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Category Archives: Medien

Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.

Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.

Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.

Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4

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  1. von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW []
  2. im Jahr 2004 []
  3. siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt”. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt”, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik” nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif” von Jörg Jacoby in „konkret”- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret” kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. []
  4. Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. []

In den Startlöchern des Lebens …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich wie bei der 1913 errichteten Hamburger Hochschule für Bildende Künste, ist auch der 1927/28 erbauten Mädchenschule Uferstraße (heute Berufliche Schule Uferstraße) von Künstlerhand eine Art Motto beigegeben. Nur geschah dies hier nicht in Form von Glaskunst, sondern durch die Schaffung einer Skulptur. Anders als etwa beim Hansa-Kolleg, von dem an anderer Stelle noch die Rede sein wird, handelt es sich hier nicht um die bloße Verkörperung dessen, was im Gebäude vor sich geht. Beim Hansa-Kolleg versinnbildlicht dies die Skulptur einer Lesenden recht direkt und nicht überdurchschnittlich originell. Bei der früheren Mädchenschule Uferstraße ist der Sinn der Institution etwas abstrakter in Kunst umgesetzt worden. Dem Betrachter wird daher etwas mehr Interpretationsfähigkeit abverlangt. Vieles scheint für die Deutung zu sprechen, dass sich die Dame nicht etwa bückt, um das nicht vorhandene Schuhwerk zu schnüren, sondern um sich in eine Startposition zu begeben, aus der heraus es ihr am besten gelingen wird, zu starten. In der Leichtatlethik hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass der Tiefstart unter Zuhilfenahme von Startblöcken bei den Sprintdisziplinen bzw. den Kurzstrecken den optimalen Abstoß gewährt. In der Mädchenschule erhielt man demnach den optimalen Start ins Frauenleben. Dies ist eine etwas zielorientiertere Darstellung als beim Hansa-Kolleg, wo es weniger um das Danach als mehr um das Jetzt zu gehen scheint. Aus heutiger Sicht könnte man annehmen, dass in der Beruflichen Schule der optimale Start ins Berufsleben geboten wird. Die Startform suggeriert dem Betrachter, dass hier eine Kurzstrecken- bzw. Sprintausbildung geboten wird, worüber hier jedoch aus mangelnder Kenntnis der gegenwärtigen Ausbildungsdauer kein Urteil gefällt werden kann.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Geschaffen wurde diese aus Muschelkalk bestehende1 „Starterin” im Übrigen von dem Bildhauer Friedrich Wield (*15. März 1880 Hamburg – †10. Juni 1940 Hamburg), dem ersten Vorsitzenden der 1919 gegründeten Hamburgischen Sezession.

Diese bestand aus 52 Mitgliedern, unter denen sich neben Malern auch Architekten und Bildhauer befanden. Anders als beispielsweise die 1905 in Dresden gegründete „Brücke” oder der 1911 in München gegründete „Blaue Reiter”, hatte die Hamburgische Sezession keine feste Programmatik. Aufgrund der späten Gründung der Hamburgischen Sezession im Vergleich zu ähnlichen Vereinigungen in Deutschland (Münchner Sezession 1892, Wiener Secession 1897, Berliner Secession 1898), war sie nicht mehr von der Kriegsbegeisterung mancher Expressionisten geprägt. Ihre Mitglieder waren bereits von ihr geheilt, sofern sie je von ihr befallen gewesen waren. Nichtsdestotrotz sind viele Werke bis hinein in die zwanziger Jahre noch vom Expressionismus geprägt. Ab der Mitte der zwanziger Jahre hatten die meisten Mitglieder jedoch den nachexpressionistischen Kunststil der Neuen Sachlichkeit für sich entdeckt. Dass auch Architekten Aufnahme in der Hamburgischen Sezession fanden, rückt diese, von ihrem programmatischen Ansatz her, in die Nähe des zeitgleich in Weimar gegründeten „Bauhauses”, war jedoch weniger systematisch als dieses.

Der künstlerische und auch politische Nonkonformismus der Sezessionskünstler, der sich zu Beginn der dreißiger Jahre mitunter in unverholener Kritik an Repräsentanten der Nationalsozialisten äußerte, führte dazu, dass die Frühjahrsausstellung der Hamburgischen Sezession im Jahr 1933 die erste Ausstellung in Deutschland war, die auf Veranlassung der Nazis polizeilich geschlossen wurde (am 30. März). Als Begründung wurde von der Polizeibehörde angeführt, dass:

[...] die Ausstellungsobjekte in ihrer überwältigenden Mehrzahl zur Förderung des Kulturbolschewismus geeignet sind.2

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  1. Sieker, Hugo (Hrsg.): Bildhauer Wield 1880-1940. Hamburg, 1975, S.89. Auf der Abbildung auf Tafel 12 ist die Figur grau. Es scheint daher unsicher, ob es sich bei der heutigen Figur noch um das Original handelt. Die heutige Figur ist weiß. Möglicherweise wurde sie weiß getüncht. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Nachbildung. []
  2. zitiert nach: Weimar, Friederike: Die Hamburgische Sezession 1919-1933. Fischerhude, 2003, S. 58. []

Das Problem, es ist der Stil …

Der Spiegel - Schriftzug am Verlagsgebäude bei Nacht Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 – S.58-62
Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend.
Es soll hier gar nicht am Inhalt Kritik geübt werden. Daran, dass SPIEGEL-Artikel immer seichter und gehaltloser werden, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es muss die Gewohnheit sein, die einen jeden Montag aufs Neue die Dummheit begehen lässt, eine weitere Ausgabe zu kaufen. Nein, eigentlich ist es nur das handliche Format, das unter Wochenzeitungen seit dem Dahinscheiden der „Woche” seinesgleichen sucht (von Focus, Stern u.ä. Schund natürlich abgesehen). Dass nun aber auch der Stil z.T. so schwer verdaulich ist, dass man manche Artikel nur noch etappenweise lesen kann, ist nun doch eine neuerliche Steigerung.
In Ihrem Artikel, Herr Buse, bedienen Sie sich nun eines ganz besondern Stilmittels. Sie wiederholen nämlich in schier inflationärer Weise direkt nach Nennung des Subjekts des Satzes selbiges in Form eines Personalpronomens. Das Beispiel, es wird in diesem Satz zur Anwendung gebracht. Doch um der Authentizität willen, sollen hier sämtliche Originalbeispiele aufgeführt werden, wobei nicht auszuschließen ist, dass das eine oder andere, aufgrund der Menge übersehen wurde:

  1. Die Arbeitslosenquote, sie stand wie einbetoniert …
  2. Das Neue, es war ein simpler Gedanke …
  3. Annelies Strobels Arbeitstag, er beginnt gegen zehn Uhr …
  4. Ihre Rente, sie bleibt mies …
  5. Das Experiment, es hat Bad Schmiedeberg verändert …
  6. Die Arbeitslosenquote, vor Beginn des Experiments in Bad Schmiedeberg lag sie bei 15,9 Prozent, sie liegt jetzt bei 6,3 Prozent …

Was, Herr Buse, bezwecken Sie damit? Wiederholen Sie das Subjekt, weil Sie fürchten, sonst den Faden zu verlieren oder etwa, weil Sie meinen, der Leser könne Ihnen sonst nicht folgen? Oder aber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie das Genus des deutschen Nomens bestimmen können? Oder werden einem solcherlei Seltsamkeiten bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer vermittelt? Das Lesen, es wird jedenfalls so zur Qual. Was würde an der Aussage geändert, wenn man unter Weglassung des Personalpronomens „es” schriebe: „Das Experiment hat B.S. verändert”? Außer natürlich, dass der Satz um einiges leserfreundlicher ist. Ab und an mag dieses Stilmittel namens Prolepse zur Betonung des Subjekts sicherlich nicht ohne Sinn sein, aber doch bitte nicht sage und schreibe sechs Mal in einem Artikel! Der Stil, er erinnert doch sehr an Fernsehkommentatoren zweitklassiger Regionalsendungen, in denen unter – vermutlich unbewusster – Zuhilfenahme dieses Stilmittels kaschiert wird, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. So kennt man Sätze wie: Die Flut, sie steigt … die Sandsäcke, sie werden knapp … die Sendung, sie ist zuende. DER SPIEGEL, er ist immer öfter ungenießbar …

Wer im Glashaus ZAPPt

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007In seiner gestrigen Sendung berichtete ZAPP – das Medienmagazin des NDR-Fernsehens – über die Studie „Journalismus in Deutschland II”, die unter Leitung von Prof. Dr. Siegfried Weischenberg am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg erstellt und in Buchform1 veröffentlicht wurde. Zu den darin zusammengetragenen Erkenntnissen gehöre z.B., dass der deutsche Journalismus an Rechercheschwäche leide und die Recherchezeit dramatisch abgenommen habe. Die Autorin des Beitrags schloss, sichtlich beeindruckt von dieser Erkenntnis, mit der vagen Ermahnung, dass dies besser werden müsse. Bereits zuvor in dieser Sendung hatte Zapp unter der neckisch-ironischen Überschrift „Recherche der Woche” erschrocken festgestellt, dass zum Thema „Schwarze Kassen bei Siemens” doch tatsächlich mehrere deutsche Tageszeitungen gar nicht selbst recherchiert, sondern frech bei Klaus Ott, Redakteur der „Süddeutschen Zeitung”, abgeschrieben hätten. So stellte ZAPP das „Handelsblatt”, den „Tagesspiegel”, die „taz” sowie die „Neue Zürcher Zeitung” an den Pranger.

So weit, so gut. Nach der Mahnung also, dass sich dies bessern müsse, war ZAPP aber noch nicht am Ende angelangt. Nun kündigte die Ableserin einen Beitrag über Betrug mit Immoblilienfonds an, in dem sich „unsere Kollegen von Report Mainz [...] Zeitschriften, die sich ausschließlich mit Geldthemen beschäftigten, unter die Lupe genommen”2 hätten. Namentlich handelte es sich hierbei um den Kollegen Daniel Hechler. Also zur Klarstellung: ZAPP kritisiert, dass zuviel abgeschrieben werde und bringt unmittelbar im Anschluss daran selbst einen Beitrag, der samt und sonders nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist, sondern auf dem des SWR. Wer das für selten dämlich hält, ist sicher nicht allein. Abgesehen davon wurde dieser Beitrag am 12.06.2006 erstausgestrahlt, vor nahezu einem halben Jahr. ZAPP hat also weder selbst recherchiert noch war der Beitrag taufrisch. Meint ZAPP das damit, wenn es über seinen Redaktionsleiter Kuno Haberbusch verbreitet: „keiner ist vor seiner Recherche sicher”? Hat Herr Haberbusch da etwa seine Kontakte in die süddeutsche Heimat spielen lassen und bei alten Kollegen im Schrank mit den fertigen Beiträgen „recherchiert”?

Von alten Kollegen kann da wohl eher nicht die Rede sein, handelt es sich doch durchaus noch um gegenwärtige Kollegen. Schließlich ist Kuno Haberbusch Vorstandsmitglied im Netzwerk Recherche e.V., dessen Vorsitzender ein gewisser Thomas Leif ist. Dieser wiederum ist hauptberuflich beim Südwestrundfunk (SWR) als Chefreporter beim Landessender Mainz tätig, der hinwieder das Fernsehmagazin Report Mainz produziert. In diesem Magazin arbeitet nun Gottlob Schober, der – welch Zufall – Vorstandsmitglied des Netzwerks Recherche ist und somit das erste Scharnier auf dem Weg des Hechler-Beitrags zur Sendung ZAPP. Dann doch wohl eher Netzwerk als Recherche?

Zu der ebenfalls in der gestrigen ZAPP-Sendung vermeldeten Tatsache, dass das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” ganz oben auf der Liste der meistzitierten Medien in Deutschland stehe (nach SZ und vor FAZ nämlich auf Platz zwei), hat ZAPP durchaus selbst beigetragen. Als die Sendung nämlich noch am Sonntagabend ausgestrahlt wurde, schien sie oft nichts weiter als eine Vorabausgabe des „Spiegel” in Fernsehform zu sein. Wenn nicht dazugesagt wurde: „Wie das Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel’ in seiner morgigen Ausgabe berichtet”, dann konnte man den größten Teil der Sendung aber doch am nächsten Tag im „Spiegel” wiederfinden. Von viel eigener Recherche war da mitnichten etwas zu spüren. Dass „Der Spiegel” sich bei „Zapp” bedient hätte (Gedankenspiele sind ja erlaubt, selbst wenn sie noch so abwegig scheinen), ist wohl ausgeschlossen, da „Der Spiegel” bereits am Samstag vorab ausgeliefert wird bzw. als Online-Version zur Verfügung steht, Zapp seine Recherchefrüchte aber eben erst am Sonntagabend unters Volk brachte.

Bei ZAPP sollte man aufpassen, dass man sich nicht auf dem Otto Brenner Preis 2006 ausruht, der dem Magazin unter der Überschrift: „Kritischer Journalismus – Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten” für den Beitrag „Verdeckt, versteckt, verboten – Schleichwerbung in PR und in den Medien” am 8. November in Berlin verliehen wurde. Übrigens landete ZAPP auf dem dritten Platz hinter dem „Tagesspiegel”, den ZAPP des Abschreibens bei der „Süddeutschen Zeitung” bezichtigte.

Damit sich der Bogen zum Kreis schließt, sei abschließend noch folgende Pikanterie vermerkt: In der für die Verleihung des Otto-Brenner-Preises zuständigen Jury sitzt ein alter Bekannter des Chefredakteurs der ausgezeichneten Sendung ZAPP: Thomas Leif. Es ist ein Wesensmerkmal von Netzwerken, dass man sich darin auch ab und an gegenseitig Honig ums Maul schmiert, um so künstliche, scheinbar unabhängige Publicity zu generieren, mit deren Hilfe man sein berufliches Fortkommen auf dubiose Weise befördert. Für wen Herr Leif gestimmt hat, ist aber natürlich geheim. Man könnte die Glaubwürdigkeit einer solchen Preisverleihung im übrigen enorm erhöhen und womöglichen Nepotismus-Vorwürfen den Wind aus den Segeln nehmen, indem man einfach in speziellen Einzelkonstellationen ein Jurymitglied, das in bekanntermaßen enger Beziehung zu einem Preisträgeraspiranten steht, in diesem Fall durch ein von jedem Verdacht freies Vereinsmitglied ausnahmsweise ersetzt.

© Stefan Fix, 2006

  1. Titel: „Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report über die Journalisten in Deutschland”, erschienen bei UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz. []
  2. Zapp-Sendung vom 29.11.2006 []

KDVR jetzt auch Atommacht

KDVR jetzt auch Atommacht - Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.8)

Es stellt sich die Frage, warum sich das Satiremagazin „Eulenspiegel” jedes Jahr aufs Neue die Mühe macht, eine satirische Version von „Neues Deutschland” auf den Markt zu bringen, gibt es doch die realexistierende „Die Rote Fahne”, die öfter erscheint und pro Nummer auch noch günstiger ist. Auch hier erweist sich, wie so oft, dass Realsatire immer noch die beste Satire ist …

Grußbotschaft - Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.6)

Aus: „Die Rote Fahne” (11/2006, S.8)

So wie die Sozialisten in der Traueranzeige für Milosevič Bertolt Brecht für ihre Zwecke vereinnahmen (siehe dort), so tun dies hier nun die Kommunisten mit Schillers Wallenstein in ihrem verbitterten Rückblick auf die Zeit nach dem Zusammenbruch ihres Traumstaates. Was eignet sich auch besser als die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges, um die Zeit nach 1989 einigermaßen angemessen darzustellen? Bezeichnend ist die – immerhin kenntlich gemachte – Auslassung. Schaut man in den Prolog von Wallenstein, woher das Zitat stammt, findet sich an der Stelle der Auslassung u.a.: „Verödet sind die Städte, Magdeburg / Ist Schutt, [...].” Mal ehrlich, liebe „Die Rote Fahne”, erinnert dies nicht an die Zustände, die herrschten, als Euereins an der Macht war? Schillers Verse billig zurechtgestutzt und so hingebogen, dass sie passen. Eine Quellenangabe scheint auch zuviel verlangt. Oder wussten die Blattmacher selbst nicht, woher genau diese Zeilen stammen, weil dies auf dem Blatt vom Abreißkalender nicht dabei stand? Obwohl – Wallenstein war Schullektüre in der DDR …

Lesen Sie hier noch die Solidaritätsadresse an den Genossen Hong sowie spannende Ansichten über Israel und die Wahrheit über das MfS …

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al-Ahram über Nagib Mahfuz – الأهرام عن نجيب محفوظ

Mubarak: „Nagib Mahfuz gehört zu den unsterblichen Symbolen … er hat die Früchte seiner Gaben für Ägypten geerntet.” Der Präsident in öffentlichen Erklärungen an Usama Saraya, Chefredakteur von al-Ahram: „Ägypten wird nicht vergessen, was einer seiner hervorragendsten Söhne dem menschlichen Denken zum Geschenk gemacht hat.”1
al-Ahram über Nagib Mahfuz - الأهرام عن نجيب محفوظÄgypten hat allen Grund, auf diesen großartigen Literaten und wirklich autochtonen Nobelpreisträger stolz zu sein. Bedauerlich ist nur, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der ägyptischen Bevölkerung diesen Mann am liebsten vor seinem natürlichen Tod ins Jenseits befördert hätte. Es sei nur an das von einem Islamisten verübte Attentat auf Mahfuz im Jahr 1994 erinnert. Das gehört leider zu den Wahrheiten, die man im offiziellen Ägypten wohl nicht so gerne hört.

  1. Zitat von der Titelseite der internationalen Ausgabe der ägyptischen Tageszeitung al-Ahram vom 01.09.2006 []

A propos Parallelwelten

Traueranzeige für Slobodan Milosevic aus: junge Welt (18./19. März 2006)

Was die Vereinnahmung Bertolt Brechts durch Sozialisten angeht, soll an dieser Stelle auf folgende Einschätzung Marcel Reich-Ranickis verwiesen werden:

„[…] Bertolt Brechts Anhänger wollten ein Theater, das die kommunistische Gesellschaft ermöglichen sollte. Brecht hingegen wollte die kommunistische Gesellschaft, damit sie sein Theater ermögliche. Ungleich skeptischer, ungleich klüger als viele seiner Schüler und Nachfolger war er sich sehr wohl darüber im Klaren, dass die Politik das Theater verderben könne, doch niemals das Theater die Politik zu verbessern imstande sei. Die von ihm gelegentlich beschworene ‚Versammlung von Weltänderern’ – so stellte er sich 1943 das künftige Theaterpublikum vor – war nichts anderes, als eine Fiktion. Natürlich hat er es gewusst. Indes wollte er sich von ihr auf keinen Fall trennen. Was seine Bewunderer oft für bare Münze nahmen und auch nehmen sollten, war für ihn selber nicht mehr und nicht weniger als ein Hilfsmittel für seine literarische Produktion, als eine generelle Arbeitshypothese.
Nicht deshalb bemühte sich Brecht ein Leben lang um das Theater, weil es ihm um den Klassenkampf ging. Wohl aber beschäftigte er sich immer wieder mit dem Klassenkampf, weil er ihn als Impuls und Thema für sein Werk benötigte.
Nicht der Weltveränderer Brecht brauchte also das Theater und die Dichtung. Wohl aber benötigte der Theatermann, der Dichter Brecht die angestrebte Weltveränderung oder den Marxismus als ideelles Fundament und als Zielvorstellung. […]
Nicht der Dichter, nicht der große Verführer hat sich überlebt, wohl aber der unermüdliche Lehrmeister, der uns den revolutionären Weg zur Erlösung führen wollte oder dies zumindest vorgab. In einem seiner großen Gedichte finden sich die viel zitierten Worte: ‚Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?’. Doch um die eigenen Mahnungen kümmerte sich Brecht selten. Man hat schon oft darauf hingewiesen, aber man muss es dennoch wiederholen: Er, Brecht, der die Sowjetunion besungen und gepriesen und das kapitalistische Amerika verhöhnt und attackiert hat, wollte in den Jahren des Exils um keinen Preis der Welt in der Sowjetunion leben. Er zog – glücklicherweise – die Vereinigten Staaten vor. So warnte er auch vor Gesprächen über Bäume. In seinem Werk jedoch spricht er oft – wiederum glücklicherweise – eben von Bäumen und auch von Blumen, von der Anmut und der Freundlichkeit, vom Reiz des Lebens und von der Liebe.”1
Also, liebe Genossinnen und Genossen des sozialistischen Komitees: Ihr seid nur Handpuppen in einem Brechtschen Drama, es gibt Euch gar nicht wirklich.

  1. Marcel Reich-Ranicki: Texte von und über Bertolt Brecht. Erschienen 1998 bei eastwest records GmbH. []

Geschützt: Erfreulich: Zapp hat Einsehen

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