Mittwoch, 20. Dezember, 2006

Dieses Bunkerhaus befindet sich in der Eimsbütteler Straße zwischen der Hausnummer 129 zur Linken und der 137 zur Rechten und beansprucht somit also drei Hausnummern für sich. Das Gebäude dient als Träger von Mobilfunknetzantennen sowie als Werbeträger. Außerdem dient es als Rankgrundlage für Efeu. Wobei hier die Frage ist, wer eigentlich wem dient. Eigentlich dient doch der Efeu wohl dazu, der Umwelt den Anblick dieses Bunkers von ausgesuchter Hässlichkeit zu erparen. Die blinde Fassade bietet einen äußerst tristen Anblick. Wenn für die Stadt Hamburg, aus welchen Gründen auch immer, ein Abriss dieses hässlichen Klotzes nicht infrage kommt, fragt man sich doch, warum man seinen Bürgern nicht wenigstens ein wie auch immer geartetes Trompe-l’œil gönnt.
Dass solche Fassadenmalerei bzw. Illusionsmalerei keineswegs nur eine Notlösung zur Kaschierung architektonischer Mängel sein muss, zeigt das Beispiel der Stadt Lyon, die es wohl im Großen und Ganzen weniger nötig hat als Hamburg, architektonische Schandflecken zu beseitigen. Dortige Fassaden-Trompe-l’œils sind mittlerweile weit über Lyons Grenzen hinaus bekannt und über ihren ursprünglichen Zweck hinaus gar zu einer Touristenattraktion avanciert. Zudem wurden die Lyoner Fassadenmalereien auch zum Postkartenmotiv und mithin zu einem Aushängeschild der Stadt. Verantwortlich für diese erfrischende Stadtaufwertung ist die zwölfköpfige Lyoner Künstlergruppe „La Cité de la Création”, die seit mehr als 25 Jahren Fassaden künstlerisch verschönert und weltweit zu einer Referenz der Trompe-l’œil-Malerei auf Fassaden geworden ist. Auf einer „La Cité de la Création” gewidmeten Website ist zu lesen, dass die Gruppe bisher 139 Projekte mit mehr als 1000 Wandbildern realisiert habe. Auch findet sich dort eine Vielzahl prächtiger Bilder, die das Werk der Muralisten-Gruppe eindrucksvoll dokumentieren. Eine große Zahl von Vorher- und Nachherbildern zeigt, was für unglaubliche Effekte erzielt werden können, welche phantastischen Illusionen von Dreidimensionalität, welche farbliche Vielfalt und Lebendigkeit. Auf der Homepage von „La Cité de la Création” findet sich eine Vielzahl weiter Bilder und Informationen in französischer und englischer Sprache. Weiterlesen ›
Samstag, 16. Dezember, 2006
Samstag, 16. Dezember, 2006
Dienstag, 12. Dezember, 2006
Sonntag, 10. Dezember, 2006

Standort: Vorsetzen 70 (Neustadt – zwischen U-Bahn-Station Baumwall und Landungsbrücken)
Typ: Zombeck
Baujahr: 1940
Nutzung: Restaurant
Kommentar: Dieser Bunker befindet sich im portugiesischen Viertel Hamburgs, das direkt am Hafen gelegen ist. Viele der 11.000 in Hamburg ansässigen Portugiesen haben die angenehme Neigung, Restaurants zu eröffnen. Das Essen ist vorzüglich und dabei noch erschwinglich. Es nimmt also nicht wunder, dass ein Bunker, der sich in diesem Viertel befindet, ebenfalls von portugiesischen Gastronomen genutzt wird. Auch hier wurde der Reichsadler über der Tür ordnungsgemäß entnazifiziert, was man vom Logo des portugiesischen Restaurants (links) nicht gerade behaupten kann.
Dieses fällt schon in die Kategorie verfassungsfeindlicher Symbole, was wohl eher als Zufall zu betrachten ist, wenngleich in Anbetracht der Geschichte des Bunkers auf den ersten Blick missverständlich. Es ist eben immer alles eine Kontextfrage.
Die portugiesische singende Mühle mit ihren an den Umrandungstauen befestigten tönernen oder blechernen Gefäßen, die mehrstimmige Akkorde erzeugen, wenn in Bewegung, erregt in ihrem heimatlichen Umfeld an der Südwestküste Portugals mit Sicherheit keinerlei Misstrauen. In Zusammenhang mit einem deutschen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wirken die Mühlenflügel in ihrer Anordnung auf den ersten Blick etwas befremdlich. Zugegeben, in der Form des Gebäudes gleicht der Bunker den in Portugal vorkommenden Mühlenbauten nahezu aufs Haar. Vielleicht hält der portugiesische Pächter des Bunkers diesen ja gar für eine ehemalige Mühle. Die Dame und der Herr von Welt gehen dem möglichen Missverständnis jedoch nicht auf den Leim. Sie haben die Akkorde noch im Ohr und die quixotischen Windmühlen vor Augen. Diese im spanischen Castilla-La Mancha anzutreffenden Mühlen gleichen von ihrem Korpus her nämlich ebenfalls dem des Luftschutzbunkers (Die Richtung des Vergleichs ist natürlich anachronistisch – der Luftschutzbunker gleicht höchstens den viel älteren Mühlenbauten), allerdings unterscheiden sich die Flügelkonstruktionen von den portugiesischen. Die spanischen scheinen nicht zum Erzeugen von Tönen konstruiert. Der Name des Restaurants ist dazu geeignet, weitere Verwirrung zu stiften. „Galego” bedeutet in der galicischen Sprache: “galicisch”. Galicisch wird in Galicien gesprochen, was nun alles andere als in Portugal, sondern vielmehr im Nordwesten Spaniens liegt. Die galicische Sprache weist jedoch offenbar eine sehr hohe Ähnlichkeit mit der portugiesischen Sprache auf. Ist der Restaurantbesitzer also offiziell eigentlich spanischer Herkunft (ganz abgesehen davon, dass er womöglich vom Pass her längst Deutscher ist), der sich als Anhänger irgendeiner Separationsbewegung eher zu Portugal gehörig fühlt? Ein Spanier aus dem Nordwesten Spaniens verwendet ein Symbol aus dem Südwesten Portugals, um seine portugiesische Identität zu dokumentieren?
Bei solchen Erwägungen gerät der Bunker, um den es ja eigentlich geht, ganz aus dem Blick. Kurzum, es ist schön, dass sich ein Restaurant in diesem Bunker befindet und ihn somit belebt, ohne die Vergangenheit zu verleugnen. Die Herausstellung der Ähnlichkeit von Bunker und Mühle befeuert letztlich den europäischen Gedanken und versöhnt Vergangenheit und Gegenwart auf unverkrampfte Weise miteinander. Lediglich hypersensible Bedenkenträger stoßen sich weiter an der politischen Unkorrektheit, der Flügelkonstruktion. Doch auch hier sitzen PC-Wächter natürlich einem Anachronismus auf. Die jahrhundertelange Verwendung dieser Flügelkonstruktion bzw. dieses Windrades steht doch in keinem Verhältnis zur jahrzehntelangem Pervertierung des Sonnenrades.
Literatur:
- Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001.
Sonntag, 10. Dezember, 2006

Standort: Berliner Tor (St. Georg)
Baujahr:
Nutzung:
Kommentar:
Sonntag, 10. Dezember, 2006

Standort: Moorweide / Rothenbaumchaussee 2 (Stadtteil Rotherbaum / Bezirk Eimsbüttel)
Typ: Zombeck
Baujahr: 1940
Nutzung: Dieser ehemalige Bunker wird als Cocktailbar genutzt.
Literatur:
- Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001.
Sonntag, 10. Dezember, 2006



Standort: Sternschanze 7
Baujahr: 1940
Typ: Zombeck
Nutzung: beherbergt das „Clubheim V.F.L. Hammonia v. 1922 e.V.” Die Spielstätte dieses Vereins befindet sich gleich neben dem Bunker (Das linke Bild lässt Platz und Umzäunung erkennen).
Literatur:
- Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001.
Sonntag, 10. Dezember, 2006
Samstag, 9. Dezember, 2006
Standort: Schellingstraße, Ecke Wielandstraße (Eilbek)
Nutzung: nicht bekannt
Kommentar: Auch hier zeigt sich der recht unbeholfen wirkende Umgang der Stadt mit ihren Bunkern: Das Pflanzen von Bäumen macht den Anblick der Bunker nicht viel erträglicher, ebensowenig das Weißtünchen. So teuer kann doch das Abreißen nicht sein und selbst wenn, dann sollte es das einer Stadt wert sein, die ein bisschen etwas auf sich hält. Wenigstens ein Umbau sollte doch möglich sein (siehe Tonistraße). Der Verkauf an private Investoren wäre ja auch noch eine Möglichkeit.