Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.
Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.
Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.
Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4
- von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW [←]
- im Jahr 2004 [←]
- siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt”. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt”, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik” nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif” von Jörg Jacoby in „konkret”- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret” kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. [←]
- Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. [←]













