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Monthly Archives: Februar 2008

Quellentexte zur Existenz von Kindersoldaten in Eritrea

Da diese Seite auf Dauer zu schade ist, um sie mit Berichten über das NDR-Magazin Zapp und dessen mitunter verquast anmutende Berichterstattung im „Fall” Senait Mehari zu verstopfen und hier stattdessen lieber wieder von Erquicklicherem die Rede sein soll, wurde nun ein Quellenblog ins Netz gestellt, das sich allein dem Thema „Kindersoldaten in Eritrea” widmet:

http://textquellenzueritrea.wordpress.com/

Dort kann sich auch die letzte Zapp-Mitarbeiterin und der letzte „Zeitzeuge” von der Tatsache überzeugen, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab. Belegt wird dies nicht etwa von dubiosen und sinistren Gestalten oder etwa von „Kommerz-Medien”1 und schon gar nicht von auf ihr Image bedachten, sich der modernen Mediengesellschaft bedienenden Hilfsorganisationen2, sondern vor allem von einem Freund des von Julia Salden als Experte herangezogenen Günter Schröder, dem Wissenschaftler Hartmut Quehl nämlich.

Warum nun wurde dieses Quellenblog ins Netz gestellt, wo doch der Journalist für Popmusik, Peter Disch, der die ganze Debatte um Mehari losgetreten hat, niemals in Abrede gestellt habe, dass es Kindersoldaten in Eritrea gab? Das wird eigentlich in der Rubrik „Anliegen” des oben verlinkten Quellenblogs klipp und klar dargelegt, allerdings erst nach mehreren Absätzen, so dass man sich erst bis dahin durchkämpfen muss. Deshalb die Erklärung hier noch einmal an früherer Stelle und lesefreundlich gegliedert.

Die Quellen, welche die generelle Existenz von Kindersoldaten in Eritrea belegen, wurden aus folgenden Gründen online gestellt:

1.

weil das TV-Magazin Zapp am 14.02.2008 Abraham Mehreteab, den Sprecher der Mehari-Kritiker, zeigte, wie er vor dem Berlinale-Palast laut und deutlich skandierte:

„Es gibt keine sogenannten Kindersoldaten in Eritrea.”3

Das ist deshalb von Belang, weil sowohl Julia Salden als auch Peter Disch regelmäßig Abraham Mehreteab als Zeugen für ihre reine Detailkritik an Meharis Darstellung eines einzigen Lagers in Eritrea heranziehen. Wieso ruft der Zeuge dann aber nicht: „Es gab keine sogenannten Kindersoldaten an der Tsebah-Schule.”, wenn es doch nur um diese eine Schule gehe?

2.

weil Julia Salden zudem diese falsche, ganz und gar generalisierende Aussage eines ihrer Zeugen nicht kommentierte, geschweige denn, dass sie sich etwa davon distanzierte.

3.

weil Julia Salden vielmehr nahtlos ihre eigene Aussage daran anschloss:

„Im Film gibt es Kindersoldaten in Eritrea. Er spielt Anfang der achtziger Jahre. Die zehnjährige Awet kommt zu den eritreischen Rebellen. Dort wird sie zu einer Soldatin ausgebildet. Ein Spielfilm – eigentlich fiktional, aber die Produzenten behaupten [...]: Wir sind ganz nah an der Wahrheit. Das ist eine wahre Geschichte.’”4

Durch diese Art des Zusammenschneidens der unwidersprochen gelassenen, falschen Behauptung eines ihrer Zeugen mit ihrer eigenen Aussage insinuiert Salden, dass es keine Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe und verlagert die Debatte höchstselbst auf die allgemeine Ebene, um die es ihr – wie Peter Disch ihr beständig sekundiert – angeblich nicht gehe.

4.

weil Julia Salden in ebendiesem Beitrag an späterer Stelle Folgendes sagte:

„Trotzdem erinnert der Film stark an die Buchvorlage. Kinder erhalten Waffen, lernen schießen und töten. […] Hat es das in Eritrea wirklich gegeben?”5

Wieso stellt Julia Salden diese Frage, wenn sie – laut Peter Disch – die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea überhaupt nicht leugne? Wenn es Julia Salden zudem doch gar nicht um Eritrea, sondern nur um eine Schule gehe, warum fragt sie dann nicht: „Hat es das an der Tsebah-Schule wirklich gegeben?” Diese Frage stellt Julia Salden womöglich deshalb nicht, weil es in dem Film überhaupt nicht um die Tsebah-Schule geht.

5.

weil Julia Salden im Kontext von Kindersoldaten in Eritrea von „angeblich historische[n] Wahrheiten”6 sprach.

6.

weil die von Zapp und Disch immer herangezogenen „Zeitzeugen” auf ihrer Homepage eine „Grußbotschaft” veröffentlichten7, in der expressis verbis generell die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea in Gegenwart und Vergangenheit in Abrede gestellt wird:

„In Eritrea gab es nie Kindersoldaten, bis heute gibt es das nicht.”

Aufgrund der Tatsache, dass diese Botschaft unkommentiert und ohne jegliche Distanzierung veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass die als „GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule” firmierenden „Zeitzeugen” die in der „Grußbotschaft” geäußerte Auffassung, derzufolge es nie Kindersoldaten in Eritrea gegeben habe, in vollem Umfang teilen.

In dieser „Grußbotschaft” ist überdies an keiner einzigen Stelle von der „Tsebah-Schule” die Rede, um die es doch dem Vernehmen nach ausschließlich gehe. Im Gegenteil, die Urheberin dieser Botschaft äußert vielmehr gleich zu Beginn, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei. Stattdessen negiert sie aber pauschal die Existenz von Kindersoldaten in Eritrea. Diese Solidaritätsadresse wird nun von den „Zeitzeugen” ohne jeglichen Kommentar online gestellt. Tanzen da die „Zeitzeugen” etwa aus der Reihe?

Dischs Aussage zufolge gehe es ihm im Grunde genommen nur um Almaz Yohannes, die sich in Meharis Buch diffamiert fühle und darum, dass die „Tsebah-Schule” eine reine Schule gewesen sei, ohne militärischen Charakter. Worum aber geht es den „Zeitzeugen”, mit denen sich Disch umgibt? Offenbar in starkem Maß um Eritrea im Allgemeinen. Diese allgemeine Diskussion bemängelt Disch aber nur bei seinen Kritikern, nicht bei seinen Zeugen. Hätte es zudem eine Person wie die Urheberin der „Grußbotschaft” gewagt, sich zugunsten von Mehari zu äußern, bei gleichzeitigem Eingeständis, dass sie nicht ermessen könne, was an Meharis Geschichte wahr sei, hätte Herr Disch ihr längst einen belehrenden Eintrag in seinem Feuerherz-Organ gewidmet, wo er der Person nach Strich und Faden auseinandergesetzt hätte, dass sie nur „ventiliere”, „in Augenschein” nehme und auf allgemeiner Ebene diskutiere, kurzum: in der Diskussion gar nichts verloren habe und es gar nicht wert sei, dass man überhaupt auf sie eingehe.

Diese sich wesentlich widersprechenden Aussagen von Peter Disch, Julia Salden und Abraham Mehreteab hinsichtlich der Existenz von Kindersoldaten in Eritrea waren also der Anlass, die Quellen online zu stellen.

An dieser Stelle darf noch einmal der stellvertretende Leiter der Programmgruppe Ausland des Westdeutschen Rundfunks, Arnd Henze, zitiert werden, auch wenn Herr Disch bemängelt, dass dessen Kritik bereits ein Jahr alt sei. Doch inzwischen hat Disch sich das wieder anders überlegt und seine Mitmenschen informiert, dass es keine Rolle spiele, wie alt ein Text sei, sondern dass es auf die Qualität des Textes ankomme. Angesichts solcher Weisheit, bleibt einem schier der Mund offen stehen. Wie auch immer, dass Herr Henze mittlerweile anderer Ansicht sei, war bislang noch nicht zu lesen.8 Außerdem hat seine Kritik weder an Aktualität noch an Relevanz oder Signifikanz eingebüßt:

Geht es darum, das Selbstbild vom legitimen Befreiungskampf nicht durch das Eingeständnis völkerrechtswidriger Kriegsmethoden zu relativieren [...] Hat sich Zapp möglicherweise für einen zynischen Geschichts-Revisionismus einspannen lassen?9

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  1. Diktion der „Zeitzeugen” auf ihrer Homepage []
  2. Vgl. Peter Disch, Journalist für Popmusik, Eintrag in seinem „Feuerherzblog” vom 21.02.2008 []
  3. Den Beitrag kann man sich auf der Homepage von Zapp anschauen. Der zitierte Satz wird in den Sekunden 18-21 geäußert. []
  4. Zapp-Sendung vom 20.02.2008 []
  5. ebd. []
  6. ebd. []
  7. Das letzte Mal war auf dieser Seite von einer „Grußbotschaft” die Rede, als darüber berichtet wurde, wie der Vorsitzende der KPD, Genosse Wolfgang Fittinger, den Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, zu seiner Atombombe beglückwünschte und sich mit kommunistischem Gruß verabschiedete. Dies möge als kleiner Hinweis darauf dienen, in welchem politischen Milieu Grußbotschaften und Solidaritätsadressen bevorzugt ausgetauscht werden. Das Zentralorgan der SED „Neues Deutschland” war zu tiefsten DDR-Zeiten voll mit solcherlei Botschaften. []
  8. Wäre das der Fall, hätte Zapp doch keine Sekunde gezögert und die neue, anderslautende Stellungnahme längst prominent auf seiner Website platziert. Als Teaser würde dann dort in schönster Zapp-Diktion stehen: „Rückzieher: Kritiker hat Einsehen!” []
  9. Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007 []

Stell Dir vor, es läuft Zapp, und keiner schaut zu …

Es bedarf wahrlich keiner besonders regen Phantasie mehr, um sich oben genanntes Horrorszenario vor Augen zu führen. Trotzdem nämlich Zapp, das Medienmagazin des NDR, seiner eigenen anzunehmenden Perzeption zufolge ein wahres Feuerwerk an „Enthüllungen” zündete, halbierte sich die Zuschauerzahl innerhalb nur eines halben Jahres von 120.000 auf 60.000, was einem Marktanteil von 2,1 Prozent entspricht (siehe Grafik). Wie lässt sich dieser massive Zuschauerschwund erklären?

Sicher ist der späte Sendeplatz nicht gerade von Vorteil, doch vor einem halben Jahr wurde Zapp auch erst um 23 Uhr ausgestrahlt. Was also dann? Wissen die dumpfen Zuschauer einfach nicht die brillante Arbeit und die lupenreine Recherche der Zapp-Redaktion zu schätzen? Wirft Kuno Haberbusch, der Chefredakteur von Zapp, also etwa mit seinen „Enthüllungen” Perlen vor die Säue? Womöglich ist auch dies Teil einer Erklärung. Der typische NDR-Zuschauer sieht vielleicht viel lieber „Großstadtrevier”, „Bingo!”, Übertragungen aus dem „Ohnsorg Theater”, Naturfilme, Sport und Regionales und weiß den romantischen Abenteuerjournalismus einfach nicht zu würdigen. Zapp läuft eben nicht, wie Panorama, im Ersten, auch wenn man mit Biegen und Brechen zu versuchen scheint, Zapp zu einer Art Panorama zu machen.

Kuno Haberbusch ist eben offenbar ein Rechercheur mit Leib und Seele. Wäre er von Panorama nicht zu Zapp versetzt worden bzw. gewechselt, sondern in die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause”1, dann würde er vermutlich auch dort noch mit einer Art Kommissar Rex, der Katze Cindy nachrecherchieren und enthüllen, dass sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen Aufnahme im Tierheim gefunden habe und somit den Steuerzahler jährlich um Hunderte von Euro betrüge. Außerdem würde eine Vielzahl von Katzen (nur die mit schwarzem Fell, keine mit grauem und schon gar keine mit weißem Fell) aufgeboten, die bezeugen könnten, dass Cindy alles nur erlogen habe, um für sich einen Opferstatus zu reklamieren. Fabeln waren schon immer dazu geeignet, schlichten Gemütern grundlegende Wahrheiten nahe zu bringen. Dann müsste es bei den sicherlich äußerst elaborierten Gemütern der Zapp-Mitarbeiter eigentlich erst recht funktionieren.

Angesichts des Quotentiefs muss Zapp wohl tapfer sein und sich damit abfinden, dass wahre Künstler oft erst posthum in den Genuss von Ruhm kommen. Die Instanz aber, die für Zapp zählt, ist offenbar sowieso weniger der Zuschauer, als vielmehr die Lorbeeren, wie z.B. der Bert-Donnepp-Preis. Also, selbst wenn eines nicht allzu fernen Tages nur noch die Anverwandten und Freunde der Zapp-Mitarbeiter Zapp schauen, ist der Preis wohl Beweis genug dafür, dass Zapp alles richtig macht.
Wenn jemand einen Fehler macht, dann ist es der Zuschauer, nämlich wenn er Zapp nicht einschaltet. Bereits jetzt sendet Zapp nur für eine Zuschauergemeinde, die in etwa den addierten Einwohnerzahlen von Buxtehude und Husum entspricht. Für einen Sender, dessen Sendegebiet etwa 14 Millionen Einwohner bevölkern, ist das eine recht geringe Reichweite, auch wenn man sie in Relation zu Sendeplatz und für sich selbst reklamierten Anspruch setzt. Aber ein bisschen Dekadenz wird ja wohl noch erlaubt sein?! Weiterlesen ›

  1. WDR []

Orpheus und Eurydike

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Diese Bronzeplastik befindet sich in Hamburg am westlichen Alsterufer und wurde 1958 von Ursula Querner1 geschaffen. Der Titel lautet „Orpheus und Eurydike”. Dargestellt ist zur Rechten Orpheus mit der Lyra (Leier), die er von Apollon, seinem Vater, dem Gott der Künste geschenkt bekam. Links steht die betört wirkende thrakische Baumnymphe Eurydike, die spätere Frau des Orpheus.

Der uns durch Ovid in seinen Metamorphosen überlieferten Sage zufolge sei Orpheus der beste Sänger unter den Sterblichen gewesen. Wilde Tiere seien von seinem Gesang zahm geworden und hätten sich friedlich um Orpheus geschart. Pflanzen und sogar Steine seien von seinem Gesang erweicht worden. Die Argonauten schließlich hätten Orpheus mit auf ihre Kriegszüge genommen, weil er mit seinem Gesang zum einen die Kampfmoral der eigenen Leute stärkte und zum anderen, weil er sowohl die Wut des Meeres als auch die Macht der Feinde mit dem Zauber seines Gesangs und seiner Lyra zu besänftigen bzw. bezwingen vermochte. Darüber hinaus erwies sich der Gesang des Orpheus als so mächtig, dass er es sogar schaffte, den betörenden und fatalen Gesang der Sirenen zu übertönen, womit er die Argonauten vor dem sicheren Tod bewahrte.

Doch alle Sangeskunst konnte am Ende doch nicht verhindern, dass Orpheus in sein Unglück rannte. Das Unheil nahm kurz nach seiner Vermählung mit Eurydike seinen Lauf, als diese nämlich durch einen Schlangenbiss starb: „Ach, und starb, an der Ferse verletzt von dem Bisse der Natter.”2 Darüber, wie es genau dazu kam, finden sich in den verschiedenen späteren Übertragungen voneinander abweichende Varianten bzw. Ausschmückungen. In den einen heißt es z.B., Eurydike sei im Anschluss an die Hochzeit mit den Brautjungfern auf einer Wiese spazieren gewesen, als die Schlange sie biss. Einer anderen Fassung zufolge habe es sich so verhalten, dass Eurydike nach der Hochzeit zusammen mit anderen Nymphen spazieren gegangen und dabei von Aristaios gesehen worden sei, der so von ihrer Schönheit verzaubert gewesen sei, dass er ihr nachgestiegen sei und sie bedrängt habe, woraufhin sie die Flucht ergriffen habe und dabei von der Schlange gebissen worden sei. Bei Ovid ist von Aristaios jedoch keine Rede. Dort heißt es dazu schlicht: „Durch die Gefilde / Schweifte die jüngst Vermählte, vom Schwarm der Najaden begeleitet, / Ach und starb, an der Ferse verletzt von dem Bisse der Natter.”3 Was auch immer dem Biss vorausging bzw. dazu führte, darin, dass Eurydike daran verstarb, sind sich die Übertragungen wieder einig.

Voller Trauer klagte Orpheus daraufhin singenderweise den Göttern und Menschen sein Leid. Doch vergebens, Eurydike wurde ihm nicht zurückgegeben. Also beschloss er, in die Unterwelt hinabzusteigen, um dort – ganz auf seine Sangeskunst vertrauend – das Herz des Hades4 zu erweichen und seine Geliebte zurückzugewinnen: „Als zum Himmel empor der rhodopeïsche Sänger / Lange die Gattin beweint, jetzt auch zu versuchen die Schatten, / Wagt er hinab zur Styx durch des Tänarus Pforte zu steigen. Und durch lustige Scharen bestatteter Totengebilde / Naht er Persephonen nun, und des anmutlosen Bezirkes / Könige drunten in Nacht”5 Weiterlesen ›

  1. *10.05.1921 in Dresden – †23.06.1969 in Hamburg []
  2. Ovid: Verwandlungen. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. []
  3. ebd. []
  4. röm. Pluto []
  5. Ovid: Verwandlungen. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. []

Wer im Glashaus ZAPPt (die Fünfte) – „Jedem das Seine”

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2008Das Medienmagazin Zapp desavouiert sich ja schon fast wie auf Bestellung selbst. In seiner jüngsten Sendung berichtete es in seiner gewohnt peppig aufgemachten Rubrik „Durchgezappt” wieder darüber, was in der Medienwelt sonst noch geschah. Diesmal informierte man seine schrumpfende Zuschauerschaft unter der knackigen Überschrift „Der Rausschmiss der Woche” darüber, welcher Skandal sich am 30.01.2008 in der Sendung „Nightloft” des Senders Pro7 zugetragen habe. Dort nämlich habe die Moderatorin Juliane Ziegler folgenden Satz geäußert: „Arbeit macht frei.”

Völlig zu Recht wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Wem nicht klar ist, dass es sich dabei um eine äußerst negativ konnotierte Aussage handelt, weil die Nationalsozialisten diesen ursprünglichen Titel eines Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 in zynischer und menschenverachtender Weise für ihre perversen Zwecke missbrauchten und an den Toren mehrerer Konzentrations- und Vernichtungslager anbringen ließen, hat im Fernsehen rein gar nichts verloren.

Das sieht man bei Zapp auch so und lobt Gott dafür, dass Ziegler deswegen gekündigt wurde: „Ihren Moderatorenjob ist sie gottlob [...] los.”1. Diesen Beitrag einleitend, klärte man die Zuschauer zunächst darüber auf, dass „die Regeln der Fernsehunterhaltung nicht so schwer” seien. Zum Beweis dafür fasste man diese in einem griffigen Merksatz zusammen: „Man darf fast alles, nur von Hitler-Deutschland sollte man tunlichst die Finger lassen”. Dies habe sich immer noch nicht richtig rumgesprochen, weiß Zapp. Wo Zapp recht hat, hat es recht. Um Belege für diese These zu finden, braucht Zapp allerdings gar nicht erst auf Pro7 umzuschalten. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn die Fehlbarkeit liegt so nah? Es genügt völlig, das eigene Programm zu schauen und sich die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 zu Gemüte zu führen. Dort verlautbarte Zapp in der Rubrik „Durchgezappt” folgenden Satz: „Jedem das seine”. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Sendung vom 06.02.2008 []

Wer im Glashaus ZAPPt (die Vierte)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Ähnlich, wie ein schlechter Witz durch Wiederholung nicht besser wird, gewinnt eine dürftig fundierte Behauptung nicht an Glaubwürdigkeit, wenn man sie einfach erneut aufstellt, ohne sie mit wenigstens einem relevanten neuen Fakt zu untermauern. Es wirft ein schlechtes Licht auf Denjenigen, der diese Behauptung dennoch wieder aufstellt, liegt der Verdacht doch nahe, dass es ihm an guten Argumenten mangelt. Zu den umtriebigen Enthüllungsjournalisten vom Medienmagazin „Zapp” des NDR scheinen diese kleinen Wahrheiten aus Kindertagen jedoch offenbar nicht durchgedrungen zu sein.

In der vergangenen Woche nämlich sendete man unter Ägide des „Königs der Recherche”1, auch bekannt unter seinem bürgerlichen Namen „Kuno Haberbusch”, einen ziemlich alten Zopf. Anlass dafür war die bevorstehende 58. Berlinale, auf welcher der Film „Feuerherz” (Regie: Luigi Falorni) am 14. Februar Premiere haben wird. Da dieser an gleichnamiges Buch von Senait Mehari angelehnt ist, läuteten bei Zapp sämtliche Alarmglocken, schien dies im pawlowschen Sinn doch ein gefundenes Fressen, bei dem in gesteigertem Maß die Protestsekrete produziert wurden. Schließlich hat Zapp, seiner eigenen – gewohnt unbescheidenen – Auffassung zufolge, vor fast genau einem Jahr „enthüllt”, dass in Meharis Buch alles Lüge sei. Nun also die Verfilmung einer „Lüge”2 – da erklimmt man bei Zapp doch sofort mit Kampfgeheul die Barrikaden, um diese Gefahr für die Gesellschaft abzuwenden, für die man Meharis Buch zu halten scheint. Man misst ihrem Buch so viel Bedeutung bei, als hätte Mehari damit die Grundfesten der Gesellschaft ins Wanken gebracht. Die Menschen müssen endlich die Wahrheit erfahren, und diese eine Wahrheit hat Zapp und verbreitet sie mit missionarischem Eifer. Es könnte sonst morgen für alle zu spät sein. Es könnte jemand den Film sehen und sich eine eigene Meinung bilden, ohne von Zapp aufgeklärt bzw. indoktriniert worden zu sein. Welch Gefahr!

Es ist wirklich müßig, an dieser Stelle noch einmal en détail zu zeigen, wie einseitig Zapp damals augenscheinlich recherchierte und argumentierte. Es sei deshalb auf mehrere Artikel auf dieser Website verwiesen, die sich ausführlich mit dieser Einseitigkeit und auch mit der Doppelmoral von Zapp befassen3.

Zusammenfassend soll jedoch festgehalten werden, dass man bei Zapp offenbar alles andere als ergebnisoffen recherchierte, dass Zapps Argumente genauso gut oder schlecht sind, wie die von Mehari und dass Zapp eben nicht im Sinne des „audiatur et altera pars” berichtete, wie es seine Aufgabe als von der Öffentlichkeit finanziertes Magazin ist. Zapp erfüllt somit seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag unzureichend, der auch dahingehend lautet, umfassend und ausgewogen zu informieren. Da hilft es wenig, wenn Zapp, offenbar irgendeiner Direktive der Intendanten des öffenlich-rechtlichen Fernsehens entsprechend, sich plötzlich immer bei den verehrten Zuschauern für die entrichteten Gebühren bedankt, ohne welche die unübertroffenen und bahnbrechenden Recherchen von Zapp gar nicht möglich wären. Weiterlesen ›

  1. Zapp-Eigenwerbung, natürlich mit selbstironischem Augenzwinkern, aber tief im Innern wahrscheinlich absolute Überzeugung. []
  2. Die Fiktionalisierung einer Fiktionalisierung, wie auch schon zu lesen war. []
  3. 1. Wer im Glashaus ZAPPt2. Wer im Glashaus ZAPPt (die Zweite) – 3. Wer im Glashaus ZAPPt (die Dritte) []

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