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	<title>L’esprit d’escalier &#187; Sprache</title>
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		<title>Geschützt: Sterbendes Blau</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 21:40:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Artikel ist.]]></description>
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		<title>Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick?</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 22:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[In seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag&#8221; vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen: „Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]&#8221; nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen: „[...] Silber.&#8221; Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/' addthis:title='Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick? '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug.jpg" rel="lightbox[1133]"><img class="alignleft size-full wp-image-200400" title="SPIEGEL-ONLINE-Schriftzug (Foto vom Schild am Eingang des Redaktionsgebäudes in der Willy-Brandt-Straße 20 in Hamburg)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/12/spiegel-online-schriftzug-thumb.jpg" alt="" width="200" height="102" /></a><span class="initial">I</span>n seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag&#8221; vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen:</p>
<p>„Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]&#8221;</p>
<p>nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen:</p>
<p>„[...] Silber.&#8221;</p>
<p>Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form des Verbs „erschießen&#8221; gemeinhin nicht in einer Kette „Dativobjekt-Akkusativobjekt&#8221; verwendet wird, sondern lediglich mit einem der Reflexivform innewohnenden Akkusativobjekt. Setzt man nun die feststehende Form „sich erschießen&#8221; in Bezug zu einem Dativobjekt und lässt dann ein sich darauf beziehendes Akkusativobjekt folgen, besteht die Gefahr der Missverständlichkeit. Diese Gefahr betrifft wie im oben geschilderten Fall z.B. die dritte Person Singular, da bei dieser die Form des Reflexivpronomens vom Kasus unberührt bleibt.  Gleiches trifft aber auch auf die erste, zweite und dritte Person Plural zu:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ich erschieße mich / mir</strong><br />
<strong>Du erschießt dich / dir</strong><br />
<strong>Er / sie / es erschießt <span style="color: #b22222;">sich / sich</span></strong><br />
<strong>Wir erschießen <span style="color: #b22222;">uns / uns</span></strong><br />
<strong>Ihr erschießt <span style="color: #b22222;">euch / euch</span></strong><br />
<strong>Sie erschießen <span style="color: #b22222;">sich / sich</span></strong></p>
<p>Es ist anzunehmen, dass sich eben aufgrund dieser Problematik die Wendung „jmdm. etw. erschießen&#8221; nirgendwo lexikalisiert findet. Selbstverständlich steht es jedem frei, Neologismen bzw. Wendungen und Kombinationen in den Sprachschatz einzubringen. Das macht diesen ja unter anderem aus. Wenn man sich Gold erschwimmen und Bronze erlaufen  kann, warum sollte man sich nicht auch Silber erschießen können? „Jmdm. etw. erlaufen&#8221; ist beispielsweise lexikalisiert, nämlich: „durch Laufen (als Preis) gewinnen: du hast [dir] viele Trophäen erlaufen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/#footnote_0_1133" id="identifier_0_1133" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: DUW">1</a></sup></p>
<p>Bei solchen Übertragungen anderer unproblematischer Wendungen sollte man jedoch vielleicht darauf Acht geben, dass es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Natürlich erschließt der Kontext alsbald den gewollten Sinn. Dennoch stockt man zunächst. „Sich Silber erschwimmen&#8221; ist deshalb unproblematisch, weil „sich erschwimmen&#8221; allein nicht lexikalisiert ist, schon gar nicht mit problematischer Bedeutung. „Sich erschießen&#8221; hingegen ist eben lexikalisiert.</p>
<p>Was spräche dagegen, in einem missverständlichen Fall herkömmliche Verben wie „erkämpfen&#8221;, „erstreiten&#8221; „erringen&#8221;, „erreichen&#8221; oder „erzielen&#8221; zu verwenden? Dass man auf „gewinnen&#8221; verzichtet, ist dann verständlich, wenn deutlich gemacht werden soll, dass der Sieg weniger auf Glück als vielmehr auf Kampf, Zähigkeit, Fähigkeit, Konzentration, Betablocker &#8211; wie offenbar im Fall des nordkoreanischen Sportschützen Kim Jong Su &#8211; oder anderweitige Leistung zurückzuführen ist.</p>
<p>Besonders problematisch wird „jmdm. etw. erschießen&#8221;, wenn die 3.P.Sg. oder eine der drei Personen Plural im Präteritum verwendet werden &#8211; wie im behandelten Beispiel &#8211; weil hier die Syntax so geartet ist, dass das Akkusativobjekt erst an letzter Position erscheint und somit Leser bzw. Hörer bis zuletzt im Unklaren lässt bzw. im Glauben, dass sich jemand erschossen habe. Die Formulierung im Perfekt wäre hingegen unproblematisch, weil hier das erklärende Akkusativobjekt vor dem problematischen Verb kommt: „Er hat sich Silber erschossen.&#8221; Das Präsens dagegen birgt das gleiche Problem wie das Präteritum: „Er erschießt sich Silber.&#8221; Das Plusquamperfekt ist wieder unproblematisch: „Er hatte sich Silber erschossen.&#8221; Ebenso unproblematisch sind Futur I und Futur II: „Er wird sich Silber erschießen bzw. erschossen haben.&#8221;</p>
<p>Doch Spiegel Online macht den Eindruck, „jmdm. etw. erschießen&#8221; zur Gleichberechtigung gegenüber „jmdm. etw. erlaufen&#8221; verhelfen zu wollen. So kann man dort z.B. in einem Artikel vom 30.11.2007 über die Biathletin Magdalena Neuner lesen:</p>
<blockquote><p>Sie [...] düpierte die gesamte Biathlon-Weltspitze, erlief und erschoss sich Gold in den Disziplinen Verfolgung, Sprint und in der Staffel.</p></blockquote>
<p>Das klingt ja schon fast nach dem „goldenen Schuss&#8221;. Im Kampf um die Gleichberechtigung will wohl auch der Hessische Rundfunk nicht hintan stehen und vermeldete gestern:</p>
<blockquote><p>Der [...] Sportschütze Christian Reitz ist der erste Hesse, der in Peking eine Medaille erobert hat. Am Samstagfrüh [sic] erschoss er sich Bronze.</p></blockquote>
<p>Weniger missverständlich, da sensibler formuliert, äußert sich die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung „.ch&#8221;, wo es in einer Meldung vom 15. August heißt:</p>
<blockquote><p>Die Bronzemedaille erschoss sich der Russe Bajir Badenow gegen Juan Rene Serrano aus Mexiko [...].</p></blockquote>
<p>Ein geschickter syntaktischer Schachzug: Man stellt einfach das Akkusativobjekt ganz an den Anfang und kann somit problemlos „jmdm. etw. erschießen&#8221; in der 3.P.Sg. und im Präteritum verwenden. Hier wird allerdings „jmdm. etw. erschießen&#8221; noch ergänzt, so dass man „jmdm. etw. gegen jmdn. erschießen&#8221; erhält.</p>
<p>Ebenfalls sprachlich sensibler als Spiegel Online und der Hessische Rundfunk zeigt sich ausgerechnet der Deutsche Schützenbund, der nämlich in einer Meldung vom  5. Mai dieses Jahres den doppeldeutigen Begriff in Anführungszeichen setzt:</p>
<blockquote><p>In der Einzelwertung der Junioren war es Florian Hoheisel [...], der sich mit 595 Ring [sic] die Goldmedaille »erschoss«.</p></blockquote>
<p>Möglicherweise ist man angesichts der jüngsten Amokläufe um seinen Ruf besorgt und will Missverständnisse um jeden Preis vermeiden.</p>
<p>Ein Beispiel, bei dem die Aufklärung wirklich lange auf sich warten lässt, findet sich in den aktuellen Mitteilungen des SSG-Röwekamp, eines Schützenvereins aus dem Landkreis Osnabrück, wo es heißt:</p>
<blockquote><p>Lisa erschoss sich im Finale mit anschliessendem Stechschuß vom 6. Platz aus gestartet noch die Bronzemedaille.</p></blockquote>
<p>Spätestens nach dem Stechschuss wähnten die meisten Leser Lisa wohl nicht mehr unter den Lebenden. Ganz davon zu schweigen, dass hier der Gebrauch von Eszett und doppeltem „S&#8221; etwas durcheinander geraten ist und auch der Einsatz von Kommas zum Zweck der Gliederung und Verständniserleichterung ein wenig zu kurz gekommen ist.</p>
<p>Abschließend sei festgehalten, dass es nun nicht gerade so ist, dass Spiegel Online dem „Sprachwahrer des Jahres 2004” und Redaktionsmitglied eben dieses Mediums &#8211; Bastian Sick &#8211; nicht auch mitunter ein Betätigungsfeld böte, auch wenn dieser sicher vor lauter Arbeit bisweilen erschossen ist &#8230;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/17/suizid-bei-olympia/#footnote_1_1133" id="identifier_1_1133" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kr&auml;fte, v&ouml;llig ersch&ouml;pft sein)&amp;#8221; Quelle: ebd.">2</a></sup></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1133" class="footnote">Quelle: DUW</li><li id="footnote_1_1133" class="footnote">„erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kräfte, völlig erschöpft sein)&#8221; Quelle: ebd.</li></ol>
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		<title>Verrat am Verräter</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 21:37:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt&#8221; ihre marxistisch orientierte1 Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können. Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/' addthis:title='Verrat am Verräter '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/kuba-verraten-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignright size-full wp-image-1462" title="»Kuba verraten«: Artikel aus der ‚jungen Welt' vom 14.03.2008" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/kuba-verraten-klein.jpg" alt="" width="215" height="314" /></a><span class="initial">W</span>ie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt&#8221; ihre marxistisch orientierte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_0_945" id="identifier_0_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eigenangabe auf der Internetpr&auml;senz des Blattes">1</a></sup> Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können.</p>
<p>Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und  selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um in einer ruhigen Minute, wenn es einen mal wieder nach Realsatire gelüstet, darin schmökern zu können. Ist es dann soweit, tut sich eine Parallelwelt auf, bei der man zwischen Lachen und Entsetzen schwankt. Ein Beispiel, bei dem diese beiden Gefühlsregungen heftig miteinander konkurrieren, wurde hier bereits 2006 anhand einer in der „jungen Welt&#8221; abgedruckten <a title="Link zum Artikel über die Traueranzeige für Slobodan Milosevič" href="http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/a-propos-parallelwelten/" target="_blank">Traueranzeige für Slobodan Milosevič</a> dokumentiert. Darin würdigte man den als Kriegsverbrecher angeklagten Milosevič als „heldenhaften Verteidiger Jugoslawiens und des Völkerrechts&#8221; sowie als „Internationalisten, Antiimperialisten und Sozialisten&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_1_945" id="identifier_1_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Traueranzeige f&uuml;r Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. M&auml;rz 2006) ">2</a></sup></p>
<p>In der diesjährigen Gratisausgabe nun fällt einem zunächst  die zwölfseitige Beilage „marxismus&#8221; entgegen, schließlich jährt sich  Marx&#8217; Todestag 2008 zum 125. Mal, sein Geburtstag gar zum 190. Mal. So, nun hält man die Rumpfausgabe in den Händen und beginnt nach alter Gewohnheit, von hinten zu blättern.</p>
<p>Zunächst liest man da, dass Bernd Stange, der einstige Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_2_945" id="identifier_2_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004">3</a></sup>, gerade 60 Jahre alt geworden sei und dass es ihn nunmehr nach Belorussland verschlagen habe. Ganz richtig, die DSFler der „jungen Welt&#8221; sagen nicht „Weißrussland&#8221;, sondern in alter DDR-Manier „Belorussland&#8221;, was natürlich der Originalbezeichnung näher kommt und somit korrekter ist. Inkonsequent ist es allemal. Konsequenterweise müsste man sagen „Bielarus&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_3_945" id="identifier_3_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Transkription von wei&szlig;russ. Беларусь">4</a></sup> oder eben „Weißrussland&#8221;. Aber solche Überlegungen spielen im Sprachgebrauch der „jungen Welt&#8221; wohl eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger scheint die Identifikation mit der Sprache des untergegangenen Idealstaates DDR zu sein.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/lti-lqi-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1466" title="»LTI aktuell«: Artikel aus der »jungen Welt« vom 14.03.2008" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/lti-lqi-klein.jpg" alt="" width="187" height="314" /></a>In gewisser, etwas eindimensionaler Weise ist der „jungen Welt&#8221; Sprache nämlich gar nicht einerlei. Ganz genau schaut man bei den bürgerlichen Medien hin. So findet sich auf Seite 13 der Ausgabe vom 14. März 2008 ein Artikelchen mit der Überschrift „LTI aktuell&#8221;. Darin weist man  anhand entsprechender Beispiele darauf hin, dass der Programmdirektor des Deutschlandfunks, Günter Müchler, in einem <a title="Link zum Interview ,Pate für Poesie' Deutschlandfunk präsentiert Schülerwettbewerb " href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/753418/" target="_blank">Interview</a> in nur drei Minuten vier Mal Lingua Tertii Imperii verwendet habe (siehe screen capture). In der Tat verwendet Müchler da ein etwas merkwürdiges und durchaus nach LTI klingendes Vokabular.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_4_945" id="identifier_4_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Man k&ouml;nnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schlie&szlig;lich geht es in dem Interview um den Sch&uuml;lerwettbewerb &bdquo;lyrix&amp;#8221;. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch &auml;lterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die &bdquo;junge Welt&amp;#8221; will es nicht zu M&uuml;chlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist.">5</a></sup> Insbesondere die Tatsache, dass Müchler über Lyrik spricht, lässt es seltsam erscheinen, dass Begriffe wie „reingeschossen&#8221;, „eingeschlagen&#8221; und „Offensive&#8221; fallen. Gut, da hat die „junge Welt&#8221; offenbar einen Vogel „abgeschossen&#8221; (LTI?!).<br />
Den Sprachliebhabern von der „jungen Welt&#8221; ist ja aber wohl hoffentlich nicht entgangen, dass Victor Klemperer nach 1945 nicht aufgehört hat zu schreiben. Deswegen wird man bei der „jungen Welt&#8221; sicher auch schon von der sogenannten „LQI&#8221; gehört oder gelesen haben. Hinsichtlich dieser Lingua Quartii Imperii notiert Klemperer:</p>
<blockquote><p>„Ich muß allmählich anfangen, systematisch auf die Sprache des <em>vierten Reiches</em> zu achten. Sie scheint mir manchmal weniger von der des <em>dritten</em> unterschieden als etwa das Dresdener Sächsische vom Leipziger<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_5_945" id="identifier_5_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&uuml;r Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des S&auml;chsischen nur schwer zu unterscheiden.">6</a></sup>. Wenn etwa Marschall Stalin der Grösste der derzeit Lebenden ist, der genialste Stratege usw. Oder wenn Stalin in einer Rede aus dem Anfang des Krieges von Hitler, natürlich mit allergrößtem Recht, als von dem »Kannibalen Hitler« spricht. Jedenfalls will ich unser Nachrichtenblatt und die <em>Deutsche Volkszeitung</em>, die mir jetzt zugestellt wird, genau sub specie LQI studieren.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_6_945" id="identifier_6_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen St&uuml;hlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tageb&uuml;cher 1945 &amp;#8211; 1949, S.24.">7</a></sup></p>
<p>„Jeden Tag beobachte ich von neuem die Fortdauer von LTI in LQI.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_7_945" id="identifier_7_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126.">8</a></sup></p>
<p>„LTI = LQI!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_8_945" id="identifier_8_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133.">9</a></sup></p>
<p>„LQI übernimmt LTI mit Haut und Haaren. Sogar Becher &#8211; höher geht&#8217;s nimmer &#8211; schreibt andauernd kämpferisch. Frau Kreisler erstaunt, als ich »charakterlich« beanstande. In einem Aufsatz, der die Humanität der jetzigen Straflager (Kommandohaft) rühmt, werden die Häftlinge zu »einsatzfreudigen« Menschen erzogen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_9_945" id="identifier_9_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127.">10</a></sup></p>
<p>„[...] und dieses Ganze concentriert sich immer mehr auf den einen Ulbricht, unterscheidet sich immer weniger von nazistischer Gesinnung u. Methode. Sag Arbeiterklasse statt Rasse, u. beide Bewegungen sind identisch. Tyrannei u. Enge nehmen täglich zu. Glaubenshetze, Jugendweihe, Kampf gegen »ideologische Coëxistenz« gegen »Fraktionismus«, gegen »kleinbürgerliche Überheblichkeit« &#8211; all das ist LQI.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_10_945" id="identifier_10_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen St&uuml;hlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tageb&uuml;cher 1950-1959, S.673.">11</a></sup></p></blockquote>
<p>Wie wäre es, liebe „junge Welt&#8221;, wenn Du der Rubrik „LTI aktuell&#8221; noch eine weitere mit dem Titel „LQI aktuell&#8221; hinzufügtest? Deine eigenen Seiten dürften vorerst ausreichend Stoff dafür bieten.</p>
<p>Was Klemperers Verhältnis zum Kommunismus angeht, sei zudem abermals aus seinem Tagebuch zitiert:</p>
<blockquote><p>„Es ist mir an diesem Nachmittag klar geworden, daß der Kommunismus gleicherweise geeignet ist, primitive Völker aus dem Urschlamm zu ziehen und civilisierte in den Urschlamm zurückzutauchen. Im zweiten Fall geht er verlogener zu Werk und wirkt nicht nur verdummend sondern entsittlichend, indem er durchweg zur Heuchelei erzieht. Ich bin gerade durch meine Chinareise u. bei Anerkennung der gewaltigen Leistungen hier zum endgiltigen Antikommunisten geworden. <em>Das</em> kann nicht Marx&#8217; Idealzustand gewesen sein.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_11_945" id="identifier_11_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723.">12</a></sup></p></blockquote>
<p>Doch zurück zum Fußballtrainer Bernd Stange. Nun erfährt man, dass Stange seinen Geburtstag bei einem Schnittchenbüffet in Minsk begehe, um dann im Sommer in Jena mit einem Grillfest nachzufeiern. Irgendwie erinnert diese Passage an Loriots Lottogewinner Lindemann: „Ich &#8230; heiße &#8230; Erwin &#8230; Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre &#8230; mit meinem Lottogewinn von 500.000 D-Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island &#8230; dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz &#8230; und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_12_945" id="identifier_12_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Loriot: Das Fr&uuml;hst&uuml;cksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Kl&ouml;bner und Herrn M&uuml;ller-L&uuml;denscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Z&uuml;rich, 2003, S. 269.">13</a></sup> &#8211; Schließlich liest man, dass es Stanges Ziel sei, sich mit der weißrussischen Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren.</p>
<p>Nun schweift der bereits amüsierte Blick weiter nach unten und bleibt an folgender erschreckenden Überschrift hängen: „Kuba verraten&#8221;. Ein Schauder ergreift sogleich den Leser, der sich alsdann bange fragt, wer in aller Welt Kuba verraten habe? Der erste Verdacht geht dahin, dass der gesamte einstige Ostblock &#8211; ausgenommen natürlich der „geliebte Führer&#8221; Kim Jong-il &#8211; gemeint sei. Doch dieser Verdacht zerschlägt sich sogleich, ist die Seite 16 der „jungen Welt&#8221; doch dem Sport vorbehalten. Also liest man weiter. Nach einem Qualifikationsspiel der kubanischen Olympiaauswahl, heißt es da, seien fünf kubanische Spieler nicht in ihr Quartier zurückgekehrt. Unter ihnen befänden sich sowohl der Torwart als auch der Kapitän.</p>
<p>Da hat die „junge Welt&#8221; ja ein glückliches Händchen bewiesen, dass sie diesen Kuba-Artikel direkt unter denjenigen über den ehemaligen Trainer der  DDR-Fußballnationalmannschaft platzierte. Damit erleichtert sie es dem Leser, sich zu erinnern, dass die Staatssicherheit der DDR sehr viel besser zu verhindern wusste, dass DDR-Athleten Fahnenflucht begingen. In der DDR wurden Republikflüchtige schon mal durch Erschießen zum Bleiben im lebenswerten Sozialismus überredet. Diese Karibik-Bewohner sind da offenbar etwas nachlässiger, so dass eben fünf Leute auf einmal durchs Netz gehen können. Gut, die Sache verkompliziert sich, wenn man sich mitten im Land des imperialistischen Feindes aufhält. Dafür hat Kuba aber durch seine Insellage wiederum einen Heimvorteil bei der Verhinderung von Republikflucht.</p>
<p>In den verklärten Augen der „jungen Welt&#8221; haben die kubanischen Sportler also Verrat an Kuba und höchstwahrscheinlich am Sozialismus insgesamt begangen. Per definitionem bedeutet Verrat „Bruch eines Vertrauensverhältnisses&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_13_945" id="identifier_13_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Duden &amp;#8211; Deutsches Universalw&ouml;rterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001.">14</a></sup> Hat man diese fünf bzw. all die anderen Kubaner je gefragt, ob das Kuba des Máximo Líder, ob der Sozialismus und alles, was mit ihm einhergeht, das ist, was sie wollen? Oder wird nicht vielmehr das Volk zu seinem „Glück&#8221; gezwungen? Besteht zwischen Volk und Regierung Kubas, Nordkoreas oder auch Weißrusslands tatsächlich ein Vertrauensverhältnis, das gebrochen werden kann? Oder handelt es sich nicht vielmehr um ein Abhängigkeitsverhältnis, in das man hineingeraten ist oder hineingeboren wurde und aus dem man ausbrechen möchte, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt? Wie lebenswert muss ein Land sein, dem selbst privilegierte Reisekader wie eben Sportler den Rücken kehren?<span id="more-945"></span></p>
<p>Reicht es den Bewohnern Kubas etwa nicht, eine der höchsten Alphabetisierungsraten und Ärztedichten sowie eine der niedrigsten Kindersterblichkeitsraten und eine hohe Lebenserwartung zu haben? Reichen ihnen denn nicht die schönen Strände, derentwegen es Touristen aus aller Welt nach Kuba zieht? Ganz zu schweigen vom herrlichen Klima. Was will er denn noch, der undankbare kubanische Untertan. Was könnte ihm denn fehlen?</p>
<p>Hat da jemand Freiheitsrechte gesagt? Nun, wie ist es denn in Kuba um die Freiheitsrechte bestellt? Dazu heißt es beispielsweise im Jahresbericht 2007 von „amnesty international&#8221;:</p>
<blockquote><p>Die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit waren nach wie vor massiv beschnitten. [...] Politisch Andersdenkende, unabhängige Journalisten und Menschenrechtsverteidiger sahen sich anhaltenden Repressalien und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt oder wurden inhaftiert, einige ohne Anklageerhebung oder Prozess. [...]</p>
<p>Alle Presse- und Rundfunkmedien unterlagen weiterhin strikter staatlicher Kontrolle. Repressalien und Einschüchterungsversuche gegenüber unabhängigen Journalisten und Betreibern regimekritischer Büchereien nahmen zu. Personen, die im Verdacht standen, Kontakte zu Dissidentengruppen zu unterhalten, oder sich für die Menschenrechte engagierten, wurden festgenommen und inhaftiert. Die Zahl der Festnahmen wegen »zu Straftaten neigender Gefährlichkeit« (peligrosidad predelictiva) stieg an. Der Zugang zum Internet außerhalb staatlicher Behörden und Bildungseinrichtungen blieb extrem eingeschränkt. Der Journalist Guillermo Fariñas trat für sieben Monate in den Hungerstreik, um einen Internetzugang zu erhalten, jedoch blieb sein Protest ohne Erfolg. [...]</p>
<p>Im Berichtszeitraum war eine wachsende Zahl der Fälle öffentlicher Drangsalierungen und Einschüchterungen von Menschenrechtsverteidigern und Regimekritikern durch regierungsnahe Gruppen mittels sogenannter actos de repudio zu verzeichnen. Dabei rotten sich regimetreue Bürger in großer Zahl vor der Wohnung eines Dissidenten oder Oppositionellen zusammen, um ihn zu beschimpfen, zu bedrohen und zuweilen auch tätlich anzugreifen oder sein Haus mit Steinen oder anderen Gegenständen zu bewerfen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_14_945" id="identifier_14_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba">15</a></sup><a title="Link zum Jahresbericht 2007 von amnesty international über Kuba" href="http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/c1070c04ee5add56c12567df002695be/a86d84b9ee8a03c9c12572ff00497753?OpenDocument" target="_blank"></a></p></blockquote>
<p>Ganz ähnlich liest sich der Human Rights Watch World Report 2007:</p>
<blockquote><p>Cuba remains the one country in Latin America that represses nearly all forms of political dissent. [...] the Cuban government continues to enforce political conformity using criminal prosecutions, long- and short-term detentions, mob harassment, police warnings, surveillance, house arrests, travel restrictions, and politically-motivated dismissals from employment. The end result is that Cubans are systematically denied basic rights to free expression, association, assembly, privacy, movement, and due process of law. [...] The Cuban government forbids the country&#8217;s citizens from leaving or returning to Cuba without first obtaining official permission, which is often denied. Unauthorized travel can result in criminal prosecution. [...] The government also frequently bars citizens engaged in authorized travel from taking their children with them overseas, essentially holding the children hostage to guarantee the parents’ return. Given the widespread fear of forced family separation, these travel restrictions provide the Cuban government with a powerful tool for punishing defectors and silencing critics. [...] The Cuban government maintains a media monopoly on the island, ensuring that freedom of expression is virtually non-existent. Although a small number of independent journalists manage to write articles for foreign websites or publish underground newsletters, the risks associated with these activities are considerable. According to Reporters Without Borders, there are currently 23 journalists serving prison terms in Cuba, most of them charged with threatening &#8220;the national independence and economy of Cuba.&#8221; This makes the country second only to China for the number of journalists in prison.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_15_945" id="identifier_15_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Human Rights Watch World Report 2007 Cuba">16</a></sup></p></blockquote>
<p>Auf der Seite des Auswärtigen Amtes liest man zudem folgendes:</p>
<blockquote><p>Individuelle Bürgerrechte und Grundfreiheiten werden den Kubanern nach wie vor weitgehend verwehrt. Der Papst-Besuch 1998 brachte einige Verbesserungen für die Kirche, u.a. Zulassung öffentlicher Prozessionen, jedoch nicht den von manchen erwarteten dauerhaften Lockerungsprozess. [...] Nach unabhängigen Quellen ist Kuba im weltweiten Vergleich eines der Länder mit dem höchsten Anteil politischer Gefangener pro Kopf der Bevölkerung und mit dem höchsten Anteil der Bevölkerung im Strafvollzug.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_16_945" id="identifier_16_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Einsch&auml;tzung des Ausw&auml;rtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas">17</a></sup></p></blockquote>
<p>Wer verrät hier also wen? Fünf Sportler Kuba oder doch vielmehr Kuba grundlegende Menschenrechte? Man stelle sich nur vor, der „jungen Welt&#8221; würde aufgrund ihrer politischen Einstellung der Zugang zum Internet verwehrt! Da wäre das Gezeter aber groß. Dann würde man die „BRD&#8221;  lauthals als Unrechtssystem beschimpfen. Tut man das nicht schon? Man stelle sich des weiteren vor, ein Redakteur der „jungen Welt&#8221; könnte nicht reisen, wie es ihm beliebt! Man stelle sich zudem vor, ein Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; könnte nicht an Demonstrationen teilnehmen! Man stelle sich vor, die „junge Welt&#8221; erhielte gar keine Erlaubnis, zu erscheinen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden ohne Anklage oder Prozess inhaftiert, nur ihrer Meinung wegen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden von einem Mob regierungstreuer Bürger öffentlich beleidigt und bedroht, ihr Haus mit Steinen beworfen! Man stelle sich vor, Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; würden unter Hausarrest gestellt, weil ihre Meinung von der offiziellen Regierungsmeinung abweicht!</p>
<p>Nein, so weit denkt man bei der „jungen Welt&#8221; wohl eher nicht. All diese Bedenken lassen sich im Milieu der „jungen Welt&#8221; sicher mit einem „Hasta la victoria siempre&#8221; abtun. Aus Sicht der „jungen Welt&#8221; sind die in Kuba praktizierten Repressalien gegen Andersdenkende und die Vorenthaltung von grundlegenden Freiheitsrechten wahrscheinlich gar nichts gegen die Tatsache, dass die „junge Welt&#8221; unter Beobachtung des Verfassungsschutzes des Bundes steht. Da steht der wahre Feind. Die Imperialisten beobachten die „junge Welt&#8221;! Das wiegt wohl viel schwerer als all die Menschenrechtsverletzungen in Kuba. Die Motive der Kommunisten für den Griff zur Waffe und für die Beschneidung von Rechten sind wahrscheinlich immer hehrer Natur, während die Kriege der Imperialisten und deren Rechtebeschneidung immer von Grund auf böse und unredlich sind. Während die imperialistischen Rädelsführer die „junge Welt&#8221; „beobachten&#8221; lassen, werden in Kuba Journalisten eingeschüchtert, inhaftiert, bedroht, öffentlich gedemütigt sowie tätlich angegriffen, und es wird ihnen der Zugang zum Internet verwehrt.</p>
<p>Im Fall Kuba kann hinsichtlich der dortigen Menschenrechtsverletzungen allerdings nicht einmal das ansonsten bei Revolutionsromantikern sehr beliebte Argument herhalten, dass es sich dabei um „Kinderkrankheiten&#8221; handele, die im Zuge der Überwindung des Kapitalismus zwangsläufig einträten, beim Erreichen der idealen Gesellschaftsform aber verschwänden. Fast fünfzig Jahre nach der Revolution, kann man doch nicht mehr von Kinderkrankheiten sprechen!? Nun gut, man sollte wahrscheinlich nicht ein Menschenleben zum Maßstab nehmen. Vielleicht dauert die Kindheit einer gesellschaftlichen Entwicklung ja nicht zehn, sondern 100 Jahre, womöglich noch länger? Darf Kuba dann etwa noch weitere fünfzig Jahre Menschenrechte verletzen, bis die dortige gesellschaftliche Entwicklung endlich die Adoleszenz erreicht?</p>
<p>Da sitzen also die Mitarbeiter der „jungen Welt&#8221; in der Torstraße 6 in Berlin Mitte, genießen so ziemlich alle Freiheiten dieser Welt und beleidigen fünf Kubaner als Verräter, weil diese sich erlaubten, von einer selbstverständlichen Freiheit Gebrauch zu machen, die ihnen in ihrem Heimatland, neben vielen anderen Freiheiten vorenthalten wird. Da erinnert die „junge Welt&#8221; doch sehr an die Zeiten, als sie noch „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend&#8221; war und mit einer Auflage von ca. anderthalb Millionen Exemplaren die Bevölkerung des Arbeiter- und Bauernstaates indoktrinierte. Angesichts solch politischer Borniertheit kann man sehr gut nachvollziehen, dass sich 1997 mit der „Jungle World&#8221; eine undogmatische und unorthodoxe linke Tageszeitung von der „jungen Welt&#8221; abspaltete. Es war wahrscheinlich auf Dauer schwer erträglich, mit sturen Nostalgikern zusammen zu arbeiten, die Staaten huldigen, welche Grundrechte mit Füßen treten aber z.B. die USA verteufeln, wenn diese Grundrechte missachten. Menschen, die pragmatisch denken und sich nicht in exklusivistischer Weise von einer einzigen Ideologie vereinnahmen lassen, sind auf Dauer eben nicht kompatibel, mit Menschen, die z.B. allein im Marxismus ihr Heil suchen.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-anzeige-kuba-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1470" title="Anzeige aus der »jungen Welt« vom 13. März 2008, S. 7." src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-anzeige-kuba-klein.jpg" alt="" width="314" height="124" /></a>Soweit zum redaktionellen Teil der „jungen Welt&#8221;. Am Vortag fand sich auf Seite 7 eine Anzeige, in der zur Solidarität mit Kuba aufgerufen wurde, unterzeichnet von Frank Schwitalla vom „Netzwerk Cuba &#8211; Informationsbüro e.V.&#8221;. Darin wird zur Bildung einer Menschenkette um das Gelände der Botschaft der Republik Cuba in Berlin am 18. März 2008 aufgerufen. Der Anlass dazu war offensichtlich die Ankündigung des Vereins »Kuba – Demokratische Zukunft«, am gleichen Tag vor der Botschaft eine Demonstration „für eine friedliche Wende und für eine bessere Zukunft Cubas&#8221; und für die Freilassung politischer Gefangener abhalten zu wollen.</p>
<p>Für das „Netzwerk Cuba&#8221; ist die Sache klar. Zunächst einmal handelt es sich seiner Auffassung zufolge nur um „sogenannte&#8221; politische Gefangene. Die Implikation soll wahrscheinlich sein, dass die kubanische Regierung hier ganz gewöhnliche Verbrecher inhaftierte &#8211; wenn schon nicht Diebe, Mörder, Vergewaltiger, dann aber doch bestimmt Agenten, die aus imperialistischen, also niederen Motiven handelten und daher völlig zu Recht im Gefängnis sitzen. Außerdem ist für das „Netzwerk Cuba&#8221; klar, dass es sich bei den Demonstranten um „Contras&#8221; also Konterrevolutionäre handele. Der Begriff „Contras&#8221; bezeichnet eigentlich von den USA z.T. über Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_17_945" id="identifier_17_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Iran-Contra-Aff&auml;re">18</a></sup> und Drogenhandel finanzierte Guerilla-Kämpfer, die in den achtziger Jahren hauptsächlich von Honduras aus gegen die nikaraguanischen Sandinisten operierten, aber er lässt sich offenbar wunderbar auf alles als schlecht und imperialistisch Empfundene anwenden. Doch beim Begriff „Contras&#8221; allein belässt man es nicht. Man disqualifiziert die Demonstranten als „Handlanger des US-Staatsterrorismus&#8221;, die nichts anderes im Sinne hätten als den „Sturz der cubanischen Regierung und der sozialistischen Gesellschaftsordnung!&#8221;. Aus diesem Grund also rief das Netzwerk Cuba dazu auf, „Cubas Unabhängigkeit und Souveränität&#8221; sowie „den mehrheitlichen Willen des cubanischen Volkes auf [sic!] einen eigenständigen sozialistischen Entwicklungsweg&#8221; zu verteidigen. Am Ende steht der Ausruf: „Den Contras keine Chance! Cuba ist nicht allein!&#8221;</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-demo-gross.jpg" rel="lightbox[945]"><img class="alignleft size-full wp-image-1473" title="screen capture von der Website der »jungen Welt« vom 31.03.2008: http://www.jungewelt.de/2008/03-18/005.php" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/junge-welt-demo-klein.jpg" alt="" width="314" height="137" /></a>Damit wieder zurück zum redaktionellen Teil. Am 18. März 2008 druckte die „junge Welt&#8221; auf Seite 4 einen kleinen Artikel zu diesen beiden Demonstrationen ab, der sich fast wie ein Veranstaltungshinweis liest, da am Ende „9 Uhr, Stavangerstraße 20, 10439 Berlin&#8221; steht. Gut, dieser Veranstaltungshinweis taugt wahrscheinlich nur noch für Kurzentschlossene sowie für Personen, die nicht der werktätigen Bevölkerung angehören &#8211; ist man geneigt anzunehmen. Aber, wenn es gilt, gegen Konterrevolutionäre vorzugehen, lässt der typische „junge Welt&#8221;-Leser wahrscheinlich alles stehen und liegen. Denn alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will &#8230;</p>
<p>Fazit: Man kann getrost wieder ein Jahr mit der Lektüre der „jungen Welt&#8221; aussetzen. Sie liest sich heute noch wie vor 20 Jahren und wird sich wohl auch nächstes Jahr genauso lesen. Internationalismus wird gepredigt, aber in Wirklichkeit ist man wahrscheinlich dafür, die Menschen in ihren jeweiligen Ländern einzusperren, zu bevormunden, zu kontrollieren, zu bespitzeln. Dagegen scheint man jedenfalls nicht zu sein. Was will man auch anderes von einem Blatt erwarten,  das von der Presse des Klassenfeindes, der Springer-Publikation „Welt online&#8221; nämlich, als „Sammelbecken für Stasi-Kader&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_18_945" id="identifier_18_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jana Hensel: Die sch&ouml;ne junge Welt der Stasiveteranen, Artikel vom 31.03.2007">19</a></sup> eingestuft wird, weil z.B. dessen Chefredakteur Arnold Schölzel laut <a title="Link zum ,Welt online'-Artikel ,Die schöne junge Welt der Stasiveteranen'" href="http://www.welt.de/politik/article787242/Die_schoene_junge_Welt_der_Stasiveteranen.html" target="_blank">„Welt online&#8221;</a> inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sei und über Jahre hinweg als IM    „André Holzer“ eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität bespitzelt habe, der er zu diesem Zweck beigetreten sei? Auch der Ressortleiter Innenpolitik der „jungen Welt&#8221;, Peter Wolter, habe der Stasi als Westjournalist Informationen zugetragen und sei deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Rainer Rupp, Kommentator im Bereich Außenpolitik, habe unter dem Decknamen „Topas&#8221; als einer der Topspione der DDR in der Bundesrepublik gewirkt. Der aus Saarlouis gebürtige Rupp wurde 1994 wegen schweren Landesverrats zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt, von der er sieben Jahre absaß<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/#footnote_19_945" id="identifier_19_945" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="einschlie&szlig;lich der Zeit in der Untersuchungshaft">20</a></sup>. Solche Personen werden im Milieu der „jungen Welt&#8221; höchstwahrscheinlich als Märtyrer angesehen.</p>
<p>Also dann bis nächstes Jahr!</p>
<p>© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_945" class="footnote">Eigenangabe auf der Internetpräsenz des Blattes</li><li id="footnote_1_945" class="footnote">Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006) </li><li id="footnote_2_945" class="footnote">bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004</li><li id="footnote_3_945" class="footnote">Transkription von weißruss. Беларусь</li><li id="footnote_4_945" class="footnote">Man könnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schließlich geht es in dem Interview um den Schülerwettbewerb „lyrix&#8221;. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch älterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die „junge Welt&#8221; will es nicht zu Müchlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist.</li><li id="footnote_5_945" class="footnote">Für Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des Sächsischen nur schwer zu unterscheiden.</li><li id="footnote_6_945" class="footnote">Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tagebücher 1945 &#8211; 1949, S.24.</li><li id="footnote_7_945" class="footnote">Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126.</li><li id="footnote_8_945" class="footnote">Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133.</li><li id="footnote_9_945" class="footnote">Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127.</li><li id="footnote_10_945" class="footnote">Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tagebücher 1950-1959, S.673.</li><li id="footnote_11_945" class="footnote">Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723.</li><li id="footnote_12_945" class="footnote">Loriot: Das Frühstücksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Zürich, 2003, S. 269.</li><li id="footnote_13_945" class="footnote">Duden &#8211; Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001.</li><li id="footnote_14_945" class="footnote">Quelle: <a title="Link zu amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba" href="http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/c1070c04ee5add56c12567df002695be/a86d84b9ee8a03c9c12572ff00497753?OpenDocument" target="_blank">amnesty international Jahresbericht 2007 Kuba</a></li><li id="footnote_15_945" class="footnote">Quelle: <a title="Human Rights Watch World Report 2007 Cuba" href="http://hrw.org/englishwr2k7/docs/2007/01/11/cuba14886.htm" target="_blank">Human Rights Watch World Report 2007 Cuba</a></li><li id="footnote_16_945" class="footnote">Quelle: <a title="Einschätzung des Auswärtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas" href="http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Kuba/Innenpolitik.html" target="_blank">Einschätzung des Auswärtigen Amts zur innenpolitischen Lage Kubas</a></li><li id="footnote_17_945" class="footnote">Iran-Contra-Affäre</li><li id="footnote_18_945" class="footnote">Jana Hensel: Die schöne junge Welt der Stasiveteranen, Artikel vom 31.03.2007</li><li id="footnote_19_945" class="footnote">einschließlich der Zeit in der Untersuchungshaft</li></ol>
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<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/03/31/verrat-am-verraeter/' addthis:title='Verrat am Verräter '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&amp;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) &#8211; „Jedem das Seine&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2008 20:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt&#8221; wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche&#8221; darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) &#8211; „Jedem das Seine&#8221; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/irrlichter-beim-ndr-in-hamburg-lokstedt.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1495" title="Irrlichter beim NDR in Hamburg Lokstedt" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/irrlichter-beim-ndr-in-hamburg-lokstedt-202x140.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008" width="202" height="140" /></a><span class="initial">D</span>as Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt&#8221; wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche&#8221; darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft&#8221; des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.&#8221;</p>
<p>Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-zapp-durchgezappt-der-rausschmiss-der-woche-maik-gizinski.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1500" title="screen capture vom 07.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4571250,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/ndr-zapp-durchgezappt-der-rausschmiss-der-woche-maik-gizinski-226x140.jpg" alt="" width="226" height="140" /></a>Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob [...] los.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_0_911" id="identifier_0_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Sendung vom 06.02.2008">1</a></sup>. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer&#8221; seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen&#8221;. Dies habe sich immer noch nicht  richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die <a title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/zapp-jedem-das-seine-full-screen1.jpg" class="broken_link">Zapp-Sendung vom 11.07.2007</a> zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt&#8221; folgenden Satz: „Jedem das seine&#8221;.<span id="more-911"></span></p>
<p>Um mit Zapp zu sprechen: „Da war doch mal was.&#8221; Ja, aber was? Zapp wird nicht einmal live gesendet und hat zudem eine ganze Woche Zeit, sich seine Formulierungen genauestens durch den Kopf gehen zu lassen. Man sollte meinen, dass sieben Tage ausreichten, um darauf zu kommen, was es mit diesem Satz auf sich hat. Schlimm genug, wenn man es nicht von vornherein weiß. Es wurde auf dieser Website <a title="Link zum Artikel Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)" href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#more-10" target="_blank">bereits damals darauf hingewiesen</a>, dass wohl davon auszugehen ist, dass Zapp mit dieser Formulierung eher nicht auf die lateinische Urfassung „suum cuique” Bezug nahm. Dies wäre sonst wie ein Fremdkörper im offenbar an „Bild&#8221; oder RTL-Explosiv angelehnten Stil von „Durchgezappt&#8221;.</p>
<p>Während also Zapp alle Welt väterlich darauf hinweist, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer&#8221; seien, ist es selbst augenscheinlich nicht sonderlich damit vertraut bzw. in der Praxis damit heillos überfordert und zitiert daher so beiläufig wie ungerührt die im Eingangstor des Vernichtungslagers Buchenwald eingeschmiedete Inschrift: „Jedem das Seine.&#8221;</p>
<p>Dieser Satz steht nun schon seit mehr als einem halben Jahr unverändert auf der Website von NDR-Zapp <a title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" rel="lightbox" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/zapp-jedem-das-seine-full-screen1.jpg" class="broken_link">[→]</a>. Es mutet daher schon etwas absurd an, dass sich Zapp über Pro7 erhebt. Pro7 bzw. der Produktionsfirma 9Live kann man vielmehr zugute halten, dass man sofort reagierte. Juliane Ziegler wurde umgehend vorübergehend aus der Live-Sendung genommen, um sie, nachdem sie offensichtlich über die Problematik ihrer Aussage aufgeklärt worden war, wieder in das Sendegeschehen einzubinden, damit sie sich von ihrer Aussage distanziere, was sie auch umgehend tat. Ihre Aussage ist gleichwohl durch nichts zu rechtfertigen und unhaltbar. Dass man sie deshalb entließ, ist ein gutes Signal, und macht 9Live wenigstens in dieser Hinsicht doch eher sympathisch als unsympathisch, was aber selbstredend nicht der Tenor des Zapp-Beitrages war. Wo käme man auch hin, wenn man ein gutes Haar am Privatfernsehen ließe? Es ist doch viel bequemer, einfach immer in dieselbe Kerbe zu hauen, sich in Stereotypen zu ergehen, und sich diese Dünnbrettbohrerei von den ach so verehrten Gebührenzahlern auch noch honorieren zu lassen.</p>
<p>Von Zapp hat man übrigens bisher keine distanzierende Äußerung vernommen, geschweige denn, dass man etwa die Zusammenarbeit mit Gita Datta, der für diesen Beitrag verantwortlichen Mitarbeiterin, beendet hätte. Gott bewahre! Warum auch, für Zapp gelten offenbar andere, eigene und seltsame Regeln. Gita Datta darf munter weiter für Zapp arbeiten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_1_911" id="identifier_1_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So geschehen am 09. und 16.01.2008.">2</a></sup> , Zapp bleibt auf einem Auge blind und echauffiert sich über Gott und die Welt, während auch heute noch „Jedem das Seine&#8221; auf seinen Internetseiten prangt.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_2_911" id="identifier_2_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe screen capture vom 08.02.2008">3</a></sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-meint-jedem-das-seine.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-full wp-image-1782" title="screen capture vom 07.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-meint-jedem-das-seine-thumb.jpg" alt="" width="160" height="45" /></a></p>
<p>In der von 9Live für Pro7 produzierten Quizshow „Nightloft&#8221; saß ja offenbar immerhin ein verantwortlicher Redakteur oder Aufnahmeleiter, der die nötige historische und sprachliche Sensibilität besaß, um noch in derselben Sendung zu intervenieren. Kuno Haberbusch, der Chefredakteur und „König der Recherche&#8221; von Zapp schien sich an „Jedem das Seine&#8221; offenbar nicht zu stören, ebenso wenig wie irgendjemand anders in der Zapp-Redaktion, die wie gesagt alle Zeit der Welt hatte, um diese Formulierung zu verhindern. Was ist bei den Recherchen schief gelaufen? War die Internetverbindung gekappt oder war der Telefonjoker schon verbraucht?</p>
<p>Es wurde bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass Gita Datta, nachdem sie eine Arbeit über das „fragmentarische Weltbild deutscher Fernsehnachrichten” geschrieben hat, sich, mit Verlaub, vielleicht als Nächstes ihrer möglicherweise fragmentarischen Allgemeinbildung widmen sollte.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/zapp-jedem-das-seine-full-screen.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1996364" title="screen capture vom 08.02.2008 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/zapp-jedem-das-seine-thumbnail-92x140.jpg" alt="" width="92" height="140" /></a>Die Anderen als dumm hinzustellen, ist eine von Zapps wenigen Meisterdisziplinen. Obgleich in diesem Artikel keine Mühe gescheut wird, es Zapp diesbezüglich gleich zu tun, um ihm unbescheidenerweise den Spiegel vorzuhalten, muss man sich einfach anerkennend eingestehen, Zapp in diesem Belang, wie in allen anderen auch, nicht das Wasser reichen zu können. Im Zuge der Ausübung dieser Disziplin informierte jedenfalls Zapp-Mitarbeiter Maik Gizinski im Zusammenhang mit Zieglers inakzeptablen sprachlichen Missgriff, dass „selbst&#8221; Zieglers „blonde Kollegin&#8221; komisch geguckt habe. Also dann muss es ja richtig dumm sein, wenn sogar die Blondine komisch guckt! Zapp lässt, so hat es den Anschein, in Bezug auf Klischees, und seien diese noch so platt, eben nichts anbrennen, ganz wie auf dem Bolzplatz, Herr Gizinski. Außerdem scheint man sich an Frau Zieglers etwas holpriger Entschuldigung zu delektieren, die man natürlich auch noch mal sendet: „[...] das sind diese Live-Momente, diese spontanen, wo irgendetwas einfach rausflutscht, was man irgendwo mal aufgeschnappt hat, was einfach ein Fehler war. Entschuldigung.&#8221;, um sie dann noch einmal mit eigenen Worten zu zitieren: „Obwohl ihr da nur irgendetwas rausgeflutscht ist, was sie irgendwo aufgeschnappt hat [...]&#8220;. So stellt man Frau Ziegler zu allem Überfluss noch als kleines Dummchen dar, das irgendwo etwas „aufgeschnappt&#8221; hat, das ihr dann „rausflutscht&#8221;. Herr Gizinski, würden Sie Ihre Kollegin Gita Datta wegen ihres „Jedem das Seine&#8221; auch so herablassend in Ihrer Sendung als Dummchen darstellen?</p>
<p>Man darf gespannt sein, ob Zapp irgendwann einmal den gleichen Maßstab bei sich selbst anlegt, an dem es seine Umwelt misst. Bevor man also anderen heimleuchtet, sollte man vielleicht doch einmal überprüfen, ob die Tatsache, dass man auf einem Auge blind ist, vielleicht damit in Zusammenhang steht, dass sich darin ein gewaltiger Balken befindet, um den man sich mehr kümmern sollte als um den Splitter in den Augen der anderen. Um nicht enttäuscht zu werden, setze man seine Hoffnungen auf Einsicht bei Zapp bei Null an. Besser als an obigem Beispiel lässt sich jedenfalls Doppelmoral kaum illustrieren. Oder, um einen schönen Anglizismus sprechen zu lassen: Selbstgerechtigkeit at its best! Und weil&#8217;s so schön war, gleich noch ein Anglizismus: Gleichbehandlung und Gerechtigkeit sind bei Zapp offenbar nur On-demand-Ware.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-06022008.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1530" title="Einschaltquote von Zapp" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/einschaltquote-zapp-06022008-78x140.jpg" alt="" width="78" height="140" /></a>Da ist es doch fast wieder beruhigend festzustellen, dass die Zapp-Zuschauer offensichtlich weniger unterbelichtet sind, als man bei Zapp womöglich meint, ja, dass sie Zapp als Leitfaden in der Medienlandschaft gar nicht benötigen und mit der Fernbedienung abstimmen. Wie oben bereits angedeutet, hält offenbar eine nicht gerade geringe Anzahl von Zuschauern Zapp nicht die Treue. Hätten am 11.07.2007 noch 130.000 Zuschauer Zapp eingeschaltet, seien es am vergangenen Mittwoch nur noch 90.000 gewesen, was einem Marktanteil von läppischen 3,1% entspreche und einen Einbruch von über 25% bedeutet.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_3_911" id="identifier_3_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung">4</a></sup> Angesichts dieser geringen Einschaltquote sollte man sich wiederum nicht allzu sehr über Zapp aufregen. Viel Flurschaden kann Zapp mit einer solchen Reichweite sowieso nicht in der Medienlandschaft anrichten. Man stelle sich nur vor, dass die spätere NDR-Sendung „Planet Erde&#8221; in der Wiederholung zu nachtschlafender Zeit, nämlich um 1.59 Uhr, mit 3,4% einen größeren Marktanteil hatte. Natürlich ist dies nur bedingt vergleichbar, doch die Zahl 90.000 ist nun wirklich erschreckend gering und spricht für sich.</p>
<p>Nun ist es ja an und für sich ein großer Vorteil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, dass man sich bei der Programmgestaltung nicht allein von Einschaltquoten leiten lassen muss, sondern bestimmte Sparten auch bei niedrigen Einschaltquoten weiterhin unterhält, wie das Beispiel Phoenix zeigt, das überdies erfolgreicher ist, als ursprünglich erwartet, liegt es doch mit einem Marktanteil um die 1% vor den privaten NTV und N24.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_4_911" id="identifier_4_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Quelle: Presseportal, 01.09.2006.">5</a></sup> Nun ist Phoenix über jeden Zweifel erhaben, und es ist als Errungenschaft anzusehen, dass die Bundesrepublik der Bevölkerung diesen Sparten- und Niveauluxus von Theaterkanal, Dokukanal, Infokanal, 3sat, arte ebenso erhält wie die Regionalprogramme. Doch nicht jede Sparte hat Niveau. Und wo es an Niveau mangelt, darf man sich schon fragen, wieso man als Gebührenzahler so etwas finanzieren soll. Das fragt man sich bei einer Reihe von Sendungen in ARD und ZDF und nun auch langsam bei Zapp. Ansatz und Anspruch sind doch gut, warum hat man es nötig, sich auf das Niveau derer herab zu begeben, die man ständig z.T. zu recht kritisiert? Ein Medienmagazin ist wichtig, aber die Intendanz des NDR soll dabei bitte nicht Böcke zu Gärtnern im Mediengarten machen bzw. die Böcke nicht weiterhin so gärtnern lassen.</p>
<p>Kleine Anregung zum Schluss: Jetzt, da Juliane Ziegler arbeitslos ist, kann sie ja vielleicht das nächste „Durchgezappt&#8221; präsentieren.</p>
<p>Nur wacker weiter so! Viele Grüße an die vom Bert-Donnepp-Preis wahrscheinlich noch ganz beschwipsten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/07/wer-im-glashaus-zappt-die-fuenfte/#footnote_5_911" id="identifier_5_911" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="von Freude beschwipst.">6</a></sup> Historiker und Linguisten von Zapp.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/bert-donnepp-preis.jpg" rel="lightbox[911]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1995373" title="Bert-Don[n]epp-Preis" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/02/bert-donnepp-preis-180x140.jpg" alt="bert-donnepp-preis" width="180" height="140" /></a>P.S.:</p>
<p>Irritierenderweise scheint der NDR nicht einmal zu wissen, wie der Preis, den man eingeheimst hat, korrekt geschrieben wird, ist doch seit mehreren Tagen eine Pressemeldung mit folgender Überschrift zu lesen: „Medienmagazin ‚Zapp&#8217; erhält Bert-Donepp-Preis.&#8221; Zweimal hintereinander wird dort der Preis, auf den man so stolz ist, falsch, nämlich mit einem, statt mit zwei „n&#8221; geschrieben. Na, wahrscheinlich tippt eine Blondine die Pressemitteilungen ein, was, Herr Gizinski?!<span style="color: #fffacd;"> Zapp, Medienmagazin, NDR, Kuno Haberbusch, Kuno, Haberbusch, Nicola von Hollander, Julia Stein, Bert Donnepp Preis, Bert Donepp Preis, Donnepp, Juliane Ziegler, 9Live, Pro7, Nightloft, Gita Datta, Datta, Gita, Maik Gizinski, Gizinski, Jedem das Seine, Arbeit macht frei, KZ, Konzentrationslager </span><br />
© Stefan Fix, 2008</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_911" class="footnote">Zapp-Sendung vom 06.02.2008</li><li id="footnote_1_911" class="footnote">So geschehen am 09. und 16.01.2008.</li><li id="footnote_2_911" class="footnote">siehe screen capture vom 08.02.2008</li><li id="footnote_3_911" class="footnote">Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung</li><li id="footnote_4_911" class="footnote">Quelle: <a title="Link zu www.presseportal.de" href="http://www.presseportal.de/story.htx?nr=868007&amp;firmaid=6511" target="_blank">Presseportal, 01.09.2006</a>.</li><li id="footnote_5_911" class="footnote">von Freude beschwipst.</li></ol>
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		<title>Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Aug 2007 13:34:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten. Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt&#8221; auch einen Beitrag mit dem Titel [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/' addthis:title='Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><span class="initial">E</span>s ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten.</p>
<p>Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt&#8221; auch einen Beitrag mit dem Titel „Ausrutscher der Woche&#8221; aus.<a title="screen capture vom 14.08.2007 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID2059038,00.html" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/du-bist.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/du-bist.thumbnail.jpg" alt="NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta" /></a> Darin ging Zapp hart mit der Sozialkampagne „Du bist Deutschland” ins Gericht. Deren gleich lautender Slogan sei nicht neu, sondern bereits eine „Nazi-Parole“ gewesen. Das hätten „Internet-Blogger&#8221; in einem „historischen Bildband&#8221; entdeckt. Dabei handelt es sich übrigens um ein Buch mit dem Titel „Ludwigshafen – Ein Jahrhundert in Bildern“, herausgegeben vom Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein. Die zur Debatte stehende Parole findet sich dort auf einem Bild, das eine NS-Kundgebung im Jahr 1935 auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen zeigt. Der genaue Wortlaut ist: „Denn Du bist Deutschland”. Die Parole nimmt offensichtlich Bezug auf das über ihr befindliche große Hitlerporträt, sodass wohl zu verstehen ist: „Denn Du, Adolf Hitler, bist Deutschland”.</p>
<p>Dies ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was die Kampagne „Du bist Deutschland” augenscheinlich zu bezwecken sucht. Dort liegt ja die Betonung gerade darauf, dass jede/r Einzelne auf die ihr/ihm eigene Art Deutschland sei. Somit steht totale Ausrichtung auf einen Diktator gegen Betonung des Individuums und der Eigeninitiative. Es stellt sich die Frage, was dann eigentlich das Problem von Zapp ist.<span id="more-10"></span> Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei einmal mehr um das reflexartige und substanzlose pseudo-intellektuelle Gehabe sich politisch links wähnender Journalisten handelt. Leider haben bei diesen in Bezug auf Äußerungen die Reflexe offenbar die Oberhand über das Denken. Statt sich also die Mühe zu machen, selbst etwas nachzudenken, wird reproduziert, was „Internet-Blogger&#8221; herausfinden.</p>
<p>Wenn also diese Parole so offensichtlich negativ besetzt sei, warum war Zapp dann auf die Hilfe von Bloggern angewiesen und hat nicht selbst sofort darauf hingewiesen? Möglicherweise ja deshalb, weil es sich dabei um eine Parole handelt, die sich bei den Nazis gar nicht durchgesetzt hat, die kaum Verbreitung gefunden hat? Es ist überdies ziemlich infam, dass Zapp den Machern der Kampagne indirekt die gleichen Intentionen unterstellt, wie sie die Nazis damals hatten. In Verschwörung witterndem, nahezu reißerischem Ton heißt es bei Zapp: „Doch jetzt kam heraus: Der Spruch ist nicht ganz neu. Aber wer hat ihn denn schon mal benutzt?&#8221;. Besagte Blogger hätten das „Original&#8221; in einem Bildband entdeckt. Damit insinuiert Zapp, dass die Macher der Kampagne in Kenntnis der Originalparole diese kopierten und sich somit in die nationalsozialistische Tradition stellten. Zapp stellt sodann die Vermutung an, dass dem an der Kampagne beteiligten Gerald Asamoah das Lachen wohl im Halse steckengeblieben wäre, wenn er davon gewusst hätte.</p>
<p>Auch hier, wie schon im Fall von Senait Mehari attackiert Zapp Personen und deren Anliegen, die allem Anschein nach alles andere als Böses im Schilde führen. Niemand ist doch gezwungen, die Kampagne zu mögen. Man kann sich daran stören, dass man als Adressat geduzt wird. Aber die Zapp-Mitarbeiter sind doch sicher keine Spießer!?  Man kann die Primitivität der Botschaft ablehnen, sogar die „Volkskörperrethorik&#8221;, die sie verwende<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_0_10" id="identifier_0_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Harald J&auml;hner in der Berliner Zeitung vom 30.09.2005">1</a></sup>. Man kann auch &#8211; wie das Satiremagazin Titanic &#8211; die Auffassung vertreten, dass die Kampagne „ein PR-Schwindel&#8221; sei, „den sich zynische Reklamefritzen ausgedacht haben, um ein paar Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt abzuzapfen und sie in Immobilien, Investmentfonds und Puffbesuchen anzulegen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_1_10" id="identifier_1_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Titanic, M&auml;rz 2006, S.8.">2</a></sup> Das ist pointiert und trifft womöglich den Nagel auf den Kopf. Aber den Machern der Kampagne indirekt NS-Ideologie zu unterstellen, aufgrund der Tatsache, dass ihr Slogan einer weitgehend unbekannten NS-Parole ähnele, ist lächerlich, vollkommen unverhältnismäßig und platt.</p>
<p>Etwas völlig anderes ist es, wenn für „Kompetenzzentrum&#8221; die Abkürzung „KZ&#8221; verwendet wird. Diese Abkürzung weckt international in breiten Bevölkerungsschichten negative Assoziationen. Jeder Mensch weiß, dass es sich dabei um die Abkürzung für die „Konzentrationslager&#8221; der Nationalsozialisten handelte. Insofern ist es absolut indiskutabel, dass diese Abkürzung heute wofür auch immer nicht mehr verwendet werden sollte.</p>
<p>Sicherlich kann der Eindruck entstehen, dass Gerald Asamoah als „Quoten-Afro-Deutscher&#8221; benutzt wurde und Patrick Lindner als „Quoten-Homosexueller&#8221;. Doch wie groß wäre das Geschrei &#8211; gerade auch bei Zapp &#8211; gewesen, wenn eine der von ihnen repräsentierten Gruppen nicht vertreten gewesen wäre? Die Tatsache, dass in der Kampagne ein Marcel Reich-Ranicki vertreten ist, ein Wojtek Czyz, ein Xavier Kurt Naidoo, eine Minh-Khai Phan-Thi sowie ein Kool Savas alias Savaş Yurderi, nimmt Zapp nicht etwa zum Anlass, anzuerkennen, dass „Du bist Deutschland&#8221; eindeutig ein Plädoyer für den Pluralismus hält. Stattdessen fällt Zapp nichts Klügeres ein, als eine Parallele zum Nationalsozialismus zu ziehen.</p>
<p>Angesichts solch destruktiven Verhaltens kann man in gewisser Weise nachvollziehen, dass sich Jean-Remy von Matt &#8211; Teilhaber der an der Kampagne beteiligten Werbeagentur „Jung von Matt&#8221; &#8211; über die Undankbarkeit von Journalisten und Bloggern beschwerte. Dass er in diesem Zusammenhang zudem Weblogs als „Klowände des Internet&#8221; bezeichnete, bedarf spätestens seit dem Zeitpunkt keines weiteren Kommentars mehr, an dem seine Agentur begann, sich selbst dieses Mediums zu bedienen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_2_10" id="identifier_2_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://blog.jvm-neckar.com/">3</a></sup>.</p>
<p>So weit also zu Zapps Empörung über die Sozialkampagne im Herbst 2005. Etwa anderthalb Jahre später, nämlich am 11.07.2007, strahlte Zapp wiederum in der Rubrik „Durchgezappt&#8221; einen Beitrag mit dem Titel „Der Knaller der Woche&#8221; aus, der es ebenfalls in sich hat. Was übrigens die Betitelungen der Beiträge angeht, ist Zapp nicht sonderlich weit vom Stil des Erzfeindes BILD entfernt. Was dort der Gewinner bzw. Verlierer des Tages ist, sind bei Zapp der Knaller, der Ausrutscher, die Peinlichkeit, das Lob, die Wahrheit, die Trennung sowie die Blitzmerker der Woche. Selbst wenn es sich dabei um eine Persiflage handeln sollte, wäre diese wahrlich nicht der Ausbund an Einfallsreichtum. Es ödet den Zuschauer nämlich an, immer nur zu hören, wie dumm alle anderen sind. Viel interessanter wäre es doch, zu erfahren wie schlau Zapp ist. Wenn Zapp sich aber mehr durch das Wiederkäuen dessen hervortut, was der Feder Anderer entstammt und mit dem Reproduzieren von Klischees, anstatt durch bemerkenswerte Eigenleistung, ist es kein Leichtes zu erkennen, dass Zapp so viel schlauer sei.</p>
<p>Aber zurück zu oben genanntem Beitrag. Darin berichtet Zapp über einen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=koRlFnBlDH0">Werbeclip</a> der <a href="http://ec.europa.eu/information_society/media/index_en.htm">EU-Filmförderung</a>, der wegen seiner unverblümten Sexszenen bei einigen „eher prüden Parlamentariern&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_3_10" id="identifier_3_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zapp-Diktion in der Sendung vom 11.07.2007">4</a></sup> auf Protest gestoßen sei. Aus diesem Grund habe <a href="http://www.youtube.com/user/eutube">eutube</a> &#8211; das EU-Portal bei <a href="http://www.youtube.com/">youtube</a> &#8211; einen weiteren, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=3kHoHH-05yI">diesmal romantischer ausgelegten Werbeclip</a> nachgelegt. So weit, so gut. Doch der Kommentar von  Zapp lautete nicht einfach: „Zapp meint: Gut so!&#8221;, sondern: „Zapp meint: Jedem das seine.&#8221;<a title="screen capture vom 14.08.2007 von der NDR-Archivseite: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/jedem-das-seine.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/jedem-das-seine.thumbnail.jpg" alt="NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta Jedem das Seine" /></a> Es soll hier gar nicht darum gehen, dass substantivierte Possessivpronomina ohne vorherige Nennung eines Referenznomens bzw. wenn ihnen ein Artikel vorausgeht mit einem großen Buchstaben beginnen, sondern vielmehr um den inhaltlichen Aspekt.<br />
Hier bedarf Zapp offenbar einer überfälligen Nachhilfe in Sachen Geschichte. Man möchte meinen, es gehöre zur Allgemeinbildung, dass das Schlagwort „Jedem das Seine&#8221; zu einem Synonym für den Massenmord der Nazi-Verbrecher wurde, weil die Nazis es in das Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald einschmieden ließen.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-jedem-das-seine-full-screen.jpg" rel="lightbox[10]"><img class="size-thumbnail wp-image-1791 alignright" title="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126586,00.html" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/zapp-jedem-das-seine-full-screen-92x140.jpg" alt="" width="92" height="140" /></a>Es kann wohl ausgeschlossen werden, dass Zapp damit Bezug auf die lateinische Urfassung „suum cuique&#8221; nehmen wollte, bei der es sich um einen klassischen Rechtsgrundsatz im Sinne der Gerechtigkeit handelt. So hat diese Formel ihren Weg vom klassischen Griechenland aus über Aristoteles, Sokrates und Platon bis hinein in die Zeit des Oströmischen Reiches genommen, wo sie im Rahmen der von Kaiser Justinian I. im Jahr 528 n.Chr. in Auftrag gebenen Kodifikation und Vereinheitlichung des römischen Rechts<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_4_10" id="identifier_4_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Codex Iustinianus sp&auml;ter Corpus Iuris Civilis">5</a></sup> in einen Rechtsgrundsatz gegossen wurde<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/23/wer-im-glashaus-zappt-die-dritte/#footnote_5_10" id="identifier_5_10" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten. [&hellip;] Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gew&auml;hren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen. (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10) ">6</a></sup>. Da die meisten Staaten Europas das Römische Recht bis in die Neuzeit hinein als maßgebliche Rechtsquelle verwendeten, gelangte die Formel bis ins 20. Jahrhundert, wo sie dann von den Nazis pervertiert wurde. Die Nazis ließen dieses Schlagwort in Buchenwald so anbringen, dass es von innen lesbar war, was die Aussage nur noch verhöhnender, demütigender und zynischer machte, als sie mit ihrem missbrauchten Inhalt ohnehin schon war. Im Entwürdigen sind und waren die Nazis besonders begabt, was daran liegen muss, dass es ihnen selbst an Würde mangelt/e. Um mit ihren Opfern auf Augenhöhe zu sein, müssen sie diese entwürdigen. Anders als bei „Du bist Deutschland&#8221;, das eben nicht über einem der größten Konzentrationslager prangte, sollte eigentlich jeder halbwegs gebildete Mensch in Deutschland wissen, dass sich die Nutzung dieses Schlagworts verbietet. Insbesondere wenn man, wie Zapp, mit Hohn auf andere herabschaut, denen ein weitaus geringerer Lapsus unterläuft, sollte es einem selbst nicht an politisch-historischer Sensibilität mangeln, der zur obszönen Verwendung eines extrem negativ konnotierten Schlagwortes führt.</p>
<p>Zapp reiht sich damit ein in eine Gruppe von Firmen, deren Werbeagenturen in den vergangenen Jahren ähnlich wenig historische Bildung und Sensibilität aufwiesen. So bewarb beispielsweise Nokia 1998 in Deutschland seine neuen Mobiltelefone mit auswechselbaren, verschiedenfarbigen Frontblenden mit dem Slogan „Jedem das Seine&#8221;. Proteste, die darauf hinwiesen, dass dieser Slogan historisch belastet ist, führten schließlich dazu, dass Nokia die Kampagne abbrach. Im gleichen Jahr warb die Firma REWE mit diesem Slogan ausgerechnet für Grillzubehör. Microsoft bewarb damit Software und McDonald&#8217;s seine Burger-Menüs in Thüringen &#8211; ausgerechnet also in dem Bundesland, auf dessen Territorium sich die heutige Gedenkstätte für das einstige KZ-Buchenwald befindet. Dass man mit zunehmender Nähe zum Ort und zu Überlebenden eines Massenmordes nicht unbedingt sensibler werden muss, bewies ja am 28. August des vergangenen Jahres der stellvertretende Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und studierte Historiker Hermann Schäfer mit seiner völlig taktlosen Rede anlässlich des Eröffnungskonzerts des Kunstfestes Weimar, das den Titel „Gedächtnis Buchenwald&#8221; trug. Der ehemalige Bundestagspräsident Jenninger (CDU) befand sich während seiner missratenen Rede anlässlich des 50. Jahrestages der Novemberpogrome im Jahr 1988 wenigstens nicht auch noch an einem Ort des organisierten Massenmordes, sondern „nur&#8221; vor dem versammelten Bundestag, weshalb die Rede in ihrer Art natürlich trotzdem besonders deplaziert war.</p>
<p>Nun denn, vielleicht sollte Gita Datta, die Zuständige für den zur Debatte stehenden Zapp-Beitrag, nachdem sie eine Arbeit über das „fragmentarische Weltbild deutscher Fernsehnachrichten&#8221; geschrieben hat, sich mit ihrer möglicherweise fragmentarischen Allgemeinbildung befassen. Doch auch der ach so kritische und recherchefreudige Kuno Haberbusch hat sich an dieser von Frau Datta verwendeten Formulierung offenbar nicht gestört. Er hätte sonst jederzeit eine Umformulierung bewirken können. Ist ihm bei seinen Recherchen etwa die diesem Schlagwort innewohnende Brisanz und Problematik entgangen? Hätte Gerald Asamoah diese Zapp-Sendung gesehen, wäre ihm bestimmt das Lachen im Halse steckengeblieben.</p>
<p>Man darf gespannt sein, wann Zapp sich das nächste Mal über seine mediale Umwelt erhebt. Angesichts des Balkens im eigenen Auge sollte Zapp sich aber beim Kritisieren der Splitter in den Augen der Anderen vielleicht etwas weniger weit aus dem Fenster lehnen. <span style="color: #FFFACD;"> Senait Mehari, Mehari, Feuerherz, Kuno Haberbusch, Zapp, NDR,Medienmagazin, Gita Datta, Datta, Jedem das Seine, Arbeit macht frei, KZ, Konzentrationslager, Buchenwald, Auschwitz</span><br />
© Stefan Fix, 2007</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_10" class="footnote">Harald Jähner in der Berliner Zeitung vom 30.09.2005</li><li id="footnote_1_10" class="footnote">Titanic, März 2006, S.8.</li><li id="footnote_2_10" class="footnote"><a href="http://blog.jvm-neckar.com/">http://blog.jvm-neckar.com/</a></li><li id="footnote_3_10" class="footnote">Zapp-Diktion in der <a title="Link zur Zapp-Sendung vom 11.07.2007" href="http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4126154,00.html" target="_blank" class="broken_link">Sendung vom 11.07.2007</a></li><li id="footnote_4_10" class="footnote">Codex Iustinianus später Corpus Iuris Civilis</li><li id="footnote_5_10" class="footnote">Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten. […] Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gewähren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen. (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10) </li></ol>
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		<title>Das Problem, es ist der Stil &#8230;</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/das-problem-es-ist-der-stil/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Mar 2007 05:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 &#8211; S.58-62 Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend. Es soll hier [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/das-problem-es-ist-der-stil/' addthis:title='Das Problem, es ist der Stil &#8230; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a title="Der Spiegel - Schriftzug am Verlagsgebäude bei Nacht" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/spiegel-gross.jpg" rel="lightbox[95]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/spiegel-klein.jpg" alt="Der Spiegel - Schriftzug am Verlagsgebäude bei Nacht" /></a><strong> Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 &#8211; S.58-62</strong><br />
Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend.<br />
Es soll hier gar nicht am Inhalt Kritik geübt werden. Daran, dass SPIEGEL-Artikel immer seichter und gehaltloser werden, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es muss die Gewohnheit sein, die einen jeden Montag aufs Neue die Dummheit begehen lässt, eine weitere Ausgabe zu kaufen. Nein, eigentlich ist es nur das handliche Format, das unter Wochenzeitungen seit dem Dahinscheiden der „Woche&#8221; seinesgleichen sucht (von Focus, Stern u.ä. Schund natürlich abgesehen). Dass nun aber auch der Stil z.T. so schwer verdaulich ist, dass man manche Artikel nur noch etappenweise lesen kann, ist nun doch eine neuerliche Steigerung.<br />
In Ihrem Artikel, Herr Buse, bedienen Sie sich nun eines ganz besondern Stilmittels. Sie wiederholen nämlich in schier inflationärer Weise direkt nach Nennung des Subjekts des Satzes selbiges in Form eines Personalpronomens. Das Beispiel, es wird in diesem Satz zur Anwendung gebracht. Doch um der Authentizität willen, sollen hier sämtliche Originalbeispiele aufgeführt werden, wobei nicht auszuschließen ist, dass das eine oder andere, aufgrund der Menge übersehen wurde:</p>
<blockquote>
<ol>
<li>Die Arbeitslosenquote, sie stand wie einbetoniert &#8230;</li>
<li>Das Neue, es war ein simpler Gedanke &#8230;</li>
<li>Annelies Strobels Arbeitstag, er beginnt gegen zehn Uhr &#8230;</li>
<li>Ihre Rente, sie bleibt mies &#8230;</li>
<li>Das Experiment, es hat Bad Schmiedeberg verändert &#8230;</li>
<li>Die Arbeitslosenquote, vor Beginn des Experiments in Bad Schmiedeberg lag sie bei 15,9 Prozent, sie liegt jetzt bei 6,3 Prozent &#8230;</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Was, Herr Buse, bezwecken Sie damit? Wiederholen Sie das Subjekt, weil Sie fürchten, sonst den Faden zu verlieren oder etwa, weil Sie meinen, der Leser könne Ihnen sonst nicht folgen? Oder aber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie das Genus des deutschen Nomens bestimmen können? Oder werden einem solcherlei Seltsamkeiten bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer vermittelt? Das Lesen, es wird jedenfalls so zur Qual. Was würde an der Aussage geändert, wenn man unter Weglassung des Personalpronomens „es&#8221; schriebe: „Das Experiment hat B.S. verändert&#8221;? Außer natürlich, dass der Satz um einiges leserfreundlicher ist. Ab und an mag dieses Stilmittel namens Prolepse zur Betonung des Subjekts sicherlich nicht ohne Sinn sein, aber doch bitte nicht sage und schreibe sechs Mal in einem Artikel! Der Stil, er erinnert doch sehr an Fernsehkommentatoren zweitklassiger Regionalsendungen, in denen unter &#8211; vermutlich unbewusster &#8211; Zuhilfenahme dieses Stilmittels kaschiert wird, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. So kennt man Sätze wie: Die Flut, sie steigt &#8230; die Sandsäcke, sie werden knapp &#8230; die Sendung, sie ist zuende. DER SPIEGEL, er ist immer öfter ungenießbar &#8230;</p>

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		<title>Fahrschule auf Konfrontationskurs &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Dec 2006 16:32:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/12/10/crashkurs/' addthis:title='Fahrschule auf Konfrontationskurs &#8230; '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/crashkurs-fahrschule-auf-konfrontationskurs.jpg" rel="lightbox[601]"><img class="alignnone size-medium wp-image-1730" title="Crashkurs - Fahrschule auf Konfrontationskurs" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/crashkurs-fahrschule-auf-konfrontationskurs-300x215.jpg" alt="" width="300" height="215" /></a></p>

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		<title>Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Oct 2006 16:33:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Haupt des Krakauer Königs ziert &#8211; im Gegensatz zu seinem Pendant aus damaszener Produktion &#8211; ein Kreuz. In vielen abendländischen Schachspielen hat auch der Läufer ein Kreuz eingearbeitet, der nicht umsonst im Englischen „bishop&#8221; heißt. Im Arabischen und Türkischen wird der Läufer im Schach فيل „fīl&#8221; genannt, was Elefant bedeutet. Im Russischen heißt der [...]<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://espritdescalier.de/blog/2006/10/05/schah-%d8%a7%d9%84%d8%b4%d8%a7%d9%87-sah-malik-koenig/' addthis:title='Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König '><a href="//addthis.com/bookmark.php?v=250&#38;username=xa-4d2b47f81ddfbdce" class="addthis_button_compact">Share</a></div>]]></description>
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<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/koenig-malik-schah.jpg" rel="lightbox[292]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1594" title="Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/koenig-malik-schah-88x140.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="88" height="140" /></a>Das Haupt des Krakauer Königs ziert &#8211; im Gegensatz zu seinem Pendant aus damaszener Produktion &#8211; ein Kreuz. In vielen abendländischen Schachspielen hat auch der Läufer ein Kreuz eingearbeitet, der nicht umsonst im Englischen „bishop&#8221; heißt. Im Arabischen und Türkischen wird der Läufer im Schach فيل „fīl&#8221; genannt, was Elefant bedeutet. Im Russischen heißt der Läufer „слон&#8221;, was ebenfalls mit Elefant zu übersetzen ist. Im Französischen wiederum heißt er „fou&#8221;, was bekanntermaßen Narr, Wahnsinniger bzw. Irrer bedeutet.</p>

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