Betr.: DER SPIEGEL Nr.10/5.3.07 – S.58-62
Sie, Uwe Buse, haben es übernommen, einen Beitrag über eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der in einem Laborversuch Arbeit für alle geschaffen werden soll, zu verfassen. Gott weiß, wer so verwegen war, ausgerechnet Ihren Schreibfluss nicht zu stoppen. Ihr Artikel, er ist nämlich, mit Verlaub, haarsträubend.
Es soll hier gar nicht am Inhalt Kritik geübt werden. Daran, dass SPIEGEL-Artikel immer seichter und gehaltloser werden, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es muss die Gewohnheit sein, die einen jeden Montag aufs Neue die Dummheit begehen lässt, eine weitere Ausgabe zu kaufen. Nein, eigentlich ist es nur das handliche Format, das unter Wochenzeitungen seit dem Dahinscheiden der „Woche” seinesgleichen sucht (von Focus, Stern u.ä. Schund natürlich abgesehen). Dass nun aber auch der Stil z.T. so schwer verdaulich ist, dass man manche Artikel nur noch etappenweise lesen kann, ist nun doch eine neuerliche Steigerung.
In Ihrem Artikel, Herr Buse, bedienen Sie sich nun eines ganz besondern Stilmittels. Sie wiederholen nämlich in schier inflationärer Weise direkt nach Nennung des Subjekts des Satzes selbiges in Form eines Personalpronomens. Das Beispiel, es wird in diesem Satz zur Anwendung gebracht. Doch um der Authentizität willen, sollen hier sämtliche Originalbeispiele aufgeführt werden, wobei nicht auszuschließen ist, dass das eine oder andere, aufgrund der Menge übersehen wurde:
- Die Arbeitslosenquote, sie stand wie einbetoniert …
- Das Neue, es war ein simpler Gedanke …
- Annelies Strobels Arbeitstag, er beginnt gegen zehn Uhr …
- Ihre Rente, sie bleibt mies …
- Das Experiment, es hat Bad Schmiedeberg verändert …
- Die Arbeitslosenquote, vor Beginn des Experiments in Bad Schmiedeberg lag sie bei 15,9 Prozent, sie liegt jetzt bei 6,3 Prozent …
Was, Herr Buse, bezwecken Sie damit? Wiederholen Sie das Subjekt, weil Sie fürchten, sonst den Faden zu verlieren oder etwa, weil Sie meinen, der Leser könne Ihnen sonst nicht folgen? Oder aber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie das Genus des deutschen Nomens bestimmen können? Oder werden einem solcherlei Seltsamkeiten bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer vermittelt? Das Lesen, es wird jedenfalls so zur Qual. Was würde an der Aussage geändert, wenn man unter Weglassung des Personalpronomens „es” schriebe: „Das Experiment hat B.S. verändert”? Außer natürlich, dass der Satz um einiges leserfreundlicher ist. Ab und an mag dieses Stilmittel namens Prolepse zur Betonung des Subjekts sicherlich nicht ohne Sinn sein, aber doch bitte nicht sage und schreibe sechs Mal in einem Artikel! Der Stil, er erinnert doch sehr an Fernsehkommentatoren zweitklassiger Regionalsendungen, in denen unter – vermutlich unbewusster – Zuhilfenahme dieses Stilmittels kaschiert wird, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. So kennt man Sätze wie: Die Flut, sie steigt … die Sandsäcke, sie werden knapp … die Sendung, sie ist zuende. DER SPIEGEL, er ist immer öfter ungenießbar …









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