<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>L’esprit d’escalier &#187; Denkmale</title>
	<atom:link href="http://espritdescalier.de/blog/category/denkmale/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://espritdescalier.de/blog</link>
	<description>Thinker’s Digest</description>
	<lastBuildDate>Sun, 11 Apr 2010 18:11:50 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Dec 2007 15:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant-den-ort-zu-finden-und-die-formel/</guid>
		<description><![CDATA[Wie soll das Denkmal für einen Dichter aussehen, der im Alter von nur achtzehn Jahren die Poesie verwarf und ihr den Rücken kehrte? Für einen Dichter, von dem Stefan Zweig sagte: „Sein Atem ging so heiß, daß das Wachs unter seinen Händen schmolz, statt sich der Form anzupassen. Die Literatur, die Kunst waren zu schwach, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-1-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1563" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-1-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="183" /></a><span class="initial">W</span>ie soll das Denkmal für einen Dichter aussehen, der im Alter von nur achtzehn Jahren die Poesie verwarf und ihr den Rücken kehrte? Für einen Dichter, von dem Stefan Zweig sagte: „Sein Atem ging so heiß, daß das Wachs unter seinen Händen schmolz, statt sich der Form anzupassen. Die Literatur, die Kunst waren zu schwach, um das Unaussprechliche ganz sagen zu lassen. Und so warf er sie weg, mit achtzehn Jahren.&#8221; &#8211; „Die Poesie war ihm nichts; nur irgendein Befreiungsversuch, ein Ventil für die drängend-überschüssige Vitaltät; nur ein Versuch unter anderen, und der erste Versuch.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_0_254" id="identifier_0_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. &Uuml;bertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Leipzig, 1921, S. 18 u. 8.">1</a></sup> Wie also soll ein Denkmal aussehen für Arthur Rimbaud, der alle in seinem Besitz befindlichen Manuskripte seiner Dichtung auf einem Scheiterhaufen verbrannte, dessen Dichtung nur durch die posthume Initiative einstiger Freunde einer großen Öffentlichkeit bekannt wurden? Mit Sicherheit wäre ein auf einem Sockel stehender Mann mit zusammengerolltem Pergament oder einer Feder in der Hand sowie mit ins Gesicht modellierter demonstrativer Weitsicht dem rastlosen und getriebenen Rimbaud überhaupt nicht gerecht geworden. Eine Antwort auf die Frage, wie nun solch ein Denkmal aussehen könnte, findet sich im vierten Pariser Arrondissement im Quartier de l&#8217;Arsenal<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_1_254" id="identifier_1_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In diesem Viertel befand sich, wie der Name erahnen l&auml;sst, urspr&uuml;nglich das k&ouml;nigliche Waffen- und Munitionslager.">2</a></sup> auf der Place du Père-Teilhard-de-Chardin, schräg gegenüber dem Pavillon de l&#8217;Arsenal. Die dortige Plastik ist das Ergebnis der Auseinandersetzung des französischen Bildhauers Jean Ipoustéguy<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_2_254" id="identifier_2_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1920 &dagger;2006">3</a></sup> mit der Person und dem Werk Arthur Rimbauds. Nachdem die Stadt Paris Ipoustéguy mit der Schaffung eines Denkmals für Rimbaud beauftragt hatte, entwarf dieser Ende des Jahres 1983 zunächst eine Kleinplastik mit dem Arbeitstitel „Maquette Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_3_254" id="identifier_3_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Modell Rimbaud">4</a></sup> aus Gips und Pappe<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_4_254" id="identifier_4_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="30cm hoch und 50cm breit">5</a></sup>, auf die noch im gleichen Jahr die Kleinbronze mit dem Titel „Esquisse Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_5_254" id="identifier_5_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Entwurf Rimbaud, 29,5cm hoch, 49cm lang und 29cm breit">6</a></sup> hervorging. Ebenfalls Ende 1983 fertigte Ipoustéguy <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-rear-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1567" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-rear-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="160" /></a>eine Portätstudie mit dem Titel „Etude visage Rimbaud&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_6_254" id="identifier_6_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Studie &bdquo;Gesicht Rimbaud&amp;#8221;">7</a></sup> an. Aus diesen Vorarbeiten ging zu Beginn des Jahres 1984 die Großplastik hervor, die schließlich 1985 bei Blanchet in Paris gegossen wurde.<br />
Die Bronzeplastik ist 2,2m hoch, 4,6m lang sowie 1,8m breit<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_7_254" id="identifier_7_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lipp, Michael: Jean Ipoust&eacute;guy &amp;#8211; Das plastische Werk 1940-1992, S.537.">8</a></sup> und trägt den Titel: „L&#8217;homme aux semelles devant&#8221;, was zu übersetzen ist mit: „Der Mann mit den Sohlen voran&#8221; oder „Der Mann mit den Sohlen voraus&#8221;. Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die Bezeichnung, mit der Verlaine seinen Geliebten tituliert haben soll, nämlich: „L&#8217;homme aux semelles de vent&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_8_254" id="identifier_8_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&amp;#8220;Comme on sait, Rimbaud a &eacute;t&eacute; surnomm&eacute; &laquo; l&amp;#8217;homme aux semelles de vent &raquo;.&amp;#8221; Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXII.">9</a></sup>, was zu übersetzen ist mit: „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221; oder „Der Mann mit den Windsohlen&#8221; bzw. „Der Mann mit den vom Wind beflügelten Sohlen&#8221;.<br />
Offenbar scheinen einzelne Personen das Wesen einer Hommage nicht erfasst zu haben, wenn sie den Titel der Plastik für fehlerhaft befinden. Solche Zeitgenossen fühlen sich dann bemüßigt, der Welt mittels weißem Korrekturstift die vermeintlich korrekte Version mitteilen zu müssen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_9_254" id="identifier_9_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Abbildung">10</a></sup>. Offensichtlich halten diese Personen es tatsächlich für möglich, dass der Schöpfer der Plastik, der sich ja, wie noch zu sehen sein wird, intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben muss, ausgerechnet im Titel seines Werkes einen Verständnisfehler und einen daraus resultierenden Setzfehler leistet, der dann auch jahrzehntelang von offizieller Seite in Paris geduldet wird. Nicht in den Sinn kam den Korrektoren wohl, dass es sich hierbei um eine gewollte Modifikation handelt, eine Weiterentwicklung und Überspitzung, ein Wortspiel &#8211; eben eine Hommage. Beim Anblick der Plastik fällt zunächst die Zweiteilung von Rimbauds <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/devant-de-vent-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1575" title="Inschrift am Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/devant-de-vent-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="151" /></a>Körper ins Auge. Mit dieser irritierenden Darstellung gelang Ipoustéguy eine markante Symbolisierung der Zerissenheit Rimbauds, seines ungestümen Wesens, seiner Rastlosigkeit und seines Getriebenseins. Und was liegt näher, als Symbolik zur Würdigung eines der Begründer des literarischen Symbolismus zu verwenden? Betrachtet man zudem die Etymologie des Wortes <em>Symbol</em>, erscheint die Verwendung dieses Stilmittels noch passender. Das griechische Ursprungswort sýmbolon (σύμβολον) mit der Bedeutung „Merkmal, Kenn-, Wahrzeichen&#8221; ist eine Bildung aus symbállein (συμβάλλειν), was „zusammenwerfen, -legen, -fügen&#8221; bedeutet. Sýmbolon war ursprünglich ein zwischen verschiedenen Personen vereinbartes Erkennungszeichen. Dabei handelte es sich um zerbrochene Ringe, Scherben und dergleichen. Durch die Passgenauigkeit der einzelnen Anfügestücke erkannten sich deren Besitzer wieder. Die Scherben verkörperten also die Zusammengehörigkeit. Deutlicher wird die Versinnbildlichung der Scherbenhälften daran, dass Freunde im antiken Griechenland bevor sie sich für längere Zeit trennten, ihre Namen in eine Scherbe ritzten und diese dann zerbrachen. Jeder trug eine Hälfte dann bei sich. Ein Symbol hat somit einen Hinweischarakter und weist über sich selbst hinaus. Die beiden Scherben sind zum einen natürlich nur Scherben, weisen jedoch über ihre Stofflichkeit bzw. ihr vordergründiges Erscheinungsbild hinaus aber „symbolisch&#8221; auf Freundschaft bzw. auch auf Trennung und Sehnsucht hin. Somit kann mittels des Symbols auf einfachste und abstrakte Weise ein komplexer Zustand auf den Punkt gebracht werden, der sonst eines längeren Textes oder einer expliziten Darstellung bedürfte, wenn er denn überhaupt so ohne weiteres realitätsnah darstellbar wäre. Derartig kann auf eine schwer zugängliche, verborgene und tiefer liegende Wirklichkeit verwiesen werden. So gesehen hat Ipoustéguy durch den Bruch von Rimbauds Körper ein <a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1579" title="Denkmal für Arthur Rimbaud von Jean Ipoustéguy in Paris" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/rimbaud-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="156" /></a>Symbol geschaffen, bei dem im ursprünglichen Sinn die Beine das Anfügestück zum Oberkörper darstellen. Fügte man Ober- und Unterkörper wieder zusammen, hätte man Rimbaud in seinem äußeren Zustand. Doch der Bruch des Körpers veranschaulicht hier seinen inneren Zustand und den daraus folgenden Lebenswandel, der ohne Symbolik ja gar nicht in statischer bildlicher Form darstellbar wäre. Ipoustéguy hat damit sowohl im ursprünglichen Sinn ein Symbolon als auch in der heutigen Bedeutung ein Symbol geschaffen.<span id="more-254"></span>Rimbaud scheint in einer wellenartigen Luftströmung zu schweben, die ihn zwar mit sich trägt, ihn jedoch zugleich völlig unberührt zu lassen scheint. Rimbauds Kopf ruht auf der Handfläche des linken angewinkelten Armes, der sich wiederum auf seiner rechten Ferse abstützt, der Ferse des Beins also, das ihm am 25. Mai 1891 im Alter von 37 Jahren aufgrund einer Knochenkrebserkrankung amputiert wurde, an der er ein halbes Jahr später sterben sollte. Es ist daher wohl nicht als Zufall zu betrachten, dass Ipoustéguy Rimbauds Arm auf dessen rechter Ferse positioniert, die somit auch als Rimbauds Achillesferse verstanden werden könnte, zudem es bei Achilleus auch die rechte Ferse war, die vom Wasser des Styx unbenetzt geblieben war und daher als einzige Stelle verletzlich blieb.<br />
Das Aufstützen des Kopfes bei liegender Körperhaltung evoziert beim Betrachter den Eindruck des Zustands der Langeweile. Unter ebendiesem Zustand litt Rimbaud zeitlebens und klagte immer wieder darüber, so auch im Alter von 16 Jahren in einem Brief vom 25. August 1870 an seinen früheren Rhetoriklehrer Georges Izambard noch aus seinem ardennischen Geburtsort Charleville, kurz bevor er das erste von drei Malen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_10_254" id="identifier_10_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="am 31. August 1870, also einen Tag vor der entscheidenden Niederlage des franz&ouml;sischen Kaiserreichs in Sedan">11</a></sup> nach Paris floh:</p>
<p>&#8220;Monsieur, Vous êtes hereux, vous, de ne plus habiter Charleville ! &#8211; Ma ville natale est supérieurement idiote entre les petites villes de province. Sur cela, voyez-vous, je n&#8217;ai plus d&#8217;illusions. [...] Je suis dépaysé, malade, furieux, bête, renversé ; j&#8217;espérais des bains de soleil, des promenades infinies, du repos, des voyages, des aventures, des bohémienneries enfin ; j&#8217;espérais surtout des journaux, des livres&#8230; Rien ! Rien ! Le courier n&#8217;envoie plus rien aux libraires ; Paris se moque de nous joliment : pas un seul livre nouveau ! c&#8217;est la mort ! Me voilà réduit, en fait de journaux, à l&#8217;honorable <em>Courrier des Ardennes,</em> &#8211; propriétaire, gérant, directeur, rédacteur en chef et rédacteurunique : A. Pouillard ! Ce journal résume les aspirations, les vœux et les opinions de la population : ainsi jugez ! c&#8217;est du propre !&#8230; On est exilé dans sa patrie !!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_11_254" id="identifier_11_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S. 219 f.">12</a></sup></p>
<p>„Mein Herr, Sie haben Glück, Sie, daß Sie nicht mehr in Charleville sind! Meine Geburtsstadt ist den andern kleinen Provinzstädten an Idiotie klar überlegen. Darüber, sehen Sie, habe ich keine Illusionen mehr. [...] Ich bin ausgestoßen, krank, wütend, blöd, niedergeschlagen; ich hoffte auf Sonnenbäder, auf endlose Wanderungen, auf Ruhe, Reisen Abenteuer, auf Zigeunereien also; vor allem hoffte ich auf Zeitungen, auf Bücher &#8230; Nichts! Nichts! Die Post bringt den Buchhändlern nichts mehr; Paris macht sich munter über uns lustig; nicht ein einziges neues Buch! Es ist zum Sterben! Hinsichtlich der Zeitungen bin ich auf den ehrenwerten <em>Courrier des Ardennes</em> beschränkt, &#8211; Eigentümer, Geschäftsführer, Direktor, Chefredakteur und einziger Mitarbeiter: A. Pouillard! Dieses Blatt gibt die Bestrebungen, Wünsche und Meinungen der Bevölkerung wieder: danach urteilen Sie! Ein schöner Dreck! &#8230; Mitten in seinem Vaterland lebt man in der Verbannung!!!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_12_254" id="identifier_12_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.9f.">13</a></sup></p>
<p>Man darf hierbei natürlich nicht übersehen, dass im gerade einmal 25 km entfernten Sedan zu diesem Zeitpunkt der Preußisch-Französische Krieg gefochten wurde, worin sicher das Hauptproblem für Lieferengpässe auf dem Buchsektor zu sehen ist. Außerdem wird die Anwesenheit preußischer Soldaten und denjenigen mit Preußen verbündeter Mächte in der Region zu Rimbauds Gefühl beigetragen haben, ein Fremder im eigenen Land zu sein<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_13_254" id="identifier_13_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Am 1. Januar 1871 wurde Charleville selbst zudem von den Preu&szlig;en besetzt.">14</a></sup>. Trotzdem wird deutlich, dass Rimbaud auch in Friedenszeiten in der Provinz geistig zu verdursten drohte. Am 2. November 1870 klagte Rimbaud abermals sein Leid in einem Brief an Izambard:</p>
<p>&#8220;Je meurs, je me décompose dans la platitude, dans la mauvaiseté, dans la grisaille. Que voulez-vous, je m&#8217;entête affreusement à adorer la liberté libre [sic!], et&#8230; un tas de choses que « ça fait pitié », n&#8217;est-ce pas ? &#8211; Je devais repartir aujourd&#8217;hui même ; je le pouvais : j&#8217;étais vêtu de neuf, j&#8217;aurais vendu ma montre, et vive la liberté! &#8211; Donc je suis resté ! Je suis resté! &#8211; et je voudrai repartir encore bien des fois. &#8211; Allons, chapeau, capote, les deux poings dans les poches, et sortons !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_14_254" id="identifier_14_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S. 222">15</a></sup></p>
<p>„Aber ich sterbe, ich löse mich fast auf in diesem Grau in Grau aus Stumpfsinn und Bosheit hier. Was wollen Sie machen, ich habe mir nun mal so schrecklich unbedingt in den Kopf gesetzt, die freie [sic!] Freiheit anzubeten und &#8230; überhaupt viele Dinge, die <em>›bemitleidenswert‹</em> sind, nicht wahr? Noch heute sollte ich wieder abrücken, und ich könnte es: ich bin neu eingekleidet, meine Uhr hätte ich verkauft &#8211; siehe da: es lebe die Freiheit! &#8211; Aber ich bin geblieben! ich bin geblieben! &#8211; und denke doch an nichts anderes als davonzulaufen. &#8211; Hut auf, den Mantel vom Haken, Fäuste in die Taschen, und fort.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_15_254" id="identifier_15_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.391">16</a></sup></p>
<p>Doch auch 18 Jahre intensiven und wilden Lebens hatten den Zustand der Langeweile offenbar nicht beenden können. So ist in einem Brief vom 4. August 1888 an die Seinen aus dem abessinischen Harar, wo Rimbaud zuletzt eine eigene Faktorei betrieb, zu lesen:</p>
<p>&#8220;Je m&#8217;ennuie beaucoup, toujours ; je n&#8217;ai même jamais connu personne qui s&#8217;ennuyât autant que moi.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_16_254" id="identifier_16_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.">17</a></sup></p>
<p>„Ich langweile mich viel, immer; ich habe sogar nie jemanden gekannt, der sich so gelangweilt hätte wie ich.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_17_254" id="identifier_17_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">18</a></sup></p>
<p>Im gleichen Brief fährt Rimbaud wie folgt fort:</p>
<p>&#8220;Et puis, n&#8217;est-ce pas misérable, cette existence sans famille, sans occupation intellectuelle, perdu au milieu des nègres dont on voudrait améliorer le sort et qui, eux, cherchant à vous exploiter et vous mettent dans l&#8217;impossibilité de liquider des affaires à bref délai ? Obligé de parler leurs baragouins, de manger de leurs sales mets, de subir mille ennuis provenant de leur paresse, de leur trahison, de leur stupidité ! Le plus triste n&#8217;est pas encore là. Il est dans la crainte de devenir peu à peu abruti soi-même, isolé qu&#8217;on est eloigné de toute société intelligente.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_18_254" id="identifier_18_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.">19</a></sup></p>
<p>„Und ist es denn nicht ein Elend, dieses Dasein ohne Familie, ohne geistige Beschäftigung, verloren inmitten von Negern [sic!], deren Los man verbessern möchte und die ihrerseits versuchen, einen auszubeuten und die es einem unmöglich machen, Geschäfte in kurzer Frist abzuwickeln? Genötigt, ihr Kauderwelsch zu reden, ihr dreckiges Essen zu nehmen, tausend Ärger über sich ergehen zu lassen, die von ihrer Faulheit, ihrer Verräterei, ihrer Stumpfsinnigkeit kommen! Darin liegt noch nicht einmal das Traurigste. Das liegt in der Befürchtung, nach und nach selbst vertiert zu werden, vereinsamt wie man ist und weit von aller vernünftigen Gesellschaft.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_19_254" id="identifier_19_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.118.">20</a></sup></p>
<p>Am 25. Februar 1890 schreibt Rimbaud aus Harar an Mutter und Schwester wiederum von der Langeweile, unter der er leide:</p>
<p>&#8220;Ne vous étonnez pas que je n&#8217;écrive guère : le principal motif serait que je ne trouve jamais rien d&#8217;intéressant à dire. Car, lorsqu&#8217;on est dans des pays comme ceux-ci, on a plus à demander qu&#8217;à dire ! Des déserts peuplés de nègres [sic!] stupides, sans routes, sans courriers, sans voyageurs : que voulez-vouz qu&#8217;on vous écrive de là ? Qu&#8217;on s&#8217;ennuie, qu&#8217;on s&#8217;embête, qu&#8217;on s&#8217;abruit ; qu&#8217;on en a assez, mais qu&#8217;on ne peut pas en finir, etc., etc. ! Voilà tout, tout ce qu&#8217;on peut dire, par conséquent ; et, comme ça n&#8217;amuse pas non plus les autres, il faut se taire.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_20_254" id="identifier_20_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.351.">21</a></sup></p>
<p>„Wundert Euch nicht, daß ich kaum schreibe: der Hauptgrund wäre, daß ich nie etwas Interessantes zu erzählen habe. Denn wenn man in einem Land wie dem hiesigen ist, hat man mehr zu fragen als zu sagen! Von stumpfsinnigen Negern [sic!] bevölkerte Wüsten ohne Straßen, ohne Kuriere, ohne Reisende, &#8211; was soll man Euch von da schreiben? Daß man sich langweilt, daß man verdummt, vertiert, daß man genug davon hat, aber nicht damit aufhören kann, usw., usw.! Das ist alles, folglich alles was man sagen kann, und da das die Anderen auch nicht erfreut, muß man schweigen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_21_254" id="identifier_21_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.125f.">22</a></sup></p>
<p>Auch exakt ein Jahr vor seinem Tod äußert sich Rimbaud in einem Brief aus Harar an seine Mutter vom 10. November 1890 unzufrieden mit seiner Lebenssituation in Harar. Zwar hat er offenbar weder Glück noch Liebe oder Erfüllung gefunden aber wenigstens doch die Freiheit, wie er wie aus Trotz hinzufügt:</p>
<p>&#8220;Quant au Harar, il n&#8217;y a aucun consul, aucune poste, aucune route ; on y va à chameau, et on y vit avec des nègres [sic!] exclusivement. Mais enfin on y est libre, et le climat est bon. Telle est la situation.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_22_254" id="identifier_22_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.355.">23</a></sup></p>
<p>„Was nun Harar anbelangt, da gibt es keinen Konsul, keine Post, keine Straße, man reist per Kamel hin und lebt da ausschließlich mit Negern [sic!]. Aber jedenfalls hat man hier seine Freiheit, und das Klima ist gut. So sind die Verhältnisse.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_23_254" id="identifier_23_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.128f.">24</a></sup></p>
<p>Dabei war es Rimbauds eigene Entscheidung gewesen, der Zivilisation in Paris und Europa überhaupt den Rücken zu kehren, weil er von ihr gelangweilt und enttäuscht war.<br />
Bereits 1872, also nachdem er ein Jahr in Paris gewesen war, verwendete Rimbaud zu Beginn seiner Briefe nicht mehr den Namen &#8220;Paris&#8221; vor dem Datum, sondern &#8220;Parmerde&#8221; was mit &#8220;Parischeiße&#8221; seine adäquate deutsche Entsprechung findet. Sicher ist dies auch z.T. Rebellion und Provokation, doch immerhin handelt es sich hier um die Stadt, von der er ursprünglich glaubte, dass er in ihr dem Albtraum der Provinz entfliehen und seine Träume verwirklichen könnte. Doch bald musste er erkennen, dass die Pariser Künstlerszene zu großen Teilen borniert war und keineswegs rebellisch oder progressiv wie er selbst.</p>
<p>Obwohl also Europa Schauplatz seiner gescheiterten Suche nach einem Lebenssinn war,<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_24_254" id="identifier_24_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.242 u. 260.">25</a></sup> hatte er nun offenbar wieder Sehnsucht danach, weil er intellektuell unerfüllt war. Er befand sich also in einem Zwiespalt. In seinem Brief aus Harar vom 18. Mai 1889 an die Seinen teilte er diesbezüglich folgendes mit:</p>
<p>&#8220;Je regrette de ne pouvoir faire un tour à l&#8217;Exposition cette année, mais mes bénéfices sont loin de me le permettre, et d&#8217;ailleurs je suis absolument seul ici, et, moi partant, mon établissement disparaîtrait entièrement. Ce sera donc pour la prochaine ; et à la prochaine je pourrai exposer peut-êtreles produits de ce pays, et, peut-être, m&#8217;exposer moi-même, car je crois qu&#8217;on doit avoir l&#8217;air excessivement baroque après un long séjour dans des pays comme ceux-ci.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_25_254" id="identifier_25_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S. 348.">26</a></sup></p>
<p>„Schade, dass ich dies Jahr keine Reise zur Weltausstellung machen kann, aber mein Gewinn ist längst nicht so hoch, als daß er mir das erlaubte, und außerdem bin ich hier vollkommen allein und wenn ich fortginge, würde meine Niederlassung gänzlich verschwinden. Also wird das auf die nächste Ausstellung verschoben, und bei der nächsten kann ich vielleicht die Produkte dieses Landes ausstellen und womöglich mich selbst, denn ich glaube, nach langem Aufenthalt in Ländern wie diesen dürfte man äußerst absonderlich aussehen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_26_254" id="identifier_26_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.123">27</a></sup></p>
<p>Dabei hätte auf der 1889 in Paris stattfindenden Weltausstellung durchaus die Möglichkeit bestanden, dass Rimbauds Langeweile vorübergehend gelindert worden wäre, da er nämlich im Mai der Eröffnung des anlässlich der Weltausstellung und des hundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution erbauten Eiffelturms hätte teilhaftig werden können. Von ähnlich modernen und gigantischen Gebäuden, wie dem anlässlich der Weltausstellung 1851 in London errichteten Crystal Palace zeigte sich Rimbaud jedenfalls tief beeindruckt, als er ihn bei seinem ersten Londonaufenthalt sah.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_27_254" id="identifier_27_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.90.">28</a></sup> Gigantismus als Ausdruck avantgardistischer Modernität und übermenschlicher Träume, war es, der Rimbaud beim Anblick von Gebäuden wie dem Crystal Palace, Albert Hall, Brückenbauten oder aber auch die London Underground mit einem Tunnel unter der Themse hindurch faszinierte, zu einem Zeitpunkt, an dem es in Paris die Métro noch gar nicht gab. Diese Eindrücke fanden auch ihren Niederschlag in Rimbauds Dichtung, so z.B. in den <em>Illuminations</em>: „Himmel aus grauem Kristall. Ein bizarres Gebilde von Brücken, die eine gerade, jene gewölbt, andere fallen oder schneiden im Winkel die ersten, und diese Formen gespiegelt in anderen beleuchteten Bögen eines Kanals, aber sie alle so lang und leicht, daß die Ufer sich senken, mit Domen beladen, und langsam verflachen &#8230; (Brücken) &#8211; Ein sonderbarer Geschmack des Riesenhaften hat alle klassischen Wunder der Baukunst reproduziert. [...] Diese Kuppel besteht aus einem kunstvollen Stahlgeflecht von etwa fünfzehntausend Fuß im Durchmesser. An einigen Punkten der kupfernen Stege, der Plattformen und Eisenleitern, die um Hallen und Pfeiler gewunden sind, glaubte ich, die Tiefe der Stadt erfassen zu können!<em> (Akropolis)</em>&#8220;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_28_254" id="identifier_28_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.259, 261, 267.">29</a></sup></p>
<p>Eines muss man Rimbaud in Bezug auf seine Langeweile lassen, er hat durchaus viel dagegen unternommen. Man kann ihm daher keineswegs vorwerfen, seine Langeweile etwa durch Faulheit oder Passivität selbst verschuldet zu haben und sich allein der Klage darüber hingegeben zu haben. Seine Ansprüche an das Leben waren womöglich einfach zu hoch.</p>
<p>Seinem Drang nach Abwechslung begegnete Rimbaud mit schier endloser Wanderschaft und Reiselust. Paris war ja nur die erste große Station &#8211; zuvor war er bereits im wallonischen Charleroi gewesen. Es folgten Douai, Fumay, Vireux, Givet, Arras (allesamt in Nordfrankreich), Brüssel, Mecheln, Gent, Brügge, Ostende, Dover, London, Lüttich, Antwerpen, Harwich, Reading, Scarborough<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_29_254" id="identifier_29_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="unsicher">30</a></sup> Stuttgart, Mailand, Livorno und Siena (jeweils Toskana), Marseille, München, Wien, Straßburg, Metz, Rotterdam, Harderwijk, Utrecht, Den Helder, Southhampton, Gibraltar, Neapel, Suez, Padang (auf Sumatra), Batavia (heute Jakarta), Semarang und Salatiga (beide auf Java), Kapstadt, Sankt Helena (im Südatlantik), die Azoren, Queenstown (heute Cobh an der Südküste Irlands), Liverpool, Le Havre, Köln, Bremen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_30_254" id="identifier_30_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="dort wollte Rimbaud in die US-amerikanische Marine eintreten, was jedoch nicht gelang. Sonst w&auml;re er wom&ouml;glich noch weiter in der Welt herumgekommen als ohnehin schon und so z.B. auch auf den amerikanischen Kontinent gelangt.">31</a></sup>, Rom, Stockholm, Kopenhagen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_31_254" id="identifier_31_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="unsicher">32</a></sup>, Norwegen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_32_254" id="identifier_32_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Taucht nur in manchen Werken als Station auf.">33</a></sup>, Hamburg, Dijon, Genua, Alexandria, Larnaka (Zypern), Hodeida, Aden, Harar, Kairo. Manche dieser Orte passierte er freilich nur auf der Durchreise bzw. legte dort nur auf Schiffspassagen an. Doch trotzdem ist seine Reisetätigkeit beachtlich, auch für die heutige Zeit. Hinzu kommt, dass er viele und vor allem lange Strecken auch zu Fuß zurücklegte. So z.B. mehrmals die etwa 230 Kilometer von Paris nach Charleville bzw. umgekehrt. Aber Rimbaud überquerte 1875 auch den Sankt-Gotthard-Pass zu Fuß von Altdorf im Kanton Uri bis nach Mailand, wo er nach etwa 220 Kilometern völlig erschöpft ankam. Von dort wanderte er an der ligurischen Küste entlang etwa 260 Kilometer bis nach Livorno.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/dargnieres-nouvelles-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1611" title="Dargnières nouvelles (Paul Verlaine, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/dargnieres-nouvelles-mini.jpg" alt="" width="314" height="247" /></a>Nachdem Rimbaud, vielleicht vom Alkohol umnebelt, in Wien in einem Fiaker eingeschlafen war und vom Kutscher ausgeplündert worden war, wurde er wegen seiner daraus folgenden Mittellosigkeit aufgegriffen und aus Österreich ausgewiesen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_33_254" id="identifier_33_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.152.">34</a></sup> Da er mittellos war, legte er den Heimweg über München, Straßburg und Metz zu Fuß zurück.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_34_254" id="identifier_34_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.202.">35</a></sup> Die Strecke von Passau nach Charleville beträgt immerhin etwa 800 Kilometer. Im Oktober 1878 reiste Rimbaud zu Fuß über die Vogesen durch die Schweiz bis nach Lugano, von wo er dann den Zug nach Genua nahm, um sich dort nach Alexandria einzuschiffen, von wo aus er nach Zypern fuhr, um dort eine geraume Zeit als Aufseher in einem Steinbruch zu arbeiten. Doch er unternahm auch viele Wanderungen ohne konkretes Ziel, außer dem, in der Natur und in Bewegung zu sein und womöglich auch, um sich von sich und seinen Problemen abzulenken. Solche Wanderungen machte er in den Ardennen, in England und überall dort, wo er sich für einen längeren Zeitraum niederließ.</p>
<p>Dass Rimbaud die letzten elf Jahre seines Lebens<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_35_254" id="identifier_35_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1880-91">36</a></sup> dann &#8211; mit wenigen Ausnahmen &#8211; „nur&#8221; in Abessinien zubrachte, lag nicht an einer geminderten Reiselust seinerseits, sondern vielmehr an seinen fehlenden finanziellen Möglichkeiten, wie er selbst in einem Brief aus Aden an die Seinen vom 15. Januar 1885 erklärt:</p>
<p>&#8220;En tous cas, ne comptez pas que mon humeur deviendrait moins vagabonde, au contraire, si j&#8217;avais le moyen de voyager sans être forcé de séjourner pour travailler et gagner l&#8217;existence, on ne me verrait pas deux mois à la même place. Le monde est très grand et plein de contrées magnifiques que l&#8217;existence de mille hommes ne suffirait pas à visiter. Mais d&#8217;un autre côté, je ne voudrais pas vagabonder dans la misère, je voudrais avoir quelques milliers de francs de rentes et pouvoir passer l&#8217;année dans deux ou trois contrées différentes, en vivant modestement et en faisant quelques petits trafic pour payer mes frais. Mais pour vivre toujours au même lieu, je trouverai toujours cela très malheureux. Enfin, le plus probable, c&#8217;est qu&#8217;on va plutôt où l&#8217;on ne veut pas, et que l&#8217;on fait plutôt ce qu&#8217;on ne voudrait pas faire, et qu&#8217;on vit et dédède tout autrement qu&#8217;on ne le voudrait jamais, sans espoir d&#8217;aucune espèce de compensation.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_36_254" id="identifier_36_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.308f.">37</a></sup></p>
<p>„Denkt auf keinen Fall, ich hätte allmählich weniger Lust dazu, durch die Welt zu streifen. Im Gegenteil, wenn ich die Mittel zum Reisen hätte, ohne wegen Arbeit und Lebensunterhalt an einem bestimmten Ort leben zu müssen, würde man mich keine zwei Monate am selben Platz finden. Die Welt ist sehr groß und voll herrlicher Länder, das Dasein von tausend Menschen würde nicht genügen, um sie alle zu besuchen. Aber andererseits möchte ich nicht im Elend herumvagabundieren. Ich möchte ein paar tausend Franken Rente haben und das Jahr in zwei oder drei verschiedenen Ländern verbringen können, bei einem bescheidenen Leben und mit ein paar kleinen Geschäften, die ich machen würde, um meine Kosten zu decken. Aber ständig am selben Ort zu leben werde ich immer sehr jämmerlich finden. Zuletzt ist es am wahrscheinlichsten, daß man eher hinkommt, wo man nicht hinwill, und eher tut, was man nicht möchte, und daß man ganz anders lebt und stirbt, als man jemals wollte, ohne Hoffnung auf irgendeine Art von Ausgleich.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_37_254" id="identifier_37_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.90">38</a></sup></p>
<p>In der Forschung wurde das zwanghafte Wandern Rimbauds auch pathologisiert, indem man bei ihm &#8220;Dromomanie&#8221; (bzw. &#8220;Poriomanie&#8221;) vermutete.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_38_254" id="identifier_38_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe: Arthur Rimbaud &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXIV">39</a></sup> Hierbei handelt es sich um einen Wanderdrang, der sich in impulsivem, unvermittelt auftretendem Weglaufen oder auch Umherirren manifestiert, z.B. bei endogener Depression, Epilepsie oder als Konfliktreaktion.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_39_254" id="identifier_39_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Pschyrembel &amp;#8211; Medizinisches W&ouml;rterbuch. 257. Auflage. Hamburg, 1994, S.1228.">40</a></sup><br />
Da Rimbaud vor Exzessen bewusst nicht zurückgescheut sei<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_40_254" id="identifier_40_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.149.">41</a></sup>, blieben Folgen nicht aus. So brach er vor Erschöpfung auf dem Vorplatz des Mailänder Doms ohnmächtig zusammen, nachdem er in einem Gewaltmarsch die Alpen überquert hatte. Später erlitt er auf dem Weg nach Siena einen so schweren Sonnenstich, dass er in Livorno in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich musste er sich in Marseille weiter behandeln lassen. Im Jahr 1877 schiffte Rimbaud sich in Marseille ein, um den Orient zu bereisen. Doch er musste bereits im italienischen Civitavecchia wieder wegen quälender Bauchschmerzen von Bord gebracht werden. Der behandelnde Arzt habe eine innere Entzündung des Unterleibs als Folge der exzessiven Wanderungen diagnostiziert.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_41_254" id="identifier_41_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.181.">42</a></sup> Im Übrigen war Rimbaud in Abessinien ja keineswegs sesshaft. Da er regelmäßig Karawanen begleitete, wäre der Begriff „Halbnomade&#8221; wohl nicht unzutreffend. Auf diesen oft mehrwöchigen Karawanenreisen kam Rimbaud auch im Land herum und war zudem in Bewegung. Ugo Ferrandi, der Rimbaud 1886 in Tadjoura (im heutigen Dschibuti) am Golf von Aden begegnete, schrieb über diesen: „Obwohl er für die Tagemärsche ein Maultier hatte, bestieg er es nie; mit seinem zweischüssigen Gewehr begleitete er die Karawane immer zu Fuß.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_42_254" id="identifier_42_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.176.">43</a></sup> Ein anonymer französischer Staatsbeamter, der von 1906 bis 1925 an der französischen Somaliküste Dienst tat, brachte bei Rimbauds Wirtsleuten in Obock (im heutigen Dschibuti) Ähnliches in Erfahrung: „Obwohl beritten, machte er dreiviertel des Weges zu Fuß. Er war übrigens ein unermüdlicher Fußgänger, der Hunger und Durst aushalten konnte, wenn es nötig war.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_43_254" id="identifier_43_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.178.">44</a></sup></p>
<p>Wahrscheinlich hat Rimbaud die „Euphorie der Flucht&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_44_254" id="identifier_44_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.146.">45</a></sup> genossen und gebraucht &#8211; der Flucht, die ihm Bilder unbekannter Landschaften vermittelte sowie fremde Sprachen vernehmen ließ. Die ständige Bewegung lenkte ihn ab, von sich selbst und den ungelösten oder auch unlösbaren Konflikten, die er in sich trug. „Diese lange, heilsame Wanderung wird zu einer Droge, die wie ein starkes Medikament zu Gewöhnung und Abhängigkeit führt.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_45_254" id="identifier_45_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.146.">46</a></sup> Er hat viel versucht, um sein Glück, seine Erfüllung, seine Bestimmung zu finden. Doch nie hat er aufgegeben und sich in ein konventionelles Leben gefügt. Zuerst war die Poesie, dann Absinth (den Rimbaud „Absomphe&#8221; nennt), Haschisch, die (Homo-)Erotik, das Reisen (im Unterschied zum getriebenen Wandern), dann Fremdspracherwerb und als das alles nicht zum Ziel führte, folgte das Wandern. Charakteristisch für Rimbaud ist der konsequente Bruch mit dem, was war und die darauf folgende Flucht nach vorn (fuite vers l&#8217;avant).<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_46_254" id="identifier_46_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="siehe Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.XVII.">47</a></sup> So ist auch sein Werk nichts als eine Folge von Befreiungen, Brüchen und Aufbrüchen ins Unbekannte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_47_254" id="identifier_47_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. ebd.">48</a></sup>. Rimbaud war der Überzeugung, dass die Freiheit eine Schöpferin sei (la liberté est créatrice)<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_48_254" id="identifier_48_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. ebd.">49</a></sup>, also tat er alles, um frei zu sein, jegliches bürgerliche Korsett zu sprengen, in dem nichts Höheres erlangt werden könne. In diesem Sinn schrieb Rimbaud im Juni 1872 auch an seinen Freund Ernest Delahay:</p>
<p>&#8220;Le sérieux, c&#8217;est qu&#8217;il faut que tu te tourmentes beaucoup, peut-être que tu aurais raison de beaucoup marcher et lire. Raison en tout cas de ne pas te confiner dans les bureaux et les maisons de famille. Les abrutissements doivent s&#8217;exécuter loin de ces lieux-là. Je suis loin de vendre du baume, mais je crois que les habitudes n&#8217;offrent pas des consolations, aux pitoyables jours.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_49_254" id="identifier_49_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.246.">50</a></sup></p>
<p>„Das Wesentliche ist, daß Du Dich sehr quälen mußt. Vielleicht hast Du recht, viel zu laufen und zu lesen. Recht auf jeden Fall, Dich nicht aufs bürgerliche Milieu der Familie zu beschränken. Das Hart- und Unmenschlichwerden muß sich fern von diesen Orten vollziehen. Ich bin weit entfernt davon, billigen Trost an den Mann bringen zu wollen, aber ich glaube, daß das gewohnte Leben an den schlimmen Tagen keine Stärkungen bietet.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_50_254" id="identifier_50_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.42.">51</a></sup></p>
<p>Eine z.T. etwas wörtlichere Übersetzung lautet:</p>
<p>„Eine ernste Sache, daß Du Dich so quälen mußt. Wahrscheinlich hast Du recht, viel zu wandern und zu lesen. Doch ganz bestimmt, Dich nicht in Büros oder Bürgerfamilien einsperren zu lassen: Wenn man schon Vieh werden soll, dann auf jeden Fall woanders. Ich bin weit davon entfernt, Balsam feilzubieten, der Wunder tun kann, aber ich glaube, daß nächtliche Gewohnheiten kein Trost für jammervolle Tage sind.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_51_254" id="identifier_51_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.404.">52</a></sup></p>
<p>In den Brüchen und Aufbrüchen sieht Rimbaud für sich wohl auch etwas Programmatisches, sodass diese nicht allein als eine Folge des Getriebenseins zu verstehen sind, sondern womöglich auch als Teil eines ganz bewussten und gezielten Plans, mit dessen Hilfe er der Wahrheit näher kommen wollte. Diesen Anschein erweckt er zumindest in den &#8220;Illuminations&#8221; in dem Vers &#8220;Départ&#8221; / „Aufbruch&#8221; und insbesondere durch dessen abschließenden Imperativ:</p>
<p>&#8220;Assez vu. La vision s&#8217;est rencontrée à tous les airs. / Assez eu. Rumeur des villes, le soir, et au soleil, et toujours. / Assez connu. Les arrêts de la vie. &#8211; Ô Rumeurs et Visions ! / Départ dans l&#8217;affection et le bruit neufs !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_52_254" id="identifier_52_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.166.">53</a></sup></p>
<p>„Genug gesehen. Gesichte trägt ein jeder Wind. /Genug besessen. Das Raunen der Städte am Abend, am hellen Tag, und immerzu. / Genug erkannt. Die Fermate des Lebens! &#8211; O Raunen und Gesicht! / Aufbruch zu neuem Aufruhr und Liebe!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_53_254" id="identifier_53_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992., S. 251.">54</a></sup></p>
<p>Ebenfalls in den &#8220;Illuminations&#8221; findet sich bezeichnenderweise in dem Vers &#8220;Vagabonds&#8221; / „Vagabunden&#8221; folgendes in Bezug auf das Motiv des endlosen Wanderns:</p>
<p>&#8220;J&#8217;avais en effet, en toute sincérité d&#8217;esprit, pris l&#8217;engagement de le rendre à son état primitif de fils du soleil, &#8211; et nous errions, nourris du vin des cavernes et du biscuit de la route, moi pressé de trouver le lieu et la formule.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_54_254" id="identifier_54_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.171.">55</a></sup></p>
<p>„Und ich glaubte, man könne ihm seine Kindheit zurückgeben, als eines Sohnes der Sonne &#8211; doch wir irrten umher, und nährten uns vom Wein der Höhlen, vom Zwieback der Straßen, und ich, immer getrieben, den Ort zu finden und die Formel.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_55_254" id="identifier_55_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.265f.">56</a></sup></p>
<p>„Den Ort zu finden und die Formel&#8221; &#8211; das bringt wohl Rimbauds Leben und Streben, wie auch sein Scheitern auf den Punkt. Unter dem „vin des cavernes&#8221; bzw. dem „Wein der Höhlen&#8221; ist „Quellwasser&#8221; zu verstehen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_56_254" id="identifier_56_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.509.">57</a></sup> Unter &#8220;biscuit de la route&#8221; bzw. &#8220;Zwieback der Straßen&#8221; könnte demzufolge das verstanden werden, was die Natur unterwegs an Nahrung zu bieten hat oder dem, was man umsonst bekommt.</p>
<p>Etwas paradox mutet an, dass die große Anzahl an Brüchen in Rimbauds Leben ihm zugleich eine gewisse Kontinuität verleiht. Verlaine verarbeitete das Wesen seines früheren Geliebten und Weggefährten Rimbaud in seiner Dichtung. So ist beispielsweise in seiner &#8220;Sagesse&#8221; („Weisheit&#8221;) aus dem Jahr 1880 folgendes unter IV. zu lesen:</p>
<p>&#8220;La malédiction de n&#8217;être jamais las / Suit tes pas sur le monde où l&#8217;horizon t&#8217;attire, / L&#8217;enfant prodigue avec des gestes de satyre !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_57_254" id="identifier_57_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.190.">58</a></sup></p>
<p>„Verfluchter! Ein niemals Ermüdeter, dich reißt es / mit jedem Ruck durch die Welt, einem Ziellosen zu. / Du Wunderkind mit Satyrtun: und stets ohne Ruh!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_58_254" id="identifier_58_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten &Uuml;bertragungen. Leipzig, 1922, S.123. [&uuml;bertragen von Theodor D&auml;ubler]">59</a></sup></p>
<p>Dieses Gedicht sei an Rimbaud gerichtet, und Verlaine habe es ihm möglicherweise sogar zugeschickt.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_59_254" id="identifier_59_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.600.">60</a></sup> Liest man weiter, stellt man fest, dass Verlaine hart mit Rimbaud ins Gericht geht:</p>
<p>&#8220;Tu flânes à travers péril et ridicule, / [...] La patrie oubliée est dure au fils affreux, / Et le monde alentour dresse ses buisson creux / Où ton désir mauvais s&#8217;épuise en flèches mortes. / Maintenant il te faut passer devant les portes, / Hâtant le pas de peur qu&#8217;on ne lâche le chien, / Et si tu n&#8217;entends pas rire, c&#8217;est encor [sic!] bien. / Malheureux, toi Français, toi Chrétien, quel dommage ! / Mais tu vas, la pensée obscure de l&#8217;image / D&#8217;un bonheur qu&#8217;il te faut immédiat, étant / Athée (avec la foule !) et jaloux de l&#8217;instant, / Tout appétit parmi ces appétits féroces, / Épris de la fadaise actuelle, mots, noces / Et festins, la « Science », et «l&#8217;esprit de Paris », / Tu vas magnifiant ce par quoi tu péris, / Imbécile ! et niant le soleil qui t&#8217;aveugle ! / Tout ce que les temps ont de bête paît et beugle / Dans ta cervelle, ainsi qu&#8217;un troupeau dans un pré, / Et les vices de tout le monde ont émigré / Pour ton sang dont le fer lâchement s&#8217;étiole. / Tu n&#8217;es plus bon à rien de propre, ta parole / Est morte de l&#8217;argot et du ricanement, / Et d&#8217;avoir rabâché les bourdes du moment. / Ta mémoire, de tant d&#8217;obscénités bondée, / Ne saurait accueillir la plus petite idée, / Et patauge parmi l&#8217;égoïsme ambiant, / En quête d&#8217;on ne peut dire quel vil néant ! / Seul, entre les débris honnis de ton désastre, / L&#8217;Orgueil, qui met la flamme au front du poétastre / Et fait au criminel un prestige odieux, / Seul, l&#8217;Orgueil est vivant, il danse dans tes yeux, / Il regarde la Faute et rit de s&#8217;y complaire. / &#8211; Dieu des humbles, sauvez cet enfant de colère !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_60_254" id="identifier_60_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; &OElig;uvres po&eacute;tiques. Textes &eacute;tablis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur &agrave; la Sorbonne. &Eacute;dition revue et corrig&eacute;e. Paris, 1995, S.191.">61</a></sup></p>
<p>„Verantwortungsloser, du schlenderst zu kühn durch Gefahren. / [...] Ein Vaterland, das man vergaß, ist bösen Söhnen hart. / Die andre Welt erscheint von hohlem Strauchwerke umstarrt, / <span style="text-decoration: underline;">wo nun dein arges Wünschen nutzlos seinen Pfeil verschießt;</span> / und du mußt jetzt vor Türen treten, die man kühl verschließt, / die Schritte beflügeln, aus Furcht, daß man Hunde auf dich hetzt, / und schon ist es gut, wenn kein Gelächter dich verletzt. / Unseliger! Du Christ, du Franzose, wie schade! / Du schreitest hin, im Sinn eine dunkle Ballade, / voll plötzlichem Glück! das du, Ungläubiger, haben mußt: / so wie die Menge! <span style="text-decoration: underline;">denn du bist happig nach kurzer Lust,</span> / von der Begierde gereizt, zwischen reißenden Begierden: / <span style="text-decoration: underline;">verschwärmst dich in Lauheiten, Tand und Zierden</span>; / für Wissenschaft, Vergnügungen und den Geist von Paris; / du übersteigerst und lobst das, wofür man dich verließ. / Du Tropf! Verleugner der Sonne, die in Blindheit dich hüllt, / was jemals an Torheit geweidet hat oder gebrüllt, / geriet in dein Hirn wie die Herde, zerstreut übers Gras. / Und alle Laster der Welt gelangten in das Gelaß / des Blutes, in dem nun dein Eisen, aus Feigheit, verrostet. / Du taugst nichts! Dein Wort ist vom Tode durchfrostet. / Die Sprache der Gosse verriet es: der Spott, der dich freut, / denn du hast die Flausen des Tages wiedergekäut. / So ist dein Gedächtnis voll Unzucht und Zoten: / der kleinsten Idee wird der Eingang verboten. / Es schlammt durch der Ichsucht entsetzliches Kreisen / und sucht nur das Nichts vor sich selbst zu beweisen. / Es bleibt, unter schimpflichen Resten des Sturzes, / des Dichterlings Stirn bloß der Stolz für ein kurzes / und häßliches Ansehn: du gleichst dem Verbrecher. / Auch ihm schwirrt der Hochmut im Auge: stets frecher / belacht er den Fehltritt; begafft seine Wut. / &#8211; Errette, o Herr, dieses zürnende Blut.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_61_254" id="identifier_61_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten &Uuml;bertragungen. Leipzig, 1922, S.123ff. [&uuml;bertragen von Theodor D&auml;ubler]">62</a></sup> &#8211; (Die Hervorhebungen stammen vom Autor dieses Beitrages.)</p>
<p>Deutlich wird in diesen Zeilen Verlaines verstärkte Zuwendung zum christlichen Glauben, nach einer Abwendung während seiner Bekanntschaft mit Rimbaud. Aber auch vom nicht-religiösen Standpunkt aus hatte Verlaine genug vor Kritik triefender Pfeile für Rimbaud im Köcher. Verlaine hielt die Wanderungen Rimbauds für sinnlos und glaubte, dass er auf diese Weise die Kräfte seines Geistes zerstörte, sodass er keiner geistigen Anstrengung mehr fähig war.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_62_254" id="identifier_62_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.236.">63</a></sup></p>
<p>Retrospektiv musste sich Verlaine in seinem Werk &#8220;Les poètes maudits&#8221; („Die verfemten Dichter&#8221;) aus dem Jahr 1884 aber Folgendes eingestehen:</p>
<p>&#8220;L&#8217;homme en Rimbaud est libre, cela est trop clair [...] Mais n&#8217;avons-nous pas eu raison, nous, fou du poète, de le prendre, cet aigle, et de le tenir dans cette cage-ci, sous cette étiquette-ci [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_63_254" id="identifier_63_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&OElig;uvres compl&egrave;tes de Paul Verlaine. (Tome quatri&egrave;me) &amp;#8211; Les po&egrave;tes maudits &amp;#8211; Louise Leclerq &amp;#8211; Les m&eacute;moires d&amp;#8217;un veuf &amp;#8211; Mes hopiteaux &amp;#8211; Mes prison. Paris, 1926, S.34.">64</a></sup></p>
<p>„Der Mensch in Rimbaud ist frei, das ist vollkommen klar [...] wir törichte Dichter hatten nicht das Recht, diesen Adler zu nehmen und ihn in diesem Käfig zu halten, ihm diese Etikette aufzuzwingen [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_64_254" id="identifier_64_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">65</a></sup></p>
<p>Zahlreiche Briefe zeugen davon, dass Verlaine immer wieder versuchte, Erkundigungen über Rimbaud sowie dessen Verbleib einzuholen, nach- und trotzdem dieser ihn am Neckar niedergeschlagen hatte<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_65_254" id="identifier_65_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.240.">66</a></sup> und fortan verschollen schien. In diesen Briefen werden fast ausschließlich Spitznamen für Rimbaud verwendet, die einiges darüber aussagen, was man in Verlaines Kreisen von ihm hielt.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-nouveau-juif-errant-1876-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-1614" title="Le nouveau juif-errant (Delahaye à Verlaine, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-nouveau-juif-errant-1876-mini.jpg" alt="" width="314" height="202" /></a>So schickte Ernest Delahaye am 25. April 1876 seinem Freund Verlaine eine Karikatur von Rimbaud, auf der er diesen als &#8220;Le nouveau juif-errant&#8221; &#8211; &#8220;Den neuen Ewigen Juden&#8221; also den zu ewiger Wanderschaft verdammten Ahasver<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_66_254" id="identifier_66_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Laut christlicher Legende ein Jude, der Jesus angeblich auf dessen Kreuzweg eine Rast vor seiner Haust&uuml;r verweigert habe, woraufhin Jesus zu ihm gesagt haben soll: &bdquo;Ich will allhier stehen und ruhen, du aber sollst gehen bis an den j&uuml;ngsten Tag.&amp;#8221; In generalisierender Form wurde diese Legende dann auch von Antisemiten f&uuml;r ihre Zwecke instrumentalisiert. In Bezug auf Rimbaud meint Delahaye nat&uuml;rlich &bdquo;den zu ewiger Wanderschaft Verdammten&amp;#8221;, ohne religi&ouml;se Konnotation.">67</a></sup> bezeichnete<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_67_254" id="identifier_67_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.507.">68</a></sup>. Zu sehen ist darauf Rimbaud mit eingerissenem und zerknittertem Zylinder, seiner typischen Hammerpfeife und knorrigem Wanderstock. Außerdem sieht man seinen Reisepass aus der Fracktasche heraushängen, der jedoch nicht etwa mit „passeport&#8221;, sondern mit „passe porc&#8221; beschriftet ist. Demnach passierte Rimbaud auf seinen Reisen keine Grenzbeamten, sondern Schweine. Denkt man an Rimbauds Widerwillen gegen Regeln und Gesetze, wäre es wohl durchaus treffend, zu behaupten, er glaube, dass er an Schweinen vorübergehe, wenn er Grenzbeamte passiert. Für diese Bedeutung spricht, dass er gerade an zwei ihm zum Abschied winkenden, wohl österreichischen Soldaten vorbeigeht, von denen jeder eine Porzellanpfeife raucht, und kurz darauf an zwei ihm zur Begrüßung zuwinkenden preußischen Soldaten, wobei der eine von beiden wohl den deutschen Michel darstellt, angetan mit einer Schlafmütze, die so lang ist, wie ihr Träger groß. Der andere trägt die preußische Pickelhaube. Rimbauds Beine sind etwa doppelt so lang wie sein Oberkörper, weshalb er Siebenmeilenschritte zu machen scheint. Gezeigt wird er auf dem Heimweg von Wien. Im Hintergrund ist das Straßburger Münster angedeutet und am linken Bildrand die Silhouette von Charleville.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/rimbaud-chez-les-cafres-1876-klein.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-200818" title="Rimbaud chez les Cafres (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/rimbaud-chez-les-cafres-1876-mini.jpg" alt="" width="160" height="243" /></a>In einem späteren Brief Delahayes an Verlaine aus dem Jahr 1876 findet sich eine weitere Karikatur Rimbauds<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_68_254" id="identifier_68_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.521.">69</a></sup>. Hier ist sein nackter Oberkörper dargestellt, der vollständig tätowiert zu sein scheint, unter anderem mit Darstellungen gekreuzter Tabakpfeifen sowie mit einer Absinthflasche und einem Absinthglas. Durch die Nase geht ein Pfeil, eine Pfeife hängt ihm im rechten Mundwinkel. Darüber hinaus ist er mit zwei Armreifen und einem Ohrring geschmückt. Überbleibsel der Zivilisation sind die um den Hals gewundene Krawatte mit darauf sitzendem Vatermörder sowie ein schief auf seinem Kopf sitzender Hut. Auf der rechten Bildhälfte ist ein Afrikaner dargestellt, der neben einem Ohrring auch einen großen Nasenring trägt. Mittels einer Sprechblase lässt Verlaine Rimbaud sagen: &#8220;Ces Cafres, encore de fameux bassin !&#8230;&#8221; &#8211; „Diese Kaffer<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_69_254" id="identifier_69_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Etymologie dieses Begriffs ist unsicher. Es spricht einiges daf&uuml;r, dass sich das franz&ouml;sische &amp;#8220;cafre&amp;#8221; aus dem Afrikaans ableitet, wo der Begriff &bdquo;Kaffer&amp;#8221; eine &auml;hnlich pejorative Bedeutung hat, wie in den USA und Europa das Wort &bdquo;Nigger&amp;#8221;. Dieses Schimpfwort bezieht sich auf die Bewohner der im Franz&ouml;sischen als &bdquo;Cafrerie&amp;#8221; bezeichneten Region im S&uuml;den des afrikanischen Kontinents. &amp;#8211; F&uuml;r m&ouml;glich wird aber auch gehalten, dass &bdquo;Kaffer&amp;#8221; sich von dem hebr&auml;ischen Begriff כפר [ḫefar] = Dorf ableitet. Eine andere Deutung leitet das Wort von dem arabischen Wort Kafir كافر [Kafir], was &bdquo;Ungl&auml;ubiger&amp;#8221; bedeutet. Da die Araber in Afrika Sklavenhandel betrieben und die schwarzafrikanischen Sklaven meist keine Muslime waren &amp;#8211; anders als die Nordafrikaner &amp;#8211; kann der Begriff &bdquo;Kafir&amp;#8221; im afrikanischen Kontext auch als Synonym f&uuml;r Schwarzafrikaner verstanden werden.">70</a></sup>, [haben] noch immer die berühmten Becken!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_70_254" id="identifier_70_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">71</a></sup>. Es ist anzunehmen, dass der Begriff „Becken&#8221; hier anatomisch zu verstehen ist und Verlaine womöglich durch den Mund Rimbauds das Klischee von den breiten Hüften der Schwarzafrikanerinnen bedient, für die sich Rimbaud in den Augen Verlaines neben Absinth und dem Rauchen aller möglichen Dinge auch noch interessiert haben mochte.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/un-missionnaire-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft size-full wp-image-200823" title="Un missionnaire qui vient de Charleville (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/un-missionnaire-mini.jpg" alt="" width="314" height="205" /></a>Eine weitere von Delahaye stammende Karikatur<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_71_254" id="identifier_71_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.522.">72</a></sup>, die in demselben Brief enthalten war wie die vorherige, zeigt Rimbaud beim Tanz mit sechs Afrikanern &#8211; zwei Frauen und vier Männern &#8211; allesamt Hand in Hand in einer Reihe. Drei der Afrikaner haben Pfeile in der Nase, während die drei anderen Nasenringe tragen. Allen voran tanzt Rimbaud mit einem Hut auf dem Kopf, in dem ein Pfeil steckt sowie mit einem Nasenring und mit seiner Rechten eine Flasche Absinth emporhebend. An der Hüftschnur seines Lendenschurzes hängt ein „DICTIONN. HOTTENTOT&#8221;, also ein Wörterbuch für „Hottentottisch&#8221;. Im Hintergrund sind Palmen und Kakteen (!) zu sehen. Der Titel der Karikatur lautet: &#8220;Un missionaire qui vient de Charleville&#8221; &#8211; „Ein aus Charleville stammender Missionar&#8221;. Offensichtlich macht sich Delahaye hier über Rimbaud lustig, indem er ihn als einen lächerlichen Missionar darstellt.</p>
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/le-roi-negre-1876-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignright size-full wp-image-200826" title="Le roi nègre (Ernest Delahaye, 1876)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2009/02/le-roi-negre-1876-mini.jpg" alt="" width="314" height="246" /></a>Und es gibt noch eine weitere Karikatur Rimbauds aus der Feder Delahayes<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_72_254" id="identifier_72_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.">73</a></sup>. Diese trägt den Titel &#8220;Le roi nègre [sic!]&#8221; &#8211; „König der Neger[sic!]&#8220;. Zu sehen ist ein halbnackter, Pfeife rauchender Rimbaud mit einer Krone auf dem Haupt sowie mit angezogenen Knien auf einem Stuhl sitzend. Flankiert wird er von zwei mit Hellebarden (!) bewaffneten Afrikanern, die zu seiner Bewachung postiert zu sein scheinen, während zwei andere Afrikaner Rimbaud auf dem Bauch liegend huldigen. Alle vier haben die Gesichtszüge von Übergeschnappten, während Rimbaud einen bockigen und launischen Gesichtsausdruck hat. Die Eingangsnotiz des Briefes lautet: &#8220;Toujours pas de nouvelles du Sénegalais [...]<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_73_254" id="identifier_73_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.">74</a></sup> &#8211; „Nach wie vor keine Neuigkeiten vom Senegalesen.&#8221;</p>
<p><a title="Rimbaud en canaque (Paul Verlaine, 1876)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/rimbaud-en-canaque-1876-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/rimbaud-en-canaque-1876-mini.JPG" alt="rimbaud-en-canaque-1876-mini.JPG" /></a>Verlaine stand Delahaye im Zeichnen von Rimbaud-Karikaturen keineswegs nach. Eine solche Zeichnung aus dem Jahr 1876 zeigt einen ganzkörpertätowierten Mann, auf dessen geschorenen Schädel nur noch ein kleines Haarbüschel senkrecht nach oben steht. Er hat eine Pfeife im Mundwinkel, in der Rechten ein Absinthglas und in der Linken einen Absinthlöffel<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_74_254" id="identifier_74_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.524.">75</a></sup>. Das Bild wird von folgendem Zehnzeiler umflossen: &#8220;O la la, j&#8217;ai rien fait du ch&#8217;min d&#8217;puis mon dergnier / Coppée! Il est vrai qu&#8217; j&#8217;en suis chauv&#8217; comme un pagnier / Percé, que j&#8217;sens quent&#8217; chos&#8217; dans l&#8217;gôsier qui m&#8217;ratisse, / Qu&#8217; j&#8217;ai dans l&#8217; dos comm&#8217; des avant gouts d&#8217;un rhumatisse / Et que j&#8217;emmerd&#8217; plus seuq&#8217; jamais. Mais <span style="text-decoration: underline;">c&#8217;est-n-égal</span> / J&#8217;aurai prom&#8217;né ma gueule infecte au Sénégal / Et vu Sainte Hélèn&#8217; (merde à Badingue !) un&#8217; rud&#8217; noce, / Quoi ! Mais tout çà c&#8217;est pas sérieux. J&#8217;rêve eud&#8217; négoce, / Maint&#8217;nant, et plein d&#8217;astuss&#8217;, j&#8217;baluchonn&#8217; des vieill&#8217;s plaqu&#8217;s / D&#8217;assuranc&#8217;, pour revend&#8217; cont&#8217; du rhum aux Kanaks !&#8221;</p>
<p>„Oje, ich bin kein Stück vorangekommen seit meinem letzten / Copée<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_75_254" id="identifier_75_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Fran&ccedil;ois &Eacute;douard Joachim Copp&eacute;e, franz&ouml;sischer Dichter, *1843 &dagger;1908">76</a></sup>! Es ist wahr, dass ich davon kahl bin wie ein löchriger Korb / dass ich etwas in der Kehle spüre, das mich kratzt, / dass ich in meinem Rücken einen Vorgeschmack von Rheuma habe / und dass ich zu Tode gelangweilt bin mehr denn je. Aber <span style="text-decoration: underline;">c&#8217;est-n-égal </span><span style="text-decoration: underline;">((eigentlich ça m&#8217;est égal &#8211; aber wohl um des Wortspiels willen verwendet Verlaine diese Schreibweise))</span><span style="text-decoration: underline;"> = SENEGAL = das ist mir egal</span> / Ich werde mein widerliches Maul in den Senegal spazieren führen / ich habe Sankt Helena gesehen (scheiß auf Badingue<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_76_254" id="identifier_76_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beiname Napol&eacute;ons III. &amp;#8211; 1852-70 Kaiser der Franzosen">77</a></sup> ) eine Mordshochzeit, / Wie! Aber all&#8217; das ist nicht ernst. Ich träume vom Handel / Jetzt, und voller Tricks klau&#8217; ich alte Versicherungsschilder, / um sie gegen Rum an die Kanaken [sic!] weiterzuverkaufen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_77_254" id="identifier_77_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene, sinngem&auml;&szlig;e &Uuml;bersetzung">78</a></sup></p>
<p>Der Text mutet recht wirr an. Verlaine will damit wohl einen Rimbaud imitieren, der unter starkem Einfluss von Absinth Gedankenfetzen von sich gibt. Zugleich aber schimmert die Meinung durch, die er mittlerweile von Rimbaud hat und die nicht die beste ist. Seiner Ansicht nach zerstört sich Rimbaud auf seiner Sinnsuche selbst, ohne etwas zu erreichen, außer Krankheit und Entwürdigung. Anstatt also das Höhere, Erhabene zu schauen, wie beabsichtigt, tauscht er als Krüppel irgendwelchen auf dubiosen Wegen erworbenen Kram mit als primitiv angesehenen Eingeborenen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_78_254" id="identifier_78_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="so sieht es Verlaine wohl">79</a></sup> in Afrika.</p>
<p>Zunächst und überwiegend war es jedoch nicht sonderlich dubios, womit Rimbaud Handel trieb. So handelte er lange Zeit als Angestellter einer Faktorei in Aden mit Kaffee, der arabischen Karawanen aus dem Jemen in dicken Ballen abgekauft wurde, um dann von Hindufrauen sortiert und daraufhin nach Marseille exportiert zu werden.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_79_254" id="identifier_79_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992.">80</a></sup> Als er später in Harar in der Filiale der Adener Faktorei arbeitete, handelte er in deren Auftrag über den Kaffee hinaus auch mit Häuten und Gummi. Den sich vielleicht aufdrängenden Verdacht, er handele womöglich mit Sklaven, trat Rimbaud, bevor er geäußert wurde, vorsorglich in einem Brief an die Seinen vom 3. Dezember 1885 entgegen, nachdem ihm offenbar aufgegangen war, dass die vorherigen Schilderungen seiner gegenwärtigen Tätigkeit und der Siuation in Abessinien missverstanden werden konnten:</p>
<p>&#8220;Mes chers amis, Je suis ici en train de former ma caravane pour le Choa. Ça ne va pas vite, comme c&#8217;est l&#8217;habitude, mais, enfin, je compte me lever d&#8217;ici vers la fin de janvier 1886. Je vais bien. &#8211; Envoyez-moi le dictionnaire demandé, à l&#8217;adresse donnée. A cette même adresse, par la suite, toutes les communications pour moi. De là on me fera suivre. Ce Tadjoura-ci est annexé depuis un an à la colonie française d&#8217;Obock. C&#8217;est un petit village Dankali avec quelques mosquées et quelques palmiers. Il y a un fort, construit jadis par les Égyptiens, et où dorment à présent six soldats français sous les ordres d&#8217;un sergent, commandant le poste. On a laissé au pays son petit sultan et son administration indigène. C&#8217;est un protectorat. Le commerce du lieu est le trafic des esclaves. D&#8217;ici partent les caravanes des Européens pour le Choa, très peu de chose ; et on ne passe qu&#8217;avec des grandes difficultés, les indigènes de toutes ces côtes étant devenus ennemies des Européens, depuis que l&#8217;amiral anglais Hewett a fait signer à l&#8217;empereur Jean du Tigré un traité abolissant la traite des esclaves, le seul commerce indigène un peu florissant. Cependant, sous le protectorat français, on ne cherche pas à gêner la traite, et cela vaut mieux. <span style="text-decoration: underline;">N&#8217;allez pas croire que je sois devenu marchand d&#8217;esclaves</span>.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_80_254" id="identifier_80_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.">81</a></sup></p>
<p>„Meine lieben Freunde, Ich bin hier gerade dabei, meine Karawane nach Schoa aufzustellen. Das geht wie gewöhnlich nicht schnell, doch ich rechne damit, gegen Ende Januar 1886 aufbrechen zu können. Mir geht es gut. &#8211; Schickt bitte das Wörterbuch, um das ich bat, an die angegebene Adresse. Sendet bitte alles an die gleiche Adresse, wie sie unten angegeben ist. Von dort wird man mir alles nachsenden. Dieses Tadjoura ist seit einem Jahr der französischen Kolonie Obock angegliedert. Es ist ein kleines Ankali<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_81_254" id="identifier_81_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="arabische Bezeichnung f&uuml;r das nomadische Volk der Afar, dessen Verbreitung sich &uuml;ber den S&uuml;den Eritreas, den Osten &Auml;thiopiens und Dschibuti erstreckt">82</a></sup>-Dorf mit einigen Moscheen und Palmen. Es gibt eine Befestigungsanlage, die einst von den Ägyptern erbaut wurde und wo momentan sechs französische Soldaten in Quartier liegen unter dem Befehl eines Unteroffiziers und Kommandanten des Postens. Man hat den Sultan des Landes und seine indigene Regierung im Land belassen. Es ist ein Protektorat. Das örtliche Gewerbe ist der Sklavenhandel.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_82_254" id="identifier_82_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="bis hierher eigene &Uuml;bersetzung">83</a></sup> Von hier gehen Karawanen der Europäer nach Schoa ab, damit ist wenig los, und man kommt nur mit großen Schwierigkeiten durch, da die Eingeborenen an allen diesen Küsten den Europäern feind geworden sind, seit der englische Admiral Hewett den Kaiser Johannes von Tigre einen Vertrag unterzeichnen ließ, der den Menschenhandel abschafft, das einzige ein bißchen florierende Geschäft der Eingeborenen. Unter dem französischen Protektorat allerdings sucht man den Handel nicht zu behelligen, und das ist besser so. <span style="text-decoration: underline;">Glaubt nun nicht, daß ich Sklavenhändler geworden wäre.</span>&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_83_254" id="identifier_83_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.">84</a></sup></p>
<p>Im Folgenden kommt Rimbaud dann auf einen dubioseren Handel zu sprechen, den er erst kurz zuvor eingefädelt hatte und von dem er sich einen schnellen und großen Profit versprach: &#8220;Les m[archand]ises que nous importons sont des fusils (vieux fusils à piston réformés depuis 40 ans), qui valent chez les marchands de vieilles armes, à Liège ou en France, 7 ou 8 francs la pièce. Au roi du Choa, Ménélik II, on les vend une quarantaine de francs. Mais il y a dessus des frais énormes, sans parler ds dangers de la route, aller et retour. Les gens de la route sont les Dankalis, pasteurs bédouins, musulmans fanatiques : ils sont à craindre. Il est vrai que nous marchons avec des armes à feu et les bédouins n&#8217;ont que les lances : mais toutes les caravanes sont attaquées.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_84_254" id="identifier_84_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.">85</a></sup> &#8211; „Was wir an Waren importieren, sind Gewehre (alte Perkussionsgewehre, seit 40 Jahren überholt), die bei Altwaffenhändlern in Lüttich oder in Frankreich 7 oder 8 Franken das Stück kosten. An den König von Schoa, Menelik II., verkaufen wir sie für vierzig Franken. Darauf liegen aber große Unkosten, zu schweigen von den Gefahren beim Hin- und Rückmarsch. Die Leute auf dem Wege sind die Dankali, Beduinen und Herdenbesitzer, fanatische Muselmanen, sie sind zu fürchten. Freilich sind wir mit Feuerwaffen ausgerüstet[,] und die Beduinen haben nur Lanzen, &#8211; aber sämtliche Karawanen werden angegriffen.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_85_254" id="identifier_85_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.">86</a></sup> Dubios bzw. moralisch fragwürdig und verwerflich allerdings war an diesem Handel genau genommen höchstens, dass Rimbaud offenbar plante, besagten König Menelik zu übervorteilen, da er ihn wohl für primitiv und leichtgläubig genug hielt, ausgemusterte Gewehre der französischen und belgischen Armee zu kaufen, in der etwas überheblichen und seinerzeit unter Europäern natürlich völlig üblichen Annahme, dass diese noch gut genug für Auseinandersetzungen zwischen „primitiven Völkern&#8221; waren. Doch dies sollte sich als Trugschluss erweisen. Rimbaud investierte seine gesamten Ersparnisse aus mehreren Arbeitsjahren in dieses Unternehmen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_86_254" id="identifier_86_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.271.">87</a></sup>, so sicher schien ihm der Gewinn.<br />
Etwas problematisch war Rimbauds Waffenhandel zudem, weil die Briten solcherlei Aktivitäten südlich ihres De-facto-Protektorats Ägypten<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_87_254" id="identifier_87_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&Auml;gypten wurde 1882 von den Briten besetzt und 1914 formell zum Protektorat der englischen Krone erkl&auml;rt">88</a></sup> mit Argwohn betrachteten und verhindern wollten, dass ihnen irgendeine Macht von Süden her gefährlich werden könnte. Um den Briten dahingehend entgegenzukommen, erließ Frankreich ein Verbot, wonach es Karawanen mit Ziel Schoa untersagt wurde, Waffen zu transportieren.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_88_254" id="identifier_88_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.278.">89</a></sup></p>
<p>Mit Menelik II. aber sah sich Rimbaud einem Mann gegenüber, der sicher nicht durch Einfalt oder Primitivität drei Jahre nach seiner Handelsbeziehung mit Rimbaud Kaiser von Äthiopien wurde<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_89_254" id="identifier_89_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="1889-1913">90</a></sup> und das Land in die Moderne führte. Nicht zuletzt Menelik II. war es, der 1896 durch einen Sieg gegen die italienische Armee in der Schlacht von Adwa dafür sorgte, dass Äthiopien das einzige afrikanische Land war, das niemals Kolonie eines europäischen Staates war<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_90_254" id="identifier_90_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="abgesehen von Liberia, das allerdings zu Beginn eine Art US-amerikanische Kolonie war und Marokko, das aber doch franz&ouml;sisches Protektorat war, ebenso wie &Auml;gypten britisches Protektorat war.">91</a></sup>. Eritrea wurde 1890 italienische Kolonie, nicht aber Äthiopien. Allerdings hatten die Italiener selbst, neben Anderen, zu denen auch in einem viel kleineren Maßstab Händler wie Rimbaud gehörten, Menelik II. zu seinem Sieg befähigt, als sie ihm nämlich zu einem früheren Zeitpunkt tausende moderne Gewehre geliefert hatten, um ihn gegen die sudanesischen Mahdisten sowie gegen anglo-ägyptische Ansprüche auf Äthiopien zu wappnen, natürlich mit Blick auf einen eigenen möglichen Einfluss in Äthiopien. Nun ging es aber den Italienern so, wie es heutzutage den US-Amerikanern geht, wenn sie die einst im Kampf gegen die Sowjetunion befindlichen Taliban massiv förderten und stark machten, sie nun aber nicht mehr unter Kontrolle bekommen, da sie von Verbündeten zu Gegnern geworden sind. Die Italiener verloren sicher auch, weil sie nur etwa 15.000 Mann hatten, wogegen die Äthiopier 120.000 Mann aufboten (wovon etwa 20.000 allerdings nur mit Speeren bewaffnet waren). Doch ungeachtet dessen wusste Menelik II. offenbar seine Interessen geschickt zu verfolgen und ließ sich nicht für europäische Interessen instrumentalisieren.</p>
<p><a title="Sur le 70e parallèle (Ernest Delahaye, 1877)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/sur-le-70e-parallele-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/sur-le-70e-parallele-mini.JPG" alt="sur-le-70e-parallele-mini.JPG" /></a>Ein Brief aus dem Jahr 1877 von Ernest Delahaye an Ernest Millot enthält ebenfalls eine Karikatur Rimbauds<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_91_254" id="identifier_91_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.576.">92</a></sup>. Der dort abgebildete Mann hat eine Hammerpfeife im Mund einen Wanderstock in der Rechten und trägt einen mit Fell gefütterten Mantel, dessen Kragen nach oben geschlagen ist, so dass sein Kopf nur gerade so sichtbar ist. Weiterhin trägt dieser Mann Schneeschuhe oder eher Schlittschuhe. Er stößt gerade mit einem aufrecht stehenden Eisbären an, der ebenfalls eine Hammerpfeife raucht. Der Bär hat ein Absinthglas in seiner rechten Tatze, während Rimbaud sein Glas in der linken Hand hält. Zwischen beiden steht eine große Absinthflasche. Diese an sich schon völlig absurde Situation wird von Delahaye in seinem Brief wie folgt kommentierend gesteigert: &#8220;[...] je te dis qu&#8217;IL a été signalé dernièrement à Stockholm, puis à Copenhague, et pas de nouvelles depuis. Les géographes les plus autorisés le supposent vers le 76<sup>e</sup> parallèle, ainsi me suis-je humblement [fait leur] interprète.&#8221; &#8211; „[...] ich sage Dir, dass ER in Stockholm und dann in Kopenhagen das letzte Mal etwas hat von sich hören lassen. Seitdem gibt es keine Neuigkeiten. Die berufensten Geographen wähnen ihn etwa auf dem 76. Breitengrad, meiner bescheidenen Interpretation zufolge.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_92_254" id="identifier_92_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">93</a></sup> Die Karikatur trägt den Titel &#8220;Sur le 70<sup>e</sup> parallèle&#8221;, also „Auf dem 70. Breitengrad&#8221;. Sowohl der 70. als auch der 76. Breitengrad verlaufen mitten durch Grönland. Delahaye insinuiert so auf ironische Weise, dass Rimbaud die Welt systematisch nach Längen- und Breitengraden bereise und erst irgendwann, in unabsehbarer Zukunft, wenn er auch noch mit dem letzten Säugetier und womöglich Insekt gezecht habe vielleicht einmal zur Ruhe kommen werde. Delahaye lässt Rimbaud zudem durch eine Sprechblase sagen: « Oh la la&#8230; C&#8217;est plus des Javanais qu&#8217;il me faut!&#8230; » &#8211; „Ach je, ich brauche mehr Javanesen!&#8221; Hiermit spielt Delahaye wohl darauf an, dass Rimbaud sich im Jahr zuvor für die niederländische Kolonialarmee verpflichtet hatte, um kostengünstig nach Asien zu gelangen. Letztlich kam er nach Java, wo er jedoch alsbald wieder desertierte. Java bot sich als <em>Pars pro toto</em> für Rimbauds Fernweh an, da es Rimbauds weiteste Reise war. Die Javanesen stehen daher stellvertretend für sämtliche Völkerschaften, die Rimbaud noch nicht besucht hat.<br />
<a title="Une aventure de Rimbaud (Ernest Delahaye, 1875-1877)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/une-aventure-de-rimbaud-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/une-aventure-de-rimbaud-mini.JPG" alt="une-aventure-de-rimbaud-mini.JPG" /></a>Eine weitere Karikatur aus der Feder Delahayes<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_93_254" id="identifier_93_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.931.">94</a></sup> zeigt Rimbaud offensichtlich sturzbetrunken in einem Weinkeller sitzend, hinter sich zwei Weinfässer und eine umgefallene, auslaufende Weinflasche. Rimbaud ist von oben bis unten mit Kellerasseln übersät. Die Bildinschrift lautet: &#8220;Scène d&#8217;intérieur &#8211; Une aventure de Rimbaud&#8221;. Die aus dem Zeitraum zwischen 1875 bis 1877 stammende Zeichnung ist sehr hämisch, macht sie sich doch über Rimbauds Abenteuer lustig und stellt sie letztlich als reine Besäufnisse hin.</p>
<p><a title="Toi et ta pipe ... (Ernest Delahaye, 1876)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/toi-et-ta-pipe-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/toi-et-ta-pipe-mini.JPG" alt="toi-et-ta-pipe-mini.JPG" /></a>Dann gibt es noch eine Skizze von Delahaye aus dem Jahr 1876, auf der Verlaine, Rimbaud, Germain Nouveau und er selbst zu sehen sind<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_94_254" id="identifier_94_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.539.">95</a></sup>. Verlaines Kopf ist riesig. Seine Konturen gehen fließend in die einer über Land und Wasser schwebenden Wolke über. In Verlaines &#8220;Wolkenmund&#8221; steckt der Hals einer riesigen Tabakpfeife (handschriftliche Notiz: « Toi, &amp; ta pipe » &#8211; „Du und Deine Pfeife.&#8221;), der ins Meer eintaucht, wo sich daher ihr Kopf befindet, deren Deckel ein kleines Dampfschiff ist (handschriftliche Notiz: « Un vapeur épatant qui l&#8217;emporte vers des horizons inconnus » &#8211; „Ein famoser Dampfer, der ihn zu unbekannten Horizonten fortträgt.&#8221;). Auch Rimbauds Gesicht ist &#8211; gemessen am Dampfschiff &#8211; überdimensional und befindet sich ebenfalls unter Wasser. Die Wellen lassen seine Gesichtszüge verschwimmen. Wie fast immer trägt er einen Hut, dessen Krempe sich unter dem Wasserspiegel befindet. Der eigentliche Hut wird von einem lachenden Vollmond gebildet, der sich am Horizont abzeichnet (handschriftliche Notiz: « La lune qui rigole &amp; qui sert de chapeau à Rimbe » &#8211; „Der lachende Mond, der Rimbaud als Hut dient.&#8221;). Delahaye befindet sich an Land auf einem Fels und hält mit einem Fernrohr Ausschau nach dem Dampfschiff und Rimbaud (handschriftliche Notiz: « Moi » &#8211; „Ich&#8221;). Der Fels, auf dem Delahaye steht, könnte übrigens auch Verlaines Schulter sein, womit Delahaye sich selbstkritisch als Affe oder Papagei Verlaines darstellt. Von all dem nimmt Germain Nouveau keine Notiz. Er liegt abgewandt vom Bildzentrum auf dem Rücken mit dem Blick nach oben gerichtet, weg von den auf dem Bild dargestellten Ereignissen und raucht in Gedanken verloren eine Zigarette (handschriftliche Notiz: « Nouve qui s&#8217;en fiche » &#8211; „Germain Nouveau, der drauf pfeift&#8221;). Eine weitere Notiz auf der Skizze ähnelt einer Regieanweisung und lautet: « Le fond tout noir. la fumée bleu violet » &#8211; „Der Hintergrund ganz schwarz. Der Dampf blau-violett.&#8221; Genau genommen lässt diese Karikatur nicht Rimbaud schlecht aussehen, sondern vielmehr Verlaine und auch Delahaye, die beide nicht in der Lage zu sein scheinen, ein Leben nach Rimbaud zu leben, die ihm nachtrauern und nicht von ihm loskommen. Germain Nouveau wirkt mit seiner Indifferenz viel souveräner, allerdings war er auch nicht Rimbauds Geliebter, wie Verlaine. Insofern ist es vielleicht auch leichter weiterzuleben.</p>
<p><a title="Il en devient bassinant à la fin (Ernest Delahaye, 1876)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/il-en-devient-bassinant-a-la-fin-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/il-en-devient-bassinant-a-la-fin-mini.JPG" alt="il-en-devient-bassinant-a-la-fin-mini.JPG" /></a>Ebenfalls aus dem Jahr 1876 datiert eine weitere von Delahaye stammende Karikatur. Auf ihr sind Verlaine, Delahaye und Rimbaud dargestellt. Verlaine und Delahaye tragen beide Mantel und Hut sowie jeweils einen sehr langen, geschlossenen Regenschirm unter dem Arm. Verlaine sagt im Davongehen: « Il en devient bassinant à la fin !&#8230; » &#8211; „Es ist ihm schließlich langweilig geworden.&#8221; Auf der linken Bildhälfte ist Rimbaud als schwarzer Engel dargestellt (der ganze Körper und die Flügel sind schwarz schraffiert), der &#8211; während er rücklings zu entschweben scheint &#8211; Verlaine und Delahaye eine lange Nase dreht. Von seinem rechten Bein hängt ein Schild herab mit der Aufschrift: « Bachot complet » &#8211; „Abitur vollständig&#8221;. Dazu muss gesagt werden, dass Rimbaud in der Schule zwar Bestleistungen erbrachte und in mehreren Wettbewerben zahlreiche Preise in Latein, Griechisch, Geschichte, Geographie, Gedichtrezitation, Rhetorik, Französisch sowie Religion einheimste, aber aufgrund seiner Flucht aus Charleville nach Paris nie das Abitur machte. Die Karikatur ist daher womöglich so zu deuten, dass Delahaye meinte, dass es Rimbaud vielleicht irgendwann doch zu dumm werden könnte mit dem rastlosen Reisen und er sich vielleicht wieder auf seine intellektuellen Fähigkeiten besänne. Die Darstellung als schwarzer Engel erweckt die Assoziation, dass Rimbaud ein gefallener Engel sei, ein Luzifer (aus lat. lūx, lūcis = Licht; ferrō, ferre, tulī, lātum = tragen, bringen). Dies würde mit Rimbauds einstiger Vorstellung korrespondieren, derzufolge ein Dichter ein „Dieb des Feuers&#8221; sein müsse: &#8220;Donc le poète est vraiment voleur de feu.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_95_254" id="identifier_95_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.229.">96</a></sup>. Der christliche Luzifer-Mythos hat sein Vorbild im antiken Prometheus-Mythos. Genauso wie Luzifer war auch Prometheus der Lichtbringer, allerdings bedeutet sein Name „der Vorausdenkende&#8221;. Er trug jedoch auch den Beinamen „Pyrphoros&#8221; (Feuerbringer). Lichtbringer oder Feuerbringer &#8211; beide Begriffe können auch als Metapher für Aufklärung verstanden werden. Solch ein Feuer bringender Dichter müsse ein „Seher&#8221; (&#8220;voyant&#8221;) sein und sich daher „sehend&#8221; machen, so Rimbaud in einem Brief vom 15. Mai 1871 an Paul Demeny<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_96_254" id="identifier_96_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.">97</a></sup>. Sehend mache er sich &#8220;durch eine lange, gewaltige und überlegte <em>Entregelung aller Sinne</em>. Alle Formen von Liebe, Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um nur den innersten Kern davon zu bewahren. Unsägliche Qual, wo er des vollen Vertrauens, der gesammelten übermenschlichen Kraft bedarf, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzbrecher, der große Verdammte wird, &#8211; und der höchste Wissende! &#8211; Denn er kommt an beim <em>Unbekannten!</em> Weil er seine schon reiche Seele weiter hinaus gebildet hat, weiter als irgend jemand sonst! Er kommt an beim Unbekannten, und wenn er, überwältigt, daran endete, daß er das Verständnis seiner Gesichte verliert, so hat er sie doch gesehen! Soll er nur zerbrechen in seinem riesigen Sprung durch die unerhörten und unnennbaren Dinge: kommen werden andere furchtbare Arbeiter; sie werden bei den Horizonten anfangen, wo der Vorgänger sich erschöpft hat!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_97_254" id="identifier_97_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Brief Rimbauds an Paul Demeny vom 15. Mai 1871. Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, 25.">98</a></sup> Im Original lautet die Passage wie folgt: &#8220;Le Poète se fait <em>voyant</em> par un long, immense et raisonné <em>dérèglement </em>de <em>tout les sens</em>. Toutes les formes d&#8217;amour, de souffrance, de folie ; il cherche lui-même, il épuise en lui tous les poisons, pour n&#8217;en garder que les quintessences. Ineffable torture où ila besoin de toute la foi, de toute la force surhumaine, où il devient entre tous le grand malade, le grand criminel, le grand maudit, &#8211; et le suprême Savant ! &#8211; Car il arrive à l&#8217;<em>inconnu !</em> Puisqu&#8217;il a cultivé son âme, déjà riche, plus qu&#8217;aucun ! Il arrive à l&#8217;inconnu, et quan, affolé, il finirait par perdre l&#8217;intelligence de ses visions, il les a vues ! Qu&#8217;il crève dans son bondissement par les choses inouïes et innommables : viendront d&#8217;autres horribles travailleurs ; ils commenceront par les horizons où l&#8217;autre s&#8217;est affaissé !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_98_254" id="identifier_98_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, 227.">99</a></sup></p>
<p>Die Darstellung Rimbauds als schwarzer Engel erinnert an eine zeitgenössische Illustration von Gustave Doré<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_99_254" id="identifier_99_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1832 &dagger;1883">100</a></sup> für John Miltons<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_100_254" id="identifier_100_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1608 &dagger;1674">101</a></sup> „Paradise Lost&#8221;, die Delahaye bekannt gewesen sein dürfte. Genau genommen wirkt Delahayes Skizze wie eine Karikatur von Dorés schwarzem Engel beim Höllensturz. Die von Rimbaud geschilderte Programmatik, wonach der Dichter der „höchste Wissende&#8221; werden müsse, grenzt natürlich an genau jenes „Vergehen&#8221;, das Luzifer zum Verhängnis wurde, nämlich dem Schöpfer die Stirn zu bieten, sich über ihn überhöhen zu wollen, indem man versucht, die Schöpfungsgeheimnisse zu lüften, dem Schöpfer gleichsam auf die Spur zu kommen, eben „den Ort zu finden und die Formel&#8221;. In gewisser Weise lässt die Darstellung auch an den Ikarus-Mythos denken. Auch Ikarus wurde sein Übermut letztlich zum Verhängnis und ließ ihn abstürzen. Das Karikaturhafte nun ist die kindlich-naive Darstellung Rimbauds als schwarzer Engel, zu der es gehört, dass seine gefleckten Flügel eher denen eines Schmetterlings gleichen als denen eines Engels in den gängigen Darstellungen. Die Tatsache, dass ein Schild an Rimbauds Bein baumelt, lässt die Darstellung zusätzlich ironisch wirken. Dass Delahaye Rimbaud seinen alten Freunden eine lange Nase drehen lässt, zeugt von der möglichen Auffassung dieser, dass Rimbaud unbelehrbar sei und selbst bei seinem Höllensturz noch Spott für alles und jeden übrig haben würde.</p>
<p>Ein weiteres für Rimbaud gebrauchtes Synonym findet sich in einem Brief von Delahaye an Verlaine aus dem Jahr 1876: &#8220;toujours pas de nouvelles de l&#8217;Ho tt entot [sic!]. Quoi qu&#8217;il devient ? Peut-être que ses os blanchissent actuellement sur une pyramide acharnée. Enfin : pas ma faute !&#8230;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_101_254" id="identifier_101_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.535.">102</a></sup> &#8211; „noch immer keine Neuigkeiten vom Hottentotten. Was mag aus ihm geworden sein? Womöglich bleichen seine Knochen gerade auf einer verbitterten Pyramide (oder: in Form einer verbitterten Pyramide). Nun ja, meine Schuld ist (wäre) es nicht!&#8221;.((eigene Übersetzung))</p>
<p>In einem Brief Delahayes an Verlaine vom 16. Juni 1877, heißt es: &#8220;Du « Voyageur Toqué, » pas de nouvelles. Sans doute envolé bien loin, bien loin, car je ne l&#8217;ai pas aperçu depuis mon retour ici.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_102_254" id="identifier_102_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale I &amp;#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.568.">103</a></sup> &#8211; „Vom verrückten Reisenden gibt es keine Neuigkeiten. Ohne Zweifel ziemlich weit entflogen, ziemlich weit, denn ich habe ihn seit meiner Rückkunft hier nicht erspäht.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_103_254" id="identifier_103_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">104</a></sup></p>
<p>Ein wenig schmeichelhafter Spitzname für Rimbaud findet sich unter anderem in einem Brief Paul Verlaines an Ernest Delahaye vom 3. September 1875. Darin erkundigt sich Verlaine folgendermaßen nach Rimbaud: &#8220;Quelle nouvelle (en tous cas) de l&#8217;Œstre ?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_104_254" id="identifier_104_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.427.">105</a></sup> &#8211; „Welche Neuigkeit gibt es (auf jeden Fall) von der Pferdebremse?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_105_254" id="identifier_105_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">106</a></sup> Am 26. Oktober 1875 fragt Verlaine wiederum in einem Brief an Delahaye nach Rimbaud: &#8220;Et quoi de l&#8217;Œstre ?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_106_254" id="identifier_106_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.443.">107</a></sup> &#8211; „Was gibt es (Neues) von der Pferdebremse?&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_107_254" id="identifier_107_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">108</a></sup> Dass Verlaine ausgerechnet den Namen eines Blut saugenden Insekts als Spitznamen für Rimbaud wählte, steht offenbar im Zusammenhang mit Rimbauds Neigung, bei Freunden zu schnorren, insbesondere bei Verlaine und in starkem Maß im Jahr 1875.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_108_254" id="identifier_108_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.">109</a></sup> Enid Starkie schildert diese Situation so: „Rimbaud hatte wegen der beschränkten Verhältnisse, in denen er leben mußte, nicht mehr die geringsten Skrupel, was Geld anbetraf, und war nie darum verlegen, wie er es sich verschaffen sollte, wenn er Alkohol und Tabak brauchte. Wie Delahaye berichtet, schwindelte Rimbaud den paar ihm verbleibenden Freunden allerhand vor, um sie um kleine Summen anzupumpen. Sie pflegten ihn l&#8217;œstre, die Bremse, zu nennen. Die größte Hoffnung in dieser Beziehung setzte Rimbaud jedoch auf Verlaine. Er erinnerte sich an dessen frühere Schwäche und Leichtsinn im Geldausgeben. Er hatte überdies bemerkt, daß Verlaine noch immer an ihm hing, daß diese Freundschaft für Verlaine in dem Schiffbruch seines Lebens als das einzig Schöne und Kostbare übrig geblieben war. Rimbaud hoffte, Verlaine würde sich dieses Gefühl etwas kosten lassen. Er bat ihn in einem Brief um eine größere Summe und machte diese zum Preis seiner Freundschaft. Er scheint sogar zur Erpressung geschritten zu sein, wenn der Versuch auch ziemlich schwach war, indem er ihm drohte, alles zu enthüllen &#8211; was das nun eigentlich wäre, sagte er nicht -, wenn Verlaine das Geld nicht schickte.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_109_254" id="identifier_109_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.242f.">110</a></sup> Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte offenbar recht frei, da es im englischen Original nicht einfach heißt: „Rimbaud hatte wegen der beschränkten Verhältnisse, in denen er leben mußte, nicht mehr die geringsten Skrupel, was Geld anbetraf [...]&#8220;, sondern: &#8220;Rimbaud, like so many whose minds are occupied with cosmic visions, had no inhibitions where money was concerned and he saw no reason why he should not &#8216;sponge&#8217; on his friends when he was short of money for drinks or smokes.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_110_254" id="identifier_110_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.314.">111</a></sup> Starkie bringt offenbar etwas mehr Verständnis für Rimbauds Schnorrerei auf, als der Übersetzer seines Buches Hans B. Wagenseil, denn Starkie räumt ein, dass viele andere Menschen, deren Geist mit kosmischen Visionen beschäftigt sei, entweder gar kein Verhältnis zu Geld oder zumindest ein gestörtes Verhältnis dazu hatten. So gesehen wertet Starkie diese Haltung Rimbauds auf, indem er sie als Folge einer geistigen Beschäftigung darstellt. Oder Wagenseil wertet sie ab, indem er sie als direkte Folge materieller Engpässe deklariert.<br />
Diesen Punkt abschließend soll noch erwähnt werden, dass Michael Pakenham<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_111_254" id="identifier_111_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.">112</a></sup> in einer Fußnote erwähnt, dass Jean-Pierre Chambon<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_112_254" id="identifier_112_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Chambon, Jean-Pierre: Les mots de l&amp;#8217;autre. 1986">113</a></sup> darauf hinweist, dass der Begriff &#8220;l&#8217;œstre&#8221; im Lateinischen neben der Bedeutung „Pferdebremse&#8221; die zusätzliche Bedeutung &#8220;délire prophétique ou poétique&#8221; (prophetisches/poetisches Delirium, Wahn, Raserei, Begeisterung) in sich trage, was Verlaine und Delahaye womöglich nicht verborgen geblieben ist und sie daher &#8220;l&#8217;œstre&#8221; vielleicht ganz bewusst in seiner Doppeldeutigkeit verwendeten.</p>
<p>Ein weiteres Synonym für Rimbaud ist &#8220;l&#8217;Autre&#8221; &#8211; „der Andere&#8221;. Ein Beispiel dafür findet sich in einem Brief Verlaines an Charles und Emma de Sivry aus dem Jahr 1878<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_113_254" id="identifier_113_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.613.">114</a></sup>, wo er schreibt: &#8220;Ici « que de besogne, que de besogne ! » &#8211; comme pourrait dire <span style="text-decoration: underline;">Cet Autre</span>.&#8221; &#8211; „Hier ‚wie viel Arbeit, wie viel Arbeit!&#8217; &#8211; wie <span style="text-decoration: underline;">Dieser Andere</span> sagen könnte.&#8221; Diesen Spitznamen hat Rimbaud wohl selbst geprägt, wie ein poetologischer Brief von ihm an Georges Izambard vom 13. Mai 1871 zeigt: &#8220;Il s&#8217;agit d&#8217;arriver à l&#8217;inconnu par le dérèglement de <em>tous les sens</em>. Les souffrances sont énormes, mais il faut être fort, être né poète, et je me suis reconnu poète. Ce n&#8217;est pas du tout ma faute. C&#8217;est faux de dire : Je pense : on devrait dire on me pense. &#8211; Pardon du jeu de mots. JE est un autre. Tant pis pour le bois qui se trouve violon, et Nargue aux inconscient, qui ergotent sur ce qu&#8217;ils ignorent tout à fait !&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_114_254" id="identifier_114_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.224.">115</a></sup> &#8211; „Es geht darum, durch die Entregelung <em>aller Sinne</em> beim Unbekannten anzukommen. Die Leiden sind ungeheuerlich, aber man muß stark sein, als Dichter geboren sein, und ich habe mich als Dichter erkannt. Nicht im geringsten ist das meine Schuld. Es ist falsch zu sagen: Ich denke. Man müßte sage: Es denkt mich. Entschuldigen Sie das Wortspiel. ICH ist ein Anderes. Um so schlimmer für das Holz, das sich als Geige vorfindet, und Hohn über die Ahnungslosen, die an dem herumkritteln, was sie überhaupt nicht kennen!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_115_254" id="identifier_115_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.19 u. 21.">116</a></sup> Nur zwei Tage später, am 15. Mai 1871, schrieb Rimbaud Ähnliches an Paul Demeny: &#8220;Car Je est un autre. Si le cuivre s&#8217;éveille clairon, il n&#8217;y arien de sa faute. Cela m&#8217;est évident : j&#8217;assiste à l&#8217;éclosion de ma pensée : je la regarde, je l&#8217;écoute : je lance un coup d&#8217;archet : la symphonie fait son remuement dans les profondeurs, ou vient d&#8217;un bond sur la scène.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_116_254" id="identifier_116_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.">117</a></sup> &#8211; „Denn ICH ist ein Anderes. Wenn das Blech als Trompete aufwacht, ist es nicht selbst daran schuld. Dies ist mir offensichtlich: helfend tätig habe ich an der Erschließung meines Gedankens teil: ich sehe und höre ihn: ich tue einen ersten Bogenstrich: in den Tiefen setzt sich der Zusammenklang in Bewegung oder er kommt jäh in einem Sprung auf die Bühne.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_117_254" id="identifier_117_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.23.">118</a></sup> Dazu erklärt Starkie: „Der einzige Weg, ein wirklicher Dichter zu werden, besteht nach Rimbaud darin, daß man ein <em>Seher</em> wird, daß man das himmlische Feuer raubt. Der Dichter muß ein Seher werden, dessen Geist ins Unendliche dringen kann, durch den Schleier der Wirklichkeit, der es vor unseren Augen verbirgt. Der Dichter kann aber unmöglich Seher werden, wenn er die alte Auffassung der individuellen menschlichen Persönlichkeit nicht aufgibt. ‚Wenn nicht alle die alten Tröpfe&#8217;, schreibt Rimbaud, ‚an der falschen Auffassung des Ichs festgehalten hätten, so müßten wir heute nicht die Millionen von Skeletten hinwegfegen, die seit undenklichen Zeiten die Erzeugnisse ihrer einäugigen Hirne angehäuft haben, auf die sie auch noch stolz sind.&#8217; Die alte Vorstellung, daß die Persönlichkeit des Dichters von Wichtigkeit sei und daß dieser sein Werk aus sich selbst heraus erzeuge, ist vollständig falsch. Der Dichter ist nur das Sprachrohr des Ewigen, er selbst zählt gar nicht, denn er gibt nur der Stimme eines anderen unbewußt Ausdruck. ‚Es ist falsch zu sage: <em>ich denke</em>, man sollte vielmehr sagen: <em>man denkt mich</em>.&#8217; Der Dichter kann nicht wissen, warum gerade er auserwählt ist. Er hat mit dem Vorgang gar nichts zu tun, dieser geht ohne sein Wollen vor sich. Genau so, fügt Rimbaud hinzu, wie das Blech nichts dazu kann, wenn es zu einer Trompete geformt wird, und das Holz nicht die Wahl hat, ob es eine Geige werden will oder nicht. ‚Ich ist ein anderer&#8217;, wiederholt Rimbaud mehrmals. Ein Strich des Bogens, und es entsteht ein Ton. Die Geige hat sich nicht gerührt und doch quillt Musik aus ihr. So ist es mit dem Dichter. Ein anderes Wesen spielt auf ihm, während er unbewußt und automatisch die Töne hervorbringt, die ihm eingeflößt werden. Dann lauscht er gebannt der Melodie, die er unbewußt geschaffen hat. &#8216;Ich bin bei der Geburt meines Gedankens zugegen, ich betrachte ihn und lausche.&#8217; Aber er weiß ebensowenig wie wir, woher dieser Gedanke kommt, noch was er wirklich ist. Der Dichter kann sich jedoch bemühen, ein richtiges Holz für die himmlische Geige zu werden. Zu diesem Zweck muß er alles zerstören, worauf sich die menschliche Persönlichkeit aufbaut, alles, was sie von anderen unterscheidet, den ganzen Egoismus, der ihr innewohnt. Er muß sie aufbrechen, wie der Boden durch den Pflug aufgebrochen wird, er muß das Unkraut der Gewohnheit und der Vorurteile ausreißen, denn nur in einem so vorbereiteten Boden werden die Samenkörner der unsichtbaren Welt keimen und blühen. Alle Mittel, die diesen Zustand der Auslöschung, des Ichs herbeiführen, sind recht: Alkohol, Rauschgift, alles, was die menschliche Seele aus ihrer sterblichen Hülle emporheben und in die Ewigkeit tragen kann. Alles ist gut, was die Herrschaft der Vernunft zerstört, alles wertvoll, was dazu dient, die Fähigkeiten des Menschen von ihren gewöhnlichen Hemmungen zu befreien. Was schadet es, wenn die Mittel giftig sind, wenn sie unvermeidlich die geistige Kraft ins Wanken bringen? Sie sind der Dünger, der den Boden vorbereitet. Aus dieser giftigen und verwesenden Masse werden die schönsten Blumen entsprießen. Daher muß nach Rimbaud der Dichter sich moralisch verderben und erniedrigen, um die natürlichen Hemmungen zu überwinden, die Deiche niederzureißen, die Ordnung und Gewohnheit um die menschliche Persönlichkeit aufgebaut haben. &#8216;Der Dichter wird Seher durch eine lange, ungeheure und absichtliche Verwirrung aller seiner Sinne.&#8217; Er muß alle Formen der Liebe und der Ausschweifung erleben, damit er das Wesentliche festhalten kann. Von Baudelaire lernte Rimbaud den Wert der durch solche Methoden angeregten Träume kennen; aber in einem Punkte trennt er sich von ihm. Baudelaire behielt inmitten seiner schlimmsten Verwirrungen immer ein Gefühl der Sünde. Rimbaud jedoch wollte nicht anerkennen, daß Ausschweifung ein Laster sei. Er war überzeugt, daß er außerhalb des Bereiches der Sünde stand. Als er später auf die Irrtümer dieser Zeit zurückblickte, sagte er: &#8216;Ich, der ich mich Magier oder Engel genannt und von jeder Moral freigemacht habe, ich bin der Erde zurückgegeben!&#8217;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_118_254" id="identifier_118_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &amp;#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.110f.">119</a></sup></p>
<p>In einem ähnlichen Zusammenhang wie &#8220;l&#8217;Autre&#8221; kann wohl auch die Bezeichnung Rimbauds als &#8220;Chose&#8221; &#8211; &#8220;Sache&#8221; gesehen werden. Auch sie spielt vermutlich auf die Distanz Rimbauds zur eigenen Person an, die von Delahaye und Verlaine in ihrer Korrespondenz offenbar etwas auf die Schippe genommen wird. In einem Brief aus dem englischen Boston (Lincolnshire) an Delahaye vom 7. Mai 1875 schreibt Verlaine: &#8220;Avoir reçu, par des voies impossibles une lettre de [Germain] Nouveau qui paraît-il est à Londres. Par lui nouvelles de <span style="text-decoration: underline;">Chose</span> qui, à Milan, en attendant argent pour Espagne ?!!?!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_119_254" id="identifier_119_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.398.">120</a></sup> &#8211; &#8220;Habe auf unmöglichen Wegen einen Brief von [Germain] Nouveau erhalten, der, wie es den Anschein hat, in London ist. Durch ihn Neuigkeiten von der <span style="text-decoration: underline;">Sache</span>, die, in Mailand auf Geld für Spanien wartet?!!?!&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_120_254" id="identifier_120_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">121</a></sup> Es heißt, Rimbaud habe sich als Söldner für die Karlisten rekrutieren lassen, um im dritten Karlistenkrieg (1872-76) auf Seiten der Karlisten um die spanische Thronfolge zu kämpfen. Rimbauds Verhältnis zum Geld ist ja bereits zur Sprache gekommen, auch wurde erwähnt, dass er auf Java aus der niederländischen Kolonialarmee desertierte. Und so verhielt es sich wohl auch mit den Karlisten. Es wird vermutet, dass er sich habe anwerben lassen, um den ersten Sold zu kassieren, sich aber umgehend nach Erhalt des Solds aus dem Staub gemacht und somit nie in Spanien gekämpft habe.</p>
<p><a title="Karikatur von Verlaine, 1875" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/karikatur-von-verlaine-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/karikatur-von-verlaine-mini.JPG" alt="karikatur-von-verlaine-mini.JPG" /></a>Der Brief Verlaines, aus dem obiges Zitat stammt, enthielt noch eine Karikatur, auf der Nouveau, Verlaine, Delahaye und Rimbaud zu sehen sind. Ganz links ist Nouveau als winzige Figur mit Doktorhut, Schirm und einem Dokument in der Hand dargestellt. Verlaine (&#8220;moi&#8221;) ist, wie die weiteren Figuren auch etwa vier Mal so groß wie Nouveau, aber trägt wie dieser auch einen Doktorhut (eine Anspielung auf die Tatsache, dass er in England unterrichtete) und hält einen Schirm sowie ein Dokument in den Händen. Daneben ist Delahaye (&#8220;toi&#8221;) in einer Robe mit Jabot abgebildet, mit einem Richterbarett als Kopfbedeckung und einem Dokument in beiden Händen, wohl, weil er Jurisprudenz zu studieren beabsichtigte. Schließlich sieht man &#8211; ganz rechts &#8211; Rimbaud. Neben ihm steht besagtes &#8220;Chose&#8221;. Als Kopfbedeckung trägt er einen sehr hohen, sich nach oben hin verjüngenden Hut, wie man ihn von Magiern oder Astrologen kennt sowie einen Umhang. Er hat die obligatorische Hammerpfeife im Mund, aus der Rauch steigt, und hält ein Blatt Papier in den Händen, auf dem das &#8211; fälschlicherweise mit doppeltem &#8220;d&#8221; geschriebene &#8211; italienische Wort &#8220;trad[d]uzione&#8221; zu entziffern ist, was als Hinweis auf Rimbauds Aufenthalt in Italien zu verstehen ist, wovon Verlaine in dem Brief ja auch schreibt. Während also Nouveau, Verlaine und Delahaye seriösen Berufen nachgehen bzw. darauf hinarbeiten, wird Rimbaud in der Bekleidung eines eher als unseriös angesehenen Berufsstandes dargestellt. Zumindest als unheimlich und absonderlich wird man Magier bzw. Astrologen empfunden haben. Rimbaud wird ähnliche Empfindungen bei Verlaine hervorgerufen haben. Abgesehen davon hat sich Rimbaud, wie Starkie sagt (siehe oben), selbst auch als Magier bezeichnet.<br />
Ein knappes Jahr später, im Februar 1876, schrieb Delahaye an Verlaine: &#8220;Je n&#8217;ai pas eu de nouvelles de <span style="text-decoration: underline;">Chose</span> depuis ma dernière : je vais lui écrire incessamment. Et tu sais sans doute qu&#8217;il pleut perpétuellm<sup>t</sup> ici depuis plus d&#8217;un moi. Est-ce la même chose chez toi ? Il est sûr au moins que la philomathie, par ce temps-là, est obligée de garder la chambre. Ainsi, rien de nouveau avant qu&#8217;il ne fasse sec. A bientôt / Ton fidèle / Delahaye&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_121_254" id="identifier_121_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.490.">122</a></sup> &#8211; &#8220;Ich habe keine Neuigkeiten von der <span style="text-decoration: underline;">Sache</span> seit meiner letzten: Ich werde ihr<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_122_254" id="identifier_122_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="- der Sache &amp;#8211; also ihm &amp;#8211; Rimbaud">123</a></sup> unverzüglich schreiben. Und weißt Du, dass es hier seit wahrscheinlich mehr als einem Monat ohne Unterlass regnet. Ist es bei Dir genauso? Es ist zumindest sicher, dass die Philomatie (der Wissensdrang) zu solchen Zeiten gezwungen ist, das Zimmer zu hüten. Folglich keine Neuigkeiten, bevor es trocken ist.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_123_254" id="identifier_123_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">124</a></sup>Eine weitere Bezeichnung für Rimbaud hat ihren Ursprung in einem konkreten, sehr traurigen Ereignis in seinem Leben, nämlich dem Tod seiner vier Jahre jüngeren Schwester Jeanne-Rosalie-<span style="text-decoration: underline;">Vitalie</span> am 18. Dezember 1875 im Alter von nur 17 Jahren. Sie starb qualvoll an einer Synovitiserkrankung, wobei es sich um eine Gelenkerkrankung handelt. Dies ist insofern interessant, weil Rimbaud selbst immer wieder an Gelenkschmerzen litt. Am 23. August 1887 schrieb er diesbezüglich beispielsweise an die Seinen in einem Brief aus Kairo: &#8220;Je me trouve tourmenté ces jours-ci par un rhumatisme dans les reins, qui me fait damner ; j&#8217;en ai un autre dans la cuisse gauche qui me paralyse de temps à autre, une douleur articulaire dans le genou gauche, un rhumatisme (déjà ancien) dans l&#8217;épaule droite ; j&#8217;ai les cheveux absolument gris. Je me figure que mon existence périclite. Figurez-vous comment on doit se porter, après des exploits du genre des suivants : traversées de mer et voyages de terre à cheval, en barque, sans vêtements, sans vivres, sans eau, etc., etc. Je suis excessivement fatigué.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_124_254" id="identifier_124_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.325.">125</a></sup> &#8211; „Dieser Tage quält mich ein Rheumatismus in den Hüften, der mich zum Fluchen bringt; außerdem habe ich einen im linken Oberschenkel, der mich von Zeit zu Zeit lähmt, einen Gelenkschmerz im linken Knie, einen (schon alten) Rheumatismus in der rechten Schulter. Meine Haare sind vollkommen grau. Ich denke mir, daß mein Leben in Gefahr ist. Stellt Euch vor, wie es einem gehen muß, wenn er mit seinen Kräften auf solche Art Raubbau getrieben hat: Seereisen im offenen Boot und Landreisen zu Pferd ohne richtige Kleidung, ohne Lebensmittel, ohne Wasser usw., usw.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_125_254" id="identifier_125_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.107.">126</a></sup> Rimbaud hört sich im Alter von nur 33 Jahren &#8211; vier Jahre vor seinem Tod 1891 im Alter von nur 37 Jahren &#8211; an, wie ein gebrechlicher Greis. Hüften, linker Oberschenkel, linkes Knie und rechte Schulter schmerzen und sind zeitweise gelähmt, später kam dann das rechte Knie dazu. Natürlich kann nicht gesagt werden, ob diese Gelenkschmerzen Folge genetischer Veranlagung waren oder des Raubbaus, den Rimbaud an seinem Körper trieb. Vielleicht war es eine Kombination aus beidem. Doch es ist schon bemerkenswert, dass sowohl Rimbaud als auch seine Schwester aufgrund einer Gelenkkrankheit frühzeitig verstarben. Der Tod der Schwester traf Rimbaud im Alter von 21 Jahren. Was genau er empfunden hat, lässt sich schwer feststellen, da zwischen seinem letzten Brief vor dem Tod seiner Schwester vom 14. Oktober 1875 und dem ersten Brief danach aus Genua vom 17. November 1878 drei Jahre Schweigen herrschte. Zumindest ist kein Brief aus dieser Zeit erhalten. Aber es sei durch Delahaye überliefert, dass Rimbaud kurz vor dem Tod seiner geliebten Schwester Vitalie über gewaltige Kopfschmerzen geklagt habe, die er auf seinen zu dichten Haarwuchs zurückgeführt habe.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_126_254" id="identifier_126_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.468.">127</a></sup> Rimbaud habe sich daraufhin den Schädel kahl geschoren, womit er mitten im Winter eine auffällige Erscheinung auf der Beerdigung seiner Schwester gewesen sei. In Delahayes Augen habe der Grund der Migräne in der schmerzhaften Erkrankung Vitalies gelegen, mehr noch als in Rimbauds verbissenen Studien. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass Rimbaud an einer Grindflechte litt, wobei es Delahaye wohl nicht gewagt hätte, eine solche banale Erkrankung als Ursache vorzuschlagen.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_127_254" id="identifier_127_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">128</a></sup> Hier klingt leicht durch, dass Delahaye und wohl auch Verlaine dazu neigten, ihren Freund etwas zu überhöhen, selbst als der Kontakt abgerissen war und obwohl sie sich auch über ihn lustig machten. <a title="La tronche à Machin (Ernest Delahaye, 1875)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/la-tronche-a-machin-gross.JPG" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/la-tronche-a-machin-mini.JPG" alt="la-tronche-a-machin-mini.JPG" /></a>Jedenfalls fertigte Delahaye eine Zeichnung Rimbauds an, auf der dieser mit geschorenem Schädel zu sehen ist<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_128_254" id="identifier_128_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">129</a></sup>. Links daneben steht geschrieben: &#8220;La Tronche à Machin&#8221;, was übersetzt werden kann mit: „Die Visage vom Dingsbums&#8221;. Weder „Visage&#8221; noch „Dingsbums&#8221; sind besonders schmeichelhafte Bezeichnungen, und auch das Bild selbst zeigt einen Rimbaud mit ausdruckslosem, ja etwas einfältigem Gesichtsausdruck. Zugleich wirkt die durch das fehlende Haupthaar erst richtig zur Geltung kommende Kopfform (im Profil) doch sehr extrem geraten. Diese Zeichnung hat ansonsten aber weniger von einer Karikatur als viele andere Zeichnungen aus Delahayes Feder. Im Grunde genommen wirkt sie eher, wie ein ernstgemeintes Porträt. Umso mehr irritiert, dass Rimbauds Profil nahezu so wirkt als sei sein Kopf mit einem gleichfarbigen Fez verwachsen. Man kennt einige Darstellungen Rimbauds, wo er eine enorm hohe Stirn hat. Doch auf keiner anderen Abbildung ist die obere Schädelpartie so ausgeprägt, wie bei Delahayes Zeichnung aus dem Jahr 1875. Auf einer anderen Zeichnung Delahayes aus dem Jahr 1871 hat Rimbaud eine sehr hohe Stirn aber lange, nach hinten gekämmte Haare, die im Nacken wie die Stacheln eines Stachelschweins enden. Dieses Bild allerdings lässt auch schon diese seltsam hohe Schädelform erahnen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich nicht auszuschließen, nämlich die, dass die Schädelschur Rimbauds einfach eine Art <a title="Artikel Übersprungshandlung in Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbersprungshandlung" target="_blank">Übersprungshandlung</a> war, aus der Unfähigkeit heraus, mit der Situation der Krankheit seiner Schwester umzugehen, gewissermaßen eine Überforderung, die dann zu einer scheinbar irrelevanten, nicht zweckdienlichen Verhaltensweise führte. Soviel also zur „Visage vom Dingsbums&#8221;.</p>
<p>Ein weiterer Spitzname für Rimbaud lautet übrigens „Homais&#8221;. Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf den gleichnamigen Apotheker aus Flauberts Roman „Madame Bovary&#8221;. In einem Umfeld spießbürgerlicher Borniertheit stellt der Apotheker Homais mit seinem fortschrittlichen antiklerikalen Parolen als „Voltairianer&#8221; eine Ausnahme dar. Somit handelt es sich bei „Homais&#8221; um einen schmeichelnden Spitznamen für Rimbaud. Auch ansonsten findet sich einiges aus Rimbauds Lebenswelt in „Madame Bovary&#8221; wieder. Auch Madame Bovary leidet unter der Monotonie des Provinzalltags und der daraus folgenden Langeweile und ist „wie eine zarte Pflanze, die auf dem kargen Boden der Normandie nicht gedeihen kann&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_129_254" id="identifier_129_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kindlers neues Literaturlexikon &copy; CD-ROM 2000 Net World Vision GmbH. Artikel: Flaubert, Gustave: MADAME BOVARY. Ein Sittenbild aus der Provinz &amp;#8211; MADAME BOVARY. M&oelig;urs de province.">130</a></sup>, ganz so wie Rimbaud in den Ardennen oder letztlich gar auf dieser Welt.</p>
<p>Und nun zu dem Spitznamen für Rimbaud, der wieder zum Denkmal zurückführt, da er sozusagen sein Untertitel ist: &#8220;l&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; &#8211; „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;. In der Literatur ist allerorten davon die Rede, dass es sich hierbei um einen von Verlaine für Rimbaud geprägten Spitznamen handele, ohne dass je eine Quelle dafür angeführt wird. So liest man folgendes beispielsweise bei Louis Forestier: &#8220;Pour les uns, il est le voyant ; ou l&#8217;impénitent voyageur, « l&#8217;homme aux semelles de vent » ; ou le trafiquant d&#8217;esclaves (métier qu&#8217;il n&#8217;a jamais exercé).&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_130_254" id="identifier_130_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.I.">131</a></sup> &#8211; &#8220;Für die einen ist er der Sehende; oder der unverbesserliche Reisende, ‚der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8217; ; oder der Sklavenhändler (ein Gewerbe, das er niemals betrieb).&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_131_254" id="identifier_131_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">132</a></sup> Eine Quellenangabe fehlt. Das ist verzeihlich, da es sich hier noch um das Vorwort handelt. Auf Seite CXXXII des gleichen Buches schreibt Forestier: &#8220;Comme on sait, Rimbaud a été surnommé « l&#8217;homme aux semelles de vent ». &#8211; &#8220;Wie man weiß, erhielt Rimbaud den Beinamen „der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_132_254" id="identifier_132_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="eigene &Uuml;bersetzung">133</a></sup> Forestier zählt diese Kenntnis augenscheinlich zum Allgemeinwissen und weist wiederum nicht darauf hin, wer Rimbaud diesen Namen gab.</p>
<p>Bei Enid Starkie ist ein ganzes Kapitel mit „L&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; überschrieben. Darin heißt es: &#8220;For the next five years Rimbaud became a wanderer over the face of Europe, venturing even as far as Cairo and Alexandria. He was restless as the English occultist whose name is unknown but who called himself &#8216;the Wanderer on the face of the earth&#8217; and who could strike roots nowhere. [...] Now Rimbaud felt that all time which was spent inactively was time wasted. That is what gave the impression of restlessness. &#8216;Why must such precious time be lost?&#8217; he said to Delahaye. Verlaine called him »l&#8217;homme aux semelles de vent,« and in a poem written somewhat later he describes the &#8216;wanderlust&#8217; of his friend.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_133_254" id="identifier_133_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.309f.">134</a></sup> Starkie nennt also immerhin den Urheber, ohne jedoch zu verraten, wo und wann Verlaine seinen Freund so nannte. Auch in zahlreichen anderen Werken wird lediglich mitgeteilt, dass Rimbaud bekanntermaßen so genannt wurde. Bei Claude Jeancolas schließlich wird man nach langer Suche doch fündig, wenn man nicht das Glück hatte, sein Buch mit dieser einen Hinweiszeile als eines der ersten in die Hände zu bekommen. Dort also heißt es: „In diesem Winter wohnt die Familie in Roche, denn Madame Rimbaud hat nach dem Weggang ihrer Pächter selbst die Bewirtschaftung ihres Gutes übernehmen müssen. Der Winter ist trist. So läßt sich denken, daß Rimbaud im Frühjahr nach Paris fährt, um die Weltausstellung zu sehen. Fährt er erneut nach Hamburg? Delahaye weiß nichts, er schreibt im Juli [1878] an Verlaine: »Der Mann mit den Sohlen aus Wind ist absolut verschwunden. Überhaupt nichts.«&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_134_254" id="identifier_134_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. M&uuml;nchen, 1992, S.181.">135</a></sup> Im Original lautet diese Passage: &#8220;l&#8217;« homme aux semelles de vent » est décidément lavé. Rien de rien.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_135_254" id="identifier_135_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Paul Verlaine &amp;#8211; Correspondance g&eacute;n&eacute;rale de Verlaine I &amp;#8211; 1857-1885. &Eacute;tablie et annot&eacute;e par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.614.">136</a></sup> Da also findet sich endlich der schriftliche Quellenbeweis für diesen Spitznamen. Doch bewiesen ist damit keineswegs, dass Verlaine ihn geprägt hat, schließlich war es Delahaye, der oben zitierte Zeilen schrieb &#8211; an Verlaine. Es bleibt also an dieser Stelle vorerst nur anzunehmen, dass all die Berichte, dass Verlaine seinen Freund „Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221; zu nennen pflegte, auf einer wahren oralen Tradierung beruhen.</p>
<p>Zusammenfassend können &#8211; ohne Anspruch auf Vollständigkeit &#8211; folgende für Rimbaud verwendete Synonyme bzw. Spitznamen genannt werden:</p>
<ol>
<li>&#8220;Le nouveau juif-errant&#8221; &#8211; „Der neue Ewige Jude&#8221;</li>
<li>&#8220;Le roi nègre [sic!]&#8221; &#8211; „König der Neger [sic!]&#8220;</li>
<li>&#8220;Sénegalais&#8221; &#8211; „Senegalese&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Hottentot&#8221; &#8211; „Der Hottentotte&#8221;</li>
<li>&#8220;Voyageur Toqué&#8221;</li>
<li>&#8220;Il&#8221; &#8211; „Er&#8221;</li>
<li>&#8220;Lui&#8221; &#8211; „Ihm&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Autre&#8221; &#8211; „der Andere&#8221;</li>
<li>&#8220;Chose&#8221; &#8211; „Sache&#8221;</li>
<li>&#8220;Rimbe&#8221;</li>
<li>&#8220;Rimbal&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;Œstre&#8221; &#8211; „Die Bremse&#8221; (i.e. das Insekt)</li>
<li>&#8220;l&#8217;Être&#8221; &#8211; „Das Sein&#8221;</li>
<li>&#8220;La Tronche à Machin&#8221; &#8211; „Die Visage des Dingsda&#8221;</li>
<li>&#8220;Homais&#8221; &#8211; Name des Apothekers aus Flauberts Roman „Madame Bovary&#8221;</li>
<li>&#8220;l&#8217;homme aux semelles de vent&#8221; &#8211; „Der Mann mit den Sohlen aus Wind&#8221;</li>
</ol>
<p>Hier soll noch kurz auf die weiter oben zur Sprache gekommene Wut eingegangen werden, die in Rimbaud gärte, als er noch in Charleville lebte und Briefe an Verlaine schrieb, mit der Bitte, ihn aus der Provinz zu befreien und nach Paris zu holen. Verlaine hatte die Wut von Anfang an bemerkt. Schon in seiner ersten Antwort auf Rimbauds Briefe an ihn schrieb er diesbezüglich im September 1871:</p>
<p>&#8220;J&#8217;ai comme un relent de votre lycanthropie [...] Vous êtes prodigieusement armé en guerre [...]&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_136_254" id="identifier_136_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.">137</a></sup></p>
<p>„Ich habe etwas wie einen schweren Geschmack Ihrer Werwolfswut &#8230; Sie sind außerordentlich zum Kampf gerüstet &#8230;&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_137_254" id="identifier_137_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.">138</a></sup></p>
<p>Dies aber hinderte Verlaine freilich nicht daran, Rimbaud sozusagen im gleichen Atemzug zu sich nach Paris einzuladen:</p>
<p>&#8220;Venez, chère grande âme, on vous appelle, on vous attend.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_138_254" id="identifier_138_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.">139</a></sup></p>
<p>„Kommen Sie, teure große Seele, wir rufen Sie, wir erwarten Sie.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_139_254" id="identifier_139_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.">140</a></sup></p>
<p>Geknickt gestand Rimbaud sich und seiner Familie später ein, dass sein Umherirren keine Ergebnisse gezeitigt hat, jedenfalls nicht die, die er sich erhofft hatte. So ist beispielsweise in einem Brief an die Seinen aus Aden vom 5. Mai 1884 Folgendes zu lesen:</p>
<p>&#8220;Excusez-moi de vous détailler mes ennuis. Mais je vois que je vais atteindre les 30 ans (la moité de la vie !) et je me suis fort fatigué à rouler le monde, sans résultat.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_140_254" id="identifier_140_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.301.">141</a></sup></p>
<p>„Entschuldigt, daß ich Euch meine Plagen so ausführlich erzähle. Aber ich sehe, daß ich die Dreißig erreiche (die Hälfte des Lebens!) [,] und ich habe mich sehr mühsam in der Welt herumgetrieben, ohne Ergebnis.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_141_254" id="identifier_141_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.84.">142</a></sup></p>
<p>Auch der von Rimbaud intensiv betriebene Erwerb von Fremdsprachen<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_142_254" id="identifier_142_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Englisch, Deutsch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Griechisch, Latein">143</a></sup> wurde von ihm bereits am 6. Mai 1883 in einem Brief aus Harar an die Seinen infrage gestellt, genauso wie die Ablehnung der bürgerliche Familie:</p>
<p>&#8220;Mais à présent, je suis condamné à errer, attaché à une entreprise lointaine, et tous les jours je perds le goût pour le climat et les manières de vivre et même la langue de l&#8217;Europe. Hélas ! à quoi servent ces allées et venues, et ces fatigues et ces aventures chez des races étranges, et ces langues dont on se remplit la mémoire, et ces peines sans nom, si je ne dois pas un jour, après quelques années, pouvoir me reposer dans un endroit qui me plaise `peu près et trouver une famille, et avoir au moins un fils que je passe le reste de ma vie à élever à mon idée, à orner et à armer de l&#8217;instruction la plus complète qu&#8217;on puisse atteindre à cette époque, et que je voie devenir un ingénieur renommé, un homme puissant et riche par la science ? Mais qui sait combien peuvent durer mes jours dans ces montagnes-ci ? Et je puis dispaître, au milieu de ces peuplades, sans que la nouvelle en ressorte jamais.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_143_254" id="identifier_143_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.293.">144</a></sup></p>
<p>„Aber vorerst bin ich dazu verurteilt, herumzuirren, an ein weit in die Ferne gehendes Unternehmen gebunden, und täglich verliere ich mehr den Geschmack für das Klima und die Lebensweise und sogar für die Sprache Europas. Ach! was soll dieses Hin und Her, diese Anstrengungen und Abenteuer bei fremden Rassen, und diese Sprachen, mit denen man sich das Gedächtnis vollstopft, und die unbeschreiblichen Plackereien, wenn ich nicht nach ein paar Jahren mich eines Tages an einem Ort, der mir einigermaßen gefällt, niederlassen und eine Familie gründen und wenigstens einen Sohn haben kann, mit dessen Erziehung nach meinen Gedanken ich den Rest meines Lebens hinbringen würde, um ihn mit der vollkommensten Ausbildung auszustatten und zu rüsten, die in unserer Zeit zu erlangen wäre, und den ich einen berühmten Ingenieur werden sähe, einen Mann, den sein Wissen reich und mächtig machte? Aber wer weiß, wie lange ich in den Bergen hier aushalten soll? Und ich kann mitten unter diesen Völkerschaften verschwinden, ohne daß die Nachricht davon jemals nach außen dränge.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_144_254" id="identifier_144_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.79f.">145</a></sup></p>
<p>Plötzlich träumte Rimbaud also auch von Familiengründung und einem Sohn, den er nach seinen Vorstellungen erziehen könnte. Was seine Beziehung zu Frauen angeht, so gibt es für Aden die Aussage des bereits oben erwähnten französischen Staatsbeamten:</p>
<p>&#8220;In bezug auf Frauen bediente [sic!] Rimbaud sich der Eingeborenen. In Aden hatte er 1884 eine abessinische Frau. Man wußte bei ihm von einer Argoba-Frau, von der er mehrere Kinder bekam, die aber alle verschwunden sind, ohne Spuren oder Erinnerungen zu hinterlassen. Nebenbei bemerkt, die Argobas gehören zum schönsten Eingeborenentyp der unmittelbaren Umgebung von Harar.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_145_254" id="identifier_145_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; Briefe / Dokumente. &Uuml;bersetzt, erl&auml;utert und mit einem Essay &lsaquo;Zum Verst&auml;ndnis der Sammlung&rsaquo; herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.179.">146</a></sup></p>
<p>Doch nach diesem Ausflug in Rimbauds Leben, soll nun wieder die Sprache auf Ipoustéguys Plastik kommen.</p>
<p><a title="Henri Fantin-Latour 'Le coin de table' (1872)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/coin-de-table-gross.jpg" rel="lightbox[254]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/12/coin-de-table-mini.jpg" alt="coin-de-table-mini.jpg" /></a>Es wurde eingangs bereits erwähnt, dass Rimbaud, wie aus Langeweile den Ellenbogen aufstützt und sein Gesicht in der Hand. Diese Geste findet sich genauso auf dem zeitgenössischen Gemälde &#8220;Le Coin de Table&#8221; von Henri Fantin-Latour aus dem Jahr 1872 wieder, auf dem sich neben sechs anderen Schriftstellern auch der achtzehnjährige Rimbaud und Verlaine befinden (links im Bild). Lipp vertritt die Ansicht, dass Ipoustéguy sich bei seiner Darstellung unter anderem an diesem Gemälde orientiert habe<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_146_254" id="identifier_146_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lipp, Michael: Jean Ipoust&eacute;guy &amp;#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992, S.294.">147</a></sup>, und wenn man beide Darstellungen vergleicht, spricht vieles dafür, dass dem so war.</p>
<p>Weiterhin weist Lipp daraufhin, dass Rimbaud mit seiner rechten Hand &#8220;ohne jede Regung Buchstaben, die als plastische Metaphern für seine Dichtung stehen, in den Wind&#8221; streue.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_147_254" id="identifier_147_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd.">148</a></sup> Dies greift, mit Verlaub, zu kurz. Bei genauem Hinsehen zeigt sich nämlich, dass Rimbaud keineswegs einfach nur irgendwelche &#8220;Buchstaben&#8221; in den Wind streut, sondern auffälligerweise nur Vokale, und zwar sämtliche vorkommenden: A, E ,I, U, O. Schaut man nun in Rimbauds Dichtung, stellt man fest, dass es dort ein Gedicht gibt, das den Namen &#8220;Voyelles&#8221; also &#8220;Vokale&#8221; trägt. Bei der von Ipoustéguy modellierten Geste handelt es sich daher eindeutig um eine Reminiszenz an dieses Gedicht, das daher im Folgenden wiedergegeben werden soll:</p>
<p>A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu : voyelles,<br />
Je dirai quelque jour vos naissances latentes :<br />
A, noir corset velu des mouches éclatantes<br />
Qui bombinent autour des puanteurs cruelles,</p>
<p>Golfes d&#8217;ombre; E, candeurs des vapeurs et des tentes,<br />
Lances des glaciers fiers, rois blanc, frisson d&#8217;ombelles;<br />
I, pourpres, sang craché, rire des lèvres belles<br />
Dans la colère ou les ivresses pénitentes ;</p>
<p>U, cycles, vibrements divins des mers virides,<br />
Paix des pâtis semés d&#8217;animaux, paix des rides<br />
Que l&#8217;alchimie imprime aux grands fronts studieux ;</p>
<p>O, suprême Clairon plein des strideurs étranges,<br />
Silences traversés des Mondes et des Anges :<br />
- O l&#8217;Oméga, rayon violet de Ses Yeux !<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_148_254" id="identifier_148_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; &OElig;uvres compl&egrave;tes / correspondance. Edition pr&eacute;sent&eacute;e et &eacute;tablie par Louis Forestier, Professeur &agrave; la Sorbonne. Paris, 2004, S.86.">149</a></sup></p>
<p>A schwarz, E weiß, I rot, U grün, O blau: Vokale,<br />
Einst spreche ich die Dinge aus, die in euch liegen:<br />
A, schwarzes, samtenes Korsett schillernder Fliegen,<br />
Die sich versammeln auf verfaultem, grausem Mahle,</p>
<p>Nachtgolf; E, Gletscherspeer hoch überm Alpentale,<br />
Achneefürsten, Weiß des Dampfs, der Zelte, Doldenwiegen;<br />
I, Purpurstoff, Blutsturz, Gelächter, aufgestiegen<br />
Aus schönem Mund in Zorn und Rausch am Büßerpfahle;</p>
<p>U, grüner Meeresflut göttliches Schwingen, Kreisen,<br />
Ruhe der Weiden und des Viehs, Ruhe der Weisen,<br />
In deren Stirn eingrub die Alchimie ihr Mal;</p>
<p>Oh, höchstes Horn, aus dem seltsame Schreie steigen,<br />
Vom Stern- und Engelchor durchzognes ewiges Schweigen,<br />
- Das Omega, o <em>ihrer Augen</em> Veilchenstrahl!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_149_254" id="identifier_149_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.111 u. 113.">150</a></sup></p>
<p>Auch in den Délires II &#8211; Delierien II äußert sich Rimbaud unter der Überschrift &#8220;Alchimie du verbe&#8221; &#8211; &#8220;Alchemie des Wortes&#8221; zu Vokalen und auch zu Konsonanten:</p>
<p>&#8220;J&#8217;inventai la couleur des voyelles! &#8211; <em>A</em> noir, <em>E </em>blanc, <em>I </em>rouge, <em>O </em>bleu, <em>U </em>vert. &#8211; Je réglai la forme et le mouvement de chaque consonne, et , avec des rhythmes instinctifs, je me flattai d&#8217;inventer un verbe poétique accessibl, un jour ou l&#8217;autre, à tous les sens. Je réservais la traduction. Ce fut d&#8217;abord une étude. J&#8217;écrivais des silences, des nuits, je notais l&#8217;inexprimable. Je fixais des vertiges.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_150_254" id="identifier_150_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.332.">151</a></sup></p>
<p>&#8220;Ich erfand die Farbe der Vokale! &#8211; A schwarz, E weiß, I rot, O blau, U grün. &#8211; Ich bestimmte die Form und Bewegung eines jeden Konsonanten, und ich traute mir zu, im Medium der natürlichen Rhythmen ein poetisches Wort zu erfinden, das eines Tages allen Sinnen zugänglich sei. Die Übertragung begielt ich mir vor. Es war zunächst ein Versuch. Ich schrieb am Schweigen der Nacht, nannte das Unsagbare. Ich formulierte den Rausch.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/#footnote_151_254" id="identifier_151_254" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Arthur Rimbaud &amp;#8211; S&auml;mtliche Werke. Franz&ouml;sisch und deutsch. &Uuml;bertragen von Sigmar L&ouml;ffler und Dieter Tauchmann. Mit Erl&auml;uterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.333.">152</a></sup></p>
<p>Vokale Farben &#8211;&gt; Synästhesie</p>
<p>das fabelhafte Anderswo &#8211; Yves Bonnefoy, S. 36 oben</p>
<p>mir graut vor der Mauer die Europa umschnürt (le bateau ivre s. 143 insel vlg)</p>
<p>Pauvre Lélian _ Paul Verlain</p>
<p>Mann mit Sohlen aus Wind<br />
“L’Homme aux Semelles de Vent” est un voyageur qui ne trouve asile nul part, en permanence sur le départ, dans l’espoir qu’ailleurs sera toujours mieux…</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<ul>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964.</li>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004.</li>
<li>Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992.</li>
<li>Œuvres complètes de Paul Verlaine. (Tome quatrième) &#8211; Les poètes maudits &#8211; Louise Leclerq &#8211; Les mémoires d&#8217;un veuf &#8211; Mes hopiteaux &#8211; Mes prison. Paris, 1926.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922.</li>
<li>Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995.</li>
</ul>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<ul>
<li>Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. Übertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Arthur Rimbauds Leben nach Berrichons &#8220;Vie de Rimbaud&#8221; und nach Rimbaudschen Briefen bearbeitet von K.L.Ammer. Leipzig, 1921.</li>
<li>Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992.</li>
<li>Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992.</li>
<li>Peyre, Henri: Rimbaud vu par Verlaine. Paris, 1975.</li>
<li>Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947.</li>
<li>Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948.</li>
</ul>
<p>© Stefan Fix, 2007. Wiedergabe, auch in Auszügen, nur mit Genehmigung des Verfassers.</p>
<p>(den-ort-zu-finden-und-die-formel)</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_254" class="footnote">Arthur Rimbaud. Leben und Dichtung. Übertragen von K. L. Ammer. Eingeleitet von Stefan Zweig. Leipzig, 1921, S. 18 u. 8.</li><li id="footnote_1_254" class="footnote">In diesem Viertel befand sich, wie der Name erahnen lässt, ursprünglich das königliche Waffen- und Munitionslager.</li><li id="footnote_2_254" class="footnote">*1920 †2006</li><li id="footnote_3_254" class="footnote">Modell Rimbaud</li><li id="footnote_4_254" class="footnote">30cm hoch und 50cm breit</li><li id="footnote_5_254" class="footnote">Entwurf Rimbaud, 29,5cm hoch, 49cm lang und 29cm breit</li><li id="footnote_6_254" class="footnote">Studie „Gesicht Rimbaud&#8221;</li><li id="footnote_7_254" class="footnote">Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992, S.537.</li><li id="footnote_8_254" class="footnote">&#8220;Comme on sait, Rimbaud a été surnommé « l&#8217;homme aux semelles de vent ».&#8221; Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXII.</li><li id="footnote_9_254" class="footnote">siehe Abbildung</li><li id="footnote_10_254" class="footnote">am 31. August 1870, also einen Tag vor der entscheidenden Niederlage des französischen Kaiserreichs in Sedan</li><li id="footnote_11_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S. 219 f.</li><li id="footnote_12_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.9f.</li><li id="footnote_13_254" class="footnote">Am 1. Januar 1871 wurde Charleville selbst zudem von den Preußen besetzt.</li><li id="footnote_14_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S. 222</li><li id="footnote_15_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.391</li><li id="footnote_16_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.</li><li id="footnote_17_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_18_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 342.</li><li id="footnote_19_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.118.</li><li id="footnote_20_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.351.</li><li id="footnote_21_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.125f.</li><li id="footnote_22_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.355.</li><li id="footnote_23_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.128f.</li><li id="footnote_24_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.242 u. 260.</li><li id="footnote_25_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S. 348.</li><li id="footnote_26_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.123</li><li id="footnote_27_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.90.</li><li id="footnote_28_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.259, 261, 267.</li><li id="footnote_29_254" class="footnote">unsicher</li><li id="footnote_30_254" class="footnote">dort wollte Rimbaud in die US-amerikanische Marine eintreten, was jedoch nicht gelang. Sonst wäre er womöglich noch weiter in der Welt herumgekommen als ohnehin schon und so z.B. auch auf den amerikanischen Kontinent gelangt.</li><li id="footnote_31_254" class="footnote">unsicher</li><li id="footnote_32_254" class="footnote">Taucht nur in manchen Werken als Station auf.</li><li id="footnote_33_254" class="footnote">siehe Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.152.</li><li id="footnote_34_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.202.</li><li id="footnote_35_254" class="footnote">1880-91</li><li id="footnote_36_254" class="footnote">Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.308f.</li><li id="footnote_37_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.90</li><li id="footnote_38_254" class="footnote">siehe: Arthur Rimbaud Œuvres complètes / correspondance. Paris, 2004, S.CXXXIV</li><li id="footnote_39_254" class="footnote">Pschyrembel &#8211; Medizinisches Wörterbuch. 257. Auflage. Hamburg, 1994, S.1228.</li><li id="footnote_40_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.149.</li><li id="footnote_41_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.181.</li><li id="footnote_42_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.176.</li><li id="footnote_43_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.178.</li><li id="footnote_44_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.146.</li><li id="footnote_45_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.146.</li><li id="footnote_46_254" class="footnote">siehe Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.XVII.</li><li id="footnote_47_254" class="footnote">vgl. ebd.</li><li id="footnote_48_254" class="footnote">vgl. ebd.</li><li id="footnote_49_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.246.</li><li id="footnote_50_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.42.</li><li id="footnote_51_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.404.</li><li id="footnote_52_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.166.</li><li id="footnote_53_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992., S. 251.</li><li id="footnote_54_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.171.</li><li id="footnote_55_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.265f.</li><li id="footnote_56_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.509.</li><li id="footnote_57_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.190.</li><li id="footnote_58_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922, S.123. [übertragen von Theodor Däubler]</li><li id="footnote_59_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.600.</li><li id="footnote_60_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Œuvres poétiques. Textes établis avec chronologie, introductions, notes, choix de variantes et bibliographie, par Jaques Robichez, Professeur à la Sorbonne. Édition revue et corrigée. Paris, 1995, S.191.</li><li id="footnote_61_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Gesammelte Gedichte. Eine Auswahl der besten Übertragungen. Leipzig, 1922, S.123ff. [übertragen von Theodor Däubler]</li><li id="footnote_62_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.236.</li><li id="footnote_63_254" class="footnote">Œuvres complètes de Paul Verlaine. (Tome quatrième) &#8211; Les poètes maudits &#8211; Louise Leclerq &#8211; Les mémoires d&#8217;un veuf &#8211; Mes hopiteaux &#8211; Mes prison. Paris, 1926, S.34.</li><li id="footnote_64_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_65_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.240.</li><li id="footnote_66_254" class="footnote">Laut christlicher Legende ein Jude, der Jesus angeblich auf dessen Kreuzweg eine Rast vor seiner Haustür verweigert habe, woraufhin Jesus zu ihm gesagt haben soll: „Ich will allhier stehen und ruhen, du aber sollst gehen bis an den jüngsten Tag.&#8221; In generalisierender Form wurde diese Legende dann auch von Antisemiten für ihre Zwecke instrumentalisiert. In Bezug auf Rimbaud meint Delahaye natürlich „den zu ewiger Wanderschaft Verdammten&#8221;, ohne religiöse Konnotation.</li><li id="footnote_67_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.507.</li><li id="footnote_68_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.521.</li><li id="footnote_69_254" class="footnote">Die Etymologie dieses Begriffs ist unsicher. Es spricht einiges dafür, dass sich das französische &#8220;<a title="Definition des Begriffs in der französischen Wikipedia" href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Cafre#_ref-0">cafre</a>&#8221; aus dem Afrikaans ableitet, wo der Begriff „Kaffer&#8221; eine ähnlich pejorative Bedeutung hat, wie in den USA und Europa das Wort „Nigger&#8221;. Dieses Schimpfwort bezieht sich auf die Bewohner der im Französischen als „Cafrerie&#8221; bezeichneten Region im Süden des afrikanischen Kontinents. &#8211; Für möglich wird aber auch gehalten, dass „Kaffer&#8221; sich von dem hebräischen Begriff כפר [ḫefar] = Dorf ableitet. Eine andere Deutung leitet das Wort von dem arabischen Wort Kafir كافر [Kafir], was „Ungläubiger&#8221; bedeutet. Da die Araber in Afrika Sklavenhandel betrieben und die schwarzafrikanischen Sklaven meist keine Muslime waren &#8211; anders als die Nordafrikaner &#8211; kann der Begriff „Kafir&#8221; im afrikanischen Kontext auch als Synonym für Schwarzafrikaner verstanden werden.</li><li id="footnote_70_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_71_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.522.</li><li id="footnote_72_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.</li><li id="footnote_73_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.523.</li><li id="footnote_74_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.524.</li><li id="footnote_75_254" class="footnote">François Édouard Joachim Coppée, französischer Dichter, *1843 †1908</li><li id="footnote_76_254" class="footnote">Beiname Napoléons III. &#8211; 1852-70 Kaiser der Franzosen</li><li id="footnote_77_254" class="footnote">eigene, sinngemäße Übersetzung</li><li id="footnote_78_254" class="footnote">so sieht es Verlaine wohl</li><li id="footnote_79_254" class="footnote">vgl. Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992.</li><li id="footnote_80_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.</li><li id="footnote_81_254" class="footnote">arabische Bezeichnung für das nomadische Volk der Afar, dessen Verbreitung sich über den Süden Eritreas, den Osten Äthiopiens und Dschibuti erstreckt</li><li id="footnote_82_254" class="footnote">bis hierher eigene Übersetzung</li><li id="footnote_83_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.</li><li id="footnote_84_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.315.</li><li id="footnote_85_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.98.</li><li id="footnote_86_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.271.</li><li id="footnote_87_254" class="footnote">Ägypten wurde 1882 von den Briten besetzt und 1914 formell zum Protektorat der englischen Krone erklärt</li><li id="footnote_88_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.278.</li><li id="footnote_89_254" class="footnote">1889-1913</li><li id="footnote_90_254" class="footnote">abgesehen von Liberia, das allerdings zu Beginn eine Art US-amerikanische Kolonie war und Marokko, das aber doch französisches Protektorat war, ebenso wie Ägypten britisches Protektorat war.</li><li id="footnote_91_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.576.</li><li id="footnote_92_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_93_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.931.</li><li id="footnote_94_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.539.</li><li id="footnote_95_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.229.</li><li id="footnote_96_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.</li><li id="footnote_97_254" class="footnote">Brief Rimbauds an Paul Demeny vom 15. Mai 1871. Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, 25.</li><li id="footnote_98_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, 227.</li><li id="footnote_99_254" class="footnote">*1832 †1883</li><li id="footnote_100_254" class="footnote">*1608 †1674</li><li id="footnote_101_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.535.</li><li id="footnote_102_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale I &#8211; 1857-1885. Paris, 2005, S.568.</li><li id="footnote_103_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_104_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.427.</li><li id="footnote_105_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_106_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.443.</li><li id="footnote_107_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_108_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.</li><li id="footnote_109_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.242f.</li><li id="footnote_110_254" class="footnote">Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.314.</li><li id="footnote_111_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.425.</li><li id="footnote_112_254" class="footnote">Chambon, Jean-Pierre: Les mots de l&#8217;autre. 1986</li><li id="footnote_113_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.613.</li><li id="footnote_114_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.224.</li><li id="footnote_115_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.19 u. 21.</li><li id="footnote_116_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.227.</li><li id="footnote_117_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.23.</li><li id="footnote_118_254" class="footnote">Starkie, Enid: Das Trunkene Schiff &#8211; Das Leben des Jean Arthur Rimbauds. Aus dem Englischen von Hans B. Wagenseil. Hamburg, 1948, S.110f.</li><li id="footnote_119_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.398.</li><li id="footnote_120_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_121_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.490.</li><li id="footnote_122_254" class="footnote">- der Sache &#8211; also ihm &#8211; Rimbaud</li><li id="footnote_123_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_124_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.325.</li><li id="footnote_125_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.107.</li><li id="footnote_126_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.468.</li><li id="footnote_127_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_128_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_129_254" class="footnote">Kindlers neues Literaturlexikon © CD-ROM 2000 Net World Vision GmbH. Artikel: Flaubert, Gustave: MADAME BOVARY. Ein Sittenbild aus der Provinz &#8211; MADAME BOVARY. Mœurs de province.</li><li id="footnote_130_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.I.</li><li id="footnote_131_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_132_254" class="footnote">eigene Übersetzung</li><li id="footnote_133_254" class="footnote">Starkie, Enid: Arthur Rimbaud. New York, 1947, S.309f.</li><li id="footnote_134_254" class="footnote">Jeancolas, Claude: Die Reisen des Arthur Rimbaud. München, 1992, S.181.</li><li id="footnote_135_254" class="footnote">Paul Verlaine &#8211; Correspondance générale de Verlaine I &#8211; 1857-1885. Établie et annotée par Michael Pakenham. Paris, 2005, S.614.</li><li id="footnote_136_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.</li><li id="footnote_137_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.</li><li id="footnote_138_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.243.</li><li id="footnote_139_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.40.</li><li id="footnote_140_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.301.</li><li id="footnote_141_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.84.</li><li id="footnote_142_254" class="footnote">Englisch, Deutsch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Griechisch, Latein</li><li id="footnote_143_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.293.</li><li id="footnote_144_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.79f.</li><li id="footnote_145_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Briefe / Dokumente. Übersetzt, erläutert und mit einem Essay ‹Zum Verständnis der Sammlung› herausgegeben von Curd Ochwadt. Reinbek, 1964, S.179.</li><li id="footnote_146_254" class="footnote">Lipp, Michael: Jean Ipoustéguy &#8211; Das plastische Werk 1940-1992. Inaugural-Dissertation. Mainz, 1992, S.294.</li><li id="footnote_147_254" class="footnote">ebd.</li><li id="footnote_148_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Œuvres complètes / correspondance. Edition présentée et établie par Louis Forestier, Professeur à la Sorbonne. Paris, 2004, S.86.</li><li id="footnote_149_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.111 u. 113.</li><li id="footnote_150_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.332.</li><li id="footnote_151_254" class="footnote">Arthur Rimbaud &#8211; Sämtliche Werke. Französisch und deutsch. Übertragen von Sigmar Löffler und Dieter Tauchmann. Mit Erläuterungen zum Werk und einer Chronologie zum Leben Arthur Rimbauds, neu durchgesehen von Thomas Keck. Frankfurt a.M. und Leipzig, 1992, S.333.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/" title="Le Passe-muraille (22. Oktober 2007)">Le Passe-muraille</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/09/09/when-we-have-wandered-all-our-ways/" title="When we have wandered all our ways (9. September 2007)">When we have wandered all our ways</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/" title="Luther und die Reformation (31. Oktober 2007)">Luther und die Reformation</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/13/harmonie-antoniucci-volti/" title="Harmonie &#8211; Antoniucci Volti (13. August 2007)">Harmonie &#8211; Antoniucci Volti</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/" title="&#8220;Quintili Vare, legiones redde!&#8221; &#8211; Arminius (28. Januar 2007)">&#8220;Quintili Vare, legiones redde!&#8221; &#8211; Arminius</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Luther und die Reformation</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Oct 2007 18:33:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Heiligenlegenden]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/</guid>
		<description><![CDATA[Anlässlich des heutigen Reformationstages soll an dieser Stelle ein Aphorismus des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner zitiert werden: „Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch, am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.&#8221;1 Wenn das keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/luther-gross.jpg" rel="lightbox[751]"><img class="alignleft size-full wp-image-1532" title="Martin-Luther-Plastik vor St. Michaelis in Hamburg" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/luther-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="200" height="299" /></a><span class="initial">A</span>nlässlich des heutigen Reformationstages soll an dieser Stelle ein Aphorismus des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner zitiert werden:</p>
<p>„Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch, am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/#footnote_0_751" id="identifier_0_751" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Deschner, Karlheinz: &Auml;rgernisse &amp;#8211; Aphorismen. Reinbek, 1994, S. 74.">1</a></sup></p>
<p>Wenn das keine Gründe zum Feiern sind &#8230;<br />
Die abgebildete, den Reformator Martin Luther darstellende Plastik stammt von Otto Lessing<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/#footnote_1_751" id="identifier_1_751" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1846 &dagger;1912">2</a></sup>. Sie befindet sich auf der nördlichen Seite der Hauptkirche St. Michaelis bzw. &#8211; mit anderen Worten &#8211; auf der vom Haupteingang aus gesehen linken Gebäudeseite. Lessing schuf die Plastik 1912 &#8211; in seinem letzten Lebensjahr. Den Guss besorgte die „Aktien-Gesellschaft Gladenbeck&#8221; aus Berlin Friedrichshagen.<br />
Als Urgroßneffe Gotthold Ephraim Lessings bot es sich natürlich an, dass man Otto Lessing seinem Urgroßonkel ein Denkmal setzen ließ, insbesondere, da ein weiterer Verwandter Lessings dem Komittee vorstand, das 1886 einen Wettbewerb für ein Lessing-Denkmal ausgerufen hatte. Von 1887-90 schuf Otto Lessing eine Marmorskulptur des großen Dichters und dazu zwei allegorische Figuren aus Bronze: einmal den Genius der Humanität und zum anderen die Allegorie der Kritik. Das Denkmal wurde 1890 im Großen Tiergarten in Berlin eingeweiht, wo es heute noch steht. Viele der von Otto Lessing geschaffenen Plastiken und Skulpturen sind während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, so Bauplastiken am zweiten Gewandhaus in Leipzig oder Reliefs am Berliner Stadtschloss sowie der Rolandbrunnen in Berlin-Tiergarten. Ein von ihm geschaffenes Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I., wurde zudem eingeschmolzen. Eine weitere Figur Martin Luthers sowie auch eine Philipp Melanchtons hatte Lessing in den 1890er Jahren für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geschaffen, wo sie bei einem Luftangriff zerstört wurden.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_751" class="footnote">Deschner, Karlheinz: Ärgernisse &#8211; Aphorismen. Reinbek, 1994, S. 74.</li><li id="footnote_1_751" class="footnote">*1846 †1912</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/13/vogels-freud-vogels-leid/" title="Vogels Freud, Vogels Leid &#8230; (13. Januar 2007)">Vogels Freud, Vogels Leid &#8230;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/" title="Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent (24. Dezember 2007)">Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/17/orpheus-und-eurydike/" title="Orpheus und Eurydike (17. Februar 2008)">Orpheus und Eurydike</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/" title="Mit Charon ins Reich der Schatten (10. März 2007)">Mit Charon ins Reich der Schatten</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Le Passe-muraille</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 19:44:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/</guid>
		<description><![CDATA[Abseits vom Trubel im Umkreis von Sacré-Cœur befindet sich etwa einen halben Kilometer nordwestlich davon, dort, wo sich die Rue Girardon und die Rue Norvins treffen, die Place Marcel Aymé, benannt nach dem französischen Erzähler und Dramatiker. Dieser lebte von seiner Geburt im Jahr 1902 an bis zu seinem Tod im Jahr 1967 auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-passe-muraille-gross.jpg" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft size-full wp-image-1558" title="Le Passe-muraille (Plastik von Jean Marais)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/le-passe-muraille-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="200" height="299" /></a><span class="initial">A</span>bseits vom Trubel im Umkreis von Sacré-Cœur befindet sich etwa einen halben Kilometer nordwestlich davon, dort, wo sich die Rue Girardon und die Rue Norvins treffen, die Place Marcel Aymé, benannt nach dem französischen Erzähler und Dramatiker. Dieser lebte von seiner Geburt im Jahr 1902 an bis zu seinem Tod im Jahr 1967 auf dem Montmartre in der Rue Norvins Nummer 26. Ihm zu Ehren wurde aus dieser Hausnummer der Place Marcel Aymé Nummer 2. In seiner jetzigen baulichen Form bestand der Platz bereits zu seinen Lebzeiten als Einbuchtung der Rue Norvins. Er wurde also rein nominell für ihn geschaffen und besteht nur aus dieser Hausnummer. Dank dieser Einbuchtung konnte diese sehr elegante Lösung gelingen. Doch bei dieser Ehre allein ließ man es nicht bewenden. Der berühmte Schauspieler, Regisseur, Choreograph, Maler und Bildhauer Jean Marais schuf eine Bronzeplastik des Helden aus Aymés Novelle „Le passe-muraille&#8221; aus dem Jahr 1943<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_0_230" id="identifier_0_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="In deutscher &Uuml;bersetzung erschien diese Novelle im Jahr 1949 bei Rowohlt Stuttgart/Hamburg/Baden-Baden unter dem Titel &bdquo;Der Mann, der durch die Wand gehen konnte und andere Pariserische Scheherezaden.&amp;#8221;">1</a></sup>, die im Jahr 1989 eingeweiht wurde.<br />
Dieser Held namens Dutilleul wohnte wie durch Zufall nur zwei Straßen von seinem Schöpfer entfernt im dritten Stockwerk der Rue d&#8217;Orchampt Nummer 75 und war Junggeselle sowie Beamter dritter Klasse im Finanzministerium. Aufgrund eines Stromausfalls fand er im Alter von 43 Jahren heraus, dass er über eine äußerst ungewöhnliche Fähigkeit verfügte. Bei diesem Stromausfall nämlich tappte er eine Weile im Dunkeln und fand sich unversehens im Treppenhaus wieder, ohne dass er jedoch eine Tür passiert hatte. Da die Wohnungstür von innen verschlossen war, sah sich Dutilleul gezwungen, auf dem Weg in seine Wohnung zurückzukehren, auf dem er sie offenbar verlassen hatte. Und siehe da, er gelangte tatsächlich durch die Wand hindurch in seine Wohnung zurück.<br />
<a title="Le Passe-muraille (rechte Seite)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-rechts-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-rechts-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Le Passe-muraille (linke Seite)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-links-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-links-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Nun war aber Dutilleul von seinem Naturell her so geartet, dass ihn diese Gabe eher befremdete als zu Abenteuern antrieb, weshalb er gleich am nächsten Tag in dieser Angelegenheit einen Arzt aufsuchte, der eine „schraubenförmige Verhärtung in der Drosselwand der Schilddrüse&#8221; diagnostizierte und ihm Tabletten verschrieb, die aus „tetravalentem Schafgarbenextrakt, vermischt mit Reismehl und Zentaurenhormon&#8221; bestanden und zweimal jährlich einzunehmen waren. Dutilleul nahm die erste Tablette ein, deponierte die übrigen in seinem Nachttisch und vergaß daraufhin diesen Vorfall und seine übermenschliche Fähigkeit für ein ganzes Jahr.</p>
<p>Doch eine Wendung in seinem Leben sollte sie ihm ins Gedächtnis zurückrufen, als er nämlich einen neuen Vorgesetzten mit Namen Lécuyer bekam, mit dem ein frischer Wind in die Abteilung einzog und der allerlei Dinge änderte, so z.B. auch Formulierungen, die seine Untergebenen in ihren Schreiben zu verwenden hatten. Dutilleul aber konnte sich partout nicht daran gewöhnen und verfiel immer wieder in die herkömmlichen, höflicheren Formulierungen zurück. <a title="Signatur von Jean Marais" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-signatur-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-signatur-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a> <a title="Neben der Skulptur in die Mauer eingelassene Gedenktafel" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-tafel-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-tafel-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Wegen dieser Renitenz wurde er von Lécuyer in einen kleinen Abstellraum strafversetzt, der direkt an dessen Büro grenzte. Weil Lécuyer Dutilleul fortgesetzt schikanierte, entsann dieser sich eines Tages seiner besonderen Gabe. Wiederholt steckte er fortan seinen Kopf durch die Wand seines Chefs und beschimpfte diesen. Immer aber wenn Lécuyer nach einer solchen Erscheinung Dutilleuls in dessen Kabuff hinübereilte, fand er diesen ordnungsgemäß an seinem Schreibtisch bei der Arbeit, sodass Lécuyer an seinem Verstand zweifeln musste. Dutilleul trieb dieses Spiel solange, bis Lécuyer schließlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde.<br />
Eigentlich hätte Dutilleul es ja dabei bewenden lassen können, war er seinen ungeliebten tyrannischen Vorgesetzten doch nun los. Aber Dutilleul hatte Blut geleckt und dachte bereits über weitere Einsatzmöglichkeiten seiner Fähigkeit nach. Er verlegte sich nun auf Bankraub und suchte eine Bank nach der anderen heim, füllte seine Taschen mit Geld und weiteren Wertgegenständen. Bald kannte ganz Paris diesen Einbrecher, den die Polizei einfach nicht zu fassen bekam. Der Ganove, der immer sein Werwolf-Pseudonym „Garou-Garou&#8221; schriftlich an den Tatorten hinterließ, wurde bald zum Stadt- und auch zum Bürogespräch. So musste Dutilleul mit ansehen, wie seine Kollegen sich voller Bewunderung über diesen „Garou-Garou&#8221; äußerten. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und brüstete sich vor den Kollegen damit, dass er selbst dieser „Garou-Garou&#8221; sei, was diese freilich nicht glaubten und Dutilleul stattdessen unentwegt hänselten.<br />
<a title="Straßenschild der Place Marcel Aymé" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Oben die Nummer 2 der Place Marcel Aymé und unten ein Schild zur Erinnerung, dass dies ursprünglich die Nummer 26 der Rue Norvins war" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-2-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-strassenschild-2-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>In der folgenden Nacht ließ Dutilleul sich deshalb absichtlich beim Einbbruch in ein Juweliergeschäft ertappen, um seinen Kollegen zu beweisen, dass er tatsächlich „Garou-Garou&#8221; sei. Am nächsten Morgen war sein Bild auf den Titelseiten der Zeitungen und er selbst im Gefängnis. Dort hielt er Wärter und Direktor immer wieder zum Narren, indem er einfach das Gefängnis verließ, wie es ihm beliebte und auswärts frühstückte oder aber sich im Gästezimmer der Wohnung des Gefängnisdirektors einquartierte. Irgendwann aber war er dessen müde und verließ das Gefängnis auf Dauer, legte sich ein anderes Äußeres zu und nahm sich eine neue Wohung in der Avenue Junot<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_1_230" id="identifier_1_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hierbei handelt es sich &uuml;brigens um die Fortsetzung der o.g. Rue Norvins, in der Marcel Aym&eacute; wohnte.">2</a></sup>, direkt um die Ecke seiner bisherigen Wohnung. Er suchte eine neue Herausforderung für seine Gabe, nachdem die dicken Gefängnismauern ja kein Hindernis dargestellt hatte. So schwebte ihm eine Reise nach Ägypten vor, wo er sich an den Mauern der Pyramiden zu versuchen gedachte. Zunächst aber brachte er einige Zeit unerkannt auf dem Montmartre zu.<span id="more-230"></span><a title="Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Marcel Aymé" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-ici-vecut-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-ici-vecut-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Hinweistafel der Stadt Paris" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-histoire-fit-in.JPG" rel="lightbox[230]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/le-passe-muraille-histoire-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a> Eines Tages wurde er auf der Rue de l&#8217;Abreuvoir von dem Maler Gen Paul<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/#footnote_2_230" id="identifier_2_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="*1895-&dagger;1975">3</a></sup>, mit dem der Autor auch in Wirklichkeit bekannt und befreundet war, erkannt, weshalb er seine Reisepläne forcierte. Doch noch am gleichen Nachmittag verliebte er sich unsterblich in eine schöne Blonde, der er in der Rue Lepic über den Weg lief und die ihn auch bemerkte und ihm nicht abgeneigt zu sein schien. Doch Dutilleul musste von Gen Paul erfahren, dass diese Dame einen äußerst eifersüchtigen Gatten habe, der sie nur dann aus den Augen lasse, wenn er sich des Nachts amüsieren ging, sie dann aber einschloss. Als Dutilleul die Dame das nächste Mal traf, gestand er ihr seine Liebe und teilte ihr mit, sie in der kommenden Nacht zu besuchen. Diese entgegnete, dass dies unmöglich sei, doch am gleichen Aben, nachdem der eifersüchtige Ehegatte das Haus verlassen hatte, betrat Dutilleul das Haus seiner Geliebten in der Rue Norvins durch die Mauer und drang schließlich auch in ihr Zimmer vor, wo sich beide bis in die Nacht liebten. Anderntags litt Dutilleul unter Kopfschmerzen und nahm zwei von den Tabletten zu sich, die er im Nachttisch fand. Am folgenden Abend machte er sich wieder zu seiner Geliebten auf, wo sie sich abermals liebten. Als Dutilleul sie aber in der Nacht wieder verließ, war das Gefühl beim Hineintreten in die Mauer ein anderes als all die Male zuvor. Bisher war das Durchdringen von Mauern ohne Widerstand vonstatten gegangen, nun aber war ihm als ob er sich in einer zähflüssigen Masse bewegte. Je weiter er eindrang, desto schwerer wurde es. Als er schließlich vollständig in der Mauer war, konnte er sich mit einem Mal gar nicht mehr bewegen. Erst jetzt entsann er sich der vermeintlichen Kopfschmerztabletten, die er eingenommen hatte, bei denen es sich aber offensichtlich, wie ihm nun dämmerte, um die Tabletten handelte, die ihm der Arzt ein Jahr zuvor gegen seine übermenschliche Gabe verschrieben hatte und die er zweimal jährlich einzunehmen hatte. Offenbar entfaltete die zweite Dosis, die er zudem doppelt zu sich genommen hatte, ihre damals gewünschte Wirkung. Dutilleul blieb somit in der Mauer stecken und steckt dort bis zum heutigen Tag. Des Nachts lassen sich aus Richtung der Mauer gedämpfte Klagelaute vernehmen.<br />
Um dem in der Mauer steckenden Dutilleul ein Denkmal zu setzen, hätte es keines Bildhauers bedurft, man hätte einfach ein Hinweisschild an der Mauer anbringen können, mit der Aussage, dass sich darin Monsieur Dutilleul befinde. Aber man hat ihn stattdessen nur halb in der Mauer stecken gelassen, was eine großartige Plastik zur Folge hat. Vielleicht wird hier auch nur demonstriert, wie es ausgesehen haben muss, als Dutilleul noch Mauern passieren konnte. Wie auch immer, hier ist eine absolut sehenswerte Plastik gelungen, die noch dazu ein sehr würdiges Denkmal für Marcel Aymé darstellt.<br />
Welch&#8217; große Faszination von der Novelle und der ihr zugrunde liegenden Idee ausgeht, lässt sich nicht zuletzt daran ermessen, dass „Le passe-muraille&#8221; mehrmals verfilmt wurde. So bereits 1951 in einer französisch-italienischen Produktion unter der Regie von Jean Boyer. Im Jahr 1970 wurde die Novelle abermals filmisch adaptiert, diesmal in einer französischen Produktion unter der Regie von Pierre Tchernia. Im Jahr 1959 wurde die Geschichte von László Vajda auch in der Bundesrepublik verfilmt, mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Vajda und Rühmann erhielten dafür den Ernst-Lubitsch-Preis des Jahres 1959, der seit 1957 für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film verliehen wird.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_230" class="footnote">In deutscher Übersetzung erschien diese Novelle im Jahr 1949 bei Rowohlt Stuttgart/Hamburg/Baden-Baden unter dem Titel „Der Mann, der durch die Wand gehen konnte und andere Pariserische Scheherezaden.&#8221;</li><li id="footnote_1_230" class="footnote">Hierbei handelt es sich übrigens um die Fortsetzung der o.g. Rue Norvins, in der Marcel Aymé wohnte.</li><li id="footnote_2_230" class="footnote">*1895-<span style="font-size: 12pt; font-family: Georgia;">†</span>1975</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/" title="Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent (24. Dezember 2007)">Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/09/09/when-we-have-wandered-all-our-ways/" title="When we have wandered all our ways (9. September 2007)">When we have wandered all our ways</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/02/04/wer-im-glashaus-zappt-die-vierte/" title="Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte) (4. Februar 2008)">Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/" title="Luther und die Reformation (31. Oktober 2007)">Luther und die Reformation</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/08/13/harmonie-antoniucci-volti/" title="Harmonie &#8211; Antoniucci Volti (13. August 2007)">Harmonie &#8211; Antoniucci Volti</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/10/22/le-passe-muraille/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ex septentrione lux &#8230;</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Jun 2007 18:43:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=23</guid>
		<description><![CDATA[Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" title="Glaubensfreiheit für die Welt" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" alt="tn_glaubensfreiheit-fuer-die-welt.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/rettete-bei-breitenfeld.JPG" title="rettete bei Breitenfeld" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_rettete-bei-breitenfeld.JPG" alt="tn_rettete-bei-breitenfeld.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/gustav-adolph.JPG" title="Gustav Adolph" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_gustav-adolph.JPG" alt="tn_gustav-adolph.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/am-7-september-1631.JPG" title="am 7. September 1631" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_am-7-september-1631.JPG" alt="tn_am-7-september-1631.JPG" /></a><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/totale-gedenkstein.JPG" title="Totale des Denkmals mit Umzäunung" rel="lightbox[23]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/tn_totale-gedenkstein.JPG" alt="Totale des Denkmals mit Umzäunung" /></a><br />
Glaubensfreiheit für die Welt / Rettete bei Breitenfeld / Gustav Adolph Christ und Held</p>
<blockquote><p>Das ist der Löw von Mitternacht / Von dem man so lang hat gesagt / Daß er plötzlich einbrechen werd / Wenn die Kirch ist am meistn beschwert / Daß er die Unbarmherzigkeit / Und unerhörte grawsamkeit / Der Feinde Christi mögte straffn / Mit Gott und ritterlichen Waffn / Und das bedrengte Häufflein rettn / In äußerster gefahr und Nöthn.  O Bete nun wer beten kan / Der Löw getrost den Feind greiff an / Gott der alte Kirchen Patron / Kan uns durch diesen Gedeon / Eretten auß der Feinde Hand / Und sie stürzen mit Spott und Schand / Daß unser Mund voll lachens frey / Und unser Zung voll rühmens sey/ Weil durch den Helden in höchster Noth / Uns hat erlöst der treue Gott.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#footnote_0_23" id="identifier_0_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt.">1</a></sup></p></blockquote>
<p>Der „Löw von Mitternacht&#8221; ist der Löwe aus dem Norden (Gustav Adolf), da der Osten für Morgen, der Süden für Mittag und der Westen für Abend steht. Bei dem lateinischen Ausdruck <em>septem triones</em> handelt es sich um die Bezeichnung des Siebengestirns. Die wörtliche Übersetzung jedoch lautet: <em>die sieben Dreschochsen</em>. Die Römer nannten das Sternbild deshalb so, weil sich die sieben hellsten Sterne des Sternbilds um den Polarstern bewegen, wie Ochsen um den Göpel einer Dreschmaschine. Diese Ochsen zu hüten, ist im Übrigen die Aufgabe des benachbarten Sternbilds Bärenhüter, der auch Ochsentreiber genannt wird.<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/#footnote_1_23" id="identifier_1_23" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Schlagwort ex septentrione lux (aus dem Norden [kommt] das Licht) geht urspr&uuml;nglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zur&uuml;ck. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch w&auml;hrend der V&ouml;lkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor K&ouml;rners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst sp&auml;ter wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleurop&auml;ischer L&auml;nder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These ex oriente lux benutzt. Der Meinung dieser Anh&auml;nger v&ouml;lkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach S&uuml;den hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es v&ouml;lkischen Forschern nie, &uuml;berzeugende Beweise f&uuml;r diese arch&auml;ologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser &bdquo;Ariosophie&amp;#8221; war u.a. die ber&uuml;chtigte Thule-Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender &auml;lterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des &bdquo;Dritten Reiches&amp;#8221;, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung &bdquo;nordischer&amp;#8221; bzw. &bdquo;germanischer&amp;#8221; V&ouml;lker bereits in der Ur- und Fr&uuml;hgeschichte gegen&uuml;ber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Ph&ouml;nizier und &Auml;gypter) betont und damit deren &Uuml;berlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von Ex septentrione lux wird J&uuml;rgen Spanuth gez&auml;hlt, der 1953 in seiner Ver&ouml;ffentlichung Das entr&auml;tselte Atlantis das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeurop&auml;ischer V&ouml;lker in den Mittelmeerraum postulierte. Als fr&uuml;her Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.&Auml;. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte.">2</a></sup> <em>Plejaden</em> lautet die griechische Bezeichnung für das Siebengestirn, was sich aus der griechischen Mythologie ableitet. Plejaden hießen nämlich die sieben Töchter des Atlas und der Okeanide Pleione. Aufgrund ihrer Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Dem Mythos zufolge wurden die Plejaden von Zeus als Siebengestirn an den Himmel versetzt, um sie vor den Nachstellungen des Jägers Orion zu retten, doch auch dort werden sie noch immer von Orion verfolgt, dessen Sternbild sich etwa 30° südwestlich der Plejaden befindet. Die Plejaden sind etwa von Mitte September bis Ende April am nördlichen Sternenhimmel sichtbar, daher stehen sie als Synonym für die Himmelsrichtung Norden.<span id="more-23"></span>Man schrieb das Jahr 1630, als Johann t&#8217;Serclaes Graf von Tilly &#8211; der aus Wallonisch-Brabant stammende Feldmarschall der Katholischen Liga &#8211; die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland übernahm, das Kaiser Ferdinand II. (reg. 1619-37) am 6.3.1629 erlassen hatte und bei dem es im Wesentlichen darum ging, alle seit dem Passauer Vertrag (von 1552) von den Protestanten eingezogenen Stifte und Kirchengüter den Katholiken zurückzuerstatten. Dies wäre einer Rekatholisierung sämtlicher norddeutscher sowie zahlreicher süddeutscher Bistümer, Abteien und Klöster gleichgekommen. Das Edikt stellte eine offene Herausforderung der protestantischen Fürsten dar, die dadurch in ihrer Existenz gefährdet waren. Immerhin hätten sie zwei beschlagnahmte Erzbistümer, zwölf Bistümer sowie 500 Abteien wieder dem katholischen Klerus übereignen müssen. Nachdem der Jesuitenschüler Tilly bereits bei Prag und in Süddeutschland protestantische Widersacher überwiegend erfolgreich bekämpft hatte, wandte er sich gen Norden und siegte im Münsterland gegen den Herzog von Braunschweig, woraufhin ihn der Kaiser in den Grafenstand erhob. Alsdann richtete er sein Augenmerk auf den Niedersächsischen Reichskreis, der die östlichen Teile des heutigen Bundeslandes Niedersachsen, das nördliche Sachsen-Anhalt ohne die Altmark, Mecklenburg, Holstein, Hamburg und Bremen sowie weitere kleine Gebiete umfasste. Hier begann er bereits vor Erlass des o.g. Ediktes mit der gewaltsamen Restitution protestantischer Bistümer und Klöster an die katholische Kirche sowie an die Jesuiten. Seine Truppen belagerten mehrere niedersächsische Städte und ergriffen plündernd und mordend von ihnen Besitz. So wurde beispielsweise auch Göttingen belagert und beschossen. Um die Stadt von der Wasserzufuhr abzuschneiden, ließ Tilly dort sogar durch Harzer Bergleute die Leine umleiten. Schließlich eroberte er Anfang August 1626 auch Göttingen. Ende des gleichen Monats schlugen Tilly und Wallenstein den Dänenkönig Christian IV. und den mit ihm verbündeten Graf Mansfeld in der Schlacht bei Lutter am Barenberge (südlich von Salzgitter). König Christian IV. war in seiner weiteren Funktion als Herzog von Holstein auch deutscher Reichsfürst und gehörte somit zum oben erwähnten Niedersächsischen Reichskreis, der ihn zu seinem Feldobristen gewählt hatte. Im Anschluss an die Niederlage Christians vertrieben Wallensteins und Tillys Armeen die Dänen aus Niedersachsen und verfolgten sie nach Jütland. Holstein, Mecklenburg und Pommern wurden erobert. Im Frieden von Lübeck verpflichtete sich Dänemark bei Rückerhalt seiner besetzten Gebiete zur Nichteinmischung in die deutschen Streitigkeiten und schied somit aus dem Dreißigjährigen Krieg aus.<br />
Nun sah Gustav Adolf von Schweden die Chance gekommen, seine hegemonialen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen und Schweden zur Ostseevormacht zu erheben. In der protestantischen Bevölkerung wurde und wird Gustav Adolf oft als Retter des Protestantismus idealisiert, wobei jedoch außer acht gelassen wird, dass dieser natürlich auch Machtpolitiker war, der seinen Einfluss maximieren wollte. Die Rettung des Protestantismus ist ihm, zumindest was Deutschland anbetrifft, sicher zuzuschreiben, doch war dies wohl kaum sein Hauptaugenmerk. Wie der 30-jährige Krieg nur zum Teil konfessionell motiviert war, so war es auch nur bedingt Gustav Adolfs Ziel, Solidarität mit den Protestanten Norddeutschlands zu üben. Das Beispiel Frankreich eignet sich hervorragend, um zu zeigen, dass die Konfession auch im Dreißigjährigen Krieg durchaus hinter das Machtstreben zurücktrat. Das katholische Frankreich nämlich, das sich von den ebenfalls katholischen habsburgischen Landen Spanien, Burgund und Niederlande umklammert fühlte, unterstützte in finanzieller Weise die überwiegend calvinistische Utrechter Union (Unie van Utrecht), aus der später die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande und schließlich das Vereinigte Königreich der Niederlande hervorging. Hier lag der sogenannte habsburgisch-französische Gegensatz zugrunde &#8211; ein Konflikt zwischen dem Haus Habsburg und dem Königreich Frankreich um die Vorherrschaft in Europa, der von 1516 bis 1756 andauerte. Der aus dem Haus Habsburg stammende Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Ferdinand II. war &#8211; wie Tilly &#8211; von Jesuiten erzogen worden, die ihm einen unversöhnlich Hass gegen den Protestantismus einimpften. Sicherlich war ihm sein Ziel der Rekatholisierung daher eine aufrichtige Herzensangelegenheit, doch gleichzeitig war es natürlich sein Ziel seine ganz weltliche Macht auszudehnen bzw. zu reetablieren. Und eben diese weltliche Macht des habsburgischen deutschen Kaisers wollte Frankreich nicht weiter ausgedehnt wissen. Kardinal Richelieu, der als erster Minister Ludwigs XIII. die Fäden der französischen Politik in den Händen hielt, scheute daher nicht davor zurück, sich über den Bund mit den protestantischen Niederlanden hinaus im Jahr 1631 im Vertrag von Bärwalde (in der heutigen polnischen Woiwodschaft Westpommern gelegen) mit dem protestantischen Schweden gegen den deutschen Kaiser zu verbünden. Frankreich verpflichtete sich darin, sich mit 40.000 Reichstalern an den schwedischen Kriegskosten zu beteiligen. Vorerst beschränkten sich die Franzosen also auf diese Art von indirekter Parteinahme. Im Jahr 1635 erklärte Frankreich Spanien und Ferdinand II. den Krieg, griff somit nun auch direkt ins Kampfgeschehen ein und kämpfte zum Teil auch im Verein mit schwedischen Truppen besonders im badischen und schwäbischen Raum gegen kaiserliche Armeen aber auch an der Grenze zu Spanien. Gustav Adolf nun sah sich also nach dem Ausscheiden Dänemarks am Zug, um dem weiteren Vordringen der Katholischen Liga in Norddeutschland Einhalt zu gebieten und diese womöglich gar zurückzudrängen. So landete er mit seinen Truppen am 4. Juli 1630 auf Usedom. So sehr mit dieser Landung sicherlich die Hoffnung verbunden war, Schweden als Ostseevormacht zu etablieren, so handelte es sich dabei wohl zunächst und vordringlich um eine Präventivmaßnahme, schließlich rückten Wallensteins und Tillys Truppen in bedrohliche Nähe zum protestantischen Schweden. Während sich Frankreich wie oben beschrieben aus freien Stücken mit Schweden verbündete, musste Gustav Adolf seine „natürlichen&#8221; Verbündeten, die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, die eigentlich vorzogen, neutral zu bleiben, zu Bündnisverträgen zwingen.<br />
Noch bevor jedoch dieses Bündnis gegen die Katholische Liga vorgehen konnte, vollbrachte Tilly noch das, was unter der Bezeichnung „Magdeburger Hochzeit&#8221; in die Annalen eingegangen ist. Dahinter verbirgt sich das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges. Verheiratet wurden hierbei sinnbildlich auf höchst gewaltsame Weise die widerspenstige „Magdeburger Jungfrau&#8221;, wie sie sich im Wappen der Stadt findet mit dem Kaiser bzw. mit dem in dessen Sinn handelnden „Freier&#8221; Tilly. Dieser griff mit etwa 26.000 Soldaten die Domstadt am 20. Mai 1631 &#8211; nach zehntägiger Belagerung &#8211; an, als die Truppen Gustav Adolfs nur noch wenige Tagesmärsche entfernt waren &#8211; zu weit, um helfend einzugreifen bzw. weit genug, um Tilly noch nicht gefährlich werden zu können. Andere kaiserliche Truppenverbände hatten sich Gustav Adolfs Truppen in den Weg gestellt und sie somit aufgehalten. Magdeburg wurde nun rücksichtslos geplündert und verwüstet, seine Bevölkerung massakriert. Währenddessen wurde die Stadt in Brand gesetzt &#8211; mit fatalen Folgen. Von den 30.000 als vogelfrei geltenden Einwohnern überlebten nur etwa 10.000, von denen viele ihr Heil in der Flucht suchten oder sich freikauften, so es ihre Mittel zuließen. Wieder andere wurden als Konkubinen und Dienstboten von Tillys Truppen verschleppt. Eine amtliche Zählung nach diesem Ereignis ergab nur noch 449 Einwohner. Es sollte bis hinein ins 19. Jahrhundert dauern, dass Magdeburg seine alte Einwohnerzahl wieder erreichte &#8211; die Stadt wurde also um mindestens 200 Jahre in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Magdeburg versank in Schutt und Asche, lediglich der Dom, das Kloster Unser Lieben Frauen und einige Häuser am Domplatz überdauerten dieses sich über mehrere Tage hinziehende Inferno. Viele der Überlebenden waren zudem gezwungen, die Stadt zu verlassen, weil ihnen durch die enormen Zerstörungen die Lebensgrundlage entzogen war, außerdem dezimierten bald ausbrechende Seuchen die Bevölkerung zusätzlich. Den großen Magdeburger Trümmerhaufen benannte Tilly dann feinfühligerweise in Marienburg um. Um die Demütigung noch perfekt zu machen und natürlich zum Zeichen des Sieges des Katholizismus, wurde am 25. Mai unter dem Beisein Tillys ein katholischer Gottesdienst im bis dahin längst protestantischen Magdeburger Dom abgehalten. Mit dieser ungeheuerlichen Zerstörung der Stadt fand das Verb „magdeburgisieren&#8221; Eingang in den deutschen Sprachgebrauch als Synonym für „völlig zerstören, auslöschen&#8221;. Historiker sprechen etwas anachronistisch vom „Hiroshima des 17. Jahrhunderts&#8221;. Drei Jahrhunderte lang blieb dieses Ereignis sowohl für deutsche Evangelische als auch für deutsche Katholiken Inbegriff und Metapher des Schreckens und wäre es sicher noch bis heute geblieben, hätten nicht die Schlachten des Ersten Weltkrieges (Schlacht an der Somme, Schlacht um Verdun) sowie die von den Deutschen verschuldeten Schrecken des Zweiten Weltkrieges alles zuvor Dagewesene übertroffen. Die gezielte Zerstörung einer einzelnen Stadt wurde zunächst von den Deutschen im Jahr 1937 in Guernica praktiziert, 1939 in Warschau, 1940 dann in Coventry, woher sich auch der NS-Euphemismus „coventrieren&#8221; ableitete, sowie im gleichen Jahr in Rotterdam. Dann 1940/41 „The Blitz&#8221; in London sowie 1942 „Baedeker Blitz&#8221; &#8211; Vergeltungsangriffe deutscher Flieger auf englische Städte. In den Jahren 1942/43 erlitt Stalingrad seine vollständige Zerstörung. Hamburg erhielt seine Quittung für die Naziverbrechen von der Royal Air Force und der USAAF in Form der „Operation Gomorrha&#8221;. Dieser Bezug auf die der Sünde anheimgefallenen alttestamentlichen Städte Sodom und Gomorrha und deren vollständige Vernichtung durch Gott mittels Regen aus Feuer und Schwefel erwies sich auf grausame Weise als ziemlich passend, da auch Hamburg nicht zuletzt auch durch ungünstige Winde einen Feuersturm erlebte. Der Operation fielen etwa 35.000 Menschen zum Opfer. Im Jahr 1945 fielen in Dresden schließlich wahrscheinlich etwa ebenso viele Menschen britischen und amerikanischen Luftangriffen zum Opfer, wobei die Angaben der Opferzahlen weit auseinandergehen, da die Lage in der Stadt zu diesem Zeitpunkt sehr chaotisch war, insbesondere durch großen Flüchtlingsströme aus Schlesien, die zu diesem Zeitpunkt auch in Dresden Unterschlupf suchten. Nicht vergessen werden darf der schwerste konventionelle Bombenangriff der Menschheitsgeschichte, der sich nicht etwa auf deutschem Boden ereignete, sondern in Tokio und zwar am 9. März 1945. Hierbei fanden über 100.000 Menschen den Tod. Nur die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki im August 1945 überstiegen diese Zahl mit 155.000 Todesopfern. Dabei handelt es sich jedoch nur um die Menschen, die sofort nach der Explosion starben. Noch einmal 110.000 Menschen fanden nur wenige Wochen darauf durch die Folgen der radioaktiven Verstrahlung den Tod. Zudem starben etwa 100.000 Menschen in den Jahren und Jahrzehnten nach diesem Ereignis an Folgeschäden. Hiroshima wurde somit zum Inbegriff der schlimmsten gezielten Zerstörung einer Stadt und löste alle zuvor dagewesenen, wie eben auch Magdeburg ab. Die „Magdeburger Bluthochzeit&#8221;, der „Magdeburger Opfergang&#8221; oder auch die „Passion der Magdeburgischen Jungfrau&#8221; entwickelte sich zum Mythos und wurde ein wesentlicher Bestandteil preußisch-protestantischer Geschichtsschreibung. Das 1680 Preußen einverleibte Magdeburg dient dort als Mahnung vor der „Eifersucht der deutschen Stämme&#8221;, vor der Selbstzerstückelung Deutschlands (wie sie Günter Grass in „Das Treffen in Telgte&#8221; thematisiert, wo er deutsche Schriftsteller und Dichter in einem fiktiven Treffen miteinander über die Zeit nach dem Krieg debattieren lässt (eine Anspielung auf die Treffen der Gruppe 47 nach dem 2. Weltkrieg):</p>
<blockquote><p>Es mündet die Klage über die Zerstörung Magdeburgs [...] in umfassende Trauer über das sich selbst zerstückelnde Deutschland.</p></blockquote>
<p>Statt sich selbst zu zerfleischen, sollte Deutschland aus preußischer Sicht ein starkes geeintes Imperium werden, allerdings natürlich unter protestantischem Vorzeichen und preußischer Vormacht, so wie es die &#8220;Kleindeutsche Lösung&#8221; des Jahres 1848 vorgesehen hatte und wie es im Jahr 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches mit einem preußischen Kaiser an seiner Spitze dann auch verwirklicht wurde. Die Katholiken im Reich bekamen bald nach der Reichsgründung zu spüren, dass man ihnen in der Regierung nicht wohl gesonnen war. Das lag nicht allein an lange zurückliegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Protestantismus und Katholizismus, sondern auch an ganz aktuellen Gegensätzen beider Konfessionen. So hatte Papst Pius IX. sieben Jahre vor der Reichsgründung den sogenannten „Syllabus Errorum&#8221; veröffentlichen lassen, ein „Verzeichnis der Irrtümer&#8221; also, in denen 80 Thesen als falsch verurteilt wurden. Darunter waren freie Religionswahl und -ausübung, natürlich der Protestantismus, Rationalismus, Indifferentismus, Kommunismus, Liberalismus u.a. Es wurde auch allgemein für falsch erklärt, dass man das ewige Heil und die ewige Seligkeit auf einem anderen Weg als auf dem des Katholizismus erlangen könne. Hinzu kam das 1869/70 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (Vaticanum I) verkündete Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, demzufolge der Papst bei der Verkündigung von Lehrentscheidungen (ex cathedra) in Glaubens- und Sittenfragen unfehlbar sei. Auf dem Konzil wurden zudem Atheismus, Materialismus, Pantheismus und Agnostizismus verurteilt. Diese Verlautbarungen des Papstes wurden von Bismarck als massiver Angriff der Kirche auf die herrschende moderne, durch die Forschungsergebnisse der Naturwissenschaften gestützte Weltanschauung und als ein für den Staat untragbarer Herrschaftsanspruch der römischen Kurie über den katholischen Volksteil des Reiches gedeutet. An diesen Meinungsverschiedenheiten entzündete sich dann ein etwa zwanzig Jahre andauernder Konflikt &#8211; der Kulturkampf, in dessen Zuge Bismarck eine Reihe von Beschlüssen erließ, die Repressionen der Katholiken im Reich nach sich zogen. So z.B. den Kanzelparagraphen, der es Geistlichen untersagte, sich von der Kanzel herab in staatliche Angelegenheiten einzumischen, was sich vor allem gegen katholische Geistliche richtete. Als weitere bzw. eigentliche Motive Bismarcks für den Kulturkampf werden dessen Abwehrstellung gegen das klerikale Frankreich und Österreich gesehen. Zudem wird der Kulturkampf mitunter als Präventivkrieg gegen eine potentiell reichsfeindliche katholische Opposition verstanden, die insbesondere auch in der polnisch-katholischen Bevölkerung in den Ostprovinzen gesehen wurde. Der Einfluss der Kurie auf diese Minderheit sollte zurückgedrängt und minimiert werden sowie die Rechte der Minderheit selbst beschnitten werden. So wurde am 10.12.1871 auf Antrag Bayerns (!) der o.g. Kanzelparagraph eingeführt. Ein Jahr darauf wurde mit dem Jesuitengesetzt die Gesellschaft Jesu und ihr verwandte Orden verboten sowie ihre Geistlichen außer Landes gezwungen. Höhepunkt aber waren die preußischen Maigesetze der Jahre 1873, 1874 und 1875. Unter anderem wurden Geistliche darin verpflichtet, eine staatliche Prüfung abzulegen. Zudem musste die die Ernennung von Geistlichen staatlichen Behörden gemeldet werden (Anzeigepflicht), wobei sich der Staat ein Widerspruchsrecht gegen diese Ernennung ausbedang. Unbotmäßige Bischöfe konnten von nun an von einem staatlichen Gericht abgesetzt und des Landes verwiesen werden. Von diesem Gesetzt wurde auch rasch und umfassend Gebrauch gemacht. Zunächst wurden die Erzbischöfe von Köln und Posen/Gnesen, die Bischöfe von Paderborn, Breslau, Münster und Limburg für abgesetzt erklärt. Im Jahr 1876 waren dann alle preußischen Bischöfe verhaftet oder ins Ausland geflohen sowie zahlreiche andere zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt. Im Jahr 1875 wurden zudem alle Orden bzw. ordensähnlichen Kongregationen, abgesehen von solchen, die sich der Krankenpflege widmeten, verboten. Am 2.2.1875 verurteilte der Papst in der Enzyklika „Quod numquam&#8221; die Kulturkampfgesetze und erklärte sie für nichtig. Dieser Schlagabtausch wurde durch Bismarcks „Brotkorbgesetz&#8221; im April 1875 fortgesetzt. Der staatliche Brotkorb wurde damit sinnbildlich weit nach oben gehängt, indem der katholischen Kirche sämtliche staatlichen Zuschüsse gestrichen wurden. Damit bezweckte man, sich die Kurie gefügig zu machen sowie die Anerkennung des Kaiserreichs durch die Kurie. Bischöfe und Geistliche, die schriftlich diese Anerkenntnis leisteten, sollten die staatlichen Leistungen wieder erhalten. Im Grunde genommen handelte es sich also um Erpressung. Letztendlich scheiterte Bismarck jedoch mit seinem Versuch, eine klare staatliche Kirchenhoheit zu errichten. Nicht zuletzt die Innenpolitik zwang ihn zu einem Ausgleich mit den Katholiken und ihrem politischen Arm, dem Zentrum. So brauchte er die Unterstützung der Zentrumspartei beispielsweise für das Sozialistengesetz. Aus dem Kulturkampf gegen die Katholiken hatte Bismarck jedoch die Lehre gezogen, dass allein repressive Maßnahmen nicht automatisch zum Erfolg führten, weshalb er nun im Kampf gegen die „vaterlandslosen Gesellen&#8221; und „Reichsfeinde&#8221; von der Sozialdemokratie neben der „Peitsche&#8221; auch das „Zuckerbrot&#8221; zur Anwendung brachte. So kam es neben Verboten auch zur für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Sozialgesetzgebung, mit der Bismarck den Sozialdemokraten und Gewerkschaften den Wind aus den Segeln zu nehmen gedachte. Um sich die Katholiken wider gewogen zu machen, ließ Bismarck bis 1891 fast alle Kulturkampfgesetze wieder aufheben und blieb so seiner Aussage: „Nach Canossa gehen wir nicht!&#8221; doch nicht recht treu. Einige Gesetze überdauerten jedoch den Jahrhundertwechsel. So blieb das Jesuitengesetz bis 1917 in Kraft. Der Kanzelparagraph wurde in der Bundesrepublik gar erst 1953 aufgehoben. Manches Gesetz gilt sogar bis zum heutigen Tag. Zu nennen wäre zunächst das Schulaufsichtsgesetz. Damit wurde im Kulturkampf die bis dahin praktizierte kirchliche Schulaufsicht für das Volksschulwesen beendet und durch eine staatliche Aufsicht ersetzt. Darüber hinaus hat das Zivilehegesetz bis heute Bestand. Die Zivilehe ermöglichte beispielsweise bereits geschiedenen Personen eine erneute Heirat aber auch Mitgliedern anderer Konfessionen (wie z.B. Freikirchen), die aus der Staatskirche ausgetreten waren oder auch Freireligiösen die Ehe. Der Kulturkampf leistete somit auch einen Beitrag zur Modernisierung Deutschlands, brachte er doch die Trennung von Kirche und Staat voran. Anders als beispielsweise in Frankreich oder der Türkei wird die Trennung von Religion und Staat in Deutschland jedoch nicht streng laizistisch gehandhabt, sondern eher partnerschaftlich. So treibt der Staat beispielsweise die Kirchensteuer ein. An staatlichen Schulen darf Religion gelehrt werden. Christliche Kindergärten und Schulen werden vom Staat bezuschusst. In mancher Schule und in einigen Gerichtssälen hängen Kruzifixe bzw. Kreuze. Der Magdeburg-Mythos trieb jedoch noch weitere Blüten. So funktionierten deutsche Nationalisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts diesen ursprünglich konfessionellen Konflikt völkisch um. Das katholisch-kaiserliche Lager galt ihnen als „fremdländisches, welsches Romanentum&#8221;, während die protestantische Seite mit Gustav Adolf das „nordische Germanentum&#8221; symbolisierte. Also zurück nach Magdeburg. Kaum eine Stadt war den Katholiken ein größerer Dorn im Auge. Nachdem Magdeburg sich 1524 zur Reformation bekannt hatte, trat es 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Zentrum des Widerstandes gegen die Rekatholisierung. Den Protestanten galt die Stadt als „unseres Herrgotts Kanzlei“ sowie als „heilige Wehrstadt des Protestantismus&#8221;, dem Papst hingegen als „Ketzernest&#8221;. Zahlreichen Protestanten von außerhalb bot Magdeburg zudem Zuflucht. Nachdem Kaiser Karl V. 1547 den Schmalkaldischen Bund im Schmalkaldischen Krieg besiegt hatte, sann er auf eine Entspannung mit den Protestanten und erließ daher 1548 auf dem Augsburger Reichstag (auch „Geharnischter Reichstag&#8221; genannt) das sogenannte Augsburger Interim. Dabei handelt es sich um ein Ausnahmegesetz gegen die Evangelischen, das nur wenige Zugeständnisse (Laienkelch, Priesterehe) beinhaltete, weshalb es bei einer Vielzahl evangelischer Länder und Städte auf Widerstand stieß, zu denen auch die freie Reichsstadt Magdeburg gehörte, die als geistiges Zentrum dieses Widerstandes galt. Aber auch die Katholiken waren mit dieser „Zwischenkonfession&#8221; keineswegs einverstanden, sahen sie darin doch ein Aufweichen ihrer Positionen. Kaiser Karl V. beauftragte den albertinischen Wettiner Moritz, Herzog von Sachsen damit, gegen den sich formierenden protestantischen Widerstand, insbesondere in Magdeburg vorzugehen. Dass Karl einen Protestanten damit beauftragte, den protestantischen Widerstand zu bekämpfen, mag zunächst etwas seltsam anmuten, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als der Versuch der fortgesetzten Verfolgung des Prinzips „divide et impera&#8221; (lat. für „teile und herrsche&#8221;) von Seiten des Kaisers. Ganz im Sinne dieses Prinzips &#8211; nämlich Zwietracht im Lager des Gegners zu säen bzw. bestehende zu verstärken und diese Widersacher gegeneinander aufzubringen, um sie auf diese Weise zu neutralisieren, zu schwächen und leichter besiegen zu können &#8211; hatte Kaiser Karl V. Moritz von Sachsen bereits 1546 damit beauftragt, die von ihm gegen Moritz&#8217; Vetter Kurfürst Johann Friedrich I. verhängte Reichsacht zu vollstrecken. Nun war Johann Friedrich Kurfürst des ernestinischen Kursachsens und sein Vetter Moritz Herzog des albertinischen Herzogtums Sachsen. Diese Aufspaltung der wettinischen Dynastie in zwei Linien hatte sich im Jahr 1485 durch die Unterzeichnung eines Teilungsvertrags in Leipzig (Leipziger Teilung) ereignet. Darin waren die Brüder übereingekommen, ihre Ländereien untereinander aufzuteilen. Als Älterem gebührte Ernst das mit der Kurwürde verbundene Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Aber es wurde auch beschlossen, einen Teil des väterlichen Erbes weiterhin gemeinsam zu verwalten. Ein halbes Jahrhundert später hatten nun die Vettern Moritz und Johann Friedrich die Positionen jener Brüder eingenommen. Der fünfzehnjährige Moritz war für drei Jahre von seinen Eltern zur Erziehung in die Obhut seines 18 Jahre älteren Vetters Johann Friedrich in dessen Residenz nach Torgau gegeben worden, der ihm (seitdem?) verhasst war. Nur ein Jahr, nachdem der zwanzigjährige Moritz seinem Vater, nach dessen Tod im August 1541, im Amt des Herzogs von Sachsen nachfolgte, kam es fast zum bewaffneten Konflikt zwischen beiden Vettern, der nur durch die Intervention Martin Luthers sowie die von Moritz&#8217; Schwiegervater Philipp von Hessen noch einmal abgewendet werden konnte. In dieser sogenannten „Wurzener Fehde&#8221; gerieten die Vettern über das gemeinsam verwaltete Wurzener Stift in Streit. Johann Friedrich hatte dort einseitig eine „Türkensteuer&#8221; erhoben, als Beitrag zur Finanzierung des Kampfes gegen die Osmanen („Türkengefahr&#8221;). Genauso wie dieser Schritt mit dem Vetter hätte abgesprochen werden müssen, so auch Johann Friedrichs Versuche, im Wurzener Stift die Reformation einzuführen. Moritz fühlte sich übergangen. Da Wurzen die Steuer nicht zahlen wollte, ließ Johann Friedrich etwa zehn Dutzend Mann der Torgauer Geharnischten Kompanie &#8211; die Hälfte davon beritten &#8211; nach Wurzen ausrücken, um die Steuer einzutreiben. An diesem Punkt schritt Moritz nun ein und sandte den Torgauer Mannen eine eigene Streitmacht entgegen. Der Streit wurde unblutig beendet, doch konnte hier jedermann sehen, dass nicht viel fehlte, um die Vettern gegeneinander ins Feld zu schicken. Während nun Johann Friedrich ein eifriger Verfechter und Verbreiter des Protestantismus war, stand es um seinen Vetter Moritz etwas anders. Der hatte zu berücksichtigen, dass der Bruder Karls V., Ferdinand als König von Böhmen und Stellvertreter des Kaisers sein unmittelbarer Nachbar war. Seine Räte legten ihm daher nahe, sich mit ihm gut zu stellen. So betrieb der Protestant Moritz eine doppelgleisige Politik. Er beteiligte sich einerseits an den Feldzügen Karls V. gegen Türken und Franzosen und konfiszierte andererseits katholisches Kirchengut, womit er sich enorm bereicherte, wovon er aber auch die Fürstenschulen Schulpforta bei Bad Kösen, Sankt Afra in Meißen und Sankt Augustin in Grimma stiftete. Während Johann Friedrich Mitglied im Schmalkaldischen Bund war und im Schmalkaldischen Krieg an seiner Spitze stand, hielt sich Moritz aus seiner Antipathie gegen Johann Friedrich heraus von dem Bund fern. Eben jene Zerwürfnisse im evangelischen Lager waren es, die den Kaiser auf die Idee brachten, Moritz mit der Vollstreckung einer Reichsacht zu beauftragen, die er 1546 gegen Moritz&#8217; ungeliebten Vetter Johann Friedrich verhängt hatte, weil ihm dessen energische Beharrlichkeit bei der Einführung des evangelischen Glaubens zu weit ging. Moritz muss angesichts dieses Auftrags hin- und hergerissen gewesen sein zwischen seiner Loyalität zur evangelischen Sache und der sich eröffnenden Möglichkeit, den Vetter zu schwächen oder gar aus dem Weg zu räumen. Zudem hegte Moritz die Hoffnung, nach erfolgreicher Vollstreckung der Acht, vom Kaiser die Kurwürde Johann Friedrichs übertragen zu bekommen. Doch die Sache hatte noch einen weiteren Haken. Ein Angriff auf Johann Friedrich würde mit hoher Wahrscheinlichkeit dessen Verbündete aus dem Schmalkaldischen Bund auf den Plan rufen, darunter auch Moritz&#8217; Freund und Schwiegervater Philipp I., Landgraf von Hessen und zugleich Hauptmann des Bundes. Das Für und Wider abwägend, zögerte Moritz lange, fast zu lange, denn Ferdinand, der Bruder des Kaisers, machte inzwischen Anstalten, selbst mit einem Heer gegen Johann Friedrich zu ziehen. Dies musste Moritz verhindern, wollte er nicht die Initiative oder gar die Kontrolle über die Ereignisse verlieren. Also zog er gegen seinen Vetter und besetzte Kursachsen nahezu kampflos. Doch dann wurde er von den Truppen des Schmalkaldischen Bundes gen Böhmen abgedrängt, wo jedoch die Truppen Ferdinands und des Kaisers zu ihm stießen und den Schmalkaldischen Bund am 24. April 1547 endgültig besiegten. Johann Friedrich wurde von den Truppen des Kaisers gefangen genommen. Um seiner Enthauptung zu entgehen, verzichtete er in der &#8220;Wittenberger Kapitulation&#8221; zugunsten von Moritz auf seine Kurfürstenwürde und die Gebiete östlich der Saale, die einen Großteil seines Territoriums ausmachten. Doch auch Philipp I. geriet in kaiserliche Gefangenschaft und war somit dem Einfluss seines Schwiegersohnes Moritz entzogen. Moritz versicherte ihm zwar, dass er nicht eingekerkert werde, wenn er sich dem Kaiser ergäbe. Er wurde jedoch in Haft genommen und später außer Landes gebracht, obwohl er den Rat seines Schwiegersohnes beherzigte und sich vor Karl V. auf die Knie geworfen hatte. Der Verrat an der evangelischen Sache und am eigenen Schwiegervater trug Moritz im Volk zunächst die Beschimpfung als Judas ein. Zugleich war Moritz aber vom Kaiser enttäuscht, da er sich von ihm eine Verschonung seines Schwiegervaters erhofft hatte. Diese Enttäuschung sollte schwerwiegende Konsequenzen für die spätere Politik Moritz&#8217; gegenüber dem Kaiser haben. An dieser Stelle soll wieder an das bereits weiter oben erwähnte Augsburger Interim angeknüpft werden. Sowohl bei den Katholiken als auch natürlich bei den Evangelischen stieß diese Zwischenkonfession auf Ablehnung. Es sollten noch fast genau drei Jahre vergehen, bis sich wieder protestantische Fürsten insgeheim gegen den Kaiser verbündeten, ungeachtet der Niederlage, die dem Vorgängerbündnis &#8220;Schmalkaldischer Bund&#8221; zugefügt worden war. Der Kaiser, der wohl annahm, dass Moritz durch den Erhalt der Kurwürde und den Gewinn einer beträchtlichen Menge Territoriums absolut loyal sein würde, beauftragte ihn abermals mit der Vollstreckung einer Reichsacht. Diesmal sollte er die 1547 gegen Magdeburg verhängte Reichsacht vollstrecken. Magdeburg sollte bestraft werden, weil es sich nicht dem Augsburger Interim nicht beugen wollte. Moritz schien diesem Auftrag zunächst nachzukommen, indem er gegen Magdeburg zog und dort auch am 9. September 1551 als Reichsfeldherr einmarschierte. Doch er hatte in Wirklichkeit aus Enttäuschung über Karl V. längst die Seiten gewechselt und sich 1551 im Vertrag von Torgau mit der Domstadt und den anderen Gegnern des Kaisers im Fürstenbund verbündet. Im Einzelnen waren dies: Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, der Landgraf Wilhelm von Hessen sowie der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Preußen. Zudem erkor man Frankreich zum Verbündeten, das aufgrund des bereits weiter oben erwähnten habsburgisch-französische Gegensatzes um die Vorherrschaft in Europa ein Interesse daran hatte, Karl V. zu schaden. Das Bündnis mit dem französischen König Heinrich II. (Henri II) wurde 1551 in Lochau bei Torgau geschlossen. Im Herbst des gleichen Jahres erklärte Frankreich dann dem Kaiser den Krieg und stieß bis zum Rhein vor. Im Januar 1552 sicherte Frankreich im Vertrag von Chambord den protestantischen Fürsten zusätzlich Hilfsgelder und Waffenhilfe zu. Diese versprachen im Gegenzug, Frankreich die grenznahen Bistümer Metz, Toul, Verdun und Cambrai zu überlassen. Neben der Verteidigung des Protestantismus planten die deutschen Fürsten auch die Befreiung des Landgrafen Philipp von Hessen. Die Truppen der Protestanten eroberten rasch die süddeutschen kaisertreuen Städte und drangen im März 1552 bis Tirol vor. Die katholischen Reichsstände verhielten sich dabei betont neutral, da auch sie kein Interesse an einer zu starken Machtausdehnung des Kaisers hatten. Nur knapp entging Karl V. seiner Gefangennahme in der kaiserlichen Residenz Innsbruck. Er floh über die Alpen nach Villach in Kärnten, um neue Truppen zu sammeln. Doch währenddessen kam es in Linz bereits zu Verhandlungen zwischen den protestantischen Fürsten unter Moritz von Sachsen mit Karls Bruder Ferdinand, dem König von Böhmen, die später in Passau fortgesetzt und deren Ergebnisse dort auch am 2. August 1552 vertraglich fixiert wurden. Daher ist die Rede vom Passauer Vertrag. Dieser beinhaltete im Wesentlichen Folgendes: 1. Aufhebung des Augsburger Interims (die Erfolge Kaiser Karls V. im Schmalkaldischen Krieg wurden somit zunichte gemacht) 2. die Forderung nach einem dauernden Religionsfrieden 3. die Freilassung Johann Friedrichs von Sachsen sowie Philipps von Hessen. Moritz hatte sich also für seinen Verrat am Protestantismus nunmehr durch seine vom Passauer Vertrag gekrönten Kampf in den Augen der Protestanten rehabilitiert. Sein Schwiegervater und Freund war wieder auf freiem Fuß, ebenso sein ungeliebter Vetter, wenngleich in keiner Weise mehr ebenbürtig. Denn der territoriale Gewinn und die Kurfürstenwürde verblieben bei Moritz. Viel Zeit verblieb Moritz jedoch nicht, um diese weltlichen Güter zu genießen. Ein Jahr nach dem Passauer Vertrag erlag er in der Schlacht bei Sievershausen bei Lehrte in der Nähe von Hannover im Alter von 32 Jahren einer Schussverletzung im Unterleib. Der Passauer Vetrag stellte die formale Anerkennung des Protestantismus dar, die drei Jahre später, am 25. September 1555 im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden reichsrechtlich festgeschrieben wurde. Darin wurde den Reichsständen und den Reichsrittern das Recht garantiert, sich einer der beiden Konfessionen anzuschließen und ihren Untertanen, die dem Religionsbann unterstanden, die Annahme des gleichen Bekenntnisses vorzuschreiben. Dieses Recht wurde später von dem Greifswalder Kanonisten J. Stephani (1544-1623) in eine knappe Formel gefasst: „Cuius regio, eius religio.&#8221; Den nicht leibeigenen Untertanen eines weltlichen Fürsten, die diesem nicht in dessen Bekenntnis folgen wollten, gewährleistete der Augsburger Religionsfrieden das Recht des freien Abzugs in konfessionsverwandte Territorien (Auswanderungsfreiheit bzw. Jus emigrationis). Dieses Recht kam jedoch in der Praxis einer obrigkeitlichen Ausweisungsbefugnis näher. Nicht eingeschlossen in den Religionsfrieden waren übrigens die Anhänger Zwinglis, Calvins, die Täufer sowie andere. Der Augsburger Religionsfriede besiegelte die konfessionelle Spaltung, indem er das Bekenntnis an das Territorium band, sicherte aber dem Reich als Überbau Einheit und Frieden. Die Untertanen gewannen durch den Religionsfrieden also eigentlich keine Freiheit. Ganz anders die Fürsten, die nun die Freiheit hatten, ihre Religion zu wählen. Somit wurde ein Sieg der Territorialherren über das Reich errungen, der Sieg der fürstlichen „Libertät&#8221; über die Zentralgewalt, der Sieg über die Idee des universalen christlichen Kaisertums. Der gleichzeitig vereinbarte allgemeine Landfrieden sicherte dem Reich zunächst einen inneren Frieden. Es sollten 63 Jahre ins Land gehen, bis sich mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1618 die religiösen aber eben auch hegemonialen Gegensätze aufs Neue in großer Heftigkeit und Grausamkeit entluden. Dies führt nun wieder zu Gustav Adolf. Wie beschrieben kamen seine Truppen zu spät, um die Zerstörung Magdeburgs zu verhindern. Doch auf dennördlich von Leipzig gelegenen Feldern zwischen den Dörfern Breitenfeld, Podelwitz und Wiederitzsch trafen am 17. September 1631 das 45.000 Mann starke vereinigte schwedisch-finnisch-sächsische Heer unter Gustav Adolf und das 35.000 Mann zählende kaiserliche Heer unter Tilly aufeinander. Die bis dahin unbesiegte kaiserliche Armee erlitt dabei eine vernichtende Niederlage. Während Tilly den Nimbus der Unbesiegbarkeit verlor, erwarb sich Gustav Adolf den Ruf als Retter des deutschen Protestantismus. Die Schlacht bei Breitenfeld wurde so zu einem Wendepunkt im Dreißigjährigen Krieg. Die Reihe der Siege der katholischen Liga war durchbrochen. Mitteldeutschland blieb den Schweden überlassen. Tilly gelang es auch nicht, den nun folgenden Vormarsch der Schweden in Richtung Süddeutschland aufzuhalten. Er zog sich nach Ingolstadt zurück, um Bayern zu decken. Die Schweden nahmen Nürnberg ein, ebenso Donauwörth, um daraufhin auch Ingolstadt zu erobern. In der Schlacht bei Rain am Lech wurde Tilly tödlich verwundet. Daraufhin fiel Gustav Adolf in Bayern ein und eroberte Augsburg und sogar München. Nun stand noch der vom Schwedenkönig konzipierte Entscheidungsfeldzug gegen Wien bevor. Unter dem Eindruck der Niederlagen ernannte der Kaiser den zuvor in Ungnaden gefallenen Wallenstein wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee. Diesem gelang es, die Schweden und deren Verbündete zum Rückzug zu zwingen. Bei Nürnberg lagen sich beide Heere in gesicherten und verstärkten Lagern gegenüber. Der folgende zweimonatige Stellungskrieg richtete in der Region um Nürnberg starke Verwüstungen an und löste in der durch Flüchtlinge und Soldaten überfüllten Stadt durch Hunger und Seuchen ein Massensterben aus. Von den zermürbenden und blutigen Gefechten geschwächt, räumten die Schweden das Feld und zogen sich wieder gen Norden zurück, wo es zu Gustav Adolfs letzter Schlacht kommen sollte, auf die an anderer Stelle gesondert eingegangen werden soll. Das oben abgebildete Denkmal wurde 1831 anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht bei Breitenfeld errichtet. Die Inschrift stammt vom Stadtgerichtsrat Heimbach aus Leipzig.</p>
<p class="MsoNormal">Literatur:</p>
<ul>
<li>Berner, Felix: Gustav Adolf &#8211; Der Löwe aus Mitternacht. Stuttgart, 1982.</li>
<li>Der große Ploetz &#8211; Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Zusammenhänge. Freiburg im Breisgau, 1998 (32. Auflage).</li>
<li>Fuchs, Konrad und Heribert Raab. Wörterbuch Geschichte. München, 2002 (13. Auflage).</li>
<li>Wiwjorra, Ingo: „Ex oriente lux“ &#8211; „Ex septentrione lux“. Über den Widerstreit zweier Identitätsmythen. In: Achim Leube / Morton Hegewisch (Hrsg.): Prähistorie und Nationalsozialismus. Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945. Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 2 (Heidelberg 2002) 73-106.</li>
</ul>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_23" class="footnote">Gedicht, wie es im Informationsschaukasten am Denkmal abgedruckt ist, Verfasser unbekannt.</li><li id="footnote_1_23" class="footnote">Das Schlagwort <em>ex septentrione lux</em> <em>(aus dem Norden [kommt] das Licht) </em>geht ursprünglich auf das Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg und die somit erfolgte Rettung der protestantischen Sache zurück. Wieder aufgenommen wurde der Ausspruch während der Völkerschlacht im Jahr 1813, als die Schweden dem Bund gegen Napoleon beitraten (so z.B. in einer Gedichtzeile Theodor Körners: Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht). Erst später wurde das Schlagwort in national gesinnten Kreisen nord-, ost- und mitteleuropäischer Länder als gezielte Infragestellung der bis dahin vorherrschenden These <em>ex oriente lux</em> benutzt. Der Meinung dieser Anhänger völkischen Denkens zufolge habe der Ursprung aller Kultur in Nordeuropa und Germanien gelegen und sich dann nach Süden hin ausgebreitet. Trotz intensiver Anstrengungen vor allem in den 1920er Jahren gelang es völkischen Forschern nie, überzeugende Beweise für diese archäologisch unhaltbare Theorie zu finden. Vetreterin dieser „Ariosophie&#8221; war u.a. die berüchtigte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thulegesellschaft">Thule-Gesellschaft</a>. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des „Dritten Reiches&#8221;, als auch neuere Arbeiten in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum erschienen. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung „nordischer&#8221; bzw. „germanischer&#8221; Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen (beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter) betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. Zu den bekanntesten Verfechtern von <em>Ex septentrione lux</em> wird Jürgen Spanuth gezählt, der 1953 in seiner Veröffentlichung <em>Das enträtselte Atlantis</em> das untergegangene Atlantis in der Nordsee lokalisierte und eine bronzezeitliche Einwanderung nordeuropäischer Völker in den Mittelmeerraum postulierte. Als früher Vertreter des Nordismuswird hier der Schwede Olof Rudbeck d.Ä. (1630-1702) beansprucht, der Atlantis in Uppsala platziert hatte.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/" title="„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221; (13. April 2007)">„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/10/05/schah-%d8%a7%d9%84%d8%b4%d8%a7%d9%87-sah-malik-koenig/" title="Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König (5. Oktober 2006)">Schah (الشاه, şah), Malik, Король, König</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/" title="Luther und die Reformation (31. Oktober 2007)">Luther und die Reformation</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/" title="Friede den Entschlafenen (18. März 2007)">Friede den Entschlafenen</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/10/bis-in-trunkne-wogen-schonheitsselig-sinkt-der-weltentag/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/10/bis-in-trunkne-wogen-schonheitsselig-sinkt-der-weltentag/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Jun 2007 22:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Skulptur]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=56</guid>
		<description><![CDATA[Wir verkünden euch: Der Sinn der Erde ist der Schönheit sich als Leib zu bünden Traum des Seins und Traumeslustgebärde selig in des Lichtes Flur zu gründen Schöpfungsliebesglanz und Morgenfülle blühen Klänge Maasse Formen Lieder Der Notwendigkeit Demant Gefieder Aus des Weltengrunds krystallner Stille zünden sich zu Gleichniss Glanz und Spiegel irdischer Gesichte Allgestalt und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a title="Fenster im Vestibül der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/fenster-gross.JPG" rel="lightbox[56]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/fenster-klein.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a></p>
<blockquote><p>Wir verkünden euch:<br />
Der Sinn der Erde ist der Schönheit sich als Leib zu bünden<br />
Traum des Seins und Traumeslustgebärde selig in des Lichtes Flur zu gründen<br />
Schöpfungsliebesglanz und Morgenfülle blühen Klänge Maasse Formen Lieder<br />
Der Notwendigkeit Demant Gefieder<br />
Aus des Weltengrunds krystallner Stille<br />
zünden sich zu Gleichniss Glanz und Spiegel irdischer Gesichte Allgestalt<br />
und am Gram des Nichts der ewige Riegel<br />
ist der Schönheit heilige Gewalt</p>
<p>Wir entsenden euch:<br />
Der Sinn der Erde soll in euch sich neuer Klarheit zünden<br />
Hehrer Schönheit herrische Gebärde sollt ihr streng der dumpfen Welt verkünden<br />
Denn verheissen ward:<br />
Der Ewigkeiten erster Ring ist feierlich vollendet<br />
wenn dem fernsten Ding und allen Welten ward des Schönen Botschaft zugesendet<br />
Seid ihm Boten!<br />
Traumgeführt umflogen von der Lustgesichte Schwingenschlag<br />
Seid ihm Künder!<br />
Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag</p></blockquote>
<p><a title="Frauenskulptur am Gebäude der HFBK" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/frau-fit-in.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/frau-fit-in.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Männerskulptur am Gebäude der HFBK" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mann-fit-in.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mann-fit-in.thumbnail.JPG" alt="Männerskulptur am Gebäude der HFBK" /></a>So steht es, nicht frei von Umschweife, in den Fenstern des Vestibüls der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) geschrieben. Der Text flankiert links und rechts die Darstellung einer Frau, die wiederum von der Darstellung zweier Männer umgeben ist. Geschaffen wurden die Fenster von dem österreichischen Graphiker und Maler sowie Mitarbeiter der Wiener Werkstätte Carl Otto Czeschka 1913.<br />
Im gleichen Jahr bezog die Hochschule das von Fritz Schumacher entworfene Gebäude. Nachdem die Schule im Krieg zerbombt worden war, wurde sie 1955 vorbildhaft wiederaufgebaut.<br />
Überlebt haben dabei offenbar die jugendstilhaften Darstellungen einer Frau und eines Mannes aus dem Jahr 1912, die im zur Straße hin gelegenen Innenhof einander gegenüber in die Fassade integriert wurden, so dass sie einander anzublicken scheinen. Darüber hinaus befindet sich die Plastik einer Frau im Vorderhof, die von drei Kindern umgeben ist &#8211; zwei Mädchen und einem Jungen. Während die Mädchen Schutz bei der Mutter zu suchen scheinen, ist es fast so, als ob der Junge sich schützend vor seine Mutter stellt.<br />
<a title="Skulptur einer Frau mit Kindern auf dem Gelände der HFBK" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/frau-kinder-fit-in.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/frau-kinder-fit-in.thumbnail.JPG" alt="Skulptur einer Frau mit Kindern auf dem Gelände der HFBK" /></a><a title="Skulptur Kind auf Pferd auf einem Eckpfosten auf dem Geländer der HFBK" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/kind-pferd-fit-in.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/kind-pferd-fit-in.thumbnail.JPG" alt="Skulptur Kind auf Pferd auf einem Eckpfosten auf dem Geländer der HFBK" /></a>Desweiteren befindet sich auf einem Eckpfosten einer Seitenmauer eine Plastik, die aus allen vier Perspektiven das Gleiche darstellt, nämlich einen Knaben auf einem Pferd unter einem Dach aus Rosen. Doch damit nicht genug, die zum Eilbekkanal hin gelegene Fassade ist mit drei weiteren Plastiken bestückt. Diese sind ein märchenhaftes, auf allen Vieren kniendes Pferd mit gelockter Mähne und geblähten Nüstern sowie ein ebenfalls auf allen Vieren kniender Widder, der auch märchenhaft überzogen dargestellt ist. Schließlich befindet sich das Relief einer nackten, von Früchten umgebenen Frau an der Fassade.<br />
<a title="Gedenktafel für Professor Friedrich Adler" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/gedenktafel.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/gedenktafel.thumbnail.JPG" alt="Gedenktafel für Professor Friedrich Adler" /></a>Leider stößt man auch hier wieder auf eine Gedenktafel, auf der man an Naziverbrechen erinnert wird. Die Nazis haben in ihrem menschenverachtenden und völlig hirnlosen Rassenwahn eben auch diese Hochsschule nicht verschont. Das auf der Tafel vermerkte Zitat, das von dem nach Auschwitz verschleppten und dort umgebrachten Professor Friedrich Adler stammt, würde sich im Übrigen, ebenso wie oben zitiertes Gedicht auch hervorragend als Wahlspruch der Hochschule eignen:</p>
<blockquote><p>unser Leben wäre armselig, wenn uns nicht die Einbildungskraft, die Phantasie eingeboren wäre.</p></blockquote>
<p><span id="more-56"></span>Bedauerlicherweise haben ihn die armseligen Faschisten mit ihrem verkümmerten Geist daran gehindert, dieses reiche Leben weiter zu führen.<br />
<a title="Fahrrad in Beton" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/fahrrad.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/fahrrad.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Auf dem Weg um das Gebäude durchquert man einen etwas vernachlässigten Hinterhof, in dem sich ein womöglich einstiges Kustwerk befindet, ein mit beiden Rädern einbetoniertes Fahrrad nämlich. Es wirkt so, als ob man nicht mehr so ganz von der Kreativität der Idee überzeugt gewesen sei und es deshalb in den Hinterhof verbannt hat, wo es nunmehr ein stiefmütterliches, oder vielmehr brennnesseliges Dasein fristet. Wahrscheinlich ist die Entsorgung zu teuer.<br />
<a title="Bauen - Wir bauen weil wir denken" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/bauen-denken.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignleft" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/bauen-denken.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><a title="Bauen - Wir bauen weil wir denken" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/bauen-denken-2.JPG" rel="lightbox[56]"><img class="alignright" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/bauen-denken-2.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a>Vollendet man nun den Rundgang um das Gebäude, stößt man auf das Schild: &#8220;Bauen &#8211; Wir bauen weil wir denken&#8221;. Betrachtet man sich daraufhin nüchtern das Gebäude, an dem sich diese Information befindet, kann man nur zugunsten derjenigen, die sie angebracht haben, hoffen, dass dieser Text blanke Ironie und als Mahnung gedacht ist.</p>
<p>Literatur:</p>
<ul>
<li>Lange, Ralf: Architekturführer Hamburg. Stuttgart, 1995.</li>
<li>Meyhöfer, Dirk: Hamburg &#8211; Der Architekturführer. Berlin, 2007.</li>
</ul>

<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/" title="Mit Charon ins Reich der Schatten (10. März 2007)">Mit Charon ins Reich der Schatten</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/22/in-den-startloechern-des-lebens/" title="In den Startlöchern des Lebens &#8230; (22. Juni 2007)">In den Startlöchern des Lebens &#8230;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/07/werden-sein-vergehen/" title="Werden, sein, vergehen &#8230; (Arthur Bock) (7. Januar 2007)">Werden, sein, vergehen &#8230; (Arthur Bock)</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/17/wem-die-stunde-schlagt/" title="Wem die Stunde schlägt &#8230; (17. März 2007)">Wem die Stunde schlägt &#8230;</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/06/10/bis-in-trunkne-wogen-schonheitsselig-sinkt-der-weltentag/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221;</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Apr 2007 02:28:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=77</guid>
		<description><![CDATA[Das Denkmal erinnert an die Schlacht bei Möckern &#8211; eine Teilschlacht der Völkerschlacht bei Leipzig. Hierbei wurde am 16. Oktober 1813 das von französischen Elitetruppen unter Marschall Marmont zur Festung ausgebaute Dorf Möckern (im Nordwesten Leipzigs) von der Schlesischen Armee unter Führung ihres Oberbefehlshabers Gebhard Leberecht von Blücher („Marschall Vorwärts&#8221;) sowie vom Preußischen Armeecorps unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/kugeldenkmal-in-leipzig-moeckern-gross.jpg" rel="lightbox[77]"><img class="alignleft size-full wp-image-1684" title="Kugeldenkmal in Leipzig Möckern" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/kugeldenkmal-in-leipzig-moeckern-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="200" height="245" /></a><span class="initial">D</span>as Denkmal erinnert an die Schlacht bei Möckern &#8211; eine Teilschlacht der Völkerschlacht bei Leipzig. Hierbei wurde am 16. Oktober 1813 das von französischen Elitetruppen unter Marschall Marmont zur Festung ausgebaute Dorf Möckern (im Nordwesten Leipzigs) von der Schlesischen Armee unter Führung ihres Oberbefehlshabers Gebhard Leberecht von Blücher („Marschall Vorwärts&#8221;) sowie vom Preußischen Armeecorps unter Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg erobert. Etwa 10.000 Franzosen und 5.000 Preußen ließen bei dem Gemetzel ihr Leben. Dieser Sieg trug dazu bei, dass Napoleon eine Verkürzung des durch seine Truppen gezogenen Schlachtbogens vornehmen musste. Am 19. Oktober wurde Napoleon endgültig von der Koalition besiegt.<br />
Das Sächsische Königreich gehörte durch den 1806 mehr oder weniger zwangsweise erfolgten Beitritt zum Rheinbund (Confédération du Rhin) zu den Verbündeten Frankreichs und war somit verpflichtet, Napoleon große Militärkontingente zu stellen. Im Gegenzug war Kurfürst Friedrich August I. (der Gerechte) zum König erhoben worden. Sachsen diente den Franzosen nur unwillig und gezwungenermaßen, wurde aber nichtsdestotrotz von den Siegern als Kollaborateur angesehen und musste fürchten, als solcher vom Wiener Kongress abgestraft zu werden. Preußens Ziel war es dabei, im Zuge der Arrondierung seines Territoriums, sich das Königreich Sachsen als Ganzes einzuverleiben, was jedoch nicht gelang, da es nicht dem Interesse Österreichs bzw. Frankreichs (die Monarchie war wiederhergestellt) entsprach, Preußen mehr als nötig erstarken zu lassen. Das europäische Gleichgewicht stand auf dem Spiel.<a title="Gedenkstein in der Georg-Schumann-Straße (Höhe Knopstraße) in Leipzig Möckern (Vorder- und Rückansicht)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mockern-1a.jpg" rel="lightbox[77]"><img class="alignright" title="Gedenkstein in der Georg-Schumann-Straße (Höhe Knopstraße) in Leipzig Möckern (Vorder- und Rückansicht)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mockern-1a.thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="73" height="96" /></a><br />
Immerhin fielen Preußen aber doch etwa 57% des sächsischen Territoriums und 42% der sächsischen Bevölkerung zu, von zuvor etwa 2 Millionen Einwohnern verblieben nur noch 1,2 Millionen. Das somit gewonnene Gebiet wurde „Provinz Sachsen&#8221; genannt und entspricht großen Teilen des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Nicht nur dort fühlten sich die Menschen als „Musspreußen&#8221;.<br />
Wie zum Trost dafür, nicht ganz Sachsen bekommen zu haben, wurden Preußen im Westen Territorien erheblichen Ausmaßes zugestanden, nämlich die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz, mit dem Nebeneffekt, dass somit der katholische Bevölkerungsanteil im bis dahin fast ausschließlich protestantischen Preußen wesentlich zunahm.<br />
<a title="Gedenkstein in der Georg-Schumann-Straße, Ecke Seelenbinder-Straße in Leipzig Möckern (Vorder- und Rückansicht)" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mockern-2a.jpg" rel="lightbox[77]"><img class="alignleft" title="Gedenkstein in der Georg-Schumann-Straße, Ecke Seelenbinder-Straße in Leipzig Möckern (Vorder- und Rückansicht)" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/mockern-2a.thumbnail.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="75" height="96" /></a>Zu den von Sachsen an Preußen abgetretenen Gebieten gehörte neben Merseburg, Naumburg, Mansfeld und Querfurt auch Wittenberg, die alte Hauptstadt Kursachsens &#8211; also ursächsisches Gebiet. Bereits 1817 wurde die durch Luther und Melanchton weltberühmt gewordene &#8211; sächsische &#8211; Universität Leucorea („leukos&#8221; = weiß in Anlehnung an „Wittenberg&#8221; = weißer Berg) mit der preußischen Universität Halle zur Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg zusammengelegt.<br />
Das Dorf Möckern nun, das mittlerweile längst ein Stadtteil Leipzigs ist (Eingemeindung 1. Oktober 1910), zählte 1813 gerade einmal 300 Einwohner und gehörte zum dort befindlichen Rittergut. Nach der Schlacht ist der Ort fast völlig zerstört (15 Häuser bzw. Güter, das Gemeindehaus, die Schule, das Hirtenhaus und wohl auch die Windmühle). Zudem hatte die Gemeinde im April 1813 einen Kredit von 300 Talern aufnehmen müssen, um die zu diesem Zeitpunkt noch einquartierten russischen Truppen unterhalten zu können.<a title="Straßenschild Blücherstraße" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/blucher.JPG" rel="lightbox[77]"><img class="alignright" title="Straßenschild Blücherstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/blucher.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="128" height="95" /></a>Möglicherweise hatte das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung Möckerns noch in Erinnerung, dass es nicht einmal 200 Jahre her war, dass schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg 1637 Möckern in Brand steckten. Zuvor waren im Jahr 1631 Tillys Truppen vor der Belagerung Leipzigs an Möckern vorbeigezogen, wo sie ein Lager aufschlugen. Immerhin handelte es sich dabei um 21.000 Mann Fußvolk und 11.000 Reiter, deren Verpflegung Möckern sicher eine große wirtschaftliche Last auflud. Doch Möckern lebte auch später mit dem Militär, als nämlich 1877 nach zweijähriger Bauzeit die Infanteriekaserne fertiggestellt wurde und bald darauf das 7. Kgl. Sächsische Infanterie-Regiment „Prinz Georg&#8221; Nr. 106 dort stationiert wurde. Nachdem auf dem Gelände nach dem Ersten Weltkrieg Sicherheitskompanien untergbracht waren, diente die Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1949 als Flüchtlings- und Umsiedlerlager sowie als Quarantänelager für zurückkehrende Soldaten. Von 1952-56 beherbergte die Kaserne Einheiten der Kasernierten Volkspolizei. Von 1956-90 schließlich waren Einheiten der NVA dort untergebracht.<a title="Straßenschild Yorkstraße" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/yorck.JPG" rel="lightbox[77]"><img class="alignleft" title="Straßenschild Yorkstraße" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/yorck.thumbnail.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="128" height="87" /></a>Ein Jahr lang nutzte die Bundeswehr noch die Kaserne, ehe sie einer zivilen Nutzung zugeführt wurde. Seit 1991 befindet sich auf dem ehemaligen Kasernenareal die Landesversicherungsanstalt Sachsen, seit 1997 der Neubau des Leipziger Arbeitsamts. Zusammen mit weiteren dort angesiedelten Institutionen bildet der Komplex heute das Sozialversicherungszentrum Leipzig.<br />
Doch zurück zum eingangs erwähnten Denkmal. Dieses befindet sich heute vor der Auferstehungskirche, die am 10. November 1901 als Not- bzw. Interimslösung eingeweiht wurde, jedoch bis heute aufgrund zweier Weltkriege, Weltwirschaftskrise und Sozialismus nach wie vor unverändert als Fachwerkbau mit Ausfachung aus unverputzten gelben Ziegeln besteht. Von 1886 bis 1901 waren Gottesdienste in der Aula der 1884-86 gebauten „roten Schule&#8221; abgehalten worden. Bis in das Jahr 1543 war Möckern nach der Thomaskirche in Leipzig gepfarrt, nach der Reformation nach Wahren sowie von 1544-1857 nach Eutritzsch und 1857 schließlich wieder nach Wahren. Im Jahr 1901 war also erstmals die Kirche im eigenen Dorf.<br />
<span id="more-77"></span>Das Denkmal wurde am 3. Juni 1850 auf freiem Feld in der Nähe der Kreuzung des Verbindungswegs zwischen Möckern und Großwiederitzsch (heute: Slevogtstraße) mit der Magdeburger Eisenbahn eingeweiht, acht Jahre später dann an den Westrand des Dorfs Möckern an die Landstraße nach Halle versetzt (nämlich an die Hallische Straße 200, heute ungefähr Ecke Georg-Schumann-Straße/Slevogtstraße), bevor es 1903 dann an seinem heutigen Ort aufgestellt wurde.<br />
Das Denkmal besteht aus einem Sandsteinblock, der auf zwei Sandsteinstufen und auf einem Feldsteinsockel steht. An jeder Ecke ruht eine sechspfündige und in der Mitte eine zehnpfündige Geschützkugel, weshalb das Denkmal Kugeldenkmal genannt wird. Auf der südwestlichen Seite steht: 16. OCTBR. 1813. Auf der südöstlichen Seite steht: SIEG DES SCHLESISCHEN HEERES BLÜCHER-YORK. Auf der nordöstlichen Seite steht: GAL.5.1. Der bibelfeste Leser mag sofort wissen, worum es sich dabei handelt, alle anderen seien informiert, dass dies ein Verweis auf den Brief des Paulus an die Galater ist, in dem es unter Kapitel 5, Vers 1 heißt: „Aufruf zur rechten Freiheit &#8211; Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221; Auf der nordwestlichen Seite befindet sich schließlich der Umriss eines Tatzenkreuzes, wohl in Anlehnung an das gleichförmige Eiserne Kreuz (EK), das als Kriegsauszeichnung vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1813 gestiftet wurde und in seiner Form auf das Kreuz des Deutschen Ordens und das des Templerordens zurückgeht.<br />
Im zwischen 1900-1914 errichteten, so genannten Völkerschlachtviertel (zwischen heutiger Georg-Schumann-Straße und der Magdeburger Eisenbahnstrecke) wurden mit Straßennamen Persönlichkeiten der Völkerschlacht geehrt. So findet sich dort bis heute die Blücherstraße aber auch die Yorckstraße und die Clausewitzstraße. Dass diese Straßen über die DDR-Zeit hinweg ihren Namen beibehielten, ist insofern interessant, da der preußische Militarismus aus sozialistischer Perspektive doch die Wurzel alles Übels war. Es war ja nun nicht so, dass keine Namen kommunistischer Widerstandskämpfer zur Verfügung gestanden hätten, wie sich anhand benachbarter Straßen unschwer erkennen lässt. So finden sich dort die Erika-von-Brockdorff-Straße (Mitglied der Roten Kapelle), die Werner-Seelenbinder-Straße (Ringer und Kommunist, 4.Platz in der Olympiade 1936) und die Hans-Beimler-Straße (Spanienkämpfer). Außerdem waren Möckerner Schulen nach Hans Beimler und Bruno Kühn (Bruder von Lotte Ulbricht, geb. Kühn) benannt.<br />
Das Beibehalten des Namens Yorck nimmt nicht sonderlich wunder, wenn man sich vor Augen führt, dass etliche Nachkommen Yorcks Gründungsmitglieder bzw. Mitglieder des Kreisauer Kreises waren. Neben Helmuth James Graf von Moltke war Peter Graf Yorck von Wartenburg sogar eine der beiden Führungspersönlichkeiten des Kreisauer Kreises.<br />
Die Mitgliedschaft einzelner Yorcks in der Bekennenden Kirche war für die Sozialisten sicher weniger von Interesse.<br />
Was aber Blücher angeht, so scheinen sich dessen Nachfahren nicht in solcher Weise hervorgetan zu haben. Warum dieser Straßenname beibehalten wurde, ist daher unklar. Bei Clausewitz liegen die Dinge insofern anders, als nicht ganz klar ist, ob die nach ihm benannte Straße schon vor 1989 so hieß. Wenn ja, dann sei erwähnt, dass Engels, Marx und Lenin Clausewitz&#8217; Schrift „Vom Kriege&#8221; mit Interesse lasen und und z.T. für sich verwendeten. Die Clausewitzsche Aussage, dass „der Krieg nur eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln&#8221; sei, ist als Unterordnung des Militärs unter die Politik zu verstehen. Entgegen der Meinung derjenigen, die Clausewitz kurzerhand als Vordenker des „Totalen Krieges&#8221; der Katastrophen beider Weltkriege abstempelten, ist dies viel zu kurz gegriffen. Das Primat der Politik über das Militär, wie Clausewitz es sich vorstellte, war beispielsweise bei Hitler kaum zu erkennen. Bei Hitler war Politik gleichbedeutend mit seinen persönlichen Zielsetzungen und hatte daher nicht viel mit dem Politikverständnis zu tun, wie es sich bei Clausewitz findet. Wie auch immer &#8211; Möckern war von den Franzosen befreit, die Sachsen zum Königreich erhoben hatten und allerlei Freiheiten und Modernisierungen einführten. Preußen, der Befreier, hatte Sachsen wiederum um fast die Hälfte seines Staatsgebiets gebracht. Ein ziemlich ambivalentes Ereignis war die Völkerschlacht also schon aus sächsischer Sicht. Zu allem Überfluss stehen nun überall steinerne Zeugen, die dafür Sorgen, dass die preußischen Großtaten nicht vergessen werden. Waren die Franzosen wirklich so schlimm, dass man sich sogar über die Preußen freut?</p>
<p><em>Quellen: </em></p>
<ul>
<li>Möckern, Eine historische und städtebauliche Studie. PRO LEIPZIG e.V. im Auftrag des Stadtplanungsamtes. 1. Auflage, Leipzig, 1998.</li>
<li>leipzig-lexikon.de</li>
</ul>

<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/" title="Friede den Entschlafenen (18. März 2007)">Friede den Entschlafenen</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/familie-baedeker-letzte-reise/" title="Familie Baedeker &#8211; Letzte Reise &#8230; (6. Januar 2007)">Familie Baedeker &#8211; Letzte Reise &#8230;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/27/ex-septentrione-lux/" title="Ex septentrione lux &#8230; (27. Juni 2007)">Ex septentrione lux &#8230;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/06/christian-fuerchtegott-gellert-ein-fabelhaftes-grab/" title="Christian Fürchtegott Gellert &#8211; Ein FABELhaftes Grab &#8230; (6. Januar 2007)">Christian Fürchtegott Gellert &#8211; Ein FABELhaftes Grab &#8230;</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Friede den Entschlafenen</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2007 18:45:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Nekropolis]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=89</guid>
		<description><![CDATA[Der Sarkophag erinnert an die letzte Phase der Besatzung Hamburgs durch napoleonische Truppen im Winter 1813/14. Tausende Hamburger Bürger, die nicht ausreichend persönlichen Proviant vorweisen konnten, wurden damals von den Besatzern des Stadtgebietes verwiesen. Den Franzosen ging angesichts der Belagerung der Stadt durch die Allierten die Verpflegung der Truppe vor &#8211; hungrige Zivilisten hatten da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/sarkophag-in-planten-un-blomen-in-hamburg-gross.jpg" rel="lightbox[89]"><img class="alignleft size-full wp-image-1691" title="Sarkophag in Planten un Blomen in Hamburg" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/09/sarkophag-in-planten-un-blomen-in-hamburg-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="201" /></a><span class="initial">D</span>er Sarkophag erinnert an die letzte Phase der Besatzung Hamburgs durch napoleonische Truppen im Winter 1813/14. Tausende Hamburger Bürger, die nicht ausreichend persönlichen Proviant vorweisen konnten, wurden damals von den Besatzern des Stadtgebietes verwiesen. Den Franzosen ging angesichts der Belagerung der Stadt durch die Allierten die Verpflegung der Truppe vor &#8211; hungrige Zivilisten hatten da das Nachsehen. Etwa ein knappes halbes Jahr später wurde die Stadt von russischen Truppen befreit, was nicht verhinderte, dass viele der Vertriebenen den Tod fanden. Der Sarkophag befindet sich auf dem Gelände von Planten un Blomen in Hamburg. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet:<br />
FRIEDE DEN ENTSCHLAFENEN<br />
AN DIESER STÆTTE RUHEN DIE GEBEINE VON ELFHUNDERT ACHT UND DREIZIG HAMBURGERN WELCHE MIT VIELEN TAUSENDEN IHRER MITBÜRGER VON DEM FRANZÖSISCHEN MARSCHALL DAVOUST IM HÆRTESTEN WINTER 1813 UND 1814 AUS DEM BELAGERTEN HAMBURG VERTRIEBEN, MIT MENSCHENFREUNDLICHER MILDE IN ALTONA AUFGENOMMEN, VON DESSEN EDLEN EINWOHNERN SOWIE VON IHREN FRÜHER AUSGEWANDERTEN LANDESLEUTEN IN IHREM ELENDE UNTERSTÜTZT UND VERPFLEGT, DEM UNGEACHTET ABER OPFER IHRES KUMMERS UND ANSTECKENDER SEUCHEN WURDEN<br />
IM JAHRE 1841 IST DIESES MONUMENT MIT DEN GEBEINEN VON OTTENSEN HIERHER VERSETZT.<br />
<span id="more-89"></span>Die Inschrift auf der Rückseite lautet:</p>
<p class="MsoNormal">DIESEN DENKSTEIN ERRICHTETEN<br />
HAMBURGS TRAUERNDE BÜRGER IHREN<br />
ENTSCHLAFENEN MITBÜRGERN<br />
IM JAHRE 1815<em><br />
</em><br />
Maréchal Louis Nicolas Davoust (1770-1823) war von 1811 bis 1814 Generalgouverneur des &#8220;Department Bouche de l´Elbe&#8221; („Département der Elbmündung“). Am 31. Mai 1813 rückte er in die bis dahin von General Tettenborn besetzte Stadt Hamburg ein und legte ihr zur Züchtigung für ihren Abfall von Frankreich sogleich eine Geldbuße von 48 Mill. Franc auf, welche Summe er auch zum großen Teil mit erbarmungsloser Strenge eintrieb. Am 5. November ließ er die Bank in Beschlag nehmen, gegen Ende des Jahrs mehr als 20.000 Menschen aus der Stadt treiben und die Wohnungen von mehr als 8.000 niederbrennen, nachdem er schon vorher mehrere Unruhige mit dem Tod bestraft hatte. So grausam dies Verfahren, so militärisch trefflich war seine Verteidigung gegen die Alliierten, die ihn von allen Seiten einschlossen und belagerten. Von Napoleon beauftragt, ließ Davoust Hamburg gegen mögliche neue Angriffe zur Festung auszubauen. Bis zum Herbst 1813 ist eine strategisch wichtige Brückenstraße zwischen Harburg und Hamburg fertiggestellt. Die gesamte Bevölkerung wird zu Schanzarbeiten herangezogen. Bis zum endgültigen Abzug der Franzosen wird Hamburg jetzt ausschließlich unter militärstrategischen Gesichtspunkten verwaltet. Erst am 31. Mai 1814 übergab er auf Befehl Ludwigs XVIII. und nachdem seine Streitkräfte durch Krankheiten und Mangel dezimiert worden waren, die Stadt. Nach der Rückkehr Napoleons 1815 wurde Davoust Kriegsminister. Als nach dem Sieg bei Waterloo die Verbündeten gegen Paris vorrückten, schloß er, von den Kammern zum Oberbefehlshaber ernannt, 3. Juli eine Militärkonvention mit Blücher und Wellington ab, nach welcher er die französische Armee hinter die Loire führte, wo er sich am 14. Juli Ludwig XVIII. unterwarf, auch die Armee dazu aufforderte und das Kommando dem Marschall Macdonald übergab. 1819 zum Pair von Frankreich erhoben, starb er 1. Juni 1823. Er war einer der fähigsten Generale Napoleons, von außerordentlichen militärischem Scharfsinn und hervorragender Tapferkeit, die oft mit grausamer Strenge verbunden war.</p>

<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/" title="Mit Charon ins Reich der Schatten (10. März 2007)">Mit Charon ins Reich der Schatten</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/12/24/albert-ballin-der-reeder-des-kaisers/" title="Albert Ballin &#8211; Des Kaisers Reeder (24. Dezember 2006)">Albert Ballin &#8211; Des Kaisers Reeder</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/" title="„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221; (13. April 2007)">„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/25/%c2%bbeinestages%c2%ab-testet-printausgabe/" title="»einestages« testet Printausgabe (25. August 2008)">»einestages« testet Printausgabe</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mahnmal Hamburger Straße</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Mar 2007 03:28:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmale]]></category>
		<category><![CDATA[Skulptur]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=100</guid>
		<description><![CDATA[Dort, wo einst ein viel hermachendes Karstadt-Warenhaus stand, steht nun der hässlichste Monumentaleinkaufskomplex, den sich ein menschliches Hirn ausdenken kann &#8211; eine unwirtliche, schier endlose Betonwüste. Das Denkmal steht zwischen der Polizeiwache und erwähntem EKZ. Wer von der U-Bahn-Station Mundsburg kommt, um im EKZ Einkäufe zu tätigen, passiert das Mahnmal. Wenn die Fußgängerampel gerade Rot [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/mahnmal-hamburger-strasse-gross.jpg" rel="lightbox[100]"><img class="alignleft size-full wp-image-1620" title="Mahnmal auf der Hamburger Straße in Hamburg" src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2008/08/mahnmal-hamburger-strasse-mini.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" width="314" height="243" /></a><span class="initial">D</span>ort, wo einst ein viel hermachendes Karstadt-Warenhaus stand, steht nun der hässlichste Monumentaleinkaufskomplex, den sich ein menschliches Hirn ausdenken kann &#8211; eine unwirtliche, schier endlose Betonwüste. Das Denkmal steht zwischen der Polizeiwache und erwähntem EKZ. Wer von der U-Bahn-Station Mundsburg kommt, um im EKZ Einkäufe zu tätigen, passiert das Mahnmal. Wenn die Fußgängerampel gerade Rot zeigt, schweift manch gelangweilter Blick umher und bleibt mitunter am Mahnmal hängen. Wer sich die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, wird sich der Beklemmung, die es vermittelt, kaum entziehen können. Die Skulptur wurde 1985 von der Hamburger Bildhauerin Hildegard Huza-Schneider im Auftrag der Stadt Hamburg geschaffen.</p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-100"></span> Tafelinschrift:</p>
<p class="MsoNormal"><span style="text-transform: uppercase">In der Nacht zum 30. Juli 1943<br />
starben im Luftschutzbunker<br />
an der Hamburger Straße<br />
bei einem Bombenangriff<br />
370 Menschen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="text-transform: uppercase">Diese Toten mahnen.<br />
NIE WIEDER FASCHISMUS<br />
NIE WIEDER KRIEG</span></p>

<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/" title="Mit Charon ins Reich der Schatten (10. März 2007)">Mit Charon ins Reich der Schatten</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2008/08/27/radio-hamburg-und-die-maer-vom-wasserturm/" title="Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm (27. August 2008)">Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/18/friede-den-entschlafenen/" title="Friede den Entschlafenen (18. März 2007)">Friede den Entschlafenen</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/10/bis-in-trunkne-wogen-schonheitsselig-sinkt-der-weltentag/" title="Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag (10. Juni 2007)">Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/" title="„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221; (13. April 2007)">„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221;</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mit Charon ins Reich der Schatten</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Mar 2007 02:14:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmale]]></category>
		<category><![CDATA[Mythologie]]></category>
		<category><![CDATA[Nekropolis]]></category>
		<category><![CDATA[Skulptur]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>
		<category><![CDATA[Mahnmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=103</guid>
		<description><![CDATA[„Mahnmal für die Opfer des Bombenkrieges&#8221; (Friedhof Hamburg Ohlsdorf) „[...] unter vier breiten, kreuzförmig angelegten Massengräbern liegen hier 36.918 Opfer des Hamburger Feuersturms, der Bombennächte vom Juli und August 1943. Die hölzernen Querbalken tragen die Namen der Stadtteile, aus denen die Toten zu dieser Ruhestätte transportiert wurden. Der quadratische Mittelbau sowie das Relief im Innern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a title="Charon auf dem Styx" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/styx-gross.JPG" rel="lightbox[103]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/styx-klein.JPG" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007" /></a><br />
„Mahnmal für die Opfer des Bombenkrieges&#8221; (Friedhof Hamburg Ohlsdorf)</p>
<p class="MsoNormal">„[...] unter vier breiten, kreuzförmig angelegten Massengräbern liegen hier 36.918 Opfer des Hamburger Feuersturms, der Bombennächte vom Juli und August 1943. Die hölzernen Querbalken tragen die Namen der Stadtteile, aus denen die Toten zu dieser Ruhestätte transportiert wurden.</p>
<p class="MsoNormal">Der quadratische Mittelbau sowie das Relief im Innern wurden 1947 von Gerhardt Marcks entworfen und 1952 eingeweiht. Er bedient sich in einer monumentalen und beklemmend wirkenden Szene der griechischen Mythenwelt. Dargestellt ist der Totenfährmann Charon, der ein anmutiges Brautpaar, einen Mann, eine Mutter mit Kind und einen Greis über den Acheron setzt, den Strom, der die Oberwelt vom Reich der Schatten trennt. Er wirkt erstarrt und symbolisiert die Gleichgültigkeit des organisierten Massentodes. Die anderen Figuren wirken teilnahmslos und tragen, wie der Bildhauer erläutert, ‚das Menschliche unberührt hinüber&#8217;. Mit den Mitteln der Kunst wird versucht, die Würde angesichts der furchtbaren Heimsuchung für die Stadt Hamburg zu wahren.&#8221;<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/#footnote_0_103" id="identifier_0_103" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Text entstammt der beim Mahnmal befindlichen Hinweistafel.">1</a></sup></p>
<p class="MsoNormal">Von Marcks stammt übrigens auch die bronzene Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, wie sie seit 1953 links neben dem Bremer Rathaus steht. Aus den Bremer Stadtmusikanten stammt wiederum die Aussage: „etwas besseres als den Tod findest du überall&#8221;. Carl Zuckmayer hat diesen Satz in seinem Hauptmann von Köpenick aufgegriffen, um zu verdeutlichen, dass aus jeder noch so aussichtslosen Lage Kraft für einen Neuanfang geschöpft werden kann. Wenn das nicht auch auf das zerbombte Hamburg zutrifft &#8230;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_103" class="footnote">Der Text entstammt der beim Mahnmal befindlichen Hinweistafel.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/21/philemon-und-baucis/" title="Philemon und Baucis (21. Oktober 2007)">Philemon und Baucis</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/05/ihr-muesst-alle-diese-strasse-wandeln/" title="Ihr müsst alle diese Straße wandeln &#8230; (5. Januar 2007)">Ihr müsst alle diese Straße wandeln &#8230;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/06/10/bis-in-trunkne-wogen-schonheitsselig-sinkt-der-weltentag/" title="Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag (10. Juni 2007)">Bis in trunkne Wogen schönheitsselig sinkt der Weltentag</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/12/26/am-schopfe-zieht-uns-tyche/" title="Am Schopfe zieht uns Tyche &#8230; (26. Dezember 2006)">Am Schopfe zieht uns Tyche &#8230;</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mit-charon-ins-reich-der-schatten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Quintili Vare, legiones redde!&#8221; &#8211; Arminius</title>
		<link>http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/</link>
		<comments>http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Jan 2007 04:35:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Fix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkmale]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Plastik]]></category>
		<category><![CDATA[Denkmal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://espritdescalier.de/blog/?p=116</guid>
		<description><![CDATA[Das ist der Teutoburger Wald, / Den Tacitus beschrieben, / Das ist der klassische Morast, / Wo Varus steckengeblieben. Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, / Der Hermann, der edle Recke, / Die deutsche Nationalität, / Die siegte in diesem Drecke. Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, / Mit seinen blonden Horden, / So gäb es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<!-- google_ad_section_start -->
<p><a title="Hermannsdenkmal bei Detmold" href="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/arminius-gross.jpg" rel="lightbox[116]"><img src="http://espritdescalier.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/arminius-klein.jpg" alt="© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006" /></a></p>
<blockquote><p>Das ist der Teutoburger Wald, / Den Tacitus beschrieben, / Das ist der klassische Morast, / Wo Varus steckengeblieben.<br />
Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, / Der Hermann, der edle Recke, / Die deutsche Nationalität, / Die siegte in diesem Drecke.<br />
Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, / Mit seinen blonden Horden, / So gäb es die deutsche Freiheit nicht mehr, / Wir wären römisch geworden!<br />
In unserem Vaterland herrschten jetzt / Nur römische Sprache und Sitten, / Vestalen gäb es in München sogar, / Die Schwaben hießen Qiriten!<sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/#footnote_0_116" id="identifier_0_116" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Heinrich Heine, Deutschland ein Winterm&auml;rchen, Caput XI, Verse 1-4">1</a></sup></p></blockquote>
<p>&#8230; in der Tat, kaum auszudenken, was gewesen wäre, wenn die Zivilisation ein paar Jahrhunderte früher nach Deutschland gekommen wäre. Vielleicht wäre uns so das Mittelalter vorenthalten worden!</p>
<p>Obwohl der ironische Unterton Heines schwerlich zu überhören ist, so gesteht er doch im letzten Vers ein, dass er selbst „subskribieret&#8221; habe, also sein Scherflein beigetragen hat:</p>
<p>„O Hermann, dir verdanken wir das! / Drum wird dir, wie sich gebühret, / Zu Detmold ein Monument gesetzt; / Hab selber subskribieret.&#8221;</p>
<p>Der etwa 27 Meter hohe Arminius hält in seiner ausgestreckten Rechten ein etwa sieben Meter hohes Schwert (Inschrift:<em> Deutschlands Einigkeit, meine Stärke / Meine Stärke, Deutschlands Macht</em>). Diese Siegerpose ist natürlich auf den Triumph des germanischen Heeres unter Hermann dem Cherusker im Jahr 9 (wo auch immer sie sich nun wirklich ereignet haben mag) gemünzt. Doch die Himmelsrichtung, in die das Schwert weist, ist mitnichten Süden (Rom), sondern vielmehr Westen (Frankreich) und dem politischen Kontext der Zeit der Erbauung des Denkmals (1838-75) geschuldet. Frankreich sollte der Sieg der Cherusker und ihrer Verbündeten über die Römer als Mahnung dienen. Ein besonders patriotisches Hochgefühl wird man im Einweihungsjahr gehabt haben, wo man es den &#8211; diesmal französischen &#8211; „Welschen&#8221; mal wieder gezeigt hat. Und so wird Wilhem II. auch in nach 1871 hinzugefügten Inschriften in direkte Nachfolge von Arminius gestellt:</p>
<p>„<em>Der lang getrennte Stämme vereint mit starker Hand,</em> <em>Der welsche Macht und Tücke siegreich überwandt,</em> <em>Der längst verlorene Söhne heimführt zum Deutschen Reich,</em> <em>Armin, dem Retter ist er gleich.</em></p>
<p><em>Wilhelm, Kaiser, 22. März 1797, König von Preußen, 2. Januar 1861.</em> <em>Erster Kaisertag, Versailles, 18. Januar 1871, Krieg 17. Juli 1870, Frieden 26. Februar 1871.&#8221;</em></p>
<p><em>Am 17. Juli 1870 erklärte Frankreichs Kaiser, Louis Napoleon, Preußen den Krieg, da erstunden alle Volksstämme Deutschlands und züchtigten von August 1870 bis Januar 1871 immer siegreich französischen Übermut unter Führung König Wilhelms von Preußen, den das deutsche Volk am 18. Januar zu seinem Kaiser erkor.</em></p>
<p><em>Nur weil deutsches Volk verwelscht und durch Uneinigkeit machtlos geworden, konnte Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen, mit Hilfe Deutscher Deutschland unterjochen; da endlich 1813 scharten sich um das von Preußen erhobene Schwert alle deutschen Stämme ihrem Vaterland aus Schmach und Freiheit erkämpfend. Leipzig, 18. Oktober 1813 &#8211; Paris, 31. März 1814 &#8211; Waterloo, 18. Juni 1815 &#8211; Paris, 3. Juli 1815.</em></p>
<p><em>Arminius liberator haud dubie Germaniae et qui non primordia populi romani, sicut alii reges ducesque, sed florentissimum imperium lacessieret: proeliis ambiguus, bello non victus.</em><sup><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/#footnote_1_116" id="identifier_1_116" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Tacitus, Annales: II, 88: Armin ohne Zweifel Deutschlands [Germaniens] Befreier, der das r&ouml;mische Volk nicht in seinen Anf&auml;ngen bedr&auml;ngt hat wie andere K&ouml;nige und Heerf&uuml;hrer, sondern in der h&ouml;chsten Bl&uuml;te seiner Herrschaft: In Schlachten mit schwankendem Erfolge, im Kriege nicht besiegt.">2</a></sup></p>
<p><span id="more-116"></span>Nicht unwahrscheinlich ist, dass französische Reparationszahlungen (5 Milliarden Francs) auch in den Bau dieses Konstrukts flossen, wie in so viele Bauten der „Gründerzeit&#8221;.</p>
<p>Im Ersten Weltkrieg war das Denkmal natürlich gut als antifranzösisches Symbol geeignet. Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Alliierten im Jahr 1915 diente es zusätzlich als gegen die „verräterischen Römer&#8221; gerichtetes Symbol. Kurz vor dem nächsten Krieg war das wieder vergessen, und man nahm Rücksicht auf die Befindlichkeiten der italienischen Verbündeten und strich 1936 daher einen ursprünglich für Mussolini geplanten Besuch des Hermannsdenkmals, da dieser dies hätte falsch verstehen und beleidigt sein können.</p>
<p>Der geschätzte Betrachter möge sein Augenmerk auf die rechte untere Bildseite richten: Dort befinden sich der römische Adler (sichtbar) und dahinter (unsichtbar) die beiden weiteren Insignien des Römischen Reiches, nämlich Rutenbündel und Beil (fasces). Arminius&#8217; Fuß nun ruht in zusätzlich erniedrigender Beiläufigkeit auf dem Brustbein des Adlers &#8211; Rom also ist geschlagen. Die fasces oder auch Liktorenbündel wurden von Amtsdienern (Liktoren, von lat. <em>lictores</em> zu <em>ligare</em>, „binden&#8221;) den römischen Königen, Prätoren und Konsuln als Machtsymbol vorangetragen.<br />
Die ursprüngliche Aufgabe der Liktoren war es, den Weg für die Amtsträger frei zu machen. Dabei benutzten sie auch Gerten, um Schaulustigen zu vertreiben. Das Beil stand als Symbol für die Todesstrafe, die von den Amtsträgern angeordnet werden konnte, wobei hierbei zu beachten ist, dass römische Bürger nicht ohne weiteres zum Tode verurteilt werden durften. Aus diesem Grund wurden die Beile auch immer erst außerhalb der römischen Stadtgrenze eingesteckt. Später dienten die mit einem Lederriemen zu Rutenbündeln gebundenen Gerten nur noch als Machtsymbol des Römischen Reiches und des römischen Machthabers oder dessen Stellvertretern (Konsul, Imperator, Statthalter). Eine weitere Deutung könnte die Symbolik sein, dass ein einzelner Stab leichter zu brechen ist als ein Stabbündel.</p>
<p>Benito Mussolini wollte an Ruhm und Glanz des Römischen Weltreiches anknüpfen und wählte für seine politische Bewegung das Zeichen der Liktoren aus. Mussolini hoffte, wie die Römer ein Weltreich rund um das Mittelmeer herum zu begründen. Daher leitet sich auch der Begriff des Faschismus vom lateinischem <em>fasces</em> oder auch italienisch <em>fascio</em> ab.</p>
<p>Das aktuelle Hoheitszeichen Frankreichs, das Abzeichen der 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1), der spanischen Guardia Civil wie auch das Wappen des Schweizer Kantons St. Gallen zeigen ein Liktorenbündel. Auch das Symbol des US-Senats weist zwei gekreuzte Liktorenbündel auf. Das auf der Nationalflagge verwendete Wappen Ecuadors zeigt ein Rutenbündel.</p>
<p>Das Bozner Siegesdenkmal, das aus der Zeit des Faschismus stammt, zeigt auch mit Liktoren versehene Säulen und Pilaster.</p>
<p>Auch Martin Luther hatte Arminius „<em>von hertzen lib&#8221;</em>, hatte dieser doch genau wie er selbst gegen Rom gestritten.</p>
<p>Das Schwert trägt die Inschrift:</p>
<p><em>Deutschlands Einigkeit, meine Stärk</em><em>e<br />
Meine Stärke, Deutschlands Macht.</em></p>
<p>Auf dem Schild steht: <em>Treufest</em>.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_116" class="footnote">Heinrich Heine, Deutschland ein Wintermärchen, Caput XI, Verse 1-4</li><li id="footnote_1_116" class="footnote">Tacitus, Annales: II, 88: Armin ohne Zweifel Deutschlands [Germaniens] Befreier, der das römische Volk nicht in seinen Anfängen bedrängt hat wie andere Könige und Heerführer, sondern in der höchsten Blüte seiner Herrschaft: In Schlachten mit schwankendem Erfolge, im Kriege nicht besiegt.</li></ol>
<!-- google_ad_section_end -->

	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/04/13/lasst-euch-nicht-wieder-das-joch-der-knechtschaft-auflegen/" title="„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221; (13. April 2007)">„&#8230; laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!&#8221;</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2006/10/04/schweriner-schloss-schlosspark-theater-und-museum/" title="Schweriner Schloss, Schlosspark, Theater und Museum (4. Oktober 2006)">Schweriner Schloss, Schlosspark, Theater und Museum</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/12/24/rimbaud-lhomme-aux-semelles-devant/" title="Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent (24. Dezember 2007)">Rimbaud &#8211; L&#8217;homme aux semelles devant / de vent</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/03/10/mahnmal-hamburger-strasse/" title="Mahnmal Hamburger Straße (10. März 2007)">Mahnmal Hamburger Straße</a></li>
	<li><a href="http://espritdescalier.de/blog/2007/10/31/luther-und-die-reformation/" title="Luther und die Reformation (31. Oktober 2007)">Luther und die Reformation</a></li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://espritdescalier.de/blog/2007/01/28/quintili-vare-legiones-redde-arminius/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
