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Tag Archives: Geschichte

Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm

Nun steht „Radio Hamburg” ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der „schönsten Stadt der Welt” nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg” mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht unwesentliche Wissenslücke offenbart.

So geschehen am dritten August dieses Jahres. In Geschäften oder bei der Sendersuche kommt man bisweilen nicht umhin, diesem Sender zu begegnen. Da der dritte August ein Sonntag war, war es also auf der Suche nach einem Sender, als der Auto-Scan innehielt und plötzlich der gute alte „Lotto King Karl” in die heimischen vier Wände hinein tönte. In gewohntem Barmbek-Ba(r)sch-Tonfall moderierte der Musiker auf durchaus nicht unsympathische Weise seine offenbar neue Sendung „Radio Hamburg rockt”, die immer sonntags von 18 bis 20 Uhr ihren Lauf nimmt.
Es muss gegen 19:10 Uhr gewesen sein, als „Lotto” begann, einen Text vorzulesen, in dem auf die Happy Hour in einer Hamburger Cocktail-Bar hingewiesen wurde, denn diese Zeit ist laut Programmschema für „unsere Tipps für Ihre Freizeit” reserviert. Ob es sich hierbei um reine Veranstaltungshinweise handelt oder womöglich um als Veranstaltungshinweise getarnte Werbung, sei dahin gestellt. Nun also O-Ton „Lotto”:

Und wenn ihr euch das lieber ein bisschen gemütlich machen wollt heute Abend, dann geht am besten in die »Turm Bar«.

Bis hierhin ist nichts einzuwenden. Doch jetzt folgte ein Satz, der schon fast wie eine historische Hintergrundinformation anmutet:

Früher floss hier das Wasser, heute sind es Bier und Cocktails.

Bevor „Lotto” nun explizit zur – sicher unbewussten – Umdeutung historischer Fakten anhub, präzisierte er noch die Vorzüge der Bar:

Macht es euch auf den Rattanmöbeln zwischen Palmen gemütlich und noch bis 20:30 Uhr ist Happy Hour, das heißt, alles [sic] Cocktails gibt’s zum halben Preis wie zum Beispiel eine Strawberry Daiquiri für 3,75 Euro.

Abschließend informierte „Lotto” die Hörer, wo genau die Sause steige und versorgte sie dabei zugleich mit einer Desinformation:

Die Bar findet ihr im ehemaligen Wasserturm auf der Moorweide in der Rothenbaumchaussee 2.

Unter dieser Adresse findet sich tatsächlich und bekanntermaßen die „Turm-Bar”. Was also ist nun das Problem? Dieses besteht darin, dass es sich bei dem Gemäuer, in welchem sich diese Bar befindet, mitnichten um einen „ehemaligen Wasserturm”, sondern vielmehr um einen einstigen Luftschutzbunker handelt – ein nicht gänzlich unbedeutender Unterschied immerhin. Wenn also darin Wasser floss, dann vielleicht in Form von Angstschweiß und Tränen, aber gewiss nicht zum Zweck der Wasserbevorratung und Wasserdruckerzeugung. Weiterlesen ›

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»einestages« testet Printausgabe

»Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher an einem Magazin wie »Die Zeit – Zeitgeschichte« (meist 4,50 EUR) und sehr populärwissenschaftlichen Magazinen wie »P.M. History« (4,50 EUR) oder »G Geschichte« (4,30 EUR).

Abgesehen davon, dass es angesichts des bestehenden Negativtrends in der Presselandschaft bereits bemerkenswert ist, dass überhaupt noch ein Verlag den Versuch unternimmt, einen neuen Titel am Markt zu platzieren, scheint ein weiterer Punkt fast noch erstaunlicher. Während die meisten heutzutage online präsenten Presseerzeugnisse nämlich zuerst als Printausgabe existierten und sich dann – den Zeichen des Internetzeitalters früher oder später Rechnung tragend – eine Internetpräsenz zulegten, ist bei »einestages« genau das Gegenteil der Fall. Im Oktober 2007 auf den Seiten von »Spiegel-Online« gelauncht, hat »einestages« offenbar eine so große Resonanz bei den Lesern hervorgerufen, dass man nun den Testballon einer Printversion startet.

Ein ähnliches Phänomen ließ sich zuvor schon beim »ebay-Magazin« beobachten, das die Stern-Verlagsgruppe im Jahr 2007 herausbrachte, wenngleich sich die Parallelen zwischen »ebay-Magazin« und der Printversion von »einestages« darin erschöpfen dürften, dass beide aus einem Internet-Projekt hervorgingen. Abgesehen davon ging ja nicht »ebay.de« in Druck, sondern Geschichten und Erlebnisse rund um die Auktionsplattform.

Eine weitere Besonderheit von »einestages« ist, dass es zu einem großen Teil aus »User Generated Content« besteht. Das ist nicht zuletzt wirtschaftlich sehr vorteilhaft für den Verlag. Man lässt einfach die Leser ihre persönliche Geschichte bzw. Erinnerung schreiben, bebildern und sich dann zuschicken. Man selbst überprüft und redigiert sie schließlich »nur« noch, bündelt und präsentiert sie und setzt die Themen. Die Gesamtheit dieser Geschichten solle nicht weniger als ein »kollektives Gedächtnis unserer Geschichte« bilden, so ist bei »einestages« zu lesen. Das klingt nach einem hehren Vorhaben und ist es womöglich auch. Doch auch bei »einestages« ist Werbung geschaltet, wenn auch wenig aufdringlich. Letztlich geht es mit Sicherheit auch darum, Geld zu verdienen, schließlich ist der »Spiegel« kein Verein von Altruisten. Von der Printausgabe wird man sich erhoffen, mit »User Generated Content« Gewinn zu erwirtschaften. Was mit Talkshows seinen unheilvollen Anfang nahm, könnte somit eine glückliche Wende nehmen. Die User steuern ihre Geschichten bei, können sie dann als Leser in einer Printausgabe lesen, ein Pool der Geschichte des Privaten Lebens wird geschaffen, und »Der Spiegel« verdient daran, ohne viel investieren zu müssen. Die Liste der Partner von »einestages« stimmt zudem optimistisch hinsichtlich der Qualität des Inhalts. So finden sich dort u.a. das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die defa-spektrum GmbH, das Deutsche Auswandererhaus sowie der Progress Film-Verleih. Man setzt also nicht allein auf »User Generated Content«, sondern favorisiert eine Mischung.

Bemerkenswert ist, diese Spitze sei erlaubt, dass »Der Spiegel« hier auf das Wissen der Massen vertraut, wo er viele Phänomene des »Web 2.0«, wie z.B. Blogs doch meist äußerst skeptisch kommentiert, belächelt und klein zu reden versucht. Vielleicht muss das Wissen der Massen eben nur von hoch qualifizierten Spiegel-Redakteuren kontrolliert, kanalisiert und veredelt werden sowie dem »Spiegel« zu Profit verhelfen, um als gut befunden zu werden.

Letzten Endes scheint »einestages« ein interessantes und viel versprechendes Projekt zu sein. Ein Projekt zudem, von dem alle profitieren und das es verdiente, in den Zeitschriftenkiosken Fuß zu fassen. Geschichte ist wichtig und ihre Kenntnis noch viel mehr. Und wenn »Der Spiegel« obendrein noch Geld damit verdient, ist das auch nicht von Schaden, es gibt weiß Gott Schlimmeres. Endlich einmal kein weiterer Lifestyle-Magazin-Klon oder Frauen-Magazin-Abklatsch, dafür gönnt man dem »Spiegel« auch ein kleines bisschen Gewinn. Es ist übrigens als gutes Zeichen im Sinne des Kampfes gegen die Verdummung zu werten, dass »einestages« am 5. März den goldenen LeadAward 2008 in der Kategorie »Webmagazin des Jahres« erhielt und nicht irgendein Lifestyle-Webmagazin. Muss es da weiter stutzig machen, dass »Der Spiegel« in der Sponsorenliste des LeadAward auftaucht? Es bleibt abzuwarten, ob der Printausgabe der gleiche Erfolg beschieden sein wird wie der Online-Version.

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Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen.
Es handelt sich hierbei um ein denkbar schlichtes Trompe-l’œil, das es weniger darauf anlegt, dem kritischen Blick sein wahres Wesen ernsthaft und lange zu verschleiern als vielmehr darauf, dem schweifenden Blick allzu schmerzhafte Hässlichkeit zu ersparen. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Die rote Farbe gibt der vormals grauen Fassade nicht nur ein wärmeres Aussehen, sondern integriert sie gut in die Reihe der benachbarten, aus rotem Backstein errichteten Häuser. Die angetäuschten Fenster verleihen ihr Offenheit und Helligkeit und sorgen dafür, dass der Klotz weniger monolithisch wirkt. Die zahlreichen runden Lüftungsöffnungen wurden dabei geometrisch gut integriert. Die Details zweier menschlicher Gesichter sowie einer schwarzen Katze, die drei der vermeintlichen Fenster zieren, vermögen gar, etwas Lebendigkeit zu erzeugen. Wie die meisten anderen Hamburger Bunker, wird auch dieser als Werbefläche genutzt. Im Moment sind dies zwei Tafeln mit wechselnder Werbung sowie eine dauerhaft vermietete Fläche. Außerdem befindet sich auf dem Dach des Bunkers ein monströser Sende- oder/und Empfangsmast, der über eine fest installierte Leiter im Hinterhof erreicht werden kann. Die vom Hinterhof zu sehende Fassade ist üppig und flächendeckend begrünt. Ob und wenn ja, wie das Bunkerinnere genutzt wird, ist dem Verfasser nicht bekannt.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles in allem handelt es sich hier um eine simple aber ihren Zweck hervorragend erfüllende Illusionsmalerei. Warum sind dann noch so viele Bunker grau? Die Schrecken des Krieges lassen sich nur bedingt durch die Hässlichkeit unserer Alltagsumgebung begreiflicher machen. Was also spricht dagegen, die Fassaden wenigstens wärmer zu gestalten? Es ist kaum anzunehmen, dass auch nur ein Nazi weniger der Verdummung anheim fällt, wenn Bunkerfassaden grau bleiben. Im Gegenteil. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Graue Bunker dienen Nazis mit Sicherheit eher als gute Vorlage für ihre selbstmitleidige und dreiste These des „Bomben-Holocaust”. Die heutige Hässlichkeit vieler deutscher Städte führen sie nicht etwa auf die Nazis zurück, sondern auf die Alliierten und solche Feindbilder wie den Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Airforce, Arthur Harris, der dann gerne als „Bomber Harris” bezeichnet wird. Doch Harris hatte ja nun nicht so ganz unrecht damit, dass es das Deutsche Reich war, das damit begonnen habe, die Zivilbevölkerung zum Ziel von Terrorangriffen zu machen. Diese Tatsache macht die Flächenbombardements der Alliierten zwar nicht humaner, stellt aber doch massiv das Recht derjenigen Deutschen infrage, welche die alliierten Luftangriffe, aus dem Kontext gelöst, als unmoralisch anprangern ohne eben zu erwähnen, dass es Nazis und nicht Briten waren, die Gernika zu 80 Prozent zerstörten, gezielt auf flüchtende Zivilbevölkerung schossen und somit diese Unmoral im noch jungen Phänomen des Luftkrieges überhaupt erst einführten. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das vorgebliche strategische Ziel hingegen – ein Brücke nämlich – wurde nicht von einer einzigen Bombe getroffen. Auch wird gerne unterschlagen, dass es Nazis waren, die Coventry, Rotterdam, Warschau, London und Belgrad bombardierten.
Inwiefern man angesichts deutscher Vernichtungs- und Konzentrationslager und der darin getöteten mehreren Millionen Menschen ausgerechnet den Alliierten ein unmoralisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung vorwerfen kann, ist sowieso fragwürdig. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Alliierten nicht durch gezielte Bombardements der Infrastruktur der Vernichtungslager das industrielle Morden der Nazis hätten aufhalten können. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Schließlich war den Alliierten durch die Entschlüsselung von Enigma-Nachrichten seit 1943 bekannt, was in den Todeslagern vor sich ging.
Insbesondere zu den Vernichtungslagern führende Bahnlinien hätten bombardiert werden können. Während eines Treffens mit dem britischen Außenminister Anthony Eden am 6. Juli 1944 schlug Chaim Weizmann als Vertreter der Jewish Agency die Bombardierung der Eisenbahnstrecke Budapest-Auschwitz und der Vernichtungsanlagen innerhalb des Lagers vor. Doch die Alliierten waren der Ansicht, dass ein schneller Sieg über das Dritte Reich die effektivste Hilfe für KZ-Häftlinge sei, weshalb man trotz anfänglicher Aufgeschlossenheit gegenüber einer Bombardierung von KZ-Infrastruktur letztlich davon absah.

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Golo Mann über Karl Marx

Da sich am 5. Mai dieses Jahres der Geburtstag von Karl Marx zum 190. Mal jährt, sei an dieser Stelle eine kleine, den Trierer Philosophen betreffende, Lesefrucht aus Golo Manns »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« zum Besten gegeben:

Heine spricht einmal von seinen deutschen Landsleuten in Paris, »darunter der entschiedenste und geistreichste, Dr. Marx«. Der war entschieden und hat entschieden. Er war so geistreich wie Heine und, obgleich kein Dichter, doch ein Schriftsteller von hohem Rang. Aber er zwang seinen Geist auf eine einzige Bahn. Er nahm Partei. Er schuf eine Partei. Er wollte die Weltgeschichte mit seinem Geist bezwingen, sie auf die Bahn zwingen, die sein eigener Geist nahm. Gewirkt hat Marx und wirkt noch heute, aber nicht das, was er erwartete, errechnete, ist aus seinem Werk herausgekommen. [...]

Ein Russe, der ihn auf einer Sozialistenversammlung in Brüssel traf, schildert ihn: »Eine dichte, schwarze Mähne auf dem Kopf, die Hände mit Haaren bedeckt, den Rock schief zusammengeknöpft, hatte er dennoch das Aussehen eines Mannes, der das Recht und die Macht hat, Achtung zu fordern … Seine Bewegungen waren eckig, aber kühn und selbstbewußt. Seine Manieren liefen geradezu allen gesellschaftlichen Umgangsformen zuwider. Aber sie waren stolz, mit einem Anflug von Verachtung, und seine scharfe Stimme, die wie Metall klang, stimmte merkwürdig überein mit den radikalen Urteilen über Menschen und Dinge, die er fällte. Er sprach nicht anders als in imperativen, keinen Widerstand duldenden Worten, die übrigens noch durch einen mich fast schmerzlich berührenden Ton, welcher alles, was er sprach, durchdrang, verschärft wurden.« Ähnlich sah ihn ein paar Jahre später ein deutscher Student, dem seinerseits gute Augen, heller Verstand und kräftige Gesinnung eigen waren, Carl Schurz: »Was Marx sagte, war in der Tat gehaltreich, logisch und klar. Aber niemals habe ich einen Menschen gesehen von so verletzender, unerträglicher Arroganz des Auftretens. Keiner Meinung, die von der seinigen wesentlich abwich, gewährte er die Ehre einer einigermaßen respektvollen Erwägung. Jeden, der ihm widersprach, behandelte er mit kaum verhüllter Verachtung. Jedes ihm mißliebige Argument beantwortete er entweder mit beißendem Spott über die bemitleidenswerte Unwissenheit oder mit ehrenrühriger Verdächtigung der Motive dessen, der es vorgebracht. Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones, mit welchem er das Wort ›Bourgeois‹ aussprach; und als ›Bourgeois‹, das heißt, als ein unverkennbares Beispiel einer tiefen geistlichen und sittlichen Versumpfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu widersprechen wagte.« Es ist kein Zweifel, daß er den Leuten so erschien, die Zeugen sind gar zu zahlreich, gar zu übereinstimmend; und ist wohl kein Zweifel, daß er so war. Er war gesegnet und geschlagen mit einem ungeheuren Verstand, der ihn vereinsamte und ihn hochfahrend machte. Liebe hatte er wohl, für seine Frau, seine Kinder, auch Mitleid; es empörte ihn das Elend, das mit der Industrie hereingebrochen war. Sein Charakter war unbeugsam in der Not, vollständig die Treue zu der titanischen Arbeit, die er sich selber auferlegt hatte. Das sind preisenswerte Tugenden. Sie wurden überwuchert von einem furchtbaren Willen zur Macht; von dem Willen recht zu behalten und allein recht zu behalten. Die Gegner, die Kritiker, die Andersdenkenden wollte er vernichten, mit dem Schwert oder, solange das noch nicht anging, mit der Feder, die in Gift getaucht war. Ein solcher kann die Welt nicht besser machen.”1

Solchen Menschen, die ihren – mitunter auch sehr kümmerlichen – Geist auf eine einzige Bahn zwingen, begegnet man auch im 21. Jahrhundert noch zuhauf. Man muss kein Marxist sein, um Andersdenkende zu denunzieren und vernichten zu wollen sowie ihre Motive in ehrenrühriger Weise infrage zu stellen. Menschen mit einem furchtbaren Willen zur Macht sowie dem Willen, recht zu behalten und allein recht zu behalten, finden sich auch heute in der Politik, an Stammtischen, in Medienredaktionen sowie in Kleingartenvereinen. Sie alle eint ein Hang zur Borniertheit. Bei den wenigsten jedoch ist diese Eigenschaft gepaart mit einem hellen Verstand wie zweifellos bei Marx.

Meist sind es wohl eher Bequemlichkeit, Eitelkeit, Selbstsucht, Ruhmsucht und – ja, geistige Trägheit, die zu solchem Schwarz-Weiß-Denken führen, zur Unfähigkeit, von einmal bezogenen Positionen auch nur einen Millimeter abzurücken. Man konstruiert sich ein paar Feindbilder und kann fortan in der geistigen Hängematte baumeln. Gefährlich wird es, wenn solch rechthaberischer Kleingeist Einfluss gewinnt auf die Öffentlichkeit, auf Meinungsbildung und auf Politik. Wahrlich, mit einer derartigen Einstellung kann man die Welt schwerlich besser machen. Aber das ist wohl auch nicht unbedingt das Streben solch intransigenter Menschen.

Man sieht, auch in dieser eher menschlichen Hinsicht ist Marx aktueller denn je.

  1. Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1996, S.176f. – Zuerst erschienen im Jahr 1958. []
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Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea

Da diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall” Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea” widmet:

http://textquellenzueritrea.wordpress.com/

Dort kann sich auch die letzte Zapp-Mitarbeiterin und der letzte „Zeitzeuge” von der Tatsache überzeugen, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab. Belegt wird dies nicht etwa von dubiosen und sinistren Gestalten oder etwa von „Kommerz-Medien”1 und schon gar nicht von auf ihr Image bedachten, sich der modernen Mediengesellschaft bedienenden Hilfsorganisationen2, sondern vor allem von einem Freund des von Julia Salden als Experte herangezogenen Günter Schröder, dem Wissenschaftler Hartmut Quehl nämlich.

Warum nun wurde dieses Quellenblog ins Netz gestellt, wo doch der Journalist für Popmusik, Peter Disch, der die ganze Debatte um Mehari losgetreten hat, niemals in Abrede gestellt habe, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab? Das wird eigentlich in der Rubrik „Anliegen” des oben verlinkten Quellenblogs klipp und klar dargelegt, allerdings erst nach mehreren Absätzen, so dass man sich erst bis dahin durchkämpfen muss. Deshalb die Erklärung hier noch einmal an früherer Stelle und lesefreundlich gegliedert.

Die Quellen, welche die generelle Existenz von Kindersoldaten in Eritrea belegen, wurden aus folgenden Gründen online gestellt:

1.

weil das TV-Magazin Zapp am 14.02.2008 Abraham Mehreteab, den Sprecher der Mehari-Kritiker, zeigte, wie er vor dem Berlinale-Palast laut und deutlich skandierte:

„Es gibt keine sogenannten Kindersoldaten in Eritrea.”3

Das ist deshalb von Belang, weil sowohl Julia Salden als auch Peter Disch regelmäßig Abraham Mehreteab als Zeugen für ihre reine Detailkritik an Meharis Darstellung eines einzigen Lagers in Eritrea heranziehen. Wieso ruft der Zeuge dann aber nicht: „Es gab keine sogenannten Kindersoldaten an der Tsebah-Schule.”, wenn es doch nur um diese eine Schule gehe?

2.

weil Julia Salden zudem diese falsche, ganz und gar generalisierende Aussage eines ihrer Zeugen nicht kommentierte, geschweige denn, dass sie sich etwa davon distanzierte.

3.

weil Julia Salden vielmehr nahtlos ihre eigene Aussage daran anschloss:

„Im Film gibt es Kindersoldaten in Eritrea. Er spielt Anfang der achtziger Jahre. Die zehnjährige Awet kommt zu den eritreischen Rebellen. Dort wird sie zu einer Soldatin ausgebildet. Ein Spielfilm – eigentlich fiktional, aber die Produzenten behaupten [...]: Wir sind ganz nah an der Wahrheit. Das ist eine wahre Geschichte.’”4

Durch diese Art des Zusammenschneidens der unwidersprochen gelassenen, falschen Behauptung eines ihrer Zeugen mit ihrer eigenen Aussage insinuiert Salden, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe und verlagert die Debatte höchstselbst auf die allgemeine Ebene, um die es ihr – wie Peter Disch ihr beständig sekundiert – angeblich nicht gehe.

4.

weil Julia Salden in ebendiesem Beitrag an späterer Stelle Folgendes sagte:

„Trotzdem erinnert der Film stark an die Buchvorlage. Kinder erhalten Waffen, lernen schießen und töten. […] Hat es das in Eritrea wirklich gegeben?”5

Wieso stellt Julia Salden diese Frage, wenn sie – laut Peter Disch – die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea überhaupt nicht leugne? Wenn es Julia Salden zudem doch gar nicht um Eritrea, sondern nur um eine Schule gehe, warum fragt sie dann nicht: „Hat es das an der Tsebah-Schule wirklich gegeben?” Diese Frage stellt Julia Salden womöglich deshalb nicht, weil es in dem Film überhaupt nicht um die Tsebah-Schule geht.

5.

weil Julia Salden im Kontext von Kindersoldaten in Eritrea von „angeblich historische[n] Wahrheiten”6 sprach.

6.

weil die von Zapp und Disch immer herangezogenen „Zeitzeugen” auf ihrer Homepage eine „Grußbotschaft” veröffentlichten7, in der expressis verbis generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea in Gegenwart und Vergangenheit in Abrede gestellt wird:

„In Eritrea gab es nie Kindersoldaten, bis heute gibt es das nicht.”

Aufgrund der Tatsache, dass diese Botschaft unkommentiert und ohne jegliche Distanzierung veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass die als „GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule” firmierenden „Zeitzeugen” die in der „Grußbotschaft” geäußerte Auffassung, derzufolge es nie Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, in vollem Umfang teilen.

In dieser „Grußbotschaft” ist überdies an keiner einzigen Stelle von der „Tsebah-Schule” die Rede, um die es doch dem Vernehmen nach ausschließlich gehe. Im Gegenteil, die Urheberin dieser Botschaft äußert vielmehr gleich zu Beginn, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei. Stattdessen negiert sie aber pauschal die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea. Diese Solidaritätsadresse wird nun von den „Zeitzeugen” ohne jeglichen Kommentar online gestellt. Tanzen da die „Zeitzeugen” etwa aus der Reihe?

Dischs Aussage zufolge gehe es ihm im Grunde genommen nur um Almaz Yohannes, die sich in Meharis Buch diffamiert fühle und darum, dass die „Tsebah-Schule” eine reine Schule gewesen sei, ohne militärischen Charakter. Worum aber geht es den „Zeitzeugen”, mit denen sich Disch umgibt? Offenbar in starkem Maß um Eritrea im Allgemeinen. Diese allgemeine Diskussion bemängelt Disch aber nur bei seinen Kritikern, nicht bei seinen Zeugen. Hätte es zudem eine Person wie die Urheberin der „Grußbotschaft” gewagt, sich zugunsten von Mehari zu äußern, bei gleichzeitigem Eingeständis, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei, hätte Herr Disch ihr längst einen belehrenden Eintrag in seinem Feuerherz-Organ gewidmet, wo er der Person nach Strich und Faden auseinandergesetzt hätte, dass sie nur „ventiliere”, „in Augenschein” nehme und auf allgemeiner Ebene diskutiere, kurzum: in der Diskussion gar nichts verloren habe und es gar nicht wert sei, dass man überhaupt auf sie eingehe.

Diese sich wesentlich widersprechenden Aussagen von Peter Disch, Julia Salden und Abraham Mehreteab hinsichtlich der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea waren also der Anlass, die Quellen online zu stellen.

An dieser Stelle darf noch einmal der stellvertretende Leiter der Programmgruppe Ausland des Westdeutschen Rundfunks, Arnd Henze, zitiert werden, auch wenn Herr Disch bemängelt, dass dessen Kritik bereits ein Jahr alt sei. Doch inzwischen hat Disch sich das wieder anders überlegt und seine Mitmenschen informiert, dass es keine Rolle spiele, wie alt ein Text sei, sondern dass es auf die Qualität des Textes ankomme. Angesichts solcher Weisheit, bleibt einem schier der Mund offen stehen. Wie auch immer, dass Herr Henze mittlerweile anderer Ansicht sei, war bislang noch nicht zu lesen.8 Außerdem hat seine Kritik weder an Aktualität noch an Relevanz oder Signifikanz eingebüßt:

Geht es darum, das Selbstbild vom legitimen Befreiungskampf nicht durch das Eingeständnis völkerrechtswidriger Kriegsmethoden zu relativieren [...] Hat sich Zapp möglicherweise für einen zynischen Geschichts-Revisionismus einspannen lassen?9

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  1. Diktion der „Zeitzeugen” auf ihrer Homepage []
  2. Vgl. Peter Disch, Journalist für Popmusik, Eintrag in seinem „Feuerherzblog” vom 21.02.2008 []
  3. Den Beitrag kann man sich auf der Homepage von Zapp anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 geäußert. []
  4. Zapp-Sendung vom 20.02.2008 []
  5. ebd. []
  6. ebd. []
  7. Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer „Grußbotschaft” die Rede, als darüber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe beglückwünschte und sich mit kommunistischem Gruß verabschiedete. Dies möge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Grußbotschaften und Solidaritätsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED „Neues Deutschland” war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften. []
  8. Wäre das der Fall, hätte Zapp doch keine Sekunde gezögert und die neue, anderslautende Stellungnahme längst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser würde dann dort in schönster Zapp-Diktion stehen: „Rückzieher: Kritiker hat Einsehen!” []
  9. Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007 []
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Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) – „Jedem das Seine”

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt” wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche” darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft” des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.”

Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.

Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob [...] los.”1. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer” seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen”. Dies habe sich immer noch nicht richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt” folgenden Satz: „Jedem das seine”. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Sendung vom 06.02.2008 []
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Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp” des NDR scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.

In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche”1, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch”, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz” (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen – gewohnt unbescheidenen – Auffassung zufolge, vor fast genau einem Jahr „enthüllt”, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge”2 – da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich die Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!

Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen3.

Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars” berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung. []
  2. Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war. []
  3. 1. Wer im Glashaus ZAPPt2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) – 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) []
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Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)

Es ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten.

Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt” auch einen Beitrag mit dem Titel „Ausrutscher der Woche” aus.NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta Darin ging Zapp hart mit der Sozialkampagne „Du bist Deutschland” ins Gericht. Deren gleich lautender Slogan sei nicht neu, sondern bereits eine „Nazi-Parole“ gewesen. Das hätten „Internet-Blogger” in einem „historischen Bildband” entdeckt. Dabei handelt es sich übrigens um ein Buch mit dem Titel „Ludwigshafen – Ein Jahrhundert in Bildern“, herausgegeben vom Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein. Die zur Debatte stehende Parole findet sich dort auf einem Bild, das eine NS-Kundgebung im Jahr 1935 auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen zeigt. Der genaue Wortlaut ist: „Denn Du bist Deutschland”. Die Parole nimmt offensichtlich Bezug auf das über ihr befindliche große Hitlerporträt, sodass wohl zu verstehen ist: „Denn Du, Adolf Hitler, bist Deutschland”.

Dies ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was die Kampagne „Du bist Deutschland” augenscheinlich zu bezwecken sucht. Dort liegt ja die Betonung gerade darauf, dass jede/r Einzelne auf die ihr/ihm eigene Art Deutschland sei. Somit steht totale Ausrichtung auf einen Diktator gegen Betonung des Individuums und der Eigeninitiative. Es stellt sich die Frage, was dann eigentlich das Problem von Zapp ist. Weiterlesen ›

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Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.

Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.

Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.

Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4

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  1. von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW []
  2. im Jahr 2004 []
  3. siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt”. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt”, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik” nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif” von Jörg Jacoby in „konkret”- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret” kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. []
  4. Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. []
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Ex septentrione lux …

tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPGtn_rettete-bei-breitenfeld.JPGtn_gustav-adolph.JPGtn_am-7-september-1631.JPGTotale des Denkmals mit Umzäunung
Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held

Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi mögte straffn / Mit Gott und ritterlichen Waffn / Und das bedrengte Häufflein rettn / In äußerster gefahr und Nöthn. O Bete nun wer beten kan / Der Löw getrost den Feind greiff an / Gott der alte Kirchen Patron / Kan uns durch diesen Gedeon / Eretten auß der Feinde Hand / Und sie stürzen mit Spott und Schand / Daß unser Mund voll lachens frey / Und unser Zung voll rühmens sey/ Weil durch den Helden in höchster Noth / Uns hat erlöst der treue Gott.1

Der „Löw von Mitternacht” ist der Löwe aus dem Norden (Gustav Adolf), da der Osten für Morgen, der Süden für Mittag und der Westen für Abend steht. Bei dem lateinischen Ausdruck septem triones handelt es sich um die Bezeichnung des Siebengestirns. Die wörtliche Übersetzung jedoch lautet: die sieben Dreschochsen. Die Römer nannten das Sternbild deshalb so, weil sich die sieben hellsten Sterne des Sternbilds um den Polarstern bewegen, wie Ochsen um den Göpel einer Dreschmaschine. Diese Ochsen zu hüten, ist im Übrigen die Aufgabe des benachbarten Sternbilds Bärenhüter, der auch Ochsentreiber genannt wird.2 Plejaden lautet die griechische Bezeichnung für das Siebengestirn, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet. Plejaden hießen nämlich die sieben Töchter des Atlas und der Okeanide Pleione. Aufgrund ihrer Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Dem Mythos zufolge wurden die Plejaden von Zeus als Siebengestirn an den Himmel versetzt, um sie vor den Nachstellungen des Jägers Orion zu retten, doch auch dort werden sie noch immer von Orion verfolgt, dessen Sternbild sich etwa 30° südwestlich der Plejaden befindet. Die Plejaden sind etwa von Mitte September bis Ende April am nördlichen Sternenhimmel sichtbar, daher stehen sie als Synonym für die Himmelsrichtung Norden. Weiterlesen ›

  1. Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt. []
  2. Das Schlagwort ex septentrione lux (aus dem Norden [kommt] das Licht) geht ursprünglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zurück. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch während der Völkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor Körners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst später wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleuropäischer Länder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These ex oriente lux benutzt. Der Meinung dieser Anhänger völkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach Süden hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es völkischen Forschern nie, überzeugende Beweise für diese archäologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser „Ariosophie” war u.a. die berüchtigte Thule-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des „Dritten Reiches”, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung „nordischer” bzw. „germanischer” Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter) betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von Ex septentrione lux wird Jürgen Spanuth gezählt, der 1953 in seiner Veröffentlichung Das enträtselte Atlantis das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeuropäischer Völker in den Mittelmeerraum postulierte. Als früher Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.Ä. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte. []
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