Skip to content

Category Archives: Hamburg

Philemon und Baucis

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Diese aufrecht stehende Reliefgrabplatte befindet sich auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf. Sie wurde im Jahr 1938 aus Kalkstein gefertigt. Es handelt sich hierbei um eine Darstellung der durch den römischen Dichter Ovid überlieferten Sage „Philemon und Baucis”.

Darin wird berichtet, dass Jupiter1 und sein Sohn Hermes2 einst in Menschengestalt auf die Erde herabkamen und das auf der gegenüberliegenden Seite der Ägais gelegene Phrygien besuchten3: „Jupiter kam hierher, wie ein Sterblicher, und mit dem Vater / Sein stabtragender Sohn Merkurius, ohne Gefieder.”4

Dort wollten sie die Gastfreundschaft der Bevölkerung auf die Probe stellen, da Jupiter auch Schützer des Gastrechts war und daher auch Jupiter hospitalis (bzw. Zeus Xenios) hieß. Als arme und müde Wanderer verkleidet klopften sie an die Türen jeder kleinen Hütte und jedes großen Hauses, fanden jedoch nirgendwo Einlass: „Tausend Wohungen nahn sie, um Obdach bittend und Ruhe; / Tausend Wohnungen sperret das Schloß”5

Schließlich kamen sie zu einer Hütte, die alle vorherigen an Armseligkeit übertraf und deren Dach lediglich aus Blattwerk bestand. Auf ihr Klopfen hin wurde die Tür jedoch weit geöffnet, und eine fröhliche Stimme bat die beiden Wandersleute herein: „Ein Häuschen empfängt sie, / Zwar sehr klein, mit Halmen gedeckt und Rohre des Sumpfes”6

Zwar mussten sie sich bücken, um die niedrige Tür passieren zu können, doch einmal im Inneren angelangt, fanden sie einen behaglichen und sauberen Raum vor. Ein freundlich dreinblickendes altes Ehepaar hieß die beiden Wanderer willkommen und begann in aller Betriebsamkeit damit, es ihren Gästen so bequem wie möglich zu machen. So stellte der Alte eine Bank an die Feuerstelle und forderte seine Gäste auf, es sich darauf bequem zu machen und die müden Glieder auszustrecken. Zuvor hatte die alte Frau noch eine weiche Decke über die Bank gebreitet. Sie stellte sich den Fremden als Baucis und ihren Mann als Philemon vor: „Aber die redliche Baucis, und gleich an Alter Philemon, / Beide verlebeten dort die blühende Jugend, und beide / Alterten dort allmählich. Die Armut offen bekennend / Machten sie leicht und erträglich mit nicht unwilliger Seele. / Gleichviel, ob du den Herrn dort aufsuchst, oder den Diener: / Zween sind das sämtliche Haus; und dieselbigen tun und befehlen. / Als nun das himmlische Paar sich genaht der ärmlichen Wohnung, / Und die Scheitel gebückt, zur niedrigen Pforte hineinging, / Heißt sie der freundliche Greis ausruhn auf gestelletem Sessel, / Den mit grobem Gewebe die emsige Baucis bedeckte. / Darauf, dem Herde genaht, zerwühlt sie die lauliche Asche, / Weckt das gestrige Feuer, mit Laub und trockener Rinde / Nährend, und bläst aus dem Rauche mit keuchendem Atem die Flammen. / Kleingespaltenes Holz und gedörretes Reis von dem Boden / Trägt sie herab, und zerknickt’s, und legt es dem Kesselchen unter.”7

Während sie einen Kessel mit Wasser über das Feuer hängte, erzählte sie, dass sie mit ihrem Mann seit ihrer Hochzeit in dieser Hütte gelebt habe und sie immer glücklich gewesen seien. Sie seien zwar arm, doch dennoch zufrieden. Gerade als das Wasser zu kochen begann, kam der Alte mit einem Kohlkopf aus dem Garten herein. Zusammen mit einem Stück Schweinefleisch wurde der Kohl nun gekocht: „Auch was der Mann an Gemüs’ im gewässerten Garten gesammelt, / Blättert sie ab. Doch jener mit zweigehörnter Gaffel / Hebt den beräucherten Rücken des Schweins von der rußigen Latte, / Wo er ihn lange gespart, und schneidet ein Stück von der Schulter, / Weniges nur nur, und zähmet den Schnitt in der brausenden Wallung. / Beide verkürzen indes die Zwischenstund’ in Gesprächen, / Daß den Verzug nicht fühlen die Fremdlinge. Nahe dem Herde / Hing die buchene Wann’ am Pflock mit gebogenem Handgriff. / Diese, mit laulichem Wasser gefüllt, empfänget die Glieder / Bähend. Es steht in der Mitte, von fedrigen Kolben des Teichschilfs / Weich ein Lager gestopft, das Gestell und die Füße von Weiden. / Dieses umhüllen sie nun mit Teppichen, die sie gewöhnlich / Nur am festlichen Tag’ ausbreiteten; aber auch diese / Waren schlecht und veraltet, der weidenen Flechte nicht unwert. / Hierauf ruhn die Götter.”8

Währenddessen deckte Baucis mit ihren zitternden alten Händen den Tisch: Geschürzt dann stellet und zitternd / Baucis den Tisch; doch einer der drei Tischfüße war ungleich; / Bald macht gleich ihn die Scherbe: da untergefügt sie den Höcker / Heilete, jetzo reibt den geebneten grünende Minze.”9 Sie brachte Oliven, in Essig eingelegte Kornelkirschen, Radieschen und Käse sowie einige Eier auf den Tisch. Auch Nachtisch wurde bereitgehalten: „Aufgetischt wird dann die gesprenkelte Beere der Pallas. / Auch des Herbstes Kornelle, bewahrt in gekläreter Lake; / Rettich, Endivien auch, und Milch zu Käse gerundet; / Eier zugleich, vorsichtig in warmer Asche gewendet: / Alles auf irdnem Geschirr. Der aus Ton geformte Mischkrug / Prangt nun bunt auf der Tafel, und buchene Becher, mit Zierat / Voll geschnitzt, und die Höhlung mit gelblichem Wachse gefirnißt. / Wenige Frist, da sendet der Herd die dampfenden Speisen. / Wieder enthebt man jetzo die nicht hochaltrigen Weine; / Daß sie, entfernt ein kleines, den Raum nicht engen dem Nachtisch. / Hier ist Nuß, hier Feige, gemischt mit runzligen Datteln, / Pflaumen im kleineren Korb’, im größeren duftende Äpfel, / Und großbeerige Trauben, von Purpurreben gesammelt; / Mitten die weißliche Scheibe des Honiges; aber vor allem / Ladet der heitere Blick, und ein Herz, nicht träge noch kargend.”10

Philemon stellte zwei wacklige Bänke an den Tisch. Kohl und Fleisch waren indes gar und wurden ebenfalls aufgetischt. Nachdem alles bereit war, forderten Philemon und Baucis ihre Gäste auf, es sich schmecken zu lassen. Philemon brachte ihnen überdies noch Becher aus Buchenholz und einen Tonkrug mit Wein, der eher Ähnlichkeit mit Essig hatte und zudem mit Wasser verdünnt war. Doch Philemon war offensichtlich stolz und glücklich, seinen Gästen etwas Derartiges vorsetzen zu können. Er achtete darauf, sofort wenn ein Becher leer wurde, nachzuschenken. In seiner geschäftigen Gastfreundlichkeit fiel dem alten Ehepaar zunächst nicht auf, dass der Weinkrug sich nie leerte. Egal wieviel Philemon nachschenkte, der Krug blieb randvoll. Als sie dessen dann doch gewahr wurden, wechselten sie schreckerfüllte Blicke, senkten sodann aber ihre Augen und beteten leise. Sie hatten erkannt, dass es sich bei ihren Gästen nicht um gewöhnliche Menschen handelte: Beide nun sehn, daß, wie oft sie erschöpfeten, immer der Mischkrug / Wieder von selbst sich füllt, und der Wein freiwillig heranwächst. / Staunend vor Angst und bestürzt, und rückwärts hebend die Hände, / Flehen sie, Baucis zugleich, im Gebet, und der bange Philemon”.11 Weiterlesen ›

  1. griech. Zeus []
  2. griech. Merkur []
  3. das heutige Anatolien []
  4. Ovid: Verwandlungen. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. []
  5. ebd. []
  6. ebd. []
  7. ebd. []
  8. ebd. []
  9. ebd. []
  10. ebd. []
  11. ebd. []

Des Treibens müde

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Diese aufrecht stehende Grabplatte befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. Das darauf dargestellte Motiv des müden Wanderer bzw. Pilgers lässt an Goethes „Wandrers Nachtlied” denken:

Der du von dem Himmel bist / Alles Leid und Schmerzen stillest, / Den, der doppelt elend ist, / Doppelt mit Erquickung füllest, / Ach! ich bin des Treibens müde! / Was soll all der Schmerz und Lust? / Süßer Friede! / Komm, ach komm in meine Brust!1

Auch ein weiteres Nachtlied eines Wanderers von Goethe kommt einem in den Sinn – nämlich „Ein gleiches”, womit ein gleiches bzw. weiteres Nachtlied gemeint ist:

Über allen Gipfeln / ist Ruh’, / In allen Wipfeln / Spürest Du / Kaum einen Hauch; / Die Vögelein schweigen im Walde. / Warte nur! Balde / Ruhest du auch.2

  1. Johann Wolfgang Goethe, Wandrers Nachtlied. In: Deutsche Gedichte. Herausgegeben von Hans-Joachim Simm. Frankfurt a.M. und Leipzig 2001, S. 342. []
  2. Johann Wolfgang Goethe, Ein gleiches. Ebd. []

Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.

Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.

Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.

Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4

Weiterlesen ›

  1. von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW []
  2. im Jahr 2004 []
  3. siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt”. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt”, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik” nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif” von Jörg Jacoby in „konkret”- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret” kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. []
  4. Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. []

In den Startlöchern des Lebens …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich wie bei der 1913 errichteten Hamburger Hochschule für Bildende Künste, ist auch der 1927/28 erbauten Mädchenschule Uferstraße (heute Berufliche Schule Uferstraße) von Künstlerhand eine Art Motto beigegeben. Nur geschah dies hier nicht in Form von Glaskunst, sondern durch die Schaffung einer Skulptur. Anders als etwa beim Hansa-Kolleg, von dem an anderer Stelle noch die Rede sein wird, handelt es sich hier nicht um die bloße Verkörperung dessen, was im Gebäude vor sich geht. Beim Hansa-Kolleg versinnbildlicht dies die Skulptur einer Lesenden recht direkt und nicht überdurchschnittlich originell. Bei der früheren Mädchenschule Uferstraße ist der Sinn der Institution etwas abstrakter in Kunst umgesetzt worden. Dem Betrachter wird daher etwas mehr Interpretationsfähigkeit abverlangt. Vieles scheint für die Deutung zu sprechen, dass sich die Dame nicht etwa bückt, um das nicht vorhandene Schuhwerk zu schnüren, sondern um sich in eine Startposition zu begeben, aus der heraus es ihr am besten gelingen wird, zu starten. In der Leichtatlethik hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass der Tiefstart unter Zuhilfenahme von Startblöcken bei den Sprintdisziplinen bzw. den Kurzstrecken den optimalen Abstoß gewährt. In der Mädchenschule erhielt man demnach den optimalen Start ins Frauenleben. Dies ist eine etwas zielorientiertere Darstellung als beim Hansa-Kolleg, wo es weniger um das Danach als mehr um das Jetzt zu gehen scheint. Aus heutiger Sicht könnte man annehmen, dass in der Beruflichen Schule der optimale Start ins Berufsleben geboten wird. Die Startform suggeriert dem Betrachter, dass hier eine Kurzstrecken- bzw. Sprintausbildung geboten wird, worüber hier jedoch aus mangelnder Kenntnis der gegenwärtigen Ausbildungsdauer kein Urteil gefällt werden kann.
© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Geschaffen wurde diese aus Muschelkalk bestehende1 „Starterin” im Übrigen von dem Bildhauer Friedrich Wield (*15. März 1880 Hamburg – †10. Juni 1940 Hamburg), dem ersten Vorsitzenden der 1919 gegründeten Hamburgischen Sezession.

Diese bestand aus 52 Mitgliedern, unter denen sich neben Malern auch Architekten und Bildhauer befanden. Anders als beispielsweise die 1905 in Dresden gegründete „Brücke” oder der 1911 in München gegründete „Blaue Reiter”, hatte die Hamburgische Sezession keine feste Programmatik. Aufgrund der späten Gründung der Hamburgischen Sezession im Vergleich zu ähnlichen Vereinigungen in Deutschland (Münchner Sezession 1892, Wiener Secession 1897, Berliner Secession 1898), war sie nicht mehr von der Kriegsbegeisterung mancher Expressionisten geprägt. Ihre Mitglieder waren bereits von ihr geheilt, sofern sie je von ihr befallen gewesen waren. Nichtsdestotrotz sind viele Werke bis hinein in die zwanziger Jahre noch vom Expressionismus geprägt. Ab der Mitte der zwanziger Jahre hatten die meisten Mitglieder jedoch den nachexpressionistischen Kunststil der Neuen Sachlichkeit für sich entdeckt. Dass auch Architekten Aufnahme in der Hamburgischen Sezession fanden, rückt diese, von ihrem programmatischen Ansatz her, in die Nähe des zeitgleich in Weimar gegründeten „Bauhauses”, war jedoch weniger systematisch als dieses.

Der künstlerische und auch politische Nonkonformismus der Sezessionskünstler, der sich zu Beginn der dreißiger Jahre mitunter in unverholener Kritik an Repräsentanten der Nationalsozialisten äußerte, führte dazu, dass die Frühjahrsausstellung der Hamburgischen Sezession im Jahr 1933 die erste Ausstellung in Deutschland war, die auf Veranlassung der Nazis polizeilich geschlossen wurde (am 30. März). Als Begründung wurde von der Polizeibehörde angeführt, dass:

[...] die Ausstellungsobjekte in ihrer überwältigenden Mehrzahl zur Förderung des Kulturbolschewismus geeignet sind.2

Weiterlesen ›

  1. Sieker, Hugo (Hrsg.): Bildhauer Wield 1880-1940. Hamburg, 1975, S.89. Auf der Abbildung auf Tafel 12 ist die Figur grau. Es scheint daher unsicher, ob es sich bei der heutigen Figur noch um das Original handelt. Die heutige Figur ist weiß. Möglicherweise wurde sie weiß getüncht. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Nachbildung. []
  2. zitiert nach: Weimar, Friederike: Die Hamburgische Sezession 1919-1933. Fischerhude, 2003, S. 58. []

Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Wir verkünden euch:
Der Sinn der Erde ist der Schönheit sich als Leib zu bünden
Traum des Seins und Traumeslustgebärde selig in des Lichtes Flur zu gründen
Schöpfungsliebesglanz und Morgenfülle blühen Klänge Maasse Formen Lieder
Der Notwendigkeit Demant Gefieder
Aus des Weltengrunds krystallner Stille
zünden sich zu Gleichniss Glanz und Spiegel irdischer Gesichte Allgestalt
und am Gram des Nichts der ewige Riegel
ist der Schönheit heilige Gewalt

Wir entsenden euch:
Der Sinn der Erde soll in euch sich neuer Klarheit zünden
Hehrer Schönheit herrische Gebärde sollt ihr streng der dumpfen Welt verkünden
Denn verheissen ward:
Der Ewigkeiten erster Ring ist feierlich vollendet
wenn dem fernsten Ding und allen Welten ward des Schönen Botschaft zugesendet
Seid ihm Boten!
Traumgeführt umflogen von der Lustgesichte Schwingenschlag
Seid ihm Künder!
Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Männerskulptur am Gebäude der HFBKSo steht es, nicht frei von Umschweife, in den Fenstern des Vestibüls der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) geschrieben. Der Text flankiert links und rechts die Darstellung einer Frau, die wiederum von der Darstellung zweier Männer umgeben ist. Geschaffen wurden die Fenster von dem österreichischen Graphiker und Maler sowie Mitarbeiter der Wiener Werkstätte Carl Otto Czeschka 1913.
Im gleichen Jahr bezog die Hochschule das von Fritz Schumacher entworfene Gebäude. Nachdem die Schule im Krieg zerbombt worden war, wurde sie 1955 vorbildhaft wiederaufgebaut.
Überlebt haben dabei offenbar die jugendstilhaften Darstellungen einer Frau und eines Mannes aus dem Jahr 1912, die im zur Straße hin gelegenen Innenhof einander gegenüber in die Fassade integriert wurden, so dass sie einander anzublicken scheinen. Darüber hinaus befindet sich die Plastik einer Frau im Vorderhof, die von drei Kindern umgeben ist – zwei Mädchen und einem Jungen. Während die Mädchen Schutz bei der Mutter zu suchen scheinen, ist es fast so, als ob der Junge sich schützend vor seine Mutter stellt.
Skulptur einer Frau mit Kindern auf dem Gelände der HFBKSkulptur Kind auf Pferd auf einem Eckpfosten auf dem Geländer der HFBKDesweiteren befindet sich auf einem Eckpfosten einer Seitenmauer eine Plastik, die aus allen vier Perspektiven das Gleiche darstellt, nämlich einen Knaben auf einem Pferd unter einem Dach aus Rosen. Doch damit nicht genug, die zum Eilbekkanal hin gelegene Fassade ist mit drei weiteren Plastiken bestückt. Diese sind ein märchenhaftes, auf allen Vieren kniendes Pferd mit gelockter Mähne und geblähten Nüstern sowie ein ebenfalls auf allen Vieren kniender Widder, der auch märchenhaft überzogen dargestellt ist. Schließlich befindet sich das Relief einer nackten, von Früchten umgebenen Frau an der Fassade.
Gedenktafel für Professor Friedrich AdlerLeider stößt man auch hier wieder auf eine Gedenktafel, auf der man an Naziverbrechen erinnert wird. Die Nazis haben in ihrem menschenverachtenden und völlig hirnlosen Rassenwahn eben auch diese Hochsschule nicht verschont. Das auf der Tafel vermerkte Zitat, das von dem nach Auschwitz verschleppten und dort umgebrachten Professor Friedrich Adler stammt, würde sich im Übrigen, ebenso wie oben zitiertes Gedicht auch hervorragend als Wahlspruch der Hochschule eignen:

unser Leben wäre armselig, wenn uns nicht die Einbildungskraft, die Phantasie eingeboren wäre.

Weiterlesen ›

Friede den Entschlafenen

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Der Sarkophag erinnert an die letzte Phase der Besatzung Hamburgs durch napoleonische Truppen im Winter 1813/14. Tausende Hamburger Bürger, die nicht ausreichend persönlichen Proviant vorweisen konnten, wurden damals von den Besatzern des Stadtgebietes verwiesen. Den Franzosen ging angesichts der Belagerung der Stadt durch die Allierten die Verpflegung der Truppe vor – hungrige Zivilisten hatten da das Nachsehen. Etwa ein knappes halbes Jahr später wurde die Stadt von russischen Truppen befreit, was nicht verhinderte, dass viele der Vertriebenen den Tod fanden. Der Sarkophag befindet sich auf dem Gelände von Planten un Blomen in Hamburg. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet:
FRIEDE DEN ENTSCHLAFENEN
AN DIESER STÆTTE RUHEN DIE GEBEINE VON ELFHUNDERT ACHT UND DREIZIG HAMBURGERN WELCHE MIT VIELEN TAUSENDEN IHRER MITBÜRGER VON DEM FRANZÖSISCHEN MARSCHALL DAVOUST IM HÆRTESTEN WINTER 1813 UND 1814 AUS DEM BELAGERTEN HAMBURG VERTRIEBEN, MIT MENSCHENFREUNDLICHER MILDE IN ALTONA AUFGENOMMEN, VON DESSEN EDLEN EINWOHNERN SOWIE VON IHREN FRÜHER AUSGEWANDERTEN LANDESLEUTEN IN IHREM ELENDE UNTERSTÜTZT UND VERPFLEGT, DEM UNGEACHTET ABER OPFER IHRES KUMMERS UND ANSTECKENDER SEUCHEN WURDEN
IM JAHRE 1841 IST DIESES MONUMENT MIT DEN GEBEINEN VON OTTENSEN HIERHER VERSETZT.
Weiterlesen ›

Wem die Stunde schlägt …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Skulptur an der Fassade des Fleischgroßmarktes Hamburg in der Sternstraße 106, Nähe Sternschanze (Fotomontage)

Nur an das eine dacht’ ich nicht …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Ich dachte hin, ich dachte her, um Glück für dich zu werben,
nur an das eine dacht’ ich nicht, dass du mir könntest sterben.

So lautet die Inschrift auf dem Grabstein von Karabet Tchilinghiryan (1869-1927) und Erna Tchilinghiryan, geb. Petersen (1887-1959).
Die auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf befindliche Marmorskulptur wurde 1927 von Richard Kuöhl geschaffen, auf dessen Konto auch das „Ehrenmal für die Veteranen des 76. Hamburger Infanterieregiments” am Hamburger Stephansplatz geht.
Der in der Familiengrabstätte ebenfalls begrabene Carl Tchilinghiryan – wohl ein Sohn von Karabet Tchilinghiryan – war offenbar Namenspatron der Firma Tchibo. Bei dem Begriff „Tchibo” handelt es sich um ein Akronym, das sich aus den jeweils ersten Silben des (armenischen) Nachnamens Tchilinghiryan und des Substantivs Bohne zusammensetzt.

Literatur:

  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.

Aristide Maillol – Der Fluss

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Die von dem französischen Bildhauer Aristide Maillol im Jahr 1939 geschaffene Plastik befindet sich neben der Hamburger Kunsthalle auf dem Mittelstreifen des Glockengießer Steintors.

Das Problem, es ist der Stil …

Der Spiegel - Schriftzug am Verlagsgebäude bei Nacht Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 – S.58-62
Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend.
Es soll hier gar nicht am Inhalt Kritik geübt werden. Daran, dass SPIEGEL-Artikel immer seichter und gehaltloser werden, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es muss die Gewohnheit sein, die einen jeden Montag aufs Neue die Dummheit begehen lässt, eine weitere Ausgabe zu kaufen. Nein, eigentlich ist es nur das handliche Format, das unter Wochenzeitungen seit dem Dahinscheiden der „Woche” seinesgleichen sucht (von Focus, Stern u.ä. Schund natürlich abgesehen). Dass nun aber auch der Stil z.T. so schwer verdaulich ist, dass man manche Artikel nur noch etappenweise lesen kann, ist nun doch eine neuerliche Steigerung.
In Ihrem Artikel, Herr Buse, bedienen Sie sich nun eines ganz besondern Stilmittels. Sie wiederholen nämlich in schier inflationärer Weise direkt nach Nennung des Subjekts des Satzes selbiges in Form eines Personalpronomens. Das Beispiel, es wird in diesem Satz zur Anwendung gebracht. Doch um der Authentizität willen, sollen hier sämtliche Originalbeispiele aufgeführt werden, wobei nicht auszuschließen ist, dass das eine oder andere, aufgrund der Menge übersehen wurde:

  1. Die Arbeitslosenquote, sie stand wie einbetoniert …
  2. Das Neue, es war ein simpler Gedanke …
  3. Annelies Strobels Arbeitstag, er beginnt gegen zehn Uhr …
  4. Ihre Rente, sie bleibt mies …
  5. Das Experiment, es hat Bad Schmiedeberg verändert …
  6. Die Arbeitslosenquote, vor Beginn des Experiments in Bad Schmiedeberg lag sie bei 15,9 Prozent, sie liegt jetzt bei 6,3 Prozent …

Was, Herr Buse, bezwecken Sie damit? Wiederholen Sie das Subjekt, weil Sie fürchten, sonst den Faden zu verlieren oder etwa, weil Sie meinen, der Leser könne Ihnen sonst nicht folgen? Oder aber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie das Genus des deutschen Nomens bestimmen können? Oder werden einem solcherlei Seltsamkeiten bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer vermittelt? Das Lesen, es wird jedenfalls so zur Qual. Was würde an der Aussage geändert, wenn man unter Weglassung des Personalpronomens „es” schriebe: „Das Experiment hat B.S. verändert”? Außer natürlich, dass der Satz um einiges leserfreundlicher ist. Ab und an mag dieses Stilmittel namens Prolepse zur Betonung des Subjekts sicherlich nicht ohne Sinn sein, aber doch bitte nicht sage und schreibe sechs Mal in einem Artikel! Der Stil, er erinnert doch sehr an Fernsehkommentatoren zweitklassiger Regionalsendungen, in denen unter – vermutlich unbewusster – Zuhilfenahme dieses Stilmittels kaschiert wird, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. So kennt man Sätze wie: Die Flut, sie steigt … die Sandsäcke, sie werden knapp … die Sendung, sie ist zuende. DER SPIEGEL, er ist immer öfter ungenießbar …

Bloggeramt.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de