Der Sarkophag erinnert an die letzte Phase der Besatzung Hamburgs durch napoleonische Truppen im Winter 1813/14. Tausende Hamburger Bürger, die nicht ausreichend persönlichen Proviant vorweisen konnten, wurden damals von den Besatzern des Stadtgebietes verwiesen. Den Franzosen ging angesichts der Belagerung der Stadt durch die Allierten die Verpflegung der Truppe vor – hungrige Zivilisten hatten da das Nachsehen. Etwa ein knappes halbes Jahr später wurde die Stadt von russischen Truppen befreit, was nicht verhinderte, dass viele der Vertriebenen den Tod fanden. Der Sarkophag befindet sich auf dem Gelände von Planten un Blomen in Hamburg. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet:
FRIEDE DEN ENTSCHLAFENEN
AN DIESER STÆTTE RUHEN DIE GEBEINE VON ELFHUNDERT ACHT UND DREIZIG HAMBURGERN WELCHE MIT VIELEN TAUSENDEN IHRER MITBÜRGER VON DEM FRANZÖSISCHEN MARSCHALL DAVOUST IM HÆRTESTEN WINTER 1813 UND 1814 AUS DEM BELAGERTEN HAMBURG VERTRIEBEN, MIT MENSCHENFREUNDLICHER MILDE IN ALTONA AUFGENOMMEN, VON DESSEN EDLEN EINWOHNERN SOWIE VON IHREN FRÜHER AUSGEWANDERTEN LANDESLEUTEN IN IHREM ELENDE UNTERSTÜTZT UND VERPFLEGT, DEM UNGEACHTET ABER OPFER IHRES KUMMERS UND ANSTECKENDER SEUCHEN WURDEN
IM JAHRE 1841 IST DIESES MONUMENT MIT DEN GEBEINEN VON OTTENSEN HIERHER VERSETZT.
Die Inschrift auf der Rückseite lautet:
DIESEN DENKSTEIN ERRICHTETEN
HAMBURGS TRAUERNDE BÜRGER IHREN
ENTSCHLAFENEN MITBÜRGERN
IM JAHRE 1815
Maréchal Louis Nicolas Davoust (1770-1823) war von 1811 bis 1814 Generalgouverneur des “Department Bouche de l´Elbe” („Département der Elbmündung“). Am 31. Mai 1813 rückte er in die bis dahin von General Tettenborn besetzte Stadt Hamburg ein und legte ihr zur Züchtigung für ihren Abfall von Frankreich sogleich eine Geldbuße von 48 Mill. Franc auf, welche Summe er auch zum großen Teil mit erbarmungsloser Strenge eintrieb. Am 5. November ließ er die Bank in Beschlag nehmen, gegen Ende des Jahrs mehr als 20.000 Menschen aus der Stadt treiben und die Wohnungen von mehr als 8.000 niederbrennen, nachdem er schon vorher mehrere Unruhige mit dem Tod bestraft hatte. So grausam dies Verfahren, so militärisch trefflich war seine Verteidigung gegen die Alliierten, die ihn von allen Seiten einschlossen und belagerten. Von Napoleon beauftragt, ließ Davoust Hamburg gegen mögliche neue Angriffe zur Festung auszubauen. Bis zum Herbst 1813 ist eine strategisch wichtige Brückenstraße zwischen Harburg und Hamburg fertiggestellt. Die gesamte Bevölkerung wird zu Schanzarbeiten herangezogen. Bis zum endgültigen Abzug der Franzosen wird Hamburg jetzt ausschließlich unter militärstrategischen Gesichtspunkten verwaltet. Erst am 31. Mai 1814 übergab er auf Befehl Ludwigs XVIII. und nachdem seine Streitkräfte durch Krankheiten und Mangel dezimiert worden waren, die Stadt. Nach der Rückkehr Napoleons 1815 wurde Davoust Kriegsminister. Als nach dem Sieg bei Waterloo die Verbündeten gegen Paris vorrückten, schloß er, von den Kammern zum Oberbefehlshaber ernannt, 3. Juli eine Militärkonvention mit Blücher und Wellington ab, nach welcher er die französische Armee hinter die Loire führte, wo er sich am 14. Juli Ludwig XVIII. unterwarf, auch die Armee dazu aufforderte und das Kommando dem Marschall Macdonald übergab. 1819 zum Pair von Frankreich erhoben, starb er 1. Juni 1823. Er war einer der fähigsten Generale Napoleons, von außerordentlichen militärischem Scharfsinn und hervorragender Tapferkeit, die oft mit grausamer Strenge verbunden war.









Post a Comment