Skip to content

Category Archives: Sprache

Geschützt: Sterbendes Blau

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Verwandte Artikel

Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick?

In seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag“ vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen:

„Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole […]“

nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen:

„[…] Silber.“

Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form des Verbs „erschießen“ gemeinhin nicht in einer Kette „Dativobjekt-Akkusativobjekt“ verwendet wird, sondern lediglich mit einem der Reflexivform innewohnenden Akkusativobjekt. Setzt man nun die feststehende Form „sich erschießen“ in Bezug zu einem Dativobjekt und lässt dann ein sich darauf beziehendes Akkusativobjekt folgen, besteht die Gefahr der Missverständlichkeit. Diese Gefahr betrifft wie im oben geschilderten Fall z.B. die dritte Person Singular, da bei dieser die Form des Reflexivpronomens vom Kasus unberührt bleibt. Gleiches trifft aber auch auf die erste, zweite und dritte Person Plural zu:

Ich erschieße mich / mir
Du erschießt dich / dir
Er / sie / es erschießt sich / sich
Wir erschießen uns / uns
Ihr erschießt euch / euch
Sie erschießen sich / sich

Es ist anzunehmen, dass sich eben aufgrund dieser Problematik die Wendung „jmdm. etw. erschießen“ nirgendwo lexikalisiert findet. Selbstverständlich steht es jedem frei, Neologismen bzw. Wendungen und Kombinationen in den Sprachschatz einzubringen. Das macht diesen ja unter anderem aus. Wenn man sich Gold erschwimmen und Bronze erlaufen kann, warum sollte man sich nicht auch Silber erschießen können? „Jmdm. etw. erlaufen“ ist beispielsweise lexikalisiert, nämlich: „durch Laufen (als Preis) gewinnen: du hast [dir] viele Trophäen erlaufen.“1

Bei solchen Übertragungen anderer unproblematischer Wendungen sollte man jedoch vielleicht darauf Acht geben, dass es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Natürlich erschließt der Kontext alsbald den gewollten Sinn. Dennoch stockt man zunächst. „Sich Silber erschwimmen“ ist deshalb unproblematisch, weil „sich erschwimmen“ allein nicht lexikalisiert ist, schon gar nicht mit problematischer Bedeutung. „Sich erschießen“ hingegen ist eben lexikalisiert.

Was spräche dagegen, in einem missverständlichen Fall herkömmliche Verben wie „erkämpfen“, „erstreiten“ „erringen“, „erreichen“ oder „erzielen“ zu verwenden? Dass man auf „gewinnen“ verzichtet, ist dann verständlich, wenn deutlich gemacht werden soll, dass der Sieg weniger auf Glück als vielmehr auf Kampf, Zähigkeit, Fähigkeit, Konzentration, Betablocker – wie offenbar im Fall des nordkoreanischen Sportschützen Kim Jong Su – oder anderweitige Leistung zurückzuführen ist.

Besonders problematisch wird „jmdm. etw. erschießen“, wenn die 3.P.Sg. oder eine der drei Personen Plural im Präteritum verwendet werden – wie im behandelten Beispiel – weil hier die Syntax so geartet ist, dass das Akkusativobjekt erst an letzter Position erscheint und somit Leser bzw. Hörer bis zuletzt im Unklaren lässt bzw. im Glauben, dass sich jemand erschossen habe. Die Formulierung im Perfekt wäre hingegen unproblematisch, weil hier das erklärende Akkusativobjekt vor dem problematischen Verb kommt: „Er hat sich Silber erschossen.“ Das Präsens dagegen birgt das gleiche Problem wie das Präteritum: „Er erschießt sich Silber.“ Das Plusquamperfekt ist wieder unproblematisch: „Er hatte sich Silber erschossen.“ Ebenso unproblematisch sind Futur I und Futur II: „Er wird sich Silber erschießen bzw. erschossen haben.“

Doch Spiegel Online macht den Eindruck, „jmdm. etw. erschießen“ zur Gleichberechtigung gegenüber „jmdm. etw. erlaufen“ verhelfen zu wollen. So kann man dort z.B. in einem Artikel vom 30.11.2007 über die Biathletin Magdalena Neuner lesen:

Sie […] düpierte die gesamte Biathlon-Weltspitze, erlief und erschoss sich Gold in den Disziplinen Verfolgung, Sprint und in der Staffel.

Das klingt ja schon fast nach dem „goldenen Schuss“. Im Kampf um die Gleichberechtigung will wohl auch der Hessische Rundfunk nicht hintan stehen und vermeldete gestern:

Der […] Sportschütze Christian Reitz ist der erste Hesse, der in Peking eine Medaille erobert hat. Am Samstagfrüh [sic] erschoss er sich Bronze.

Weniger missverständlich, da sensibler formuliert, äußert sich die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung „.ch“, wo es in einer Meldung vom 15. August heißt:

Die Bronzemedaille erschoss sich der Russe Bajir Badenow gegen Juan Rene Serrano aus Mexiko […].

Ein geschickter syntaktischer Schachzug: Man stellt einfach das Akkusativobjekt ganz an den Anfang und kann somit problemlos „jmdm. etw. erschießen“ in der 3.P.Sg. und im Präteritum verwenden. Hier wird allerdings „jmdm. etw. erschießen“ noch ergänzt, so dass man „jmdm. etw. gegen jmdn. erschießen“ erhält.

Ebenfalls sprachlich sensibler als Spiegel Online und der Hessische Rundfunk zeigt sich ausgerechnet der Deutsche Schützenbund, der nämlich in einer Meldung vom 5. Mai dieses Jahres den doppeldeutigen Begriff in Anführungszeichen setzt:

In der Einzelwertung der Junioren war es Florian Hoheisel […], der sich mit 595 Ring [sic] die Goldmedaille »erschoss«.

Möglicherweise ist man angesichts der jüngsten Amokläufe um seinen Ruf besorgt und will Missverständnisse um jeden Preis vermeiden.

Ein Beispiel, bei dem die Aufklärung wirklich lange auf sich warten lässt, findet sich in den aktuellen Mitteilungen des SSG-Röwekamp, eines Schützenvereins aus dem Landkreis Osnabrück, wo es heißt:

Lisa erschoss sich im Finale mit anschliessendem Stechschuß vom 6. Platz aus gestartet noch die Bronzemedaille.

Spätestens nach dem Stechschuss wähnten die meisten Leser Lisa wohl nicht mehr unter den Lebenden. Ganz davon zu schweigen, dass hier der Gebrauch von Eszett und doppeltem „S“ etwas durcheinander geraten ist und auch der Einsatz von Kommas zum Zweck der Gliederung und Verständniserleichterung ein wenig zu kurz gekommen ist.

Abschließend sei festgehalten, dass es nun nicht gerade so ist, dass Spiegel Online dem „Sprachwahrer des Jahres 2004” und Redaktionsmitglied eben dieses Mediums – Bastian Sick – nicht auch mitunter ein Betätigungsfeld böte, auch wenn dieser sicher vor lauter Arbeit bisweilen erschossen ist …2

  1. Quelle: DUW []
  2. „erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kräfte, völlig erschöpft sein)“ Quelle: ebd. []
Verwandte Artikel

Verrat am Verräter

Wie viele andere Zeitungen, wirft auch die „junge Welt“ ihre marxistisch orientierte1 Postille auf der Leipziger Buchmesse kostenlos unters Volk. Damit verbindet sich wohl die vage Hoffnung, den einen oder anderen Leser hinzugewinnen zu können.

Da man aus Erfahrung weiß, dass dieses Blatt bisweilen mit unfreiwilliger Komik und selbstparodistischen Zügen aufwartet, greift man zu, um in einer ruhigen Minute, wenn es einen mal wieder nach Realsatire gelüstet, darin schmökern zu können. Ist es dann soweit, tut sich eine Parallelwelt auf, bei der man zwischen Lachen und Entsetzen schwankt. Ein Beispiel, bei dem diese beiden Gefühlsregungen heftig miteinander konkurrieren, wurde hier bereits 2006 anhand einer in der „jungen Welt“ abgedruckten Traueranzeige für Slobodan Milosevič dokumentiert. Darin würdigte man den als Kriegsverbrecher angeklagten Milosevič als „heldenhaften Verteidiger Jugoslawiens und des Völkerrechts“ sowie als „Internationalisten, Antiimperialisten und Sozialisten“.2

In der diesjährigen Gratisausgabe nun fällt einem zunächst die zwölfseitige Beilage „marxismus“ entgegen, schließlich jährt sich Marx‘ Todestag 2008 zum 125. Mal, sein Geburtstag gar zum 190. Mal. So, nun hält man die Rumpfausgabe in den Händen und beginnt nach alter Gewohnheit, von hinten zu blättern.

Zunächst liest man da, dass Bernd Stange, der einstige Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft3, gerade 60 Jahre alt geworden sei und dass es ihn nunmehr nach Belorussland verschlagen habe. Ganz richtig, die DSFler der „jungen Welt“ sagen nicht „Weißrussland“, sondern in alter DDR-Manier „Belorussland“, was natürlich der Originalbezeichnung näher kommt und somit korrekter ist. Inkonsequent ist es allemal. Konsequenterweise müsste man sagen „Bielarus“4 oder eben „Weißrussland“. Aber solche Überlegungen spielen im Sprachgebrauch der „jungen Welt“ wohl eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger scheint die Identifikation mit der Sprache des untergegangenen Idealstaates DDR zu sein.

In gewisser, etwas eindimensionaler Weise ist der „jungen Welt“ Sprache nämlich gar nicht einerlei. Ganz genau schaut man bei den bürgerlichen Medien hin. So findet sich auf Seite 13 der Ausgabe vom 14. März 2008 ein Artikelchen mit der Überschrift „LTI aktuell“. Darin weist man anhand entsprechender Beispiele darauf hin, dass der Programmdirektor des Deutschlandfunks, Günter Müchler, in einem Interview in nur drei Minuten vier Mal Lingua Tertii Imperii verwendet habe (siehe screen capture). In der Tat verwendet Müchler da ein etwas merkwürdiges und durchaus nach LTI klingendes Vokabular.5 Insbesondere die Tatsache, dass Müchler über Lyrik spricht, lässt es seltsam erscheinen, dass Begriffe wie „reingeschossen“, „eingeschlagen“ und „Offensive“ fallen. Gut, da hat die „junge Welt“ offenbar einen Vogel „abgeschossen“ (LTI?!).
Den Sprachliebhabern von der „jungen Welt“ ist ja aber wohl hoffentlich nicht entgangen, dass Victor Klemperer nach 1945 nicht aufgehört hat zu schreiben. Deswegen wird man bei der „jungen Welt“ sicher auch schon von der sogenannten „LQI“ gehört oder gelesen haben. Hinsichtlich dieser Lingua Quartii Imperii notiert Klemperer:

„Ich muß allmählich anfangen, systematisch auf die Sprache des vierten Reiches zu achten. Sie scheint mir manchmal weniger von der des dritten unterschieden als etwa das Dresdener Sächsische vom Leipziger6. Wenn etwa Marschall Stalin der Grösste der derzeit Lebenden ist, der genialste Stratege usw. Oder wenn Stalin in einer Rede aus dem Anfang des Krieges von Hitler, natürlich mit allergrößtem Recht, als von dem »Kannibalen Hitler« spricht. Jedenfalls will ich unser Nachrichtenblatt und die Deutsche Volkszeitung, die mir jetzt zugestellt wird, genau sub specie LQI studieren.“7

„Jeden Tag beobachte ich von neuem die Fortdauer von LTI in LQI.“8

„LTI = LQI!!“9

„LQI übernimmt LTI mit Haut und Haaren. Sogar Becher – höher geht’s nimmer – schreibt andauernd kämpferisch. Frau Kreisler erstaunt, als ich »charakterlich« beanstande. In einem Aufsatz, der die Humanität der jetzigen Straflager (Kommandohaft) rühmt, werden die Häftlinge zu »einsatzfreudigen« Menschen erzogen.“10

„[…] und dieses Ganze concentriert sich immer mehr auf den einen Ulbricht, unterscheidet sich immer weniger von nazistischer Gesinnung u. Methode. Sag Arbeiterklasse statt Rasse, u. beide Bewegungen sind identisch. Tyrannei u. Enge nehmen täglich zu. Glaubenshetze, Jugendweihe, Kampf gegen »ideologische Coëxistenz« gegen »Fraktionismus«, gegen »kleinbürgerliche Überheblichkeit« – all das ist LQI.11

Wie wäre es, liebe „junge Welt“, wenn Du der Rubrik „LTI aktuell“ noch eine weitere mit dem Titel „LQI aktuell“ hinzufügtest? Deine eigenen Seiten dürften vorerst ausreichend Stoff dafür bieten.

Was Klemperers Verhältnis zum Kommunismus angeht, sei zudem abermals aus seinem Tagebuch zitiert:

„Es ist mir an diesem Nachmittag klar geworden, daß der Kommunismus gleicherweise geeignet ist, primitive Völker aus dem Urschlamm zu ziehen und civilisierte in den Urschlamm zurückzutauchen. Im zweiten Fall geht er verlogener zu Werk und wirkt nicht nur verdummend sondern entsittlichend, indem er durchweg zur Heuchelei erzieht. Ich bin gerade durch meine Chinareise u. bei Anerkennung der gewaltigen Leistungen hier zum endgiltigen Antikommunisten geworden. Das kann nicht Marx‘ Idealzustand gewesen sein.“12

Doch zurück zum Fußballtrainer Bernd Stange. Nun erfährt man, dass Stange seinen Geburtstag bei einem Schnittchenbüffet in Minsk begehe, um dann im Sommer in Jena mit einem Grillfest nachzufeiern. Irgendwie erinnert diese Passage an Loriots Lottogewinner Lindemann: „Ich … heiße … Erwin … Lindemann, bin Rentner und 66 Jahre … mit meinem Lottogewinn von 500.000 D-Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island … dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz … und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique“.13 – Schließlich liest man, dass es Stanges Ziel sei, sich mit der weißrussischen Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren.

Nun schweift der bereits amüsierte Blick weiter nach unten und bleibt an folgender erschreckenden Überschrift hängen: „Kuba verraten“. Ein Schauder ergreift sogleich den Leser, der sich alsdann bange fragt, wer in aller Welt Kuba verraten habe? Der erste Verdacht geht dahin, dass der gesamte einstige Ostblock – ausgenommen natürlich der „geliebte Führer“ Kim Jong-il – gemeint sei. Doch dieser Verdacht zerschlägt sich sogleich, ist die Seite 16 der „jungen Welt“ doch dem Sport vorbehalten. Also liest man weiter. Nach einem Qualifikationsspiel der kubanischen Olympiaauswahl, heißt es da, seien fünf kubanische Spieler nicht in ihr Quartier zurückgekehrt. Unter ihnen befänden sich sowohl der Torwart als auch der Kapitän.

Da hat die „junge Welt“ ja ein glückliches Händchen bewiesen, dass sie diesen Kuba-Artikel direkt unter denjenigen über den ehemaligen Trainer der DDR-Fußballnationalmannschaft platzierte. Damit erleichtert sie es dem Leser, sich zu erinnern, dass die Staatssicherheit der DDR sehr viel besser zu verhindern wusste, dass DDR-Athleten Fahnenflucht begingen. In der DDR wurden Republikflüchtige schon mal durch Erschießen zum Bleiben im lebenswerten Sozialismus überredet. Diese Karibik-Bewohner sind da offenbar etwas nachlässiger, so dass eben fünf Leute auf einmal durchs Netz gehen können. Gut, die Sache verkompliziert sich, wenn man sich mitten im Land des imperialistischen Feindes aufhält. Dafür hat Kuba aber durch seine Insellage wiederum einen Heimvorteil bei der Verhinderung von Republikflucht.

In den verklärten Augen der „jungen Welt“ haben die kubanischen Sportler also Verrat an Kuba und höchstwahrscheinlich am Sozialismus insgesamt begangen. Per definitionem bedeutet Verrat „Bruch eines Vertrauensverhältnisses“14 Hat man diese fünf bzw. all die anderen Kubaner je gefragt, ob das Kuba des Máximo Líder, ob der Sozialismus und alles, was mit ihm einhergeht, das ist, was sie wollen? Oder wird nicht vielmehr das Volk zu seinem „Glück“ gezwungen? Besteht zwischen Volk und Regierung Kubas, Nordkoreas oder auch Weißrusslands tatsächlich ein Vertrauensverhältnis, das gebrochen werden kann? Oder handelt es sich nicht vielmehr um ein Abhängigkeitsverhältnis, in das man hineingeraten ist oder hineingeboren wurde und aus dem man ausbrechen möchte, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt? Wie lebenswert muss ein Land sein, dem selbst privilegierte Reisekader wie eben Sportler den Rücken kehren? Weiterlesen ›

  1. Eigenangabe auf der Internetpräsenz des Blattes []
  2. Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006) []
  3. bundesweit bekannt geworden als Trainer der irakischen Nationalmannschaft von 2002 bis 2004 []
  4. Transkription von weißruss. Беларусь []
  5. Man könnte das zu seinen Gunsten auch einfach als Versuch der Anbiederung an das jugendliche Zielpublikum auslegen. Schließlich geht es in dem Interview um den Schülerwettbewerb „lyrix“. Der Versuch, Jugendsprache zu verwenden, geht ja bei so manch älterem Semester gerne mal nach hinten los. Aber gut, die „junge Welt“ will es nicht zu Müchlers Gunsten auslegen, was ihr gutes Recht ist. []
  6. Für Nicht-Sachsen sind diese beiden Spielarten des Sächsischen nur schwer zu unterscheiden. []
  7. Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 25.06.1945. Band 1: Tagebücher 1945 – 1949, S.24. []
  8. Ebd. Eintrag vom 12.10.1945, S.126. []
  9. Ebd. Eintrag vom 26.10.1945, S.133. []
  10. Ebd., Eintrag vom 15.10.1945, S.127. []
  11. Klemperer, Victor: So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Eintrag vom 14.02.1958. Band 2: Tagebücher 1950-1959, S.673. []
  12. Ebd., Eintrag vom 24.10.1958, S.723. []
  13. Loriot: Das Frühstücksei. Gesammelte dramatische Geschichten mit Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, Herrn und Frau Hoppenstedt, Erwin Lindemann u.v.a. Zürich, 2003, S. 269. []
  14. Duden – Deutsches Universalwörterbuch. 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, 2001. []
Verwandte Artikel

Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) – „Jedem das Seine“

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt“ wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche“ darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft“ des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.“

Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.

Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob […] los.“1. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer“ seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen“. Dies habe sich immer noch nicht richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt“ folgenden Satz: „Jedem das seine“. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Sendung vom 06.02.2008 []
Verwandte Artikel

Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte)

Es ist schon bemerkenswert, mit welch grober Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit man sich beim NDR-Medienmagazin Zapp wöchentlich über die mediale Umwelt erhebt. Doch wer sich als pedantischer Gralshüter politischer Korrektheit aufspielt, sollte wenigstens selbst keine Angriffsflächen bieten.

Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2005 strahlte Zapp im Rahmen seiner Rubrik „Durchgezappt“ auch einen Beitrag mit dem Titel „Ausrutscher der Woche“ aus.NDR Zapp Senait Mehari Gita Datta Darin ging Zapp hart mit der Sozialkampagne „Du bist Deutschland” ins Gericht. Deren gleich lautender Slogan sei nicht neu, sondern bereits eine „Nazi-Parole“ gewesen. Das hätten „Internet-Blogger“ in einem „historischen Bildband“ entdeckt. Dabei handelt es sich übrigens um ein Buch mit dem Titel „Ludwigshafen – Ein Jahrhundert in Bildern“, herausgegeben vom Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein. Die zur Debatte stehende Parole findet sich dort auf einem Bild, das eine NS-Kundgebung im Jahr 1935 auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen zeigt. Der genaue Wortlaut ist: „Denn Du bist Deutschland”. Die Parole nimmt offensichtlich Bezug auf das über ihr befindliche große Hitlerporträt, sodass wohl zu verstehen ist: „Denn Du, Adolf Hitler, bist Deutschland”.

Dies ist jedoch genau das Gegenteil dessen, was die Kampagne „Du bist Deutschland” augenscheinlich zu bezwecken sucht. Dort liegt ja die Betonung gerade darauf, dass jede/r Einzelne auf die ihr/ihm eigene Art Deutschland sei. Somit steht totale Ausrichtung auf einen Diktator gegen Betonung des Individuums und der Eigeninitiative. Es stellt sich die Frage, was dann eigentlich das Problem von Zapp ist. Weiterlesen ›

Verwandte Artikel

Das Problem, es ist der Stil …

Der Spiegel - Schriftzug am Verlagsgebäude bei Nacht Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 – S.58-62
Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend.
Es soll hier gar nicht am Inhalt Kritik geübt werden. Daran, dass SPIEGEL-Artikel immer seichter und gehaltloser werden, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es muss die Gewohnheit sein, die einen jeden Montag aufs Neue die Torheit begehen lässt, eine weitere Ausgabe zu kaufen. Nein, eigentlich ist es nur das handliche Format, das unter Wochenzeitungen seit dem Dahinscheiden der „Woche“ seinesgleichen sucht (von Focus, Stern u.ä. Schund natürlich abgesehen). Dass nun aber auch der Stil z.T. so schwer verdaulich ist, dass man manche Artikel nur noch etappenweise lesen kann, ist nun doch eine neuerliche Steigerung.
In Ihrem Artikel, Herr Buse, bedienen Sie sich nun eines ganz besondern Stilmittels. Sie wiederholen nämlich in schier inflationärer Weise direkt nach Nennung des Subjekts des Satzes selbiges in Form eines Personalpronomens. Das Beispiel, es wird in diesem Satz zur Anwendung gebracht. Doch um der Authentizität willen, sollen hier sämtliche Originalbeispiele aufgeführt werden, wobei nicht auszuschließen ist, dass das eine oder andere, aufgrund der Menge übersehen wurde:

  1. Die Arbeitslosenquote, sie stand wie einbetoniert …
  2. Das Neue, es war ein simpler Gedanke …
  3. Annelies Strobels Arbeitstag, er beginnt gegen zehn Uhr …
  4. Ihre Rente, sie bleibt mies …
  5. Das Experiment, es hat Bad Schmiedeberg verändert …
  6. Die Arbeitslosenquote, vor Beginn des Experiments in Bad Schmiedeberg lag sie bei 15,9 Prozent, sie liegt jetzt bei 6,3 Prozent …

Was, Herr Buse, bezwecken Sie damit? Wiederholen Sie das Subjekt, weil Sie fürchten, sonst den Faden zu verlieren oder etwa, weil Sie meinen, der Leser könne Ihnen sonst nicht folgen? Oder aber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie das Genus des deutschen Nomens bestimmen können? Oder werden einem solcherlei Seltsamkeiten bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer vermittelt? Das Lesen, es wird jedenfalls so zur Qual. Was würde an der Aussage geändert, wenn man unter Weglassung des Personalpronomens „es“ schriebe: „Das Experiment hat B.S. verändert“? Außer natürlich, dass der Satz um einiges leserfreundlicher ist. Ab und an mag dieses Stilmittel namens Prolepse zur Betonung des Subjekts sicherlich nicht ohne Sinn sein, aber doch bitte nicht sage und schreibe sechs Mal in einem Artikel! Der Stil, er erinnert doch sehr an Fernsehkommentatoren zweitklassiger Regionalsendungen, in denen unter – vermutlich unbewusster – Zuhilfenahme dieses Stilmittels kaschiert wird, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. So kennt man Sätze wie: Die Flut, sie steigt … die Sandsäcke, sie werden knapp … die Sendung, sie ist zuende. DER SPIEGEL, er ist immer öfter ungenießbar …

Verwandte Artikel

Fahrschule auf Konfrontationskurs …

Verwandte Artikel

Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Das Haupt des Krakauer Königs ziert – im Gegensatz zu seinem Pendant aus damaszener Produktion – ein Kreuz. In vielen abendländischen Schachspielen hat auch der Läufer ein Kreuz eingearbeitet, der nicht umsonst im Englischen „bishop“ heißt. Im Arabischen und Türkischen wird der Läufer im Schach فيل „fīl“ genannt, was Elefant bedeutet. Im Russischen heißt der Läufer „слон“, was ebenfalls mit Elefant zu übersetzen ist. Im Französischen wiederum heißt er „fou“, was bekanntermaßen Narr, Wahnsinniger bzw. Irrer bedeutet.

Verwandte Artikel

Bloggeramt.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de