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Nichts zu verschenken …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2013

In Zeiten der Wirtschaftskrise in Portugal hat selbst der Weihnachtsmann leere Taschen – glaubt man obenstehender Streetart-Darstellung. Gesehen in Porto im Viertel Miragaia in der Travessa do Carregal.1

  1. Künstler/in: Pita (kopfstehender Schriftzug neben dem rechten Weihnachtsmannstiefel) – Aufgenommen am 27.06.2012 []
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Space Invaders alien caught trying to cross a street …

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2013Blauer Alien wartet ordnungsgemäß auf grünes Licht, um auf dem Zebrastreifen die Straße zu überqueren. Die Invasoren sind sich offenbar ihrer Vorbildrolle bewusst. Nur so kann die Sympathie der Einheimischen auf Dauer gewonnen werden, ganz im Sinne des “winning hearts and minds”. Gesehen in Porto im Viertel Cedofeita in der  Rua da Constituição Ecke Rua São Brás.

Zuständig für die weltweite Invasion der Mosaik-Aliens ist an sich ja der französische Streetart-Künstler »Invader«. Dieser führt in seiner List of invaded Cities jedoch keine einzige portugiesische Stadt auf1, weshalb davon auszugehen ist, dass es sich hier um einen Nachahmer handelt. Abgesehen davon macht sich der Original-Invasor vornehmlich an senkrechten Flächen zu schaffen, während es sich hier um eine waagerechte Fläche handelt. Überdies bringt der »Invader« seine eigenen Mosaiksteinchen mit und befestigt sie mittels Zement an einer Mauer. Hier aber wurden bereits vorhandene Gehwegsteine eingefärbt.2

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2013Hinsichtlich solcher Nachahmer lässt »Invader« wissen, dass er deren Arbeiten als Hommage auffasse.3 Zudem habe er selbst bereits mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr als Einzeltäter zu agieren, sondern in der Gruppe zu invadieren. Diesen Gedanken habe er jedoch wieder verworfen, da er es als zu umständlich betrachte, diese Arbeit zu delegieren.

Der »Invader« möchte die Bedeutung des Begriffs „Space Invaders” von „Eindringlinge aus dem Weltraum” erweitert wissen auf „Eindringling in den Raum”4 also „Eroberer des öffentlichen Raumes” (public space), als der er sich nämlich sieht.

Zu seinem Bewertungssystem befragt, teilt »Invader« mit, dass er seinen Aliens zwischen 10 und 50 Punkte gibt, je nach Größe, Beschaffenheit und Ort der Anbringung. Jede Stadt erhält eine sich aus allen in ihr befindlichen Aliens ergebende Gesamtpunktzahl.5

Angesichts der enormen Größe des hier vorliegenden Aliens, kann man über seine unspektakuläre Beschaffenheit und den leicht zu erreichenden Anbringungsort hinwegsehen und dem Nachahmer getrost 30 Punkte zuerkennen. Nach dem Vorbild des »Invader« ergäbe sich folgende Übersicht: Invasion of Porto 07/2012 – Invasions: 1 – Score: 30 points.

  1. Stand 04.07.2012 []
  2. Eine bekannte Ausnahme ist die Dachterasse der französischen Tageszeitung Libération, deren Bodenplatten »Invader« einfärbte. []
  3. FAQs auf der Website von Invader: „Ceci dit, j’ai déjà reçu des photos de space invaders situés dans des villes où je n’ai jamais mis les pieds ! Je trouve cela plutôt positif, je le prends comme un hommage. J’ai déjà pensé à cette idée de mettre au point une stratégie d’invasion de groupe mais il est trés difficile de déléguer ce travail. C’est donc quelque chose que je n’encourage pas mais que je ne condamne pas non plus.” []
  4. FAQs auf der Website von Invader: „De plus, traduit librement, Space invader peut signifier “envahisseur d’espace”, ce qui est plutôt une bonne définition de ce projet…” bzw. in der englischen FAQs-Version: “And »space invader« is a pretty good definition of what I’m doing… invading spaces!” []
  5. FAQs auf der Website von Invader: “Each Space Invader is worth between 10 and 50 points depending on its size, composition and where it is.  So each invaded city has a score that’s added to previous scores.” []
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Stencil von CIZEL in Porto

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2012

Stencil eines Frauenprofils auf rosafarbenem Grund mit floralen Zusatzelementen.
Gesehen auf einem Verteilerkasten in Porto im Viertel Paranhos in der Rua Pedro Ivo.

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Paste-Ups von Quasikunst und Funk25

www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010Auf der Höhe des berüchtigten Blitzers in der Stresemannstraße, der den stadteinwärts rollenden Verkehr ins Visier nimmt, findet man diese zwei Paste-Ups an der Seitenwand des Hauses mit der Nummer 78.

Das linke Exemplar stammt von »quasikunst« und stellt eine Frau dar, deren Beine kurioserweise in Elefantenfüße münden, was auf nebenstehender Abbildung nur noch teilweise zu erkennen ist, da zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits ir­gend­je­mand der Auffassung war, Teile des Posters abreißen zu müssen. Auf früheren Aufnahmen, die sich online vereinzelt finden lassen, sind die Elefantenfüße aber gut zu erkennen. Der zierliche Oberkörper und die plumpen Beine stehen in irritierendem Kontrast zueinander.

Das rechte Poster ist mit »*//funk25« signiert und zeigt mit minimalistischen Mitteln ein ausdrucksvolles Frauenportät.

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Stencil von XOOOOX in Hamburg (HafenCity)

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010Diese hockende Dame ist in der Hamburger Speicherstadt anzutreffen. Aus dem Augenwinkel könnte man meinen, sie verrichte an der Ecke Auf dem Sande / Am Sandtorkai ihre Notdurft. Betrachtet man die Position des Rocks, ist dies jedoch eher unwahrscheinlich. Es handelt sich hierbei um eine posierende Fashionista des Berliner Streetart-Künstlers XOOOOX.  Das gleiche Motiv wird übrigens gespiegelt im Format 100 x 80 cm von der Londoner Galerie »StolenSpace« für stolze £7020.00 (zzgl. Versandkosten) also knapp 8500 Euro feilgeboten. Dort gibt man als Titel des Werkes »Rewind (Bio) MonSun« an. Es scheint nicht ganz abwegig, dass hier ganz im Sinne des Bangles-Songs »Manic Monday« der Wunsch zum Ausdruck gebracht wird, dass man die Zeit zurückdrehen kann.1 Auf der Galerieseite ist übrigens auch von einer hockenden Frau die Rede, die beim Urinieren überrascht werde.2 War der erste Eindruck also doch richtig?

Der Vorteil von Schaltschränken in hochwassersicherer Ausführung wie dem abgebildeten ist übrigens, dass er trotz oben befindlicher Werbefläche auf dem Sockel genug Platz für weitere Verwendungen bietet. Die historische Umgebung mit Backsteinfassade und Straßenpflaster in ihrer klaren und ruhigen Struktur lässt das Schwarz-Weiß-Stencil stark wirken.

  1. „It’s just another manic Monday / I wish it was Sunday” []
  2. [...] one figure, caught off-guard, squats to urinate [...]“ []
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Stencil von TONA in Hamburg

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010In unmittelbarer Nähe zum Hamburger Gängeviertel an der Ecke Caffamacherreihe / Valentinskamp und schräg gegenüber dem Polizeikommissariat 14 befindet sich das abgebildete Stencil des Hamburger Streetart-Künstlers »TONA« auf der Abdeckung eines Ampelmastes.

In seiner Perfektion und Sauberkeit der Ausführung könnte man fast meinen, es handele sich bei diesem Werk um eine Auftragsarbeit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, mit dem Ziel, die Stadt bunter zu machen. Da schien es jemand trotz Polizeinähe nicht so eilig zu haben. Denkt man aber daran, an welchen – aus offizieller Perspektive wohl inakzeptablen – Stellen »TONA« seine Stencils, Paste-Ups und Kacheln sonst noch so hinterlässt und dass er es nach wie vor vorzieht, anonym zu bleiben,  ist nicht ernsthaft an eine Kooperation mit der Stadt zu glauben. Auch nicht, angesichts der Tatsache, dass der gegenwärtigen Stadtentwicklungssenatorin Hajduk immerhin der Rückkauf des Gängeviertels durch die Stadt Hamburg zu verdanken ist, womit dem von etwa 200 Künstlern besetzten historischen Quartier das drohende Schicksal eines nahezu vollständigen Abrisses und Neubebauung unter profitmaximierenden Gesichtspunkten erspart bleibt und stattdessen eine Zukunft als kulturelles Zentrum eröffnet wird.

© www.espritdescalier.de - Stefan Fix, 2010Eine Erklärung für die Perfektion der Ausführung wäre, dass die Abdeckung einfach mittels eines Dreikantschlüssels entfernt und an unbeobachteter Stelle in aller Seelenruhe verschönert wurde. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte man sie dann in verändertem Zustand wieder schnell anschrauben könnnen. Zwei Dinge sprechen dagegen: Erstens verstößt es vielleicht gegen irgendeinen Ehrenkodex eines Streetart-Künstlers, nicht vor Ort, sondern daheim tätig zu sein. Abgesehen davon würden Kick und street credibility wohl auf diese Weise minimiert. Andererseits werden Kacheln, Sticker und Paste-Ups ja auch in Heimarbeit gefertigt und dann vor Ort nur schnell angebracht. Der zweite und triftigere Grund ist, dass sowohl die Dreikantschraube oben als auch die Schlitzschraube unten mit der gleichen Farbe beschichtet sind und haargenau ins umgebende Muster passen. Also wurde wahrscheinlich vor Ort gearbeitet – möglicherweise unter dem Schutz eines dort strategisch günstig geparkten Autos.

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Geschützt: Sterbendes Blau

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Radio Hamburg und die Mär vom Wasserturm

Nun steht „Radio Hamburg” ja nicht eben im Verdacht, einen Bildungsauftrag erfüllen zu wollen. Vielmehr dudelt es seicht und inhaltsgeizig vor sich hin. Dennoch irritiert es schon ein wenig, wenn der Privatsender ausgerechnet im Zentrum seines Reviers, der „schönsten Stadt der Welt” nämlich, wie man die Elbmetropole bei „Radio Hamburg” mit Vorliebe bezeichnet, eine nicht unwesentliche Wissenslücke offenbart.

So geschehen am dritten August dieses Jahres. In Geschäften oder bei der Sendersuche kommt man bisweilen nicht umhin, diesem Sender zu begegnen. Da der dritte August ein Sonntag war, war es also auf der Suche nach einem Sender, als der Auto-Scan innehielt und plötzlich der gute alte „Lotto King Karl” in die heimischen vier Wände hinein tönte. In gewohntem Barmbek-Ba(r)sch-Tonfall moderierte der Musiker auf durchaus nicht unsympathische Weise seine offenbar neue Sendung „Radio Hamburg rockt”, die immer sonntags von 18 bis 20 Uhr ihren Lauf nimmt.
Es muss gegen 19:10 Uhr gewesen sein, als „Lotto” begann, einen Text vorzulesen, in dem auf die Happy Hour in einer Hamburger Cocktail-Bar hingewiesen wurde, denn diese Zeit ist laut Programmschema für „unsere Tipps für Ihre Freizeit” reserviert. Ob es sich hierbei um reine Veranstaltungshinweise handelt oder womöglich um als Veranstaltungshinweise getarnte Werbung, sei dahin gestellt. Nun also O-Ton „Lotto”:

Und wenn ihr euch das lieber ein bisschen gemütlich machen wollt heute Abend, dann geht am besten in die »Turm Bar«.

Bis hierhin ist nichts einzuwenden. Doch jetzt folgte ein Satz, der schon fast wie eine historische Hintergrundinformation anmutet:

Früher floss hier das Wasser, heute sind es Bier und Cocktails.

Bevor „Lotto” nun explizit zur – sicher unbewussten – Umdeutung historischer Fakten anhub, präzisierte er noch die Vorzüge der Bar:

Macht es euch auf den Rattanmöbeln zwischen Palmen gemütlich und noch bis 20:30 Uhr ist Happy Hour, das heißt, alles [sic] Cocktails gibt’s zum halben Preis wie zum Beispiel eine Strawberry Daiquiri für 3,75 Euro.

Abschließend informierte „Lotto” die Hörer, wo genau die Sause steige und versorgte sie dabei zugleich mit einer Desinformation:

Die Bar findet ihr im ehemaligen Wasserturm auf der Moorweide in der Rothenbaumchaussee 2.

Unter dieser Adresse findet sich tatsächlich und bekanntermaßen die „Turm-Bar”. Was also ist nun das Problem? Dieses besteht darin, dass es sich bei dem Gemäuer, in welchem sich diese Bar befindet, mitnichten um einen „ehemaligen Wasserturm”, sondern vielmehr um einen einstigen Luftschutzbunker handelt – ein nicht gänzlich unbedeutender Unterschied immerhin. Wenn also darin Wasser floss, dann vielleicht in Form von Angstschweiß und Tränen, aber gewiss nicht zum Zweck der Wasserbevorratung und Wasserdruckerzeugung. (Weiterlesen)

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»einestages« testet Printausgabe

»Der Spiegel« plant offenbar für den 9. September dieses Jahres eine Printausgabe seines bisher nur im Internet veröffentlichten Zeitgeschichte-Potals »einestages«, so vermeldet KRESS. Der Preis soll 4,80 EUR betragen und läge damit unter denen anderer Geschichtsmagazine wie »Geo-Epoche« (8,50 EUR), »epoc« (7,90 EUR) oder »Damals« (6,10 EUR). Offenbar orientierte man sich bei der Kalkulation eher an einem Magazin wie »Die Zeit – Zeitgeschichte« (meist 4,50 EUR) und sehr populärwissenschaftlichen Magazinen wie »P.M. History« (4,50 EUR) oder »G Geschichte« (4,30 EUR).

Abgesehen davon, dass es angesichts des bestehenden Negativtrends in der Presselandschaft bereits bemerkenswert ist, dass überhaupt noch ein Verlag den Versuch unternimmt, einen neuen Titel am Markt zu platzieren, scheint ein weiterer Punkt fast noch erstaunlicher. Während die meisten heutzutage online präsenten Presseerzeugnisse nämlich zuerst als Printausgabe existierten und sich dann – den Zeichen des Internetzeitalters früher oder später Rechnung tragend – eine Internetpräsenz zulegten, ist bei »einestages« genau das Gegenteil der Fall. Im Oktober 2007 auf den Seiten von »Spiegel-Online« gelauncht, hat »einestages« offenbar eine so große Resonanz bei den Lesern hervorgerufen, dass man nun den Testballon einer Printversion startet.

Ein ähnliches Phänomen ließ sich zuvor schon beim »ebay-Magazin« beobachten, das die Stern-Verlagsgruppe im Jahr 2007 herausbrachte, wenngleich sich die Parallelen zwischen »ebay-Magazin« und der Printversion von »einestages« darin erschöpfen dürften, dass beide aus einem Internet-Projekt hervorgingen. Abgesehen davon ging ja nicht »ebay.de« in Druck, sondern Geschichten und Erlebnisse rund um die Auktionsplattform.

Eine weitere Besonderheit von »einestages« ist, dass es zu einem großen Teil aus »User Generated Content« besteht. Das ist nicht zuletzt wirtschaftlich sehr vorteilhaft für den Verlag. Man lässt einfach die Leser ihre persönliche Geschichte bzw. Erinnerung schreiben, bebildern und sich dann zuschicken. Man selbst überprüft und redigiert sie schließlich »nur« noch, bündelt und präsentiert sie und setzt die Themen. Die Gesamtheit dieser Geschichten solle nicht weniger als ein »kollektives Gedächtnis unserer Geschichte« bilden, so ist bei »einestages« zu lesen. Das klingt nach einem hehren Vorhaben und ist es womöglich auch. Doch auch bei »einestages« ist Werbung geschaltet, wenn auch wenig aufdringlich. Letztlich geht es mit Sicherheit auch darum, Geld zu verdienen, schließlich ist der »Spiegel« kein Verein von Altruisten. Von der Printausgabe wird man sich erhoffen, mit »User Generated Content« Gewinn zu erwirtschaften. Was mit Talkshows seinen unheilvollen Anfang nahm, könnte somit eine glückliche Wende nehmen. Die User steuern ihre Geschichten bei, können sie dann als Leser in einer Printausgabe lesen, ein Pool der Geschichte des Privaten Lebens wird geschaffen, und »Der Spiegel« verdient daran, ohne viel investieren zu müssen. Die Liste der Partner von »einestages« stimmt zudem optimistisch hinsichtlich der Qualität des Inhalts. So finden sich dort u.a. das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek, das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die defa-spektrum GmbH, das Deutsche Auswandererhaus sowie der Progress Film-Verleih. Man setzt also nicht allein auf »User Generated Content«, sondern favorisiert eine Mischung.

Bemerkenswert ist, diese Spitze sei erlaubt, dass »Der Spiegel« hier auf das Wissen der Massen vertraut, wo er viele Phänomene des »Web 2.0«, wie z.B. Blogs doch meist äußerst skeptisch kommentiert, belächelt und klein zu reden versucht. Vielleicht muss das Wissen der Massen eben nur von hoch qualifizierten Spiegel-Redakteuren kontrolliert, kanalisiert und veredelt werden sowie dem »Spiegel« zu Profit verhelfen, um als gut befunden zu werden.

Letzten Endes scheint »einestages« ein interessantes und viel versprechendes Projekt zu sein. Ein Projekt zudem, von dem alle profitieren und das es verdiente, in den Zeitschriftenkiosken Fuß zu fassen. Geschichte ist wichtig und ihre Kenntnis noch viel mehr. Und wenn »Der Spiegel« obendrein noch Geld damit verdient, ist das auch nicht von Schaden, es gibt weiß Gott Schlimmeres. Endlich einmal kein weiterer Lifestyle-Magazin-Klon oder Frauen-Magazin-Abklatsch, dafür gönnt man dem »Spiegel« auch ein kleines bisschen Gewinn. Es ist übrigens als gutes Zeichen im Sinne des Kampfes gegen die Verdummung zu werten, dass »einestages« am 5. März den goldenen LeadAward 2008 in der Kategorie »Webmagazin des Jahres« erhielt und nicht irgendein Lifestyle-Webmagazin. Muss es da weiter stutzig machen, dass »Der Spiegel« in der Sponsorenliste des LeadAward auftaucht? Es bleibt abzuwarten, ob der Printausgabe der gleiche Erfolg beschieden sein wird wie der Online-Version.

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Suizid bei Olympia? Oder doch eher ein Fall für Bastian Sick?

In seinen gestrigen „Top-News: Das Wichtigste am Mittag” vermeldete Spiegel Online folgende zunächst dramatisch anmutende Nachricht über einen deutschen Sportschützen:

„Ralf Schumann erschoss sich mit seiner Schnellfeuerpistole [...]”

nicht jedoch, ohne dann doch noch zur allgemeinen Beruhigung hinzuzufügen:

„[...] Silber.”

Die hierbei mögliche Irritation beim Hörer beruht wohl auf der Tatsache, dass die reflexive Form des Verbs „erschießen” gemeinhin nicht in einer Kette „Dativobjekt-Akkusativobjekt” verwendet wird, sondern lediglich mit einem der Reflexivform innewohnenden Akkusativobjekt. Setzt man nun die feststehende Form „sich erschießen” in Bezug zu einem Dativobjekt und lässt dann ein sich darauf beziehendes Akkusativobjekt folgen, besteht die Gefahr der Missverständlichkeit. Diese Gefahr betrifft wie im oben geschilderten Fall z.B. die dritte Person Singular, da bei dieser die Form des Reflexivpronomens vom Kasus unberührt bleibt. Gleiches trifft aber auch auf die erste, zweite und dritte Person Plural zu:

Ich erschieße mich / mir
Du erschießt dich / dir
Er / sie / es erschießt sich / sich
Wir erschießen uns / uns
Ihr erschießt euch / euch
Sie erschießen sich / sich

Es ist anzunehmen, dass sich eben aufgrund dieser Problematik die Wendung „jmdm. etw. erschießen” nirgendwo lexikalisiert findet. Selbstverständlich steht es jedem frei, Neologismen bzw. Wendungen und Kombinationen in den Sprachschatz einzubringen. Das macht diesen ja unter anderem aus. Wenn man sich Gold erschwimmen und Bronze erlaufen kann, warum sollte man sich nicht auch Silber erschießen können? „Jmdm. etw. erlaufen” ist beispielsweise lexikalisiert, nämlich: „durch Laufen (als Preis) gewinnen: du hast [dir] viele Trophäen erlaufen.”1

Bei solchen Übertragungen anderer unproblematischer Wendungen sollte man jedoch vielleicht darauf Acht geben, dass es nicht zu unliebsamen Missverständnissen kommt. Natürlich erschließt der Kontext alsbald den gewollten Sinn. Dennoch stockt man zunächst. „Sich Silber erschwimmen” ist deshalb unproblematisch, weil „sich erschwimmen” allein nicht lexikalisiert ist, schon gar nicht mit problematischer Bedeutung. „Sich erschießen” hingegen ist eben lexikalisiert.

Was spräche dagegen, in einem missverständlichen Fall herkömmliche Verben wie „erkämpfen”, „erstreiten” „erringen”, „erreichen” oder „erzielen” zu verwenden? Dass man auf „gewinnen” verzichtet, ist dann verständlich, wenn deutlich gemacht werden soll, dass der Sieg weniger auf Glück als vielmehr auf Kampf, Zähigkeit, Fähigkeit, Konzentration, Betablocker – wie offenbar im Fall des nordkoreanischen Sportschützen Kim Jong Su – oder anderweitige Leistung zurückzuführen ist.

Besonders problematisch wird „jmdm. etw. erschießen”, wenn die 3.P.Sg. oder eine der drei Personen Plural im Präteritum verwendet werden – wie im behandelten Beispiel – weil hier die Syntax so geartet ist, dass das Akkusativobjekt erst an letzter Position erscheint und somit Leser bzw. Hörer bis zuletzt im Unklaren lässt bzw. im Glauben, dass sich jemand erschossen habe. Die Formulierung im Perfekt wäre hingegen unproblematisch, weil hier das erklärende Akkusativobjekt vor dem problematischen Verb kommt: „Er hat sich Silber erschossen.” Das Präsens dagegen birgt das gleiche Problem wie das Präteritum: „Er erschießt sich Silber.” Das Plusquamperfekt ist wieder unproblematisch: „Er hatte sich Silber erschossen.” Ebenso unproblematisch sind Futur I und Futur II: „Er wird sich Silber erschießen bzw. erschossen haben.”

Doch Spiegel Online macht den Eindruck, „jmdm. etw. erschießen” zur Gleichberechtigung gegenüber „jmdm. etw. erlaufen” verhelfen zu wollen. So kann man dort z.B. in einem Artikel vom 30.11.2007 über die Biathletin Magdalena Neuner lesen:

Sie [...] düpierte die gesamte Biathlon-Weltspitze, erlief und erschoss sich Gold in den Disziplinen Verfolgung, Sprint und in der Staffel.

Das klingt ja schon fast nach dem „goldenen Schuss”. Im Kampf um die Gleichberechtigung will wohl auch der Hessische Rundfunk nicht hintan stehen und vermeldete gestern:

Der [...] Sportschütze Christian Reitz ist der erste Hesse, der in Peking eine Medaille erobert hat. Am Samstagfrüh [sic] erschoss er sich Bronze.

Weniger missverständlich, da sensibler formuliert, äußert sich die kostenlose Schweizer Pendlerzeitung „.ch”, wo es in einer Meldung vom 15. August heißt:

Die Bronzemedaille erschoss sich der Russe Bajir Badenow gegen Juan Rene Serrano aus Mexiko [...].

Ein geschickter syntaktischer Schachzug: Man stellt einfach das Akkusativobjekt ganz an den Anfang und kann somit problemlos „jmdm. etw. erschießen” in der 3.P.Sg. und im Präteritum verwenden. Hier wird allerdings „jmdm. etw. erschießen” noch ergänzt, so dass man „jmdm. etw. gegen jmdn. erschießen” erhält.

Ebenfalls sprachlich sensibler als Spiegel Online und der Hessische Rundfunk zeigt sich ausgerechnet der Deutsche Schützenbund, der nämlich in einer Meldung vom 5. Mai dieses Jahres den doppeldeutigen Begriff in Anführungszeichen setzt:

In der Einzelwertung der Junioren war es Florian Hoheisel [...], der sich mit 595 Ring [sic] die Goldmedaille »erschoss«.

Möglicherweise ist man angesichts der jüngsten Amokläufe um seinen Ruf besorgt und will Missverständnisse um jeden Preis vermeiden.

Ein Beispiel, bei dem die Aufklärung wirklich lange auf sich warten lässt, findet sich in den aktuellen Mitteilungen des SSG-Röwekamp, eines Schützenvereins aus dem Landkreis Osnabrück, wo es heißt:

Lisa erschoss sich im Finale mit anschliessendem Stechschuß vom 6. Platz aus gestartet noch die Bronzemedaille.

Spätestens nach dem Stechschuss wähnten die meisten Leser Lisa wohl nicht mehr unter den Lebenden. Ganz davon zu schweigen, dass hier der Gebrauch von Eszett und doppeltem „S” etwas durcheinander geraten ist und auch der Einsatz von Kommas zum Zweck der Gliederung und Verständniserleichterung ein wenig zu kurz gekommen ist.

Abschließend sei festgehalten, dass es nun nicht gerade so ist, dass Spiegel Online dem „Sprachwahrer des Jahres 2004” und Redaktionsmitglied eben dieses Mediums – Bastian Sick – nicht auch mitunter ein Betätigungsfeld böte, auch wenn dieser sicher vor lauter Arbeit bisweilen erschossen ist …2

  1. Quelle: DUW []
  2. „erschossen sein (ugs.; am Ende seiner Kräfte, völlig erschöpft sein)” Quelle: ebd. []
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