Da sich die selbsternannten Medienwächter von NDR-Zapp in ihrer vierwöchigen Sommerpause befinden, scheint der Zeitpunkt günstig, ein kleines Resümee der vergangenen Monate zu ziehen.
Ohne Unterlass versucht man bei Zapp, die offensichtlich gefühlte Mission zu erfüllen, den augenscheinlich für ziemlich unmündig und unselbständig gehaltenen Bürger aufzuklären. So wird man nicht müde, sich in fast jeder Sendung über irgendeine Schlagzeile der Bild zu ereifern, als ob man damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. Spätestens, seitdem ein Hans Esser alias Günter Wallraff vor genau 30 Jahren bei der Bild Hannover hinter die Kulissen geschaut und darüber berichtet hat, wissen eigentlich alle, wie das System Bild in seinen Grundzügen funktioniert. Die verkaufte Auflage der Bild geht darüber hinaus offenbar stetig zurück1, wozu also diese Panikmache? Es gibt zudem bereits BILDblog, wo die Falschdarstellungen der Bild bestens dokumentiert und richtig gestellt werden.
Es gehört im Übrigen zu einer der leichtesten und bequemsten pseudo-intellektuellen Übungen, der Bild Recherchefehler, Widersprüche o.Ä. nachzuweisen. Das ist in etwa so, als wollte man dem NDR jede Woche aufs Neue nachweisen, dass er sich über Gebührengelder finanziere. Letztlich handelt es sich bei der Bild-Kritik von Zapp also um nichts weiter als um von Gebührengeldern finanzierte Glasperlenspielerei – ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit Klischees. Zudem: Die Schnittmenge der Bild-Leserschaft und der Zuschauerschaft, auf die Zapp dem Anschein nach abzielt, ist wohl denkbar klein. Man trägt also bei den eigenen Zuschauern Eulen nach Athen. Die Bild-Leser hingegen werden eher nicht erreicht.
Nun denn, Zapp jedenfalls bedient sich in schöner Regelmäßigkeit aus dem BILDblog-Fundus, was nun auch nicht gerade als Recherche im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist, wie Zapp sie immer von allen anderen Medien einfordert und sich selbst als Qualitätsmerkmal an die Brust heftet. Vielmehr lässt sich angenehm billig und unaufwendig Sendezeit füllen, indem man BILDBlog-Einträge verfilmt. Der BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier zeigt sich in seinem privaten Blog übrigens deutlich enerviert davon, dass Zapp regelmäßig BILDblog-Einträge zum Teil auch noch ohne Quellenangabe verfilmt. Er bezeichnet Zapp daher nicht gerade ungerechtfertigt sogar als BILDblog-TV. Der von Niggemeier zudem geäußerte klare Verdacht, dass Zapp im Zuge seiner Verfilmungen auch noch Ideen von ihm klaue und bestenfalls nur geringfügig variiere, lässt befürchten, dass man bei Zapp den Unterschied zwischen Copyright und Copyleft nicht kennt. Sicher „recherchiert” Zapp aber auch selbst in Bild.
Ansonsten mutet Zapp oft auch als Trailer-Show für Monitor, Panorama, Report Mainz und extra3 an. Die von diesen Sendungen recherchierten und produzierten Beiträge werden dann in Kurzform bei Zapp gezeigt. An deren Ende wird darauf hingewiesen, dass man den vollständigen Beitrag in den Sendungen der jeweiligen Kollegen sehen könne. Oder aber man sendet Beiträge, die längst anderswo gelaufen sind. Diese Art billiger Zweitverwertung erinnert arg an die nervende cross promotion-Praxis bei Privatsendern. Wo aber ist hierbei die eigene Recherche, für die man sich selbst so gerne auf die Schulter klopft? Ist das die Art „journalistischer Tiefenbohrung”, mit der das Netzwerk Recherche e.V. die Vergabe seines Preises „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”2 begründete? Solche Art von Dünnbrettbohrerjournalismus sollte Kuno Haberbusch, Vorstandsmitglied des Netzwerk Recherche e.V. und Zapp-Chefredakteur sowie laut Eigenwerbung der „König der Recherche” doch nicht in der eigenen Sendung zulassen. Was die selbstgesetzten Standards des Netzwerks angeht, gelingt es ja sogar seinem Vorsitzenden, Thomas Leif, in die Kritik zu geraten, weil er es mit der von ihm postulierten Wichtigkeit der Trennung von PR und Journalismus, mit dem korrekten Zitieren des geistigen Eigentums Anderer, mit dem nicht-manipulativen Umgang von Fakten sowie mit Recherchemethoden selbst alles andere als ernst nehme3. Dazu fällt einem doch gleich wieder Heinrich Heine mit seinem so zutreffenden Vers ein:
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.4
In Hinblick auf Eigenrecherche von Zapp sei beispielsweise auf dessen vermeintliche Skandalenthüllung im Fall Senait Mehari verwiesen.5 Diese sei, so Zapp, gar keine Kindersoldatin gewesen, ihr Buch voller Widersprüche und Fehler. Zapp hat damit ohne Zweifel ein Skandälchen verursacht. Was jedoch die Recherchen des Magazins und die von ihm aufgebotenen Zeugen angeht, so sind die Meinungen sehr geteilt. Man könnte fast annehmen, dass die Verantwortlichen mit ihrem Beitrag über den „fragwürdigen Medienstar” Mehari hofften, endlich den Durchbruch zu schaffen und ihr fragwürdiges Medienmagazin aus dem Schattendasein des Dritten Programms6 ins Erste Programm zu hieven. Nachdem man keine Gäste mehr in die Sendung einladen darf, der Flokati und das Bildschirmkaminfeuer bzw. -aquarium gestrichen wurden und nur noch zwei Kameras zur Verfügung zu stehen scheinen, glaubt man bei Zapp offenbar, auf Biegen und Brechen den Eindruck erwecken zu müssen, unverzichtbar zu sein, damit die Sendung nicht ganz dem Rotstift zum Opfer fällt.
Mit aller Härte verbiss man sich daher in die Behauptung, dass Mehari ihr Dasein als Kindersoldatin in Eritrea frei erfunden habe und zeigte sich in der Folge dabei auch konstruktiv geäußerten Gegenargumenten u.a. von leitenden Redakteuren von Auslands- und Kulturredaktionen des WDR, des NDR, der FAZ sowie der Frankfurter Rundschau unzugänglich. Ein Jahr angeblich vorangegangene Recherche lässt man sich schließlich nicht so mir nichts dir nichts durch irgendwelche Gegenargumente verhageln und seien diese noch so vernünftig. Und wenn einen schon die Anderen nicht feiern, dann klopft man sich doch wenigstens selbst auf die Schulter. So beweihräucherte man sich in der eigenen Sendung dafür, dass man „zwischen die Medienfronten geraten” bzw. überhaupt „in den Medien” sei. Man maß den eigenen Erfolg offenbar mehr an der Größe des ausgelösten Trubels, als an der Stichhaltigkeit der aufgestellten Behauptungen. Allein aus der Bildung von Fronten nach der ersten Sendung hätte man jedoch für die zweite Sendung auch den Schluss ziehen können, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.
Statt also in Erwägung zu ziehen, dass man den Bogen vielleicht überspannt hat und auch die als „Zeitzeugen” präsentierten Personen möglicherweise gewisse Interessen verfolgen, hat man die in der Vorwoche in einem 10:57 min langen Beitrag geäußerten Anklagepunkte gegen Mehari, die Medien und den Verlag – völlig ungerührt von aller seitdem an Zapp lautgewordenen Kritik – in einem diesmal sogar 12:34 min langen Beitrag wiederholt. Wenn mancherorts Stimmen laut werden, die behaupten, dass spätestens seit dieser zweiten Sendung davon gesprochen werden könne, dass Zapp Mehari kampagnenartig diffamiere, darf sich niemand wundern.
Es mag ja noch angehen, wenn sich eine Zapp-Kampagne gegen ein großes Nachrichtenmagazin richtet, wie momentan gegen den Focus7. Doch warum muss Zapp seinen Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit auf dem Rücken einer mittelmäßig bedeutenden Autorin austragen? Bedenkt man bei Zapp eigentlich, dass einzelne Mitglieder der ELF bzw. Personen, die in den 70er Jahren in Eritrea eine verantwortliche Rolle spielten, möglicherweise ein Interesse daran haben könnten, dass nicht alle Einzelheiten ihrer Rolle im eritreischen Unabhängigkeitkrieg bekannt werden? Vielleicht sind Meharis Aussagen eben nicht für jedermann bequem, der damals bereits erwachsen oder auch gleichaltrig war.
Wenn Mehari beschreibt, dass sie im Lager wiederholt von älteren Jungen brutal vergewaltigt wurde („Oft konnte ich kaum aufstehen nach so einer Nacht, wenn einer oder mehrere zu mir gekommen waren. Es dröhnte und wand sich in meinen Eingeweiden.”)8, würden diese Personen das wohl heute kaum bestätigen, schon gar nicht vor laufender Kamera9, sondern alles leugnen. Zum Thema „sexueller Missbrauch” verlor Zapp im Übrigen keine einzige Silbe, ebenso wenig, wie die „Zeitzeugen”. Hinsichtlich der von Mehari beschriebenen Praxis, dass sie regelmäßig zur Bestrafung für Fehler geschlagen worden sei10, wird sich sicher keine der gemeinten Personen finden, die dies freimütig bestätigen wird.
Genauso werden wohl weder die von Mehari als grausame Kommandeurin beschriebene Agawegahta oder wie auch immer sie geheißen haben mag, noch die als ebenso grausam geschilderten männlichen Vorgesetzten zugeben, dass sie die Kinder im Lager schikaniert haben, wenn dies der Fall war, wie Mehari behauptet. Dass Mehari im Lager an Malaria erkrankt sei, unter deren Folgen sie bis heute leide, weil sie aufgrund völlig unzureichender Behandlung chronisch geworden sei, spricht wohl auch eher gegen die von Zapp nahezu als paradiesisch geschilderten Zustände im Lager, gegen „ein Salem in der Wüste”11. Es nimmt schon fast Wunder, dass Zapp nicht noch medizinische Gutachter herangezogen hat, die den Beweis antreten sollten, dass dieses oder jenes Detail der von Mehari geschilderten Malaria-Symptome nicht korrekt sei. Auch ein psychologisches Gutachten hätte nicht überrascht, wonach sich Mehari womöglich atypisch für ein Vergewaltigungsopfer verhalte und daher vielleicht nie vergewaltigt wurde. Aber entweder hat Zapp keine Mediziner finden können, die sich auf dieses peinliche Niveau begeben wollten oder die scheinbar relativ niedrige Hemmschwelle der Redaktion war doch noch etwas höher als die der verpönten Bild.
Damit soll keineswegs die Behauptung aufgestellt werden, dass Mehari in allem nur die Wahrheit schreibe, denn das hieße, sich auf das Niveau von Zapp und dessen offenbar manichäistische Weltsicht hinab zu begeben, in der es keine Grautöne gibt. Vielmehr soll darauf hingewiesen werden, dass Geschichtsfälschung aller Erfahrung nach in erster Linie von Handlungstragenden, also Tätern ausgeht und eher nicht von Opfern, als welches sich Mehari schildert. Eine Täterrolle kann in Meharis Fall wohl ausgeschlossen werden, da bei einem sechjährigen Mädchen ja eher unwahrscheinlich. Insofern sollte Zapp sich vielleicht doch überwinden und die These von einer möglichen Zeugenbeeinflussung seitens des eritreischen Geheimdienstes beherzigen, genauso wie die These, dass frühere Täter bzw. Komplizen ihre Taten relativieren, bestreiten oder gar schönfärben. Ist man bei Zapp nicht mit dem Phänomen vertraut, dass z.B. ehemalige Mitarbeiter des MfS heute in Austellungen über Maueropfer ungefragt Vorträge halten, in denen sie ihr geschichtsrevisionistisches Weltbild vertreten und politisch sowie ideologisch motiviert die Deutungshoheit über die Vergangenheit für sich beanspruchen? Wenn man eine Gruppe Stasi-Mitarbeiter befragt, wird diese kaum die Behauptungen eines Stasi-Opfers bestätigen.12
Allerorten melden sich seriöse Stimmen wie die Social Times zu Wort und erlauben sich zu fragen, warum die bei Zapp auftretenden Zeugen erst jetzt an die Öffentlichkeit gingen, angesichts der Tatsache, dass der zur Debatte stehende Titel Feuerherz bereits 2004 erschien und warum sie in der Gruppe aufträten und sprächen. Dazu heißt es dort: „Ein Spitzelsystem der eritreischen Regierung ragt bis nach Deutschland. Kein Eritreer kann sich dem entziehen.” Wie borniert muss man sein, dass man sich solcherlei Hinweisen unzugänglich zeigt, wie Zapp es tut? Dazu bemerkt Zapp, dass es die Kritik an dem Buch schon lange gebe. Es habe Diskussionen auf Lesungen, Zeitungsberichte und Leserbriefe gegeben. Mehari schreibe darüber selbst in ihrem zweiten Buch. Journalisten hätten „diese Kritik schlicht nicht zur Kenntnis nehmen” wollen. Journalisten? Also auch die Journalisten von Zapp! Die Sendung Zapp existiert seit 2002, Meharis Buch erschien zwei Jahre später. Die Frage sei gestattet, warum ausgerechnet die alerten Journalisten von Zapp drei Jahre mit ihrem Bericht über den „fragwürdigen Medienstar” hinter dem Berg gehalten haben, wenn Feuerherz doch so voller Widersprüche sei, dass der von Zapp herangezogene „Eritrea-Experte” Günter Schröder sich gar zu dem vernichtenden Urteil versteigt, dass es „praktisch auf jeder Seite” in Meharis Buch Fehler gebe, „die eigentlich einem Eritreer, der über Eritrea schreibt, nicht passieren dürften”13. Warum hat Zapp all die unkritischen Berichte über Mehari jahrelang unwidersprochen gelassen, wenn die Widersprüche und Fehler doch so offensichtlich waren?!
Arnd Henze vom WDR weist Zapp darauf hin, dass es Hinweise auf massiven Druck des eritreischen Geheimdienstes gebe, der eritreische Komparsen davon abhalten solle, sich in Nairobi am Casting für die geplante Verfilmung von Feuerherz zu beteiligten. Dass parallel dazu in Deutschland Kritik an Meharis Buch laut werde, sei ja vielleicht auch in diesem Kontext zu sehen. Henze äußert den Eindruck, dass diese Kritik orchestriert vor sich zu gehen scheine. Vor diesem Hintergrund halte er es „für äußerst fragwürdig, die eritretischen Kritiker an Frau Mehari unhinterfragt als ‚Zeitzeugen’ zu charakterisieren und ihnen damit Beweiskraft zu verschaffen.” – „Zeugen” so Henze „sind neutral, aus einem langjährigen brutalen Bürgerkrieg gehen hingegen alle als ‚Beteiligte’ heraus.” Schließlich stellt Henze die durchaus legitime Frage, ob Zapp sich möglicherweise für „einen zynischen Geschichts-Revisionismus” habe einspannen lassen.14
„Gegen ein Stück – im Sinne des ‚audiatur et altera pars’ -, das eine Gruppe von Menschen zeigt, die den Wahrheitsgehalt eines Buchs vehement anzweifeln,” sei nichts einzuwenden, schreibt Christoph Bungartz, Leiter des NDR-„Kulturjournal“, „im Gegenteil”. Ein solches Stück habe Zapp aber eben nicht gesendet. Bungartz attestiert Zapp bei seiner Berichterstattung „Schaum vorm Mund”.15 Man fragt sich, woher dieser Schaum rührt. Es mutet fast so an, als habe irgendjemand bei Zapp eine persönliche Rechnung mit Mehari zu begleichen.
Hinsichtlich der „Zeitzeugen” informiert Salden16, dass man „eine ganze Reihe von Eritreern befragt” habe, „die in dem gleichen Lager waren” – „Sie wohnen in Schweden, Deutschland und Norwegen. Sie haben Familie, einen anständigen Job und manche längst eine andere Staatsangehörigkeit.” Frau Salden, man kann nur hoffen, dass Sie diese wirre Logik nicht auf manchen nach 1945 nach Argentinien ausgewanderten Deutschen anwenden, der womöglich Familie hat, einen anständigen Job und längst die argentinische Staatsbürgerschaft. Das also soll nun beweisen, dass dieser Argentinier kein Nazi gewesen sein kann? Adolf Eichmann kann demnach kein Nazi gewesen sein, weil er eine Familie und einen „anständigen” Job bei Daimler Benz Argentinien hatte?!17.
Als Beweis für die Unabhängigkeit der präsentierten „Zeitzeugen” – auch voneinander – informiert Salden nun, dass „viele der befragten Eritreer […] vor unseren Anfragen gar nichts voneinander” gewusst hätten. Das klingt im Zusammenhang mit dem vorher Gesagten etwas unlogisch. Wieso kannten sich die Eritreer denn nicht, wenn sie doch angeblich alle im selben Lager waren?! – Abgesehen davon, ist es der Aufmerksamkeit von Frau Salden augenscheinlich entgangen, dass gerade Exilgemeinschaften, die über die ganze Welt verstreut sind, bestens untereinander vernetzt sind. Darüber hinaus können als Nestbeschmutzer empfundene Personen auch von mehreren Gruppen unabhängig voneinander der Lüge bezichtigt werden. Desweiteren rühmt sich Salden, auch andere Eritreer befragt zu haben, z.B. solche, die in der gegen die ELF kämpfenden EPLF aktiv waren. Keiner von denen halte für glaubwürdig, was Senait in ihrem Buch beschreibe. Wie aber, Frau Salden, soll ein EPLF-Kämpfer bitte wissen, wie es in einem ELF-Lager zuging, wenn doch zwischen beiden Organisationen Krieg herrschte? Die gleiche Frage ist auch hinsichtlich derjenigen Eritreer zu stellen, die gar keine Kämpfer waren, die Frau Salden dennoch als Zeugen heranzieht.
Gebetsmühlenartig wiederholt man bei Zapp mit erhobenem Zeigefinger in Bezug auf andere Kollegen das vom einstigen Tagesthemenmoderator Hanns Joachim Friedrichs aufgestellte Postulat, dass man einen guten Journalisten daran erkenne, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache, auch nicht mit einer guten; dass er überall dabei sei, aber nirgendwo dazu gehöre. Zapp hat sich jedoch im Fall Mehari für eine Seite entschieden und sich zu deren Sprachrohr gemacht. Es scheint Zapp dabei weniger um die Wahrheit zu gehen, als vielmehr darum, recht zu haben und zu behalten. Hier sollte sich Zapp die in der Sendung vom 4.7.2007 zitierte und natürlich einmal wieder auf andere Kollegen gemünzte kleine Weisheit zu Herzen nehmen, derzufolge das Wissen der Journalisten weit wie das Meer aber tief wie eine Pfütze sei. Aus genau diesem Grund sollte man auch Experten der Gegenseite vielleicht ernst nehmen und vor allem erst einmal überhaupt zu Wort kommen lassen. Auf der Website von Stefan Niggemeier findet sich übrigens ein entlarvender Artikel mit dem Titel „Experten-Casting bei Zapp”. Darin beschreibt Niggemeier aus eigener Erfahrung, wie schnell Zapp mitunter auf Experten verzichte, wenn sie nicht die gewünschte Meinung verträten. Das scheint nun alles andere als ergebnisoffene Recherche zu sein und durchaus geeignet, der Glaubwürdigkeit von Zapp mit ein wenig Skepsis zu begegnen.
Selbst wenn alles so stimmen sollte, wie Zapp es behauptet, stellt sich die Frage, warum man die Person Mehari in so gehässiger und hämischer Weise behandeln muss. Hätte sich der Erzfeind Bild Ähnliches erlaubt, wären die Zapp-Macher gleich nach BILDBlog die Ersten gewesen, die sich darüber echauffiert hätten. Da hätte der Vorwurf gelautet, dass man auf Kosten einer wehrlosen Person die Auflage in die Höhe zu treiben beabsichtige. Bei Zapp liegt der Verdacht nahe, dass man sich auf Kosten einer einzelnen Person profilieren wollte, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben, um die es natürlich geht, auch wenn Noch-NDR-Intendant Jobst Plog seine schützende Hand über sein Geschöpf Zapp hält.
In rechthaberischer Manier und unbeugsamer Überzeugung von der eigenen Unfehlbarkeit wich man keinen Milimeter von der einmal bezogenen Position zurück, obwohl sich eine Vielzahl durchaus seriöser Stimmen zu Wort meldete, die Zapp widersprachen. Solches Verhalten kennt man sonst eher von Altersstarrsinnigen. Wie sehr muss man Mehari ihren Erfolg neiden, um sich in solch wortklauberischer Art um die Definition des Begriffes „Kindersoldat” zu streiten? Selbst wenn Mehari ihren Erfolg bewussten Falschdarstellungen zu verdanken hätte, ist doch sehr fraglich, ob es die Aufgabe eines Medienmagazins ist, diese Person zu richten oder gar zugrunde zu richten. Mehari zu diskreditieren, bedeutet auch, ihr Engagement als Botschafterin der Kindernothilfe und deren Kampagne Deutsche Koordination Kindersoldaten zu diskreditieren. Zapp ist selbstredend auch in diese Organisationen vorgedrungen und hat einzelne ihrer Vertreter mit seiner „Skandalenthüllung” konfrontiert. Diese äußerten relativ ungerührt und einhellig, dass sie Mehari nach wie vor Glauben schenkten.
Der Meinung des von Zapp herangezogenen Jan Feddersen zufolge liege das natürlich nur daran, dass in Deutschland „im Grunde genommen der kräftigste Spendermarkt in der ganzen Welt” sei und alle natürlich „total scharf drauf” gewesen seien, „eine Frau wie Senait Mehari gewinnen zu können.”18 Dieser Mann sollte ursprünglich Meharis Geschichte schreiben, war dann aber wahrscheinlich nicht mehr so „scharf drauf” und ließ es bleiben, angeblich weil Mehari keine zusätzlichen Quellen habe vorweisen können. Er wirkt wie jemand, der sich jetzt – angesichts einer verkauften Auflage in Höhe von 400.000 Stück – eigentlich maßlos ärgert, damals nicht den richtigen Riecher gehabt zu haben, und dankbar im Sinne der eigenen Gesichtswahrung in die mit einem Mal aufgetauchten Zapp-Kameras hinein sagt, dass er ja schon immer gesagt habe, dass da etwas faul sei. Viel lieber veröffentlicht er Bücher wie: „Ein Lied kann eine Brücke sein – Die deutsche und internationale Geschichte des Grand Prix Eurovision”. Zu diesem Thema gibt es wenigstens mehrere Quellen, aus denen man schöpfen kann. Somit hat er immerhin keine „afrikaverheulte Dramengeschichte”19 verfasst, doch aber eine schlagerverheulte Dramengeschichte. Offenbar ist es das, was Feddersen unter einem „gusseisernem journalistischem Projekt” versteht, für das er bei Mehari kein Potential sah. Soweit zu Feddersens Version.
In der Berliner Zeitung vom 24.02.2007 findet sich die etwas andere Version der Münchner Literaturagentin Lianne Kolf, die auf Meharis Geschichte aufmerksam geworden sei und Kontakt zu ihr aufgenommen habe, weil sie geglaubt habe, dass sie ein guter Stoff für ein Buch wäre. Mehari habe Feddersen als möglichen Ghostwriter vorgeschlagen. Dieser habe aber „aus Zeitgründen” abgelehnt und nicht etwa als Grund für seine Absage angeführt, dass er die Geschichte unglaubhaft finde, wie er es dann bei Zapp behauptete. Selbst wenn etwas dran wäre an dem Zapp-Vorwurf, würde dies doch nicht die Arbeit Meharis bei der Kindernothilfe schmälern. Sicher wäre Meharis Glaubwürdigkeit infrage gestellt oder zumindest beschädigt, wenn die Zapp-Behauptungen zuträfen. Doch niemandem ist geholfen, wenn man die Arbeit dieser Organisation behindert, um die Wahrheit über irgendeinen qualitativ zweitklassigen Bestseller ans Licht zu bringen. Mehari hat mit der Reklamierung ihres ach so ungerechtfertigten „Opferstatus’” niemandem geschadet, sondern die ihr daraus erwachsene Popularität u.a. für äußerst sinnvolle Hilfsprojekte eingesetzt. Auch der „kräftigste Spendermarkt” hat Meharis Popularität nur für gute Zwecke „missbraucht”.
Die Wahrheit über Mehari ist jedoch keineswegs von einem solchen öffentlichen Interesse, wie beispielsweise die über einen Günter Grass, dessen Bücher zur Schullektüre gehören, der Generationen geprägt und große Literatur geschaffen hat. Bei ihm wäre es daher freilich von öffentlichen Interesse zu erfahren, ob er nun freiwillig der SS beigetreten ist oder gezwungenermaßen und ob und in welchem Ausmaß er sich über rein militärische Handlungen hinaus schuldig gemacht hat.
Womöglich hatte man sich bei Zapp aber erhofft, einen ähnlichen Fall aufgestöbert zu haben, wie er 2003 bei einem Titel des Hoffmann und Campe Verlags in Hamburg aufgedeckt wurde. Hier nämlich wurde das vermeintlich autobiografische Sachbuch Mitten in Afrika der Autorin Ulla Ackermann bald als Fälschung entlarvt, woraufhin der Verlag sämtliche Exemplare aus dem Buchhandel zurückrief und enttäuschten Besitzern des Buches auf Wunsch ihr Geld zurück erstattete. Dies ist Zapp im Fall des beim Droemer-Knaur-Verlags erschienenen Buches nicht gelungen, sicher zum großen Leidwesen der Zapp-Mitarbeiter.
Mehari war etwa sechs Jahre alt, zu dem Zeitpunkt, um den herum sie ihre Geschichte erzählt. Wer kann allen Ernstes annehmen, dass sich eine damals Sechsjährige heute an alle Vorkommnisse korrekt erinnert? Wer kann ihr ernsthaft Vorhaltungen machen, wenn sie Flora und Fauna ihres Aufenthaltsortes nicht in allen Einzelheiten korrekt beschreibt? Zapp kann. Hier tut sich eine gewisse Parallele auf zu dem großen Erzähler Aharon Appelfeld. Dieser wurde einst belehrt, man dürfe über die Shoa keine Fiktion schreiben20. Wie aber soll heute ein damals Achtjähriger alle Einzelheiten seiner Erlebnisse korrekt wiedergeben, wenn er vielleicht noch nicht einmal richtig lesen konnte? Ist seine Geschichte deshalb weniger wert? Nein! Soll er seine Geschichte deshalb nicht erzählen? Doch! Appelfeld hat sich letztlich nicht beirren lassen und in einer Vielzahl von hervorragenden Büchern eindrucksvoll Zeugnis abgelegt. Die wichtigsten Erlebnisse hat er behalten. Nämlich, wie seine Mutter von rumänischen Antisemiten umgebracht wurde, wie er und sein Vater von Nazis ins KZ verschleppt wurden, wie ihm die Flucht gelang und er drei Jahre allein in Wäldern überlebte. Sollte er im Nachhinein ein Tier, einen Baum oder eine Beere falsch beschreiben, liegt das vielleicht daran, dass er mit acht Jahren nicht wusste, wie sie korrekt heißen oder dass zu diesem Zeitpunkt anderes wichtiger war. Ähnliches gilt für geografische Angaben. Das stellt seine Geschichte jedoch in keiner Weise in Frage. Im Gegenteil, aus einer Not macht Appelfeld eine Tugend. Seine Geschichten sind auf das Wesentliche reduziert, könnte man sagen. Es spielt beispielsweise eine absolut untergeordnete Rolle, wie der Name der Bahnstation hieß, auf der man als Achtjähriger deportiert wurde, wenn es darum geht die Gefühle in diesem Moment zu beschreiben.
Die genauen Umstände wie Ort und Zeit u.ä. sind wichtig in einem historisch-wissenschaftlich angelegten Fachbuch wie Goldhagens „Hitler’s willing executioners” aber eben nicht in einer Kindheitserinnerung. Die Menschen, die den Holocaust als Kind erlebt haben, mögen sich einzelner Details nicht entsinnen, aber sie liefern eine unschätzbare zusätzliche Perspektive, indem sie schildern, wie ein Kindergemüt das Leid erlebt hat. Würde Zapp auch einem Aharon Appelfeld nachrecherchieren, um ihm Fehler in seinen Erzählungen nachzuweisen? Aber bei einer Frau, die ihre Erinnerungen an ihre Zeit als sechsjähriges Mädchen in den Wirren des Unabhängigkeitskrieges Eritreas beschreibt, recherchiert Zapp knallhart nach. Sicher ist Mehari ansonsten in keiner Weise mit Appelfeld vergleichbar. Schon allein, dass dieser seine Bücher selbst schreibt und es nicht nötig hat, sich, wie Mehari, vom Verlag einen Ghostwriter an die Seite stellen zu lassen, unterscheidet beide. Auch wenn man Mehari bei Zapp vielleicht deshalb verachtet, hat man kein Recht, sie so zu behandeln. Ein Sally Perel (Ich war Hitlerjunge Salomon) ist auch nicht der geborene Erzähler, doch er sah sich durch seine Erlebnisse gezwungen, der Nachwelt seine Geschichte zu erzählen, um Ähnliches für die Zukunft zu vermeiden und um seine ungewollten Erfahrungen zu verarbeiten. Man sollte sehr vorsichtig sein, welche Maßstäbe man an welches Buch anlegt. Frank Nordhausen stellt ganz richtig in der Berliner Zeitung fest, dass die Erinnerung dessen, was man als Kind erlebt hat nach so langer Zeit durchaus dazu führen könne, dass eine Katze zum Löwen werde, eine erst 15-jährige Kommandeurin groß und muskulös erscheine könne, dass Gefechte, von denen erzählt wurde, zum Empfinden führen könnten, dass ständig Kämpfe tobten. Dies ist an sich kein neues Phänomen, weshalb man eigentlich auch bei Zapp davon Kenntnis erlangt haben sollte. Ein Beispiel für solche Wahrnehmungen erwähne auch Meharis Ghostwriter Lukas Lessing. Er sei zweimal mit ihr nach Eritrea und Äthiopien gereist, um sich die Schauplätze ihrer Geschichte anzusehen. „Senait hatte immer von dem riesigen Haus ihrer Großeltern berichtet – als wir davor standen, war sie ganz enttäuscht, denn es erwies sich als eine kleine Hütte.” Lessing habe jedoch im Wesentlichen bestätigt gefunden, was ihm seine Erzählerin berichtet habe. Sie hätten nicht nur das Großelternhaus, Verwandte, die Waisenhäuser „Orfan” und „Comboni” besucht, in denen sich Mitarbeiter sogar noch an sie hätten erinnern können. Lessing habe auch festgestellt, dass Senaits Geschichte in Eritrea niemanden sonderlich gewundert habe und dass „fast jeder dort in einem brutalen Bürgerkrieg Erfahrungen mit Gewalt gemacht hatte”. Die Reisen hätten ihn davon überzeugt, dass Meharis Lebensbericht trotz einiger Ungenauigkeiten und Übertreibungen im Prinzip stimme. Überdies stellt Lessing fest: „»Feuerherz« ist eine persönliche Geschichte aus der Sicht eines Kindes und kein historisches Fachbuch.” Zapp kann ja der Autobiografie noch eine Biografie an die Seite stellen, damit Mehari endlich erfährt, wie ihr Leben tatsächlich verlaufen ist.
Zapp fuhr dann noch mit Christina Björk ein Zeugengeschütz auf, dem kein Bildungsbürger ernsthaft widersprechen wollen kann, denn schließlich wird die Zeugin im Beitrag als „Präsidentin des schwedischen Bildungsfernsehens” vorgestellt. Diese habe während des Krieges mehrmals die Lager in Eritrea besucht. Zu diesem Zeitpunkt war sie übrigens noch nicht Präsidentin des Bildungsfernsehens. Mit welcher (politischen?) Motivation und in wessen Auftrag sie das tat, verschweigt Zapp seinen Zuschauern geflissentlich. Nur weil die Dame heute Präsidentin/Direktorin des Bildungsfernsehens ist, ist dies doch keineswegs eine Garantie dafür, dass man ihr damals nicht etwas vorgegaukelt hat oder dass sie gewisse Praktiken damals gutgeheißen hat, weil sie womöglich mit der ELF sympathisiert hat. Ein gewisser Joseph Fischer hatte auch eine wilde Jugend, beteiligte sich an Gewaltaktionen und wurde später Außenminister. Völlig unabhängig davon, was man von Fischer hält, er taugt mit Sicherheit nicht zu einem objektiven Zeugen der damaligen Ereignisse. Die von Björk vorgelegten, von ihr selbst aufgenommenen Fotos sollen schließlich den endgültigen Beweis erbringen. Man sieht darauf nur Kinder ohne Waffen. Also habe es in Meharis Lager gar keine Kindersoldaten gegeben.
Aber es ist doch nun wirklich kein neues Phänomen, dass sich Machthaber und Organisationen in aller Welt des Mittels der Potjomkinschen Dörfer bedienen, um ihr internationales Image aufzupolieren. Was der Besucher in Nordkorea vorgeführt bekommt, ist mitnichten das wahre Leben der Mehrheit des Volkes, davon kann man ausgehen. Würde man es allein der Hamas überlassen, sich in der Öffentlichkeit darzustellen, gelangte man sicher zur Überzeugung, dass es sich um eine der friedliebendsten Organisationen überhaupt handele. Nun, Zapp glaubt Björk, die mehrmals ELF-Lager besucht habe, mehr als Mehari, die nicht ab und an zu Besuch war, sondern dort jahrelang gelebt hat. Erst aus oben bereits zitiertem Artikel in der Berliner Zeitung erfährt man, dass Christina Björk damals Mitglied eines Eritrea-Solidaritätskomitees gewesen sei, verschiedene Kindercamps besucht und einen Film darüber gedreht habe. Endgültige Auskunft über ihre genauen Beweggründe ist damit jedoch auch nicht erteilt. Nun ist es allerdings auch nicht die Aufgabe der Berliner Zeitung, die Arbeit zu machen, die Zapp versäumt hat.
Solidarität geht oft auch mit einer Blindheit für bestimmte Praktiken einher, die als notwendiges Übel zur Erreichung des Ziels akzeptiert werden. So wurden viele Missstände in sozialistischen Systemen von westlichen Sympathisanten als Kinderkrankheiten abgetan. Noch heute werden von naiven Pseudo-Nonkonformisten der Linken T-Shirts mit dem Konterfei des Massenmörders Mao getragen. Solcherlei Personen heißen auch undifferenziert alles gut, was ein Fidel Castro mit seinem Volk treibt, das sich zwar einer der höchsten Ärztedichten und Alphabetisierungsraten der Welt erfreut, ansonsten auf auf fast allen Gebieten Mangel leiden muss. Es ist nicht auszuschließen, dass Christina Björk damals ideologisch verblendet war. Völlig ohne Quellenangabe flechtet Zapp zudem irgendwelche illustrativen Filmaufnahmen in den Bericht ein, die zum Teil auch noch den parallel dazu auf der Tonspur geäußerten Zweifeln von Zapp widersprechen, indem sie nämlich ausgemergelte Menschen zeigen und solche mit Waffen, irgendwo und irgendwann in Äthiopien? Soviel zur „Transparenzverliebtheit der ZAPPler”, deren sich Julia Salden, die Autorin der „Enthüllungsstory”, auf der Homepage der Sendung rühmt. Zur Transparenz hätte eben auch gehört, dass man mitteilt, in welcher Funktion sich Björk in Äthiopien aufhielt.
Salden fragt in ihrer nachträglichen schriftlichen Stellungnahme bzw. Rechtfertigung auf sehr unsachliche, polemische und sich selbst disqualifizierende Weise, ob sie etwa hätte mitteilen sollen, dass der von ihr herangezogene Zeitzeuge Mehreteab als Informatiker bei Toll Collect am Potsdamer Platz arbeite und der weitere Zeitzeuge Benifer als Privatkrankenpfleger in München, um der Forderung nach Transparenz nachzukommen. Da hat Frau Salden etwas falsch verstanden. Vielmehr wäre interessant gewesen, welche Rolle die Zeitzeugen damals gespielt haben und inwiefern sie über ihren zivilen Beruf hinaus vielleicht noch politisch tätig sind oder Interessen verfolgen. „In einem Magazinstück von zehn Minuten” sei „schlicht zu wenig Platz, um jeden Interviewpartner genau vorzustellen” entgegnet Salden dem Vorwurf, Zapp habe verschwiegen, dass es sich bei einem seiner Zeitzeugen um einen einstigen ELF-Kader handele. Das allein hätte man zusammen mit seinem Namen einblenden können, was keine Zeit kostet. Aber dann hätte man ja auch erklären müssen, warum diese Person trotzdem glaubwürdig sei, so Salden. Richtig, das hätte man in diesem Fall dann doch tun müssen oder man hätte eben einfach zu dem Schluss kommen müssen, dass diese Person als objektiver Zeuge denkbar ungeeignet ist und auf sie verzichten müssen. Aber Benifer, so der Name des Zeugen, sei als Privatkrankenpfleger in München ja so beliebt, „weil die Patienten die besonnene Art und die Konversation mit dem gebildeten Afrikaner so schätz[t]en”, lässt Salden wissen. Sogar der Bayrische Rundfunk – von NDR-Mitarbeitern ja in maßloser Selbstüberschätzung sonst immer verlacht – habe eine Portät über Benifer gesendet. Soll das nun als Beweis dafür dienen, dass der ehemalige ELF-Kader Benifer die Wahrheit sagt, Frau Salden? Nun haben Sie so viel Platz auf der Zapp-Seite bekommen, um all das, was in ihrem zehnminütigen Enthüllungsbeitrag aus Platzgründen nicht untergekommen sei, endlich mitzuteilen und bleiben Ihren Zuschauern dennoch viele Fakten schuldig. Stattdessen ziehen Sie es vor, sich in larmoyanter Weise zu rechtfertigen. Selbstkritik üben Sie nicht und wenn, dann mit so deutlicher Ironie, dass davon eigentlich nichts übrig bleibt.
Irritierend unprofessionell mutet auch die trotzig wirkende Art von Frau Saldens Stellungnahme an. So fehle ihr „die Fantasie” sich vorzustellen, dass Menschen, die sie „ganz banal” über ihren Bekanntenkreis gefunden haben, etwas mit dem eritreischen Geheimdienst zu tun haben könnten. Da hört sich doch alles auf. Glaubt Frau Salden, dass sie in einer Schutzzone lebt, die frei von allem Bösen ist, wo nur Menschen mit weißer Weste Zugang haben? Es ist wirklich weltfremd zu meinen, dass jemand nur, weil man mit ihm bekannt ist, eine objektive Sicht auf Ereignisse hat, an denen er selbst beteiligt war. Wenn Frau Salden meint, dass man für diese Erkenntnis „Fantasie” benötige, stellt sich wirklich die Frage, ob sie als der Objektivität verpflichtete Journalistin für ihren Job geeignet ist. Dass vielleicht gewisse Bekannte in der beim Fernsehen arbeitenden Journalistin die Chance witterten, Öffentlichkeit zu bekommen, ist ja nicht gänzlich abwegig. Dass Frau Salden wiederum in den Erzählungen ihrer Bekannten ihre große Story vermutete, ist ebenso denkbar.
Genau dies aber kann sehr schnell zu einem Szenario mutieren, bei dem sich die eine Seite von der anderen instrumentalisieren lässt und der Pfad der Professionalität verlassen wird, um der verlockenden Lorbeeren willen. Man kann nur hoffen, dass Zapp bei aller berechtigten Kritik, die es an anderen Medien äußert, nicht vergisst, die dabei verwendeten strengen Maßstäbe auch an sich selbst anzulegen. Senait Mehari, Senait G. Mehari, Mehari, Feuerherz, Eritrea, ELF, Eritrean Liberation Front, Eritrean People’s Liberation Front, EPLF, Almaz Yohannes, Agawegatha, Kuno Haberbusch, Julia Salden, Peter Disch, Zapp, NDR, Droemer Knaur, Sven Burgemeister, Andreas Bareiss, Letekidan Micael, Solomie Micael, Seble Tilahun, Daniel Seyo, Heart of Fire, BILDblog
© Stefan Fix, 2007
- von 4.509.545 Exemplaren 1998 auf 3.444.977 Exemplare 2007. Quelle: IVW [←]
- im Jahr 2004 [←]
- siehe dazu die Quellensammlung auf Wikipedia. Diese Quellensammlung wurde mittlerweile auffällig „bereinigt”. Das ist eben Wikipedia. Böse Zungen munkeln, dass es schon einmal vorkomme, dass bei Wikipedia der Gegenstand des Artikels den Artikel über sich selbst „richtigstellt”, doch diese Meinung wird hier als Verschwörungstheorie verurteilt. Also alle Vorwürfe, die gegen Herrn Leif erhoben wurden, sind offensichtlich aus der Luft gegriffen. Die Rubrik „Kritik” nimmt sich mittlerweile nahezu wie Werbung für die Person Thomas Leif und das Netzwerk Recherche aus, angereichert mit einem bequemen Link zum Verein. Daher sei hier jedoch auf den Artikel „That’s Leif” von Jörg Jacoby in „konkret”- Heft 3/2006 verwiesen. Im Archiv von „konkret” kann glücklicherweise noch nicht jedermann die Artikel nach seinem Geschmack umschreiben. [←]
- Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich 2005, S.12. [←]
- In der Sendung vom 14.02.2007 [←]
- Die Zapp-Sendung vom 11.07.2007 sahen gerade einmal 130.000 Zuschauer. Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, pc#tv, Fernsehpanel (D+EU), NDR Medienforschung [←]
- Dass Zapp so ausgiebig gegen den Focus wettert, liegt möglicherweise daran, dass Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung, der sich gerade mit dem Focus im Clinch befindet, Vorstandsmitglied im Netzwerk Recherche ist und sich somit natürlich der solidarischen Berichterstattung seines Netzwerkkollegen und Zapp-Chefs Kuno Haberbusch sicher sein kann. [←]
- Mehari, Senait G.: Feuerherz. München 2004, S. 154-158. [←]
- Hiermit wird ausdrücklich niemandem, der bei Zapp aufgetretenen „Zeitzeugen” etwas Dahingehendes unterstellt. Es geht hier ausschließlich ums Prinzip. [←]
- Mehari, Senait G.: Feuerherz. München 2004, S. 141. [←]
- Frank Nordhausen in der Berliner Zeitung vom 24.02.2007 [←]
- Auch hiermit soll den von Zapp als Zeitzeugen herangezogenenen Personen nichts Dahingehendes unterstellt werden. [←]
- Quelle: Zapp-Sendung vom 14.02.2007. [←]
- Arnd Henze in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007 [←]
- Christoph Bungartz in einem Schreiben an Zapp vom 20.02.2007 [←]
- Quelle: Internetseite von Zapp [←]
- Auch an dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keinem einzigen der bei Zapp präsentierten eritreischen „Zeitzeugen” eine Rolle als Täter unterstellt wird. Anhand des genannten überspitzten Vergleiches soll lediglich dargelegt werden, dass die „Beweisführung” von Frau Salden hinkt. [←]
- Quelle: Zapp-Sendung vom 21.02.2007. [←]
- Feddersen in Zapp über Feuerherz [←]
- Appelfeld, Aharon: Geschichte eines Lebens. Berlin 2005, S.129. [←]









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