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Flucht zu Ostern …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Das Bild zeigt die Ruine des Zisterzienserklosters in Nimbschen bei Grimma in Sachsen von Nordwesten aus gesehen. Zu sehen sind die Außenmauern des Kapitelsaals und des Konventgebäudes. Im ersten Stockwerk befand sich der Schlafsaal. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1243 vom Wettiner Markgrafen Heinrich dem Erlauchten (1221-88) zunächst in der Nähe von Torgau. Das Nonnenkloster zog zweimal um, 1250 nach Grimma und um 1291 schließlich nach Nimbschen, unmittelbar an die Mulde, wo die Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Zur rechtlichen Absicherung war das Kloster bereits 1244 in den Zisterzienserorden inkorporiert worden. Sechs Jahre später erhielt das Nonnenkloster in Nimbschen das „privilegium commune“ des Zisterzienserordens von Papst Innozenz dem IV. verliehen. Ungeachtet dessen unterstanden die Nonnen dem Bischof der Merseburger Diözese.
Die Nonne Katharina von Bora war im Jahr 1510 von ihrem Vater nach Nimbschen ins Kloster gegeben worden, wo sie Lesen, Schreiben und Latein lernte. Die reformatorischen Gedanken gingen auch an diesem Kloster nicht spurlos vorüber und beeinflussten die dort lebenden Nonnen. Zusammen mit anderen Nonnen beschloss Katharina von Bora die Flucht. Sie baten Luther selbst um Hilfe, der zu Ostern 1523 einen Wagen schickte, in dem die fluchtwilligen Nonnen schließlich unter Mithilfe des Torgauer Ratsherren Leonhard Koppe entkamen.

Luther brachte sämtliche geflohene Frauen in Wittenberg unter und verheiratete sie mit ehrenwerten Männern. Nachdem bei Katharina der erste Versuch einer solchen Eheanbahnung am Widerstand der Familie des auserkorenen Patriziersohnes gescheitert war, scheiterte der zweite am Widerstand Katharinas. Sie hatte nun Luther dazu ausersehen, ihr Gatte zu werden. Jener war der Idee offenbar nicht abgeneigt, denn nachdem er 1524 seinen Mönchsstand aufgegeben hatte, kam es ein Jahr später in Wittenberg zur Hochzeit. Von Bora gebar sechs Kinder, von denen zwei jung starben.
Nach Luthers Tod (1546) weigerte sich von Bora, mit ihren Kindern das ehemalige Augustinerkloster in Wittenberg zu verlassen, das sie nach der Hochzeit mit Luther bezogen hatte, und stattdessen in ein bescheidenes Witwendomizil umzuziehen. So blieb sie zunächst im ehemaligen Kloster und bewirtschaftete weiter die dazugehörigen Ländereien.
Doch im gleichen Jahr brach der Schmalkaldische Krieg aus, in dem Kaiser Karl V. gegen die protestantischen Fürsten zog, die sich nach dem Augsburger Reichstag von 1530 zum Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen hatten. Er hatte erst jetzt die Mittel dazu, da seine Truppen zuvor in Auseinandersetzungen mit Frankreich in den Italienischen Kriegen gebunden gewesen waren. Von Bora flüchtete vor dem Schmalkaldischen Krieg nach Magdeburg, später nach Braunschweig. Im Juli 1547 kehrte sie schließlich nach Wittenberg zurück und fand ihre Gebäude und Ländereien zerstört vor. Ihre daraus resultierende wirtschaftliche Not wurde durch die Unterstützung zweier ihr wohl gesonnener Fürsten gelindert. Im Jahr 1552 musste sie Wittenberg aufgrund von Pest und Missernten jedoch erneut verlassen. Sie floh nach Torgau, vor dessen Toren sie in einen Verkehrsunfall geriet. Kurz darauf erlag sie am 20. Dezember des gleichen Jahres im Alter von 53 Jahren den Unfallfolgen.
Das Kloster Nimbschen wurde nach dem Tod der Äbtissin im Jahr 1536 aufgelöst. Zuvor war im Jahr 1529 der Gottesdienst nach evangelischen Grundsätzen eingeführt und der Äbtissin und den noch verbliebenen 17 Nonnen freigetellt worden, das Kloster zu verlassen. Bis ins Jahr 1542 führte der Klosterverwalter den Wirtschaftsbetrieb weiter. Danach wurde es von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen verpachtet, bis Kurfürst Moritz von Sachsen die Klosterbesitzungen schließlich im Jahr 1550 der neugegründeten Landesschule in Grimma übereignete. Bis hinein ins 19. Jahrhundert wurden die Klausurgebäude und die Kirche des Klosters zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen. Freunde der Geschichte können sich glücklich schätzen, dass man sich in Grimma offenbar nunmehr auf anderere Quellen zur Baustoffgewinnung verlegt hat. Unter anderem dieser Tatsache ist es wohl zu verdanken, dass nicht nur die Ruinen des Kapitelsaals und des Konventgebäudes erhalten sind, sondern darüber hinaus auch der südwestlich davon gelegene Klosterbrunnen.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

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