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Haus mit Persönlichkeit

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Dieses Gebäude befindet sich im ersten Pariser Arrondissement in der Rue de Rivoli Nummer 59, genau gegenüber der Einmündung der Rue des Déchargeurs.
Nachdem sich Crédit Lyonnais und der französische Staat aus der Nummer 59 zurückgezogen hatten, besetzten am ersten November 1999 die drei Künstler Kalex, Gaspard und Bruno (KGB) das Haus. Sehr bald folgten ihnen an die zehn weitere Künstler nach. Das Haus befand sich zu diesem Zeitpunkt offenbar in einem heruntergekommenen Zustand und bot sich mit sich darin befindlichen toten Tauben, Spritzen und Bauschutt als Müllhalde dar. Man begann, das Gebäude wieder herzurichten und bewohnbar zu machen. Die sich als Kollektiv bezeichnende Gruppe gab sich den Namen „Chez Robert, électron libre“ und organisierte Vernissagen, Aktionskunst und Ausstellungen, die der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich waren. Der französische Staat aber stellte Strafanzeige gegen die Hausbesetzer. Das folgende Urteil legte fest, dass die Besetzer bis zum 4. Februar 2000 das Haus zu räumen hätten. Doch deren Anwältin Florence Diffre erwirkte eine sechsmonatige Fristverlängerung. Zu dieser Zeit griff die Presse das Thema auf und schuf somit eine breitere Öffentlichkeit, die dazu führte, dass die endgültige Urteilsfindung wiederum hinausgezögert wurde. Auch aus der Politik meldeten sich Stimmen, die mit dem sogenannten Phänomen „Squart“1 sympathisierten. Dennoch blieb das Schicksal des Projekts ungewiss. Im März 2001 fanden in Paris Kommunalwahlen statt, aus denen die Sozialisten als Sieger hervorgingen, was den Hausbesetzern einen weiteren Aufschub verschaffte, da die Linke mit ihnen sympathisierte. Der nunmehr sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë ernannte Christophe Girard von den Grünen zu seinem Kulturbeauftragten, der seitdem alles tut, um die Räumung zu verhindern. Eine vom Kulturministerium in Auftrag gegebene Zählung ergab, dass „Chez Robert, électron libre“ mit 40.000 Besuchern pro Jahr die drittmeist besuchte Ausstellungsstätte für zeitgenössische Kunst in Paris ist.© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007 Infolgedessen kündigte Delanoë an, das Gebäude im Namen der Stadt Paris zurückzukaufen und eine Legalisierung der Kunststätte in Gang zu setzen. Auf dem Weg dahin war es nötig, dass die Hausbesetzer einen gemeinnützigen Verein gründen, was auch geschah. Dieser Verein trägt den Namen „59 Rivoli“. Die Kunststätte ist bis zur endgültigen Entscheidung geschlossen. Weitere Informationen und Abbildungen von Kunstwerken der gegenwärtig offenbar 25 das Haus bewohnenden Künstler finden sich auf der Homepage von „59 Rivoli“ sowie auf deren Blog, dessen letzter Eintrag jedoch schon über ein halbes Jahr zurückliegt2.
Zu den eher unterhaltsamen Künstlern von „59 Rivoli“ zählt offenbar Jean-Luc Abiven, dessen Homepage einige überraschende Bilder parat hält. Sehr interessant sind auch die Skulpturen und Bilder auf der Seite von Bazilio. Reizvoll sind zudem die Werke von Dao, Deinki, Eve Clair, Francesco, Kalex, Malou, Mariko, Michel Vray, Thierry Hodebar. Doch auch die Werke all jener nicht in dieser Aufzählung genannten Künstler sind allemal einen Blick wert, genau wie diejenigen derer, die früher in der 59 Rue de Rivoli aktiv waren.

  1. Kontraktion der beiden Begriffe „squat“ (engl. u. frz. für „besetztes Haus“) und „art“ (Kunst) []
  2. Quelle: http://www.59rivoli.org/newsite/index.htm – Für obigen Text wurde hauptsächlich auf die dort befindliche Darstellung der Ereignisse zurückgegriffen. Damit handelt es sich um die subjektive Sicht der Besetzer. []
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