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	<title>L’esprit d’escalier</title>
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		<title>Geschützt: Sterbendes Blau</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 21:40:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Artikel ist.]]></description>
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		<title>Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Aug 2008 21:38:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschutzbunker]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmale]]></category>
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		<category><![CDATA[Mahnmal]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun steht „Radio Hamburg&#8221; ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der „schönsten Stadt der Welt&#8221; nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg&#8221; mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/wasserturm-radio-hamburg.jpg" rel="lightbox[120808]"><img class="alignleft size-full wp-image-200311" title="screen capture von der Radio-Hamburg-Homepage" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/wasserturm-radio-hamburg-thumbnail.jpg" alt="" width="175" height="140" /></a><span class="initial">N</span>un steht „Radio Hamburg&#8221; ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der  „schönsten Stadt der Welt&#8221; nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg&#8221; mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht unwesentliche Wissenslücke offenbart.</p>
<p>So geschehen am dritten August dieses Jahres. In Geschäften oder bei der Sendersuche kommt man bisweilen nicht umhin, diesem Sender zu begegnen. Da der dritte August ein Sonntag war, war es also auf der Suche nach einem Sender, als der Auto-Scan innehielt und plötzlich der gute alte „Lotto King Karl&#8221; in die heimischen vier Wände hinein tönte. In gewohntem Barmbek-Ba(r)sch-Tonfall moderierte der Musiker auf durchaus nicht unsympathische Weise seine offenbar neue Sendung „Radio Hamburg rockt&#8221;, die immer sonntags von 18 bis 20 Uhr ihren Lauf nimmt.<br />
Es muss gegen 19:10 Uhr gewesen sein, als „Lotto&#8221; begann, einen Text vorzulesen, in dem auf die Happy Hour in einer Hamburger Cocktail-Bar hingewiesen wurde, denn diese Zeit ist laut Programmschema für „unsere Tipps für Ihre Freizeit&#8221; reserviert. Ob es sich hierbei um reine  Veranstaltungshinweise handelt oder womöglich um als Veranstaltungshinweise getarnte Werbung, sei dahin gestellt. Nun also O-Ton „Lotto&#8221;:</p>
<blockquote><p>Und wenn ihr euch das lieber ein bisschen gemütlich machen wollt heute Abend, dann geht am besten in die »Turm Bar«.</p></blockquote>
<p>Bis hierhin ist nichts einzuwenden. Doch jetzt folgte ein Satz, der schon fast wie eine historische Hintergrundinformation anmutet:</p>
<blockquote><p>Früher floss hier das Wasser, heute sind es Bier und Cocktails.</p></blockquote>
<p>Bevor „Lotto&#8221; nun explizit zur &#8211; sicher unbewussten &#8211; Umdeutung historischer Fakten anhub, präzisierte er noch die Vorzüge der Bar:</p>
<blockquote><p>Macht es euch auf den Rattanmöbeln zwischen Palmen gemütlich und noch bis 20:30 Uhr ist Happy Hour, das heißt, alles [sic] Cocktails gibt&#8217;s zum halben Preis wie zum Beispiel eine Strawberry Daiquiri für 3,75 Euro.</p></blockquote>
<p>Abschließend informierte „Lotto&#8221; die Hörer, wo genau die Sause steige und versorgte sie dabei zugleich mit einer Desinformation:</p>
<blockquote><p>Die Bar findet ihr im ehemaligen Wasserturm auf der Moorweide in der Rothenbaumchaussee 2.</p></blockquote>
<p>Unter dieser Adresse findet sich tatsächlich und bekanntermaßen die „Turm-Bar&#8221;. Was also ist nun das Problem? Dieses besteht darin, dass es sich bei dem Gemäuer, in welchem sich diese Bar befindet, mitnichten um einen „ehemaligen Wasserturm&#8221;, sondern vielmehr um einen einstigen Luftschutzbunker handelt &#8211; ein nicht gänzlich unbedeutender Unterschied immerhin. Wenn also darin Wasser floss, dann vielleicht in Form von Angstschweiß und Tränen, aber gewiss nicht zum Zweck der Wasserbevorratung und Wasserdruckerzeugung.<span id="more-120808"></span><br />
Jener Bunker ist einer von elf in Hamburg errichteten Rundturmbunkern vom Typ Zombeck. Der Zombeck-Bunker in Altona wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, ebenso wie derjenige am ZOB<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_0_120808" id="identifier_0_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="im Jahr 2002">1</a></sup>, so dass heute noch neun Türme dieser Art in Hamburg existieren. Der am zentralsten gelegene dieser zehn Türme, wenn nicht gar sämtlicher Hamburger Luftschutzbauten ist nun eben jener auf der Moorweide. Seine Entfernung zur Binnenalster beträgt gerade einmal 600 Meter Luftlinie, zum Bahnhof Dammtor gar nur 150 Meter. Errichtet wurde er im Jahr 1940 nach Entwürfen des Bauassesors Rudhard.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_1_120808" id="identifier_1_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &amp;#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse R&uuml;ttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbeh&ouml;rde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 80.">2</a></sup> Die Zombeck-Türme waren &#8211; anders als die Bunkerhäuser &#8211; nur für einen kurzen Aufenthalt konzipiert, nämlich, um Passanten Schutz zu gewähren.  Deshalb wurden sie an besonders stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten errichtet, so z.B. an den U- und S-Bahnhöfen Barmbek und Sternschanze, zwischen den U-, bzw. U- und S-Bahnhöfen Baumwall und Landungsbrücken, am  S- und Fernbahnhof Hasselbrook und eben auch am U-, S- und Fernbahnhof Dammtor an der Moorweide.<br />
Im Vergleich zu den anderen Hamburger Zombeck-Bunkern ist jener auf der Moorweide aufwändiger, im Stil des nationalsozialistischen Staatsklassizismus gestaltet. So ist der Sockel bis über die Eingänge mit Werkstein verkleidet. Der Fries besteht aus Kassetten, die ebenfalls aus Werkstein gefertigt wurden und detaillierter gearbeitet sind als diejenigen anderer Türme, sofern sie überhaupt über welche verfügen. Die Lüftungsstutzen am Sockel sind als gerahmte Okkuli ausgebildet, die Beschläge der Flügeltüren des Haupteingangs sind aufwändiger gestaltet, als es ihre Funktion erfordert. Schließlich verfügte der Turm ursprünglich gar über einen Balkon, der mittlerweile demontiert wurde und von dem heute nur noch die Armierungen übrig geblieben sind.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_2_120808" id="identifier_2_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. ebd.">3</a></sup><br />
Dieser größere Gestaltungsaufwand kam nicht von ungefähr. Die Moorweide diente den Nationalsozialisten nämlich als Aufmarschplatz. Dessen eingedenk überrascht es nicht sonderlich, dass der dort befindliche Bunker auch repräsentative Zwecke zu erfüllen hatte. Der Balkon schließlich war auf jener der Moorweide zugewandten Seite angebracht und trug offenbar den Namen „Führerbalkon&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_3_120808" id="identifier_3_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., S.81.">4</a></sup> Ob Hitler je von dort oben zu einer seiner demagogisierten und fanatisierten Gruppen von Uniformfetischisten und Rassenhassern gesprochen hat, ist dem Verfasser nicht bekannt, doch ist es durchaus vorstellbar, dass der Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann oder ein anderer NS-Funktionär solches getan haben. Jedenfalls habe Kaufmann sich nach Luftangriffen auf Hamburg im September 1941 mit der Bitte an Hitler gewandt, die Juden deportieren lassen zu dürfen, um Wohnraum für Ausgebombte zu schaffen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_4_120808" id="identifier_4_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Bajohr, Frank: Die Deportation der Juden &amp;#8211; Initiativen und Reaktionen aus Hamburg. In: Beate Meyer (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933-1945. Hamburg 2006, S. 33.">5</a></sup><br />
Nicht lange danach, im Oktober 1941 nämlich, wurde dann mit der Umsetzung genau dieses menschenverachtenden Vorhabens in Hamburg und im gesamten Deutschen Reich sowie darüber hinaus begonnen. Der nordwestliche Bereich der Moorweide, der von der Edmund-Siemers-Allee und der Moorweidenstraße begrenzt wird, war ein Sammelpunkt für die Deportationen Hamburger Juden, wohl weil das Grindel-Viertel, welches das Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg war, unmittelbar an die Moorweide grenzt.<br />
Der Zombeck-Turm ließe sich zusammen mit dem ebenfalls auf der Moorweide befindlichen Mahnmal für die jüdische Deportierten als zwei korrespondierende Denkmalhälften vestehen, an denen sich Ursache und Wirkung ablesen lassen: keine Luftangriffe, ohne ein voran gegangenes unmenschliches Unrechtsregime. Die Deportationen stehen für unendliches Leid und die Absicht der gezielten Vernichtung eines ganzen Volkes und schließlich für millionenfachen Mord. Die Luftangriffe stellen eine Reaktion der Alliierten auf ein menschenverachtendes, totalitäres und brutales Regime dar, das nicht nur große Teile der eigenen Bevölkerung sondern auch derer vieler anderer Länder massakrierte und mittels einer perversen Vernichtungsindustrie massenhaft umbrachte. Auch die Luftangriffe haben menschliches Leid verursacht. Damit sollte aber nicht ein ganzes Volk ausgelöscht werden, sondern ein Volk demoralisiert werden, damit es sein Mitwirken an diesem von Fanatismus und Hass motivierten Treiben beende und sich besinne. Offenbar bewirkten die Luftangriffe aber das Gegenteil. Hier wie da war menschliches Leid die Folge, doch darf das von den Luftangriffen verursachte Leid nicht aus dem Kontext heraus gelöst werden. Genau für einen solchen Umgang mit der Geschichte bietet die Moorweide eine gute Voraussetzung.<br />
Die Geschichte der Moorweide geht freilich weiter zurück, doch war der Ausgangspunkt für diesen Exkurs ja der vermeintliche Wasserturm und mithin das Jahr 1940. Nicht nur, aber auch in diesem Kontext sollte man den Turm sehen. Es spricht nichts dagegen, dass der Turm heute als Bar genutzt wird. Im Gegenteil. Dies ist eine schöne Weise, Geschichte in die Gegenwart zu integrieren, ohne sie zu verleugnen. Wie aber soll man aus Geschichte lernen, wenn man einen ehemaligen Luftschutzbunker für einen einstigen Wasserturm hält? Wie zudem, wenn ein Radiosender diese Mär verbreitet. Vielleicht würde die eine oder andere dezente Hinweistafel dabei behilflich sein, die wahre Vergangenheit dieses Gemäuers zu vermitteln. Es muss ja nicht gleich aus jedem Turm ein Museum gemacht werden. Die Kenntnis davon, dass es sich bei einem Gebäude um einen ehemaligen Luftschutzbunker handelt, hält ja zudem offenbar kaum davon ab, dass darin Partys gefeiert werden, wie man am ehemaligen Gefechtsturm auf dem Heiligengeistfeld sehen kann.</p>
<p>Die Autoren des von der Hamburger Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt herausgegebenen Bandes „Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_5_120808" id="identifier_5_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &amp;#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse R&uuml;ttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbeh&ouml;rde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 81.">6</a></sup> erachten den Erhalt des Bunkers auf der Moorweide für wichtig, denn er:</p>
<blockquote><p>„[...] vermittelt deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit der katastrophalen Kulmination im Nationalsozialismus &#8211; hier die Aspekte Bombenkrieg und Zerstörung. Damit stellt der Turm ein Mahnmal dar, als anschaulicher Sachzeuge unübersehbar und von großer Präsenz auf einer viel besuchten historischen Grünanlage, an viel befahrenen Straßen und einer wichtigen Bahnstrecke. Die Erhaltung des Bauwerks liegt daher wegen der historischen Bedeutung als bauliches Dokument des Dritten Reiches, der baugeschichtlichen Bedeutung als Beispiel einer für den Luftkrieg kreierten zeittypischen Bauaufgabe, der Bedeutung als authentisches Mahnmal gegen Krieg und Faschismus sowie zur Bewahrung charakteristischer, historisch aussagekräftiger Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/#footnote_6_120808" id="identifier_6_120808" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">7</a></sup></p></blockquote>
<p>Die Voraussetzung dafür, dass der Bunker diese Aufgabe als Mahnmal erfüllen kann, ist aber eben die Kenntnis davon, dass es sich um einen Bunker handelt und nicht um einen Wasserturm &#8230;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_120808" class="footnote">im Jahr 2002</li><li id="footnote_1_120808" class="footnote">Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 80.</li><li id="footnote_2_120808" class="footnote">Vgl. ebd.</li><li id="footnote_3_120808" class="footnote">Ebd., S.81.</li><li id="footnote_4_120808" class="footnote">Vgl. Bajohr, Frank: Die Deportation der Juden &#8211; Initiativen und Reaktionen aus Hamburg. In: Beate Meyer (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933-1945. Hamburg 2006, S. 33.</li><li id="footnote_5_120808" class="footnote">Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker &#8211; Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 81.</li><li id="footnote_6_120808" class="footnote">Ebd.</li></ol>
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		<title>»einestages« testet Printausgabe</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Aug 2008 17:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[»Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug1.jpg" rel="lightbox[2748]"><img class="alignleft size-full wp-image-200406" title="SPIEGEL-ONLINE-Schriftzug (Foto vom Schild am Eingang des Redaktionsgebäudes in der Willy-Brandt-Straße 20 in Hamburg)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug-thumb1.jpg" alt="" width="200" height="102" /></a><span class="initial">»</span>Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher an einem Magazin wie »Die Zeit &#8211; Zeitgeschichte« (meist 4,50 EUR) und sehr populärwissenschaftlichen Magazinen wie »P.M. History« (4,50 EUR) oder »G Geschichte« (4,30 EUR).</p>
<p>Abgesehen davon, dass es angesichts des bestehenden Negativtrends in der Presselandschaft bereits bemerkenswert ist, dass überhaupt noch ein Verlag den Versuch unternimmt, einen neuen Titel am Markt zu platzieren, scheint ein weiterer Punkt fast noch erstaunlicher. Während die meisten heutzutage online präsenten Presseerzeugnisse nämlich zuerst als Printausgabe existierten und sich dann &#8211; den Zeichen des Internetzeitalters früher oder später Rechnung tragend &#8211; eine Internetpräsenz zulegten, ist bei »einestages« genau das Gegenteil der Fall. Im Oktober 2007 auf den Seiten von »Spiegel-Online« gelauncht, hat »einestages« offenbar eine so große Resonanz bei den Lesern hervorgerufen, dass man nun den Testballon einer Printversion startet.</p>
<p>Ein ähnliches Phänomen ließ sich zuvor schon beim »ebay-Magazin« beobachten, das die Stern-Verlagsgruppe im Jahr 2007 herausbrachte, wenngleich sich die Parallelen zwischen »ebay-Magazin« und der Printversion von »einestages« darin erschöpfen dürften, dass beide aus einem Internet-Projekt hervorgingen. Abgesehen davon ging ja nicht »ebay.de« in Druck, sondern Geschichten und Erlebnisse rund um die Auktionsplattform.</p>
<p>Eine weitere Besonderheit von »einestages« ist, dass es zu einem großen Teil aus »User Generated Content« besteht. Das ist nicht zuletzt wirtschaftlich sehr vorteilhaft für den Verlag. Man lässt einfach die Leser ihre persönliche Geschichte bzw. Erinnerung schreiben, bebildern und sich dann zuschicken. Man selbst überprüft und redigiert sie schließlich »nur« noch, bündelt und präsentiert sie und setzt die Themen. Die Gesamtheit dieser Geschichten solle nicht weniger als ein »kollektives Gedächtnis unserer Geschichte« bilden, so ist bei »einestages« zu lesen. Das klingt nach einem hehren Vorhaben und ist es womöglich auch. Doch auch bei »einestages« ist Werbung geschaltet, wenn auch wenig aufdringlich. Letztlich geht es mit Sicherheit auch darum, Geld zu verdienen, schließlich ist der »Spiegel« kein Verein von Altruisten. Von der Printausgabe wird man sich erhoffen, mit »User Generated Content« Gewinn zu erwirtschaften. Was mit Talkshows seinen unheilvollen Anfang nahm, könnte somit eine glückliche Wende nehmen. Die User steuern ihre Geschichten bei, können sie dann als Leser in einer Printausgabe lesen, ein Pool der Geschichte des Privaten Lebens wird geschaffen, und »Der Spiegel« verdient daran, ohne viel investieren zu müssen. Die Liste der Partner von »einestages« stimmt zudem optimistisch hinsichtlich der Qualität des Inhalts. So finden sich dort u.a. das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die defa-spektrum GmbH, das Deutsche Auswandererhaus sowie der Progress Film-Verleih. Man setzt also nicht allein auf »User Generated Content«, sondern favorisiert eine Mischung.</p>
<p>Bemerkenswert ist, diese Spitze sei erlaubt, dass »Der Spiegel« hier auf das Wissen der Massen vertraut, wo er viele Phänomene des »Web 2.0«, wie z.B. Blogs doch meist äußerst skeptisch kommentiert, belächelt und klein zu reden versucht. Vielleicht muss das Wissen der Massen eben nur von hoch qualifizierten Spiegel-Redakteuren kontrolliert, kanalisiert und veredelt werden sowie dem »Spiegel« zu Profit verhelfen, um als gut befunden zu werden.</p>
<p>Letzten Endes scheint »einestages« ein interessantes und viel versprechendes Projekt zu sein. Ein Projekt zudem, von dem alle profitieren und das es verdiente, in den Zeitschriftenkiosken Fuß zu fassen. Geschichte ist wichtig und ihre Kenntnis noch viel mehr. Und wenn »Der Spiegel« obendrein noch Geld damit verdient, ist das auch nicht von Schaden, es gibt weiß Gott Schlimmeres. Endlich einmal kein weiterer Lifestyle-Magazin-Klon oder Frauen-Magazin-Abklatsch, dafür gönnt man dem »Spiegel« auch ein kleines bisschen Gewinn. Es ist übrigens als gutes Zeichen im Sinne des Kampfes gegen die Verdummung zu werten, dass »einestages« am 5. März den goldenen LeadAward 2008 in der Kategorie »Webmagazin des Jahres« erhielt und nicht irgendein Lifestyle-Webmagazin. Muss es da weiter stutzig machen, dass »Der Spiegel« in der Sponsorenliste des LeadAward auftaucht? Es bleibt abzuwarten, ob der Printausgabe der gleiche Erfolg beschieden sein wird wie der Online-Version.</p>

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		</item>
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		<title>Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick?</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 22:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[In seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag&#8221; vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen: „Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]&#8221; nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen: „[...] Silber.&#8221; Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug.jpg" rel="lightbox[1133]"><img class="alignleft size-full wp-image-200400" title="SPIEGEL-ONLINE-Schriftzug (Foto vom Schild am Eingang des Redaktionsgebäudes in der Willy-Brandt-Straße 20 in Hamburg)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug-thumb.jpg" alt="" width="200" height="102" /></a><span class="initial">I</span>n seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag&#8221; vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen:</p>
<p>„Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]&#8221;</p>
<p>nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen:</p>
<p>„[...] Silber.&#8221;</p>
<p>Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form des Verbs „erschießen&#8221; gemeinhin nicht in einer Kette „Dativobjekt-Akkusativobjekt&#8221; verwendet wird, sondern lediglich mit einem der Reflexivform innewohnenden Akkusativobjekt. Setzt man nun die feststehende Form „sich erschießen&#8221; in Bezug zu einem Dativobjekt und lässt dann ein sich darauf beziehendes Akkusativobjekt folgen, besteht die Gefahr der Missverständlichkeit. Diese Gefahr betrifft wie im oben geschilderten Fall z.B. die dritte Person Singular, da bei dieser die Form des Reflexivpronomens vom Kasus unberührt bleibt.  Gleiches trifft aber auch auf die erste, zweite und dritte Person Plural zu:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ich erschieße mich / mir</strong><br />
<strong>Du erschießt dich / dir</strong><br />
<strong>Er / sie / es erschießt <span style="color: #b22222;">sich / sich</span></strong><br />
<strong>Wir erschießen <span style="color: #b22222;">uns / uns</span></strong><br />
<strong>Ihr erschießt <span style="color: #b22222;">euch / euch</span></strong><br />
<strong>Sie erschießen <span style="color: #b22222;">sich / sich</span></strong></p>
<p>Es ist anzunehmen, dass sich eben aufgrund dieser Problematik die Wendung „jmdm. etw. erschießen&#8221; nirgendwo lexikalisiert findet. Selbstverständlich steht es jedem frei, Neologismen bzw. Wendungen und Kombinationen in den Sprachschatz einzubringen. Das macht diesen ja unter anderem aus. Wenn man sich Gold erschwimmen und Bronze erlaufen  kann, warum sollte man sich nicht auch Silber erschießen können? „Jmdm. etw. erlaufen&#8221; ist beispielsweise lexikalisiert, nämlich: „durch Laufen (als Preis) gewinnen: du hast [dir] viele Trophäen erlaufen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/#footnote_0_1133" id="identifier_0_1133" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: DUW">1</a></sup></p>
<p>Bei solchen Übertragungen anderer unproblematischer Wendungen sollte man jedoch vielleicht darauf Acht geben, dass es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Natürlich erschließt der Kontext alsbald den gewollten Sinn. Dennoch stockt man zunächst. „Sich Silber erschwimmen&#8221; ist deshalb unproblematisch, weil „sich erschwimmen&#8221; allein nicht lexikalisiert ist, schon gar nicht mit problematischer Bedeutung. „Sich erschießen&#8221; hingegen ist eben lexikalisiert.</p>
<p>Was spräche dagegen, in einem missverständlichen Fall herkömmliche Verben wie „erkämpfen&#8221;, „erstreiten&#8221; „erringen&#8221;, „erreichen&#8221; oder „erzielen&#8221; zu verwenden? Dass man auf „gewinnen&#8221; verzichtet, ist dann verständlich, wenn deutlich gemacht werden soll, dass der Sieg weniger auf Glück als vielmehr auf Kampf, Zähigkeit, Fähigkeit, Konzentration, Betablocker &#8211; wie offenbar im Fall des nordkoreanischen Sportschützen Kim Jong Su &#8211; oder anderweitige Leistung zurückzuführen ist.</p>
<p>Besonders problematisch wird „jmdm. etw. erschießen&#8221;, wenn die 3.P.Sg. oder eine der drei Personen Plural im Präteritum verwendet werden &#8211; wie im behandelten Beispiel &#8211; weil hier die Syntax so geartet ist, dass das Akkusativobjekt erst an letzter Position erscheint und somit Leser bzw. Hörer bis zuletzt im Unklaren lässt bzw. im Glauben, dass sich jemand erschossen habe. Die Formulierung im Perfekt wäre hingegen unproblematisch, weil hier das erklärende Akkusativobjekt vor dem problematischen Verb kommt: „Er hat sich Silber erschossen.&#8221; Das Präsens dagegen birgt das gleiche Problem wie das Präteritum: „Er erschießt sich Silber.&#8221; Das Plusquamperfekt ist wieder unproblematisch: „Er hatte sich Silber erschossen.&#8221; Ebenso unproblematisch sind Futur I und Futur II: „Er wird sich Silber erschießen bzw. erschossen haben.&#8221;</p>
<p>Doch Spiegel Online macht den Eindruck, „jmdm. etw. erschießen&#8221; zur Gleichberechtigung gegenüber „jmdm. etw. erlaufen&#8221; verhelfen zu wollen. So kann man dort z.B. in einem Artikel vom 30.11.2007 über die Biathletin Magdalena Neuner lesen:</p>
<blockquote><p>Sie [...] düpierte die gesamte Biathlon-Weltspitze, erlief und erschoss sich Gold in den Disziplinen Verfolgung, Sprint und in der Staffel.</p></blockquote>
<p>Das klingt ja schon fast nach dem „goldenen Schuss&#8221;. Im Kampf um die Gleichberechtigung will wohl auch der Hessische Rundfunk nicht hintan stehen und vermeldete gestern:</p>
<blockquote><p>Der [...] Sportschütze Christian Reitz ist der erste Hesse, der in Peking eine Medaille erobert hat. Am Samstagfrüh [sic] erschoss er sich Bronze.</p></blockquote>
<p>Weniger missverständlich, da sensibler formuliert, äußert sich die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung „.ch&#8221;, wo es in einer Meldung vom 15. August heißt:</p>
<blockquote><p>Die Bronzemedaille erschoss sich der Russe Bajir Badenow gegen Juan Rene Serrano aus Mexiko [...].</p></blockquote>
<p>Ein geschickter syntaktischer Schachzug: Man stellt einfach das Akkusativobjekt ganz an den Anfang und kann somit problemlos „jmdm. etw. erschießen&#8221; in der 3.P.Sg. und im Präteritum verwenden. Hier wird allerdings „jmdm. etw. erschießen&#8221; noch ergänzt, so dass man „jmdm. etw. gegen jmdn. erschießen&#8221; erhält.</p>
<p>Ebenfalls sprachlich sensibler als Spiegel Online und der Hessische Rundfunk zeigt sich ausgerechnet der Deutsche Schützenbund, der nämlich in einer Meldung vom  5. Mai dieses Jahres den doppeldeutigen Begriff in Anführungszeichen setzt:</p>
<blockquote><p>In der Einzelwertung der Junioren war es Florian Hoheisel [...], der sich mit 595 Ring [sic] die Goldmedaille »erschoss«.</p></blockquote>
<p>Möglicherweise ist man angesichts der jüngsten Amokläufe um seinen Ruf besorgt und will Missverständnisse um jeden Preis vermeiden.</p>
<p>Ein Beispiel, bei dem die Aufklärung wirklich lange auf sich warten lässt, findet sich in den aktuellen Mitteilungen des SSG-Röwekamp, eines Schützenvereins aus dem Landkreis Osnabrück, wo es heißt:</p>
<blockquote><p>Lisa erschoss sich im Finale mit anschliessendem Stechschuß vom 6. Platz aus gestartet noch die Bronzemedaille.</p></blockquote>
<p>Spätestens nach dem Stechschuss wähnten die meisten Leser Lisa wohl nicht mehr unter den Lebenden. Ganz davon zu schweigen, dass hier der Gebrauch von Eszett und doppeltem „S&#8221; etwas durcheinander geraten ist und auch der Einsatz von Kommas zum Zweck der Gliederung und Verständniserleichterung ein wenig zu kurz gekommen ist.</p>
<p>Abschließend sei festgehalten, dass es nun nicht gerade so ist, dass Spiegel Online dem „Sprachwahrer des Jahres 2004” und Redaktionsmitglied eben dieses Mediums &#8211; Bastian Sick &#8211; nicht auch mitunter ein Betätigungsfeld böte, auch wenn dieser sicher vor lauter Arbeit bisweilen erschossen ist &#8230;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/#footnote_1_1133" id="identifier_1_1133" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kr&auml;fte, v&ouml;llig ersch&ouml;pft sein)&amp;#8221; Quelle: ebd.">2</a></sup></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1133" class="footnote">Quelle: DUW</li><li id="footnote_1_1133" class="footnote">„erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kräfte, völlig erschöpft sein)&#8221; Quelle: ebd.</li></ol>
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		<title>Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld)</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/05/28/bunker-von-sauer-strasse-ecke-silcherstrasse-hamburg-bahrenfeld/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 May 2008 00:41:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschutzbunker]]></category>
		<category><![CDATA[Trompe-l’œil]]></category>
		<category><![CDATA[Trompe-l'œil]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen. Es handelt sich [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-1.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1430" title="Bunker Von-Sauer-Straße 1" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-1-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="225" height="150" /></a><span class="initial">D</span>ieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen.<br />
Es handelt sich hierbei um ein denkbar schlichtes Trompe-l&#8217;œil, das es weniger darauf anlegt, dem kritischen Blick sein wahres Wesen ernsthaft und lange zu verschleiern als vielmehr darauf, dem schweifenden Blick allzu schmerzhafte Hässlichkeit zu ersparen. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-2.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-medium wp-image-1435" title="Bunker Von-Sauer-Straße 2" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-2-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="221" height="150" /></a>Die rote Farbe gibt der vormals grauen Fassade nicht nur ein wärmeres Aussehen, sondern integriert sie gut in die Reihe der benachbarten, aus rotem Backstein errichteten Häuser. Die angetäuschten Fenster verleihen ihr Offenheit und Helligkeit und sorgen dafür, dass der Klotz weniger monolithisch wirkt. Die zahlreichen runden Lüftungsöffnungen wurden dabei geometrisch gut integriert. Die Details zweier menschlicher Gesichter sowie einer schwarzen Katze, die drei der vermeintlichen Fenster zieren, vermögen gar, etwas Lebendigkeit zu erzeugen. Wie die meisten anderen Hamburger Bunker, wird auch dieser als Werbefläche genutzt. Im Moment sind dies zwei Tafeln mit wechselnder  Werbung sowie eine dauerhaft vermietete Fläche. Außerdem befindet sich auf dem Dach des Bunkers ein monströser Sende- oder/und Empfangsmast, der über eine fest installierte Leiter im Hinterhof erreicht werden kann. Die vom Hinterhof zu sehende Fassade ist üppig und flächendeckend begrünt. Ob und wenn ja, wie das Bunkerinnere genutzt wird, ist dem Verfasser nicht bekannt.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-3.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1441" title="Bunker Von-Sauer-Straße 3" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-3-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="231" height="150" /></a>Alles in allem handelt es sich hier um eine simple aber ihren Zweck hervorragend erfüllende Illusionsmalerei. Warum sind dann noch so viele Bunker grau? Die Schrecken des Krieges lassen sich nur bedingt durch die Hässlichkeit unserer Alltagsumgebung begreiflicher machen. Was also spricht dagegen, die Fassaden wenigstens wärmer zu gestalten? Es ist kaum anzunehmen, dass auch nur ein Nazi weniger der Verdummung anheim fällt, wenn Bunkerfassaden grau bleiben. Im Gegenteil. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-4.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-full wp-image-1445" title="Bunker Von-Sauer-Straße 4" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-4-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="212" height="150" /></a>Graue Bunker dienen Nazis mit Sicherheit eher als gute Vorlage für ihre selbstmitleidige und dreiste These des „Bomben-Holocaust&#8221;. Die heutige Hässlichkeit vieler deutscher Städte führen sie nicht etwa auf die Nazis zurück, sondern auf die Alliierten und solche Feindbilder wie den Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Airforce, Arthur Harris, der dann gerne als „Bomber Harris&#8221; bezeichnet wird. Doch Harris hatte ja nun nicht so ganz unrecht damit, dass es das Deutsche Reich war, das damit begonnen habe, die Zivilbevölkerung zum Ziel von Terrorangriffen zu machen. Diese Tatsache macht die Flächenbombardements der Alliierten zwar nicht humaner, stellt aber doch massiv das Recht derjenigen Deutschen infrage, welche die alliierten Luftangriffe, aus dem Kontext gelöst, als unmoralisch anprangern ohne eben zu erwähnen, dass es Nazis und nicht Briten waren, die Gernika zu 80 Prozent zerstörten, gezielt auf flüchtende Zivilbevölkerung schossen und somit diese Unmoral im noch jungen Phänomen des Luftkrieges überhaupt erst einführten. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-5.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="Bunker Von-Sauer-Straße 5" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-5-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="225" height="150" /></a>Das vorgebliche strategische Ziel hingegen &#8211; ein Brücke nämlich &#8211; wurde nicht von einer einzigen Bombe getroffen. Auch wird gerne unterschlagen, dass es Nazis waren, die Coventry, Rotterdam, Warschau, London und Belgrad bombardierten.<br />
Inwiefern man angesichts deutscher Vernichtungs- und Konzentrationslager und der darin getöteten mehreren Millionen Menschen ausgerechnet den Alliierten ein unmoralisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung vorwerfen kann, ist sowieso fragwürdig. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Alliierten nicht durch gezielte Bombardements der Infrastruktur der Vernichtungslager das industrielle Morden der Nazis hätten aufhalten können. <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-6.jpg" rel="lightbox[1065]"><img class="alignright size-full wp-image-1453" title="Bunker Von-Sauer-Straße 6" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/bunker-von-sauer-strasse-6-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="113" height="150" /></a>Schließlich war den Alliierten durch die Entschlüsselung von Enigma-Nachrichten seit 1943 bekannt, was in den Todeslagern vor sich ging.<br />
Insbesondere zu den Vernichtungslagern führende Bahnlinien hätten bombardiert werden können. Während eines Treffens mit dem britischen Außenminister Anthony Eden am 6. Juli 1944 schlug Chaim Weizmann als Vertreter der Jewish Agency die Bombardierung der Eisenbahnstrecke Budapest-Auschwitz und der Vernichtungsanlagen innerhalb des Lagers vor. Doch die Alliierten waren der Ansicht, dass ein schneller Sieg über das Dritte Reich die effektivste Hilfe für KZ-Häftlinge sei, weshalb man trotz anfänglicher Aufgeschlossenheit gegenüber einer Bombardierung von KZ-Infrastruktur letztlich davon absah.</p>

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		<title>Am 1. Mai hat die Post geschlossen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 May 2008 19:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles fing damit an, dass der NPD-Politiker Thomas Wulff ein Paket zur Post bringen wollte. Offenbar hat niemand seiner zahlreichen Begleiter ihn darauf hingewiesen, dass der 1. Mai ein Feiertag und das Postamt somit geschlossen ist. Man fragt sich, warum er sich zu diesem Zweck auf den über 100 Kilometer langen Weg aus dem mecklenburgischen [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/thomas-wulff-paket.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignright size-full wp-image-1456" title="Thomas Wulff auf der Suche nach einem Postamt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/thomas-wulff-paket-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="225" /></a><span class="initial">A</span>lles fing damit an, dass der NPD-Politiker Thomas Wulff ein Paket zur Post bringen wollte. Offenbar hat niemand seiner zahlreichen Begleiter ihn darauf hingewiesen, dass der 1. Mai ein Feiertag und das Postamt somit geschlossen ist. Man fragt sich, warum er sich zu diesem Zweck auf den über 100 Kilometer langen Weg aus dem mecklenburgischen Ludwigslust nach Hamburg begab. Aber gut, das ist seine Privatangelegenheit. Vielleicht wollte er den Gang zur Post mit einem Besuch bei Freunden in Hamburg verbinden. Vielen Freunden begegnete er dort dem Anschein nach aber nicht. Im Gegenteil. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Hamburgern schien vorab über die Ankunft von Herrn Wulff informiert gewesen zu sein, da sie ihn mit Sprechchören empfing. Niemand aber klärte ihn und seine Reisegefährten darüber auf, dass die Postämter heute geschlossen waren. Stattdessen skandierte man Sätze wie: „Ihr habt den Krieg verlor&#8217;n!&#8221; Dies ist nun wirklich alles andere als hilfreich für einen Menschen, der auf der Suche nach einem Postamt ist. Man hätte ihn wenigstens darauf hinweisen können, dass es Packstationen gibt, an denen man zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Feiertagen seine Pakete aufgeben kann. So aber irrte Wulff zusammen mit seinen Kameraden stundenlang mit seinem Paket unter dem Arm durch Hamburgs Norden. Die Menge schien ob des Missverständnisses von Wulff höchst erbost. Warum eigentlich? Das kann doch jedem einmal passieren. Angesichts dieser lautstark geäußerten Wut echauffierten sich auch Wulffs Begleiter zunehmend und begannen, Transparente zu entfalten. Langsam drängte sich der Verdacht auf, dass es hier um mehr als nur um das Verschicken eines Pakets ging. Auf den Transparenten nun fanden sich Aussagen wie: „International ist nur das Kapital &#8211; Freie Nationalisten Mecklenburg Süd-West&#8221;. Aha. Ein weiteres Transparent war beschriftet mit: „Deutsche Intifada&#8221;. Passend dazu trug ein anderer Reisegefährte eine Palästina-Flagge. Auch die mittlerweile obligatorische Flagge des Iran ließ man im Maiwind flattern. Ahmadinedschad, der große Freund des jüdischen Volkes, konnte selbst nicht kommen, um für die Tilgung Israels von der Landkarte zu plädieren. Er bereitet womöglich gerade eine Rede zum bevorstehenden 60. Jahrestag der Gründung Israels vor oder inspiziert die Bahnlinie, auf welcher der Mahdi dereinst nach Teheran reisen soll. Die US-amerikanische Flagge reckte man verkehrt herum empor. Also wirklich, die NPD-Anhänger werden immer einfallsreicher und subtiler. Auch die Kameradschaft Northeim hatte ein eigenes Transparent dabei mit einem Bertolt Brecht zugeschriebenen Ausspruch: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!&#8221; Der NPD-Kreisverband Kiel-Plön war ebenfalls mit einem Transparent vertreten. Dieses trug die Aufschrift: „Widerstand läßt sich nicht verbieten!&#8221; Was sind da schon die Transparente der Gegner: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!&#8221; Dort hielt man u.a. auch die Flagge der Sowjetunion empor, die ja nun nicht gerade Sinnbild für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft ist. Die Angelegenheit wurde zunehmend unerquicklich, so dass den NPD-Anhängern der Weg mit Wasserwerfern frei gespritzt wurde, damit sie ihren Weg in Richtung Stadtpark fortsetzen konnten. Dabei verloren sie viele kleine Zettelchen, auf denen die freundliche Einladung: „komm &amp; mach mit bei den autonomen nationalisten!&#8221; zu lesen war, inklusive Deppenapostroph bei „<span style="text-decoration: underline;">Info&#8217;s</span> unter http://www&#8230;&#8221;. Also wirklich, diese <span style="text-decoration: underline;">Nazi&#8217;s</span> aber auch! Später dann waren die NPD-Anhänger mehrere Stunden in der Straße „Alte Wöhr&#8221; eingekesselt.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/international-ist-nur-das-kapital.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1888" title="„International ist nur das Kapital&quot; meinen die „Freien Nationalisten Mecklenburg Süd-West&quot;" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/international-ist-nur-das-kapital-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/deutsche-intifada.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1891" title="„Deutsche Intifada&quot;: Anbiederung der Nazis an die Palästinenser und deren Kampf gegen Israel" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/deutsche-intifada-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/npd-wartet-auf-marschbefehl.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1894" title="NPD wartet auf Marschbefehl (Rübenkamp, Ecke Jahnbrücke)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/npd-wartet-auf-marschbefehl-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/wasserwerfer.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1897" title="Wasserwerfer im Einsatz (Rübenkamp, Ecke Lauensteinstraße)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/wasserwerfer-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/christian-worch.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1900" title="Auch Christian Worch (braune Jacke, kurze Beine) scheint nicht zu wissen, wo sich ein Postamt für Wulffs Paket befindet." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/christian-worch-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/good-night.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1903" title="„Good night left side&quot;: Die wenig originelle Retourkutsche der Nazis in Bezugnahme auf das „Good night white pride&quot; der Linken" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/good-night-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-im-laufschritt.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1906" title="Polizei im Laufschritt (Saarlandstraße)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-im-laufschritt-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/widerstand-laesst-sich-nicht-verbieten.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1908" title="„Widerstand lässt sich nicht verbieten!&quot; meint der NPD-Kreisverband Kiel-Plön" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/widerstand-laesst-sich-nicht-verbieten-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/iraner-in-hamburg.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1911" title="Hamburger Iraner demonstrieren auch gegen die Verwendung der iranischen Flagge durch Nazis" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/iraner-in-hamburg-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1914" title="Ford Scorpio der Hamburger Polizei" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio-2.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1918" title="Ford Scorpio der Hamburger Polizei" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio-2-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio-3.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1921" title="Ford Scorpio der Hamburger Polizei" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/polizei-ford-scorpio-3-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="67" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ford-scorpio-der-hamburger-polizei.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1924" title="Was vom Scorpio übrig blieb ..." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ford-scorpio-der-hamburger-polizei-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a title="Abtransport des ausgebrannten Polizeifahrzeugs" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/abtransport-des-augebrannten-polizeiautos.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1928" title="Abtransport des augebrannten Polizeiautos" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/abtransport-des-augebrannten-polizeiautos-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /><img class="alignnone size-full wp-image-200246" title="Brennende Privatfahrzeuge in der Saarlandstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/brennende-privatfahrzeuge-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/brennende-privatfahrzeuge-3.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-200251" title="Brennende Privatfahrzeuge in der Saarlandstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/11/brennende-privatfahrzeuge-3-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/brennende-privatfahrzeuge-2.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1934" title="Brennende Privatfahrzeuge in der Saarlandstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/brennende-privatfahrzeuge-2-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/rmk-waffen-ss.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1943" title="CD-ROM mit der Beschriftung: „RMK Waffen SS&quot;" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/rmk-waffen-ss-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannte-privatfahrzeuge.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1946" title="Ausgebrannte Privatfahrzeuge in der Saarlandstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannte-privatfahrzeuge-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannte-privatfahrzeuge-2.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1949" title="Ausgebrannte Privatfahrzeuge in der Saarlandstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannte-privatfahrzeuge-2-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/feuerwehr-loscht-was-noch-zu-loschen-ist.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1952" title="Die Feuerwehr löscht, was noch zu löschen ist." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/feuerwehr-loscht-was-noch-zu-loschen-ist-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannter-kleinbus.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-full wp-image-1956" title="Ausgebrannter Kleinbus" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/ausgebrannter-kleinbus-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="150" height="100" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/barmbek-sagt.jpg" rel="lightbox[977]"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-1959" title="Barmbek sagt ..." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/barmbek-sagt-thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="67" height="100" /></a></p>
<p>Irgendwann ging völlig überflüssigerweise ein Polizeiauto in Flammen auf, später dann sechs Privatfahrzeuge. Neben diesen Fahrzeugen lagen CDs mit Titeln wie „RMK Waffen SS&#8221;. Ein Fahrzeug aus Hessen hatte rein zufällig die „1488” als Bestandteil des Kennzeichens. Natürlich stand die „14” nicht für die „Fourteen Words” des US-amerikanischen Neonazis David Lane, die da besagen: „We must secure the existence of our people and a future for White children.&#8221; Ebenso wenig stand die „88” im Kennzeichen für den achten Buchstaben im Alphabet, sodass „HH” also „Heil Hitler” gemeint ist. Das zusätzliche „N&#8221; im Kennzeichen sollte höchstwahrscheinlich auch nicht für „national&#8221; stehen. Das ist den hessischen Touristen bisher womöglich noch gar nicht aufgefallen. Möglicherweise war diese Kombination ja tatsächlich der blanke Zufall, und die Fahrzeugbesitzer sonnten sich gerade im Stadtpark, ohne etwas mit der Demonstration zu tun zu haben. Vielleicht aber auch nicht. Ungeachtet dessen ist solcher Vandalismus natürlich nicht gerechtfertigt und trägt alles andere als dazu bei, etwas in den Köpfen von Rechtsradikalen zu verändern. Nachdem die NPD nach vielen Stunden noch immer kein Postamt gefunden hatte, wo man Wulffs Paket hätte aufgeben können, beschimpfte man kurz vor der Heimfahrt den Hamburger Senat als „schwule Regierung&#8221;, als ob er für die Öffnungszeiten von Postämtern zuständig sei. Hätte die NPD Wulffs Paket doch einfach morgen in Ludwigslust zur Post gebracht. All das hätte vermieden werden können!</p>

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		<title>Golo Mann über Karl Marx</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 22:20:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Da sich am 5. Mai dieses Jahres der Geburtstag von Karl Marx zum 190. Mal jährt, sei an dieser Stelle eine kleine, den Trierer Philosophen betreffende, Lesefrucht aus Golo Manns »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« zum Besten gegeben: Heine spricht einmal von seinen deutschen Landsleuten in Paris, »darunter der entschiedenste und geistreichste, Dr. [...]]]></description>
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<p><span class="initial">D</span>a sich am 5. Mai dieses Jahres der Geburtstag von Karl Marx zum 190. Mal jährt, sei an dieser Stelle eine kleine, den Trierer Philosophen betreffende, Lesefrucht aus Golo Manns »Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts« zum Besten gegeben:</p>
<blockquote><p>Heine spricht einmal von seinen deutschen Landsleuten in Paris, »darunter der entschiedenste und geistreichste, Dr. Marx«. Der war entschieden und hat entschieden. Er war so geistreich wie Heine und, obgleich kein Dichter, doch ein Schriftsteller von hohem Rang. Aber er zwang seinen Geist auf eine einzige Bahn. Er nahm Partei. Er schuf eine Partei. Er wollte die Weltgeschichte mit seinem Geist bezwingen, sie auf die Bahn zwingen, die sein eigener Geist nahm. Gewirkt hat Marx und wirkt noch heute, aber nicht das, was er erwartete, errechnete, ist aus seinem Werk herausgekommen. [...]</p>
<p>Ein Russe, der ihn auf einer Sozialistenversammlung in Brüssel traf, schildert ihn: »Eine dichte, schwarze Mähne auf dem Kopf, die Hände mit Haaren bedeckt, den Rock schief zusammengeknöpft, hatte er dennoch das Aussehen eines Mannes, der das Recht und die Macht hat, Achtung zu fordern &#8230; Seine Bewegungen waren eckig, aber kühn und selbstbewußt. Seine Manieren liefen geradezu allen gesellschaftlichen Umgangsformen zuwider. Aber sie waren stolz, mit einem Anflug von Verachtung, und seine scharfe Stimme, die wie Metall klang, stimmte merkwürdig überein mit den radikalen Urteilen über Menschen und Dinge, die er fällte. Er sprach nicht anders als in imperativen, keinen Widerstand duldenden Worten, die übrigens noch durch einen mich fast schmerzlich berührenden Ton, welcher alles, was er sprach, durchdrang, verschärft wurden.« Ähnlich sah ihn ein paar Jahre später ein deutscher Student, dem seinerseits gute Augen, heller Verstand und kräftige Gesinnung eigen waren, Carl Schurz: »Was Marx sagte, war in der Tat gehaltreich, logisch und klar. Aber niemals habe ich einen Menschen gesehen von so verletzender, unerträglicher Arroganz des Auftretens. Keiner Meinung, die von der seinigen wesentlich abwich, gewährte er die Ehre einer einigermaßen respektvollen Erwägung. Jeden, der ihm widersprach, behandelte er mit kaum verhüllter Verachtung. Jedes ihm mißliebige Argument beantwortete er entweder mit beißendem Spott über die bemitleidenswerte Unwissenheit oder mit ehrenrühriger Verdächtigung der Motive dessen, der es vorgebracht. Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones, mit welchem er das Wort ›Bourgeois‹ aussprach; und als ›Bourgeois‹, das heißt, als ein unverkennbares Beispiel einer tiefen geistlichen und sittlichen Versumpfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu widersprechen wagte.« Es ist kein Zweifel, daß er den Leuten so erschien, die Zeugen sind gar zu zahlreich, gar zu übereinstimmend; und ist wohl kein Zweifel, daß er so war. Er war gesegnet und geschlagen mit einem ungeheuren Verstand, der ihn vereinsamte und ihn hochfahrend machte. Liebe hatte er wohl, für seine Frau, seine Kinder, auch Mitleid; es empörte ihn das Elend, das mit der Industrie hereingebrochen war. Sein Charakter war unbeugsam in der Not, vollständig die Treue zu der titanischen Arbeit, die er sich selber auferlegt hatte. Das sind preisenswerte Tugenden. Sie wurden überwuchert von einem furchtbaren Willen zur Macht; von dem Willen recht zu behalten und allein recht zu behalten. Die Gegner, die Kritiker, die Andersdenkenden wollte er vernichten, mit dem Schwert oder, solange das noch nicht anging, mit der Feder, die in Gift getaucht war. Ein solcher kann die Welt nicht besser machen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/04/17/golo-mann-ueber-karl-marx/#footnote_0_960" id="identifier_0_960" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1996, S.176f. &amp;#8211; Zuerst erschienen im Jahr 1958.">1</a></sup></p></blockquote>
<p>Solchen Menschen, die ihren &#8211; mitunter auch sehr kümmerlichen &#8211; Geist auf eine einzige Bahn zwingen, begegnet man auch im 21. Jahrhundert noch zuhauf. Man muss kein Marxist sein, um Andersdenkende zu denunzieren und vernichten zu wollen sowie ihre Motive in ehrenrühriger Weise infrage zu stellen. Menschen mit einem furchtbaren Willen zur Macht sowie dem Willen, recht zu behalten und allein recht zu behalten, finden sich auch heute in der Politik, an Stammtischen, in Medienredaktionen sowie in Kleingartenvereinen. Sie alle eint ein Hang zur Borniertheit. Bei den wenigsten jedoch ist diese Eigenschaft gepaart mit einem hellen Verstand wie zweifellos bei Marx.</p>
<p>Meist sind es wohl eher Bequemlichkeit, Eitelkeit, Selbstsucht, Ruhmsucht und &#8211; ja, geistige Trägheit, die zu solchem Schwarz-Weiß-Denken führen, zur Unfähigkeit, von einmal bezogenen Positionen auch nur einen Millimeter abzurücken. Man konstruiert sich ein paar Feindbilder und kann fortan in der geistigen Hängematte baumeln. Gefährlich wird es, wenn solch rechthaberischer Kleingeist Einfluss gewinnt auf die Öffentlichkeit, auf Meinungsbildung und auf Politik. Wahrlich, mit einer derartigen Einstellung kann man die Welt schwerlich besser machen. Aber das ist wohl auch nicht unbedingt das Streben solch intransigenter Menschen.</p>
<p>Man sieht, auch in dieser eher menschlichen Hinsicht ist Marx aktueller denn je.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_960" class="footnote">Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1996, S.176f. &#8211; Zuerst erschienen im Jahr 1958.</li></ol>
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		<title>Verrat am Verräter</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 21:37:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt&#8221; ihre marxistisch orientierte1 Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können. Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/kuba-verraten-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignright size-full wp-image-1462" title="»Kuba verraten«: Artikel aus der ‚jungen Welt' vom 14.03.2008" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/kuba-verraten-klein.jpg" alt="" width="215" height="314" /></a><span class="initial">W</span>ie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt&#8221; ihre marxistisch orientierte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_0_945" id="identifier_0_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eigenangabe auf der Internetpr&auml;senz des Blattes">1</a></sup> Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können.</p>
<p>Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und  selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um in einer ruhigen Minute, wenn es einen mal wieder nach Realsatire gelüstet, darin schmökern zu können. Ist es dann soweit, tut sich eine Parallelwelt auf, bei der man zwischen Lachen und Entsetzen schwankt. Ein Beispiel, bei dem diese beiden Gefühlsregungen heftig miteinander konkurrieren, wurde hier bereits 2006 anhand einer in der „jungen Welt&#8221; abgedruckten <a title="Link zum Artikel über die Traueranzeige für Slobodan Milosevič" href="http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/" target="_blank">Traueranzeige für Slobodan Milosevič</a> dokumentiert. Darin würdigte man den als Kriegsverbrecher angeklagten Milosevič als „heldenhaften Verteidiger Jugoslawiens und des Völkerrechts&#8221; sowie als „Internationalisten, Antiimperialisten und Sozialisten&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_1_945" id="identifier_1_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Traueranzeige f&uuml;r Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. M&auml;rz 2006) ">2</a></sup></p>
<p>In der diesjährigen Gratisausgabe nun fällt einem zunächst  die zwölfseitige Beilage „marxismus&#8221; entgegen, schließlich jährt sich  Marx&#8217; Todestag 2008 zum 125. Mal, sein Geburtstag gar zum 190. Mal. So, nun hält man die Rumpfausgabe in den Händen und beginnt nach alter Gewohnheit, von hinten zu blättern.</p>
<p>Zunächst liest man da, dass Bernd Stange, der einstige Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_2_945" id="identifier_2_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004">3</a></sup>, gerade 60 Jahre alt geworden sei und dass es ihn nunmehr nach Belorussland verschlagen habe. Ganz richtig, die DSFler der „jungen Welt&#8221; sagen nicht „Weißrussland&#8221;, sondern in alter DDR-Manier „Belorussland&#8221;, was natürlich der Originalbezeichnung näher kommt und somit korrekter ist. Inkonsequent ist es allemal. Konsequenterweise müsste man sagen „Bielarus&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_3_945" id="identifier_3_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Transkription von wei&szlig;russ. Беларусь">4</a></sup> oder eben „Weißrussland&#8221;. Aber solche Überlegungen spielen im Sprachgebrauch der „jungen Welt&#8221; wohl eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger scheint die Identifikation mit der Sprache des untergegangenen Idealstaates DDR zu sein.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/lti-lqi-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1466" title="»LTI aktuell«: Artikel aus der »jungen Welt« vom 14.03.2008" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/lti-lqi-klein.jpg" alt="" width="187" height="314" /></a>In gewisser, etwas eindimensionaler Weise ist der „jungen Welt&#8221; Sprache nämlich gar nicht einerlei. Ganz genau schaut man bei den bürgerlichen Medien hin. So findet sich auf Seite 13 der Ausgabe vom 14. März 2008 ein Artikelchen mit der Überschrift „LTI aktuell&#8221;. Darin weist man  anhand entsprechender Beispiele darauf hin, dass der Programmdirektor des Deutschlandfunks, Günter Müchler, in einem <a title="Link zum Interview ,Pate für Poesie' Deutschlandfunk präsentiert Schülerwettbewerb " href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/753418/" target="_blank">Interview</a> in nur drei Minuten vier Mal Lingua Tertii Imperii verwendet habe (siehe screen capture). In der Tat verwendet Müchler da ein etwas merkwürdiges und durchaus nach LTI klingendes Vokabular.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_4_945" id="identifier_4_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Man k&ouml;nnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schlie&szlig;lich geht es in dem Interview um den Sch&uuml;lerwettbewerb &bdquo;lyrix&amp;#8221;. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch &auml;lterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die &bdquo;junge Welt&amp;#8221; will es nicht zu M&uuml;chlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist.">5</a></sup> Insbesondere die Tatsache, dass Müchler über Lyrik spricht, lässt es seltsam erscheinen, dass Begriffe wie „reingeschossen&#8221;, „eingeschlagen&#8221; und „Offensive&#8221; fallen. Gut, da hat die „junge Welt&#8221; offenbar einen Vogel „abgeschossen&#8221; (LTI?!).<br />
Den Sprachliebhabern von der „jungen Welt&#8221; ist ja aber wohl hoffentlich nicht entgangen, dass Victor Klemperer nach 1945 nicht aufgehört hat zu schreiben. Deswegen wird man bei der „jungen Welt&#8221; sicher auch schon von der sogenannten „LQI&#8221; gehört oder gelesen haben. Hinsichtlich dieser Lingua Quartii Imperii notiert Klemperer:</p>
<blockquote><p>„Ich muß allmählich anfangen, systematisch auf die Sprache des <em>vierten Reiches</em> zu achten. Sie scheint mir manchmal weniger von der des <em>dritten</em> unterschieden als etwa das Dresdener Sächsische vom Leipziger<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_5_945" id="identifier_5_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&uuml;r Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des S&auml;chsischen nur schwer zu unterscheiden.">6</a></sup>. Wenn etwa Marschall Stalin der Grösste der derzeit Lebenden ist, der genialste Stratege usw. Oder wenn Stalin in einer Rede aus dem Anfang des Krieges von Hitler, natürlich mit allergrößtem Recht, als von dem »Kannibalen Hitler« spricht. Jedenfalls will ich unser Nachrichtenblatt und die <em>Deutsche Volkszeitung</em>, die mir jetzt zugestellt wird, genau sub specie LQI studieren.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_6_945" id="identifier_6_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen St&uuml;hlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tageb&uuml;cher 1945 &amp;#8211; 1949, S.24.">7</a></sup></p>
<p>„Jeden Tag beobachte ich von neuem die Fortdauer von LTI in LQI.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_7_945" id="identifier_7_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126.">8</a></sup></p>
<p>„LTI = LQI!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_8_945" id="identifier_8_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133.">9</a></sup></p>
<p>„LQI übernimmt LTI mit Haut und Haaren. Sogar Becher &#8211; höher geht&#8217;s nimmer &#8211; schreibt andauernd kämpferisch. Frau Kreisler erstaunt, als ich »charakterlich« beanstande. In einem Aufsatz, der die Humanität der jetzigen Straflager (Kommandohaft) rühmt, werden die Häftlinge zu »einsatzfreudigen« Menschen erzogen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_9_945" id="identifier_9_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127.">10</a></sup></p>
<p>„[...] und dieses Ganze concentriert sich immer mehr auf den einen Ulbricht, unterscheidet sich immer weniger von nazistischer Gesinnung u. Methode. Sag Arbeiterklasse statt Rasse, u. beide Bewegungen sind identisch. Tyrannei u. Enge nehmen täglich zu. Glaubenshetze, Jugendweihe, Kampf gegen »ideologische Coëxistenz« gegen »Fraktionismus«, gegen »kleinbürgerliche Überheblichkeit« &#8211; all das ist LQI.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_10_945" id="identifier_10_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen St&uuml;hlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tageb&uuml;cher 1950-1959, S.673.">11</a></sup></p></blockquote>
<p>Wie wäre es, liebe „junge Welt&#8221;, wenn Du der Rubrik „LTI aktuell&#8221; noch eine weitere mit dem Titel „LQI aktuell&#8221; hinzufügtest? Deine eigenen Seiten dürften vorerst ausreichend Stoff dafür bieten.</p>
<p>Was Klemperers Verhältnis zum Kommunismus angeht, sei zudem abermals aus seinem Tagebuch zitiert:</p>
<blockquote><p>„Es ist mir an diesem Nachmittag klar geworden, daß der Kommunismus gleicherweise geeignet ist, primitive Völker aus dem Urschlamm zu ziehen und civilisierte in den Urschlamm zurückzutauchen. Im zweiten Fall geht er verlogener zu Werk und wirkt nicht nur verdummend sondern entsittlichend, indem er durchweg zur Heuchelei erzieht. Ich bin gerade durch meine Chinareise u. bei Anerkennung der gewaltigen Leistungen hier zum endgiltigen Antikommunisten geworden. <em>Das</em> kann nicht Marx&#8217; Idealzustand gewesen sein.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_11_945" id="identifier_11_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723.">12</a></sup></p></blockquote>
<p>Doch zurück zum Fußballtrainer Bernd Stange. Nun erfährt man, dass Stange seinen Geburtstag bei einem Schnittchenbüffet in Minsk begehe, um dann im Sommer in Jena mit einem Grillfest nachzufeiern. Irgendwie erinnert diese Passage an Loriots Lottogewinner Lindemann: „Ich &#8230; heiße &#8230; Erwin &#8230; Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre &#8230; mit meinem Lottogewinn von 500.000 D-Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island &#8230; dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz &#8230; und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_12_945" id="identifier_12_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Loriot: Das Fr&uuml;hst&uuml;cksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Kl&ouml;bner und Herrn M&uuml;ller-L&uuml;denscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Z&uuml;rich, 2003, S. 269.">13</a></sup> &#8211; Schließlich liest man, dass es Stanges Ziel sei, sich mit der weißrussischen Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren.</p>
<p>Nun schweift der bereits amüsierte Blick weiter nach unten und bleibt an folgender erschreckenden Überschrift hängen: „Kuba verraten&#8221;. Ein Schauder ergreift sogleich den Leser, der sich alsdann bange fragt, wer in aller Welt Kuba verraten habe? Der erste Verdacht geht dahin, dass der gesamte einstige Ostblock &#8211; ausgenommen natürlich der „geliebte Führer&#8221; Kim Jong-il &#8211; gemeint sei. Doch dieser Verdacht zerschlägt sich sogleich, ist die Seite 16 der „jungen Welt&#8221; doch dem Sport vorbehalten. Also liest man weiter. Nach einem Qualifikationsspiel der kubanischen Olympiaauswahl, heißt es da, seien fünf kubanische Spieler nicht in ihr Quartier zurückgekehrt. Unter ihnen befänden sich sowohl der Torwart als auch der Kapitän.</p>
<p>Da hat die „junge Welt&#8221; ja ein glückliches Händchen bewiesen, dass sie diesen Kuba-Artikel direkt unter denjenigen über den ehemaligen Trainer der  DDR-Fußballnationalmannschaft platzierte. Damit erleichtert sie es dem Leser, sich zu erinnern, dass die Staatssicherheit der DDR sehr viel besser zu verhindern wusste, dass DDR-Athleten Fahnenflucht begingen. In der DDR wurden Republikflüchtige schon mal durch Erschießen zum Bleiben im lebenswerten Sozialismus überredet. Diese Karibik-Bewohner sind da offenbar etwas nachlässiger, so dass eben fünf Leute auf einmal durchs Netz gehen können. Gut, die Sache verkompliziert sich, wenn man sich mitten im Land des imperialistischen Feindes aufhält. Dafür hat Kuba aber durch seine Insellage wiederum einen Heimvorteil bei der Verhinderung von Republikflucht.</p>
<p>In den verklärten Augen der „jungen Welt&#8221; haben die kubanischen Sportler also Verrat an Kuba und höchstwahrscheinlich am Sozialismus insgesamt begangen. Per definitionem bedeutet Verrat „Bruch eines Vertrauensverhältnisses&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_13_945" id="identifier_13_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Duden &amp;#8211; Deutsches Universalw&ouml;rterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001.">14</a></sup> Hat man diese fünf bzw. all die anderen Kubaner je gefragt, ob das Kuba des Máximo Líder, ob der Sozialismus und alles, was mit ihm einhergeht, das ist, was sie wollen? Oder wird nicht vielmehr das Volk zu seinem „Glück&#8221; gezwungen? Besteht zwischen Volk und Regierung Kubas, Nordkoreas oder auch Weißrusslands tatsächlich ein Vertrauensverhältnis, das gebrochen werden kann? Oder handelt es sich nicht vielmehr um ein Abhängigkeitsverhältnis, in das man hineingeraten ist oder hineingeboren wurde und aus dem man ausbrechen möchte, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt? Wie lebenswert muss ein Land sein, dem selbst privilegierte Reisekader wie eben Sportler den Rücken kehren?<span id="more-945"></span></p>
<p>Reicht es den Bewohnern Kubas etwa nicht, eine der höchsten Alphabetisierungsraten und Ärztedichten sowie eine der niedrigsten Kindersterblichkeitsraten und eine hohe Lebenserwartung zu haben? Reichen ihnen denn nicht die schönen Strände, derentwegen es Touristen aus aller Welt nach Kuba zieht? Ganz zu schweigen vom herrlichen Klima. Was will er denn noch, der undankbare kubanische Untertan. Was könnte ihm denn fehlen?</p>
<p>Hat da jemand Freiheitsrechte gesagt? Nun, wie ist es denn in Kuba um die Freiheitsrechte bestellt? Dazu heißt es beispielsweise im Jahresbericht 2007 von „amnesty international&#8221;:</p>
<blockquote><p>Die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit waren nach wie vor massiv beschnitten. [...] Politisch Andersdenkende, unabhängige Journalisten und Menschenrechtsverteidiger sahen sich anhaltenden Repressalien und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt oder wurden inhaftiert, einige ohne Anklageerhebung oder Prozess. [...]</p>
<p>Alle Presse- und Rundfunkmedien unterlagen weiterhin strikter staatlicher Kontrolle. Repressalien und Einschüchterungsversuche gegenüber unabhängigen Journalisten und Betreibern regimekritischer Büchereien nahmen zu. Personen, die im Verdacht standen, Kontakte zu Dissidentengruppen zu unterhalten, oder sich für die Menschenrechte engagierten, wurden festgenommen und inhaftiert. Die Zahl der Festnahmen wegen »zu Straftaten neigender Gefährlichkeit« (peligrosidad predelictiva) stieg an. Der Zugang zum Internet außerhalb staatlicher Behörden und Bildungseinrichtungen blieb extrem eingeschränkt. Der Journalist Guillermo Fariñas trat für sieben Monate in den Hungerstreik, um einen Internetzugang zu erhalten, jedoch blieb sein Protest ohne Erfolg. [...]</p>
<p>Im Berichtszeitraum war eine wachsende Zahl der Fälle öffentlicher Drangsalierungen und Einschüchterungen von Menschenrechtsverteidigern und Regimekritikern durch regierungsnahe Gruppen mittels sogenannter actos de repudio zu verzeichnen. Dabei rotten sich regimetreue Bürger in großer Zahl vor der Wohnung eines Dissidenten oder Oppositionellen zusammen, um ihn zu beschimpfen, zu bedrohen und zuweilen auch tätlich anzugreifen oder sein Haus mit Steinen oder anderen Gegenständen zu bewerfen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_14_945" id="identifier_14_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba">15</a></sup><a title="Link zum Jahresbericht 2007 von amnesty international über Kuba" href="http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/c1070c04ee5add56c12567df002695be/a86d84b9ee8a03c9c12572ff00497753?OpenDocument" target="_blank"></a></p></blockquote>
<p>Ganz ähnlich liest sich der Human Rights Watch World Report 2007:</p>
<blockquote><p>Cuba remains the one country in Latin America that represses nearly all forms of political dissent. [...] the Cuban government continues to enforce political conformity using criminal prosecutions, long- and short-term detentions, mob harassment, police warnings, surveillance, house arrests, travel restrictions, and politically-motivated dismissals from employment. The end result is that Cubans are systematically denied basic rights to free expression, association, assembly, privacy, movement, and due process of law. [...] The Cuban government forbids the country&#8217;s citizens from leaving or returning to Cuba without first obtaining official permission, which is often denied. Unauthorized travel can result in criminal prosecution. [...] The government also frequently bars citizens engaged in authorized travel from taking their children with them overseas, essentially holding the children hostage to guarantee the parents’ return. Given the widespread fear of forced family separation, these travel restrictions provide the Cuban government with a powerful tool for punishing defectors and silencing critics. [...] The Cuban government maintains a media monopoly on the island, ensuring that freedom of expression is virtually non-existent. Although a small number of independent journalists manage to write articles for foreign websites or publish underground newsletters, the risks associated with these activities are considerable. According to Reporters Without Borders, there are currently 23 journalists serving prison terms in Cuba, most of them charged with threatening &#8220;the national independence and economy of Cuba.&#8221; This makes the country second only to China for the number of journalists in prison.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_15_945" id="identifier_15_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Human Rights Watch World Report 2007 Cuba">16</a></sup></p></blockquote>
<p>Auf der Seite des Auswärtigen Amtes liest man zudem folgendes:</p>
<blockquote><p>Individuelle Bürgerrechte und Grundfreiheiten werden den Kubanern nach wie vor weitgehend verwehrt. Der Papst-Besuch 1998 brachte einige Verbesserungen für die Kirche, u.a. Zulassung öffentlicher Prozessionen, jedoch nicht den von manchen erwarteten dauerhaften Lockerungsprozess. [...] Nach unabhängigen Quellen ist Kuba im weltweiten Vergleich eines der Länder mit dem höchsten Anteil politischer Gefangener pro Kopf der Bevölkerung und mit dem höchsten Anteil der Bevölkerung im Strafvollzug.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_16_945" id="identifier_16_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Einsch&auml;tzung des Ausw&auml;rtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas">17</a></sup></p></blockquote>
<p>Wer verrät hier also wen? Fünf Sportler Kuba oder doch vielmehr Kuba grundlegende Menschenrechte? Man stelle sich nur vor, der „jungen Welt&#8221; würde aufgrund ihrer politischen Einstellung der Zugang zum Internet verwehrt! Da wäre das Gezeter aber groß. Dann würde man die „BRD&#8221;  lauthals als Unrechtssystem beschimpfen. Tut man das nicht schon? Man stelle sich des weiteren vor, ein Redakteur der „jungen Welt&#8221; könnte nicht reisen, wie es ihm beliebt! Man stelle sich zudem vor, ein Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; könnte nicht an Demonstrationen teilnehmen! Man stelle sich vor, die „junge Welt&#8221; erhielte gar keine Erlaubnis, zu erscheinen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden ohne Anklage oder Prozess inhaftiert, nur ihrer Meinung wegen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden von einem Mob regierungstreuer Bürger öffentlich beleidigt und bedroht, ihr Haus mit Steinen beworfen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden unter Hausarrest gestellt, weil ihre Meinung von der offiziellen Regierungsmeinung abweicht!</p>
<p>Nein, so weit denkt man bei der „jungen Welt&#8221; wohl eher nicht. All diese Bedenken lassen sich im Milieu der „jungen Welt&#8221; sicher mit einem „Hasta la victoria siempre&#8221; abtun. Aus Sicht der „jungen Welt&#8221; sind die in Kuba praktizierten Repressalien gegen Andersdenkende und die Vorenthaltung von grundlegenden Freiheitsrechten wahrscheinlich gar nichts gegen die Tatsache, dass die „junge Welt&#8221; unter Beobachtung des Verfassungsschutzes des Bundes steht. Da steht der wahre Feind. Die Imperialisten beobachten die „junge Welt&#8221;! Das wiegt wohl viel schwerer als all die Menschenrechtsverletzungen in Kuba. Die Motive der Kommunisten für den Griff zur Waffe und für die Beschneidung von Rechten sind wahrscheinlich immer hehrer Natur, während die Kriege der Imperialisten und deren Rechtebeschneidung immer von Grund auf böse und unredlich sind. Während die imperialistischen Rädelsführer die „junge Welt&#8221; „beobachten&#8221; lassen, werden in Kuba Journalisten eingeschüchtert, inhaftiert, bedroht, öffentlich gedemütigt sowie tätlich angegriffen, und es wird ihnen der Zugang zum Internet verwehrt.</p>
<p>Im Fall Kuba kann hinsichtlich der dortigen Menschenrechtsverletzungen allerdings nicht einmal das ansonsten bei Revolutionsromantikern sehr beliebte Argument herhalten, dass es sich dabei um „Kinderkrankheiten&#8221; handele, die im Zuge der Überwindung des Kapitalismus zwangsläufig einträten, beim Erreichen der idealen Gesellschaftsform aber verschwänden. Fast fünfzig Jahre nach der Revolution, kann man doch nicht mehr von Kinderkrankheiten sprechen!? Nun gut, man sollte wahrscheinlich nicht ein Menschenleben zum Maßstab nehmen. Vielleicht dauert die Kindheit einer gesellschaftlichen Entwicklung ja nicht zehn, sondern 100 Jahre, womöglich noch länger? Darf Kuba dann etwa noch weitere fünfzig Jahre Menschenrechte verletzen, bis die dortige gesellschaftliche Entwicklung endlich die Adoleszenz erreicht?</p>
<p>Da sitzen also die Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; in der Torstraße 6 in Berlin Mitte, genießen so ziemlich alle Freiheiten dieser Welt und beleidigen fünf Kubaner als Verräter, weil diese sich erlaubten, von einer selbstverständlichen Freiheit Gebrauch zu machen, die ihnen in ihrem Heimatland, neben vielen anderen Freiheiten vorenthalten wird. Da erinnert die „junge Welt&#8221; doch sehr an die Zeiten, als sie noch „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend&#8221; war und mit einer Auflage von ca. anderthalb Millionen Exemplaren die Bevölkerung des Arbeiter- und Bauernstaates indoktrinierte. Angesichts solch politischer Borniertheit kann man sehr gut nachvollziehen, dass sich 1997 mit der „Jungle World&#8221; eine undogmatische und unorthodoxe linke Tageszeitung von der „jungen Welt&#8221; abspaltete. Es war wahrscheinlich auf Dauer schwer erträglich, mit sturen Nostalgikern zusammen zu arbeiten, die Staaten huldigen, welche Grundrechte mit Füßen treten aber z.B. die USA verteufeln, wenn diese Grundrechte missachten. Menschen, die pragmatisch denken und sich nicht in exklusivistischer Weise von einer einzigen Ideologie vereinnahmen lassen, sind auf Dauer eben nicht kompatibel, mit Menschen, die z.B. allein im Marxismus ihr Heil suchen.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-anzeige-kuba-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1470" title="Anzeige aus der »jungen Welt« vom 13. März 2008, S. 7." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-anzeige-kuba-klein.jpg" alt="" width="314" height="124" /></a>Soweit zum redaktionellen Teil der „jungen Welt&#8221;. Am Vortag fand sich auf Seite 7 eine Anzeige, in der zur Solidarität mit Kuba aufgerufen wurde, unterzeichnet von Frank Schwitalla vom „Netzwerk Cuba &#8211; Informationsbüro e.V.&#8221;. Darin wird zur Bildung einer Menschenkette um das Gelände der Botschaft der Republik Cuba in Berlin am 18. März 2008 aufgerufen. Der Anlass dazu war offensichtlich die Ankündigung des Vereins »Kuba – Demokratische Zukunft«, am gleichen Tag vor der Botschaft eine Demonstration „für eine friedliche Wende und für eine bessere Zukunft Cubas&#8221; und für die Freilassung politischer Gefangener abhalten zu wollen.</p>
<p>Für das „Netzwerk Cuba&#8221; ist die Sache klar. Zunächst einmal handelt es sich seiner Auffassung zufolge nur um „sogenannte&#8221; politische Gefangene. Die Implikation soll wahrscheinlich sein, dass die kubanische Regierung hier ganz gewöhnliche Verbrecher inhaftierte &#8211; wenn schon nicht Diebe, Mörder, Vergewaltiger, dann aber doch bestimmt Agenten, die aus imperialistischen, also niederen Motiven handelten und daher völlig zu Recht im Gefängnis sitzen. Außerdem ist für das „Netzwerk Cuba&#8221; klar, dass es sich bei den Demonstranten um „Contras&#8221; also Konterrevolutionäre handele. Der Begriff „Contras&#8221; bezeichnet eigentlich von den USA z.T. über Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_17_945" id="identifier_17_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Iran-Contra-Aff&auml;re">18</a></sup> und Drogenhandel finanzierte Guerilla-Kämpfer, die in den achtziger Jahren hauptsächlich von Honduras aus gegen die nikaraguanischen Sandinisten operierten, aber er lässt sich offenbar wunderbar auf alles als schlecht und imperialistisch Empfundene anwenden. Doch beim Begriff „Contras&#8221; allein belässt man es nicht. Man disqualifiziert die Demonstranten als „Handlanger des US-Staatsterrorismus&#8221;, die nichts anderes im Sinne hätten als den „Sturz der cubanischen Regierung und der sozialistischen Gesellschaftsordnung!&#8221;. Aus diesem Grund also rief das Netzwerk Cuba dazu auf, „Cubas Unabhängigkeit und Souveränität&#8221; sowie „den mehrheitlichen Willen des cubanischen Volkes auf [sic!] einen eigenständigen sozialistischen Entwicklungsweg&#8221; zu verteidigen. Am Ende steht der Ausruf: „Den Contras keine Chance! Cuba ist nicht allein!&#8221;</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-demo-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1473" title="screen capture von der Website der »jungen Welt« vom 31.03.2008: http://www.jungewelt.de/2008/03-18/005.php" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-demo-klein.jpg" alt="" width="314" height="137" /></a>Damit wieder zurück zum redaktionellen Teil. Am 18. März 2008 druckte die „junge Welt&#8221; auf Seite 4 einen kleinen Artikel zu diesen beiden Demonstrationen ab, der sich fast wie ein Veranstaltungshinweis liest, da am Ende „9 Uhr, Stavangerstraße 20, 10439 Berlin&#8221; steht. Gut, dieser Veranstaltungshinweis taugt wahrscheinlich nur noch für Kurzentschlossene sowie für Personen, die nicht der werktätigen Bevölkerung angehören &#8211; ist man geneigt anzunehmen. Aber, wenn es gilt, gegen Konterrevolutionäre vorzugehen, lässt der typische „junge Welt&#8221;-Leser wahrscheinlich alles stehen und liegen. Denn alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will &#8230;</p>
<p>Fazit: Man kann getrost wieder ein Jahr mit der Lektüre der „jungen Welt&#8221; aussetzen. Sie liest sich heute noch wie vor 20 Jahren und wird sich wohl auch nächstes Jahr genauso lesen. Internationalismus wird gepredigt, aber in Wirklichkeit ist man wahrscheinlich dafür, die Menschen in ihren jeweiligen Ländern einzusperren, zu bevormunden, zu kontrollieren, zu bespitzeln. Dagegen scheint man jedenfalls nicht zu sein. Was will man auch anderes von einem Blatt erwarten,  das von der Presse des Klassenfeindes, der Springer-Publikation „Welt online&#8221; nämlich, als „Sammelbecken für Stasi-Kader&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_18_945" id="identifier_18_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jana Hensel: Die sch&ouml;ne junge Welt der Stasiveteranen, Artikel vom 31.03.2007">19</a></sup> eingestuft wird, weil z.B. dessen Chefredakteur Arnold Schölzel laut <a title="Link zum ,Welt online'-Artikel ,Die schöne junge Welt der Stasiveteranen'" href="http://www.welt.de/politik/article787242/Die_schoene_junge_Welt_der_Stasiveteranen.html" target="_blank">„Welt online&#8221;</a> inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sei und über Jahre hinweg als IM    „André Holzer“ eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität bespitzelt habe, der er zu diesem Zweck beigetreten sei? Auch der Ressortleiter Innenpolitik der „jungen Welt&#8221;, Peter Wolter, habe der Stasi als Westjournalist Informationen zugetragen und sei deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Rainer Rupp, Kommentator im Bereich Außenpolitik, habe unter dem Decknamen „Topas&#8221; als einer der Topspione der DDR in der Bundesrepublik gewirkt. Der aus Saarlouis gebürtige Rupp wurde 1994 wegen schweren Landesverrats zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt, von der er sieben Jahre absaß<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_19_945" id="identifier_19_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="einschlie&szlig;lich der Zeit in der Untersuchungshaft">20</a></sup>. Solche Personen werden im Milieu der „jungen Welt&#8221; höchstwahrscheinlich als Märtyrer angesehen.</p>
<p>Also dann bis nächstes Jahr!</p>
<p>© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_945" class="footnote">Eigenangabe auf der Internetpräsenz des Blattes</li><li id="footnote_1_945" class="footnote">Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006) </li><li id="footnote_2_945" class="footnote">bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004</li><li id="footnote_3_945" class="footnote">Transkription von weißruss. Беларусь</li><li id="footnote_4_945" class="footnote">Man könnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schließlich geht es in dem Interview um den Schülerwettbewerb „lyrix&#8221;. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch älterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die „junge Welt&#8221; will es nicht zu Müchlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist.</li><li id="footnote_5_945" class="footnote">Für Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des Sächsischen nur schwer zu unterscheiden.</li><li id="footnote_6_945" class="footnote">Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tagebücher 1945 &#8211; 1949, S.24.</li><li id="footnote_7_945" class="footnote">Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126.</li><li id="footnote_8_945" class="footnote">Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133.</li><li id="footnote_9_945" class="footnote">Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127.</li><li id="footnote_10_945" class="footnote">Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tagebücher 1950-1959, S.673.</li><li id="footnote_11_945" class="footnote">Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723.</li><li id="footnote_12_945" class="footnote">Loriot: Das Frühstücksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Zürich, 2003, S. 269.</li><li id="footnote_13_945" class="footnote">Duden &#8211; Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001.</li><li id="footnote_14_945" class="footnote">Quelle: <a title="Link zu amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba" href="http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/c1070c04ee5add56c12567df002695be/a86d84b9ee8a03c9c12572ff00497753?OpenDocument" target="_blank">amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba</a></li><li id="footnote_15_945" class="footnote">Quelle: <a title="Human Rights Watch World Report 2007 Cuba" href="http://hrw.org/englishwr2k7/docs/2007/01/11/cuba14886.htm" target="_blank">Human Rights Watch World Report 2007 Cuba</a></li><li id="footnote_16_945" class="footnote">Quelle: <a title="Einschätzung des Auswärtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas" href="http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Kuba/Innenpolitik.html" target="_blank">Einschätzung des Auswärtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas</a></li><li id="footnote_17_945" class="footnote">Iran-Contra-Affäre</li><li id="footnote_18_945" class="footnote">Jana Hensel: Die schöne junge Welt der Stasiveteranen, Artikel vom 31.03.2007</li><li id="footnote_19_945" class="footnote">einschließlich der Zeit in der Untersuchungshaft</li></ol>
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		<title>Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Feb 2008 17:44:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall&#8221; Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea&#8221; widmet: [...]]]></description>
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<p><span class="initial">D</span>a diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall&#8221; Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea&#8221; widmet:</p>
<p style="text-align: center;"><a title="Link zum Quellen-Blog" href="http://textquellenzueritrea.wordpress.com/">http://textquellenzueritrea.wordpress.com/</a></p>
<p>Dort kann sich auch die letzte Zapp-Mitarbeiterin und der letzte „Zeitzeuge&#8221; von der Tatsache überzeugen, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab. Belegt wird dies nicht etwa von dubiosen und sinistren Gestalten oder etwa von „Kommerz-Medien&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_0_934" id="identifier_0_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Diktion der &bdquo;Zeitzeugen&amp;#8221; auf ihrer Homepage">1</a></sup> und schon gar nicht von auf ihr Image bedachten, sich der modernen Mediengesellschaft bedienenden Hilfsorganisationen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_1_934" id="identifier_1_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Peter Disch, Journalist f&uuml;r Popmusik, Eintrag  in seinem &bdquo;Feuerherzblog&amp;#8221; vom 21.02.2008">2</a></sup>, sondern vor allem von einem Freund des von Julia Salden als Experte herangezogenen Günter Schröder, dem Wissenschaftler Hartmut Quehl nämlich.</p>
<p>Warum nun wurde dieses Quellenblog ins Netz gestellt, wo doch der Journalist für Popmusik, Peter Disch, der die ganze Debatte um Mehari losgetreten hat, niemals in Abrede gestellt habe, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab? Das wird eigentlich in der Rubrik „Anliegen&#8221; des oben verlinkten Quellenblogs klipp und klar dargelegt, allerdings erst nach mehreren Absätzen, so dass man sich erst bis dahin durchkämpfen muss. Deshalb die Erklärung hier noch einmal an früherer Stelle und lesefreundlich gegliedert.</p>
<p>Die Quellen, welche die generelle Existenz von Kindersoldaten in Eritrea belegen, wurden aus folgenden Gründen online gestellt:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>1.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil das <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 14.02.2008" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4599014_REF2488,00.html" target="_blank" class="broken_link">TV-Magazin Zapp am 14.02.2008</a> Abraham Mehreteab, den Sprecher der Mehari-Kritiker, zeigte, wie er vor dem Berlinale-Palast laut und deutlich skandierte:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Es gibt keine sogenannten Kindersoldaten in Eritrea.&#8221;</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_2_934" id="identifier_2_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Den Beitrag kann man sich auf der Homepage von Zapp anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 ge&auml;u&szlig;ert.">3</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Das ist deshalb von Belang, weil sowohl Julia Salden als auch Peter Disch regelmäßig Abraham Mehreteab als Zeugen für ihre reine Detailkritik an Meharis Darstellung eines einzigen Lagers in Eritrea heranziehen. Wieso ruft der Zeuge dann aber nicht: „Es gab keine sogenannten Kindersoldaten an der Tsebah-Schule.&#8221;, wenn es doch nur um diese eine Schule gehe?</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>2.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden zudem diese falsche, ganz und gar generalisierende Aussage eines ihrer Zeugen nicht kommentierte, geschweige denn, dass sie sich etwa davon distanzierte.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>3.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden vielmehr nahtlos ihre eigene Aussage daran anschloss:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Im Film gibt es Kindersoldaten in Eritrea. Er spielt Anfang der achtziger Jahre. Die zehnjährige Awet kommt zu den eritreischen Rebellen. Dort wird sie zu einer Soldatin ausgebildet. Ein Spielfilm &#8211; eigentlich fiktional, aber die Produzenten behaupten [...]: Wir sind ganz nah an der Wahrheit. Das ist eine wahre Geschichte.’”</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_3_934" id="identifier_3_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Sendung vom 20.02.2008">4</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Durch diese Art des Zusammenschneidens der unwidersprochen gelassenen, falschen Behauptung eines ihrer Zeugen mit ihrer eigenen Aussage insinuiert Salden, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe und verlagert die Debatte höchstselbst auf die allgemeine Ebene, um die es ihr &#8211; wie Peter Disch ihr beständig sekundiert &#8211; angeblich nicht gehe.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>4.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden in ebendiesem Beitrag an späterer Stelle Folgendes sagte:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„Trotzdem erinnert der Film stark an die Buchvorlage. Kinder erhalten Waffen, lernen schießen und töten. […] Hat es das in Eritrea wirklich gegeben?&#8221;</strong><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_4_934" id="identifier_4_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">5</a></sup></p>
<p style="padding-left: 30px;">Wieso stellt Julia Salden diese Frage, wenn sie &#8211; laut Peter Disch &#8211; die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea überhaupt nicht leugne? Wenn es Julia Salden zudem doch gar nicht um Eritrea, sondern nur um eine Schule gehe, warum fragt sie dann nicht: „Hat es das an der Tsebah-Schule wirklich gegeben?&#8221; Diese Frage stellt Julia Salden womöglich deshalb nicht, weil es in dem Film überhaupt nicht um die Tsebah-Schule geht.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>5.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil Julia Salden im Kontext von Kindersoldaten in Eritrea von „angeblich historische[n] Wahrheiten&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_5_934" id="identifier_5_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">6</a></sup> sprach.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>6.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">weil die von Zapp und Disch immer herangezogenen „Zeitzeugen&#8221; auf ihrer <a title="Link zu http://tsebah.com/" href="http://tsebah.com/" target="_blank">Homepage</a> eine „Grußbotschaft&#8221; veröffentlichten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_6_934" id="identifier_6_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer &bdquo;Gru&szlig;botschaft&amp;#8221; die Rede, als dar&uuml;ber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekret&auml;r der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe begl&uuml;ckw&uuml;nschte und sich mit kommunistischem Gru&szlig; verabschiedete. Dies m&ouml;ge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Gru&szlig;botschaften und Solidarit&auml;tsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED &bdquo;Neues Deutschland&amp;#8221; war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften.">7</a></sup>, in der expressis verbis generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea in Gegenwart und Vergangenheit in Abrede gestellt wird:<strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>„In Eritrea gab es nie Kindersoldaten, bis heute gibt es das nicht.&#8221;</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">Aufgrund der Tatsache, dass diese Botschaft unkommentiert und ohne jegliche Distanzierung veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass die als „GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule&#8221; firmierenden „Zeitzeugen&#8221; die in der „Grußbotschaft&#8221; geäußerte Auffassung, derzufolge es nie Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, in vollem Umfang teilen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">In dieser „Grußbotschaft&#8221; ist überdies an keiner einzigen Stelle von der „Tsebah-Schule&#8221; die Rede, um die es doch dem Vernehmen nach ausschließlich gehe. Im Gegenteil, die Urheberin dieser Botschaft äußert vielmehr gleich zu Beginn, dass sie <strong>nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei</strong>. Stattdessen negiert sie aber pauschal die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea. Diese Solidaritätsadresse wird nun von den „Zeitzeugen&#8221; ohne jeglichen Kommentar online gestellt. Tanzen da die „Zeitzeugen&#8221; etwa aus der Reihe?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dischs Aussage zufolge gehe es ihm im Grunde genommen nur um Almaz Yohannes, die sich in Meharis Buch diffamiert fühle und darum, dass die „Tsebah-Schule&#8221; eine reine Schule gewesen sei, ohne militärischen Charakter. Worum aber geht es den „Zeitzeugen&#8221;, mit denen sich Disch umgibt? Offenbar in starkem Maß um Eritrea im Allgemeinen. Diese allgemeine Diskussion bemängelt Disch aber nur bei seinen Kritikern, nicht bei seinen Zeugen. Hätte es zudem eine Person wie die Urheberin der „Grußbotschaft&#8221; gewagt, sich zugunsten von Mehari zu äußern, bei gleichzeitigem Eingeständis, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei, hätte Herr Disch ihr längst einen belehrenden Eintrag in seinem Feuerherz-Organ gewidmet, wo er der Person nach Strich und Faden auseinandergesetzt hätte, dass sie nur „ventiliere&#8221;, „in Augenschein&#8221; nehme und auf allgemeiner Ebene diskutiere, kurzum: in der Diskussion gar nichts verloren habe und es gar nicht wert sei, dass man überhaupt auf sie eingehe.</p>
<p>Diese sich wesentlich widersprechenden Aussagen von Peter Disch, Julia Salden und Abraham Mehreteab hinsichtlich der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea waren also der Anlass, die Quellen online zu stellen.</p>
<p>An dieser Stelle darf noch einmal der stellvertretende Leiter der Programmgruppe Ausland des Westdeutschen Rundfunks, Arnd Henze, zitiert werden, auch wenn Herr Disch bemängelt, dass dessen Kritik bereits ein Jahr alt sei. Doch inzwischen hat Disch sich das wieder anders überlegt und seine Mitmenschen informiert, dass es keine Rolle spiele, wie alt ein Text sei, sondern dass es auf die Qualität des Textes ankomme. Angesichts solcher Weisheit, bleibt einem schier der Mund offen stehen. Wie auch immer, dass Herr Henze mittlerweile anderer Ansicht sei, war bislang noch nicht zu lesen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_7_934" id="identifier_7_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="W&auml;re das der Fall, h&auml;tte Zapp doch keine Sekunde gez&ouml;gert und die neue, anderslautende Stellungnahme l&auml;ngst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser w&uuml;rde dann dort in sch&ouml;nster Zapp-Diktion stehen: &bdquo;R&uuml;ckzieher: Kritiker hat Einsehen!&amp;#8221;">8</a></sup> Außerdem hat seine Kritik weder an Aktualität noch an Relevanz oder Signifikanz eingebüßt:</p>
<blockquote><p>Geht es darum, das Selbstbild vom legitimen Befreiungskampf nicht durch das Eingeständnis völkerrechtswidriger Kriegsmethoden zu relativieren [...] Hat sich Zapp möglicherweise für einen zynischen Geschichts-Revisionismus einspannen lassen?<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/26/quellentexte-zur-existenz-von-kindersoldaten-in-eritrea/#footnote_8_934" id="identifier_8_934" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007">9</a></sup></p></blockquote>
<p><span id="more-934"></span><br />
Peter Disch indes beliebt, abermals zu unterstellen, dass einzelne seiner Kritiker die vollkommen auf die von Senait Mehari veröffentlichte Darstellung der Zustände in einem einzigen Lager bezogene Detailkritik in eine allgemeine Diskussion über Kindersoldaten ummünzen wollten. Solange aber das aus Disch, Salden und Mehretaab bestehende Triumvirat nicht in der Lage ist, die von Disch vertretene Position einheitlich und klar verständlich zu kommunizieren, sondern &#8211; wie oben gesehen &#8211; selbst Argumentationsebenen munter vermischt, sollte sich die Verwunderung darüber, dass man auf diese widersprüchlichen Äußerungen eingeht, eigentlich in Grenzen halten.</p>
<p>Ihre Kritiker, Herr Disch, erlauben sich also deshalb, auch auf allgemeiner Ebene zu diskutieren, weil Ihre Mitstreiter die Diskussion selbst dorthin verlegt haben. Da Abraham Mehreteab und Julia Salden, anders als Sie, Günter Schröder, Hartmut Quehl und der Äthiopist Wolbert G.C. Smidt, diesen allgemeinen Fakt der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea eben alles andere als deutlich bestätigen, sondern z.T. sogar ganz eindeutig leugnen, müssen Sie es wohl oder übel erdulden, wenn man sich dazu äußert, auch wenn das alles womöglich unter Ihrem Niveau ist. Sie müssen einfach damit leben, dass Ihre Leser und mithin auch Kritiker nicht allesamt in der komfortablen Situation sind, solche Meister der in Rede stehenden Materie zu sein, wie offenbar Sie.</p>
<p>Voller Ungeduld und mit brennendem Interesse wartet eine Vielzahl von Menschen seit über einem Jahr auf überzeugende Fakten für die These, die Sie so vehement vertreten, Herr Disch. Offenbar sind viele Menschen noch nicht dem Charme und der Stichhaltigkeit Ihrer Argumente restlos erlegen. Wir warten neugierig darauf, dass Sie über das Buch „Feuerherz&#8221; von Senait Mehari endlich relevante Neuigkeiten mitteilen. Denn bislang hatten Sie nicht gerade mit einer erdrückenden Menge an neuen, relevanten Informationen aufzuwarten.</p>
<p>Sie haben diese Debatte losgetreten, Herr Disch. Sie bezichtigen Mehari der Lüge. Dass Mehari lügt, müssen also Sie beweisen. Ihre Kritiker müssen eigentlich nicht Meharis Unschuld beweisen. Anstatt also den von Ihnen dem Anschein nach z.T. als unwürdig empfundenen Kritikern handwerkliche und andere Fehler nachzuweisen, überzeugen Sie uns renitente, offensichtlich überaus lästige Zweifler doch einfach. Sie haben ja offenbar das nötige Rüstzeug, die Recherchefähigkeit und die Sachlichkeit, die dazu vonnöten sind. Sie sind allem Anschein nach so von Ihrer These überzeugt und durchdrungen, dass es doch ein Leichtes sein sollte, auch die letzten Zweifler zu überzeugen. Alle Augen sind nun auf Sie gerichtet. Sprechen Sie konkret über das Buch, und räumen Sie die Zweifel an Ihrer These aus.</p>
<p>Solange Sie aber Mehari nicht eindeutig der Lüge überführen, müssen Sie wohl oder übel damit leben, dass es Menschen gibt, die sowohl Meharis Version als auch diejenige, der Sie den Vorzug geben, für gleichrangig erachten.</p>
<p>Nachdem die Kritiker Ihnen also nun die allgemeine und persönliche Ebene aufgezwungen haben, die so gar nicht Ihr Stil sei, Sie jedoch diese Kritikaster in ihre jeweiligen Schranken zu weisen vermochten, können Sie sich ja nun endlich wieder allein dem Buch und Ihrer rein sachlichen Detailkritik daran widmen und uns letztlich doch überzeugen.</p>
<p>Ansonsten könnten böse Zungen noch behaupten, die Debatte sei nur deshalb wieder angefacht worden, weil die Filmpremiere bevorstand und nicht etwa deswegen, weil Salden und Disch irgendwelche neuen Fakten aufgespürt hätten. <span style="color: #fffacd;">Zapp, NDR, Medienmagazin, Julia Salden, Peter Disch, Kuno Haberbusch, Senait Mehari, Feuerherz, Eritrea, Kindersoldaten, child soldier, ELF, EPLF, Abraham Mehretaab, Tsebah, Droemer, Knaur, Arnd Henze, Günter Schröder</span><br />
© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_934" class="footnote">Diktion der „Zeitzeugen&#8221; auf ihrer <a title="Link zur Homepage der »Zeitzeugen«" href="http://tsebah.com/" target="_blank">Homepage</a></li><li id="footnote_1_934" class="footnote">Vgl. Peter Disch, Journalist für Popmusik, Eintrag  in seinem „Feuerherzblog&#8221; vom 21.02.2008</li><li id="footnote_2_934" class="footnote">Den Beitrag kann man sich auf der <a href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID4599014_VID4598406,00.html" target="_blank" class="broken_link">Homepage von Zapp</a> anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 geäußert.</li><li id="footnote_3_934" class="footnote"><a title="Link zur Zapp-Sendung vom 20.02.2008" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4599014_REF2488,00.html" target="_blank" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 20.02.2008</a></li><li id="footnote_4_934" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_5_934" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_6_934" class="footnote">Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer „Grußbotschaft&#8221; die Rede, als darüber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe beglückwünschte und sich mit kommunistischem Gruß verabschiedete. Dies möge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Grußbotschaften und Solidaritätsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED „Neues Deutschland&#8221; war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften.</li><li id="footnote_7_934" class="footnote">Wäre das der Fall, hätte Zapp doch keine Sekunde gezögert und die neue, anderslautende Stellungnahme längst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser würde dann dort in schönster Zapp-Diktion stehen: „Rückzieher: Kritiker hat Einsehen!&#8221;</li><li id="footnote_8_934" class="footnote"><a title="Link zum Schreiben von Arnd Henze auf der Internetseite von Zapp" href="http://www3.ndr.de/container/ndr_style_file_default/0,2300,OID3713802,00.pdf" target="_blank" class="broken_link">Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007</a></li></ol>
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		<title>Stell Dir vor, es läuft Zapp, und keiner schaut zu &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Feb 2008 23:09:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Es bedarf wahrlich keiner besonders regen Phantasie mehr, um sich oben genanntes Horrorszenario vor Augen zu führen. Trotzdem nämlich Zapp, das Medienmagazin des NDR, seiner eigenen anzunehmenden Perzeption zufolge ein wahres Feuerwerk an „Enthüllungen&#8221; zündete, halbierte sich die Zuschauerzahl innerhalb nur eines halben Jahres von 120.000 auf 60.000, was einem Marktanteil von 2,1 Prozent entspricht [...]]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/diagramm-zuschauerzahlen-von-zapp-gross.jpg" rel="lightbox[924]"><img class="alignleft size-full wp-image-1476" title="Zuschauerzahlen von Zapp" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/diagramm-zuschauerzahlen-von-zapp-klein.jpg" alt="" width="200" height="124" /></a><span class="initial">E</span>s bedarf wahrlich keiner besonders regen Phantasie mehr, um sich oben genanntes Horrorszenario vor Augen zu führen. Trotzdem nämlich Zapp, das Medienmagazin des NDR, seiner eigenen anzunehmenden Perzeption zufolge ein wahres Feuerwerk an „Enthüllungen&#8221; zündete, halbierte sich die Zuschauerzahl innerhalb nur eines halben Jahres von 120.000 auf 60.000, was einem Marktanteil von 2,1 Prozent entspricht (siehe Grafik). Wie lässt sich dieser massive Zuschauerschwund erklären?</p>
<p>Sicher ist der späte Sendeplatz nicht gerade von Vorteil, doch vor einem halben Jahr wurde Zapp auch erst um 23 Uhr ausgestrahlt. Was also dann? Wissen die dumpfen Zuschauer einfach nicht die brillante Arbeit und die lupenreine Recherche der Zapp-Redaktion zu schätzen? Wirft Kuno Haberbusch, der Chefredakteur von Zapp, also etwa mit seinen „Enthüllungen&#8221; Perlen vor die Säue? Womöglich ist auch dies Teil einer Erklärung. Der typische NDR-Zuschauer sieht vielleicht viel lieber „Großstadtrevier&#8221;, „Bingo!&#8221;, Übertragungen aus dem „Ohnsorg Theater&#8221;, Naturfilme, Sport und Regionales und weiß den romantischen Abenteuerjournalismus einfach nicht zu würdigen. Zapp läuft eben nicht, wie Panorama, im Ersten, auch wenn man mit Biegen und Brechen zu versuchen scheint, Zapp zu einer Art Panorama zu machen.</p>
<p>Kuno Haberbusch ist eben offenbar ein Rechercheur mit Leib und Seele. Wäre er von Panorama nicht zu Zapp versetzt worden bzw. gewechselt, sondern in die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/19/stell-dir-vor-es-laeuft-zapp-und-keiner-schaut-zu/#footnote_0_924" id="identifier_0_924" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="WDR">1</a></sup>, dann würde er vermutlich auch dort noch mit einer Art Kommissar Rex, der Katze Cindy nachrecherchieren und enthüllen, dass sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen Aufnahme im Tierheim gefunden habe und somit den Steuerzahler jährlich um Hunderte von Euro betrüge. Außerdem würde eine Vielzahl von Katzen (nur die mit schwarzem Fell, keine mit grauem und schon gar keine mit weißem Fell) aufgeboten, die bezeugen könnten, dass Cindy alles nur erlogen habe, um für sich einen Opferstatus zu reklamieren. Fabeln waren schon immer dazu geeignet, schlichten Gemütern grundlegende Wahrheiten nahe zu bringen. Dann müsste es bei den sicherlich äußerst elaborierten Gemütern der Zapp-Mitarbeiter eigentlich erst recht funktionieren.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-13022008.jpg" rel="lightbox[924]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1479" title="Zapp-Einschaltquote vom 13.02.2008" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-13022008-78x140.jpg" alt="" width="78" height="140" /></a>Angesichts des Quotentiefs muss Zapp wohl tapfer sein und sich damit abfinden, dass wahre Künstler oft erst posthum in den Genuss von Ruhm kommen. Die Instanz aber, die für Zapp zählt, ist offenbar sowieso weniger der Zuschauer, als vielmehr die Lorbeeren, wie z.B. der Bert-Donnepp-Preis. Also, selbst wenn eines nicht allzu fernen Tages nur noch die Anverwandten und Freunde der Zapp-Mitarbeiter Zapp schauen, ist der Preis wohl Beweis genug dafür, dass Zapp alles richtig macht.<br />
Wenn jemand einen Fehler macht, dann ist es der Zuschauer, nämlich wenn er Zapp nicht einschaltet. Bereits jetzt sendet Zapp nur für eine Zuschauergemeinde, die in etwa den addierten Einwohnerzahlen von Buxtehude und Husum entspricht. Für einen Sender, dessen Sendegebiet etwa 14 Millionen Einwohner bevölkern, ist das eine recht geringe Reichweite, auch wenn man sie in Relation zu Sendeplatz und für sich selbst reklamierten Anspruch setzt. Aber ein bisschen Dekadenz wird ja wohl noch erlaubt sein?!<span id="more-924"></span></p>
<p>Dabei hat Zapp nun schon so viel getan, um besser zu werden, was ja bereits ein Widerspruch in sich zu sein scheint. Denn zumindest grammatisch lässt sich ein positiver Superlativ, für den Zapp sich offenbar hält, nicht mehr weiter steigern. Doch Zapp war ja bisher noch immer für eine Überraschung gut. Ganz im Sinne der Vorstellung, dass Inhalte mehr als Äußerlichkeiten zählen, hat man eine Menge Requisiten eingespart, wie beispielsweise Sessel, Flokati, Kaminfeuer, Reling und Barhocker. Damit konnte man zudem auf einen teuren Requisiteur verzichten. Das solchermaßen eingesparte Geld sollte stattdessen angeblich in Recherchen fließen. Außerdem hat man allem Anschein nach die aberwitzige Krankamera abgeschafft<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/19/stell-dir-vor-es-laeuft-zapp-und-keiner-schaut-zu/#footnote_1_924" id="identifier_1_924" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jedenfalls werden seit l&auml;ngerem keine Aufnahmen aus der Vogelperspektive mehr in die Wohnzimmer gesendet.">2</a></sup>, die noch unter der Ägide von Haberbuschs Vorgänger, Burkhard Nagel, zum festen Inventar gehörte, wohl, damit sich der Zuschauer auch aus der Vogelperspektive ein Bild von den epochalen Ereignissen im Studio machen konnte. Die Vogelperspektive würde vielmehr Zapp ab und an gut tun, wie im übrigen jeder Perspektivwechsel, weil somit bewirkt werden könnte, dass Zapp festgefahrene Meinungen vielleicht zumindest überdenkt. Was waren das für herrliche Zeiten, als 3sat bzw. das ZDF noch Frontal ausstrahlten und damit den Inbegriff einer ausgewogenen Berichterstattung lieferten, wenn Bodo H. Hauser die konservative Position einnahm und Ulrich Kienzle die sozialdemokratische. Bei Zapp sind offenbar alle immer entweder Hauser oder Kienzle. Manches war früher eben doch besser. Durch Zapp könnte man fast zum Wertkonservativen mutieren.</p>
<p>Dann verzichtete Zapp auch noch auf die Gäste, die durchaus ein Positivum der Sendung waren. Momentan scheint man vorrangig damit beschäftigt, sich auch noch der restlichen Zuschauer zu entledigen. So etwas nennt man auch kontrollierten Rückbau, der vorwiegend bei Gebäuden, die nicht mehr gebraucht werden, die überflüssig sind, Anwendung findet. Schließlich verlegte man noch den Sendeplatz von Sonntagabend auf Mittwochabend. Ein wichtiges Kriterium bei dieser Entscheidung sei es gewesen, so war zu lesen, dass man auf diese Weise verhindere, dass die meist älteren Herren mit Schlafstörungen, die zuvor Sportclub geschaut hätten, nur deshalb bei Zapp nicht abschalteten, weil sie an &#8211; damals noch &#8211; Caren Miosgas hübschem Gesicht hängen blieben.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/19/stell-dir-vor-es-laeuft-zapp-und-keiner-schaut-zu/#footnote_2_924" id="identifier_2_924" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Artikel im Hamburger Abendblatt 22.05.2004 &bdquo;Der Neue will mehr Zack bei &sbquo;Zapp&amp;#8217;&amp;#8221;">3</a></sup> Somit leistete man also auch noch einen Beitrag gegen die Schönung von Statistiken. Man will eben auch nur Zuschauer, die wirklich wissen, um was für eine Perle es sich bei Zapp handelt und keine, die sich von äußeren Reizen leiten lassen.</p>
<p>Man wagt gar nicht sich vorzustellen, auf was für wackeligen Füßen beispielsweise die Zapp-„Enthüllungen&#8221; über Senait Meharis Feuerherz gestanden hätten, ohne all diese Einsparungen, die nun &#8211; dem Himmel sei Dank &#8211; den Recherchen zugute kommen konnten. Diese „Enthüllungen&#8221; bestehen ja auch so schon mehr oder weniger nur aus Behauptungen, die ebenso glaubwürdig bzw. unglaubwürdig sind, wie die von Mehari. Ohne all diese Einsparungen aber wäre das Argumentationskartenhaus von Zapp wahrscheinlich noch vor der Ausstrahlung der „Enthüllung&#8221; in sich zusammengefallen. So aber ist es einfach nur sehr wackelig und wird, dessen vollkommen ungeachtet, mit Freuden in ziemlich unkreativen Variationen immer wieder neu verwurstet.</p>
<p>Allein die Beseitigung von Requisiten ist jedoch lediglich ein demonstrativer Akt und bedeutet mitnichten eine automatische Konzentration auf den Inhalt. Das zu meinen, wäre ein Trugschluss. Jedenfalls hat der Wegfall von Mobiliar bei Zapp ganz und gar nicht zu einer spürbaren Verbesserung des Inhalts geführt. Es ist wohl aber auch davon auszugehen, dass es bei der gelieferten Begründung um einen Euphemismus handelt. Wahrscheinlicher ist schon, dass man Zapp einfach und allein unter Einsparungsgesichtspunkten eiskalt zusammengekürzt hat, da bei Zapp jeglicher Aufwand im Äther verpufft.</p>
<p>Doch zurück zur Frage, warum Zapp die Zuschauer in Scharen davonlaufen. Vielleicht braucht der moderne Fernsehkonsument im Mediendickicht keinen Blindenhund, der ihm den Weg weist und erklärt, wie er diese Meldung in Bild oder jenes Ereignis bei RTL II einzuordnen hat. Womöglich sendet Zapp ja völlig am Bedürfnis des Zuschauers vorbei. Der Zuschauer braucht vielleicht niemanden, der ihm Meinungen vorkaut  bzw. die Ereignisse der Woche wiederkäut. Zapp ist ja keine Sendung, die Nachrichten bietet, ebenso wenig wie eine Sendung, in der Diskussionen stattfinden, geschweige denn eine Sendung, die Humor hat &#8211; höchstens sehr bemühten.</p>
<p>Zapp ist &#8211; so der häufige Eindruck &#8211; eine Verwurstungssendung. Dort scheinen überdies des Öfteren Meinungen nicht gegeneinander abgewogen, sondern gemacht zu werden. Oft mutet Zapp also an, als betreibe man Suggestion, statt ausgewogener Berichterstattung. Von Massensuggestion kann angesichts der verschwindend geringen Quote ja keine Rede sein, was fast schon wieder Dankbarkeit aufkommen lässt. Bei Zapp scheint man sich einig zu sein. Zweifel am eigenen Tun sind augenscheinlich nicht vorhanden. Auch gerade im „Fall&#8221; Mehari wirkt Zapp alles andere als souverän, vielmehr tendenziös. Vielleicht empfindet der Zuschauer Zapp als einen Vexierspiegel, der nur Zerrbilder der Realität zeigt, weil wichtige Fakten und Perspektiven womöglich unterschlagen werden?</p>
<p>Laut Vorankündigung soll morgen schon wieder etwas über Mehari enthüllt werden. Wenn die Enthüllung genauso lau und unfundiert ist, wie die bisherigen in diesem Fall &#8211; was stark zu vermuten ist &#8211; kann man sich für 23 Uhr schon einmal einen Plan B schmieden. Eigentlich war die Enthüllung offenbar bereits für die letzte Sendung geplant, jedenfalls stand im Videotext eine dahingehende Meldung. Doch diese Meldung verschwand alsbald wieder so schnell, wie sie aufgetaucht war. Sie war wohl selbst in den Augen von Zapp zu unfundiert, was schon etwas heißen muss. Zapp fertigt also Enthüllungen am Fließband, was zwangsläufig zu einer Inflation, also zu einer Entwertung führt. Genau dies merkt wohl auch der Zuschauer. Vollmundige Ankündigungen, und dann doch wieder nur zweifelhafte bis mäßig spektakuläre Informationen, kombiniert mit einseitiger Berichterstattung. Seit Zapps jüngster Enthüllungssendung sanken die Zuschauerzahlen im Zehntausenderbereich. Warum dies? Vielleicht gewinnt der Zuschauer ja den Eindruck, dass bei Zapp Meinungen zurechtgebogen werden? Vielleicht mag es der Zuschauer nicht, wenn ihm Gegenmeinungen vorenthalten werden, weil er dann den Eindruck hat, für dumm verkauft zu werden. Vielleicht entsteht beim Zuseher das Gefühl, dass man ihn für nicht in der Lage hält, sich aus einer ausgewogenen Präsentation von Für und Wider eine eigene Meinung zu bilden, anstatt sich eine Meinung aufoktroyieren zu lassen? Hat der Zuschauer tendenziöse Berichterstattung womöglich satt und wendet sich enttäuscht von Zapp ab?</p>
<p>Zapp wird mit Sicherheit Erklärungen für sein massives Quotentief haben und zweifelsfrei die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Noch ist es nicht zu spät, die Kurve hin zum seriösen Journalismus zu kriegen. Einfach weniger Meinungsmache und mehr Ausgewogenheit, und schon wäre die Essenz eines ernstzunehmenden Magazins gemischt. Was dann noch fehlt, sind Themen. Zapp scheint ja unbedingt Themen setzen zu wollen, um zitiert zu werden bzw. für voll genommen zu werden.</p>
<p>Laue Berichte darüber, dass Christian Wulff nicht durch bloßen Zufall einem Pulk Journalisten im Wald begegne, sondern es sich hierbei um eine Verabredung handele, sind eher weniger dazu geeignet, mit ihnen Themen zu setzen. Ohne Zapp hätte wohl jeder Durchschnittszuschauer gedacht, dass Wulff im Walde so still vor sich hinging, und nichts zu suchen, das war sein Sinn. Im Schatten sah&#8217; er dann Kameras stehn &#8230; Dank Zapps Enthüllung wissen wir nun, dass Journalisten und Politiker sich verabreden, sei es für Pressekonferenzen, Homestories oder Interviews. Auch lernt der Zuschauer, dass Bilder in Nachrichten eine wichtige Rolle spielen. Man erfährt von der Macht, die Bildern offenbar innewohnt. Das klingt doch arg nach Proseminar Journalistik „Einführung für Erstsemestler&#8221; an der Kinderuni. Das alles sind äußerst abgestandene Erkenntnisse, also auch ganz und gar nicht geeignet, um Themen zu setzen. Zapp ergeht sich, so will einem scheinen, in großem Maß in Plattitüden.</p>
<p>Ab und zu springt man bei Zapp aber auch auf den richtigen Zug, sei es die bedrohte Pressefreiheit in Russland oder diejenige in China. Doch auch hier setzt Zapp zu seinem wahrscheinlichen Verdruss keine Themen. Das muss es ja eigentlich auch nicht. Es würde genügen, wenn Zapp sich presserelevanten Themen widmete und diese nüchtern und ohne Sensationsgier ausleuchtete. Aber Kuno Haberbuschs Ansprüche sind offenbar höherer Natur. Da kann er sich natürlich auch nicht um solche Marginalien kümmern, wie die nach wie vor auf der <a title="Die Parole »Jedem das Seine« vom Tor des Konzentrationslagers Buchenwald auf der Internetpräsenz des Medienmagazins Zapp" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/zapp-jedem-das-seine-full-screen.jpg">Internetseite von Zapp befindliche Parole: „Jedem das Seine&#8221;</a>, deren Verwendung sich durch ihren Missbrauch durch die Nationalsozialisten am Eingangstor des Vernichtungslagers Buchenwald für jeden halbwegs historisch gebildeten und nicht dem Neonazi-Spektrum zugehörigen Menschen eigentlich verbietet.</p>
<p>Dass am 17. Februar in Europa ein neuer Staat namens Kosovo gegründet wurde, scheint Zapp auch nicht der Berichterstattung wert. Jedenfalls ist in den Vorankündigungen davon mit keiner Silbe die Rede. Dabei wäre es durchaus interessant zu erfahren, wie die Medien in Europa &#8211; in Serbien und im Kosovo, in Spanien und in Griechenland &#8211; darauf reagieren. Doch das kann man letztlich auch selbst, entweder Online oder durch internationale Presseschauen wie beispielsweise im Deutschlandfunk. Und eben dies ist die Crux bei Zapp. So richtig klar ist nicht, was Zapp eigentlich zu bieten hat, was jeder einigermaßen intelligente Mensch nicht auch selber bewerkstelligen könnte. Diese Frage scheint man sich bei Zapp auch zu stellen und beantwortet sie mit der Flucht nach vorne, nämlich mit der Skandalisierung eines Belletristiktitels, bei der man aber auch nach einem Jahr noch immer nicht in der Lage ist, hieb- und stichfeste Beweise zu liefern, die wenigstens Zapps klare Verurteilung Meharis rechtfertigen würden.</p>
<p>Nun denn, zurück zur Frage, warum Zapp nicht über den bzw. das Kosovo berichtet. Womöglich hat ja kein Zapp-Mitarbeiter einen Kosovaren oder Serben in seinem Bekanntenkreis, dessen Position man dann völlig neutral und objektiv vertreten könnte? Frau Salden habe ihre Zeitzeugen im Fall Mehari ja ihrer eigenen Aussage zufolge, schlicht über ihren Bekanntenkreis kennengelernt.<br />
Zudem wäre es auch interessant zu erfahren, welche Medien es im Kosovo überhaupt gibt, wie es dort um die Meinungsfreiheit bestellt ist usw. Wird dort ein Staatsfernsehen aufgebaut, ein Rundfunk? Naja, wie gesagt, das bekommt man auch selbst heraus. Zapp schweigt und liefert stattdessen zum wiederholten Mal das, was es selbst für „Enthüllungen&#8221; hält, was doch aber letztlich eher an Kolportage erinnert, über den zweitklassigen Bestseller „Feuerherz&#8221;. Ein drittes Programm und ein zweitklassiger Bestseller &#8211; da haben sich ja zwei gefunden. Man ist fast geneigt anzunehmen, der Journalist für Popmusik, Peter Disch habe zusammen mit Julia Salden das Zepter bei Zapp übernommen. Bald wird es dort womöglich heißen: „Herzlich willkommen bei ‚Feuerherzapp’, schön, dass Sie wieder dabei sind!&#8221; Obsession par excellence, könnten böse Zungen über diese Berichterstattung behaupten. Für manche Menschen ist das Eingeständnis, möglicherweise auf dem Holzweg zu sein, wahrscheinlich ehrenrührig. Auch nur einen Zentimeter zurück zu rudern, bedeutet in deren Augen womöglich schon Selbstaufgabe.<span style="color: #ffffe0;">Kuno Haberbusch, Julia Salden, Zapp, Feuerherz, Senait Mehari, Peter Disch, NDR</span></p>
<p>© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_924" class="footnote">WDR</li><li id="footnote_1_924" class="footnote">Jedenfalls werden seit längerem keine Aufnahmen aus der Vogelperspektive mehr in die Wohnzimmer gesendet.</li><li id="footnote_2_924" class="footnote"><a title="Link zum Artikel Der Neue will mehr Zack bei " href="http://www.abendblatt.de/daten/2004/05/22/297700.html" target="_blank">Artikel im Hamburger Abendblatt 22.05.2004 „Der Neue will mehr Zack bei ‚Zapp&#8217;&#8221;</a></li></ol>
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