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Tag Archives: Film

Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp“ des NDR scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.

In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche“1, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch“, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz“ (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen – gewohnt unbescheidenen – Auffassung zufolge, vor fast genau einem Jahr „enthüllt“, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge“2 – da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich die Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!

Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen3.

Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars“ berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung. []
  2. Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war. []
  3. 1. Wer im Glashaus ZAPPt2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) – 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) []
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Le Passe-muraille

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Abseits vom Trubel im Umkreis von Sacré-Cœur befindet sich etwa einen halben Kilometer nordwestlich davon, dort, wo sich die Rue Girardon und die Rue Norvins treffen, die Place Marcel Aymé, benannt nach dem französischen Erzähler und Dramatiker. Dieser lebte von seiner Geburt im Jahr 1902 an bis zu seinem Tod im Jahr 1967 auf dem Montmartre in der Rue Norvins Nummer 26. Ihm zu Ehren wurde aus dieser Hausnummer der Place Marcel Aymé Nummer 2. In seiner jetzigen baulichen Form bestand der Platz bereits zu seinen Lebzeiten als Einbuchtung der Rue Norvins. Er wurde also rein nominell für ihn geschaffen und besteht nur aus dieser Hausnummer. Dank dieser Einbuchtung konnte diese sehr elegante Lösung gelingen. Doch bei dieser Ehre allein ließ man es nicht bewenden. Der berühmte Schauspieler, Regisseur, Choreograph, Maler und Bildhauer Jean Marais schuf eine Bronzeplastik des Helden aus Aymés Novelle „Le passe-muraille“ aus dem Jahr 19431, die im Jahr 1989 eingeweiht wurde.
Dieser Held namens Dutilleul wohnte wie durch Zufall nur zwei Straßen von seinem Schöpfer entfernt im dritten Stockwerk der Rue d’Orchampt Nummer 75 und war Junggeselle sowie Beamter dritter Klasse im Finanzministerium. Aufgrund eines Stromausfalls fand er im Alter von 43 Jahren heraus, dass er über eine äußerst ungewöhnliche Fähigkeit verfügte. Bei diesem Stromausfall nämlich tappte er eine Weile im Dunkeln und fand sich unversehens im Treppenhaus wieder, ohne dass er jedoch eine Tür passiert hatte. Da die Wohnungstür von innen verschlossen war, sah sich Dutilleul gezwungen, auf dem Weg in seine Wohnung zurückzukehren, auf dem er sie offenbar verlassen hatte. Und siehe da, er gelangte tatsächlich durch die Wand hindurch in seine Wohnung zurück.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Nun war aber Dutilleul von seinem Naturell her so geartet, dass ihn diese Gabe eher befremdete als zu Abenteuern antrieb, weshalb er gleich am nächsten Tag in dieser Angelegenheit einen Arzt aufsuchte, der eine „schraubenförmige Verhärtung in der Drosselwand der Schilddrüse“ diagnostizierte und ihm Tabletten verschrieb, die aus „tetravalentem Schafgarbenextrakt, vermischt mit Reismehl und Zentaurenhormon“ bestanden und zweimal jährlich einzunehmen waren. Dutilleul nahm die erste Tablette ein, deponierte die übrigen in seinem Nachttisch und vergaß daraufhin diesen Vorfall und seine übermenschliche Fähigkeit für ein ganzes Jahr.

Doch eine Wendung in seinem Leben sollte sie ihm ins Gedächtnis zurückrufen, als er nämlich einen neuen Vorgesetzten mit Namen Lécuyer bekam, mit dem ein frischer Wind in die Abteilung einzog und der allerlei Dinge änderte, so z.B. auch Formulierungen, die seine Untergebenen in ihren Schreiben zu verwenden hatten. Dutilleul aber konnte sich partout nicht daran gewöhnen und verfiel immer wieder in die herkömmlichen, höflicheren Formulierungen zurück. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007 © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Wegen dieser Renitenz wurde er von Lécuyer in einen kleinen Abstellraum strafversetzt, der direkt an dessen Büro grenzte. Weil Lécuyer Dutilleul fortgesetzt schikanierte, entsann dieser sich eines Tages seiner besonderen Gabe. Wiederholt steckte er fortan seinen Kopf durch die Wand seines Chefs und beschimpfte diesen. Immer aber wenn Lécuyer nach einer solchen Erscheinung Dutilleuls in dessen Kabuff hinübereilte, fand er diesen ordnungsgemäß an seinem Schreibtisch bei der Arbeit, sodass Lécuyer an seinem Verstand zweifeln musste. Dutilleul trieb dieses Spiel solange, bis Lécuyer schließlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde.
Eigentlich hätte Dutilleul es ja dabei bewenden lassen können, war er seinen ungeliebten tyrannischen Vorgesetzten doch nun los. Aber Dutilleul hatte Blut geleckt und dachte bereits über weitere Einsatzmöglichkeiten seiner Fähigkeit nach. Er verlegte sich nun auf Bankraub und suchte eine Bank nach der anderen heim, füllte seine Taschen mit Geld und weiteren Wertgegenständen. Bald kannte ganz Paris diesen Einbrecher, den die Polizei einfach nicht zu fassen bekam. Der Ganove, der immer sein Werwolf-Pseudonym „Garou-Garou“ schriftlich an den Tatorten hinterließ, wurde bald zum Stadt- und auch zum Bürogespräch. So musste Dutilleul mit ansehen, wie seine Kollegen sich voller Bewunderung über diesen „Garou-Garou“ äußerten. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und brüstete sich vor den Kollegen damit, dass er selbst dieser „Garou-Garou“ sei, was diese freilich nicht glaubten und Dutilleul stattdessen unentwegt hänselten.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007In der folgenden Nacht ließ Dutilleul sich deshalb absichtlich beim Einbbruch in ein Juweliergeschäft ertappen, um seinen Kollegen zu beweisen, dass er tatsächlich „Garou-Garou“ sei. Am nächsten Morgen war sein Bild auf den Titelseiten der Zeitungen und er selbst im Gefängnis. Dort hielt er Wärter und Direktor immer wieder zum Narren, indem er einfach das Gefängnis verließ, wie es ihm beliebte und auswärts frühstückte oder aber sich im Gästezimmer der Wohnung des Gefängnisdirektors einquartierte. Irgendwann aber war er dessen müde und verließ das Gefängnis auf Dauer, legte sich ein anderes Äußeres zu und nahm sich eine neue Wohung in der Avenue Junot2, direkt um die Ecke seiner bisherigen Wohnung. Er suchte eine neue Herausforderung für seine Gabe, nachdem die dicken Gefängnismauern ja kein Hindernis dargestellt hatte. So schwebte ihm eine Reise nach Ägypten vor, wo er sich an den Mauern der Pyramiden zu versuchen gedachte. Zunächst aber brachte er einige Zeit unerkannt auf dem Montmartre zu. Weiterlesen ›

  1. In deutscher Übersetzung erschien diese Novelle im Jahr 1949 bei Rowohlt Stuttgart/Hamburg/Baden-Baden unter dem Titel „Der Mann, der durch die Wand gehen konnte und andere Pariserische Scheherezaden.“ []
  2. Hierbei handelt es sich übrigens um die Fortsetzung der o.g. Rue Norvins, in der Marcel Aymé wohnte. []
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Heinz Erhardt

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Grabmal von Heinz Erhardt und seiner Frau Gilda auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf.

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Der eine von der Tankstelle – Willy Fritsch

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006
Grabstelle von Willy Fritsch und seiner Frau Dinah Grace (Ilse Schmidt):

„Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen, nur mit Dir allein, kann es glücklich sein. All meine Träume, die süßen, leg ich in den Gruß mit hinein.“

Zwar galt dieser Satz im Film „Die drei von der Tankstelle“ nicht Dinah Grace, sondern der Filmpartnerin Lilian Harvey, doch am Ende trifft er auf Fritsch und Grace zu, da er nunmehr nur mit ihr allein ist. Das Grab befindet sich in Hamburg Ohlsdorf.

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Hans Albers – präsentiert von RTL Nord Live …

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Tod in Manila – Gustaf Gründgens

Grabstein Gründgens

Gründgens hatte mit Ablauf der Spielzeit 1962/63 die Intendanz des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg niedergelegt, um eine Weltreise zu unternehmen, in der „vagen Hoffnung […] leben zu lernen“.1 Er trat diese Reise im September 1963 an. Anders als erhofft, sollte sie sich jedoch als Reise in den Tod erweisen.

Die Weltumrundung begann in England und führte ihn duch das Mittelmeer und den Suez-Kanal nach Ceylon, Singapur und schließlich auf die Phillipinen. Von dort aus wollte er über Hongkong und Japan nach San Francisco und Mexiko weiter reisen.

Die Reise endete jäh in Manila. Dort hatte sich Gründgens im „Manila Hotel – The Aristocrat of the Orient“ einquartiert. Am 7. Oktober des Jahres 1963 starb er im Bad seines Hotelzimmers an einer Magenblutung, wahrscheinlich als Folge langjähriger und regelmäßiger Einnahme von Schmerz- und Schlafmitteln in immer höherer Dosis.2 Oft wird kolportiert, Gründgens sei an einer Überdosis Schlafmittel gestorben, weshalb auch über Suizid spekuliert wurde. Da es jedoch an Beweisen dafür mangelt, bleibt es bei der Spekulation. Dagegen spricht, dass Gründgens die Reise ja – wie erwähnt – dem Vernehmen nach unternahm, um „leben zu lernen“. Für die Unfallthese spricht überdies, dass die längere regelmäßige Einnahme starker Schmerzmittel zu Magengeschwüren und daraus resultierenden Magenblutungen führen kann.

Gustaf Gründgens war acht Tage vor Antritt seiner Weltreise von einem Aufenthalt auf Madeira zurückgekehrt, um sich in Hamburg einer zahnärztlichen Behandlung zu unterziehen. Da er gefürchtet habe, dass ein Hotel ihm nicht ausreichend Anonymität sichern könne, habe er darum gebeten, für die Dauer der Behandlung in der Klinik wohnen zu dürfen. In dieser Klinik praktizierte auch Michael Winzenried, Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Hamburg, der berichtet, dass Gründgens während seines Klinikaufenthalts wiederholt seine Nähe gesucht habe.3

Gründgens‘ Zustand beschreibt Winzenried wie folgt:

Er war aufgeschlossen, heiter, voll mit Reiseplänen angefüllt, wirkte so »unpsychiatrisch«, daß wir ihm wenig Aufmerksamkeit schenkten. Er lief unter der Adresse »möblierter Herr«. Erst hinterher wurde mir klar, wie er sich immer wieder Besuch erbat – entschuldigend: »Ich weiß ja, daß Sie wenig Zeit haben, aber spendieren Sie mir bitte eine halbe Stunde … Sie können so gut zuhören … Soll ich meine Memoiren beginnen niederzuschreiben? Das Konzept ist im Gehirn fertig … ich bin aber abergläubisch – vielleicht erlischt damit meine Lebenskraft … Meine Lebensgeschichte ist eine Reihe von Auftritten gewesen; besteht darin ein Zusammenhang oder war alles beliebig? … Jetzt bin ich frei … ist Freiheit Macht, oder werde ich noch einsamer?«

Am Tage vor seiner Abreise: »Ich freue mich unbändig auf die Welt, oder soll ich nicht lieber hier bleiben? Freude gab es so wenig in meinem Leben, und nun fürchte ich mich, an diesem fetten Bissen zu ersticken … Nein, vergessen Sie mein Schornsteinfegerorakel … machen Sie mir ein bißen [sic] Mut … Soll ich einen festen Wohnsitz nehmen? Und wo? Ich habe die Wohnung an der Bellevue doch nicht genommen, es ist zwar schrecklich, aus dem Koffer zu leben, aber so ist wenigstens alles verpackt beisammen … Die echten Reisenden sind die allein, die aufbrechen, um aufzubrechen …«

Und so traf ihn der Tod unvorbereitet, wenn auch ständig erwartet. Er überraschte ihn zu einer ungewohnten Zeit an einem fremden Ort, am von seiner Heimat entferntesten Punkt, wo dieser Meister der deutschen Sprache sich in einer Sprachnot befand. Den erquickenden Schlaf suchend, gewöhnte Mittel in erprobter Dosis angewandt, wollte er dem Monsun und der Einsamkeit für Stunden entfliehen. Aber der Körper gehorchte nicht dem gewohnten Maß; die Achillesferse dieses athletischen Körpers, seine Blutgefäße, erbrechen sich in den Magen mit der Gewalt eines Blutsturzes. Den Tod vielleicht ahnend, versuchte er die Katastrophe zu steuern und stürzte einsam, ohne Beistand auf das gezeichnete Gesicht. […]4

ich habe glaube ich zu viel Schlafmittel genommen, mir ist ein bischen [sic] komisch lass mich ausschlafen G.56

  1. Walach, Dagmar: Aber ich habe nicht mein Gesicht – Gustaf Gründgens – eine deutsche Karriere. Berlin, 1999, S. 179f. []
  2. Badenhausen, Rolf u. Gründgens-Gorski, Peter (Hrsg.): Gustaf Gründgens – Briefe Aufsätze Reden, S.438-443. []
  3. Ebd., S. 442. []
  4. Ebd. []
  5. Ebd. []
  6. Abschiedsworte von Gründgens auf einem Briefumschlag. []
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