen, dass einzelne seiner Kritiker die vollkommen auf die von Senait Mehari veröffentlichte Darstellung der Zustände in einem einzigen Lager bezogene Detailkritik in eine allgemeine Diskussion über Kindersoldaten ummünzen wollten. Solange aber das aus Disch, Salden und Mehretaab bestehende Triumvirat nicht in der Lage ist, die von Disch vertretene Position einheitlich und klar verständlich zu kommunizieren, sondern &#8211; wie oben gesehen &#8211; selbst Argumentationsebenen munter vermischt, sollte sich die Verwunderung darüber, dass man auf diese widersprüchlichen Äußerungen eingeht, eigentlich in Grenzen halten.</p>
<p>Ihre Kritiker, Herr Disch, erlauben sich also deshalb, auch auf allgemeiner Ebene zu diskutieren, weil Ihre Mitstreiter die Diskussion selbst dorthin verlegt haben. Da Abraham Mehreteab und Julia Salden, anders als Sie, Günter Schröder, Hartmut Quehl und der Äthiopist Wolbert G.C. Smidt, diesen allgemeinen Fakt der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea eben alles andere als deutlich bestätigen, sondern z.T. sogar ganz eindeutig leugnen, müssen Sie es wohl oder übel erdulden, wenn man sich dazu äußert, auch wenn das alles womöglich unter Ihrem Niveau ist. Sie müssen einfach damit leben, dass Ihre Leser und mithin auch Kritiker nicht allesamt in der komfortablen Situation sind, solche Meister der in Rede stehenden Materie zu sein, wie offenbar Sie.</p>
<p>Voller Ungeduld und mit brennendem Interesse wartet eine Vielzahl von Menschen seit über einem Jahr auf überzeugende Fakten für die These, die Sie so vehement vertreten, Herr Disch. Offenbar sind viele Menschen noch nicht dem Charme und der Stichhaltigkeit Ihrer Argumente restlos erlegen. Wir warten neugierig darauf, dass Sie über das Buch „Feuerherz&#8221; von Senait Mehari endlich relevante Neuigkeiten mitteilen. Denn bislang hatten Sie nicht gerade mit einer erdrückenden Menge an neuen, relevanten Informationen aufzuwarten.</p>
<p>Sie haben diese Debatte losgetreten, Herr Disch. Sie bezichtigen Mehari der Lüge. Dass Mehari lügt, müssen also Sie beweisen. Ihre Kritiker müssen eigentlich nicht Meharis Unschuld beweisen. Anstatt also den von Ihnen dem Anschein nach z.T. als unwürdig empfundenen Kritikern handwerkliche und andere Fehler nachzuweisen, überzeugen Sie uns renitente, offensichtlich überaus lästige Zweifler doch einfach. Sie haben ja offenbar das nötige Rüstzeug, die Recherchefähigkeit und die Sachlichkeit, die dazu vonnöten sind. Sie sind allem Anschein nach so von Ihrer These überzeugt und durchdrungen, dass es doch ein Leichtes sein sollte, auch die letzten Zweifler zu überzeugen. Alle Augen sind nun auf Sie gerichtet. Sprechen Sie konkret über das Buch, und räumen Sie die Zweifel an Ihrer These aus.</p>
<p>Solange Sie aber Mehari nicht eindeutig der Lüge überführen, müssen Sie wohl oder übel damit leben, dass es Menschen gibt, die sowohl Meharis Version als auch diejenige, der Sie den Vorzug geben, für gleichrangig erachten.</p>
<p>Nachdem die Kritiker Ihnen also nun die allgemeine und persönliche Ebene aufgezwungen haben, die so gar nicht Ihr Stil sei, Sie jedoch diese Kritikaster in ihre jeweiligen Schranken zu weisen vermochten, können Sie sich ja nun endlich wieder allein dem Buch und Ihrer rein sachlichen Detailkritik daran widmen und uns letztlich doch überzeugen.</p>
<p>Ansonsten könnten böse Zungen noch behaupten, die Debatte sei nur deshalb wieder angefacht worden, weil die Filmpremiere bevorstand und nicht etwa deswegen, weil Salden und Disch irgendwelche neuen Fakten aufgespürt hätten. <span style="color: #fffacd;">Zapp, NDR, Medienmagazin, Julia Salden, Peter Disch, Kuno Haberbusch, Senait Mehari, Feuerherz, Eritrea, Kindersoldaten, child soldier, ELF, EPLF, Abraham Mehretaab, Tsebah, Droemer, Knaur, Arnd Henze, Günter Schröder</span><br />
© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_934" class="footnote">Diktion der „Zeitzeugen&#8221; auf ihrer <a title="Link zur Homepage der »Zeitzeugen«" href="http://tsebah.com/" target="_blank">Homepage</a></li><li id="footnote_1_934" class="footnote">Vgl. Peter Disch, Journalist für Popmusik, Eintrag  in seinem „Feuerherzblog&#8221; vom 21.02.2008</li><li id="footnote_2_934" class="footnote">Den Beitrag kann man sich auf der <a href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID4599014_VID4598406,00.html" target="_blank" class="broken_link">Homepage von Zapp</a> anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 geäußert.</li><li id="footnote_3_934" class="footnote"><a title="Link zur Zapp-Sendung vom 20.02.2008" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4599014_REF2488,00.html" target="_blank" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 20.02.2008</a></li><li id="footnote_4_934" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_5_934" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_6_934" class="footnote">Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer „Grußbotschaft&#8221; die Rede, als darüber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe beglückwünschte und sich mit kommunistischem Gruß verabschiedete. Dies möge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Grußbotschaften und Solidaritätsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED „Neues Deutschland&#8221; war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften.</li><li id="footnote_7_934" class="footnote">Wäre das der Fall, hätte Zapp doch keine Sekunde gezögert und die neue, anderslautende Stellungnahme längst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser würde dann dort in schönster Zapp-Diktion stehen: „Rückzieher: Kritiker hat Einsehen!&#8221;</li><li id="footnote_8_934" class="footnote"><a title="Link zum Schreiben von Arnd Henze auf der Internetseite von Zapp" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007</a></li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/' addthis:title='Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) &#8211; „Jedem das Seine&#8221;</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Feb 2008 20:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-funfte/</guid>
		<description><![CDATA[Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt&#8221; wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche&#8221; darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) &#8211; „Jedem das Seine&#8221; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/irrlichter-beim-ndr-in-hamburg-lokstedt.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1495" title="Irrlichter beim NDR in Hamburg Lokstedt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/irrlichter-beim-ndr-in-hamburg-lokstedt-202x140.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="202" height="140" /></a><span class="initial">D</span>as Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt&#8221; wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche&#8221; darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft&#8221; des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.&#8221;</p>
<p>Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-zapp-durchgezappt-der-rausschmiss-der-woche-maik-gizinski.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1500" title="screen capture vom 07.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4571250,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-zapp-durchgezappt-der-rausschmiss-der-woche-maik-gizinski-226x140.jpg" alt="" width="226" height="140" /></a>Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob [...] los.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_0_911" id="identifier_0_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Sendung vom 06.02.2008">1</a></sup>. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer&#8221; seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen&#8221;. Dies habe sich immer noch nicht  richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die <a title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/zapp-jedem-das-seine-full-screen1.jpg" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 11.07.2007</a> zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt&#8221; folgenden Satz: „Jedem das seine&#8221;.<span id="more-911"></span></p>
<p>Um mit Zapp zu sprechen: „Da war doch mal was.&#8221; Ja, aber was? Zapp wird nicht einmal live gesendet und hat zudem eine ganze Woche Zeit, sich seine Formulierungen genauestens durch den Kopf gehen zu lassen. Man sollte meinen, dass sieben Tage ausreichten, um darauf zu kommen, was es mit diesem Satz auf sich hat. Schlimm genug, wenn man es nicht von vornherein weiß. Es wurde auf dieser Website <a title="Link zum Artikel Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#more-10" target="_blank">bereits damals darauf hingewiesen</a>, dass wohl davon auszugehen ist, dass Zapp mit dieser Formulierung eher nicht auf die lateinische Urfassung „suum cuique” Bezug nahm. Dies wäre sonst wie ein Fremdkörper im offenbar an „Bild&#8221; oder RTL-Explosiv angelehnten Stil von „Durchgezappt&#8221;.</p>
<p>Während also Zapp alle Welt väterlich darauf hinweist, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer&#8221; seien, ist es selbst augenscheinlich nicht sonderlich damit vertraut bzw. in der Praxis damit heillos überfordert und zitiert daher so beiläufig wie ungerührt die im Eingangstor des Vernichtungslagers Buchenwald eingeschmiedete Inschrift: „Jedem das Seine.&#8221;</p>
<p>Dieser Satz steht nun schon seit mehr als einem halben Jahr unverändert auf der Website von NDR-Zapp <a title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/zapp-jedem-das-seine-full-screen1.jpg" class="broken_link">[→]</a>. Es mutet daher schon etwas absurd an, dass sich Zapp über Pro7 erhebt. Pro7 bzw. der Produktionsfirma 9Live kann man vielmehr zugute halten, dass man sofort reagierte. Juliane Ziegler wurde umgehend vorübergehend aus der Live-Sendung genommen, um sie, nachdem sie offensichtlich über die Problematik ihrer Aussage aufgeklärt worden war, wieder in das Sendegeschehen einzubinden, damit sie sich von ihrer Aussage distanziere, was sie auch umgehend tat. Ihre Aussage ist gleichwohl durch nichts zu rechtfertigen und unhaltbar. Dass man sie deshalb entließ, ist ein gutes Signal, und macht 9Live wenigstens in dieser Hinsicht doch eher sympathisch als unsympathisch, was aber selbstredend nicht der Tenor des Zapp-Beitrages war. Wo käme man auch hin, wenn man ein gutes Haar am Privatfernsehen ließe? Es ist doch viel bequemer, einfach immer in dieselbe Kerbe zu hauen, sich in Stereotypen zu ergehen, und sich diese Dünnbrettbohrerei von den ach so verehrten Gebührenzahlern auch noch honorieren zu lassen.</p>
<p>Von Zapp hat man übrigens bisher keine distanzierende Äußerung vernommen, geschweige denn, dass man etwa die Zusammenarbeit mit Gita Datta, der für diesen Beitrag verantwortlichen Mitarbeiterin, beendet hätte. Gott bewahre! Warum auch, für Zapp gelten offenbar andere, eigene und seltsame Regeln. Gita Datta darf munter weiter für Zapp arbeiten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_1_911" id="identifier_1_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So geschehen am 09. und 16.01.2008.">2</a></sup> , Zapp bleibt auf einem Auge blind und echauffiert sich über Gott und die Welt, während auch heute noch „Jedem das Seine&#8221; auf seinen Internetseiten prangt.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_2_911" id="identifier_2_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe screen capture vom 08.02.2008">3</a></sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-meint-jedem-das-seine.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-full wp-image-1782" title="screen capture vom 07.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-meint-jedem-das-seine-thumb.jpg" alt="" width="160" height="45" /></a></p>
<p>In der von 9Live für Pro7 produzierten Quizshow „Nightloft&#8221; saß ja offenbar immerhin ein verantwortlicher Redakteur oder Aufnahmeleiter, der die nötige historische und sprachliche Sensibilität besaß, um noch in derselben Sendung zu intervenieren. Kuno Haberbusch, der Chefredakteur und „König der Recherche&#8221; von Zapp schien sich an „Jedem das Seine&#8221; offenbar nicht zu stören, ebenso wenig wie irgendjemand anders in der Zapp-Redaktion, die wie gesagt alle Zeit der Welt hatte, um diese Formulierung zu verhindern. Was ist bei den Recherchen schief gelaufen? War die Internetverbindung gekappt oder war der Telefonjoker schon verbraucht?</p>
<p>Es wurde bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass Gita Datta, nachdem sie eine Arbeit über das „fragmentarische Weltbild deutscher Fernsehnachrichten” geschrieben hat, sich, mit Verlaub, vielleicht als Nächstes ihrer möglicherweise fragmentarischen Allgemeinbildung widmen sollte.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/zapp-jedem-das-seine-full-screen.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1996364" title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/zapp-jedem-das-seine-thumbnail-92x140.jpg" alt="" width="92" height="140" /></a>Die Anderen als dumm hinzustellen, ist eine von Zapps wenigen Meisterdisziplinen. Obgleich in diesem Artikel keine Mühe gescheut wird, es Zapp diesbezüglich gleich zu tun, um ihm unbescheidenerweise den Spiegel vorzuhalten, muss man sich einfach anerkennend eingestehen, Zapp in diesem Belang, wie in allen anderen auch, nicht das Wasser reichen zu können. Im Zuge der Ausübung dieser Disziplin informierte jedenfalls Zapp-Mitarbeiter Maik Gizinski im Zusammenhang mit Zieglers inakzeptablen sprachlichen Missgriff, dass „selbst&#8221; Zieglers „blonde Kollegin&#8221; komisch geguckt habe. Also dann muss es ja richtig dumm sein, wenn sogar die Blondine komisch guckt! Zapp lässt, so hat es den Anschein, in Bezug auf Klischees, und seien diese noch so platt, eben nichts anbrennen, ganz wie auf dem Bolzplatz, Herr Gizinski. Außerdem scheint man sich an Frau Zieglers etwas holpriger Entschuldigung zu delektieren, die man natürlich auch noch mal sendet: „[...] das sind diese Live-Momente, diese spontanen, wo irgendetwas einfach rausflutscht, was man irgendwo mal aufgeschnappt hat, was einfach ein Fehler war. Entschuldigung.&#8221;, um sie dann noch einmal mit eigenen Worten zu zitieren: „Obwohl ihr da nur irgendetwas rausgeflutscht ist, was sie irgendwo aufgeschnappt hat [...]&#8220;. So stellt man Frau Ziegler zu allem Überfluss noch als kleines Dummchen dar, das irgendwo etwas „aufgeschnappt&#8221; hat, das ihr dann „rausflutscht&#8221;. Herr Gizinski, würden Sie Ihre Kollegin Gita Datta wegen ihres „Jedem das Seine&#8221; auch so herablassend in Ihrer Sendung als Dummchen darstellen?</p>
<p>Man darf gespannt sein, ob Zapp irgendwann einmal den gleichen Maßstab bei sich selbst anlegt, an dem es seine Umwelt misst. Bevor man also anderen heimleuchtet, sollte man vielleicht doch einmal überprüfen, ob die Tatsache, dass man auf einem Auge blind ist, vielleicht damit in Zusammenhang steht, dass sich darin ein gewaltiger Balken befindet, um den man sich mehr kümmern sollte als um den Splitter in den Augen der anderen. Um nicht enttäuscht zu werden, setze man seine Hoffnungen auf Einsicht bei Zapp bei Null an. Besser als an obigem Beispiel lässt sich jedenfalls Doppelmoral kaum illustrieren. Oder, um einen schönen Anglizismus sprechen zu lassen: Selbstgerechtigkeit at its best! Und weil&#8217;s so schön war, gleich noch ein Anglizismus: Gleichbehandlung und Gerechtigkeit sind bei Zapp offenbar nur On-demand-Ware.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-06022008.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1530" title="Einschaltquote von Zapp" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-06022008-78x140.jpg" alt="" width="78" height="140" /></a>Da ist es doch fast wieder beruhigend festzustellen, dass die Zapp-Zuschauer offensichtlich weniger unterbelichtet sind, als man bei Zapp womöglich meint, ja, dass sie Zapp als Leitfaden in der Medienlandschaft gar nicht benötigen und mit der Fernbedienung abstimmen. Wie oben bereits angedeutet, hält offenbar eine nicht gerade geringe Anzahl von Zuschauern Zapp nicht die Treue. Hätten am 11.07.2007 noch 130.000 Zuschauer Zapp eingeschaltet, seien es am vergangenen Mittwoch nur noch 90.000 gewesen, was einem Marktanteil von läppischen 3,1% entspreche und einen Einbruch von über 25% bedeutet.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_3_911" id="identifier_3_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung">4</a></sup> Angesichts dieser geringen Einschaltquote sollte man sich wiederum nicht allzu sehr über Zapp aufregen. Viel Flurschaden kann Zapp mit einer solchen Reichweite sowieso nicht in der Medienlandschaft anrichten. Man stelle sich nur vor, dass die spätere NDR-Sendung „Planet Erde&#8221; in der Wiederholung zu nachtschlafender Zeit, nämlich um 1.59 Uhr, mit 3,4% einen größeren Marktanteil hatte. Natürlich ist dies nur bedingt vergleichbar, doch die Zahl 90.000 ist nun wirklich erschreckend gering und spricht für sich.</p>
<p>Nun ist es ja an und für sich ein großer Vorteil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, dass man sich bei der Programmgestaltung nicht allein von Einschaltquoten leiten lassen muss, sondern bestimmte Sparten auch bei niedrigen Einschaltquoten weiterhin unterhält, wie das Beispiel Phoenix zeigt, das überdies erfolgreicher ist, als ursprünglich erwartet, liegt es doch mit einem Marktanteil um die 1% vor den privaten NTV und N24.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_4_911" id="identifier_4_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Presseportal, 01.09.2006.">5</a></sup> Nun ist Phoenix über jeden Zweifel erhaben, und es ist als Errungenschaft anzusehen, dass die Bundesrepublik der Bevölkerung diesen Sparten- und Niveauluxus von Theaterkanal, Dokukanal, Infokanal, 3sat, arte ebenso erhält wie die Regionalprogramme. Doch nicht jede Sparte hat Niveau. Und wo es an Niveau mangelt, darf man sich schon fragen, wieso man als Gebührenzahler so etwas finanzieren soll. Das fragt man sich bei einer Reihe von Sendungen in ARD und ZDF und nun auch langsam bei Zapp. Ansatz und Anspruch sind doch gut, warum hat man es nötig, sich auf das Niveau derer herab zu begeben, die man ständig z.T. zu recht kritisiert? Ein Medienmagazin ist wichtig, aber die Intendanz des NDR soll dabei bitte nicht Böcke zu Gärtnern im Mediengarten machen bzw. die Böcke nicht weiterhin so gärtnern lassen.</p>
<p>Kleine Anregung zum Schluss: Jetzt, da Juliane Ziegler arbeitslos ist, kann sie ja vielleicht das nächste „Durchgezappt&#8221; präsentieren.</p>
<p>Nur wacker weiter so! Viele Grüße an die vom Bert-Donnepp-Preis wahrscheinlich noch ganz beschwipsten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_5_911" id="identifier_5_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="von Freude beschwipst.">6</a></sup> Historiker und Linguisten von Zapp.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/bert-donnepp-preis.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1995373" title="Bert-Don[n]epp-Preis" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/bert-donnepp-preis-180x140.jpg" alt="bert-donnepp-preis" width="180" height="140" /></a>P.S.:</p>
<p>Irritierenderweise scheint der NDR nicht einmal zu wissen, wie der Preis, den man eingeheimst hat, korrekt geschrieben wird, ist doch seit mehreren Tagen eine Pressemeldung mit folgender Überschrift zu lesen: „Medienmagazin ‚Zapp&#8217; erhält Bert-Donepp-Preis.&#8221; Zweimal hintereinander wird dort der Preis, auf den man so stolz ist, falsch, nämlich mit einem, statt mit zwei „n&#8221; geschrieben. Na, wahrscheinlich tippt eine Blondine die Pressemitteilungen ein, was, Herr Gizinski?!<span style="color: #fffacd;"> Zapp, Medienmagazin, NDR, Kuno Haberbusch, Kuno, Haberbusch, Nicola von Hollander, Julia Stein, Bert Donnepp Preis, Bert Donepp Preis, Donnepp, Juliane Ziegler, 9Live, Pro7, Nightloft, Gita Datta, Datta, Gita, Maik Gizinski, Gizinski, Jedem das Seine, Arbeit macht frei, KZ, Konzentrationslager </span><br />
© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_911" class="footnote">Zapp-Sendung vom 06.02.2008</li><li id="footnote_1_911" class="footnote">So geschehen am 09. und 16.01.2008.</li><li id="footnote_2_911" class="footnote">siehe screen capture vom 08.02.2008</li><li id="footnote_3_911" class="footnote">Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung</li><li id="footnote_4_911" class="footnote">Quelle: <a title="Link zu www.presseportal.de" href="http://www.presseportal.de/story.htx?nr=868007&amp;firmaid=6511" target="_blank">Presseportal, 01.09.2006</a>.</li><li id="footnote_5_911" class="footnote">von Freude beschwipst.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) &#8211; „Jedem das Seine&#8221; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Feb 2008 00:33:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/</guid>
		<description><![CDATA[Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-gross1.jpg" rel="lightbox[906]"><img class="alignleft size-full wp-image-1554" title="NDR-Logo am NDR-Gelände in Hamburg Lokstedt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-kleiner.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="164" height="134" /></a><span class="initial">Ä</span>hnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp&#8221; des NDR  scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.</p>
<p>In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_0_906" id="identifier_0_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Eigenwerbung, nat&uuml;rlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute &Uuml;berzeugung.">1</a></sup>, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch&#8221;, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz&#8221; (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen &#8211; gewohnt unbescheidenen &#8211; Auffassung zufolge, <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3692372,00.html" target="_blank" class="broken_link">vor fast genau einem Jahr „enthüllt&#8221;</a>, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_1_906" id="identifier_1_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war.">2</a></sup> &#8211; da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich <em>die</em> Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp  aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!</p>
<p>Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_2_906" id="identifier_2_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1. Wer im Glashaus ZAPPt &amp;#8211; 2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) &amp;#8211; 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)">3</a></sup>.</p>
<p>Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man  bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars&#8221; berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären.<span id="more-906"></span></p>
<p>Zapp zieht es vor, sich zum Sprachrohr einer Seite zu machen und machen zu lassen. Da es nun einmal ein Wesensmerkmal von Kampagnen ist, aus wiederholter Einseitigkeit bis hin zu Verleumdung zu bestehen, würde es nicht verwundern, wenn Zapp der Vorwurf gemacht würde, dass es eine Kampagne gegen Senait Mehari führe, also eine Art Kampagnenjournalismus zu betreibe, der eigentlich eher der ach so verpönten Bild gut zu Gesicht stünde. Anders als bei Zapp soll es hier gar nicht primär darum gehen, wer recht hat, sondern darum, dass man bei Zapp nicht beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen lässt.</p>
<p>Natürlich hat Zapp Mehari zu Wort kommen lassen, dann aber scheinbar genüsslich ihre an dieser Stelle holprigen Sätze gesendet, die man z.T. auch noch für sie beendete. Genauso, wie man besonders gerne Aussagen von Menschen zu senden scheint, die man überrumpelt und die daher alles andere als eine gute Figur machen, wie in vergangener Woche am Beispiel von Claudia Gladziejewski vom Bayrischen Rundfunk geschehen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_3_906" id="identifier_3_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="An dieser Stelle sei betont, dass Frau Gladziejewski keineswegs eine schlechte Figur machte, aber doch verunsichert wirkte. Die Aussage ist, dass Zapp offenbar das Ziel verfolgt, Vertreter ihm nicht genehmer Meinungen m&ouml;glichst zu verunsichern, um diese Verunsicherung f&uuml;r sich als Beweis zu verbuchen. Es gelingt ihm in verschiedenen Graden.">4</a></sup>. Man muss die Leute nur schön dämlich wirken lassen, dann glaubt ihnen keiner mehr. Ist dies das Kalkül von Zapp? Es ist eigentlich weniger peinlich, wie sich von Zapp überrumpelte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_4_906" id="identifier_4_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So jedenfalls wirken manche Interviewpartner.">5</a></sup> Personen blamieren, als vielmehr, wie Zapp den Zuschauer nachgerade einzuladen scheint, sich an der Blamage auch noch zu weiden, zusammen mit den Zapp-Mitarbeitern, die sich womöglich diebisch über ihren „Coup&#8221; freuen.</p>
<p>Viel schwerer aber wiegt, dass Zapp scheinbar versucht, die Verunsicherung seiner Interviewpartner zur Stützung der eigenen Thesen zu benutzen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_5_906" id="identifier_5_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dieses Eindrucks jedenfalls kann sich manch Zuschauer nicht erwehren.">6</a></sup> Wenn die Sendung <a title="Link zur Seite von extra3" href="http://extra3.blog.ndr.de/2007/09/21/olivia-jones-bei-der-npd/" target="_blank">extra3 die blondbezopfte Olivia Jones &#8211; u.a. bekannt für ihre scharfsinnigen Kolumnen im Starmagazin „in&#8221; &#8211; im Trachtenminirock mit NPD-Mitgliedern auf ihrem Parteitag konfrontiert und überrumpelt</a>, entlarvt dies nicht nur die NPD, sondern ist auch einigermaßen unterhaltsam und vor allem dem Format angemessen. Wäre Zapp eine Satiresendung, könnte es auch seine Reporter auf diese Weise arbeiten lassen. Doch Zapp versteht sich ja als seriöses Medienmagazin. Als solches sollte es sich derartiger Methoden enthalten, um nicht an Glaubwürdigkeit einzubüßen und sich als ernstzunehmende Sendung nicht zu disqualifizieren. Insofern sollte Kuno Haberbusch als Chefredakteur sowohl von Zapp als auch von extra3 nicht beide Formate vermischen. Das ist ja auch in keiner Weise nötig, da er sich doch in beiden ausleben kann.</p>
<p>Anstatt also Fakten zu liefern, die man bei Mehari ja immer anmahnt, gibt man Interviewpartner einer herbeigeführten (?) Lächerlichkeit preis. Wie Zapp ja gerne aus zuverlässigen Quelle zitiert, die jedoch unbenannt bleiben, darf auch an dieser Stelle aus einer solchen zuverlässigen Quelle berichtet werden, dass Zapp mit Vorliebe allgemeine, informative Interviews anmelde, um dann stattdessen auf einmal abenteuerliche Vorwürfe zu erheben und damit die Gesprächspartner so perplex zu machen, dass sie zunächst gar nicht wüssten, wie ihnen geschehe, geschweige denn, wie sie darauf reagieren sollten. Die peinlichsten Ausschnitte schneide man zusammen und sende sie als  Beweis für die eigenen Thesen. Nachdem Zapp sich zuvor ja die Genehmigung für das Interview hat geben lassen, darf dann auch gesendet werden, was dabei so gesagt wird, wie auch immer gewisse Aussagen oder Unsicherheiten zustande gekommen sind, da ist man wohl skrupellos. Das klingt nicht nach seriösem Journalismus.</p>
<p>Um nun einem Aufschrei der großen Liebhaber der &#8211; in der Tat schützenswerten &#8211; Pressefreiheit in der Zapp-Redaktion vorzubeugen: niemand erwartet natürlich, dass Zapp etwa Fragen einschicken muss, die dann abgesegnet oder gestrichen werden. Es geht darum, dass Zapp offenbar vorgebe, lediglich eine Meinung einholen zu wollen aber eigentlich plane, den Interviewpartner massiv irgendeines Vergehens zu beschuldigen und somit zu überrumpeln. Böse Zungen könnten dies als Kolportage bezeichnen. Dabei handelt es sich mitnichten um die vornehmste Art des Journalismus, falls man Kolportage klaren Verstandes überhaupt dem Journalismus zurechnen kann bzw. darf. Man verbreitet also Gerüchte und konfrontiert Beschuldigte damit, um deren (hoffentlich für sie selbst unvorteilhafte) Reaktion als Beweis für das Gerücht zu verwenden. So absurd nimmt sich eine Beweiskette von Journalisten aus, denen es an echten Fakten mangelt und die aus ihrem einseitigen Gerechtigkeitsgefühl heraus journalistische Standards über Bord werfen. Jemanden lächerlich zu machen, ist jedoch kein Argument, sondern die zweifelhafte Methode derjenigen, die nichts Beweiskräftiges in der Hand haben.</p>
<p>Gleichzeitig nimmt sich Zapp der ja absurderweise von ihm „vertretenen&#8221; Partei<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_6_906" id="identifier_6_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp sollte den ber&uuml;hmten und gern zitierten Satz &uuml;ber gute Journalisten von Hans Joachim Friedrichs ruhig einmal auf sich selbst und nicht nur auf Andere anwenden. Den gleichnamigen Preis w&uuml;rde das Medienmagazin jedenfalls alles andere als verdienen.">7</a></sup> mit größter Einfühlsamkeit und einem hohen Maß an Verständnis an. Die von Zapp vertretene Partei macht immer einen sehr entspannten und gefassten Eindruck in ihrem Frankfurter Vereinsraum (?), zu Hause im Sessel oder, wie im Fall von Almaz Yohannes, vor der Kulisse eines malerischen Abendhimmels mit düster rührseliger Hintergrundmusik. Den Fürsprechern von Mehari gönnt man die schmeichelnden dramaturgischen Mittel nicht, weder Musik noch Deko. Der aufgebotene „Zeitzeuge&#8221; Elias Ghere Benifer wirkt irritierend süffisant und amüsiert, gar nicht als wäre er empört oder entrüstet über Meharis „Lügen&#8221;. Das ist sicherlich die reine Ironie, die ihn dazu veranlasst. Was sonst kann jemanden zu Süffisanz veranlassen? Benifer ist übrigens ein ehemaliger ELF-Kader, also ein verantwortliches Mitglied einer marxistischen Kampforganisation in Kriegszeiten. Das bedeutet keineswegs, dass er sich etwas hat zuschulden kommen lassen, ganz und gar nicht. Es ist nur interessant, dass Julia Salden in ihrem Beitrag bei der Präsentation des Zeugen Benifer dies mit keinem Wort erwähnte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_7_906" id="identifier_7_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sp&auml;ter r&auml;umt sie diese Tatsache in ihrer Stellungnahme auf der Zapp-Seite ein">8</a></sup> &#8211; ein Insert hätte keine Zeit gekostet, aber möglicherweise passte dieses Detail nicht so gut in die Argumentation? Dass Benifer Kader war, liest man dann im <a title="Link zum Tagesspiegel" href="http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Welt;art118,2099246" target="_blank">Tagesspiegel</a> bei Saldens Kollegen.</p>
<p>Nach dem Sieg der gegnerischen EPLF ist offenbar ein Großteil der ELF-Elite nach Europa, u.a. eben auch nach Deutschland emigriert, wohl um dort auf den Sturz der diktatorischen EPLF-Regierung zu warten bzw. ihn zu organisieren &#8211; das sei dahingestellt. Jedenfalls scheint in Deutschland eine beachtliche ELF-Exilgemeinschaft zu leben, zu der Mehari offenbar nie gehörte. Vielleicht hatte sie einfach keine guten Erinnerungen an die ELF. Jedenfalls ließe sich das Verhältnis der Aussage einer großen Gruppe gegen die Einzelperson Mehari auch leicht so deuten, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt und Mehari die ELF-Nestbeschmutzerin ist. Es muss keineswegs heißen, wie Zapp beständig zu insinuieren scheint, dass es ja schon seltsam sei, dass Mehari keine Zeugen für ihre Version finde und man wohl eher der Seite glaubt, die viele Fürsprecher hat. Absurd! Man fragt sich ja auch, warum Mehari geflüchtet und nach Deutschland emigriert ist, doch wohl eher nicht, weil ihr der Lehrplan der Lagerschule missfiel. Warum ELF-Kader spätestens 1991 die Flucht ergriffen, scheint klar, hat doch die EPLF die Macht errungen. Aber Hunger, Soldaten, Tote waren ja in der Lagerschule ein Fremdwort, wie man dank der „Zeitzeugen&#8221; weiß. Was aber hat Mehari bzw. ihre Verwandten dann dazu bewogen, ins Ausland zu fliehen? Krieg war es ja offenbar auch nicht, habe Elias Benifer doch vorgerechnet, dass in dem von ihm mitbegründeten und geleiteten Lager das Leben sehr „behütet&#8221; gewesen sei. Nur sieben Kinder hätten während der Existenz des Lagers ihr Leben verloren, drei davon bei Flugzeugbombardements, die anderen durch Krankheit, Hitzschlag, durch einen Autounfall und durch Ertrinken.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_8_906" id="identifier_8_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Peter Disch, Journalist f&uuml;r Popmusik,  Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008.">9</a></sup></p>
<p>Liegt man eigentlich  völlig daneben, wenn man vermutet, dass eine Vielzahl von Menschen eine geringfügig abweichende Meinung von einem behüteten Leben hat? Ist dies vielleicht ein kleiner Hinweis darauf, dass Begrifflichkeiten in dieser Diskussion auf den verschiedenen Seiten möglicherweise insgesamt völlig unterschiedliche Gewichtungen haben? Was die einen als gar nicht so schlimm darstellen, empfinden andere vielleicht längst als unzumutbar.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_9_906" id="identifier_9_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier soll um Gottes willen keine Wertung vorgenommen werden, derzufolge zivilisatorische Standards bei den einen h&ouml;her als bei den anderen seien. Sonst unterstellt Peter Disch, ein Journalist f&uuml;r Popmusik, wom&ouml;glich wieder das typische Afrikabild, das wahrscheinlich alle au&szlig;er ihm und wenigen anderen, mit gro&szlig;er Einsicht Gesegneten haben. Aber Standards sind verschieden. Nicht nur in unterschiedlichen Gesellschaften, sondern auch in unterschiedlichen Phasen ein und derselben Gesellschaft. So wurde in Nachkriegsdeutschland auch so einiges als normal empfunden, was man vor dem Krieg oder heute als barbarisch ansah bzw. ansieht, einfach weil es die Umst&auml;nde geboten.">10</a></sup> Kommunistische Regime und Gruppierungen haben ja immer eine besondere Affinität zum Militär und insbesondere auch zu paramilitärischen Übungen. Man erinnere sich nur an den Wehrunterricht in der DDR, wo bereits Schüler der neunten Klassen (!) &#8211; Mädchen wie Jungen &#8211; mit Uniform und Waffe zu Wehrübungen gezwungen wurden. Unhaltbar aus heutiger Sicht. Fast schon Kindersoldaten, könnte man meinen. Aber damals verantwortliche alte Genossen oder sonstige Liebhaber und Advokaten der DDR würden heute wahrscheinlich behaupten, dass dies eben zur Aufrechterhaltung der Wehrbereitschaft, angesichtes des lauernden Imperialismus nötig war, vielleicht nicht schön, aber nötig. Keiner würde doch behaupten, in der DDR habe es Kindersoldaten gegeben. Doch das Einzige, was dazu fehlte, war der Krieg. Die SED-Genossen haben den einige Jahrzehnte zuvor eingesetzten  Volkssturm offenbar gut studiert. In Eritrea aber fehlte der Krieg nicht. Die Bilder, die von Zapp gezeigt werden, lassen sehr wohl uniforme Kleidung erkennen. Es ist alles nicht ganz so absurd, wie manche glauben machen wollen.</p>
<p>Elias Benifer habe übrigens im Rahmen einer kürzlich in einem Berliner Café eröffneten Fotoausstellung, mit der die Zeitzeugen ihre Version zu beweisen hoffen, geäußert, dass die Wahrheit keinen Ghostwriter brauche.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_10_906" id="identifier_10_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Peter Disch, Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008">11</a></sup> So weit die Debatte vom Autor nachvollzogen wurde, hat auch niemand je die Behauptung aufgestellt, dass die Wahrheit einen Ghostwriter benötige. Genauso lässt sich im Umkehrschluss aber auch feststellen, dass niemand, der seine Geschichte von einem Ghostwriter schreiben lässt, automatisch lügt. Ebensowenig sagt derjenige, der sich ohne Ghostwriter äußert, deshalb nicht unbedingt die Wahrheit. Der Erkenntnisgewinn der Ursprungsaussage wie auch der Abwandlungen scheint jedoch insgesamt recht gering. Genausogut könnte man feststellen, dass die Wahrheit kein chlor- und säurefreies Papier benötige. Was also will Herr Benifer mit der Aussage insinuieren? Viel eher ist es wohl der Fall, dass Autoren mit Ghostwriter sich einfach eingestehen, dass ihr Ausdrucksvermögen womöglich nicht für ein Buch ausreicht und sie dennoch der Meinung sind, dass ihre Geschichte gehört werden sollte. Auch ist vorstellbar, dass eine Person vom Thema, über das sie schreiben will, emotional zu belastet ist und deshalb Hilfe benötigt. An und für sich ist dies überhaupt nichts Verwerfliches, im Gegenteil, etwas Aufrichtiges.</p>
<p>Ein weiteres interessantes Detail in Bezug auf den Charakter des Lagers liefert der Name der Gruppe, in der Mehari gewesen sei. Dieser laute ausgerechnet „Che Guevara&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_11_906" id="identifier_11_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Peter Disch: Zwei Leben in einem?, Der Tagesspiegel, 17.2.2007">12</a></sup>. Das wurde bislang eigentlich immer nur am Rande erwähnt. Doch genauso, wie Sprache einiges über denjenigen verrät, der sich ihrer bedient, sagen auch Namen durchaus etwas über die Einstellung der Eltern des Kindes aus. So ist Che Guevara ja als alles andere denn als Pazifist in die Geschichte eingegangen. Vielmehr gilt er als Mitbegründer des modernen Guerillakampfes. Wer also eine Kindergruppe nach ihm benennt, darf sich nicht wundern, wenn manche Menschen sich erlauben, gewisse Zweifel daran nicht recht unterdrücken zu können, ob es sich wirklich nur um eine von Pazifisten geleitete Schule handelte, in der die Kinder nur ihre Köpfe über Bücher beugten. Ist es denn völlig abwegig, zu vermuten, dass die Namensgeber der Gruppe eher Sympathie als Antipathie für Che Guevara und seine Methoden hegten? Natürlich wird deshalb in keiner Weise behauptet, dass es sich um ein Lager handelte, in dem Kindersoldaten gedrillt wurden. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass gewisse Details nicht ganz dazu geeignet scheinen, den astreinen pazifistischen Charakter dieses Lagers plausibel erscheinen zu lassen.</p>
<p>Auch Eyob Araya amüsiert sich augenscheinlich köstlich. Er thront in einem Lederfauteuil. Rechts neben ihm befindet sich ein edel wirkender Lampenschirm, der mit dem gedimmten Licht, das er abstrahlt, für eine heimelig gediegene Atmosphäre sorgt, abgerundet von einer Schale mit Früchten, die auf einem Beistelltisch platziert ist. Das macht schon fast einen (exil-)präsidialen Eindruck und verleiht der ganzen Situation daher eine geradezu staatsmännische Autorität. Es sind auch solche scheinbar kleinen dramaturgischen Kniffe, die bei Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mehari wird hingegen entweder gezeigt, wie sie holprige Sätze spricht oder im Mantel auf der Straße laufend, sodass man meinen könnte, sie sei auf der Flucht. Solche Details, ob bewusst oder unbewusst eingesetzt, scheinen Zapp als parteiisch oder zumindest tendenziös zu entlarven. Es würde nicht wunder nehmen, wenn Zapp vor den Gesprächen auch noch zum Tee geladen hätte, um mit der von ihm vertretenen Partei noch einmal in aller Ruhe die Argumente gegen Mehari durchzugehen.</p>
<p>Was nun Araya so lustig findet, ist die Tatsache, dass Mehari Löwen gesehen haben will, er diese jedoch nur aus dem Zoo kenne. Hierbei handelt es sich um das von Zapp verwendete Todschlagargument aus Expertenmund<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_12_906" id="identifier_12_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier wird auf den von Zapp pr&auml;sentierten &bdquo;Eritrea-Experten&amp;#8221; G&uuml;nter Schr&ouml;der Bezug genommen. Wo war eigentlich G&uuml;nter Schr&ouml;der in der letzten Zapp-Sendung?!">13</a></sup>, demzufolge es keine Löwen in Eritrea gebe. &#8211; Das Verbreitungsgebiet des Löwen erstreckt sich übrigens über einen Großteil Äthiopiens reicht bis nahe an die eritreische Grenze. Es sollte nicht verwundern, dass sich der eine oder andere Löwe nicht an politische Grenzen hält und diese ohne Kontrolle überschreitet &#8211; Grenzen zumal, die es zum in Rede stehenden Zeitpunkt noch gar nicht gab. Es ist also nicht völlig abwegig, dass sich Löwen in Eritrea aufhalten. &#8211; Und weil es keine Löwen in Eritrea gebe, könne Mehari keine Kindersoldatin gewesen sein. Es soll hier auch nicht um die absurde Wortklauberei gehen, bei der Zapp sich und das zahlende Fernsehpublikum damit aufhält, auseinanderzusetzen, dass Mehari Hyänen mit Kojoten verwechselte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_13_906" id="identifier_13_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es darf hier auf den Artikel Wer im Glashaus ZAPPt die Zweite verwiesen werden, wo am Beispiel von Aharon Appelfeld erl&auml;utert wird, wie absurd es ist, jemandem, der &uuml;ber eine Zeit schreibt, in der noch ein Kind war, das Recht abzusprechen zu wollen, trotz wom&ouml;glicher Fehler im Detail dar&uuml;ber zu schreiben.">14</a></sup>. Ein Vorwurf, den man eher dem Ghostwriter bzw. den Lektoren als einem damals sechsjährigen Mädchen machen kann, das sich in einer anderen Sprache zurückerinnert als ihrer Muttersprache, die sie zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit auch noch nicht in Gänze beherrschte, geschweige denn das gesamte Vokabular der Fauna Eritreas.</p>
<p>Immerhin merkt Zapp ja noch selbst, dass es sich bei diesen Dingen um „Nebensächlichkeiten&#8221; handelt. Aber Zapp wäre wohl nicht Zapp, wenn es nicht noch nicht im Nachsatz hinzuzufügen würde, dass sie dennoch entlarvend seien &#8211; dass man also eben doch recht habe. Angesichts des Irrtums mit den Löwen könnte Zapp nun aber  genauso gut in toto in Zweifel ziehen, dass Mehari überhaupt je in Eritrea war, denn schon allein deshalb müsste sie ja auch wissen, dass es dort keine Löwen gebe. Da ihre eritreische Herkunft aber selbst von Zapp nicht in Zweifel gezogen wird, aufgrund ihrer Behauptung, sie sei dort Löwen begegnet, taugt dies genauso wenig als Beweis dafür, dass sie keine Kindersoldatin gewesen sei. An dieser Stelle sind nun die Logiker in der Zapp-Redaktion gefragt.</p>
<p>Es wäre im Übrigen an Zapp, Mehari zu beweisen, dass sie lüge und nicht an Mehari zu beweisen, dass sie die Wahrheit sage. Zapp bleibt der Öffentlichkeit wahre Fakten aber nach wie vor schuldig,  bemängelt jedoch Gleiches bei Mehari. Doch, wie bereits andernorts notiert, die Wahrheit liegt womöglich irgendwo in der Mitte &#8211; auch so eine Weisheit, deren Kenntnis man bei halbwegs gebildeten Menschen voraussetzt und bei der man meint, dass sie zumindest theoretisch akzeptiert wird, insbesondere von Unbeteiligten wie Zapp. Das gilt natürlich nur, wenn man sich nicht zu Parteinahme entschließt, wie es bei Zapp der Fall zu sein scheint. Von beteiligten bzw. betroffenen Parteien, und seien diese noch so sehr von Intelligenz gesegnet, kann man dies offenbar nicht verlangen. Ein Blick in den Nahen Osten und in die Geschichte überhaupt zeigt, dass Neutralität in der Beurteilung von Konflikten bei daran Beteiligten offenbar eine übermenschliche Eigenschaft ist. Doch Zapp-Mitarbeiter sind wohl eher nicht vom Bürgerkrieg der Jahre 1960-1991 in Eritrea betroffen und überdies der Objektivität verpflichtete Journalisten. Wäre ein Mitarbeiter betroffen, wäre er eigentlich befangen und für eine Berichterstattung ungeeignet. Diese Prämisse aber, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, ist wohl im, womöglich von Grautönen freien, manichäistischen Weltbild der Zapp-Redaktion, nicht anwendbar oder nicht einmal vorhanden. Man scheint es förmlich auszukosten, dass Mehari auf ihrer Homepage schon so lange um Zeitzeugen werbe, die ihre Version bestätigten, sich aber bisher niemand gemeldet habe. Ein weiterer vermeintlicher Beweis übrigens in Zapps sprödem „Argumentationsstrang&#8221; dafür, dass Mehari lüge.</p>
<p>Nun gut. Zurück zur eingangs erwähnten Zapp-Sendung der letzten Woche und dem alten Zopf. Diesmal wurden <a title="Link zum Zapp-Beitrag ‚Alles gelogen? - Der Kinofilm über die angebliche Kindersoldatin Senait Mehari&#039;" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID4554882_VID4555940,00.html" target="_blank" class="broken_link">10:19 Minuten öffentlich-rechtliche Sendezeit</a> und damit ein reichliches Drittel der gesamten Sendung in Anspruch genommen, um &#8211; ja, um was eigentlich? Letztlich nur, um die Geduld der wenigen Zuschauer mit Aufgewärmtem des letzten Jahres auf die Probe zu stellen. Ausgestrahlt wurden eigentlich hauptsächlich Versatzstücke der beiden „Enthüllungssendungen&#8221; aus dem vergangenem Jahr. Gestreckt und aufgepeppt hat man die alte Suppe dann mit einer Prise Rechtswesen. Die einzig neue Entwicklung in dem Fall scheint es nämlich zu sein, dass die sich als falsch dargestellt fühlenden „Zeitzeugen&#8221; die Rechtsanwältin Julia Grißmer mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt haben. Diese habe nun „im Auftrag der ehemaligen Mitschüler von Senait Mehari&#8221; „Klage beim Hamburger Landgericht eingereicht&#8221;. Zum einen „gegen die Autorin auf Widerruf der unwahren Tatsachenbehauptungen&#8221; und zum anderen „gegen den Verlag auf Unterlassung und auf Zahlung einer Geldentschädigung&#8221;. Man darf gespannt sein, wie das Gericht entscheiden wird. Jede Entscheidung, die der Wahrheit zu ihrem Recht verhilft, ist willkommen, sei es zugunsten oder zuungunsten von Mehari. Die Tatsache allein jedoch, dass jemand eine Rechtsanwältin mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt, ist dankenswerterweise noch lange kein Beweis für die Wahrhaftigkeit von dessen Version. Das wäre ja auch zu schön. Zuweilen gilt ja auch Angriff als beste Verteidigung. Deshalb sollte auch Zapp vielleicht lieber diesen Prozess abwarten und seine permanenten Vorverurteilungen einfach unterlassen. Zapp hat seine Aufgabe als Medium mehr  als erledigt, was auch immer man von der Art und Weise halten mag. Das Urteilen und Richten fällt dann aber nicht mehr in seinen Aufgabenbereich des Informierens, das überlasse man doch bitte den zuständigen Stellen des Rechtsstaats und zügele seine Hybris.</p>
<p>Hier sei vermerkt, dass es dem Autor dieses Artikels völlig einerlei ist, welche von beiden Parteien im Recht ist. Es geht hier in erster Linie um die als unprofessionell empfundene Arbeit von Zapp, das eben scheinbar nicht zu Neutralität imstande ist. Da Zapp-Mitarbeiter keine Anwälte sind, müssen sie sich nicht für eine Seite entscheiden. Da sie Journalisten sind, dürfen sie es solange nicht, bis Beweise erbracht sind. Da Beweise die angenehme Eigenart haben, im Regelfall von keiner Seite mehr widerlegt werden zu können, weil sie Fakten widerspiegeln, hat Zapp angesichts der Zweifel und Proteste einer Vielzahl von einer Mehrheit der Bevölkerung als seriös anerkannten Medien, Institutionen und Einzelpersonen offenbar noch nicht den unwiderlegbaren Beweis erbracht. Deshalb sollte man sich bei Zapp eben auch zurückhalten und sich einfach nur, seiner Bedeutung angemessen, als eine von vielen Stimmen empfinden, aus denen der mündige Bürger sich selbst seine Meinung bilden kann. Zapp aber erweckt zuweilen den Eindruck, sich als eine Art Überbringer der einzigen Wahrheit zu empfinden, was vollkommen lächerlich wäre.</p>
<p>Es ist auch möglich, dass eine Vielzahl von Klagen auf Unterlassung, Zahlung von Geldentschädigungen und was nicht noch alles denkbar ist, dass also weder Prozesse noch weitere Recherchen jemals den endgültigen Beweis erbringen können. Das ist sogar gut vorstellbar, weil es auch heute noch durchaus vorkommt, dass auch UN-Beobachter oder ähnliche Unabhängige nicht in jedem Krisengebiet beobachten, sodass Konfliktparteien unter sich bleiben und jede ihre Wahrheit für sich beansprucht, ohne dass Außenstehende jemals eine Art objektive Wahrheit ermitteln können. Das wäre vielleicht eine schwer verkraftbare Situation für Zapp, aber man wird sich damit abfinden müssen, auch wenn man womöglich eine Schwarz-Weiß-Lösung bevorzugt.</p>
<p>Zum weiter oben bereits angeschnittenen Thema „ergebnisoffene Recherche bei Zapp&#8221; sei noch Folgendes in Bezug auf die Auswahl von Experten durch die Zapp-Redaktion erwähnt. Der von Zapp lange Zeit hofierte BILDblog-Gründer, Stefan Niggemeier, lässt sich, Zapps einstiger Bauchpinselei zum Trotz, offenbar nicht davon abhalten, es zu publizieren, wenn Zapp seiner Meinung nach publizistische Standards sehr flexibel zu seinen Gunsten interpretiert, um es zurückhaltend auszudrücken. In dem <a title="Link zum Weblog von Stefan Niggemeier" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/experten-casting-bei-zapp/" target="_blank">Artikel „Experten-Casting bei Zapp&#8221;</a> informiert Niggemeier, wie er lange Zeit von Zapp als Experte engagiert worden sei, so oft sogar, dass sich manch einer bereits darüber lustig gemacht habe. Eines Tages habe Zapp wieder einmal bei ihm in seiner Funktion als Experte angefragt und offenbar die suggestive Frage gestellt, ob er es nicht auch schlimm finde, dass die Fernsehshow „Extreme Activity&#8221; des Senders „ProSieben&#8221; mit Jürgen von der Lippe den Grimme-Preis erhalten solle. Abgesehen davon, dass Suggestivfragen an sich schon nicht der Inbegriff  von Seriösität im Journalismus sind, kommt das eigentlich Empörende ja noch. Niggemeier habe sich nämlich erlaubt, die Meinung der Zapp-Redaktion nicht zu teilen, und erwidert, dass er dies nicht schlimm finde. Daraufhin sei er prompt als Zapp-Experte ausgeschieden. Dreist mutet an, dass die Zapp-Kollegin Niggemeier aber noch gefragt habe, ob er denn aber vielleicht jemanden wisse, der dagegen sei. Wenn das keine lupenreine Recherche ist. Niggemeier habe dann, wahrscheinlich aus Mitleid oder Perplexität, auf eine mit Zapps Meinung konform gehende Person verwiesen &#8211; auf die Intimkennerin des linientreuen DDR-Milieus, Jana Hensel. Niggemeier informiert weiter, dass er von einem Kollegen wisse, den Zapp ebenfalls aufgrund seiner sich ebenfalls nicht mit Zapp im Einklang befindlichen Meinung als Experten verworfen habe. Der gesendete Zapp-Beitrag, so Niggemeier, habe dann gezeigt, dass Zapp ihn und seinen Kollegen nicht etwa deshalb verworfen hatte, weil man bereits zu viele Fürsprecher gefunden hatte, sondern weil man offenbar keinen Fürsprecher im Beitrag haben wollte. Projiziert man diese Zapp-Praxis der Expertenrekrutierung nun auf den „Fall&#8221; Mehari, gerät das Argumentationskartenhaus noch mehr ins Wanken. Niggemeier macht zwar deutlich, dass er dies nicht für einen Skandal halte, sagt aber gleichwohl, dass es sich hierbei um ein anschauliches Beispiel dafür handele, wie Journalisten arbeiteten &#8211; eben offenbar auch die Moralisten von Zapp mit dem immer auf andere gerichteten Zeigefinger. Das klingt doch sehr nach den Methoden derer, die sich ihre eigene Wahrheit zurechtbiegen. Monolineare Recherche wäre auch ein passender Ausdruck.</p>
<p>Nun war Frau Salden vom NDR ja nur <em>eine</em> Autorin des Zapp-Beitrags vom 14.02.2007 über den „fragwürdigen Medienstar&#8221; Senait Mehari. Der Koautor heißt Peter Disch und ist Journalist für Popmusik. In dieser Funktion ist er wohl auch auf die Popsängerin Senait Mehari aufmerksam geworden. Die seiner Auffassung zufolge in Meharis Feuerherz publizierten „Unwahrheiten&#8221; treiben ihn offensichtlich nach wie vor um. Er schreibt darüber in seinem Heimatblättle, der „Badischen Zeitung&#8221;, der „taz&#8221;  und wo man sonst noch Wert auf seine nicht gänzlich unparteiisch wirkende Meinung legt. Am 11. Januar dieses Jahres richtete er gar eigens zum Zweck der Aufklärung über seine (<em>die</em>) Wahrheit über Meharis „Feuerherz&#8221; sein Watchblog „Feuerherzblog&#8221; ein.</p>
<p>Damit begibt er sich auf ein höchst gefährliches Terrain. Schließlich haben zwei der Grand Seigneurs der deutschen Recherche-Szene, Hans Leyendecker und Thomas Leif nämlich, die Öffentlichkeit über das ihres Erachtens Problematische an diesen neumodischen Weblogs aufgeklärt, die da so mir nichts dir nichts wie Pilze aus dem Boden schießen. So setzte Thomas Leif die Leser von Spiegel-Online davon in Kenntnis, dass es sich bei Bloggern „oft um selbstverliebte Egozentriker&#8221; handele, „die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen&#8221; und den „Hype&#8221;, der um sie herum entstehe, genössen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_14_906" id="identifier_14_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Spiegel-Online-Interview mit Thomas Leif vom 03.02.2006">15</a></sup> „Dem Großteil der Blogger&#8221;, weiß Leif, „geht es eben nicht ernsthaft darum, einen Sachverhalt aufzuklären oder einen Vorgang zu analysieren. Die meisten präsentieren nur einen privaten Tabledance.&#8221; Nach dieser Hiobsbotschaft beruhigt Leif aber noch die Spiegel-Online-Gemeinde, indem er mithilfe blumiger Metaphern verrät, dass es aber auch „Mini-Inseln&#8221; gebe, „in einem Ozean von Inhalten&#8221;, für die journalistische Inhalte nicht gälten. Auf die Frage nach solch einer „Mini-Insel&#8221;, die Leifs Placet bekomme, fällt diesem ganz spontan BILDblog ein.</p>
<p>Der Kollege Leyendecker sieht Blogs ähnlich kritisch. Blogger, so Leyendecker, seien zum Teil antidemokratisch, zynisch, verachtend, böse, gegen jedermann und „vorverachtend&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_15_906" id="identifier_15_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leyendecker im Interview mit &bdquo;Das Literatur-Caf&eacute;&amp;#8221; auf  der Frankfurter Buchmesse 2007">16</a></sup>. Doch auch Leyendecker schert nicht alle Blogs über einen Kamm. Als rühmliche Ausnahme nennt er BILDblog. Um das Blog von Peter Disch muss man sich jedoch sicher keine Sorgen machen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um ein „Reservat für Authentizität&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_16_906" id="identifier_16_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leif im Interview mit Spiegel-Online">17</a></sup> und eine „Mini-Insel&#8221;. Um diesbezüglich keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, hat Disch auch in seinem Untertitel „Kritische Notizen über Senait Meharis ‚Feuerherz’&#8221; bereits angedeutet, dass er sich wohl an dem Blogger-Primus BILDblog orientiert, denn dessen Untertitel lautet: „Kritische Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung&#8221;. Sein Impetus ist wohl auch identisch: Lügen aufzudecken. Was die Umsetzung angeht, bilde sich jeder sein eigenes Urteil.</p>
<p>Auf diesem Blog nun dokumentiert Disch nicht nur vornehmlich das ihm genehme Medienecho zum Thema, sondern veröffentlicht Termine zu Fotoausstellungen, Demonstrationen, Fernsehsendungen, Youtube-Videos einer singenden Zeugin u.Ä., die sich gegen Meharis zur Debatte stehendes Buch richten.</p>
<p>Kurzum &#8211; Disch konzertiert den Widerstand gegen Mehari. An Einseitigkeit scheint dabei kein Mangel zu herrschen, an Beweisen für die vertretene These dagegen schon.  Entweder hat er schlagende Beweise, die er aber noch zurückhält, um die Premiere von „Feuerherz&#8221; platzen zu lassen oder er ist womöglich von einem Mitleidsgefühl in seiner Objektivität beeinträchtigt. Vielleicht durchläuft Disch ja auch den gleichen Betroffenheitsapparat, wie die ach so unkritischen Kollegen Beckmann und Giovanni di Lorenzo, bloß von der anderen Seite?</p>
<p>Jüngst veröffentlichte Disch in seinem Blog Bilder der angeblich verleumdeten Almaz Yohannes. Kann dieses süße Mädchen jemandem etwas zuleide tun? &#8211; scheint die Frage zu sein, die mit der Publikation der drei Fotos mitschwingen soll. Nur leider, Herr Disch, gewinnen die Fotos nicht an Beweiskraft, wenn sie vom Zapp-Bildschirm auf Ihr Blog verlegt werden. Darüber sind Sie sich ja offensichtlich selbst latent im Klaren, wie man lesen kann, dennoch zeigen Sie die Bilder. Auf dem untersten Bild weisen uniform gekleideten Kinder eher auf paramilitärischen Charakter ihres Lebensumfeldes als auf irgendetwas anderes hin. Ein paramilitärischer Charakter übrigens, wie er von marxistischen Organisationen und Staaten auf dem gesamten Erdball hinlänglich bekannt ist, und die ELF war und ist nun einmal marxistisch ausgerichtet. Was soll uns das Foto also mitteilen? Damit argumentieren Sie doch eher gegen sich selbst, Herr Disch. Manche der auch von Zapp als eine Art Beweis herangezogenen Fotos zeigen im Übrigen eine Almaz Yohannes, die durchaus einen burschikosen Eindruck hinterlässt, was natürlich nicht heißen soll, dass dies in irgendeiner Weise gegen sie spricht. Doch das ist ja auch gar nicht der Punkt. Trotzdem werden immer wieder Fotos gezeigt, auf denen man doch bitteschön erkennen soll, dass Almaz Yohannes ja so zierlich, sonnig und süß sei, also nie etwas Böses getan oder auch nur gedacht haben kann.</p>
<p>Um nicht missverstanden zu werden: sollte Almaz Yohannes in Feuerherz tatsächlich verleumdet worden sein, so wäre dies in der Tat nicht nur bedauerlich, sondern ungeheuerlich. Das Buch dürfte in seiner jetzigen Form natürlich nicht mehr ausgeliefert werden und Yohannes müsste, sofern dies überhaupt in vollem Umfang möglich wäre, vollständig rehabilitiert werden, sowohl mittels Unterlassung als auch mittels Schadensersatz und Gegendarstellung. Zu hören, Yohannes gehe es schlecht und sie könne ihrem Beruf nicht mehr nachgehen, ist traurig und wird hier ausdrücklich bedauert. Das kann niemand wollen.</p>
<p>Doch damit ist nichts bewiesen. Egon Krenz ging es auch schlecht, trotzdem hat er offenbar Mauertote zu verantworten. Herr Disch, und was ist, wenn Mehari tatsächlich vergewaltigt und schikaniert wurde, tatsächlich in einem Militärcamp lebte, statt in einem „Salem in der Wüste&#8221;, wie Frank Nordhausen in der Berliner Zeitung schrieb? Das wäre doch dann aber auch schrecklich? Oder sehen Sie dies anders, Herr Disch? Vergewaltigung wiegt möglicherweise schwerer als üble Nachrede. Das kann man zumindest hoffen. Solange jedoch nichts bewiesen ist, werden hier beide Versionen für gleichrangig erachtet und für keine Seite Partei ergriffen, auch wenn sicher unbestreitbar auf den ersten Blick etwas für die Partei zu sprechen scheint, deren Meinung von mehreren Menschen vertreten wird, als für die, welche nur eine Zeugin aufzubieten hat. Doch man hüte sich davor, die Version der zahlenmäßig überlegenen Partei für glaubwürdiger zu halten, weil sie eben mehrere Fürsprecher hat. Gerade in paramilitärischen Milieus gibt es Gruppendynamik, die zu Schlimmstem imstande ist. Man denke bitte an die perversen Exzesse in der Bundeswehr, wo „Kameraden&#8221; vergewaltigt und schikaniert werden und nachher ein Täter den anderen deckt. Damit sei den „Zeitzeugen&#8221; nichts Dahingehendes unterstellt. Es geht hier um das Aufzeigen von existenten Paradigmen, die man in seine Urteile mit einbeziehen sollte, bevor man sie fällt. Immerhin äußert sich Peter Disch in seinem Blog etwas dezenter und blendet aktuelle Gegenmeinungen nicht komplett aus, wie es bei Zapp der Fall zu sein scheint. So <a title="Link zu feuerherz.blog.de" href="http://feuerherz.blog.de/2008/01/30/programmhinweis_zapp_heute_uber_feuerher~3654482#comments" target="_blank">ließ er jüngst in seinen Kommentaren eine seiner Meinung entgegengesetzte Äußerung stehen</a> (und beantwortete sie auch). Es ist aber schon interessant, dass die bisher einzige Reaktion in diesem Thread ausgerechnet eine andere Meinung vertritt als die von Disch propagierte, etwas, wozu Zapp sich, wie gesehen, ja nicht so recht in der Lage sieht.</p>
<p>Interessant ist auch, dass Almaz Yohannes ja offenbar gar nicht gegen die Behauptung klagt, dass es in Eritrea Kindersoldaten gegeben habe, sondern dagegen, dass sie als Ungeheuer dargestellt worden sei. Auch Zapp gehe es dem Vernehmen nach immer nur um das eine Lager bzw. die eine Schule, die von Mehari in einem falschen Licht dargestellt worden sei. Trotzdem glauben so einige Zuschauer, bei Zapp von Beginn an einen Subtext zu erkennen, der immer wieder auch ganz generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea deutlich in Zweifel zu ziehen scheint. Auch Zapps Experte, Günter Schröder, äußerte sich in der <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3691026,00.html" target="_blank" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 14.02.2007</a> etwas nebulös, angesichts der Tatsache, dass er die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea nicht anzweifle:</p>
<blockquote><p>Sie [Mehari, d.V.] hat dieses Schicksal eines Kindersoldaten eigentlich nicht erlebt. Und es ist unfair auch gegenüber den Kindersoldaten in Liberia, in der Sierra Leone oder in Uganda. Also, wenn sie sich in diese Reihe einreiht und da einen Opferstatus reklamiert, den sie in diesem Sinne nicht gehabt hat.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_17_906" id="identifier_17_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="G&uuml;nter Schr&ouml;der in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007">18</a></sup></p></blockquote>
<p>Wieso sagt Günter Schröder nicht, dass es gegenüber den Kindersoldaten in Eritrea unfair sei? So aber kann sich der Zuschauer doch des Eindrucks kaum erwehren, dass hier gerade impliziert wurde, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, ohne dass dies explizit gesagt wurde. Wieso sagt Günter Schröder, Mehari habe das Schicksal eines Kindersoldaten <strong>„eigentlich&#8221;</strong> nicht erlebt. Und <strong>uneigentlich</strong>?</p>
<p>Eigentlich gehe es Zapp also nur um Almaz Yohannes und uneigentlich aber unterschwellig scheinbar doch auch um Eritrea insgesamt und dessen Image. Das alles macht einen etwas beliebigen und wirren Eindruck. Man ist eben wahrscheinlich etwas aufgeregt, weil man aufgrund der Berlinale die Augen der Welt auf sich gerichtet glaubt bzw. hofft.</p>
<p>Ach ja, am 31. Januar, also am Tag der letzten Zapp-Sendung lobt Peter Disch auf seinem Watchblog seinen Kollegen Hans Leyendecker (dessen Namen er zuvorkommenderweise auch noch mit dem gleichnamigen Wikipedia-Artikel verlinkt) über den grünen Klee („Schnell, schneller, Leyendecker&#8221;) dafür, dass er so schnell auf die Zapp-Vorabmeldung der letzten Woche reagiert habe &#8211; und inhaltlich natürlich ganz im Sinne von Zapp. Doch auch ohne den netten Link zu Wikipedia ist bekannt, dass Hans Leyendecker einem gewissen Verein namens Netzwerk Recherche e.V. angehört. Diesem Verein gehören, wie auf dieser Seite bereits mehrfach erwähnt, auch der Zapp-Chefredakteur Kuno Haberbusch an, die Zapp-Mitarbeiterin und Enthüllerin von Meharis angeblichen Lügen, Julia Salden, genauso wie Thomas Leif, der im Übrigen mit nicht gerade als gering zu bezeichnender Kritik an seiner journalistischen Arbeit konfrontiert zu sein scheint. Hierzu wird nochmals auf eine interessante <a title="Link zum Wikipedia-Artikel über Thomas Leif" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Leif" target="_blank">Quellensammlung bei Wikipedia</a> hingewiesen und insbesondere auf den Artikel <a title="Link zum Artikel That's Leif in konkret Heft 3/2006 von Jörg Jacobi" href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=thatsleif&amp;jahr=2006&amp;mon=03" target="_blank">That&#8217;s Leif in „konkret&#8221; &#8211; Heft 3/2006 von Jörg Jacobi</a>. Auf der <a title="Link zur Homepage von Netzwerk Recherche e.V." href="http://www.netzwerkrecherche.de/verein/index.php?pageid=33" target="_blank">Homepage von Netwerk Recherche e.V.</a> kann man sich ein Foto des Vereinsvorstandes anschauen, wo die oben genannten Akteure einträchtig nebeneinander stehen: Leyendecker, Haberbusch, Salden, Leif. Natürlich dient das Netzwerk einzig dem Ziel „die journalistische Recherche in der Medien-Praxis zu stärken&#8221; und nicht etwa, sich einen Pool von Claqueuren zu organisieren, die dann unkritisch dem eigenen Anliegen als Katalysator dienen, gegen die Bösen: Focus, Bild und wie sie alle heißen. Es wäre sympathischer, wenn man gute Kritik an Bild oder wer auch immer sie verdient, übte, die ganz aus sich selbst heraus einschlägt ohne diese peinlichen Verstärker. Es ist wirklich interessant, wie sich nach bestimmten Zapp-Sendungen immer wieder alte Bekannte, scheinbar außen stehende, vermeintlich neutrale Journalisten lobend über Zapp äußern oder ihm Preise verleihen.</p>
<p>Peter Disch weiß mit Sicherheit, dass Leyendecker und Haberbusch alte Bekannte sind und sich regelmäßig gegenseitig loben oder vor Dritten verteidigen, wenn Not am Mann ist. So bekam Leyendecker mehrmals in Haberbuschs Zapp Schützenhilfe in seinem Kampf gegen den Focus und dessen Chefredakteur Helmut Markwort. Thomas Leif sorgte wiederum in seiner Funktion als Jury-Mitglied des Otto-Brenner-Preises dafür, dass Zapp 2006 den dritten, mit 3.000 Euro dotierten Preis erhielt. Nun also lobt Hans Leyendecker ganz unabhängig und so unerhört schnell die Sendung Zapp für ihren aufgewärmten Kaffee der letzten Woche. Es ist aber auch wirklich großartig, wie er das gemacht hat. Peter Disch informiert zahleninteressierte Menschen darüber, dass Hans Leyendecker nur rekordverdächtige 3 Stunden und 28 Minuten  benötigt habe (das nächste Mal vielleicht noch die Sekundenangabe), um auf die von Zapp lancierte Vorabmeldung zu reagieren. Das ist nun aber wirklich mal erwähnenswert. Disch nennt dies „effizientes Arbeiten&#8221;. Gemeint hat er aber womöglich eher effizientes „Zuarbeiten&#8221;. Wollen Sie der Welt wirklich weismachen, Herr Disch, dass Hans Leyendecker auf eine offizielle Vorabmeldung von Zapp angewiesen war und nicht einfach regelmäßig mit seinem Netzwerk-Freund Kuno Haberbusch Kontakt hat? Diese Art von pflichtschuldiger Schützenhilfe gemahnt doch an den Hessen-Wahlkampf, wo Angela Merkel ihrem Parteigrobian &#8211; wie manche ihn nennen &#8211; Koch beistand, wobei man bei ihr noch den Eindruck hatte, dass sie eigentlich gar nicht so einverstanden mit ihm war, aber ihm wohl noch etwas schuldig war. Leyendecker, Haberbusch und Leif scheinen sich hingegen mit dem größten Vergnügen gegenseitig beizupflichten. Hier sei ein Stück aus einem früheren Artikel auf dieser Seite zitiert: „Es ist eben ein Wesensmerkmal von Netzwerken, dass man sich darin gegenseitig Honig ums Maul schmiert, um so künstliche, scheinbar unabhängige Publicity zu generieren, mit deren Hilfe man sein berufliches Fortkommen auf dubiose Weise befördert.&#8221; Also vor allem Netzwerk, dann Recherche?</p>
<p>Es scheint Disch und Salden mehr darum zu gehen, zu beweisen, dass es in einem einzelnen Flecken Afrikas keine Kindersoldaten gegeben habe, als darum, das selbst von Disch und Salden nicht geleugnete, in vielen Regionen Afrikas gegenwärtig existente Problem von  Kindersoldaten überhaupt zu thematisieren oder gar zu lösen. Man verbeißt sich in irgendeinen kleinen Fleck im Tischtuch und nimmt in Kauf, dass man bei seinem Gezerre das gesamte Gedeck dabei herunter wirft.</p>
<p>Wie lange werden Zapp, Disch und die „Zeitzeugen&#8221; den Kampf für ihre Wahrheit betreiben? Werden sie sich erst zufrieden geben, wenn sich das Orakel von Abraham Mehreteab erfüllt hat, wonach Mehari irgendwann zusammenbrechen müsse:</p>
<blockquote><p>Abraham Mehreteab: „Je länger das weitergeht, glaube ich nicht, das[sic!] sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Irgendwann bricht sie zusammen, glaube ich. Sagt lieber die Wahrheit, wie es war. Und erzähl das und denke ich auch, dass es besser ist.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_18_906" id="identifier_18_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Abraham Mehreteab in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007">19</a></sup></p></blockquote>
<p>Wenn man dank Zapp und Disch nicht inzwischen wüsste, dass die „Zeitzeugen&#8221; völlig harmlose, liebe und friedliebende Menschen sind, die als Krankenpfleger in München und bei Toll Collect am Potsdamer Platz arbeiten &#8211; also vollkommen harmlos sein müssen, könnte man obiges Zitat &#8211; insbesondere die letzten beiden Sätze &#8211; fast als eine nur gering verschlüsselte Drohung verstehen. Damit nun keine Anwälte aufwachen und Abmahnungen oder Unterlassungsforderungen eintüten: Auch hier wird keinem einzigen der „Zeitzeugen&#8221; irgend etwas auch nur im Entferntesten Negatives unterstellt. Wie gesagt, es ist dem Autor einerlei, wer hier recht hat. Es geht nur darum, wie die Wahrheit ans Licht kommt. Es geht darum, aufzuzeigen, was für ein doch nicht unbeträchtliches Loch zwischen Zapps Anspruch und der Realität zu klaffen scheint.</p>
<p>Dass Produzenten, Verlag und Mehari selbst offenbar kein gesteigertes Interesse mehr an Interviews mit Zapp haben, oder an von Zeitzeugen initiierten Podiumsdiskussionen, scheint dieses als ganz klaren als Beweis dafür zu deuten, dass es recht habe. Auf die Idee, dass man womöglich mit einem Magazin einfach nicht mehr reden möchte, weil es vielleicht bereits wie mit der Axt im Walde durch den Äther gezogen ist bzw. soviel Porzellan zerschlagen haben könnte, dass niemand außer das Netzwerk Recherche e.V. noch mit Zapp reden möchte, ist wahrscheinlich eher nicht Bestandteil von Zapps Kalkulation. Wenn Bild nicht mit einem reden will, ist es ja schon fast zu Recht der Ritterschlag, mit dem man sich brüsten kann, wie Zapp es ja auch in aller Ausgiebigkeit und Selbstgefälligkeit tut. Wenn der Focus nicht mehr mit einem redet, kann man das auch noch als schmeichelnd empfinden. Wenn man es sich aber nach und nach mit allen verscherzt, einschließlich der Kollegen aus dem eigenen Sender, dann wird die Luft doch ein bisschen dünn für ein Medienmagazin. Es ist letztlich auch für den Zuschauer nur bedingt glaubwürdig, dass nur Zapp den guten Journalismus für sich gepachtet haben soll, während alle anderen alles falsch machen. Diesen Eindruck aber vermittelt Zapp des öfteren.</p>
<p>All das hier Gesagte wird Zapp wohl in keiner Weise beirren, sondern an seiner Wachsschicht der Selbstgerechtigkeit abperlen, nicht zuletzt, weil man ja gestern mit dem Bert-Donnepp-Preis des Adolf-Grimme-Instituts ausgezeichnet wurde. Folglich muss man ja alles richtig machen. Diesmal scheint auch kein Vorstandsmitglied aus dem Netzwerk Recherche e.V. in der Jury gesessen zu haben. Ob Zapp wirklich so sehr für „praktizierte Medienethik&#8221; steht, wie es in der Begründung der Jury heißt, darf nach einigen hier genannten Gegenbeispielen zumindest teilweise und natürlich ganz vorsichtig angezweifelt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die 5.000 Euro Preisgeld nicht nur verprasst werden, sondern vielleicht zur Abwechslung einmal wieder objektiver Wahrheitsfindung dienen, an der allen gelegen sein sollte.</p>
<p>Nachtrag:</p>
<p>Peter Disch veröffentlichte soeben auf seinem Feuerherzblog, dass Meharis Manager ihm mitgeteilt habe, dass Mehari nicht an einer „Podiumsdiskussion mit ihren deutsch-eritreischen Kritikern&#8221; teilnehmen werde, weil der Termin zu kurzfristig angesetzt worden sei und Mehari deshalb bereits andere Verpflichtungen habe. „Man freue sich aber, dass die Zeitzeugen endlich bereit seien, Mehari zu treffen. Er hoffe, dass möglichst bald nach der Berlinale ein Termin gefunden werden könne. Voraussetzung für eine solche Diskussion seien ein neutraler Rahmen, ein unparteiischer Moderator und ein ausgewogen zusammen gesetztes Podium.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/#footnote_19_906" id="identifier_19_906" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398">20</a></sup>  Das sind doch versöhnliche Töne. Mal sehen, ob Zapp diese Nachricht eine kurze Meldung wert ist.<span style="color: #ffffe0;"> Senait Mehari, Senait Ghebrehiwet Mehari, Senait G. Mehari, Mehari, Feuerherz, Eritrea, ELF, Eritrean Liberation Front, Eritrean People&#8217;s Liberation Front, EPLF, Almaz Yohannes, Agawegatha, Kuno Haberbusch, Bert Donnepp Preis, Zapp, NDR, Droemer Knaur, Droemer Knaur Verlag, Sven Burgemeister, Andreas Bareiss, Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyo, Heart of Fire </span></p>
<p>© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_906" class="footnote">Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung.</li><li id="footnote_1_906" class="footnote">Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war.</li><li id="footnote_2_906" class="footnote"><a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt" href="http://espritdescalier.de/blog/2006/11/30/wer-im-glashaus-zappt/" target="_blank">1. Wer im Glashaus ZAPPt</a> &#8211; <a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt (Die Zweite)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite-2/" target="_blank">2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)</a> &#8211; 3. <a title="Link zum Artikel: Wer im Glashaus ZAPPt (Die Dritte)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/" target="_blank">Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)</a></li><li id="footnote_3_906" class="footnote">An dieser Stelle sei betont, dass Frau Gladziejewski keineswegs eine schlechte Figur machte, aber doch verunsichert wirkte. Die Aussage ist, dass Zapp offenbar das Ziel verfolgt, Vertreter ihm nicht genehmer Meinungen möglichst zu verunsichern, um diese Verunsicherung für sich als Beweis zu verbuchen. Es gelingt ihm in verschiedenen Graden.</li><li id="footnote_4_906" class="footnote">So jedenfalls wirken manche Interviewpartner.</li><li id="footnote_5_906" class="footnote">Dieses Eindrucks jedenfalls kann sich manch Zuschauer nicht erwehren.</li><li id="footnote_6_906" class="footnote">Zapp sollte den berühmten und gern zitierten Satz über gute Journalisten von Hans Joachim Friedrichs ruhig einmal auf sich selbst und nicht nur auf Andere anwenden. Den gleichnamigen Preis würde das Medienmagazin jedenfalls alles andere als verdienen.</li><li id="footnote_7_906" class="footnote">Später räumt sie diese Tatsache <a title="Link zu den Stellungnahmen Frau Saldens zu den Reaktionen auf ihren Beitrag" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802_REF2488,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">in ihrer Stellungnahme auf der Zapp-Seite</a> ein</li><li id="footnote_8_906" class="footnote">Quelle: Peter Disch, Journalist für Popmusik,  Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008.</li><li id="footnote_9_906" class="footnote">Hier soll um Gottes willen keine Wertung vorgenommen werden, derzufolge zivilisatorische Standards bei den einen höher als bei den anderen seien. Sonst unterstellt Peter Disch, ein Journalist für Popmusik, womöglich wieder das typische Afrikabild, das wahrscheinlich alle außer ihm und wenigen anderen, mit großer Einsicht Gesegneten haben. Aber Standards sind verschieden. Nicht nur in unterschiedlichen Gesellschaften, sondern auch in unterschiedlichen Phasen ein und derselben Gesellschaft. So wurde in Nachkriegsdeutschland auch so einiges als normal empfunden, was man vor dem Krieg oder heute als barbarisch ansah bzw. ansieht, einfach weil es die Umstände geboten.</li><li id="footnote_10_906" class="footnote">Peter Disch, Feuerherzblog, Eintrag vom 05.02.2008</li><li id="footnote_11_906" class="footnote">Peter Disch: Zwei Leben in einem?, Der Tagesspiegel, 17.2.2007</li><li id="footnote_12_906" class="footnote">Hier wird auf den von Zapp präsentierten „Eritrea-Experten&#8221; Günter Schröder Bezug genommen. Wo war eigentlich Günter Schröder in der letzten Zapp-Sendung?!</li><li id="footnote_13_906" class="footnote">Es darf hier auf den <a title="Link zum Artikel Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite-2/" target="_blank">Artikel Wer im Glashaus ZAPPt die Zweite</a> verwiesen werden, wo am Beispiel von Aharon Appelfeld erläutert wird, wie absurd es ist, jemandem, der über eine Zeit schreibt, in der noch ein Kind war, das Recht abzusprechen zu wollen, trotz womöglicher Fehler im Detail darüber zu schreiben.</li><li id="footnote_14_906" class="footnote"><a title="Link zum Interview mit Thomas Leif auf Spiegel-Online" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,398523,00.html" target="_blank">Spiegel-Online-Interview mit Thomas Leif vom 03.02.2006</a></li><li id="footnote_15_906" class="footnote"><a title="Link zum Interview mit Hans Leyendecker auf der Seite von „Das Literatur-Café" href="http://www.literaturcafe.de/hans-leyendecker-gier-weblogs-journalismus-buchmesse-podcast/" target="_blank">Leyendecker im Interview mit „Das Literatur-Café&#8221; auf  der Frankfurter Buchmesse 2007</a></li><li id="footnote_16_906" class="footnote">Leif im Interview mit Spiegel-Online</li><li id="footnote_17_906" class="footnote">Günter Schröder in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007</li><li id="footnote_18_906" class="footnote"><a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3691026,00.html" target="_blank" class="broken_link">Abraham Mehreteab in der Zapp-Sendung vom 14.02.2007</a></li><li id="footnote_19_906" class="footnote"><a title="Link zum Artikel  Diskussion: Senait Mehari kommt nicht auf Feuerherzblog" href="http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398" target="_blank">http://feuerherz.blog.de/2008/02/04/diskussion_senait_mehari_kommt_nicht~3680398</a></li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>8</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Aug 2007 13:34:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=10</guid>
		<description><![CDATA[Es ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten. Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt&#8221; auch einen Beitrag mit dem Titel [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><span class="initial">E</span>s ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten.</p>
<p>Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt&#8221; auch einen Beitrag mit dem Titel „Ausrutscher der Woche&#8221; aus.<a title="screen capture vom 14.08.2007 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID2059038,00.html" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/du-bist.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/du-bist.thumbnail.jpg" alt="NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta" /></a> Darin ging Zapp hart mit der Sozialkampagne „Du bist Deutschland” ins Gericht. Deren gleich lautender Slogan sei nicht neu, sondern bereits eine „Nazi-Parole“ gewesen. Das hätten „Internet-Blogger&#8221; in einem „historischen Bildband&#8221; entdeckt. Dabei handelt es sich übrigens um ein Buch mit dem Titel „Ludwigshafen – Ein Jahrhundert in Bildern“, herausgegeben vom Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein. Die zur Debatte stehende Parole findet sich dort auf einem Bild, das eine NS-Kundgebung im Jahr 1935 auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen zeigt. Der genaue Wortlaut ist: „Denn Du bist Deutschland”. Die Parole nimmt offensichtlich Bezug auf das über ihr befindliche große Hitlerporträt, sodass wohl zu verstehen ist: „Denn Du, Adolf Hitler, bist Deutschland”.</p>
<p>Dies ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was die Kampagne „Du bist Deutschland” augenscheinlich zu bezwecken sucht. Dort liegt ja die Betonung gerade darauf, dass jede/r Einzelne auf die ihr/ihm eigene Art Deutschland sei. Somit steht totale Ausrichtung auf einen Diktator gegen Betonung des Individuums und der Eigeninitiative. Es stellt sich die Frage, was dann eigentlich das Problem von Zapp ist.<span id="more-10"></span> Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei einmal mehr um das reflexartige und substanzlose pseudo-intellektuelle Gehabe sich politisch links wähnender Journalisten handelt. Leider haben bei diesen in Bezug auf Äußerungen die Reflexe offenbar die Oberhand über das Denken. Statt sich also die Mühe zu machen, selbst etwas nachzudenken, wird reproduziert, was „Internet-Blogger&#8221; herausfinden.</p>
<p>Wenn also diese Parole so offensichtlich negativ besetzt sei, warum war Zapp dann auf die Hilfe von Bloggern angewiesen und hat nicht selbst sofort darauf hingewiesen? Möglicherweise ja deshalb, weil es sich dabei um eine Parole handelt, die sich bei den Nazis gar nicht durchgesetzt hat, die kaum Verbreitung gefunden hat? Es ist überdies ziemlich infam, dass Zapp den Machern der Kampagne indirekt die gleichen Intentionen unterstellt, wie sie die Nazis damals hatten. In Verschwörung witterndem, nahezu reißerischem Ton heißt es bei Zapp: „Doch jetzt kam heraus: Der Spruch ist nicht ganz neu. Aber wer hat ihn denn schon mal benutzt?&#8221;. Besagte Blogger hätten das „Original&#8221; in einem Bildband entdeckt. Damit insinuiert Zapp, dass die Macher der Kampagne in Kenntnis der Originalparole diese kopierten und sich somit in die nationalsozialistische Tradition stellten. Zapp stellt sodann die Vermutung an, dass dem an der Kampagne beteiligten Gerald Asamoah das Lachen wohl im Halse steckengeblieben wäre, wenn er davon gewusst hätte.</p>
<p>Auch hier, wie schon im Fall von Senait Mehari attackiert Zapp Personen und deren Anliegen, die allem Anschein nach alles andere als Böses im Schilde führen. Niemand ist doch gezwungen, die Kampagne zu mögen. Man kann sich daran stören, dass man als Adressat geduzt wird. Aber die Zapp-Mitarbeiter sind doch sicher keine Spießer!?  Man kann die Primitivität der Botschaft ablehnen, sogar die „Volkskörperrethorik&#8221;, die sie verwende<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_0_10" id="identifier_0_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Harald J&auml;hner in der Berliner Zeitung vom 30.09.2005">1</a></sup>. Man kann auch &#8211; wie das Satiremagazin Titanic &#8211; die Auffassung vertreten, dass die Kampagne „ein PR-Schwindel&#8221; sei, „den sich zynische Reklamefritzen ausgedacht haben, um ein paar Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt abzuzapfen und sie in Immobilien, Investmentfonds und Puffbesuchen anzulegen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_1_10" id="identifier_1_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Titanic, M&auml;rz 2006, S.8.">2</a></sup> Das ist pointiert und trifft womöglich den Nagel auf den Kopf. Aber den Machern der Kampagne indirekt NS-Ideologie zu unterstellen, aufgrund der Tatsache, dass ihr Slogan einer weitgehend unbekannten NS-Parole ähnele, ist lächerlich, vollkommen unverhältnismäßig und platt.</p>
<p>Etwas völlig anderes ist es, wenn für „Kompetenzzentrum&#8221; die Abkürzung „KZ&#8221; verwendet wird. Diese Abkürzung weckt international in breiten Bevölkerungsschichten negative Assoziationen. Jeder Mensch weiß, dass es sich dabei um die Abkürzung für die „Konzentrationslager&#8221; der Nationalsozialisten handelte. Insofern ist es absolut indiskutabel, dass diese Abkürzung heute wofür auch immer nicht mehr verwendet werden sollte.</p>
<p>Sicherlich kann der Eindruck entstehen, dass Gerald Asamoah als „Quoten-Afro-Deutscher&#8221; benutzt wurde und Patrick Lindner als „Quoten-Homosexueller&#8221;. Doch wie groß wäre das Geschrei &#8211; gerade auch bei Zapp &#8211; gewesen, wenn eine der von ihnen repräsentierten Gruppen nicht vertreten gewesen wäre? Die Tatsache, dass in der Kampagne ein Marcel Reich-Ranicki vertreten ist, ein Wojtek Czyz, ein Xavier Kurt Naidoo, eine Minh-Khai Phan-Thi sowie ein Kool Savas alias Savaş Yurderi, nimmt Zapp nicht etwa zum Anlass, anzuerkennen, dass „Du bist Deutschland&#8221; eindeutig ein Plädoyer für den Pluralismus hält. Stattdessen fällt Zapp nichts Klügeres ein, als eine Parallele zum Nationalsozialismus zu ziehen.</p>
<p>Angesichts solch destruktiven Verhaltens kann man in gewisser Weise nachvollziehen, dass sich Jean-Remy von Matt &#8211; Teilhaber der an der Kampagne beteiligten Werbeagentur „Jung von Matt&#8221; &#8211; über die Undankbarkeit von Journalisten und Bloggern beschwerte. Dass er in diesem Zusammenhang zudem Weblogs als „Klowände des Internet&#8221; bezeichnete, bedarf spätestens seit dem Zeitpunkt keines weiteren Kommentars mehr, an dem seine Agentur begann, sich selbst dieses Mediums zu bedienen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_2_10" id="identifier_2_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://blog.jvm-neckar.com/">3</a></sup>.</p>
<p>So weit also zu Zapps Empörung über die Sozialkampagne im Herbst 2005. Etwa anderthalb Jahre später, nämlich am 11.07.2007, strahlte Zapp wiederum in der Rubrik „Durchgezappt&#8221; einen Beitrag mit dem Titel „Der Knaller der Woche&#8221; aus, der es ebenfalls in sich hat. Was übrigens die Betitelungen der Beiträge angeht, ist Zapp nicht sonderlich weit vom Stil des Erzfeindes BILD entfernt. Was dort der Gewinner bzw. Verlierer des Tages ist, sind bei Zapp der Knaller, der Ausrutscher, die Peinlichkeit, das Lob, die Wahrheit, die Trennung sowie die Blitzmerker der Woche. Selbst wenn es sich dabei um eine Persiflage handeln sollte, wäre diese wahrlich nicht der Ausbund an Einfallsreichtum. Es ödet den Zuschauer nämlich an, immer nur zu hören, wie dumm alle anderen sind. Viel interessanter wäre es doch, zu erfahren wie schlau Zapp ist. Wenn Zapp sich aber mehr durch das Wiederkäuen dessen hervortut, was der Feder Anderer entstammt und mit dem Reproduzieren von Klischees, anstatt durch bemerkenswerte Eigenleistung, ist es kein Leichtes zu erkennen, dass Zapp so viel schlauer sei.</p>
<p>Aber zurück zu oben genanntem Beitrag. Darin berichtet Zapp über einen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=koRlFnBlDH0">Werbeclip</a> der <a href="http://ec.europa.eu/information_society/media/index_en.htm">EU-Filmförderung</a>, der wegen seiner unverblümten Sexszenen bei einigen „eher prüden Parlamentariern&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_3_10" id="identifier_3_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Diktion in der Sendung vom 11.07.2007">4</a></sup> auf Protest gestoßen sei. Aus diesem Grund habe <a href="http://www.youtube.com/user/eutube">eutube</a> &#8211; das EU-Portal bei <a href="http://www.youtube.com/">youtube</a> &#8211; einen weiteren, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=3kHoHH-05yI">diesmal romantischer ausgelegten Werbeclip</a> nachgelegt. So weit, so gut. Doch der Kommentar von  Zapp lautete nicht einfach: „Zapp meint: Gut so!&#8221;, sondern: „Zapp meint: Jedem das seine.&#8221;<a title="screen capture vom 14.08.2007 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/jedem-das-seine.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/jedem-das-seine.thumbnail.jpg" alt="NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta Jedem das Seine" /></a> Es soll hier gar nicht darum gehen, dass substantivierte Possessivpronomina ohne vorherige Nennung eines Referenznomens bzw. wenn ihnen ein Artikel vorausgeht mit einem großen Buchstaben beginnen, sondern vielmehr um den inhaltlichen Aspekt.<br />
Hier bedarf Zapp offenbar einer überfälligen Nachhilfe in Sachen Geschichte. Man möchte meinen, es gehöre zur Allgemeinbildung, dass das Schlagwort „Jedem das Seine&#8221; zu einem Synonym für den Massenmord der Nazi-Verbrecher wurde, weil die Nazis es in das Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald einschmieden ließen.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-jedem-das-seine-full-screen.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="size-thumbnail wp-image-1791 alignright" title="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-jedem-das-seine-full-screen-92x140.jpg" alt="" width="92" height="140" /></a>Es kann wohl ausgeschlossen werden, dass Zapp damit Bezug auf die lateinische Urfassung „suum cuique&#8221; nehmen wollte, bei der es sich um einen klassischen Rechtsgrundsatz im Sinne der Gerechtigkeit handelt. So hat diese Formel ihren Weg vom klassischen Griechenland aus über Aristoteles, Sokrates und Platon bis hinein in die Zeit des Oströmischen Reiches genommen, wo sie im Rahmen der von Kaiser Justinian I. im Jahr 528 n.Chr. in Auftrag gebenen Kodifikation und Vereinheitlichung des römischen Rechts<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_4_10" id="identifier_4_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Codex Iustinianus sp&auml;ter Corpus Iuris Civilis">5</a></sup> in einen Rechtsgrundsatz gegossen wurde<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_5_10" id="identifier_5_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten. [&hellip;] Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gew&auml;hren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen. (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10) ">6</a></sup>. Da die meisten Staaten Europas das Römische Recht bis in die Neuzeit hinein als maßgebliche Rechtsquelle verwendeten, gelangte die Formel bis ins 20. Jahrhundert, wo sie dann von den Nazis pervertiert wurde. Die Nazis ließen dieses Schlagwort in Buchenwald so anbringen, dass es von innen lesbar war, was die Aussage nur noch verhöhnender, demütigender und zynischer machte, als sie mit ihrem missbrauchten Inhalt ohnehin schon war. Im Entwürdigen sind und waren die Nazis besonders begabt, was daran liegen muss, dass es ihnen selbst an Würde mangelt/e. Um mit ihren Opfern auf Augenhöhe zu sein, müssen sie diese entwürdigen. Anders als bei „Du bist Deutschland&#8221;, das eben nicht über einem der größten Konzentrationslager prangte, sollte eigentlich jeder halbwegs gebildete Mensch in Deutschland wissen, dass sich die Nutzung dieses Schlagworts verbietet. Insbesondere wenn man, wie Zapp, mit Hohn auf andere herabschaut, denen ein weitaus geringerer Lapsus unterläuft, sollte es einem selbst nicht an politisch-historischer Sensibilität mangeln, der zur obszönen Verwendung eines extrem negativ konnotierten Schlagwortes führt.</p>
<p>Zapp reiht sich damit ein in eine Gruppe von Firmen, deren Werbeagenturen in den vergangenen Jahren ähnlich wenig historische Bildung und Sensibilität aufwiesen. So bewarb beispielsweise Nokia 1998 in Deutschland seine neuen Mobiltelefone mit auswechselbaren, verschiedenfarbigen Frontblenden mit dem Slogan „Jedem das Seine&#8221;. Proteste, die darauf hinwiesen, dass dieser Slogan historisch belastet ist, führten schließlich dazu, dass Nokia die Kampagne abbrach. Im gleichen Jahr warb die Firma REWE mit diesem Slogan ausgerechnet für Grillzubehör. Microsoft bewarb damit Software und McDonald&#8217;s seine Burger-Menüs in Thüringen &#8211; ausgerechnet also in dem Bundesland, auf dessen Territorium sich die heutige Gedenkstätte für das einstige KZ-Buchenwald befindet. Dass man mit zunehmender Nähe zum Ort und zu Überlebenden eines Massenmordes nicht unbedingt sensibler werden muss, bewies ja am 28. August des vergangenen Jahres der stellvertretende Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und studierte Historiker Hermann Schäfer mit seiner völlig taktlosen Rede anlässlich des Eröffnungskonzerts des Kunstfestes Weimar, das den Titel „Gedächtnis Buchenwald&#8221; trug. Der ehemalige Bundestagspräsident Jenninger (CDU) befand sich während seiner missratenen Rede anlässlich des 50. Jahrestages der Novemberpogrome im Jahr 1988 wenigstens nicht auch noch an einem Ort des organisierten Massenmordes, sondern „nur&#8221; vor dem versammelten Bundestag, weshalb die Rede in ihrer Art natürlich trotzdem besonders deplaziert war.</p>
<p>Nun denn, vielleicht sollte Gita Datta, die Zuständige für den zur Debatte stehenden Zapp-Beitrag, nachdem sie eine Arbeit über das „fragmentarische Weltbild deutscher Fernsehnachrichten&#8221; geschrieben hat, sich mit ihrer möglicherweise fragmentarischen Allgemeinbildung befassen. Doch auch der ach so kritische und recherchefreudige Kuno Haberbusch hat sich an dieser von Frau Datta verwendeten Formulierung offenbar nicht gestört. Er hätte sonst jederzeit eine Umformulierung bewirken können. Ist ihm bei seinen Recherchen etwa die diesem Schlagwort innewohnende Brisanz und Problematik entgangen? Hätte Gerald Asamoah diese Zapp-Sendung gesehen, wäre ihm bestimmt das Lachen im Halse steckengeblieben.</p>
<p>Man darf gespannt sein, wann Zapp sich das nächste Mal über seine mediale Umwelt erhebt. Angesichts des Balkens im eigenen Auge sollte Zapp sich aber beim Kritisieren der Splitter in den Augen der Anderen vielleicht etwas weniger weit aus dem Fenster lehnen. <span style="color: #FFFACD;"> Senait Mehari, Mehari, Feuerherz, Kuno Haberbusch, Zapp, NDR,Medienmagazin, Gita Datta, Datta, Jedem das Seine, Arbeit macht frei, KZ, Konzentrationslager, Buchenwald, Auschwitz</span><br />
© Stefan Fix, 2007</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_10" class="footnote">Harald Jähner in der Berliner Zeitung vom 30.09.2005</li><li id="footnote_1_10" class="footnote">Titanic, März 2006, S.8.</li><li id="footnote_2_10" class="footnote"><a href="http://blog.jvm-neckar.com/">http://blog.jvm-neckar.com/</a></li><li id="footnote_3_10" class="footnote">Zapp-Diktion in der <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 11.07.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126154,00.html" target="_blank" class="broken_link">Sendung vom 11.07.2007</a></li><li id="footnote_4_10" class="footnote">Codex Iustinianus später Corpus Iuris Civilis</li><li id="footnote_5_10" class="footnote">Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten. […] Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gewähren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen. (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10) </li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 Aug 2007 17:05:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite-2/</guid>
		<description><![CDATA[Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen. Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-gross.jpg" rel="lightbox[847]"><img class="alignleft size-full wp-image-1544" title="NDR-Logo am NDR-Gelände in Hamburg Lokstedt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-kleiner1.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="164" height="134" /></a><span class="initial">D</span>a sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.<br />
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_0_847" id="identifier_0_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW">1</a></sup>, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits <a title="Link zur Internetseite von BILDblog" href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">BILDblog</a>, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.</p>
<p>Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei &#8211; ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.</p>
<p>Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem <a title="Link zum privaten Blog von Stefan Niggemeier" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/bildblog-tv/" target="_blank">privaten Blog</a> übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und <a title="Link zum Wikipedia-Artikel 'Copyleft'" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Copyleft">Copyleft</a> nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.</p>
<p>Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_1_847" id="identifier_1_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="im Jahr 2004">2</a></sup> begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_2_847" id="identifier_2_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auff&auml;llig &bdquo;bereinigt&amp;#8221;. Das ist eben Wikipedia. B&ouml;se Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des  Artikels den Artikel &uuml;ber sich selbst &bdquo;richtigstellt&amp;#8221;, doch diese Meinung wird hier als Verschw&ouml;rungstheorie verurteilt. Also alle Vorw&uuml;rfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik &bdquo;Kritik&amp;#8221; nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung f&uuml;r die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel &bdquo;That&amp;#8217;s Leif&amp;#8221; von  J&ouml;rg Jacoby in &bdquo;konkret&amp;#8221;- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von &bdquo;konkret&amp;#8221; kann gl&uuml;cklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben.">3</a></sup>. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:</p>
<blockquote><p>Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,<br />
Ich kenn auch die Herren Verfasser;<br />
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein<br />
Und predigten öffentlich Wasser.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_3_847" id="identifier_3_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Heine, Heinrich: Deutschland &amp;#8211; Ein Winterm&auml;rchen. Z&uuml;rich 2005, S.12.">4</a></sup></p></blockquote>
<p><span id="more-847"></span>In Hinblick auf Eigenrecherche von Zapp sei beispielsweise auf dessen <a title="Link zur Internetseite von NDR Zapp" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID3691026,00.html" target="_blank" class="broken_link">vermeintliche Skandalenthüllung</a> im Fall Senait Mehari verwiesen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_4_847" id="identifier_4_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In der Sendung vom 14.02.2007">5</a></sup> Diese sei, so Zapp, gar keine Kindersoldatin gewesen, ihr Buch voller Widersprüche und Fehler. Zapp hat damit ohne Zweifel ein Skandälchen verursacht. Was jedoch die Recherchen des Magazins und die von ihm aufgebotenen Zeugen angeht, so sind die Meinungen sehr geteilt. Man könnte fast annehmen, dass die Verantwortlichen mit ihrem Beitrag über den „fragwürdigen Medienstar” Mehari hofften, endlich den Durchbruch zu schaffen und ihr fragwürdiges Medienmagazin aus dem Schattendasein des Dritten Programms<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_5_847" id="identifier_5_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 sahen gerade einmal 130.000 Zuschauer. Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung">6</a></sup> ins Erste Programm zu hieven. Nachdem man keine Gäste mehr in die Sendung einladen darf, der Flokati und das Bildschirmkaminfeuer bzw. -aquarium gestrichen wurden und nur noch zwei Kameras zur Verfügung zu stehen scheinen, glaubt man bei Zapp offenbar, auf Biegen und Brechen den Eindruck erwecken zu müssen, unverzichtbar zu sein, damit die Sendung nicht ganz dem Rotstift zum Opfer fällt.</p>
<p>Mit aller Härte verbiss man sich daher in die Behauptung, dass Mehari ihr Dasein als Kindersoldatin in Eritrea frei erfunden habe und zeigte sich in der Folge dabei auch konstruktiv geäußerten Gegenargumenten u.a. von leitenden Redakteuren von Auslands- und Kulturredaktionen des WDR, des NDR, der FAZ sowie der Frankfurter Rundschau unzugänglich. Ein Jahr angeblich vorangegangene Recherche lässt man sich schließlich nicht so mir nichts dir nichts durch irgendwelche Gegenargumente verhageln und seien diese noch so vernünftig. Und wenn einen schon die Anderen nicht feiern, dann klopft man sich doch wenigstens selbst auf die Schulter. So beweihräucherte man sich in der eigenen Sendung dafür, dass man „zwischen die Medienfronten geraten” bzw. überhaupt „in den Medien” sei. Man maß den eigenen Erfolg offenbar mehr an der Größe des ausgelösten Trubels, als an der Stichhaltigkeit der aufgestellten Behauptungen. Allein aus der Bildung von Fronten nach der ersten Sendung hätte man jedoch für die zweite Sendung auch den Schluss ziehen können, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.</p>
<p>Statt also in Erwägung zu ziehen, dass man den Bogen vielleicht überspannt hat und auch die als „Zeitzeugen” präsentierten Personen möglicherweise gewisse Interessen verfolgen, hat man die in der Vorwoche in einem <a title="Link zur Internetseite von NDR Zapp" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID3692372_VID3690498,00.html" target="_blank" class="broken_link">10:57 min langen Beitrag</a> geäußerten Anklagepunkte gegen Mehari, die Medien und den Verlag &#8211; völlig ungerührt von aller seitdem an Zapp lautgewordenen Kritik &#8211; in einem diesmal sogar <a title="Link zur Internetseite von NDR Zapp" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID3717184_VID3713654,00.html" target="_blank" class="broken_link">12:34 min langen Beitrag</a> wiederholt. Wenn mancherorts Stimmen laut werden, die behaupten, dass spätestens seit dieser zweiten Sendung davon gesprochen werden könne, dass Zapp Mehari kampagnenartig diffamiere, darf sich niemand wundern.</p>
<p>Es mag ja noch angehen, wenn sich eine Zapp-Kampagne gegen ein großes Nachrichtenmagazin richtet, wie momentan gegen den Focus<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_6_847" id="identifier_6_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dass Zapp so ausgiebig gegen den Focus wettert, liegt m&ouml;glicherweise daran, dass Hans Leyendecker von der S&uuml;ddeutschen Zeitung, der sich gerade mit dem Focus im Clinch befindet, Vorstandsmitglied im Netzwerk Recherche ist und sich somit nat&uuml;rlich der solidarischen Berichterstattung seines Netzwerkkollegen und Zapp-Chefs Kuno Haberbusch sicher sein kann.">7</a></sup>. Doch warum muss Zapp seinen Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit auf dem Rücken einer mittelmäßig bedeutenden Autorin austragen? Bedenkt man bei Zapp eigentlich, dass einzelne Mitglieder der ELF bzw. Personen, die in den 70er Jahren in Eritrea eine verantwortliche Rolle spielten, möglicherweise ein Interesse daran haben könnten, dass nicht alle Einzelheiten ihrer Rolle im eritreischen Unabhängigkeitkrieg bekannt werden? Vielleicht sind Meharis Aussagen eben nicht für jedermann bequem, der damals bereits erwachsen oder auch gleichaltrig war.</p>
<p>Wenn Mehari beschreibt, dass sie im Lager wiederholt von älteren Jungen brutal vergewaltigt wurde („Oft konnte ich kaum aufstehen nach so einer Nacht, wenn einer oder mehrere zu mir gekommen waren. Es dröhnte und wand sich in meinen Eingeweiden.”)<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_7_847" id="identifier_7_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehari, Senait G.: Feuerherz. M&uuml;nchen 2004, S. 154-158.">8</a></sup>, würden diese Personen das wohl heute kaum bestätigen, schon gar nicht vor laufender Kamera<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_8_847" id="identifier_8_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hiermit wird ausdr&uuml;cklich niemandem, der bei Zapp aufgetretenen &bdquo;Zeitzeugen&amp;#8221; etwas Dahingehendes unterstellt. Es geht hier ausschlie&szlig;lich ums Prinzip.">9</a></sup>, sondern alles leugnen. Zum Thema „sexueller Missbrauch” verlor Zapp im Übrigen keine einzige Silbe, ebenso wenig, wie die „Zeitzeugen”. Hinsichtlich der von Mehari beschriebenen Praxis, dass sie regelmäßig zur Bestrafung für Fehler geschlagen worden sei<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_9_847" id="identifier_9_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mehari, Senait G.: Feuerherz. M&uuml;nchen 2004, S. 141.">10</a></sup>, wird sich sicher keine der gemeinten Personen finden, die dies freimütig bestätigen wird.</p>
<p>Genauso werden wohl weder die von Mehari als grausame Kommandeurin beschriebene Agawegahta oder wie auch immer sie geheißen haben mag, noch die als ebenso grausam geschilderten männlichen Vorgesetzten zugeben, dass sie die Kinder im Lager schikaniert haben, wenn dies der Fall war, wie Mehari behauptet. Dass Mehari im Lager an Malaria erkrankt sei, unter deren Folgen sie bis heute leide, weil sie aufgrund völlig unzureichender Behandlung chronisch geworden sei, spricht wohl auch eher gegen die von Zapp nahezu als paradiesisch geschilderten Zustände im Lager, gegen „ein Salem in der Wüste”<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_10_847" id="identifier_10_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Frank Nordhausen in der Berliner Zeitung vom 24.02.2007">11</a></sup>. Es nimmt schon fast Wunder, dass Zapp nicht noch medizinische Gutachter herangezogen hat, die den Beweis antreten sollten, dass dieses oder jenes Detail der von Mehari geschilderten Malaria-Symptome nicht korrekt sei. Auch ein psychologisches Gutachten hätte nicht überrascht, wonach sich Mehari womöglich atypisch für ein Vergewaltigungsopfer verhalte und daher vielleicht nie vergewaltigt wurde. Aber entweder hat Zapp keine Mediziner finden können, die sich auf dieses peinliche Niveau begeben wollten oder die scheinbar relativ niedrige Hemmschwelle der Redaktion war doch noch etwas höher als die der verpönten Bild.</p>
<p>Damit soll keineswegs die Behauptung aufgestellt werden, dass Mehari in allem nur die Wahrheit schreibe, denn das hieße, sich auf das Niveau von Zapp und dessen offenbar manichäistische Weltsicht hinab zu begeben, in der es keine Grautöne gibt. Vielmehr soll darauf hingewiesen werden, dass Geschichtsfälschung aller Erfahrung nach in erster Linie von Handlungstragenden, also Tätern ausgeht und eher nicht von Opfern, als welches sich Mehari schildert. Eine Täterrolle kann in Meharis Fall wohl ausgeschlossen werden, da bei einem sechjährigen Mädchen ja eher unwahrscheinlich. Insofern sollte Zapp sich vielleicht doch überwinden und die These von einer möglichen Zeugenbeeinflussung seitens des eritreischen Geheimdienstes beherzigen, genauso wie die These, dass frühere Täter bzw. Komplizen ihre Taten relativieren, bestreiten oder gar schönfärben. Ist man bei Zapp nicht mit dem Phänomen vertraut, dass z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS heute in Austellungen über Maueropfer ungefragt Vorträge halten, in denen sie ihr geschichtsrevisionistisches Weltbild vertreten und politisch sowie ideologisch motiviert die Deutungshoheit über die Vergangenheit für sich beanspruchen? Wenn man eine Gruppe Stasi-Mitarbeiter befragt, wird diese kaum die Behauptungen eines Stasi-Opfers bestätigen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_11_847" id="identifier_11_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch hiermit soll den von Zapp als Zeitzeugen herangezogenenen Personen nichts Dahingehendes unterstellt werden.">12</a></sup></p>
<p>Allerorten melden sich seriöse Stimmen wie die <a title="Link zur Internetseite der Social Times" href="http://www.socialtimes.de/nachricht.php?nachricht_id=9759&amp;thema_id=31&amp;PHPSESSID=3baa2e3a86c92a64890749157123a9d1" target="_blank" class="broken_link">Social Times</a> zu Wort und erlauben sich zu fragen, warum die bei Zapp auftretenden Zeugen erst jetzt an die Öffentlichkeit gingen, angesichts der Tatsache, dass der zur Debatte stehende Titel Feuerherz bereits 2004 erschien und warum sie in der Gruppe aufträten und sprächen. Dazu heißt es dort: „Ein Spitzelsystem der eritreischen Regierung ragt bis nach Deutschland. Kein Eritreer kann sich dem entziehen.” Wie borniert muss man sein, dass man sich solcherlei Hinweisen unzugänglich zeigt, wie Zapp es tut? Dazu bemerkt Zapp, dass es die Kritik an dem Buch schon lange gebe. Es habe Diskussionen auf Lesungen, Zeitungsberichte und Leserbriefe gegeben. Mehari schreibe darüber selbst in ihrem zweiten Buch. Journalisten hätten „diese Kritik schlicht nicht zur Kenntnis nehmen” wollen. Journalisten? Also auch die Journalisten von Zapp! Die Sendung Zapp existiert seit 2002, Meharis Buch erschien zwei Jahre später. Die Frage sei gestattet, warum ausgerechnet die alerten Journalisten von Zapp drei Jahre mit ihrem Bericht über den „fragwürdigen Medienstar” hinter dem Berg gehalten haben, wenn Feuerherz doch so voller Widersprüche sei, dass der von Zapp herangezogene „Eritrea-Experte” Günter Schröder sich gar zu dem vernichtenden Urteil versteigt, dass es „praktisch auf jeder Seite” in Meharis Buch Fehler gebe, „die eigentlich einem Eritreer, der über Eritrea schreibt, nicht passieren dürften”<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_12_847" id="identifier_12_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Zapp-Sendung vom 14.02.2007.">13</a></sup>. Warum hat Zapp all die unkritischen Berichte über Mehari jahrelang unwidersprochen gelassen, wenn die Widersprüche und Fehler doch so offensichtlich waren?!</p>
<p>Arnd Henze vom WDR weist Zapp darauf hin, dass es Hinweise auf massiven Druck des eritreischen Geheimdienstes gebe, der eritreische Komparsen davon abhalten solle, sich in Nairobi am Casting für die geplante Verfilmung von Feuerherz zu beteiligten. Dass parallel dazu in Deutschland Kritik an Meharis Buch laut werde, sei ja vielleicht auch in diesem Kontext zu sehen. Henze äußert den Eindruck, dass diese Kritik orchestriert vor sich zu gehen scheine. Vor diesem Hintergrund halte er es „für äußerst fragwürdig, die eritretischen Kritiker an Frau Mehari unhinterfragt als ‚Zeitzeugen’ zu charakterisieren und ihnen damit Beweiskraft zu verschaffen.” &#8211; „Zeugen” so Henze „sind neutral, aus einem langjährigen brutalen Bürgerkrieg gehen hingegen alle als ‚Beteiligte’ heraus.” Schließlich stellt Henze die durchaus legitime Frage, ob Zapp sich möglicherweise für „einen zynischen Geschichts-Revisionismus” habe einspannen lassen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_13_847" id="identifier_13_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007">14</a></sup></p>
<p>„Gegen ein Stück &#8211; im Sinne des ‚audiatur et altera pars’ -, das eine Gruppe von Menschen zeigt, die den Wahrheitsgehalt eines Buchs vehement anzweifeln,” sei nichts einzuwenden, schreibt Christoph Bungartz, Leiter des NDR-„Kulturjournal“, „im Gegenteil”. Ein solches Stück habe Zapp aber eben nicht gesendet. Bungartz attestiert Zapp bei seiner Berichterstattung „Schaum vorm Mund”.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_14_847" id="identifier_14_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Christoph Bungartz in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007">15</a></sup> Man fragt sich, woher dieser Schaum rührt. Es mutet fast so an, als habe irgendjemand bei Zapp eine persönliche Rechnung mit Mehari zu begleichen.</p>
<p>Hinsichtlich der „Zeitzeugen” informiert Salden<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_15_847" id="identifier_15_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Internetseite von Zapp">16</a></sup>, dass man „eine ganze Reihe von Eritreern befragt” habe, „die in dem gleichen Lager waren” &#8211; „Sie wohnen in Schweden, Deutschland und Norwegen. Sie haben Familie, einen anständigen Job und manche längst eine andere Staatsangehörigkeit.” Frau Salden, man kann nur hoffen, dass Sie diese wirre Logik nicht auf manchen nach 1945 nach Argentinien ausgewanderten Deutschen anwenden, der womöglich Familie hat, einen anständigen Job und längst die argentinische Staatsbürgerschaft. Das also soll nun beweisen, dass dieser Argentinier kein Nazi gewesen sein kann? Adolf Eichmann kann demnach kein Nazi gewesen sein, weil er eine Familie und einen „anständigen” Job bei Daimler Benz Argentinien hatte?!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_16_847" id="identifier_16_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch an dieser Stelle sei ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass keinem einzigen der bei Zapp pr&auml;sentierten eritreischen &bdquo;Zeitzeugen&amp;#8221; eine Rolle als T&auml;ter unterstellt wird. Anhand des genannten &uuml;berspitzten Vergleiches soll lediglich dargelegt werden, dass die &bdquo;Beweisf&uuml;hrung&amp;#8221; von Frau Salden hinkt.">17</a></sup>.</p>
<p>Als Beweis für die Unabhängigkeit der präsentierten „Zeitzeugen” &#8211; auch voneinander &#8211; informiert Salden nun, dass „viele der befragten Eritreer […] vor unseren Anfragen gar nichts voneinander” gewusst hätten. Das klingt im Zusammenhang mit dem vorher Gesagten etwas unlogisch. Wieso kannten sich die Eritreer denn nicht, wenn sie doch angeblich alle im selben Lager waren?! &#8211; Abgesehen davon, ist es der Aufmerksamkeit von Frau Salden augenscheinlich entgangen, dass gerade Exilgemeinschaften, die über die ganze Welt verstreut sind, bestens untereinander vernetzt sind. Darüber hinaus können als Nestbeschmutzer empfundene Personen auch von mehreren Gruppen unabhängig voneinander der Lüge bezichtigt werden. Desweiteren rühmt sich Salden, auch andere Eritreer befragt zu haben, z.B. solche, die in der gegen die ELF kämpfenden EPLF aktiv waren. Keiner von denen halte für glaubwürdig, was Senait in ihrem Buch beschreibe. Wie aber, Frau Salden, soll ein EPLF-Kämpfer bitte wissen, wie es in einem ELF-Lager zuging, wenn doch zwischen beiden Organisationen Krieg herrschte? Die gleiche Frage ist auch hinsichtlich derjenigen Eritreer zu stellen, die gar keine Kämpfer waren, die Frau Salden dennoch als Zeugen heranzieht.</p>
<p>Gebetsmühlenartig wiederholt man bei Zapp mit erhobenem Zeigefinger in Bezug auf andere Kollegen das vom einstigen Tagesthemenmoderator Hanns Joachim Friedrichs aufgestellte Postulat, dass man einen guten Journalisten daran erkenne, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache, auch nicht mit einer guten; dass er überall dabei sei, aber nirgendwo dazu gehöre. Zapp hat sich jedoch im Fall Mehari für eine Seite entschieden und sich zu deren Sprachrohr gemacht. Es scheint Zapp dabei weniger um die Wahrheit zu gehen, als vielmehr darum, recht zu haben und zu behalten. Hier sollte sich Zapp die in der Sendung vom 4.7.2007 zitierte und natürlich einmal wieder auf andere Kollegen gemünzte kleine Weisheit zu Herzen nehmen, derzufolge das Wissen der Journalisten weit wie das Meer aber tief wie eine Pfütze sei. Aus genau diesem Grund sollte man auch Experten der Gegenseite vielleicht ernst nehmen und vor allem erst einmal überhaupt zu Wort kommen lassen. Auf der Website von Stefan Niggemeier findet sich übrigens ein entlarvender <a title="Link zur Website von Stefan Niggemeier" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/experten-casting-bei-zapp/" target="_blank">Artikel mit dem Titel „Experten-Casting bei Zapp&#8221;</a>. Darin beschreibt Niggemeier aus eigener Erfahrung, wie schnell Zapp mitunter auf Experten verzichte, wenn sie nicht die gewünschte Meinung verträten. Das scheint nun alles andere als ergebnisoffene Recherche zu sein und durchaus geeignet, der Glaubwürdigkeit von Zapp mit ein wenig Skepsis zu begegnen.</p>
<p>Selbst wenn alles so stimmen sollte, wie Zapp es behauptet, stellt sich die Frage, warum man die Person Mehari in so gehässiger und hämischer Weise behandeln muss. Hätte sich der Erzfeind Bild Ähnliches erlaubt, wären die Zapp-Macher gleich nach BILDBlog die Ersten gewesen, die sich darüber echauffiert hätten. Da hätte der Vorwurf gelautet, dass man auf Kosten einer wehrlosen Person die Auflage in die Höhe zu treiben beabsichtige. Bei Zapp liegt der Verdacht nahe, dass man sich auf Kosten einer einzelnen Person profilieren wollte, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben, um die es natürlich geht, auch wenn Noch-NDR-Intendant Jobst Plog seine schützende Hand über sein Geschöpf Zapp hält.</p>
<p>In rechthaberischer Manier und unbeugsamer Überzeugung von der eigenen Unfehlbarkeit wich man keinen Milimeter von der einmal bezogenen Position zurück, obwohl sich eine Vielzahl durchaus seriöser Stimmen zu Wort meldete, die Zapp widersprachen. Solches Verhalten kennt man sonst eher von Altersstarrsinnigen. Wie sehr muss man Mehari ihren Erfolg neiden, um sich in solch wortklauberischer Art um die Definition des Begriffes „Kindersoldat” zu streiten? Selbst wenn Mehari ihren Erfolg bewussten Falschdarstellungen zu verdanken hätte, ist doch sehr fraglich, ob es die Aufgabe eines Medienmagazins ist, diese Person zu richten oder gar zugrunde zu richten. Mehari zu diskreditieren, bedeutet auch, ihr Engagement als Botschafterin der Kindernothilfe und deren Kampagne Deutsche Koordination Kindersoldaten zu diskreditieren. Zapp ist selbstredend auch in diese Organisationen vorgedrungen und hat einzelne ihrer Vertreter mit seiner „Skandalenthüllung&#8221; konfrontiert. Diese äußerten relativ ungerührt und einhellig, dass sie Mehari nach wie vor Glauben schenkten.</p>
<p>Der Meinung des von Zapp herangezogenen Jan Feddersen zufolge liege das natürlich nur daran, dass in Deutschland „im Grunde genommen der kräftigste Spendermarkt in der ganzen Welt” sei und alle natürlich „total scharf drauf” gewesen seien, „eine Frau wie Senait Mehari gewinnen zu können.”<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_17_847" id="identifier_17_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Zapp-Sendung vom 21.02.2007.">18</a></sup> Dieser Mann sollte ursprünglich Meharis Geschichte schreiben, war dann aber wahrscheinlich nicht mehr so „scharf drauf” und ließ es bleiben, angeblich weil Mehari keine zusätzlichen Quellen habe vorweisen können. Er wirkt wie jemand, der sich jetzt &#8211; angesichts einer verkauften Auflage in Höhe von 400.000 Stück &#8211; eigentlich maßlos ärgert, damals nicht den richtigen Riecher gehabt zu haben, und dankbar im Sinne der eigenen Gesichtswahrung in die mit einem Mal aufgetauchten Zapp-Kameras hinein sagt, dass er ja schon immer gesagt habe, dass da etwas faul sei. Viel lieber veröffentlicht er Bücher wie: „Ein Lied kann eine Brücke sein &#8211; Die deutsche und internationale Geschichte des Grand Prix Eurovision&#8221;. Zu diesem Thema gibt es wenigstens mehrere Quellen, aus denen man schöpfen kann. Somit hat er immerhin keine „afrikaverheulte Dramengeschichte”<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_18_847" id="identifier_18_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Feddersen in Zapp &uuml;ber Feuerherz">19</a></sup> verfasst, doch aber eine schlagerverheulte Dramengeschichte. Offenbar ist es das, was Feddersen unter einem „gusseisernem journalistischem Projekt” versteht, für das er bei Mehari kein Potential sah. Soweit zu Feddersens Version.</p>
<p>In der <a title="Link zur Internetseite der Berliner Zeitung" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0224/blickpunkt/0003/index.html" target="_blank">Berliner Zeitung vom 24.02.2007</a> findet sich die etwas andere Version der Münchner Literaturagentin Lianne Kolf, die auf Meharis Geschichte aufmerksam geworden sei und Kontakt zu ihr aufgenommen habe, weil sie geglaubt habe, dass sie ein guter Stoff für ein Buch wäre. Mehari habe Feddersen als möglichen Ghostwriter vorgeschlagen. Dieser habe aber „aus Zeitgründen” abgelehnt und nicht etwa als Grund für seine Absage angeführt, dass er die Geschichte unglaubhaft finde, wie er es dann bei Zapp behauptete. Selbst wenn etwas dran wäre an dem Zapp-Vorwurf, würde dies doch nicht die Arbeit Meharis bei der Kindernothilfe schmälern. Sicher wäre Meharis Glaubwürdigkeit infrage gestellt oder zumindest beschädigt, wenn die Zapp-Behauptungen zuträfen. Doch niemandem ist geholfen, wenn man die Arbeit dieser Organisation behindert, um die Wahrheit über irgendeinen qualitativ zweitklassigen Bestseller ans Licht zu bringen. Mehari hat mit der Reklamierung ihres ach so ungerechtfertigten „Opferstatus’” niemandem geschadet, sondern die ihr daraus erwachsene Popularität u.a. für äußerst sinnvolle Hilfsprojekte eingesetzt. Auch der „kräftigste Spendermarkt” hat Meharis Popularität nur für gute Zwecke „missbraucht”.</p>
<p>Die Wahrheit über Mehari ist jedoch keineswegs von einem solchen öffentlichen Interesse, wie beispielsweise die über einen Günter Grass, dessen Bücher zur Schullektüre gehören, der Generationen geprägt und große Literatur geschaffen hat. Bei ihm wäre es daher freilich von öffentlichen Interesse zu erfahren, ob er nun freiwillig der SS beigetreten ist oder gezwungenermaßen und ob und in welchem Ausmaß er sich über rein militärische Handlungen hinaus schuldig gemacht hat.</p>
<p>Womöglich hatte man sich bei Zapp aber erhofft, einen ähnlichen Fall aufgestöbert zu haben, wie er 2003 bei einem Titel des Hoffmann und Campe Verlags in Hamburg aufgedeckt wurde. Hier nämlich wurde das vermeintlich autobiografische Sachbuch Mitten in Afrika der Autorin Ulla Ackermann bald als Fälschung entlarvt, woraufhin der Verlag sämtliche Exemplare aus dem Buchhandel zurückrief und enttäuschten Besitzern des Buches auf Wunsch ihr Geld zurück erstattete. Dies ist Zapp im Fall des beim Droemer-Knaur-Verlags erschienenen Buches nicht gelungen, sicher zum großen Leidwesen der Zapp-Mitarbeiter.</p>
<p>Mehari war etwa sechs Jahre alt, zu dem Zeitpunkt, um den herum sie ihre Geschichte erzählt. Wer kann allen Ernstes annehmen, dass sich eine damals Sechsjährige heute an alle Vorkommnisse korrekt erinnert? Wer kann ihr ernsthaft Vorhaltungen machen, wenn sie Flora und Fauna ihres Aufenthaltsortes nicht in allen Einzelheiten korrekt beschreibt? Zapp kann. Hier tut sich eine gewisse Parallele auf zu dem großen Erzähler Aharon Appelfeld. Dieser wurde einst belehrt, man dürfe über die Shoa keine Fiktion schreiben<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/#footnote_19_847" id="identifier_19_847" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Appelfeld, Aharon: Geschichte eines Lebens. Berlin 2005, S.129.">20</a></sup>. Wie aber soll heute ein damals Achtjähriger alle Einzelheiten seiner Erlebnisse korrekt wiedergeben, wenn er vielleicht noch nicht einmal richtig lesen konnte? Ist seine Geschichte deshalb weniger wert? Nein! Soll er seine Geschichte deshalb nicht erzählen? Doch! Appelfeld hat sich letztlich nicht beirren lassen und in einer Vielzahl von hervorragenden Büchern eindrucksvoll Zeugnis abgelegt. Die wichtigsten Erlebnisse hat er behalten. Nämlich, wie seine Mutter von rumänischen Antisemiten umgebracht wurde, wie er und sein Vater von Nazis ins KZ verschleppt wurden, wie ihm die Flucht gelang und er drei Jahre allein in Wäldern überlebte. Sollte er im Nachhinein ein Tier, einen Baum oder eine Beere falsch beschreiben, liegt das vielleicht daran, dass er mit acht Jahren nicht wusste, wie sie korrekt heißen oder dass zu diesem Zeitpunkt anderes wichtiger war. Ähnliches gilt für geografische Angaben. Das stellt seine Geschichte jedoch in keiner Weise in Frage. Im Gegenteil, aus einer Not macht Appelfeld eine Tugend. Seine Geschichten sind auf das Wesentliche reduziert, könnte man sagen. Es spielt beispielsweise eine absolut untergeordnete Rolle, wie der Name der Bahnstation hieß, auf der man als Achtjähriger deportiert wurde, wenn es darum geht die Gefühle in diesem Moment zu beschreiben.</p>
<p>Die genauen Umstände wie Ort und Zeit u.ä. sind wichtig in einem historisch-wissenschaftlich angelegten Fachbuch wie Goldhagens „Hitler’s willing executioners” aber eben nicht in einer Kindheitserinnerung. Die Menschen, die den Holocaust als Kind erlebt haben, mögen sich einzelner Details nicht entsinnen, aber sie liefern eine unschätzbare zusätzliche Perspektive, indem sie schildern, wie ein Kindergemüt das Leid erlebt hat. Würde Zapp auch einem Aharon Appelfeld nachrecherchieren, um ihm Fehler in seinen Erzählungen nachzuweisen? Aber bei einer Frau, die ihre Erinnerungen an ihre Zeit als sechsjähriges Mädchen in den Wirren des Unabhängigkeitskrieges Eritreas beschreibt, recherchiert Zapp knallhart nach. Sicher ist Mehari ansonsten in keiner Weise mit Appelfeld vergleichbar. Schon allein, dass dieser seine Bücher selbst schreibt und es nicht nötig hat, sich, wie Mehari, vom Verlag einen Ghostwriter an die Seite stellen zu lassen, unterscheidet beide. Auch wenn man Mehari bei Zapp vielleicht deshalb verachtet, hat man kein Recht, sie so zu behandeln. Ein Sally Perel (Ich war Hitlerjunge Salomon) ist auch nicht der geborene Erzähler, doch er sah sich durch seine Erlebnisse gezwungen, der Nachwelt seine Geschichte zu erzählen, um Ähnliches für die Zukunft zu vermeiden und um seine ungewollten Erfahrungen zu verarbeiten. Man sollte sehr vorsichtig sein, welche Maßstäbe man an welches Buch anlegt. Frank Nordhausen stellt ganz richtig in der Berliner Zeitung fest, dass die Erinnerung dessen, was man als Kind erlebt hat nach so langer Zeit durchaus dazu führen könne, dass eine Katze zum Löwen werde, eine erst 15-jährige Kommandeurin groß und muskulös erscheine könne, dass Gefechte, von denen erzählt wurde, zum Empfinden führen könnten, dass ständig Kämpfe tobten. Dies ist an sich kein neues Phänomen, weshalb man eigentlich auch bei Zapp davon Kenntnis erlangt haben sollte. Ein Beispiel für solche Wahrnehmungen erwähne auch Meharis Ghostwriter Lukas Lessing. Er sei zweimal mit ihr nach Eritrea und Äthiopien gereist, um sich die Schauplätze ihrer Geschichte anzusehen. „Senait hatte immer von dem riesigen Haus ihrer Großeltern berichtet &#8211; als wir davor standen, war sie ganz enttäuscht, denn es erwies sich als eine kleine Hütte.” Lessing habe jedoch im Wesentlichen bestätigt gefunden, was ihm seine Erzählerin berichtet habe. Sie hätten nicht nur das Großelternhaus, Verwandte, die Waisenhäuser „Orfan” und „Comboni” besucht, in denen sich Mitarbeiter sogar noch an sie hätten erinnern können. Lessing habe auch festgestellt, dass Senaits Geschichte in Eritrea niemanden sonderlich gewundert habe und dass „fast jeder dort in einem brutalen Bürgerkrieg Erfahrungen mit Gewalt gemacht hatte”. Die Reisen hätten ihn davon überzeugt, dass Meharis Lebensbericht trotz einiger Ungenauigkeiten und Übertreibungen im Prinzip stimme. Überdies stellt Lessing fest: „»Feuerherz« ist eine persönliche Geschichte aus der Sicht eines Kindes und kein historisches Fachbuch.” Zapp kann ja der Autobiografie noch eine Biografie an die Seite stellen, damit Mehari endlich erfährt, wie ihr Leben tatsächlich verlaufen ist.</p>
<p>Zapp fuhr dann noch mit Christina Björk ein Zeugengeschütz auf, dem kein Bildungsbürger ernsthaft widersprechen wollen kann, denn schließlich wird die Zeugin im Beitrag als „Präsidentin des schwedischen Bildungsfernsehens&#8221; vorgestellt. Diese habe während des Krieges mehrmals die Lager in Eritrea besucht. Zu diesem Zeitpunkt war sie übrigens noch nicht Präsidentin des Bildungsfernsehens. Mit welcher (politischen?) Motivation und in wessen Auftrag sie das tat, verschweigt Zapp seinen Zuschauern geflissentlich. Nur weil die Dame heute Präsidentin/Direktorin des Bildungsfernsehens ist, ist dies doch keineswegs eine Garantie dafür, dass man ihr damals nicht etwas vorgegaukelt hat oder dass sie gewisse Praktiken damals gutgeheißen hat, weil sie womöglich mit der ELF sympathisiert hat. Ein gewisser Joseph Fischer hatte auch eine wilde Jugend, beteiligte sich an Gewaltaktionen und wurde später Außenminister. Völlig unabhängig davon, was man von Fischer hält, er taugt mit Sicherheit nicht zu einem objektiven Zeugen der damaligen Ereignisse. Die von Björk vorgelegten, von ihr selbst aufgenommenen Fotos sollen schließlich den endgültigen Beweis erbringen. Man sieht darauf nur Kinder ohne Waffen. Also habe es in Meharis Lager gar keine Kindersoldaten gegeben.</p>
<p>Aber es ist doch nun wirklich kein neues Phänomen, dass sich Machthaber und Organisationen in aller Welt des Mittels der Potjomkinschen Dörfer bedienen, um ihr internationales Image aufzupolieren. Was der Besucher in Nordkorea vorgeführt bekommt, ist mitnichten das wahre Leben der Mehrheit des Volkes, davon kann man ausgehen. Würde man es allein der Hamas überlassen, sich in der Öffentlichkeit darzustellen, gelangte man sicher zur Überzeugung, dass es sich um eine der friedliebendsten Organisationen überhaupt handele. Nun, Zapp glaubt Björk, die mehrmals ELF-Lager besucht habe, mehr als Mehari, die nicht ab und an zu Besuch war, sondern dort jahrelang gelebt hat. Erst aus oben bereits zitiertem Artikel in der Berliner Zeitung erfährt man, dass Christina Björk damals Mitglied eines Eritrea-Solidaritätskomitees gewesen sei, verschiedene Kindercamps besucht und einen Film darüber gedreht habe. Endgültige Auskunft über ihre genauen Beweggründe ist damit jedoch auch nicht erteilt. Nun ist es allerdings auch nicht die Aufgabe der Berliner Zeitung, die Arbeit zu machen, die Zapp versäumt hat.</p>
<p>Solidarität geht oft auch mit einer Blindheit für bestimmte Praktiken einher, die als notwendiges Übel zur Erreichung des Ziels akzeptiert werden. So wurden viele Missstände in sozialistischen Systemen von westlichen Sympathisanten als Kinderkrankheiten abgetan. Noch heute werden von naiven Pseudo-Nonkonformisten der Linken T-Shirts mit dem Konterfei des Massenmörders Mao getragen. Solcherlei Personen heißen auch undifferenziert alles gut, was ein Fidel Castro mit seinem Volk treibt, das sich zwar einer der höchsten Ärztedichten und Alphabetisierungsraten der Welt erfreut, ansonsten auf auf fast allen Gebieten Mangel leiden muss. Es ist nicht auszuschließen, dass Christina Björk damals ideologisch verblendet war. Völlig ohne Quellenangabe flechtet Zapp zudem irgendwelche illustrativen Filmaufnahmen in den Bericht ein, die zum Teil auch noch den parallel dazu auf der Tonspur geäußerten Zweifeln von Zapp widersprechen, indem sie nämlich ausgemergelte Menschen zeigen und solche mit Waffen, irgendwo und irgendwann in Äthiopien? Soviel zur „Transparenzverliebtheit der ZAPPler”, deren sich Julia Salden, die Autorin der „Enthüllungsstory”, auf der Homepage der Sendung rühmt. Zur Transparenz hätte eben auch gehört, dass man mitteilt, in welcher Funktion sich Björk in Äthiopien aufhielt.</p>
<p>Salden fragt in ihrer nachträglichen schriftlichen Stellungnahme bzw. Rechtfertigung auf sehr unsachliche, polemische und sich selbst disqualifizierende Weise, ob sie etwa hätte mitteilen sollen, dass der von ihr herangezogene Zeitzeuge Mehreteab als Informatiker bei Toll Collect am Potsdamer Platz arbeite und der weitere Zeitzeuge Benifer als Privatkrankenpfleger in München, um der Forderung nach Transparenz nachzukommen. Da hat Frau Salden etwas falsch verstanden. Vielmehr wäre interessant gewesen, welche Rolle die Zeitzeugen damals gespielt haben und inwiefern sie über ihren zivilen Beruf hinaus vielleicht noch politisch tätig sind oder Interessen verfolgen. „In einem Magazinstück von zehn Minuten” sei „schlicht zu wenig Platz, um jeden Interviewpartner genau vorzustellen” entgegnet Salden dem Vorwurf, Zapp habe verschwiegen, dass es sich bei einem seiner Zeitzeugen um einen einstigen ELF-Kader handele. Das allein hätte man zusammen mit seinem Namen einblenden können, was keine Zeit kostet. Aber dann hätte man ja auch erklären müssen, warum diese Person trotzdem glaubwürdig sei, so Salden. Richtig, das hätte man in diesem Fall dann doch tun müssen oder man hätte eben einfach zu dem Schluss kommen müssen, dass diese Person als objektiver Zeuge denkbar ungeeignet ist und auf sie verzichten müssen. Aber Benifer, so der Name des Zeugen, sei als Privatkrankenpfleger in München ja so beliebt, „weil die Patienten die besonnene Art und die Konversation mit dem gebildeten Afrikaner so schätz[t]en”, lässt Salden wissen. Sogar der Bayrische Rundfunk &#8211; von NDR-Mitarbeitern ja in maßloser Selbstüberschätzung sonst immer verlacht &#8211; habe eine Portät über Benifer gesendet. Soll das nun als Beweis dafür dienen, dass der ehemalige ELF-Kader Benifer die Wahrheit sagt, Frau Salden? Nun haben Sie so viel Platz auf der Zapp-Seite bekommen, um all das, was in ihrem zehnminütigen Enthüllungsbeitrag aus Platzgründen nicht untergekommen sei, endlich mitzuteilen und bleiben Ihren Zuschauern dennoch viele Fakten schuldig. Stattdessen ziehen Sie es vor, sich in larmoyanter Weise zu rechtfertigen. Selbstkritik üben Sie nicht und wenn, dann mit so deutlicher Ironie, dass davon eigentlich nichts übrig bleibt.</p>
<p>Irritierend unprofessionell mutet auch die trotzig wirkende Art von Frau Saldens Stellungnahme an. So fehle ihr „die Fantasie&#8221; sich vorzustellen, dass Menschen, die sie „ganz banal&#8221; über ihren Bekanntenkreis gefunden haben, etwas mit dem eritreischen Geheimdienst zu tun haben könnten. Da hört sich doch alles auf. Glaubt Frau Salden, dass sie in einer Schutzzone lebt, die frei von allem Bösen ist, wo nur Menschen mit weißer Weste Zugang haben? Es ist wirklich weltfremd zu meinen, dass jemand nur, weil man mit ihm bekannt ist, eine objektive Sicht auf Ereignisse hat, an denen er selbst beteiligt war. Wenn Frau Salden meint, dass man für diese Erkenntnis „Fantasie&#8221; benötige, stellt sich wirklich die Frage, ob sie als der Objektivität verpflichtete Journalistin für ihren Job geeignet ist. Dass vielleicht gewisse Bekannte in der beim Fernsehen arbeitenden Journalistin die Chance witterten, Öffentlichkeit zu bekommen, ist ja nicht gänzlich abwegig. Dass Frau Salden wiederum in den Erzählungen ihrer Bekannten ihre große Story vermutete, ist ebenso denkbar.</p>
<p>Genau dies aber kann sehr schnell zu einem Szenario mutieren, bei dem sich die eine Seite von der anderen instrumentalisieren lässt und der Pfad der Professionalität verlassen wird, um der verlockenden Lorbeeren willen. Man kann nur hoffen, dass Zapp bei aller berechtigten Kritik, die es an anderen Medien äußert, nicht vergisst, die dabei verwendeten strengen Maßstäbe auch an sich selbst anzulegen.<span style="color: #FFFACD;"> Senait Mehari, Senait G. Mehari, Mehari, Feuerherz, Eritrea, ELF, Eritrean Liberation Front, Eritrean People&#8217;s Liberation Front, EPLF, Almaz Yohannes, Agawegatha, Kuno Haberbusch, Julia Salden, Peter Disch, Zapp, NDR, Droemer Knaur, Sven Burgemeister, Andreas Bareiss, Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyo, Heart of Fire, BILDblog </span></p>
<p>© Stefan Fix, 2007</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_847" class="footnote">von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW</li><li id="footnote_1_847" class="footnote">im Jahr 2004</li><li id="footnote_2_847" class="footnote">siehe dazu die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Leif">Quellensammlung auf Wikipedia</a>. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt&#8221;. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des  Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt&#8221;, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik&#8221; nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den <a title="Link zur Internetseite der Zeitschrift Konkret" href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=thatsleif&amp;jahr=2006&amp;mon=03" target="_blank">Artikel „That&#8217;s Leif&#8221; von  Jörg Jacoby in „konkret&#8221;- Heft 3/2006</a> verwiesen. Im Archiv von „konkret&#8221; kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben.</li><li id="footnote_3_847" class="footnote">Heine, Heinrich: Deutschland &#8211; Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12.</li><li id="footnote_4_847" class="footnote">In der Sendung vom 14.02.2007</li><li id="footnote_5_847" class="footnote">Die <em>Zapp</em>-Sendung vom 11.07.2007 sahen gerade einmal 130.000 Zuschauer. Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung</li><li id="footnote_6_847" class="footnote">Dass Zapp so ausgiebig gegen den Focus wettert, liegt möglicherweise daran, dass Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung, der sich gerade mit dem Focus im Clinch befindet, Vorstandsmitglied im Netzwerk Recherche ist und sich somit natürlich der solidarischen Berichterstattung seines Netzwerkkollegen und <em>Zapp</em>-Chefs Kuno Haberbusch sicher sein kann.</li><li id="footnote_7_847" class="footnote">Mehari, Senait G.: Feuerherz. München 2004, S. 154-158.</li><li id="footnote_8_847" class="footnote">Hiermit wird ausdrücklich niemandem, der bei Zapp aufgetretenen „Zeitzeugen&#8221; etwas Dahingehendes unterstellt. Es geht hier ausschließlich ums Prinzip.</li><li id="footnote_9_847" class="footnote">Mehari, Senait G.: Feuerherz. München 2004, S. 141.</li><li id="footnote_10_847" class="footnote">Frank Nordhausen in der Berliner Zeitung vom 24.02.2007</li><li id="footnote_11_847" class="footnote">Auch hiermit soll den von Zapp als Zeitzeugen herangezogenenen Personen nichts Dahingehendes unterstellt werden.</li><li id="footnote_12_847" class="footnote">Quelle: Zapp-Sendung vom 14.02.2007.</li><li id="footnote_13_847" class="footnote"><a title="Link zum Schreiben von Arnd Henze an Zapp" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007</a></li><li id="footnote_14_847" class="footnote"><a title="Link zum Schreiben von Arnd Henze an Zapp" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">Christoph Bungartz in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007</a></li><li id="footnote_15_847" class="footnote">Quelle: <a title="Link zu den Internetseiten von Zapp" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">Internetseite von Zapp</a></li><li id="footnote_16_847" class="footnote">Auch an dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keinem einzigen der bei Zapp präsentierten eritreischen „Zeitzeugen&#8221; eine Rolle als Täter unterstellt wird. Anhand des genannten überspitzten Vergleiches soll lediglich dargelegt werden, dass die „Beweisführung&#8221; von Frau Salden hinkt.</li><li id="footnote_17_847" class="footnote">Quelle: Zapp-Sendung vom 21.02.2007.</li><li id="footnote_18_847" class="footnote">Feddersen in Zapp über Feuerherz</li><li id="footnote_19_847" class="footnote">Appelfeld, Aharon: Geschichte eines Lebens. Berlin 2005, S.129.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/08/12/wer-im-glashaus-zappt-die-zweite/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ex septentrione lux &#8230;</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Jun 2007 18:43:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=23</guid>
		<description><![CDATA[Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/' addthis:title='Ex septentrione lux &#8230; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" title="Glaubensfreiheit für die Welt" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" alt="tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/rettete-bei-breitenfeld.JPG" title="rettete bei Breitenfeld" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_rettete-bei-breitenfeld.JPG" alt="tn_rettete-bei-breitenfeld.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/gustav-adolph.JPG" title="Gustav Adolph" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_gustav-adolph.JPG" alt="tn_gustav-adolph.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/am-7-september-1631.JPG" title="am 7. September 1631" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_am-7-september-1631.JPG" alt="tn_am-7-september-1631.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/totale-gedenkstein.JPG" title="Totale des Denkmals mit Umzäunung" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_totale-gedenkstein.JPG" alt="Totale des Denkmals mit Umzäunung" /></a><br />
Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held</p>
<blockquote><p>Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi mögte straffn / Mit Gott und ritterlichen Waffn / Und das bedrengte Häufflein rettn / In äußerster gefahr und Nöthn.  O Bete nun wer beten kan / Der Löw getrost den Feind greiff an / Gott der alte Kirchen Patron / Kan uns durch diesen Gedeon / Eretten auß der Feinde Hand / Und sie stürzen mit Spott und Schand / Daß unser Mund voll lachens frey / Und unser Zung voll rühmens sey/ Weil durch den Helden in höchster Noth / Uns hat erlöst der treue Gott.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#footnote_0_23" id="identifier_0_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt.">1</a></sup></p></blockquote>
<p>Der „Löw von Mitternacht&#8221; ist der Löwe aus dem Norden (Gustav Adolf), da der Osten für Morgen, der Süden für Mittag und der Westen für Abend steht. Bei dem lateinischen Ausdruck <em>septem triones</em> handelt es sich um die Bezeichnung des Siebengestirns. Die wörtliche Übersetzung jedoch lautet: <em>die sieben Dreschochsen</em>. Die Römer nannten das Sternbild deshalb so, weil sich die sieben hellsten Sterne des Sternbilds um den Polarstern bewegen, wie Ochsen um den Göpel einer Dreschmaschine. Diese Ochsen zu hüten, ist im Übrigen die Aufgabe des benachbarten Sternbilds Bärenhüter, der auch Ochsentreiber genannt wird.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#footnote_1_23" id="identifier_1_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Schlagwort ex septentrione lux (aus dem Norden [kommt] das Licht) geht urspr&uuml;nglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zur&uuml;ck. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch w&auml;hrend der V&ouml;lkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor K&ouml;rners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst sp&auml;ter wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleurop&auml;ischer L&auml;nder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These ex oriente lux benutzt. Der Meinung dieser Anh&auml;nger v&ouml;lkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach S&uuml;den hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es v&ouml;lkischen Forschern nie, &uuml;berzeugende Beweise f&uuml;r diese arch&auml;ologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser &bdquo;Ariosophie&amp;#8221; war u.a. die ber&uuml;chtigte Thule-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender &auml;lterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des &bdquo;Dritten Reiches&amp;#8221;, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung &bdquo;nordischer&amp;#8221; bzw. &bdquo;germanischer&amp;#8221; V&ouml;lker bereits in der Ur- und Fr&uuml;hgeschichte gegen&uuml;ber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Ph&ouml;nizier und &Auml;gypter) betont und damit deren &Uuml;berlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von Ex septentrione lux wird J&uuml;rgen Spanuth gez&auml;hlt, der 1953 in seiner Ver&ouml;ffentlichung Das entr&auml;tselte Atlantis das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeurop&auml;ischer V&ouml;lker in den Mittelmeerraum postulierte. Als fr&uuml;her Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.&Auml;. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte.">2</a></sup> <em>Plejaden</em> lautet die griechische Bezeichnung für das Siebengestirn, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet. Plejaden hießen nämlich die sieben Töchter des Atlas und der Okeanide Pleione. Aufgrund ihrer Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Dem Mythos zufolge wurden die Plejaden von Zeus als Siebengestirn an den Himmel versetzt, um sie vor den Nachstellungen des Jägers Orion zu retten, doch auch dort werden sie noch immer von Orion verfolgt, dessen Sternbild sich etwa 30° südwestlich der Plejaden befindet. Die Plejaden sind etwa von Mitte September bis Ende April am nördlichen Sternenhimmel sichtbar, daher stehen sie als Synonym für die Himmelsrichtung Norden.<span id="more-23"></span>Man schrieb das Jahr 1630, als Johann t&#8217;Serclaes Graf von Tilly &#8211; der aus Wallonisch-Brabant stammende Feldmarschall der Katholischen Liga &#8211; die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland übernahm, das Kaiser Ferdinand II. (reg. 1619-37) am 6.3.1629 erlassen hatte und bei dem es im Wesentlichen darum ging, alle seit dem Passauer Vertrag (von 1552) von den Protestanten eingezogenen Stifte und Kirchengüter den Katholiken zurückzuerstatten. Dies wäre einer Rekatholisierung sämtlicher norddeutscher sowie zahlreicher süddeutscher Bistümer, Abteien und Klöster gleichgekommen. Das Edikt stellte eine offene Herausforderung der protestantischen Fürsten dar, die dadurch in ihrer Existenz gefährdet waren. Immerhin hätten sie zwei beschlagnahmte Erzbistümer, zwölf Bistümer sowie 500 Abteien wieder dem katholischen Klerus übereignen müssen. Nachdem der Jesuitenschüler Tilly bereits bei Prag und in Süddeutschland protestantische Widersacher überwiegend erfolgreich bekämpft hatte, wandte er sich gen Norden und siegte im Münsterland gegen den Herzog von Braunschweig, woraufhin ihn der Kaiser in den Grafenstand erhob. Alsdann richtete er sein Augenmerk auf den Niedersächsischen Reichskreis, der die östlichen Teile des heutigen Bundeslandes Niedersachsen, das nördliche Sachsen-Anhalt ohne die Altmark, Mecklenburg, Holstein, Hamburg und Bremen sowie weitere kleine Gebiete umfasste. Hier begann er bereits vor Erlass des o.g. Ediktes mit der gewaltsamen Restitution protestantischer Bistümer und Klöster an die katholische Kirche sowie an die Jesuiten. Seine Truppen belagerten mehrere niedersächsische Städte und ergriffen plündernd und mordend von ihnen Besitz. So wurde beispielsweise auch Göttingen belagert und beschossen. Um die Stadt von der Wasserzufuhr abzuschneiden, ließ Tilly dort sogar durch Harzer Bergleute die Leine umleiten. Schließlich eroberte er Anfang August 1626 auch Göttingen. Ende des gleichen Monats schlugen Tilly und Wallenstein den Dänenkönig Christian IV. und den mit ihm verbündeten Graf Mansfeld in der Schlacht bei Lutter am Barenberge (südlich von Salzgitter). König Christian IV. war in seiner weiteren Funktion als Herzog von Holstein auch deutscher Reichsfürst und gehörte somit zum oben erwähnten Niedersächsischen Reichskreis, der ihn zu seinem Feldobristen gewählt hatte. Im Anschluss an die Niederlage Christians vertrieben Wallensteins und Tillys Armeen die Dänen aus Niedersachsen und verfolgten sie nach Jütland. Holstein, Mecklenburg und Pommern wurden erobert. Im Frieden von Lübeck verpflichtete sich Dänemark bei Rückerhalt seiner besetzten Gebiete zur Nichteinmischung in die deutschen Streitigkeiten und schied somit aus dem Dreißigjährigen Krieg aus.<br />
Nun sah Gustav Adolf von Schweden die Chance gekommen, seine hegemonialen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen und Schweden zur Ostseevormacht zu erheben. In der protestantischen Bevölkerung wurde und wird Gustav Adolf oft als Retter des Protestantismus idealisiert, wobei jedoch außer acht gelassen wird, dass dieser natürlich auch Machtpolitiker war, der seinen Einfluss maximieren wollte. Die Rettung des Protestantismus ist ihm, zumindest was Deutschland anbetrifft, sicher zuzuschreiben, doch war dies wohl kaum sein Hauptaugenmerk. Wie der 30-jährige Krieg nur zum Teil konfessionell motiviert war, so war es auch nur bedingt Gustav Adolfs Ziel, Solidarität mit den Protestanten Norddeutschlands zu üben. Das Beispiel Frankreich eignet sich hervorragend, um zu zeigen, dass die Konfession auch im Dreißigjährigen Krieg durchaus hinter das Machtstreben zurücktrat. Das katholische Frankreich nämlich, das sich von den ebenfalls katholischen habsburgischen Landen Spanien, Burgund und Niederlande umklammert fühlte, unterstützte in finanzieller Weise die überwiegend calvinistische Utrechter Union (Unie van Utrecht), aus der später die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande und schließlich das Vereinigte Königreich der Niederlande hervorging. Hier lag der sogenannte habsburgisch-französische Gegensatz zugrunde &#8211; ein Konflikt zwischen dem Haus Habsburg und dem Königreich Frankreich um die Vorherrschaft in Europa, der von 1516 bis 1756 andauerte. Der aus dem Haus Habsburg stammende Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Ferdinand II. war &#8211; wie Tilly &#8211; von Jesuiten erzogen worden, die ihm einen unversöhnlich Hass gegen den Protestantismus einimpften. Sicherlich war ihm sein Ziel der Rekatholisierung daher eine aufrichtige Herzensangelegenheit, doch gleichzeitig war es natürlich sein Ziel seine ganz weltliche Macht auszudehnen bzw. zu reetablieren. Und eben diese weltliche Macht des habsburgischen deutschen Kaisers wollte Frankreich nicht weiter ausgedehnt wissen. Kardinal Richelieu, der als erster Minister Ludwigs XIII. die Fäden der französischen Politik in den Händen hielt, scheute daher nicht davor zurück, sich über den Bund mit den protestantischen Niederlanden hinaus im Jahr 1631 im Vertrag von Bärwalde (in der heutigen polnischen Woiwodschaft Westpommern gelegen) mit dem protestantischen Schweden gegen den deutschen Kaiser zu verbünden. Frankreich verpflichtete sich darin, sich mit 40.000 Reichstalern an den schwedischen Kriegskosten zu beteiligen. Vorerst beschränkten sich die Franzosen also auf diese Art von indirekter Parteinahme. Im Jahr 1635 erklärte Frankreich Spanien und Ferdinand II. den Krieg, griff somit nun auch direkt ins Kampfgeschehen ein und kämpfte zum Teil auch im Verein mit schwedischen Truppen besonders im badischen und schwäbischen Raum gegen kaiserliche Armeen aber auch an der Grenze zu Spanien. Gustav Adolf nun sah sich also nach dem Ausscheiden Dänemarks am Zug, um dem weiteren Vordringen der Katholischen Liga in Norddeutschland Einhalt zu gebieten und diese womöglich gar zurückzudrängen. So landete er mit seinen Truppen am 4. Juli 1630 auf Usedom. So sehr mit dieser Landung sicherlich die Hoffnung verbunden war, Schweden als Ostseevormacht zu etablieren, so handelte es sich dabei wohl zunächst und vordringlich um eine Präventivmaßnahme, schließlich rückten Wallensteins und Tillys Truppen in bedrohliche Nähe zum protestantischen Schweden. Während sich Frankreich wie oben beschrieben aus freien Stücken mit Schweden verbündete, musste Gustav Adolf seine „natürlichen&#8221; Verbündeten, die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, die eigentlich vorzogen, neutral zu bleiben, zu Bündnisverträgen zwingen.<br />
Noch bevor jedoch dieses Bündnis gegen die Katholische Liga vorgehen konnte, vollbrachte Tilly noch das, was unter der Bezeichnung „Magdeburger Hochzeit&#8221; in die Annalen eingegangen ist. Dahinter verbirgt sich das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges. Verheiratet wurden hierbei sinnbildlich auf höchst gewaltsame Weise die widerspenstige „Magdeburger Jungfrau&#8221;, wie sie sich im Wappen der Stadt findet mit dem Kaiser bzw. mit dem in dessen Sinn handelnden „Freier&#8221; Tilly. Dieser griff mit etwa 26.000 Soldaten die Domstadt am 20. Mai 1631 &#8211; nach zehntägiger Belagerung &#8211; an, als die Truppen Gustav Adolfs nur noch wenige Tagesmärsche entfernt waren &#8211; zu weit, um helfend einzugreifen bzw. weit genug, um Tilly noch nicht gefährlich werden zu können. Andere kaiserliche Truppenverbände hatten sich Gustav Adolfs Truppen in den Weg gestellt und sie somit aufgehalten. Magdeburg wurde nun rücksichtslos geplündert und verwüstet, seine Bevölkerung massakriert. Währenddessen wurde die Stadt in Brand gesetzt &#8211; mit fatalen Folgen. Von den 30.000 als vogelfrei geltenden Einwohnern überlebten nur etwa 10.000, von denen viele ihr Heil in der Flucht suchten oder sich freikauften, so es ihre Mittel zuließen. Wieder andere wurden als Konkubinen und Dienstboten von Tillys Truppen verschleppt. Eine amtliche Zählung nach diesem Ereignis ergab nur noch 449 Einwohner. Es sollte bis hinein ins 19. Jahrhundert dauern, dass Magdeburg seine alte Einwohnerzahl wieder erreichte &#8211; die Stadt wurde also um mindestens 200 Jahre in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Magdeburg versank in Schutt und Asche, lediglich der Dom, das Kloster Unser Lieben Frauen und einige Häuser am Domplatz überdauerten dieses sich über mehrere Tage hinziehende Inferno. Viele der Überlebenden waren zudem gezwungen, die Stadt zu verlassen, weil ihnen durch die enormen Zerstörungen die Lebensgrundlage entzogen war, außerdem dezimierten bald ausbrechende Seuchen die Bevölkerung zusätzlich. Den großen Magdeburger Trümmerhaufen benannte Tilly dann feinfühligerweise in Marienburg um. Um die Demütigung noch perfekt zu machen und natürlich zum Zeichen des Sieges des Katholizismus, wurde am 25. Mai unter dem Beisein Tillys ein katholischer Gottesdienst im bis dahin längst protestantischen Magdeburger Dom abgehalten. Mit dieser ungeheuerlichen Zerstörung der Stadt fand das Verb „magdeburgisieren&#8221; Eingang in den deutschen Sprachgebrauch als Synonym für „völlig zerstören, auslöschen&#8221;. Historiker sprechen etwas anachronistisch vom „Hiroshima des 17. Jahrhunderts&#8221;. Drei Jahrhunderte lang blieb dieses Ereignis sowohl für deutsche Evangelische als auch für deutsche Katholiken Inbegriff und Metapher des Schreckens und wäre es sicher noch bis heute geblieben, hätten nicht die Schlachten des Ersten Weltkrieges (Schlacht an der Somme, Schlacht um Verdun) sowie die von den Deutschen verschuldeten Schrecken des Zweiten Weltkrieges alles zuvor Dagewesene übertroffen. Die gezielte Zerstörung einer einzelnen Stadt wurde zunächst von den Deutschen im Jahr 1937 in Guernica praktiziert, 1939 in Warschau, 1940 dann in Coventry, woher sich auch der NS-Euphemismus „coventrieren&#8221; ableitete, sowie im gleichen Jahr in Rotterdam. Dann 1940/41 „The Blitz&#8221; in London sowie 1942 „Baedeker Blitz&#8221; &#8211; Vergeltungsangriffe deutscher Flieger auf englische Städte. In den Jahren 1942/43 erlitt Stalingrad seine vollständige Zerstörung. Hamburg erhielt seine Quittung für die Naziverbrechen von der Royal Air Force und der USAAF in Form der „Operation Gomorrha&#8221;. Dieser Bezug auf die der Sünde anheimgefallenen alttestamentlichen Städte Sodom und Gomorrha und deren vollständige Vernichtung durch Gott mittels Regen aus Feuer und Schwefel erwies sich auf grausame Weise als ziemlich passend, da auch Hamburg nicht zuletzt auch durch ungünstige Winde einen Feuersturm erlebte. Der Operation fielen etwa 35.000 Menschen zum Opfer. Im Jahr 1945 fielen in Dresden schließlich wahrscheinlich etwa ebenso viele Menschen britischen und amerikanischen Luftangriffen zum Opfer, wobei die Angaben der Opferzahlen weit auseinandergehen, da die Lage in der Stadt zu diesem Zeitpunkt sehr chaotisch war, insbesondere durch großen Flüchtlingsströme aus Schlesien, die zu diesem Zeitpunkt auch in Dresden Unterschlupf suchten. Nicht vergessen werden darf der schwerste konventionelle Bombenangriff der Menschheitsgeschichte, der sich nicht etwa auf deutschem Boden ereignete, sondern in Tokio und zwar am 9. März 1945. Hierbei fanden über 100.000 Menschen den Tod. Nur die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki im August 1945 überstiegen diese Zahl mit 155.000 Todesopfern. Dabei handelt es sich jedoch nur um die Menschen, die sofort nach der Explosion starben. Noch einmal 110.000 Menschen fanden nur wenige Wochen darauf durch die Folgen der radioaktiven Verstrahlung den Tod. Zudem starben etwa 100.000 Menschen in den Jahren und Jahrzehnten nach diesem Ereignis an Folgeschäden. Hiroshima wurde somit zum Inbegriff der schlimmsten gezielten Zerstörung einer Stadt und löste alle zuvor dagewesenen, wie eben auch Magdeburg ab. Die „Magdeburger Bluthochzeit&#8221;, der „Magdeburger Opfergang&#8221; oder auch die „Passion der Magdeburgischen Jungfrau&#8221; entwickelte sich zum Mythos und wurde ein wesentlicher Bestandteil preußisch-protestantischer Geschichtsschreibung. Das 1680 Preußen einverleibte Magdeburg dient dort als Mahnung vor der „Eifersucht der deutschen Stämme&#8221;, vor der Selbstzerstückelung Deutschlands (wie sie Günter Grass in „Das Treffen in Telgte&#8221; thematisiert, wo er deutsche Schriftsteller und Dichter in einem fiktiven Treffen miteinander über die Zeit nach dem Krieg debattieren lässt (eine Anspielung auf die Treffen der Gruppe 47 nach dem 2. Weltkrieg):</p>
<blockquote><p>Es mündet die Klage über die Zerstörung Magdeburgs [...] in umfassende Trauer über das sich selbst zerstückelnde Deutschland.</p></blockquote>
<p>Statt sich selbst zu zerfleischen, sollte Deutschland aus preußischer Sicht ein starkes geeintes Imperium werden, allerdings natürlich unter protestantischem Vorzeichen und preußischer Vormacht, so wie es die &#8220;Kleindeutsche Lösung&#8221; des Jahres 1848 vorgesehen hatte und wie es im Jahr 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches mit einem preußischen Kaiser an seiner Spitze dann auch verwirklicht wurde. Die Katholiken im Reich bekamen bald nach der Reichsgründung zu spüren, dass man ihnen in der Regierung nicht wohl gesonnen war. Das lag nicht allein an lange zurückliegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Protestantismus und Katholizismus, sondern auch an ganz aktuellen Gegensätzen beider Konfessionen. So hatte Papst Pius IX. sieben Jahre vor der Reichsgründung den sogenannten „Syllabus Errorum&#8221; veröffentlichen lassen, ein „Verzeichnis der Irrtümer&#8221; also, in denen 80 Thesen als falsch verurteilt wurden. Darunter waren freie Religionswahl und -ausübung, natürlich der Protestantismus, Rationalismus, Indifferentismus, Kommunismus, Liberalismus u.a. Es wurde auch allgemein für falsch erklärt, dass man das ewige Heil und die ewige Seligkeit auf einem anderen Weg als auf dem des Katholizismus erlangen könne. Hinzu kam das 1869/70 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (Vaticanum I) verkündete Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, demzufolge der Papst bei der Verkündigung von Lehrentscheidungen (ex cathedra) in Glaubens- und Sittenfragen unfehlbar sei. Auf dem Konzil wurden zudem Atheismus, Materialismus, Pantheismus und Agnostizismus verurteilt. Diese Verlautbarungen des Papstes wurden von Bismarck als massiver Angriff der Kirche auf die herrschende moderne, durch die Forschungsergebnisse der Naturwissenschaften gestützte Weltanschauung und als ein für den Staat untragbarer Herrschaftsanspruch der römischen Kurie über den katholischen Volksteil des Reiches gedeutet. An diesen Meinungsverschiedenheiten entzündete sich dann ein etwa zwanzig Jahre andauernder Konflikt &#8211; der Kulturkampf, in dessen Zuge Bismarck eine Reihe von Beschlüssen erließ, die Repressionen der Katholiken im Reich nach sich zogen. So z.B. den Kanzelparagraphen, der es Geistlichen untersagte, sich von der Kanzel herab in staatliche Angelegenheiten einzumischen, was sich vor allem gegen katholische Geistliche richtete. Als weitere bzw. eigentliche Motive Bismarcks für den Kulturkampf werden dessen Abwehrstellung gegen das klerikale Frankreich und Österreich gesehen. Zudem wird der Kulturkampf mitunter als Präventivkrieg gegen eine potentiell reichsfeindliche katholische Opposition verstanden, die insbesondere auch in der polnisch-katholischen Bevölkerung in den Ostprovinzen gesehen wurde. Der Einfluss der Kurie auf diese Minderheit sollte zurückgedrängt und minimiert werden sowie die Rechte der Minderheit selbst beschnitten werden. So wurde am 10.12.1871 auf Antrag Bayerns (!) der o.g. Kanzelparagraph eingeführt. Ein Jahr darauf wurde mit dem Jesuitengesetzt die Gesellschaft Jesu und ihr verwandte Orden verboten sowie ihre Geistlichen außer Landes gezwungen. Höhepunkt aber waren die preußischen Maigesetze der Jahre 1873, 1874 und 1875. Unter anderem wurden Geistliche darin verpflichtet, eine staatliche Prüfung abzulegen. Zudem musste die die Ernennung von Geistlichen staatlichen Behörden gemeldet werden (Anzeigepflicht), wobei sich der Staat ein Widerspruchsrecht gegen diese Ernennung ausbedang. Unbotmäßige Bischöfe konnten von nun an von einem staatlichen Gericht abgesetzt und des Landes verwiesen werden. Von diesem Gesetzt wurde auch rasch und umfassend Gebrauch gemacht. Zunächst wurden die Erzbischöfe von Köln und Posen/Gnesen, die Bischöfe von Paderborn, Breslau, Münster und Limburg für abgesetzt erklärt. Im Jahr 1876 waren dann alle preußischen Bischöfe verhaftet oder ins Ausland geflohen sowie zahlreiche andere zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt. Im Jahr 1875 wurden zudem alle Orden bzw. ordensähnlichen Kongregationen, abgesehen von solchen, die sich der Krankenpflege widmeten, verboten. Am 2.2.1875 verurteilte der Papst in der Enzyklika „Quod numquam&#8221; die Kulturkampfgesetze und erklärte sie für nichtig. Dieser Schlagabtausch wurde durch Bismarcks „Brotkorbgesetz&#8221; im April 1875 fortgesetzt. Der staatliche Brotkorb wurde damit sinnbildlich weit nach oben gehängt, indem der katholischen Kirche sämtliche staatlichen Zuschüsse gestrichen wurden. Damit bezweckte man, sich die Kurie gefügig zu machen sowie die Anerkennung des Kaiserreichs durch die Kurie. Bischöfe und Geistliche, die schriftlich diese Anerkenntnis leisteten, sollten die staatlichen Leistungen wieder erhalten. Im Grunde genommen handelte es sich also um Erpressung. Letztendlich scheiterte Bismarck jedoch mit seinem Versuch, eine klare staatliche Kirchenhoheit zu errichten. Nicht zuletzt die Innenpolitik zwang ihn zu einem Ausgleich mit den Katholiken und ihrem politischen Arm, dem Zentrum. So brauchte er die Unterstützung der Zentrumspartei beispielsweise für das Sozialistengesetz. Aus dem Kulturkampf gegen die Katholiken hatte Bismarck jedoch die Lehre gezogen, dass allein repressive Maßnahmen nicht automatisch zum Erfolg führten, weshalb er nun im Kampf gegen die „vaterlandslosen Gesellen&#8221; und „Reichsfeinde&#8221; von der Sozialdemokratie neben der „Peitsche&#8221; auch das „Zuckerbrot&#8221; zur Anwendung brachte. So kam es neben Verboten auch zur für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Sozialgesetzgebung, mit der Bismarck den Sozialdemokraten und Gewerkschaften den Wind aus den Segeln zu nehmen gedachte. Um sich die Katholiken wider gewogen zu machen, ließ Bismarck bis 1891 fast alle Kulturkampfgesetze wieder aufheben und blieb so seiner Aussage: „Nach Canossa gehen wir nicht!&#8221; doch nicht recht treu. Einige Gesetze überdauerten jedoch den Jahrhundertwechsel. So blieb das Jesuitengesetz bis 1917 in Kraft. Der Kanzelparagraph wurde in der Bundesrepublik gar erst 1953 aufgehoben. Manches Gesetz gilt sogar bis zum heutigen Tag. Zu nennen wäre zunächst das Schulaufsichtsgesetz. Damit wurde im Kulturkampf die bis dahin praktizierte kirchliche Schulaufsicht für das Volksschulwesen beendet und durch eine staatliche Aufsicht ersetzt. Darüber hinaus hat das Zivilehegesetz bis heute Bestand. Die Zivilehe ermöglichte beispielsweise bereits geschiedenen Personen eine erneute Heirat aber auch Mitgliedern anderer Konfessionen (wie z.B. Freikirchen), die aus der Staatskirche ausgetreten waren oder auch Freireligiösen die Ehe. Der Kulturkampf leistete somit auch einen Beitrag zur Modernisierung Deutschlands, brachte er doch die Trennung von Kirche und Staat voran. Anders als beispielsweise in Frankreich oder der Türkei wird die Trennung von Religion und Staat in Deutschland jedoch nicht streng laizistisch gehandhabt, sondern eher partnerschaftlich. So treibt der Staat beispielsweise die Kirchensteuer ein. An staatlichen Schulen darf Religion gelehrt werden. Christliche Kindergärten und Schulen werden vom Staat bezuschusst. In mancher Schule und in einigen Gerichtssälen hängen Kruzifixe bzw. Kreuze. Der Magdeburg-Mythos trieb jedoch noch weitere Blüten. So funktionierten deutsche Nationalisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts diesen ursprünglich konfessionellen Konflikt völkisch um. Das katholisch-kaiserliche Lager galt ihnen als „fremdländisches, welsches Romanentum&#8221;, während die protestantische Seite mit Gustav Adolf das „nordische Germanentum&#8221; symbolisierte. Also zurück nach Magdeburg. Kaum eine Stadt war den Katholiken ein größerer Dorn im Auge. Nachdem Magdeburg sich 1524 zur Reformation bekannt hatte, trat es 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Zentrum des Widerstandes gegen die Rekatholisierung. Den Protestanten galt die Stadt als „unseres Herrgotts Kanzlei“ sowie als „heilige Wehrstadt des Protestantismus&#8221;, dem Papst hingegen als „Ketzernest&#8221;. Zahlreichen Protestanten von außerhalb bot Magdeburg zudem Zuflucht. Nachdem Kaiser Karl V. 1547 den Schmalkaldischen Bund im Schmalkaldischen Krieg besiegt hatte, sann er auf eine Entspannung mit den Protestanten und erließ daher 1548 auf dem Augsburger Reichstag (auch „Geharnischter Reichstag&#8221; genannt) das sogenannte Augsburger Interim. Dabei handelt es sich um ein Ausnahmegesetz gegen die Evangelischen, das nur wenige Zugeständnisse (Laienkelch, Priesterehe) beinhaltete, weshalb es bei einer Vielzahl evangelischer Länder und Städte auf Widerstand stieß, zu denen auch die freie Reichsstadt Magdeburg gehörte, die als geistiges Zentrum dieses Widerstandes galt. Aber auch die Katholiken waren mit dieser „Zwischenkonfession&#8221; keineswegs einverstanden, sahen sie darin doch ein Aufweichen ihrer Positionen. Kaiser Karl V. beauftragte den albertinischen Wettiner Moritz, Herzog von Sachsen damit, gegen den sich formierenden protestantischen Widerstand, insbesondere in Magdeburg vorzugehen. Dass Karl einen Protestanten damit beauftragte, den protestantischen Widerstand zu bekämpfen, mag zunächst etwas seltsam anmuten, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als der Versuch der fortgesetzten Verfolgung des Prinzips „divide et impera&#8221; (lat. für „teile und herrsche&#8221;) von Seiten des Kaisers. Ganz im Sinne dieses Prinzips &#8211; nämlich Zwietracht im Lager des Gegners zu säen bzw. bestehende zu verstärken und diese Widersacher gegeneinander aufzubringen, um sie auf diese Weise zu neutralisieren, zu schwächen und leichter besiegen zu können &#8211; hatte Kaiser Karl V. Moritz von Sachsen bereits 1546 damit beauftragt, die von ihm gegen Moritz&#8217; Vetter Kurfürst Johann Friedrich I. verhängte Reichsacht zu vollstrecken. Nun war Johann Friedrich Kurfürst des ernestinischen Kursachsens und sein Vetter Moritz Herzog des albertinischen Herzogtums Sachsen. Diese Aufspaltung der wettinischen Dynastie in zwei Linien hatte sich im Jahr 1485 durch die Unterzeichnung eines Teilungsvertrags in Leipzig (Leipziger Teilung) ereignet. Darin waren die Brüder übereingekommen, ihre Ländereien untereinander aufzuteilen. Als Älterem gebührte Ernst das mit der Kurwürde verbundene Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Aber es wurde auch beschlossen, einen Teil des väterlichen Erbes weiterhin gemeinsam zu verwalten. Ein halbes Jahrhundert später hatten nun die Vettern Moritz und Johann Friedrich die Positionen jener Brüder eingenommen. Der fünfzehnjährige Moritz war für drei Jahre von seinen Eltern zur Erziehung in die Obhut seines 18 Jahre älteren Vetters Johann Friedrich in dessen Residenz nach Torgau gegeben worden, der ihm (seitdem?) verhasst war. Nur ein Jahr, nachdem der zwanzigjährige Moritz seinem Vater, nach dessen Tod im August 1541, im Amt des Herzogs von Sachsen nachfolgte, kam es fast zum bewaffneten Konflikt zwischen beiden Vettern, der nur durch die Intervention Martin Luthers sowie die von Moritz&#8217; Schwiegervater Philipp von Hessen noch einmal abgewendet werden konnte. In dieser sogenannten „Wurzener Fehde&#8221; gerieten die Vettern über das gemeinsam verwaltete Wurzener Stift in Streit. Johann Friedrich hatte dort einseitig eine „Türkensteuer&#8221; erhoben, als Beitrag zur Finanzierung des Kampfes gegen die Osmanen („Türkengefahr&#8221;). Genauso wie dieser Schritt mit dem Vetter hätte abgesprochen werden müssen, so auch Johann Friedrichs Versuche, im Wurzener Stift die Reformation einzuführen. Moritz fühlte sich übergangen. Da Wurzen die Steuer nicht zahlen wollte, ließ Johann Friedrich etwa zehn Dutzend Mann der Torgauer Geharnischten Kompanie &#8211; die Hälfte davon beritten &#8211; nach Wurzen ausrücken, um die Steuer einzutreiben. An diesem Punkt schritt Moritz nun ein und sandte den Torgauer Mannen eine eigene Streitmacht entgegen. Der Streit wurde unblutig beendet, doch konnte hier jedermann sehen, dass nicht viel fehlte, um die Vettern gegeneinander ins Feld zu schicken. Während nun Johann Friedrich ein eifriger Verfechter und Verbreiter des Protestantismus war, stand es um seinen Vetter Moritz etwas anders. Der hatte zu berücksichtigen, dass der Bruder Karls V., Ferdinand als König von Böhmen und Stellvertreter des Kaisers sein unmittelbarer Nachbar war. Seine Räte legten ihm daher nahe, sich mit ihm gut zu stellen. So betrieb der Protestant Moritz eine doppelgleisige Politik. Er beteiligte sich einerseits an den Feldzügen Karls V. gegen Türken und Franzosen und konfiszierte andererseits katholisches Kirchengut, womit er sich enorm bereicherte, wovon er aber auch die Fürstenschulen Schulpforta bei Bad Kösen, Sankt Afra in Meißen und Sankt Augustin in Grimma stiftete. Während Johann Friedrich Mitglied im Schmalkaldischen Bund war und im Schmalkaldischen Krieg an seiner Spitze stand, hielt sich Moritz aus seiner Antipathie gegen Johann Friedrich heraus von dem Bund fern. Eben jene Zerwürfnisse im evangelischen Lager waren es, die den Kaiser auf die Idee brachten, Moritz mit der Vollstreckung einer Reichsacht zu beauftragen, die er 1546 gegen Moritz&#8217; ungeliebten Vetter Johann Friedrich verhängt hatte, weil ihm dessen energische Beharrlichkeit bei der Einführung des evangelischen Glaubens zu weit ging. Moritz muss angesichts dieses Auftrags hin- und hergerissen gewesen sein zwischen seiner Loyalität zur evangelischen Sache und der sich eröffnenden Möglichkeit, den Vetter zu schwächen oder gar aus dem Weg zu räumen. Zudem hegte Moritz die Hoffnung, nach erfolgreicher Vollstreckung der Acht, vom Kaiser die Kurwürde Johann Friedrichs übertragen zu bekommen. Doch die Sache hatte noch einen weiteren Haken. Ein Angriff auf Johann Friedrich würde mit hoher Wahrscheinlichkeit dessen Verbündete aus dem Schmalkaldischen Bund auf den Plan rufen, darunter auch Moritz&#8217; Freund und Schwiegervater Philipp I., Landgraf von Hessen und zugleich Hauptmann des Bundes. Das Für und Wider abwägend, zögerte Moritz lange, fast zu lange, denn Ferdinand, der Bruder des Kaisers, machte inzwischen Anstalten, selbst mit einem Heer gegen Johann Friedrich zu ziehen. Dies musste Moritz verhindern, wollte er nicht die Initiative oder gar die Kontrolle über die Ereignisse verlieren. Also zog er gegen seinen Vetter und besetzte Kursachsen nahezu kampflos. Doch dann wurde er von den Truppen des Schmalkaldischen Bundes gen Böhmen abgedrängt, wo jedoch die Truppen Ferdinands und des Kaisers zu ihm stießen und den Schmalkaldischen Bund am 24. April 1547 endgültig besiegten. Johann Friedrich wurde von den Truppen des Kaisers gefangen genommen. Um seiner Enthauptung zu entgehen, verzichtete er in der &#8220;Wittenberger Kapitulation&#8221; zugunsten von Moritz auf seine Kurfürstenwürde und die Gebiete östlich der Saale, die einen Großteil seines Territoriums ausmachten. Doch auch Philipp I. geriet in kaiserliche Gefangenschaft und war somit dem Einfluss seines Schwiegersohnes Moritz entzogen. Moritz versicherte ihm zwar, dass er nicht eingekerkert werde, wenn er sich dem Kaiser ergäbe. Er wurde jedoch in Haft genommen und später außer Landes gebracht, obwohl er den Rat seines Schwiegersohnes beherzigte und sich vor Karl V. auf die Knie geworfen hatte. Der Verrat an der evangelischen Sache und am eigenen Schwiegervater trug Moritz im Volk zunächst die Beschimpfung als Judas ein. Zugleich war Moritz aber vom Kaiser enttäuscht, da er sich von ihm eine Verschonung seines Schwiegervaters erhofft hatte. Diese Enttäuschung sollte schwerwiegende Konsequenzen für die spätere Politik Moritz&#8217; gegenüber dem Kaiser haben. An dieser Stelle soll wieder an das bereits weiter oben erwähnte Augsburger Interim angeknüpft werden. Sowohl bei den Katholiken als auch natürlich bei den Evangelischen stieß diese Zwischenkonfession auf Ablehnung. Es sollten noch fast genau drei Jahre vergehen, bis sich wieder protestantische Fürsten insgeheim gegen den Kaiser verbündeten, ungeachtet der Niederlage, die dem Vorgängerbündnis &#8220;Schmalkaldischer Bund&#8221; zugefügt worden war. Der Kaiser, der wohl annahm, dass Moritz durch den Erhalt der Kurwürde und den Gewinn einer beträchtlichen Menge Territoriums absolut loyal sein würde, beauftragte ihn abermals mit der Vollstreckung einer Reichsacht. Diesmal sollte er die 1547 gegen Magdeburg verhängte Reichsacht vollstrecken. Magdeburg sollte bestraft werden, weil es sich nicht dem Augsburger Interim nicht beugen wollte. Moritz schien diesem Auftrag zunächst nachzukommen, indem er gegen Magdeburg zog und dort auch am 9. September 1551 als Reichsfeldherr einmarschierte. Doch er hatte in Wirklichkeit aus Enttäuschung über Karl V. längst die Seiten gewechselt und sich 1551 im Vertrag von Torgau mit der Domstadt und den anderen Gegnern des Kaisers im Fürstenbund verbündet. Im Einzelnen waren dies: Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, der Landgraf Wilhelm von Hessen sowie der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Preußen. Zudem erkor man Frankreich zum Verbündeten, das aufgrund des bereits weiter oben erwähnten habsburgisch-französische Gegensatzes um die Vorherrschaft in Europa ein Interesse daran hatte, Karl V. zu schaden. Das Bündnis mit dem französischen König Heinrich II. (Henri II) wurde 1551 in Lochau bei Torgau geschlossen. Im Herbst des gleichen Jahres erklärte Frankreich dann dem Kaiser den Krieg und stieß bis zum Rhein vor. Im Januar 1552 sicherte Frankreich im Vertrag von Chambord den protestantischen Fürsten zusätzlich Hilfsgelder und Waffenhilfe zu. Diese versprachen im Gegenzug, Frankreich die grenznahen Bistümer Metz, Toul, Verdun und Cambrai zu überlassen. Neben der Verteidigung des Protestantismus planten die deutschen Fürsten auch die Befreiung des Landgrafen Philipp von Hessen. Die Truppen der Protestanten eroberten rasch die süddeutschen kaisertreuen Städte und drangen im März 1552 bis Tirol vor. Die katholischen Reichsstände verhielten sich dabei betont neutral, da auch sie kein Interesse an einer zu starken Machtausdehnung des Kaisers hatten. Nur knapp entging Karl V. seiner Gefangennahme in der kaiserlichen Residenz Innsbruck. Er floh über die Alpen nach Villach in Kärnten, um neue Truppen zu sammeln. Doch währenddessen kam es in Linz bereits zu Verhandlungen zwischen den protestantischen Fürsten unter Moritz von Sachsen mit Karls Bruder Ferdinand, dem König von Böhmen, die später in Passau fortgesetzt und deren Ergebnisse dort auch am 2. August 1552 vertraglich fixiert wurden. Daher ist die Rede vom Passauer Vertrag. Dieser beinhaltete im Wesentlichen Folgendes: 1. Aufhebung des Augsburger Interims (die Erfolge Kaiser Karls V. im Schmalkaldischen Krieg wurden somit zunichte gemacht) 2. die Forderung nach einem dauernden Religionsfrieden 3. die Freilassung Johann Friedrichs von Sachsen sowie Philipps von Hessen. Moritz hatte sich also für seinen Verrat am Protestantismus nunmehr durch seine vom Passauer Vertrag gekrönten Kampf in den Augen der Protestanten rehabilitiert. Sein Schwiegervater und Freund war wieder auf freiem Fuß, ebenso sein ungeliebter Vetter, wenngleich in keiner Weise mehr ebenbürtig. Denn der territoriale Gewinn und die Kurfürstenwürde verblieben bei Moritz. Viel Zeit verblieb Moritz jedoch nicht, um diese weltlichen Güter zu genießen. Ein Jahr nach dem Passauer Vertrag erlag er in der Schlacht bei Sievershausen bei Lehrte in der Nähe von Hannover im Alter von 32 Jahren einer Schussverletzung im Unterleib. Der Passauer Vetrag stellte die formale Anerkennung des Protestantismus dar, die drei Jahre später, am 25. September 1555 im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden reichsrechtlich festgeschrieben wurde. Darin wurde den Reichsständen und den Reichsrittern das Recht garantiert, sich einer der beiden Konfessionen anzuschließen und ihren Untertanen, die dem Religionsbann unterstanden, die Annahme des gleichen Bekenntnisses vorzuschreiben. Dieses Recht wurde später von dem Greifswalder Kanonisten J. Stephani (1544-1623) in eine knappe Formel gefasst: „Cuius regio, eius religio.&#8221; Den nicht leibeigenen Untertanen eines weltlichen Fürsten, die diesem nicht in dessen Bekenntnis folgen wollten, gewährleistete der Augsburger Religionsfrieden das Recht des freien Abzugs in konfessionsverwandte Territorien (Auswanderungsfreiheit bzw. Jus emigrationis). Dieses Recht kam jedoch in der Praxis einer obrigkeitlichen Ausweisungsbefugnis näher. Nicht eingeschlossen in den Religionsfrieden waren übrigens die Anhänger Zwinglis, Calvins, die Täufer sowie andere. Der Augsburger Religionsfriede besiegelte die konfessionelle Spaltung, indem er das Bekenntnis an das Territorium band, sicherte aber dem Reich als Überbau Einheit und Frieden. Die Untertanen gewannen durch den Religionsfrieden also eigentlich keine Freiheit. Ganz anders die Fürsten, die nun die Freiheit hatten, ihre Religion zu wählen. Somit wurde ein Sieg der Territorialherren über das Reich errungen, der Sieg der fürstlichen „Libertät&#8221; über die Zentralgewalt, der Sieg über die Idee des universalen christlichen Kaisertums. Der gleichzeitig vereinbarte allgemeine Landfrieden sicherte dem Reich zunächst einen inneren Frieden. Es sollten 63 Jahre ins Land gehen, bis sich mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1618 die religiösen aber eben auch hegemonialen Gegensätze aufs Neue in großer Heftigkeit und Grausamkeit entluden. Dies führt nun wieder zu Gustav Adolf. Wie beschrieben kamen seine Truppen zu spät, um die Zerstörung Magdeburgs zu verhindern. Doch auf dennördlich von Leipzig gelegenen Feldern zwischen den Dörfern Breitenfeld, Podelwitz und Wiederitzsch trafen am 17. September 1631 das 45.000 Mann starke vereinigte schwedisch-finnisch-sächsische Heer unter Gustav Adolf und das 35.000 Mann zählende kaiserliche Heer unter Tilly aufeinander. Die bis dahin unbesiegte kaiserliche Armee erlitt dabei eine vernichtende Niederlage. Während Tilly den Nimbus der Unbesiegbarkeit verlor, erwarb sich Gustav Adolf den Ruf als Retter des deutschen Protestantismus. Die Schlacht bei Breitenfeld wurde so zu einem Wendepunkt im Dreißigjährigen Krieg. Die Reihe der Siege der katholischen Liga war durchbrochen. Mitteldeutschland blieb den Schweden überlassen. Tilly gelang es auch nicht, den nun folgenden Vormarsch der Schweden in Richtung Süddeutschland aufzuhalten. Er zog sich nach Ingolstadt zurück, um Bayern zu decken. Die Schweden nahmen Nürnberg ein, ebenso Donauwörth, um daraufhin auch Ingolstadt zu erobern. In der Schlacht bei Rain am Lech wurde Tilly tödlich verwundet. Daraufhin fiel Gustav Adolf in Bayern ein und eroberte Augsburg und sogar München. Nun stand noch der vom Schwedenkönig konzipierte Entscheidungsfeldzug gegen Wien bevor. Unter dem Eindruck der Niederlagen ernannte der Kaiser den zuvor in Ungnaden gefallenen Wallenstein wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee. Diesem gelang es, die Schweden und deren Verbündete zum Rückzug zu zwingen. Bei Nürnberg lagen sich beide Heere in gesicherten und verstärkten Lagern gegenüber. Der folgende zweimonatige Stellungskrieg richtete in der Region um Nürnberg starke Verwüstungen an und löste in der durch Flüchtlinge und Soldaten überfüllten Stadt durch Hunger und Seuchen ein Massensterben aus. Von den zermürbenden und blutigen Gefechten geschwächt, räumten die Schweden das Feld und zogen sich wieder gen Norden zurück, wo es zu Gustav Adolfs letzter Schlacht kommen sollte, auf die an anderer Stelle gesondert eingegangen werden soll. Das oben abgebildete Denkmal wurde 1831 anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht bei Breitenfeld errichtet. Die Inschrift stammt vom Stadtgerichtsrat Heimbach aus Leipzig.</p>
<p class="MsoNormal">Literatur:</p>
<ul>
<li>Berner, Felix: Gustav Adolf &#8211; Der Löwe aus Mitternacht. Stuttgart, 1982.</li>
<li>Der große Ploetz &#8211; Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Zusammenhänge. Freiburg im Breisgau, 1998 (32. Auflage).</li>
<li>Fuchs, Konrad und Heribert Raab. Wörterbuch Geschichte. München, 2002 (13. Auflage).</li>
<li>Wiwjorra, Ingo: „Ex oriente lux“ &#8211; „Ex septentrione lux“. Über den Widerstreit zweier Identitätsmythen. In: Achim Leube / Morton Hegewisch (Hrsg.): Prähistorie und Nationalsozialismus. Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945. Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 2 (Heidelberg 2002) 73-106.</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_23" class="footnote">Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt.</li><li id="footnote_1_23" class="footnote">Das Schlagwort <em>ex septentrione lux</em> <em>(aus dem Norden [kommt] das Licht) </em>geht ursprünglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zurück. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch während der Völkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor Körners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst später wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleuropäischer Länder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These <em>ex oriente lux</em> benutzt. Der Meinung dieser Anhänger völkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach Süden hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es völkischen Forschern nie, überzeugende Beweise für diese archäologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser „Ariosophie&#8221; war u.a. die berüchtigte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thulegesellschaft">Thule-Gesellschaft</a>. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des „Dritten Reiches&#8221;, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung „nordischer&#8221; bzw. „germanischer&#8221; Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter) betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von <em>Ex septentrione lux</em> wird Jürgen Spanuth gezählt, der 1953 in seiner Veröffentlichung <em>Das enträtselte Atlantis</em> das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeuropäischer Völker in den Mittelmeerraum postulierte. Als früher Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.Ä. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/' addthis:title='Ex septentrione lux &#8230; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

