Das ist der Teutoburger Wald, / Den Tacitus beschrieben, / Das ist der klassische Morast, / Wo Varus steckengeblieben.
Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, / Der Hermann, der edle Recke, / Die deutsche Nationalität, / Die siegte in diesem Drecke.
Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, / Mit seinen blonden Horden, / So gäb es die deutsche Freiheit nicht mehr, / Wir wären römisch geworden!
In unserem Vaterland herrschten jetzt / Nur römische Sprache und Sitten, / Vestalen gäb es in München sogar, / Die Schwaben hießen Qiriten!1
… in der Tat, kaum auszudenken, was gewesen wäre, wenn die Zivilisation ein paar Jahrhunderte früher nach Deutschland gekommen wäre. Vielleicht wäre uns so das Mittelalter vorenthalten worden!
Obwohl der ironische Unterton Heines schwerlich zu überhören ist, so gesteht er doch im letzten Vers ein, dass er selbst „subskribieret” habe, also sein Scherflein beigetragen hat:
„O Hermann, dir verdanken wir das! / Drum wird dir, wie sich gebühret, / Zu Detmold ein Monument gesetzt; / Hab selber subskribieret.”
Der etwa 27 Meter hohe Arminius hält in seiner ausgestreckten Rechten ein etwa sieben Meter hohes Schwert (Inschrift: Deutschlands Einigkeit, meine Stärke / Meine Stärke, Deutschlands Macht). Diese Siegerpose ist natürlich auf den Triumph des germanischen Heeres unter Hermann dem Cherusker im Jahr 9 (wo auch immer sie sich nun wirklich ereignet haben mag) gemünzt. Doch die Himmelsrichtung, in die das Schwert weist, ist mitnichten Süden (Rom), sondern vielmehr Westen (Frankreich) und dem politischen Kontext der Zeit der Erbauung des Denkmals (1838-75) geschuldet. Frankreich sollte der Sieg der Cherusker und ihrer Verbündeten über die Römer als Mahnung dienen. Ein besonders patriotisches Hochgefühl wird man im Einweihungsjahr gehabt haben, wo man es den – diesmal französischen – „Welschen” mal wieder gezeigt hat. Und so wird Wilhem II. auch in nach 1871 hinzugefügten Inschriften in direkte Nachfolge von Arminius gestellt:
„Der lang getrennte Stämme vereint mit starker Hand, Der welsche Macht und Tücke siegreich überwandt, Der längst verlorene Söhne heimführt zum Deutschen Reich, Armin, dem Retter ist er gleich.
Wilhelm, Kaiser, 22. März 1797, König von Preußen, 2. Januar 1861. Erster Kaisertag, Versailles, 18. Januar 1871, Krieg 17. Juli 1870, Frieden 26. Februar 1871.”
Am 17. Juli 1870 erklärte Frankreichs Kaiser, Louis Napoleon, Preußen den Krieg, da erstunden alle Volksstämme Deutschlands und züchtigten von August 1870 bis Januar 1871 immer siegreich französischen Übermut unter Führung König Wilhelms von Preußen, den das deutsche Volk am 18. Januar zu seinem Kaiser erkor.
Nur weil deutsches Volk verwelscht und durch Uneinigkeit machtlos geworden, konnte Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen, mit Hilfe Deutscher Deutschland unterjochen; da endlich 1813 scharten sich um das von Preußen erhobene Schwert alle deutschen Stämme ihrem Vaterland aus Schmach und Freiheit erkämpfend. Leipzig, 18. Oktober 1813 – Paris, 31. März 1814 – Waterloo, 18. Juni 1815 – Paris, 3. Juli 1815.
Arminius liberator haud dubie Germaniae et qui non primordia populi romani, sicut alii reges ducesque, sed florentissimum imperium lacessieret: proeliis ambiguus, bello non victus.2
Nicht unwahrscheinlich ist, dass französische Reparationszahlungen (5 Milliarden Francs) auch in den Bau dieses Konstrukts flossen, wie in so viele Bauten der „Gründerzeit”.
Im Ersten Weltkrieg war das Denkmal natürlich gut als antifranzösisches Symbol geeignet. Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Alliierten im Jahr 1915 diente es zusätzlich als gegen die „verräterischen Römer” gerichtetes Symbol. Kurz vor dem nächsten Krieg war das wieder vergessen, und man nahm Rücksicht auf die Befindlichkeiten der italienischen Verbündeten und strich 1936 daher einen ursprünglich für Mussolini geplanten Besuch des Hermannsdenkmals, da dieser dies hätte falsch verstehen und beleidigt sein können.
Der geschätzte Betrachter möge sein Augenmerk auf die rechte untere Bildseite richten: Dort befinden sich der römische Adler (sichtbar) und dahinter (unsichtbar) die beiden weiteren Insignien des Römischen Reiches, nämlich Rutenbündel und Beil (fasces). Arminius’ Fuß nun ruht in zusätzlich erniedrigender Beiläufigkeit auf dem Brustbein des Adlers – Rom also ist geschlagen. Die fasces oder auch Liktorenbündel wurden von Amtsdienern (Liktoren, von lat. lictores zu ligare, „binden”) den römischen Königen, Prätoren und Konsuln als Machtsymbol vorangetragen.
Die ursprüngliche Aufgabe der Liktoren war es, den Weg für die Amtsträger frei zu machen. Dabei benutzten sie auch Gerten, um Schaulustigen zu vertreiben. Das Beil stand als Symbol für die Todesstrafe, die von den Amtsträgern angeordnet werden konnte, wobei hierbei zu beachten ist, dass römische Bürger nicht ohne weiteres zum Tode verurteilt werden durften. Aus diesem Grund wurden die Beile auch immer erst außerhalb der römischen Stadtgrenze eingesteckt. Später dienten die mit einem Lederriemen zu Rutenbündeln gebundenen Gerten nur noch als Machtsymbol des Römischen Reiches und des römischen Machthabers oder dessen Stellvertretern (Konsul, Imperator, Statthalter). Eine weitere Deutung könnte die Symbolik sein, dass ein einzelner Stab leichter zu brechen ist als ein Stabbündel.
Benito Mussolini wollte an Ruhm und Glanz des Römischen Weltreiches anknüpfen und wählte für seine politische Bewegung das Zeichen der Liktoren aus. Mussolini hoffte, wie die Römer ein Weltreich rund um das Mittelmeer herum zu begründen. Daher leitet sich auch der Begriff des Faschismus vom lateinischem fasces oder auch italienisch fascio ab.
Das aktuelle Hoheitszeichen Frankreichs, das Abzeichen der 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1), der spanischen Guardia Civil wie auch das Wappen des Schweizer Kantons St. Gallen zeigen ein Liktorenbündel. Auch das Symbol des US-Senats weist zwei gekreuzte Liktorenbündel auf. Das auf der Nationalflagge verwendete Wappen Ecuadors zeigt ein Rutenbündel.
Das Bozner Siegesdenkmal, das aus der Zeit des Faschismus stammt, zeigt auch mit Liktoren versehene Säulen und Pilaster.
Auch Martin Luther hatte Arminius „von hertzen lib”, hatte dieser doch genau wie er selbst gegen Rom gestritten.
Das Schwert trägt die Inschrift:
Deutschlands Einigkeit, meine Stärke
Meine Stärke, Deutschlands Macht.
Auf dem Schild steht: Treufest.
- Heinrich Heine, Deutschland ein Wintermärchen, Caput XI, Verse 1-4 [←]
- Tacitus, Annales: II, 88: Armin ohne Zweifel Deutschlands [Germaniens] Befreier, der das römische Volk nicht in seinen Anfängen bedrängt hat wie andere Könige und Heerführer, sondern in der höchsten Blüte seiner Herrschaft: In Schlachten mit schwankendem Erfolge, im Kriege nicht besiegt. [←]










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