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Stencil von XOOOOX in Hamburg (Altstadt)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2011

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2011

Auf dem Weg von der Spitaler Straße in Richtung Binnenalster findet sich in der Straße Brandsende ein weiteres Werk des Berliner Streetart-Künstlers XOOOOX. Anders als das Stencil in der HafenCity ist dieses hier nicht an einem Schaltschrank angebracht, sondern an einem Mauervorsprung. Diese Fläche wirkt wirklich, als hätte sie nur darauf gewartet, gefüllt zu werden, weil sie so klar umrissen ist und den Eindruck einer gerahmten Leinwand macht. Google Street View gibt Aufschluss darüber, woher diese Umrisse stammen. Mindestens bis zum September 2008 hing ebendort offenbar eine Werbevitrine.

Dieses Bild hat XOOOX der Allgemeinheit geschenkt. Genauso wie seine hockende Frau in der Speicherstadt werden aber auch von der hier abgebildeten Frau weitere Exemplare mobiler Natur nicht eben zu Schnäppchenpreisen gehandelt. So bietet die New Yorker DE BUCK GALLERY drei gespiegelte Varianten an. Zwei davon auf Metallplatten (eine rostig, die andere blau lackiert mit Rost), die dritte auf zusammengefügten Brettern. Diese dritte Variante bietet die DE BUCK GALLERY auf der Online-Kunsthandelsplattform Artspace zu einem Preis von stolzen 6302 Euro an. Sie trägt den Titel „Livin Proof“, ist auf der Rückseite vom Künstler signiert und wird mit Echtheitszertifikat geliefert. Ein „lebendiger Beweis“ dafür, dass die Kommerzialisierung bei XOOOOX in vollem Gange ist. Von irgendetwas muss man schließlich leben. Gleichzeitig vernachlässigt XOOOOX aber die Straße nicht, so dass diejenigen, die gerade keine mittlere vierstellige Summe flüssig haben, auch etwas davon haben.

Allenthalben liest man, dass XOOOOX seine Kunst einerseits als Hommage an die Kunst und Ästhetik traditioneller Haute Couture verstanden wissen will und andererseits als Kritik an der Überindustrialisierung und Uniformität global agierender Massenmodemarken wie beispielsweise H&M.

So verfremdete XOOOOX dessen Logo während der Berliner Fashion Week im Sommer 2008 in einer vermeintlichen Werbung auf einer Plakatwand zum HIV-Schriftzug, um seiner Auffassung Ausdruck zu verleihen, dass solche Massenmarken mit ihrer Gleichmacherei die Welt wie ein Virus befallen.

XOOOOX arbeitet mit den Mitteln der Rekontextualisierung und Verfremdung. Seine weiblichen Models befinden sich eben nicht in bunten Hochglanzmagazinen, sondern auf alten, schäbigen Wänden und auf grauen Verteilerkästen. Diese Rekontextualisierung kontrastiert Schönheit und Perfektion mit Vergänglichkeit und Unvollkommenheit. Das macht die dargestellten Personen nahbarer und menschlicher und wirft einen Schatten auf den schönen Schein der Modeindustrie.

Außerdem verfremdet und rekontextualisiert XOOOOX auch die Logos von Luxus-Modelabels wie Chanel und Hermès sowie die Signets von Luxus-Uhrenmarken wie Breitling und Patek Philippe. Dabei bleibt der bildliche Teil des Logos unangetastet und nur der jeweilige Originalschriftzug wird durch  „XOOOOX“ ersetzt. Die im Logo von Hermès und Patek Philippe vorkommenden Herkunftsbezeichnungen (Paris und Genève) bleiben dagegen erhalten.

Auch ein mopsartiger Hund taucht hin und wieder auf einer öffentlichen Wand auf. So gut wie allen dargestellten Lebewesen ist gemein, dass sie mit einer Art Denkblase versehen sind. Diese besteht nicht wie typischerweise aus umrissenen Wölkchen, die nach und nach zu größeren Wolken werden, und in deren größter dann die Gedanken stehen. Vielmehr bestehen sie aus einer Anhäufung der Buchstaben »X« und »O«. Klein und vom Kopf ausgehend, wächst ihre Größe mit zunehmender Entfernung vom Kopf. Diese Buchstabenwolke vermittelt den Eindruck, dass die Geschöpfe von „XOOOOX“ alle gerade an ihren Schöpfer denken. Zugleich dient diese Denkblase als Signatur.

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