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Category Archives: Hamburg

Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm

Nun steht „Radio Hamburg” ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der „schönsten Stadt der Welt” nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg” mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht unwesentliche Wissenslücke offenbart.

So geschehen am dritten August dieses Jahres. In Geschäften oder bei der Sendersuche kommt man bisweilen nicht umhin, diesem Sender zu begegnen. Da der dritte August ein Sonntag war, war es also auf der Suche nach einem Sender, als der Auto-Scan innehielt und plötzlich der gute alte „Lotto King Karl” in die heimischen vier Wände hinein tönte. In gewohntem Barmbek-Ba(r)sch-Tonfall moderierte der Musiker auf durchaus nicht unsympathische Weise seine offenbar neue Sendung „Radio Hamburg rockt”, die immer sonntags von 18 bis 20 Uhr ihren Lauf nimmt.
Es muss gegen 19:10 Uhr gewesen sein, als „Lotto” begann, einen Text vorzulesen, in dem auf die Happy Hour in einer Hamburger Cocktail-Bar hingewiesen wurde, denn diese Zeit ist laut Programmschema für „unsere Tipps für Ihre Freizeit” reserviert. Ob es sich hierbei um reine Veranstaltungshinweise handelt oder womöglich um als Veranstaltungshinweise getarnte Werbung, sei dahin gestellt. Nun also O-Ton „Lotto”:

Und wenn ihr euch das lieber ein bisschen gemütlich machen wollt heute Abend, dann geht am besten in die »Turm Bar«.

Bis hierhin ist nichts einzuwenden. Doch jetzt folgte ein Satz, der schon fast wie eine historische Hintergrundinformation anmutet:

Früher floss hier das Wasser, heute sind es Bier und Cocktails.

Bevor „Lotto” nun explizit zur – sicher unbewussten – Umdeutung historischer Fakten anhub, präzisierte er noch die Vorzüge der Bar:

Macht es euch auf den Rattanmöbeln zwischen Palmen gemütlich und noch bis 20:30 Uhr ist Happy Hour, das heißt, alles [sic] Cocktails gibt’s zum halben Preis wie zum Beispiel eine Strawberry Daiquiri für 3,75 Euro.

Abschließend informierte „Lotto” die Hörer, wo genau die Sause steige und versorgte sie dabei zugleich mit einer Desinformation:

Die Bar findet ihr im ehemaligen Wasserturm auf der Moorweide in der Rothenbaumchaussee 2.

Unter dieser Adresse findet sich tatsächlich und bekanntermaßen die „Turm-Bar”. Was also ist nun das Problem? Dieses besteht darin, dass es sich bei dem Gemäuer, in welchem sich diese Bar befindet, mitnichten um einen „ehemaligen Wasserturm”, sondern vielmehr um einen einstigen Luftschutzbunker handelt – ein nicht gänzlich unbedeutender Unterschied immerhin. Wenn also darin Wasser floss, dann vielleicht in Form von Angstschweiß und Tränen, aber gewiss nicht zum Zweck der Wasserbevorratung und Wasserdruckerzeugung. Weiterlesen ›

»einestages« testet Printausgabe

»Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher an einem Magazin wie »Die Zeit – Zeitgeschichte« (meist 4,50 EUR) und sehr populärwissenschaftlichen Magazinen wie »P.M. History« (4,50 EUR) oder »G Geschichte« (4,30 EUR).

Abgesehen davon, dass es angesichts des bestehenden Negativtrends in der Presselandschaft bereits bemerkenswert ist, dass überhaupt noch ein Verlag den Versuch unternimmt, einen neuen Titel am Markt zu platzieren, scheint ein weiterer Punkt fast noch erstaunlicher. Während die meisten heutzutage online präsenten Presseerzeugnisse nämlich zuerst als Printausgabe existierten und sich dann – den Zeichen des Internetzeitalters früher oder später Rechnung tragend – eine Internetpräsenz zulegten, ist bei »einestages« genau das Gegenteil der Fall. Im Oktober 2007 auf den Seiten von »Spiegel-Online« gelauncht, hat »einestages« offenbar eine so große Resonanz bei den Lesern hervorgerufen, dass man nun den Testballon einer Printversion startet.

Ein ähnliches Phänomen ließ sich zuvor schon beim »ebay-Magazin« beobachten, das die Stern-Verlagsgruppe im Jahr 2007 herausbrachte, wenngleich sich die Parallelen zwischen »ebay-Magazin« und der Printversion von »einestages« darin erschöpfen dürften, dass beide aus einem Internet-Projekt hervorgingen. Abgesehen davon ging ja nicht »ebay.de« in Druck, sondern Geschichten und Erlebnisse rund um die Auktionsplattform.

Eine weitere Besonderheit von »einestages« ist, dass es zu einem großen Teil aus »User Generated Content« besteht. Das ist nicht zuletzt wirtschaftlich sehr vorteilhaft für den Verlag. Man lässt einfach die Leser ihre persönliche Geschichte bzw. Erinnerung schreiben, bebildern und sich dann zuschicken. Man selbst überprüft und redigiert sie schließlich »nur« noch, bündelt und präsentiert sie und setzt die Themen. Die Gesamtheit dieser Geschichten solle nicht weniger als ein »kollektives Gedächtnis unserer Geschichte« bilden, so ist bei »einestages« zu lesen. Das klingt nach einem hehren Vorhaben und ist es womöglich auch. Doch auch bei »einestages« ist Werbung geschaltet, wenn auch wenig aufdringlich. Letztlich geht es mit Sicherheit auch darum, Geld zu verdienen, schließlich ist der »Spiegel« kein Verein von Altruisten. Von der Printausgabe wird man sich erhoffen, mit »User Generated Content« Gewinn zu erwirtschaften. Was mit Talkshows seinen unheilvollen Anfang nahm, könnte somit eine glückliche Wende nehmen. Die User steuern ihre Geschichten bei, können sie dann als Leser in einer Printausgabe lesen, ein Pool der Geschichte des Privaten Lebens wird geschaffen, und »Der Spiegel« verdient daran, ohne viel investieren zu müssen. Die Liste der Partner von »einestages« stimmt zudem optimistisch hinsichtlich der Qualität des Inhalts. So finden sich dort u.a. das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die defa-spektrum GmbH, das Deutsche Auswandererhaus sowie der Progress Film-Verleih. Man setzt also nicht allein auf »User Generated Content«, sondern favorisiert eine Mischung.

Bemerkenswert ist, diese Spitze sei erlaubt, dass »Der Spiegel« hier auf das Wissen der Massen vertraut, wo er viele Phänomene des »Web 2.0«, wie z.B. Blogs doch meist äußerst skeptisch kommentiert, belächelt und klein zu reden versucht. Vielleicht muss das Wissen der Massen eben nur von hoch qualifizierten Spiegel-Redakteuren kontrolliert, kanalisiert und veredelt werden sowie dem »Spiegel« zu Profit verhelfen, um als gut befunden zu werden.

Letzten Endes scheint »einestages« ein interessantes und viel versprechendes Projekt zu sein. Ein Projekt zudem, von dem alle profitieren und das es verdiente, in den Zeitschriftenkiosken Fuß zu fassen. Geschichte ist wichtig und ihre Kenntnis noch viel mehr. Und wenn »Der Spiegel« obendrein noch Geld damit verdient, ist das auch nicht von Schaden, es gibt weiß Gott Schlimmeres. Endlich einmal kein weiterer Lifestyle-Magazin-Klon oder Frauen-Magazin-Abklatsch, dafür gönnt man dem »Spiegel« auch ein kleines bisschen Gewinn. Es ist übrigens als gutes Zeichen im Sinne des Kampfes gegen die Verdummung zu werten, dass »einestages« am 5. März den goldenen LeadAward 2008 in der Kategorie »Webmagazin des Jahres« erhielt und nicht irgendein Lifestyle-Webmagazin. Muss es da weiter stutzig machen, dass »Der Spiegel« in der Sponsorenliste des LeadAward auftaucht? Es bleibt abzuwarten, ob der Printausgabe der gleiche Erfolg beschieden sein wird wie der Online-Version.

Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick?

In seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag” vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen:

„Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]”

nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen:

„[...] Silber.”

Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form des Verbs „erschießen” gemeinhin nicht in einer Kette „Dativobjekt-Akkusativobjekt” verwendet wird, sondern lediglich mit einem der Reflexivform innewohnenden Akkusativobjekt. Setzt man nun die feststehende Form „sich erschießen” in Bezug zu einem Dativobjekt und lässt dann ein sich darauf beziehendes Akkusativobjekt folgen, besteht die Gefahr der Missverständlichkeit. Diese Gefahr betrifft wie im oben geschilderten Fall z.B. die dritte Person Singular, da bei dieser die Form des Reflexivpronomens vom Kasus unberührt bleibt. Gleiches trifft aber auch auf die erste, zweite und dritte Person Plural zu:

Ich erschieße mich / mir
Du erschießt dich / dir
Er / sie / es erschießt sich / sich
Wir erschießen uns / uns
Ihr erschießt euch / euch
Sie erschießen sich / sich

Es ist anzunehmen, dass sich eben aufgrund dieser Problematik die Wendung „jmdm. etw. erschießen” nirgendwo lexikalisiert findet. Selbstverständlich steht es jedem frei, Neologismen bzw. Wendungen und Kombinationen in den Sprachschatz einzubringen. Das macht diesen ja unter anderem aus. Wenn man sich Gold erschwimmen und Bronze erlaufen kann, warum sollte man sich nicht auch Silber erschießen können? „Jmdm. etw. erlaufen” ist beispielsweise lexikalisiert, nämlich: „durch Laufen (als Preis) gewinnen: du hast [dir] viele Trophäen erlaufen.”1

Bei solchen Übertragungen anderer unproblematischer Wendungen sollte man jedoch vielleicht darauf Acht geben, dass es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Natürlich erschließt der Kontext alsbald den gewollten Sinn. Dennoch stockt man zunächst. „Sich Silber erschwimmen” ist deshalb unproblematisch, weil „sich erschwimmen” allein nicht lexikalisiert ist, schon gar nicht mit problematischer Bedeutung. „Sich erschießen” hingegen ist eben lexikalisiert.

Was spräche dagegen, in einem missverständlichen Fall herkömmliche Verben wie „erkämpfen”, „erstreiten” „erringen”, „erreichen” oder „erzielen” zu verwenden? Dass man auf „gewinnen” verzichtet, ist dann verständlich, wenn deutlich gemacht werden soll, dass der Sieg weniger auf Glück als vielmehr auf Kampf, Zähigkeit, Fähigkeit, Konzentration, Betablocker – wie offenbar im Fall des nordkoreanischen Sportschützen Kim Jong Su – oder anderweitige Leistung zurückzuführen ist.

Besonders problematisch wird „jmdm. etw. erschießen”, wenn die 3.P.Sg. oder eine der drei Personen Plural im Präteritum verwendet werden – wie im behandelten Beispiel – weil hier die Syntax so geartet ist, dass das Akkusativobjekt erst an letzter Position erscheint und somit Leser bzw. Hörer bis zuletzt im Unklaren lässt bzw. im Glauben, dass sich jemand erschossen habe. Die Formulierung im Perfekt wäre hingegen unproblematisch, weil hier das erklärende Akkusativobjekt vor dem problematischen Verb kommt: „Er hat sich Silber erschossen.” Das Präsens dagegen birgt das gleiche Problem wie das Präteritum: „Er erschießt sich Silber.” Das Plusquamperfekt ist wieder unproblematisch: „Er hatte sich Silber erschossen.” Ebenso unproblematisch sind Futur I und Futur II: „Er wird sich Silber erschießen bzw. erschossen haben.”

Doch Spiegel Online macht den Eindruck, „jmdm. etw. erschießen” zur Gleichberechtigung gegenüber „jmdm. etw. erlaufen” verhelfen zu wollen. So kann man dort z.B. in einem Artikel vom 30.11.2007 über die Biathletin Magdalena Neuner lesen:

Sie [...] düpierte die gesamte Biathlon-Weltspitze, erlief und erschoss sich Gold in den Disziplinen Verfolgung, Sprint und in der Staffel.

Das klingt ja schon fast nach dem „goldenen Schuss”. Im Kampf um die Gleichberechtigung will wohl auch der Hessische Rundfunk nicht hintan stehen und vermeldete gestern:

Der [...] Sportschütze Christian Reitz ist der erste Hesse, der in Peking eine Medaille erobert hat. Am Samstagfrüh [sic] erschoss er sich Bronze.

Weniger missverständlich, da sensibler formuliert, äußert sich die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung „.ch”, wo es in einer Meldung vom 15. August heißt:

Die Bronzemedaille erschoss sich der Russe Bajir Badenow gegen Juan Rene Serrano aus Mexiko [...].

Ein geschickter syntaktischer Schachzug: Man stellt einfach das Akkusativobjekt ganz an den Anfang und kann somit problemlos „jmdm. etw. erschießen” in der 3.P.Sg. und im Präteritum verwenden. Hier wird allerdings „jmdm. etw. erschießen” noch ergänzt, so dass man „jmdm. etw. gegen jmdn. erschießen” erhält.

Ebenfalls sprachlich sensibler als Spiegel Online und der Hessische Rundfunk zeigt sich ausgerechnet der Deutsche Schützenbund, der nämlich in einer Meldung vom 5. Mai dieses Jahres den doppeldeutigen Begriff in Anführungszeichen setzt:

In der Einzelwertung der Junioren war es Florian Hoheisel [...], der sich mit 595 Ring [sic] die Goldmedaille »erschoss«.

Möglicherweise ist man angesichts der jüngsten Amokläufe um seinen Ruf besorgt und will Missverständnisse um jeden Preis vermeiden.

Ein Beispiel, bei dem die Aufklärung wirklich lange auf sich warten lässt, findet sich in den aktuellen Mitteilungen des SSG-Röwekamp, eines Schützenvereins aus dem Landkreis Osnabrück, wo es heißt:

Lisa erschoss sich im Finale mit anschliessendem Stechschuß vom 6. Platz aus gestartet noch die Bronzemedaille.

Spätestens nach dem Stechschuss wähnten die meisten Leser Lisa wohl nicht mehr unter den Lebenden. Ganz davon zu schweigen, dass hier der Gebrauch von Eszett und doppeltem „S” etwas durcheinander geraten ist und auch der Einsatz von Kommas zum Zweck der Gliederung und Verständniserleichterung ein wenig zu kurz gekommen ist.

Abschließend sei festgehalten, dass es nun nicht gerade so ist, dass Spiegel Online dem „Sprachwahrer des Jahres 2004” und Redaktionsmitglied eben dieses Mediums – Bastian Sick – nicht auch mitunter ein Betätigungsfeld böte, auch wenn dieser sicher vor lauter Arbeit bisweilen erschossen ist …2

  1. Quelle: DUW []
  2. „erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kräfte, völlig erschöpft sein)” Quelle: ebd. []

Bunker Von-Sauer-Straße, Ecke Silcherstraße (Hamburg Bahrenfeld)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Von-Sauer-Straße 42 im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Es ist eines der letzten Gebäude vor der A7, wenn man von Osten her kommt bzw. stadtauswärts fährt. Das Beispiel dieses Bunkers zeigt, wie sich mit einfachsten Mitteln das Erscheinungsbild solch grauer Klötze erträglich machen lässt, ohne Geschichte zu verleugnen.
Es handelt sich hierbei um ein denkbar schlichtes Trompe-l’œil, das es weniger darauf anlegt, dem kritischen Blick sein wahres Wesen ernsthaft und lange zu verschleiern als vielmehr darauf, dem schweifenden Blick allzu schmerzhafte Hässlichkeit zu ersparen. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Die rote Farbe gibt der vormals grauen Fassade nicht nur ein wärmeres Aussehen, sondern integriert sie gut in die Reihe der benachbarten, aus rotem Backstein errichteten Häuser. Die angetäuschten Fenster verleihen ihr Offenheit und Helligkeit und sorgen dafür, dass der Klotz weniger monolithisch wirkt. Die zahlreichen runden Lüftungsöffnungen wurden dabei geometrisch gut integriert. Die Details zweier menschlicher Gesichter sowie einer schwarzen Katze, die drei der vermeintlichen Fenster zieren, vermögen gar, etwas Lebendigkeit zu erzeugen. Wie die meisten anderen Hamburger Bunker, wird auch dieser als Werbefläche genutzt. Im Moment sind dies zwei Tafeln mit wechselnder Werbung sowie eine dauerhaft vermietete Fläche. Außerdem befindet sich auf dem Dach des Bunkers ein monströser Sende- oder/und Empfangsmast, der über eine fest installierte Leiter im Hinterhof erreicht werden kann. Die vom Hinterhof zu sehende Fassade ist üppig und flächendeckend begrünt. Ob und wenn ja, wie das Bunkerinnere genutzt wird, ist dem Verfasser nicht bekannt.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles in allem handelt es sich hier um eine simple aber ihren Zweck hervorragend erfüllende Illusionsmalerei. Warum sind dann noch so viele Bunker grau? Die Schrecken des Krieges lassen sich nur bedingt durch die Hässlichkeit unserer Alltagsumgebung begreiflicher machen. Was also spricht dagegen, die Fassaden wenigstens wärmer zu gestalten? Es ist kaum anzunehmen, dass auch nur ein Nazi weniger der Verdummung anheim fällt, wenn Bunkerfassaden grau bleiben. Im Gegenteil. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Graue Bunker dienen Nazis mit Sicherheit eher als gute Vorlage für ihre selbstmitleidige und dreiste These des „Bomben-Holocaust”. Die heutige Hässlichkeit vieler deutscher Städte führen sie nicht etwa auf die Nazis zurück, sondern auf die Alliierten und solche Feindbilder wie den Oberkommandierenden des Bomber Command der Royal Airforce, Arthur Harris, der dann gerne als „Bomber Harris” bezeichnet wird. Doch Harris hatte ja nun nicht so ganz unrecht damit, dass es das Deutsche Reich war, das damit begonnen habe, die Zivilbevölkerung zum Ziel von Terrorangriffen zu machen. Diese Tatsache macht die Flächenbombardements der Alliierten zwar nicht humaner, stellt aber doch massiv das Recht derjenigen Deutschen infrage, welche die alliierten Luftangriffe, aus dem Kontext gelöst, als unmoralisch anprangern ohne eben zu erwähnen, dass es Nazis und nicht Briten waren, die Gernika zu 80 Prozent zerstörten, gezielt auf flüchtende Zivilbevölkerung schossen und somit diese Unmoral im noch jungen Phänomen des Luftkrieges überhaupt erst einführten. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das vorgebliche strategische Ziel hingegen – ein Brücke nämlich – wurde nicht von einer einzigen Bombe getroffen. Auch wird gerne unterschlagen, dass es Nazis waren, die Coventry, Rotterdam, Warschau, London und Belgrad bombardierten.
Inwiefern man angesichts deutscher Vernichtungs- und Konzentrationslager und der darin getöteten mehreren Millionen Menschen ausgerechnet den Alliierten ein unmoralisches Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung vorwerfen kann, ist sowieso fragwürdig. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Alliierten nicht durch gezielte Bombardements der Infrastruktur der Vernichtungslager das industrielle Morden der Nazis hätten aufhalten können. © www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Schließlich war den Alliierten durch die Entschlüsselung von Enigma-Nachrichten seit 1943 bekannt, was in den Todeslagern vor sich ging.
Insbesondere zu den Vernichtungslagern führende Bahnlinien hätten bombardiert werden können. Während eines Treffens mit dem britischen Außenminister Anthony Eden am 6. Juli 1944 schlug Chaim Weizmann als Vertreter der Jewish Agency die Bombardierung der Eisenbahnstrecke Budapest-Auschwitz und der Vernichtungsanlagen innerhalb des Lagers vor. Doch die Alliierten waren der Ansicht, dass ein schneller Sieg über das Dritte Reich die effektivste Hilfe für KZ-Häftlinge sei, weshalb man trotz anfänglicher Aufgeschlossenheit gegenüber einer Bombardierung von KZ-Infrastruktur letztlich davon absah.

Am 1. Mai hat die Post geschlossen

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles fing damit an, dass der NPD-Politiker Thomas Wulff ein Paket zur Post bringen wollte. Offenbar hat niemand seiner zahlreichen Begleiter ihn darauf hingewiesen, dass der 1. Mai ein Feiertag und das Postamt somit geschlossen ist. Man fragt sich, warum er sich zu diesem Zweck auf den über 100 Kilometer langen Weg aus dem mecklenburgischen Ludwigslust nach Hamburg begab. Aber gut, das ist seine Privatangelegenheit. Vielleicht wollte er den Gang zur Post mit einem Besuch bei Freunden in Hamburg verbinden. Vielen Freunden begegnete er dort dem Anschein nach aber nicht. Im Gegenteil. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Hamburgern schien vorab über die Ankunft von Herrn Wulff informiert gewesen zu sein, da sie ihn mit Sprechchören empfing. Niemand aber klärte ihn und seine Reisegefährten darüber auf, dass die Postämter heute geschlossen waren. Stattdessen skandierte man Sätze wie: „Ihr habt den Krieg verlor’n!” Dies ist nun wirklich alles andere als hilfreich für einen Menschen, der auf der Suche nach einem Postamt ist. Man hätte ihn wenigstens darauf hinweisen können, dass es Packstationen gibt, an denen man zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Feiertagen seine Pakete aufgeben kann. So aber irrte Wulff zusammen mit seinen Kameraden stundenlang mit seinem Paket unter dem Arm durch Hamburgs Norden. Die Menge schien ob des Missverständnisses von Wulff höchst erbost. Warum eigentlich? Das kann doch jedem einmal passieren. Angesichts dieser lautstark geäußerten Wut echauffierten sich auch Wulffs Begleiter zunehmend und begannen, Transparente zu entfalten. Langsam drängte sich der Verdacht auf, dass es hier um mehr als nur um das Verschicken eines Pakets ging. Auf den Transparenten nun fanden sich Aussagen wie: „International ist nur das Kapital – Freie Nationalisten Mecklenburg Süd-West”. Aha. Ein weiteres Transparent war beschriftet mit: „Deutsche Intifada”. Passend dazu trug ein anderer Reisegefährte eine Palästina-Flagge. Auch die mittlerweile obligatorische Flagge des Iran ließ man im Maiwind flattern. Ahmadinedschad, der große Freund des jüdischen Volkes, konnte selbst nicht kommen, um für die Tilgung Israels von der Landkarte zu plädieren. Er bereitet womöglich gerade eine Rede zum bevorstehenden 60. Jahrestag der Gründung Israels vor oder inspiziert die Bahnlinie, auf welcher der Mahdi dereinst nach Teheran reisen soll. Die US-amerikanische Flagge reckte man verkehrt herum empor. Also wirklich, die NPD-Anhänger werden immer einfallsreicher und subtiler. Auch die Kameradschaft Northeim hatte ein eigenes Transparent dabei mit einem Bertolt Brecht zugeschriebenen Ausspruch: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!” Der NPD-Kreisverband Kiel-Plön war ebenfalls mit einem Transparent vertreten. Dieses trug die Aufschrift: „Widerstand läßt sich nicht verbieten!” Was sind da schon die Transparente der Gegner: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!” Dort hielt man u.a. auch die Flagge der Sowjetunion empor, die ja nun nicht gerade Sinnbild für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft ist. Die Angelegenheit wurde zunehmend unerquicklich, so dass den NPD-Anhängern der Weg mit Wasserwerfern frei gespritzt wurde, damit sie ihren Weg in Richtung Stadtpark fortsetzen konnten. Dabei verloren sie viele kleine Zettelchen, auf denen die freundliche Einladung: „komm & mach mit bei den autonomen nationalisten!” zu lesen war, inklusive Deppenapostroph bei „Info’s unter http://www…”. Also wirklich, diese Nazi’s aber auch! Später dann waren die NPD-Anhänger mehrere Stunden in der Straße „Alte Wöhr” eingekesselt.

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Irgendwann ging völlig überflüssigerweise ein Polizeiauto in Flammen auf, später dann sechs Privatfahrzeuge. Neben diesen Fahrzeugen lagen CDs mit Titeln wie „RMK Waffen SS”. Ein Fahrzeug aus Hessen hatte rein zufällig die „1488” als Bestandteil des Kennzeichens. Natürlich stand die „14” nicht für die „Fourteen Words” des US-amerikanischen Neonazis David Lane, die da besagen: „We must secure the existence of our people and a future for White children.” Ebenso wenig stand die „88” im Kennzeichen für den achten Buchstaben im Alphabet, sodass „HH” also „Heil Hitler” gemeint ist. Das zusätzliche „N” im Kennzeichen sollte höchstwahrscheinlich auch nicht für „national” stehen. Das ist den hessischen Touristen bisher womöglich noch gar nicht aufgefallen. Möglicherweise war diese Kombination ja tatsächlich der blanke Zufall, und die Fahrzeugbesitzer sonnten sich gerade im Stadtpark, ohne etwas mit der Demonstration zu tun zu haben. Vielleicht aber auch nicht. Ungeachtet dessen ist solcher Vandalismus natürlich nicht gerechtfertigt und trägt alles andere als dazu bei, etwas in den Köpfen von Rechtsradikalen zu verändern. Nachdem die NPD nach vielen Stunden noch immer kein Postamt gefunden hatte, wo man Wulffs Paket hätte aufgeben können, beschimpfte man kurz vor der Heimfahrt den Hamburger Senat als „schwule Regierung”, als ob er für die Öffnungszeiten von Postämtern zuständig sei. Hätte die NPD Wulffs Paket doch einfach morgen in Ludwigslust zur Post gebracht. All das hätte vermieden werden können!

Stell Dir vor, es läuft Zapp, und keiner schaut zu …

Es bedarf wahrlich keiner besonders regen Phantasie mehr, um sich oben genanntes Horrorszenario vor Augen zu führen. Trotzdem nämlich Zapp, das Medienmagazin des NDR, seiner eigenen anzunehmenden Perzeption zufolge ein wahres Feuerwerk an „Enthüllungen” zündete, halbierte sich die Zuschauerzahl innerhalb nur eines halben Jahres von 120.000 auf 60.000, was einem Marktanteil von 2,1 Prozent entspricht (siehe Grafik). Wie lässt sich dieser massive Zuschauerschwund erklären?

Sicher ist der späte Sendeplatz nicht gerade von Vorteil, doch vor einem halben Jahr wurde Zapp auch erst um 23 Uhr ausgestrahlt. Was also dann? Wissen die dumpfen Zuschauer einfach nicht die brillante Arbeit und die lupenreine Recherche der Zapp-Redaktion zu schätzen? Wirft Kuno Haberbusch, der Chefredakteur von Zapp, also etwa mit seinen „Enthüllungen” Perlen vor die Säue? Womöglich ist auch dies Teil einer Erklärung. Der typische NDR-Zuschauer sieht vielleicht viel lieber „Großstadtrevier”, „Bingo!”, Übertragungen aus dem „Ohnsorg Theater”, Naturfilme, Sport und Regionales und weiß den romantischen Abenteuerjournalismus einfach nicht zu würdigen. Zapp läuft eben nicht, wie Panorama, im Ersten, auch wenn man mit Biegen und Brechen zu versuchen scheint, Zapp zu einer Art Panorama zu machen.

Kuno Haberbusch ist eben offenbar ein Rechercheur mit Leib und Seele. Wäre er von Panorama nicht zu Zapp versetzt worden bzw. gewechselt, sondern in die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause”1, dann würde er vermutlich auch dort noch mit einer Art Kommissar Rex, der Katze Cindy nachrecherchieren und enthüllen, dass sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen Aufnahme im Tierheim gefunden habe und somit den Steuerzahler jährlich um Hunderte von Euro betrüge. Außerdem würde eine Vielzahl von Katzen (nur die mit schwarzem Fell, keine mit grauem und schon gar keine mit weißem Fell) aufgeboten, die bezeugen könnten, dass Cindy alles nur erlogen habe, um für sich einen Opferstatus zu reklamieren. Fabeln waren schon immer dazu geeignet, schlichten Gemütern grundlegende Wahrheiten nahe zu bringen. Dann müsste es bei den sicherlich äußerst elaborierten Gemütern der Zapp-Mitarbeiter eigentlich erst recht funktionieren.

Angesichts des Quotentiefs muss Zapp wohl tapfer sein und sich damit abfinden, dass wahre Künstler oft erst posthum in den Genuss von Ruhm kommen. Die Instanz aber, die für Zapp zählt, ist offenbar sowieso weniger der Zuschauer, als vielmehr die Lorbeeren, wie z.B. der Bert-Donnepp-Preis. Also, selbst wenn eines nicht allzu fernen Tages nur noch die Anverwandten und Freunde der Zapp-Mitarbeiter Zapp schauen, ist der Preis wohl Beweis genug dafür, dass Zapp alles richtig macht.
Wenn jemand einen Fehler macht, dann ist es der Zuschauer, nämlich wenn er Zapp nicht einschaltet. Bereits jetzt sendet Zapp nur für eine Zuschauergemeinde, die in etwa den addierten Einwohnerzahlen von Buxtehude und Husum entspricht. Für einen Sender, dessen Sendegebiet etwa 14 Millionen Einwohner bevölkern, ist das eine recht geringe Reichweite, auch wenn man sie in Relation zu Sendeplatz und für sich selbst reklamierten Anspruch setzt. Aber ein bisschen Dekadenz wird ja wohl noch erlaubt sein?! Weiterlesen ›

  1. WDR []

Orpheus und Eurydike

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Diese Bronzeplastik befindet sich in Hamburg am westlichen Alsterufer und wurde 1958 von Ursula Querner1 geschaffen. Der Titel lautet „Orpheus und Eurydike”. Dargestellt ist zur Rechten Orpheus mit der Lyra (Leier), die er von Apollon, seinem Vater, dem Gott der Künste geschenkt bekam. Links steht die betört wirkende thrakische Baumnymphe Eurydike, die spätere Frau des Orpheus.

Der uns durch Ovid in seinen Metamorphosen überlieferten Sage zufolge sei Orpheus der beste Sänger unter den Sterblichen gewesen. Wilde Tiere seien von seinem Gesang zahm geworden und hätten sich friedlich um Orpheus geschart. Pflanzen und sogar Steine seien von seinem Gesang erweicht worden. Die Argonauten schließlich hätten Orpheus mit auf ihre Kriegszüge genommen, weil er mit seinem Gesang zum einen die Kampfmoral der eigenen Leute stärkte und zum anderen, weil er sowohl die Wut des Meeres als auch die Macht der Feinde mit dem Zauber seines Gesangs und seiner Lyra zu besänftigen bzw. bezwingen vermochte. Darüber hinaus erwies sich der Gesang des Orpheus als so mächtig, dass er es sogar schaffte, den betörenden und fatalen Gesang der Sirenen zu übertönen, womit er die Argonauten vor dem sicheren Tod bewahrte.

Doch alle Sangeskunst konnte am Ende doch nicht verhindern, dass Orpheus in sein Unglück rannte. Das Unheil nahm kurz nach seiner Vermählung mit Eurydike seinen Lauf, als diese nämlich durch einen Schlangenbiss starb: „Ach, und starb, an der Ferse verletzt von dem Bisse der Natter.”2 Darüber, wie es genau dazu kam, finden sich in den verschiedenen späteren Übertragungen voneinander abweichende Varianten bzw. Ausschmückungen. In den einen heißt es z.B., Eurydike sei im Anschluss an die Hochzeit mit den Brautjungfern auf einer Wiese spazieren gewesen, als die Schlange sie biss. Einer anderen Fassung zufolge habe es sich so verhalten, dass Eurydike nach der Hochzeit zusammen mit anderen Nymphen spazieren gegangen und dabei von Aristaios gesehen worden sei, der so von ihrer Schönheit verzaubert gewesen sei, dass er ihr nachgestiegen sei und sie bedrängt habe, woraufhin sie die Flucht ergriffen habe und dabei von der Schlange gebissen worden sei. Bei Ovid ist von Aristaios jedoch keine Rede. Dort heißt es dazu schlicht: „Durch die Gefilde / Schweifte die jüngst Vermählte, vom Schwarm der Najaden begeleitet, / Ach und starb, an der Ferse verletzt von dem Bisse der Natter.”3 Was auch immer dem Biss vorausging bzw. dazu führte, darin, dass Eurydike daran verstarb, sind sich die Übertragungen wieder einig.

Voller Trauer klagte Orpheus daraufhin singenderweise den Göttern und Menschen sein Leid. Doch vergebens, Eurydike wurde ihm nicht zurückgegeben. Also beschloss er, in die Unterwelt hinabzusteigen, um dort – ganz auf seine Sangeskunst vertrauend – das Herz des Hades4 zu erweichen und seine Geliebte zurückzugewinnen: „Als zum Himmel empor der rhodopeïsche Sänger / Lange die Gattin beweint, jetzt auch zu versuchen die Schatten, / Wagt er hinab zur Styx durch des Tänarus Pforte zu steigen. Und durch lustige Scharen bestatteter Totengebilde / Naht er Persephonen nun, und des anmutlosen Bezirkes / Könige drunten in Nacht”5 Weiterlesen ›

  1. *10.05.1921 in Dresden – †23.06.1969 in Hamburg []
  2. Ovid: Verwandlungen. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. []
  3. ebd. []
  4. röm. Pluto []
  5. Ovid: Verwandlungen. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. []

Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) – „Jedem das Seine”

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt” wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche” darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft” des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.”

Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.

Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob [...] los.”1. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer” seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen”. Dies habe sich immer noch nicht richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt” folgenden Satz: „Jedem das seine”. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Sendung vom 06.02.2008 []

Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp” des NDR scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.

In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche”1, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch”, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz” (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen – gewohnt unbescheidenen – Auffassung zufolge, vor fast genau einem Jahr „enthüllt”, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge”2 – da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich die Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!

Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen3.

Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars” berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung. []
  2. Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war. []
  3. 1. Wer im Glashaus ZAPPt2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) – 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) []

Luther und die Reformation

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Anlässlich des heutigen Reformationstages soll an dieser Stelle ein Aphorismus des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner zitiert werden:

„Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch, am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.”1

Wenn das keine Gründe zum Feiern sind …
Die abgebildete, den Reformator Martin Luther darstellende Plastik stammt von Otto Lessing2. Sie befindet sich auf der nördlichen Seite der Hauptkirche St. Michaelis bzw. – mit anderen Worten – auf der vom Haupteingang aus gesehen linken Gebäudeseite. Lessing schuf die Plastik 1912 – in seinem letzten Lebensjahr. Den Guss besorgte die „Aktien-Gesellschaft Gladenbeck” aus Berlin Friedrichshagen.
Als Urgroßneffe Gotthold Ephraim Lessings bot es sich natürlich an, dass man Otto Lessing seinem Urgroßonkel ein Denkmal setzen ließ, insbesondere, da ein weiterer Verwandter Lessings dem Komittee vorstand, das 1886 einen Wettbewerb für ein Lessing-Denkmal ausgerufen hatte. Von 1887-90 schuf Otto Lessing eine Marmorskulptur des großen Dichters und dazu zwei allegorische Figuren aus Bronze: einmal den Genius der Humanität und zum anderen die Allegorie der Kritik. Das Denkmal wurde 1890 im Großen Tiergarten in Berlin eingeweiht, wo es heute noch steht. Viele der von Otto Lessing geschaffenen Plastiken und Skulpturen sind während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, so Bauplastiken am zweiten Gewandhaus in Leipzig oder Reliefs am Berliner Stadtschloss sowie der Rolandbrunnen in Berlin-Tiergarten. Ein von ihm geschaffenes Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I., wurde zudem eingeschmolzen. Eine weitere Figur Martin Luthers sowie auch eine Philipp Melanchtons hatte Lessing in den 1890er Jahren für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geschaffen, wo sie bei einem Luftangriff zerstört wurden.

  1. Deschner, Karlheinz: Ärgernisse – Aphorismen. Reinbek, 1994, S. 74. []
  2. *1846 †1912 []

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