Skip to content

Am 1. Mai hat die Post geschlossen

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Alles fing damit an, dass der NPD-Politiker Thomas Wulff ein Paket zur Post bringen wollte. Offenbar hat niemand seiner zahlreichen Begleiter ihn darauf hingewiesen, dass der 1. Mai ein Feiertag und das Postamt somit geschlossen ist. Man fragt sich, warum er sich zu diesem Zweck auf den über 100 Kilometer langen Weg aus dem mecklenburgischen Ludwigslust nach Hamburg begab. Aber gut, das ist seine Privatangelegenheit. Vielleicht wollte er den Gang zur Post mit einem Besuch bei Freunden in Hamburg verbinden. Vielen Freunden begegnete er dort dem Anschein nach aber nicht. Im Gegenteil. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Hamburgern schien vorab über die Ankunft von Herrn Wulff informiert gewesen zu sein, da sie ihn mit Sprechchören empfing. Niemand aber klärte ihn und seine Reisegefährten darüber auf, dass die Postämter heute geschlossen waren. Stattdessen skandierte man Sätze wie: „Ihr habt den Krieg verlor’n!” Dies ist nun wirklich alles andere als hilfreich für einen Menschen, der auf der Suche nach einem Postamt ist. Man hätte ihn wenigstens darauf hinweisen können, dass es Packstationen gibt, an denen man zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Feiertagen seine Pakete aufgeben kann. So aber irrte Wulff zusammen mit seinen Kameraden stundenlang mit seinem Paket unter dem Arm durch Hamburgs Norden. Die Menge schien ob des Missverständnisses von Wulff höchst erbost. Warum eigentlich? Das kann doch jedem einmal passieren. Angesichts dieser lautstark geäußerten Wut echauffierten sich auch Wulffs Begleiter zunehmend und begannen, Transparente zu entfalten. Langsam drängte sich der Verdacht auf, dass es hier um mehr als nur um das Verschicken eines Pakets ging. Auf den Transparenten nun fanden sich Aussagen wie: „International ist nur das Kapital – Freie Nationalisten Mecklenburg Süd-West”. Aha. Ein weiteres Transparent war beschriftet mit: „Deutsche Intifada”. Passend dazu trug ein anderer Reisegefährte eine Palästina-Flagge. Auch die mittlerweile obligatorische Flagge des Iran ließ man im Maiwind flattern. Ahmadinedschad, der große Freund des jüdischen Volkes, konnte selbst nicht kommen, um für die Tilgung Israels von der Landkarte zu plädieren. Er bereitet womöglich gerade eine Rede zum bevorstehenden 60. Jahrestag der Gründung Israels vor oder inspiziert die Bahnlinie, auf welcher der Mahdi dereinst nach Teheran reisen soll. Die US-amerikanische Flagge reckte man verkehrt herum empor. Also wirklich, die NPD-Anhänger werden immer einfallsreicher und subtiler. Auch die Kameradschaft Northeim hatte ein eigenes Transparent dabei mit einem Bertolt Brecht zugeschriebenen Ausspruch: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!” Der NPD-Kreisverband Kiel-Plön war ebenfalls mit einem Transparent vertreten. Dieses trug die Aufschrift: „Widerstand läßt sich nicht verbieten!” Was sind da schon die Transparente der Gegner: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!” Dort hielt man u.a. auch die Flagge der Sowjetunion empor, die ja nun nicht gerade Sinnbild für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft ist. Die Angelegenheit wurde zunehmend unerquicklich, so dass den NPD-Anhängern der Weg mit Wasserwerfern frei gespritzt wurde, damit sie ihren Weg in Richtung Stadtpark fortsetzen konnten. Dabei verloren sie viele kleine Zettelchen, auf denen die freundliche Einladung: „komm & mach mit bei den autonomen nationalisten!” zu lesen war, inklusive Deppenapostroph bei „Info’s unter http://www…”. Also wirklich, diese Nazi’s aber auch! Später dann waren die NPD-Anhänger mehrere Stunden in der Straße „Alte Wöhr” eingekesselt.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008

Irgendwann ging völlig überflüssigerweise ein Polizeiauto in Flammen auf, später dann sechs Privatfahrzeuge. Neben diesen Fahrzeugen lagen CDs mit Titeln wie „RMK Waffen SS”. Ein Fahrzeug aus Hessen hatte rein zufällig die „1488” als Bestandteil des Kennzeichens. Natürlich stand die „14” nicht für die „Fourteen Words” des US-amerikanischen Neonazis David Lane, die da besagen: „We must secure the existence of our people and a future for White children.” Ebenso wenig stand die „88” im Kennzeichen für den achten Buchstaben im Alphabet, sodass „HH” also „Heil Hitler” gemeint ist. Das zusätzliche „N” im Kennzeichen sollte höchstwahrscheinlich auch nicht für „national” stehen. Das ist den hessischen Touristen bisher womöglich noch gar nicht aufgefallen. Möglicherweise war diese Kombination ja tatsächlich der blanke Zufall, und die Fahrzeugbesitzer sonnten sich gerade im Stadtpark, ohne etwas mit der Demonstration zu tun zu haben. Vielleicht aber auch nicht. Ungeachtet dessen ist solcher Vandalismus natürlich nicht gerechtfertigt und trägt alles andere als dazu bei, etwas in den Köpfen von Rechtsradikalen zu verändern. Nachdem die NPD nach vielen Stunden noch immer kein Postamt gefunden hatte, wo man Wulffs Paket hätte aufgeben können, beschimpfte man kurz vor der Heimfahrt den Hamburger Senat als „schwule Regierung”, als ob er für die Öffnungszeiten von Postämtern zuständig sei. Hätte die NPD Wulffs Paket doch einfach morgen in Ludwigslust zur Post gebracht. All das hätte vermieden werden können!


Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *
*
*

Bloggeramt.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de