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Familie Baedeker – Letzte Reise …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Während Karl Baedeker, Verlagsgründer und einer der Wegbereiter des Massentourismus, in Koblenz begraben liegt, wo er den Grundstein für den späteren Verlag legte, sind sein dritter Sohn Fritz und sein Enkel Ernst sowie andere Familienmitglieder auf dem Leipziger Südfriedhof (Abteilung VI) begraben. Die Firma Baedeker war 1872 von Koblenz nach Leipzig gezogen. Fritz Baedeker führte den Verlag zu seiner größten Blüte.
Dass Baedekers Reiseführer bald auch international ein Begriff waren, zeigt folgendes Zitat aus der englischen Übersetzung des Librettos zu Jacques Offenbachs Operette „La Vie Parisienne”:

Kings and governments may err but never Mr. Baedeker.

Dieser Ansicht war wohl auch Kaiser Wilhelm I., der sich pünktlich jeden Mittag zur Wachablösung der Garde in seinem Palast Unter den Linden präsentierte, denn, so soll er gesagt haben: „Es steht im Baedeker, dass ich den Wachwechsel vom Fenster aus betrachte, und die Leute sind dafür hergekommen.”
Bezüglich der sprichwörtlichen Akribie Karl Baedekers berichtet eine Anekdote vom Zusammentreffen des westfälischen Freiherrn Gisbert von Vincke mit Karl Baedeker im Jahr 1847, wie sie zufällig beide gleichzeitig den Mailänder Dom bestiegen, wobei der Freiherr ein merkwürdiges Treiben bei dem ihm noch unbekannten Herrn Baedeker bemerkte. Dieser griff häufig in seine Westentasche und danach sogleich in die Hosentasche. Nach dem Grund seines Tuns befragt, erklärte der Reiseführerautor, dass er damit die Stufen genau abzähle: Alle zwanzig Stufen stecke er eine Erbse von seiner Westen- in die Hosentasche, rechne oben die Endsumme aus, indem er die Erbsen mit zwanzig multipliziere und die Reststufen addiere und mache beim Hinabsteigen die Gegenprobe. Die sich daraus ergebende Zahl war die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Ob sich daher der sprichwörtliche Begriff des „Erbsenzählers” herleitet? Dieser könnte jedoch genauso gut auf den Augustinermönch Gregor Mendel zurückzuführen sein, der ja bekanntermaßen die Regeln der Vererbung anhand von Merkmalen bei Erbsen untersuchte. Allerdings kam der Name „Baedeker” während des Zweiten Weltkriegs auch zu zweifelhaften Ehren: Die deutschen Bombenangriffe auf die kulturhistorisch wichtigen Städte Bath, Canterbury, Exeter, Norwich und York vom April bis Juni 1942 wurden in England bald als „Baedeker raids” bzw. „Baedeker Blitz” bezeichnet, weil kolportiert wurde, dass die Nazis sich bei der Auswahl kulturhistorisch besonders bedeutsamer Orte an den im Baedeker üblichen Asterisken (Sternchen) orientiert hätten1. Ein Asterisk weist auf „besonders Beachtenswertes” hin. Die Höchstzahl von zwei Asterisken markiert „einzigartige Sehenswürdigkeiten”.

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  1. Quelle: Baedeker-Homepage, Rubrik: Verlagsgeschichte []

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