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Monthly Archives: Dezember 2006

Bunker Hinrichsenstraße 27/29 (Hamburg Hohenfelde)

Der Bunker in der Hinrichsenstraße im Hamburger Stadtteil Hohenfelde geht auf Entwürfe des Architekten Ulrich Pierstorff aus dem Jahr 1941 zurück1. Im Jahr 1950 wurde der Bunker „entfestigt” und umgebaut, womit „38 Ein- und Zweizimmerwohnungen für ältere Leute, allein stehende Berufstätige und kinderlose Ehepaare mit geringem Einkommen” geschaffen wurden2. Im Rahmen einer späteren Modernisierung wurden Balkone aus Metall angebaut. Die Fassade erhielt einen hellgelben und freundlich wirkenden Anstrich. Diesem Gebäude sieht ein Passant ohne entsprechende Fachkenntnisse kaum noch sein Bunkervorleben an. Eine gelungene Umwidmung also, ohne ästhetische Abstriche.

Literatur:

  • Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001.
  1. Schmal, Helga u. Selke, Tobias: Bunker – Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg. Unter Mitarbeit v. Henning Angerer u. Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Herausgegeben von der Kulturbehörde und dem Denkmalschutzamt. Hamburg, 2001, S. 116f. []
  2. ebd. []

Bunker Sillemstraße (Hamburg Eimsbüttel)

Der Hochbunker in der Sillemstraße ist ein hervorragendes positives Beispiel für eine Entfestigung und Umwidmung, die zudem auch ästhetisch gelungen ist. Hier wird Geschichte nicht verleugnet, sondern in die Gegenwart integriert. Somit bleibt sie kein Fremdkörper im Alltag der Menschen. Vielmehr verschmilzt sie mit ihm, ohne jedoch unkenntlich gemacht zu werden.

S-Bahn-Haltestelle Hasselbrook Hamburg Hamm


Am Schopfe zieht uns Tyche …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007
Skulptur einer Schicksalsgöttin und zweier Menschen aus Muschelkalk von Hugo Lederer aus dem Jahr 1905.
Titel: »Das Schicksal«
Standort: Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf
Diese Jugendstilskulptur stand ursprünglich „in einem eigenen kleinen Pavillon im Garten der Familie Eduard Lippert am Harvestehuder Weg 107. Nach Ohlsdorf kam sie 1956.” 1 Der einstige Standort befand sich also in der Hamburger Innenstadt zwischen Außenalster und Rothenbaumchaussee, unweit des Klostersterns.

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  1. Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 2. Hamburg, 1990, S.9. []

Carl Hagenbeck

Grabmal Carl Hagenbek

Heinz Erhardt

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007

Grabmal von Heinz Erhardt und seiner Frau Gilda auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf.

Fritz Schumacher

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2007Bei einem Apologeten neuzeitlicher Backsteinbauweise ist es fast verwunderlich, dass dessen Grabmal nicht auch aus roten Backsteinen besteht – das wäre doch nur konsequent gewesen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass nicht nur halb Hamburg von dieser Schumacherschen Backsteinmoderne geprägt ist (zum absoluten Vorteil der Stadt), sondern selbst der Friedhof, auf dem er ruht, nicht ungeschoren davonkam. Sowohl das Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof als auch die Kapelle 13 wurden nämlich nach seinen Entwürfen gebaut. Wäre da also nicht wenigstens ein von Klinkern umsäumter Grabstein angemessen gewesen?

Pünktlich zur Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Schumacher als Oberbaudirektor der Stadt Hamburg zwangspensioniert. Dann hatte er noch das fragwürdige Vergnügen, viele der von ihm entworfenen Bauwerke im von den Nazis verschuldeten Bombenhagel der Alliierten untergehen zu sehen. Dass er nach dem Krieg seinen Wohnsitz von Hamburg nach Lüneburg verlegte und Hamburg bis zu seinem Tod im Jahr 1947 kaum noch besuchte, nimmt daher nicht gerade wunder. Man darf dankbar sein, dass doch einige seiner Bauwerke den Krieg überdauert haben und das Nachkriegs-Hamburg um einiges weniger trist erscheinen lassen.

Albert Ballin – Des Kaisers Reeder

Diese Findlingsgruppe aus Granit befindet sich auf der Grabstätte der Familie Albert Ballin. Am größten Findling bilden Bronzelettern Albert Ballins Namen, während die anderen Findlinge und Feldsteine vertiefte Namensinschriften tragen. Albert Ballin, der Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actiengesellschaft (HAPAG) – der einst größten Reederei der Welt – setzte im November 1918 seinem Leben mit Gift ein Ende, nachdem er durch die Folgen des Ersten Weltkriegs sein Lebenswerk in die Brüche hatte gehen sehen.
Findlinge galten im 19. Jahrhundert bis zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts als typisch deutsche Grabmalform und wurden insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg auf Soldatenfriedhöfen aufgestellt. Der Bildhauer Caesar Scharff habe diese Tendenz, überdimensionale Steine nach Art der alten Germanen zu nutzen, kritisiert.1 Die im Jahr 1934 erlassenen Grabmalbestimmungen hätten dann die Aufstellung von Findlingen verboten.2 Dies mutet etwas seltsam an, da man durchaus hätte annehmen können, dass eine 1934 erlassene Verordnung eher dahin gegangen wäre, Findlinge als „echte deutsche Grabform” vorzuschreiben. Schließlich beharrten die Nazis auch auf einer „deutschen Giebelform” beim Hausbau, wie man in Victor Klemperers Tagebüchern in einem Eintrag eben aus dem Jahr 1934 lesen kann. Flache Dächer, wie von den Klemperers geplant, „seien undeutsch”, so zitiert Klemperer die Begründung der Nazi-Behörde.3 In Victor Klemperers LTI findet sich eine Beobachtung, die zeigt, dass bei den Nazis auch im Bereich der Geburts- und Traueranzeigen die Tendenz hin zum Germanisieren ging. So seien bei vielen Anzeigen die üblichen Sternchen zur Anzeige des Geburtsdatums der Lebensrune gewichen.4
Zweierlei scheint bei Albert Ballins Grabstätte noch erwähnenswert. Zum einen zeigt die Wahl dieser offenbar als „germanisch” angesehenen Grabform, dass sich Ballin weniger als deutscher Jude denn vielmehr als deutscher Patriot empfand, der er zweifellos war. Genutzt hat es letzten Endes freilich keinem deutschen Juden, sich für ihre Heimat, das Deutsche Reich, aufgeopfert zu haben. Es wurde ihnen nicht gedankt, abgesehen von der vorübergehenden Gleichstellung nach 1871 und anderen marginalen Rechten, die unter den Nazis millionenfach mit Füßen getreten wurden. Zudem sagt aber auch der Ort der Grabstätte etwas über Ballins religiöses Selbstverständnis aus. Die Tatsache, dass Ballins Grab sich nicht auf dem separaten, im Jahr 1883 eröffneten jüdischen Friedhof in Ohlsdorf befindet, sondern eben auf dem großen Ohlsdorfer Friedhof, weist ihn als assimilierten Juden aus. Ballin hatte seine jüdische Herkunft längst verdrängt und war treudeutscher, kaisertreuer und deutschnationaler geworden als viele seiner christlichen Mitbürger, was ja eigentlich erst nach den Erfahrungen von NS-Herrschaft und Holocaust seltsam anmutet, aber doch völlig normal war. Insofern ist es nur recht und billig, dass sich Juden auch „germanische” Findlinge setzen ließen, auch wenn Ballin sich womöglich im Grab umdrehen würde, wenn er wüsste, was Deutsche im Namen seines geliebten Deutschen Reiches verbrochen haben. In einer Besprechung des Buches „Albert Ballin – Der Reeder des Kaisers” von Eberhard Straub macht Otto Köhler diesbezüglich eine interessante Feststellung5. Aufgrund der Tatsache nämlich, dass Ballin in großem Maß Juden, die vor den regelmäßigen Pogromen aus Russland nach Deutschland flohen, zur erschwinglichen Überfahrt nach Amerika verhalf, habe er letztlich einen Anteil daran, dass es „den im deutschen Namen arbeitenden Liquidatoren nicht gelang, das ‚Weltjudentum’ auszulöschen.” Dies wäre mit Sicherheit ein tröstlicher Gedanke für Ballin.

Literatur:

  • Klemperer, Victor: LTI – Notizbuch eines Philologen. 13. Auflage. Leipzig, 1995.
  • Klemperer, Victor: Tagebücher 1933-1934. 3. Auflage. Berlin, 1999.
  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.
  • Schoenfeld, Helmut: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z. Bremen, 2006.
  • Straub, Eberhard: Albert Ballin – Der Reeder des Kaisers. Berlin, 2001.
  1. Schoenfeld, Helmut: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z. Bremen, 2006, S. 52f. []
  2. ebd. []
  3. Klemperer, Victor: Tagebücher 1933-1934. 3. Auflage. Berlin, 1999, S. 120. []
  4. Klemperer, Victor: LTI – Notizbuch eines Philologen. 13. Auflage. Leipzig, 1995, S. 128. []
  5. Otto Köhler: Treudeutsch bis in den Tod []

Julius Campe

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006Nicht gerade ein Grabmal, bei dem man geneigt ist, es als unprätentiös zu bezeichnen – schön ist es allemal. Man muss also „nur” jemanden wie Heine verlegen und schon können die Hinterbliebenen einen solchen Tempel finanzieren.

Heine äußerte sich über seinen Verleger übrigens wie folgt:

„Als Republik war Hamburg nie / So groß wie Venedig und Florenz, / Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist / Die besten im Keller von Lorenz. // Es war ein schöner Abend, als ich / Mich hinbegab mit Campen; / Wir wollten miteinander dort / In Rheinwein und Austern schlampampen. [...] Ich aß und trank, mit gutem App’tit, / Und dachte in meinem Gemüte: / ‘Der Campe ist wirklich ein großer Mann, / Ist aller Verleger Blüte. / Ein andrer Verleger hätte mich / Vielleicht verhungern lassen, / Der aber gibt mir zu trinken sogar; / Werde ihn niemals verlassen. // Ich danke dem Schöpfer in der Höh’, / Der diesen Saft der Reben / Erschuf, und zum Verleger mir / Den Julius Campe gegeben!’”1

Der turmartige Rundbau befindet sich auf dem Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf und wurde 1915 von Alexander Rudeloff aus Muschelkalk und Bronze geschaffen. Die Kuppel sitzt auf dorisierenden Säulen. Unter dem Bau befinden sich vier Gruftzellen. Der Eingang ist nach Westen ausgerichtet. Die Tür besteht aus genietetem Bronzeblech und ist mit einem „maskaronähnlichem”2 Türklopfer versehen.

Literatur:

  • Heine, Heinrich: Deutschland – Ein Wintermärchen. Zürich, 2005.
  • Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990.
  1. Heinrich Heine: Deutschland – Ein Wintermärchen, Caput XXIII []
  2. Leisner, Barbara; Heiko K.L. Schulze u. Ellen Thormann. Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 1 und 2. Hamburg, 1990, S.117. []

Der eine von der Tankstelle – Willy Fritsch

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2006
Grabstelle von Willy Fritsch und seiner Frau Dinah Grace (Ilse Schmidt):

„Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen, nur mit Dir allein, kann es glücklich sein. All meine Träume, die süßen, leg ich in den Gruß mit hinein.”

Zwar galt dieser Satz im Film „Die drei von der Tankstelle” nicht Dinah Grace, sondern der Filmpartnerin Lilian Harvey, doch am Ende trifft er auf Fritsch und Grace zu, da er nunmehr nur mit ihr allein ist. Das Grab befindet sich in Hamburg Ohlsdorf.

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