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Harmonie – Antoniucci Volti

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Diese Plastik mit dem Titel „Harmonie“ stammt von Antoniucci Volti (1915-89) und befindet sich in Paris im dritten Arrondissement im Quartier Arts et Métiers auf der Höhe der gleichnamigen Métro-Station. Das auf einem kleinen Platz befindliche Kunstwerk bildet einen optischen Ruhepunkt innerhalb des verkehrsreichen Knotenpunktes, der durch das Zusammentreffen der Rue Réaumur, der Rue de Turbigo, der Rue Beaubourg, der Rue Vaucanson sowie weiterer kleinerer Straßen gebildet wird. Die Kreuzung wird von der Skulptur ästhetisch enorm aufgewertet. Durch einzelne die Skulptur umgebende Birken und Gebüsch ensteht inmitten eines urbanen Umfelds eine kleine grüne, künstlerische Oase, die sich als Treffpunkt eignet aber auch zum kurzen Verweilen und Innehalten einlädt. Ein schönes Beispiel von Kunst im öffentlichen Raum, die eben nicht nur unnahbar im Museum in einer Vitrine bestaunt werden kann, sondern sich in das tägliche Leben einfügt und mit ihm verschmilzt, ob als Treffpunkt, Stadtmöbel oder Kunstwerk oder alles zugleich.
Volti entstammt einer italienischen Familie, die jedoch 1905 nach Frankreich übersiedelte. Dennoch verbrachte er die ersten fünf Jahre seines Lebens in Italien, da sein Vater seinen Kriegsdienst in der italienischen Armee zu absolvieren hatte. Im Jahr 1920 kehrte die Familie dann endgültig nach Frankreich zurück. Im Alter von nur zwölf Jahren wurde Volti in die École des Arts décoratifs in Nizza aufgenommen, die er bis 1930 besuchte. In diesem Jahr wurde ihm auch eine Goldmedaille für zwei polychrome Bas-reliefs (Flachreliefs) verliehen. Danach ging er – erst fünfzehnjährig – nach Paris und trat in das Atelier von Jean Boucher an der École Nationale des Beaux-Arts ein. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft in Bayern kehrte er 1943 krank nach Paris zurück, wo er sein Atelier zerstört vorfand. Seit 1947 nahm er an Ausstellungen verschiedener Pariser Salons teil, 1954 bzw. 1955 an den Biennalen in Brüssel und Antwerpen. Außerdem stellte Volti eine erste Retrospektive seines Werkes 1957 im Musée Rodin in Paris aus. Voltis Werk ist in starkem Maß von der Darstellung des weiblichen Körpers geprägt. Plastiken von Volti befinden sich neben Paris auch in Angers, Orléans, Colombes und Villefranche-sur-Mer.

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Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.

Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.

Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.

Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4

(Weiterlesen)

  1. von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW []
  2. im Jahr 2004 []
  3. siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt“. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt“, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik“ nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif“ von Jörg Jacoby in „konkret“- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret“ kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. []
  4. Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. []
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Bedecke deinen Himmel, Zeus …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Dieses eindrucksvolle Grabmal mit der Darstellung des gefesselten Prometheus befindet sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise in der 96. Division. Gewidmet ist es Paul Boucherot (*1869, †1943), einem Eisenbahningenieur und Erfinder, der in den Rang eines Commandeur de la Legion d’Honneur erhoben wurde, wie die Grabinschrift wissen lässt. Anders als im Mythos, wo der Adler Ethon Prometheus täglich heimsucht, um von dessen sich immer wieder erneuernder Leber zu fressen, scheint es sich hier eher um einen Geier zu handeln, was der Qual jedoch sicher keinen Abbruch tut.

Warum Boucherot ein Grabmal mit dieser Darstellung gesetzt wurde, ist unklar. Vielleicht nimmt es Bezug auf seine wissenschaftliche oder gar religionsfeindliche Weltanschauung, die bei einem Ingenieur ja nicht abwegig ist. Das Grab mutet jedoch etwas hybrisch an, da Boucherot der Menschheit nicht etwas so Grundlegendes geschenkt hat, wie Prometheus, der ihr das Feuer brachte. Boucherot sind einige Erfindungen im Bereich der Elektrotechnik zu verdanken, die aber allesamt nicht den Eindruck erwecken, außergewöhnlich bahnbrechend bzw. grundlegend gewesen zu sein. Möglicherweise verbergen sich in der Wahl der Prometheus-Darstellung auch Zweifel und Selbstkritik des Wissenschaftlers an seinen Erkenntnissen. Nun hat Boucherot aber auch keineswegs die theory of everything bzw. die Weltformel gefunden, wie Möbius in Dürrenmatts Die Physiker, weshalb ethische Zweifel am Nutzen seiner Erfindungen abwegig erscheinen. Prometheus trägt aber aufgrund seiner Zuwendung zum Menschen und seiner Opposition gegen die Götter die Verantwortung dafür, dass Zeus Pandora aus Lehm schaffen und von Hermes auf die Erde bringen ließ, um die Menschheit für den Feuerdiebstahl des Prometheus zu strafen. Prometheus‘ Bruder Epimetheus nahm Pandora – allen Warnungen zum Trotz – zur Frau. Bald jedoch öffnete Pandora die Büchse und entließ somit alle Übel in die Welt, nur elpis (Hoffnung) blieb auf dem Boden der Büchse zurück. So wurde die Welt ein trostloser Ort, bis Pandora die Büchse erneut öffnete und damit auch die Hoffnung in die Welt entließ.
Es ist durchaus vorstellbar, dass Prometheus, der für die Menschen eigentlich Gutes wollte, Schuldgefühle hatte, weil er auch die Übel über sie gebracht hatte. Doch auch hier ist eine Parallele zwischen Prometheus und Boucherot nicht erkennbar. Schließlich sollte man daher nicht die Möglichkeit ausschließen, dass Boucherot einfach ein Freund der Mythologie war und die Prometheus-Sage womöglich die Sage war, die er am meisten mochte.

Ungeachtet allen oben angestellten Spekulationen über die beabsichtigte Aussage der Skulptur, kann festgehalten werden, dass es sich dabei um eine der eindrucksvollsten figürlichen Darstellungen handelt, die sich auf Père Lachaise befinden. Es ist fast verwunderlich, dass Boucherots Grabstätte nicht in der von der Stadt Paris herausgegebenen und kostenlos zur Verfügung gestellten Broschüre mit Friedhofsplan vorkommt. Darin sind immerhin etwa 150 der „meistgefragten Grabstätten“ (Sépultures parmi les plus demandées) verzeichnet. Doch lag bei dieser Zusammenstellung der Schwerpunkt wohl eher auf der Berühmtheit der jeweiligen Verstorbenen als auf dem künstlerischen Wert oder die Originalität der Grabmäler. So sind einige Gräber sehr berühmter Personen alles andere als spektakulär oder künstlerisch wertvoll. Manch weniger Bekannte ist hingegen, wie obiges Beispiel beweist, mit einem absolut bemerkenswerten Grabstein ausgestattet.

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Ex septentrione lux …

tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPGtn_rettete-bei-breitenfeld.JPGtn_gustav-adolph.JPGtn_am-7-september-1631.JPGTotale des Denkmals mit Umzäunung
Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held

Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi mögte straffn / Mit Gott und ritterlichen Waffn / Und das bedrengte Häufflein rettn / In äußerster gefahr und Nöthn. O Bete nun wer beten kan / Der Löw getrost den Feind greiff an / Gott der alte Kirchen Patron / Kan uns durch diesen Gedeon / Eretten auß der Feinde Hand / Und sie stürzen mit Spott und Schand / Daß unser Mund voll lachens frey / Und unser Zung voll rühmens sey/ Weil durch den Helden in höchster Noth / Uns hat erlöst der treue Gott.1

Der „Löw von Mitternacht“ ist der Löwe aus dem Norden (Gustav Adolf), da der Osten für Morgen, der Süden für Mittag und der Westen für Abend steht. Bei dem lateinischen Ausdruck septem triones handelt es sich um die Bezeichnung des Siebengestirns. Die wörtliche Übersetzung jedoch lautet: die sieben Dreschochsen. Die Römer nannten das Sternbild deshalb so, weil sich die sieben hellsten Sterne des Sternbilds um den Polarstern bewegen, wie Ochsen um den Göpel einer Dreschmaschine. Diese Ochsen zu hüten, ist im Übrigen die Aufgabe des benachbarten Sternbilds Bärenhüter, der auch Ochsentreiber genannt wird.2 Plejaden lautet die griechische Bezeichnung für das Siebengestirn, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet. Plejaden hießen nämlich die sieben Töchter des Atlas und der Okeanide Pleione. Aufgrund ihrer Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Dem Mythos zufolge wurden die Plejaden von Zeus als Siebengestirn an den Himmel versetzt, um sie vor den Nachstellungen des Jägers Orion zu retten, doch auch dort werden sie noch immer von Orion verfolgt, dessen Sternbild sich etwa 30° südwestlich der Plejaden befindet. Die Plejaden sind etwa von Mitte September bis Ende April am nördlichen Sternenhimmel sichtbar, daher stehen sie als Synonym für die Himmelsrichtung Norden. (Weiterlesen)

  1. Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt. []
  2. Das Schlagwort ex septentrione lux (aus dem Norden [kommt] das Licht) geht ursprünglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zurück. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch während der Völkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor Körners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst später wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleuropäischer Länder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These ex oriente lux benutzt. Der Meinung dieser Anhänger völkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach Süden hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es völkischen Forschern nie, überzeugende Beweise für diese archäologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser „Ariosophie“ war u.a. die berüchtigte Thule-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des „Dritten Reiches“, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung „nordischer“ bzw. „germanischer“ Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter) betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von Ex septentrione lux wird Jürgen Spanuth gezählt, der 1953 in seiner Veröffentlichung Das enträtselte Atlantis das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeuropäischer Völker in den Mittelmeerraum postulierte. Als früher Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.Ä. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte. []
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In den Startlöchern des Lebens …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich wie bei der 1913 errichteten Hamburger Hochschule für Bildende Künste, ist auch der 1927/28 erbauten Mädchenschule Uferstraße (heute Berufliche Schule Uferstraße) von Künstlerhand eine Art Motto beigegeben. Nur geschah dies hier nicht in Form von Glaskunst, sondern durch die Schaffung einer Skulptur. Anders als etwa beim Hansa-Kolleg, von dem an anderer Stelle noch die Rede sein wird, handelt es sich hier nicht um die bloße Verkörperung dessen, was im Gebäude vor sich geht. Beim Hansa-Kolleg versinnbildlicht dies die Skulptur einer Lesenden recht direkt und nicht überdurchschnittlich originell. Bei der früheren Mädchenschule Uferstraße ist der Sinn der Institution etwas abstrakter in Kunst umgesetzt worden. Dem Betrachter wird daher etwas mehr Interpretationsfähigkeit abverlangt. Vieles scheint für die Deutung zu sprechen, dass sich die Dame nicht etwa bückt, um das nicht vorhandene Schuhwerk zu schnüren, sondern um sich in eine Startposition zu begeben, aus der heraus es ihr am besten gelingen wird, zu starten. In der Leichtatlethik hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass der Tiefstart unter Zuhilfenahme von Startblöcken bei den Sprintdisziplinen bzw. den Kurzstrecken den optimalen Abstoß gewährt. In der Mädchenschule erhielt man demnach den optimalen Start ins Frauenleben. Dies ist eine etwas zielorientiertere Darstellung als beim Hansa-Kolleg, wo es weniger um das Danach als mehr um das Jetzt zu gehen scheint. Aus heutiger Sicht könnte man annehmen, dass in der Beruflichen Schule der optimale Start ins Berufsleben geboten wird. Die Startform suggeriert dem Betrachter, dass hier eine Kurzstrecken- bzw. Sprintausbildung geboten wird, worüber hier jedoch aus mangelnder Kenntnis der gegenwärtigen Ausbildungsdauer kein Urteil gefällt werden kann.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Geschaffen wurde diese aus Muschelkalk bestehende1 „Starterin“ im Übrigen von dem Bildhauer Friedrich Wield (*15. März 1880 Hamburg – †10. Juni 1940 Hamburg), dem ersten Vorsitzenden der 1919 gegründeten Hamburgischen Sezession.

Diese bestand aus 52 Mitgliedern, unter denen sich neben Malern auch Architekten und Bildhauer befanden. Anders als beispielsweise die 1905 in Dresden gegründete „Brücke“ oder der 1911 in München gegründete „Blaue Reiter“, hatte die Hamburgische Sezession keine feste Programmatik. Aufgrund der späten Gründung der Hamburgischen Sezession im Vergleich zu ähnlichen Vereinigungen in Deutschland (Münchner Sezession 1892, Wiener Secession 1897, Berliner Secession 1898), war sie nicht mehr von der Kriegsbegeisterung mancher Expressionisten geprägt. Ihre Mitglieder waren bereits von ihr geheilt, sofern sie je von ihr befallen gewesen waren. Nichtsdestotrotz sind viele Werke bis hinein in die zwanziger Jahre noch vom Expressionismus geprägt. Ab der Mitte der zwanziger Jahre hatten die meisten Mitglieder jedoch den nachexpressionistischen Kunststil der Neuen Sachlichkeit für sich entdeckt. Dass auch Architekten Aufnahme in der Hamburgischen Sezession fanden, rückt diese, von ihrem programmatischen Ansatz her, in die Nähe des zeitgleich in Weimar gegründeten „Bauhauses“, war jedoch weniger systematisch als dieses.

Der künstlerische und auch politische Nonkonformismus der Sezessionskünstler, der sich zu Beginn der dreißiger Jahre mitunter in unverholener Kritik an Repräsentanten der Nationalsozialisten äußerte, führte dazu, dass die Frühjahrsausstellung der Hamburgischen Sezession im Jahr 1933 die erste Ausstellung in Deutschland war, die auf Veranlassung der Nazis polizeilich geschlossen wurde (am 30. März). Als Begründung wurde von der Polizeibehörde angeführt, dass:

[…] die Ausstellungsobjekte in ihrer überwältigenden Mehrzahl zur Förderung des Kulturbolschewismus geeignet sind.2

(Weiterlesen)

  1. Sieker, Hugo (Hrsg.): Bildhauer Wield 1880-1940. Hamburg, 1975, S.89. Auf der Abbildung auf Tafel 12 ist die Figur grau. Es scheint daher unsicher, ob es sich bei der heutigen Figur noch um das Original handelt. Die heutige Figur ist weiß. Möglicherweise wurde sie weiß getüncht. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Nachbildung. []
  2. zitiert nach: Weimar, Friederike: Die Hamburgische Sezession 1919-1933. Fischerhude, 2003, S. 58. []
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Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Wir verkünden euch:
Der Sinn der Erde ist der Schönheit sich als Leib zu bünden
Traum des Seins und Traumeslustgebärde selig in des Lichtes Flur zu gründen
Schöpfungsliebesglanz und Morgenfülle blühen Klänge Maasse Formen Lieder
Der Notwendigkeit Demant Gefieder
Aus des Weltengrunds krystallner Stille
zünden sich zu Gleichniss Glanz und Spiegel irdischer Gesichte Allgestalt
und am Gram des Nichts der ewige Riegel
ist der Schönheit heilige Gewalt

Wir entsenden euch:
Der Sinn der Erde soll in euch sich neuer Klarheit zünden
Hehrer Schönheit herrische Gebärde sollt ihr streng der dumpfen Welt verkünden
Denn verheissen ward:
Der Ewigkeiten erster Ring ist feierlich vollendet
wenn dem fernsten Ding und allen Welten ward des Schönen Botschaft zugesendet
Seid ihm Boten!
Traumgeführt umflogen von der Lustgesichte Schwingenschlag
Seid ihm Künder!
Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Männerskulptur am Gebäude der HFBKSo steht es, nicht frei von Umschweife, in den Fenstern des Vestibüls der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) geschrieben. Der Text flankiert links und rechts die Darstellung einer Frau, die wiederum von der Darstellung zweier Männer umgeben ist. Geschaffen wurden die Fenster von dem österreichischen Graphiker und Maler sowie Mitarbeiter der Wiener Werkstätte Carl Otto Czeschka 1913.
Im gleichen Jahr bezog die Hochschule das von Fritz Schumacher entworfene Gebäude. Nachdem die Schule im Krieg zerbombt worden war, wurde sie 1955 vorbildhaft wiederaufgebaut.
Überlebt haben dabei offenbar die jugendstilhaften Darstellungen einer Frau und eines Mannes aus dem Jahr 1912, die im zur Straße hin gelegenen Innenhof einander gegenüber in die Fassade integriert wurden, so dass sie einander anzublicken scheinen. Darüber hinaus befindet sich die Plastik einer Frau im Vorderhof, die von drei Kindern umgeben ist – zwei Mädchen und einem Jungen. Während die Mädchen Schutz bei der Mutter zu suchen scheinen, ist es fast so, als ob der Junge sich schützend vor seine Mutter stellt.
Skulptur einer Frau mit Kindern auf dem Gelände der HFBKSkulptur Kind auf Pferd auf einem Eckpfosten auf dem Geländer der HFBKDesweiteren befindet sich auf einem Eckpfosten einer Seitenmauer eine Plastik, die aus allen vier Perspektiven das Gleiche darstellt, nämlich einen Knaben auf einem Pferd unter einem Dach aus Rosen. Doch damit nicht genug, die zum Eilbekkanal hin gelegene Fassade ist mit drei weiteren Plastiken bestückt. Diese sind ein märchenhaftes, auf allen Vieren kniendes Pferd mit gelockter Mähne und geblähten Nüstern sowie ein ebenfalls auf allen Vieren kniender Widder, der auch märchenhaft überzogen dargestellt ist. Schließlich befindet sich das Relief einer nackten, von Früchten umgebenen Frau an der Fassade.
Gedenktafel für Professor Friedrich AdlerLeider stößt man auch hier wieder auf eine Gedenktafel, auf der man an Naziverbrechen erinnert wird. Die Nazis haben in ihrem menschenverachtenden und völlig hirnlosen Rassenwahn eben auch diese Hochsschule nicht verschont. Das auf der Tafel vermerkte Zitat, das von dem nach Auschwitz verschleppten und dort umgebrachten Professor Friedrich Adler stammt, würde sich im Übrigen, ebenso wie oben zitiertes Gedicht auch hervorragend als Wahlspruch der Hochschule eignen:

unser Leben wäre armselig, wenn uns nicht die Einbildungskraft, die Phantasie eingeboren wäre.

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Wo trocknen die Deutschen ihre Wäsche?

Cover des Titels ‚Die chinesische Delegation’ von Luo LingyuanSolche und ähnliche Fragen stellen die Mitglieder einer chinesischen Delegation für Stadtentwicklung aus der ostchinesischen Hafenstadt Ningbo ihrer Reiseleiterin in Luo Lingyuans jüngst erschienenem Roman „Die chinesische Delegation“. Die Parallelen zwischen der Reiseleiterin Song Sanya und der Autorin sind unübersehbar. Beide sind gebürtige Chinesinnen, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben und nach Deutschland gegangen sind, wo sie seit mehreren Jahren mit einem deutschen Mann leben und ihren Lebensunterhalt als Reiseleiterin und Dolmetscherin verdien(t)en. In der Sendung Büchermarkt im Deutschlandfunk räumte Lingyuan auch völlig unumwunden ein, die ihr bei dieser Arbeit begegneten Charaktere in diesem Buch versammelt zu haben. Es handelt sich hier also um einen Roman mit autobiographischen Zügen, was ihn in diesem Fall nur noch reizvoller macht.
Neunzehn Delegationsmitglieder wollen in ebenso vielen Tagen Europa bereisen, offiziell, um sich über europäische Architektur und europäischen Städtebau zu informieren, eigens für sie veranstaltete Fachvorträge zu besuchen, Fachkräfte zu akquirieren und Geschäfte einzufädeln, darüber hinaus jedoch auch, um zu „shoppen“, Casinos zu besuchen sowie anderen anrüchigen Vergnügungen nachzugehen. Die Route beginnt in Rom und führt über den Vatikan nach Pisa, Venedig, Wien, Salzburg, München, Leipzig, Berlin, Potsdam, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Trier, Luxemburg und endet schließlich in Paris.
Als „disziplinierten Schnelltouristen“ bereitet den Delegationsmitgliedern ein solches für europäische Reisegewohnheiten überbordendes Programm keine weiteren Schwierigkeiten, was nicht weiter überrascht, ist man doch hierzulande von Japanern schon so einiges gewöhnt. Man möchte meinen, dass derartig in Anspruch genommene Touristen abends direkt ins Bett fallen und schlafen. Doch die Geselligkeit kommt bei den Chinesen offenbar nicht zu kurz. Regelmäßig treffen sie sich in Hotelzimmern anderer Mitglieder, um dort gemeinsam Tee zu trinken und Karten zu spielen. Andere schleichen sich auch mal kurz aus dem Hotel, um Sehenswürdigkeiten des Tages noch einmal auf eigene Faust genauer unter die Lupe zu nehmen.
Das Haupt der Delegation ist Wang Jian, da dieser als stellvertretender Parteisekretär, Vizebürgermeister und Stadtbaurat von Ningbo das ranghöchste Mitglied der Gruppe ist. Sein ziviler Name wird nur am Anfang kurz erwähnt, da er sowohl von den Mitreisenden als auch von der Reiseführerin ängstlich respektvoll mit Kommandant Wang angesprochen wird bzw. nur mit Kommandant. Er ist ein despotischer Mensch, von dessen Launen das Befinden der gesamten Gruppe beeinflusst wird, dem von Mitreisenden immer Honig ums Maul geschmiert wird, um ihn bei Laune zu halten, was insofern auch wichtig ist, weil er aufgrund seiner Position durch Auftragsvergabe oder eben Auftragsverweigerung das wirtschaftliche Wohl und Wehe seiner Mitreisenden in der Hand hat. Wang ist ein abstoßender Charakter, der die Reiseleiterin, die er ungeachtet ihrer Herkunft sowieso als Ausländerin (Dissidentin?) betrachtet, permanent tyrannisiert und schikaniert. Ein Mann voller Doppelmoral, der vor dem Betreten besonders anrüchiger und kapitalistischer Orte, wie der Reeperbahn moralinsaure Vorträge hält, in denen er die Gruppe daran erinnert, wen sie vertritt:

„Genossen“, ruft er ins Mikrofon. „Wir werden ein Stadtviertel sehen, das korrupt und verkommen ist, und wo öffentlich Dinge stattfinden, die in China zu Recht verboten sind. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht den Abschaum des Kapitalismus mit seiner goldenen Seite verwechseln. Eine kritische und distanzierte Betrachtungsweise ist angebracht. Ich betone: kritisch und distanziert!

Was Kommandant Wang darunter versteht, kann man dann in Amsterdam beobachten. (Weiterlesen)

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„… laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Das Denkmal erinnert an die Schlacht bei Möckern – eine Teilschlacht der Völkerschlacht bei Leipzig. Hierbei wurde am 16. Oktober 1813 das von französischen Elitetruppen unter Marschall Marmont zur Festung ausgebaute Dorf Möckern (im Nordwesten Leipzigs) von der Schlesischen Armee unter Führung ihres Oberbefehlshabers Gebhard Leberecht von Blücher („Marschall Vorwärts“) sowie vom Preußischen Armeecorps unter Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg erobert. Etwa 10.000 Franzosen und 5.000 Preußen ließen bei dem Gemetzel ihr Leben. Dieser Sieg trug dazu bei, dass Napoleon eine Verkürzung des durch seine Truppen gezogenen Schlachtbogens vornehmen musste. Am 19. Oktober wurde Napoleon endgültig von der Koalition besiegt.
Das Sächsische Königreich gehörte durch den 1806 mehr oder weniger zwangsweise erfolgten Beitritt zum Rheinbund (Confédération du Rhin) zu den Verbündeten Frankreichs und war somit verpflichtet, Napoleon große Militärkontingente zu stellen. Im Gegenzug war Kurfürst Friedrich August I. (der Gerechte) zum König erhoben worden. Sachsen diente den Franzosen nur unwillig und gezwungenermaßen, wurde aber nichtsdestotrotz von den Siegern als Kollaborateur angesehen und musste fürchten, als solcher vom Wiener Kongress abgestraft zu werden. Preußens Ziel war es dabei, im Zuge der Arrondierung seines Territoriums, sich das Königreich Sachsen als Ganzes einzuverleiben, was jedoch nicht gelang, da es nicht dem Interesse Österreichs bzw. Frankreichs (die Monarchie war wiederhergestellt) entsprach, Preußen mehr als nötig erstarken zu lassen. Das europäische Gleichgewicht stand auf dem Spiel.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007
Immerhin fielen Preußen aber doch etwa 57% des sächsischen Territoriums und 42% der sächsischen Bevölkerung zu, von zuvor etwa 2 Millionen Einwohnern verblieben nur noch 1,2 Millionen. Das somit gewonnene Gebiet wurde „Provinz Sachsen“ genannt und entspricht großen Teilen des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Nicht nur dort fühlten sich die Menschen als „Musspreußen“.
Wie zum Trost dafür, nicht ganz Sachsen bekommen zu haben, wurden Preußen im Westen Territorien erheblichen Ausmaßes zugestanden, nämlich die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz, mit dem Nebeneffekt, dass somit der katholische Bevölkerungsanteil im bis dahin fast ausschließlich protestantischen Preußen wesentlich zunahm.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Zu den von Sachsen an Preußen abgetretenen Gebieten gehörte neben Merseburg, Naumburg, Mansfeld und Querfurt auch Wittenberg, die alte Hauptstadt Kursachsens – also ursächsisches Gebiet. Bereits 1817 wurde die durch Luther und Melanchton weltberühmt gewordene – sächsische – Universität Leucorea („leukos“ = weiß in Anlehnung an „Wittenberg“ = weißer Berg) mit der preußischen Universität Halle zur Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg zusammengelegt.
Das Dorf Möckern nun, das mittlerweile längst ein Stadtteil Leipzigs ist (Eingemeindung 1. Oktober 1910), zählte 1813 gerade einmal 300 Einwohner und gehörte zum dort befindlichen Rittergut. Nach der Schlacht ist der Ort fast völlig zerstört (15 Häuser bzw. Güter, das Gemeindehaus, die Schule, das Hirtenhaus und wohl auch die Windmühle). Zudem hatte die Gemeinde im April 1813 einen Kredit von 300 Talern aufnehmen müssen, um die zu diesem Zeitpunkt noch einquartierten russischen Truppen unterhalten zu können.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Möglicherweise hatte das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung Möckerns noch in Erinnerung, dass es nicht einmal 200 Jahre her war, dass schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1637 Möckern in Brand steckten. Zuvor waren im Jahr 1631 Tillys Truppen vor der Belagerung Leipzigs an Möckern vorbeigezogen, wo sie ein Lager aufschlugen. Immerhin handelte es sich dabei um 21.000 Mann Fußvolk und 11.000 Reiter, deren Verpflegung Möckern sicher eine große wirtschaftliche Last auflud. Doch Möckern lebte auch später mit dem Militär, als nämlich 1877 nach zweijähriger Bauzeit die Infanteriekaserne fertiggestellt wurde und bald darauf das 7. Kgl. Sächsische Infanterie-Regiment „Prinz Georg“ Nr. 106 dort stationiert wurde. Nachdem auf dem Gelände nach dem Ersten Weltkrieg Sicherheitskompanien untergbracht waren, diente die Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1949 als Flüchtlings- und Umsiedlerlager sowie als Quarantänelager für zurückkehrende Soldaten. Von 1952-56 beherbergte die Kaserne Einheiten der Kasernierten Volkspolizei. Von 1956-90 schließlich waren Einheiten der NVA dort untergebracht.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ein Jahr lang nutzte die Bundeswehr noch die Kaserne, ehe sie einer zivilen Nutzung zugeführt wurde. Seit 1991 befindet sich auf dem ehemaligen Kasernenareal die Landesversicherungsanstalt Sachsen, seit 1997 der Neubau des Leipziger Arbeitsamts. Zusammen mit weiteren dort angesiedelten Institutionen bildet der Komplex heute das Sozialversicherungszentrum Leipzig.
Doch zurück zum eingangs erwähnten Denkmal. Dieses befindet sich heute vor der Auferstehungskirche, die am 10. November 1901 als Not- bzw. Interimslösung eingeweiht wurde, jedoch bis heute aufgrund zweier Weltkriege, Weltwirschaftskrise und Sozialismus nach wie vor unverändert als Fachwerkbau mit Ausfachung aus unverputzten gelben Ziegeln besteht. Von 1886 bis 1901 waren Gottesdienste in der Aula der 1884-86 gebauten „roten Schule“ abgehalten worden. Bis in das Jahr 1543 war Möckern nach der Thomaskirche in Leipzig gepfarrt, nach der Reformation nach Wahren sowie von 1544-1857 nach Eutritzsch und 1857 schließlich wieder nach Wahren. Im Jahr 1901 war also erstmals die Kirche im eigenen Dorf.
(Weiterlesen)

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Friede den Entschlafenen

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Der Sarkophag erinnert an die letzte Phase der Besatzung Hamburgs durch napoleonische Truppen im Winter 1813/14. Tausende Hamburger Bürger, die nicht ausreichend persönlichen Proviant vorweisen konnten, wurden damals von den Besatzern des Stadtgebietes verwiesen. Den Franzosen ging angesichts der Belagerung der Stadt durch die Allierten die Verpflegung der Truppe vor – hungrige Zivilisten hatten da das Nachsehen. Etwa ein knappes halbes Jahr später wurde die Stadt von russischen Truppen befreit, was nicht verhinderte, dass viele der Vertriebenen den Tod fanden. Der Sarkophag befindet sich auf dem Gelände von Planten un Blomen in Hamburg. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet:
FRIEDE DEN ENTSCHLAFENEN
AN DIESER STÆTTE RUHEN DIE GEBEINE VON ELFHUNDERT ACHT UND DREIZIG HAMBURGERN WELCHE MIT VIELEN TAUSENDEN IHRER MITBÜRGER VON DEM FRANZÖSISCHEN MARSCHALL DAVOUST IM HÆRTESTEN WINTER 1813 UND 1814 AUS DEM BELAGERTEN HAMBURG VERTRIEBEN, MIT MENSCHENFREUNDLICHER MILDE IN ALTONA AUFGENOMMEN, VON DESSEN EDLEN EINWOHNERN SOWIE VON IHREN FRÜHER AUSGEWANDERTEN LANDESLEUTEN IN IHREM ELENDE UNTERSTÜTZT UND VERPFLEGT, DEM UNGEACHTET ABER OPFER IHRES KUMMERS UND ANSTECKENDER SEUCHEN WURDEN
IM JAHRE 1841 IST DIESES MONUMENT MIT DEN GEBEINEN VON OTTENSEN HIERHER VERSETZT.
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Skulptur an der Fassade des Fleischgroßmarktes Hamburg in der Sternstraße 106, Nähe Sternschanze (Fotomontage)

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